Verlag: Plaisir d'Amour Verlag Kategorie: Erotika Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

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E-Book-Beschreibung Entfessle mich! - Carmen Liebing

Den Fängen ihres gewalttätigen Ehemanns entkommen, beginnt Renée ihr neues Leben als Buchhalterin in einem Nachtclub. Privat geht sie jeder neuen Beziehung aus dem Weg, denn sie hat geschworen, sich nie wieder von einem Mann beherrschen zu lassen. Bis eine Affäre mit dem smarten, aber dominanten Briten Derek Thornton ihre Schwüre ins Wanken bringt und Renée sich auf erotische Rollenspiele mit dem Investor einlässt. Doch ein dunkles Geheimnis aus Dereks Vergangenheit ruft alte Feinde auf den Plan, und während er lernen muss, zu seinen Gefühlen zu stehen, zweifelt Renée, ob sie ihm noch wirklich vertrauen kann ... Ein romantischer BDSM-Roman.

Meinungen über das E-Book Entfessle mich! - Carmen Liebing

E-Book-Leseprobe Entfessle mich! - Carmen Liebing

Carmen Liebing

Entfessle mich!

Erotischer Roman

© 2017 Plaisir d’Amour Verlag, D-64678 Lindenfels

www.plaisirdamourbooks.com

info@plaisirdamourbooks.com

Covergestaltung: © Sabrina Dahlenburg (www.art-for-your-book.weebly.com)

ISBN Taschenbuch: 978-3-86495-281-4

ISBN eBook: 978-3-86495-282-1

Sämtliche Personen in diesem Roman sind frei erfunden. Dieses eBook darf weder auszugsweise noch vollständig per E-Mail, Fotokopie, Fax oder jegliches anderes Kommunikationsmittel ohne die ausdrückliche Genehmigung des Verlages oder der Autorin weitergegeben werden.

Inhalt

Kapitel 1: Kalter April

Kapitel 2: Das Spiel

Kapitel 3: Lehrzeit

Kapitel 4: Gedankenblitze

Kapitel 5: Derek

Kapitel 6: Renée

Kapitel 7: Der falsche Eindruck

Kapitel 8: Einsichten

Kapitel 9: Freundschaften

Kapitel 10: Gefahr zieht auf

Kapitel 11: Zahltag

Kapitel 12: Entwarnung

Kapitel 13: Ein Absturz

Kapitel 14: Bewährungsprobe

Kapitel 15: Eine Trennung

Kapitel 16: Zweimal Hölle und zurück

Kapitel 17: Die Pflicht der Sklavin

Kapitel 18: Kein Kniefall

Kapitel 19: Glück

Kapitel 20: Nachtrag zum Glück

Autorin

Kapitel 1: Kalter April

An diesem kalten Tag im April hatte ich nach langer Zeit wieder einmal verschlafen. Erst meine Freundin und Nachbarin Jenny hatte mich geweckt. Sie besaß einen eigenen Schlüssel und hatte sich damit selbst eingelassen.

»Hey, aufstehen, Schlafmütze! Sam wird zu spät zur Schule kommen!«

 Sie wartete gar nicht erst auf eine Reaktion von mir, sondern ging gleich ins Kinderzimmer, um meinen siebenjährigen Sohn aus dem Bett zu werfen, der wesentlich schneller auf den Beinen war als ich. Bis ich verschlafen in die Küche wankte, saß er schon fertig angezogen beim Frühstück, das Jenny schnell gemacht hatte. Sie grinste mich an und packte eine Dose mit seinem Pausenbrot in seine Schultasche.

»Lass gut sein, Renée! Ich bringe Sam zur Schule und du kannst dich in Ruhe für die Arbeit fertig machen. Pass auf der Straße auf, es ist wieder mal spiegelglatt draußen. Bis heute Abend dann.«

Sam zog seine Jacke an und gab mir einen dicken Knutscher auf die Backe.

»Mach’s gut, Mami! Ich hab dich lieb!«

Dann waren sie weg, und ich nahm mein Hörnchen in die Hand, um es auf dem Weg zur Arbeit zu essen. Zehn Minuten später verließ ich den Bus und stöckelte vorsichtig über das rutschige Pflaster der kleinen Seitenstraße, die zu meinem Arbeitsplatz führte.

Ich ging vorsichtig, mich mit einer Hand am Geländer festhaltend, die leicht vereisten Stufen zum Club hinauf. Vladim, unser slowakischer Türsteher und der gute Geist des Hauses, war gerade dabei, Streusalz zu verteilen, und schüttelte missbilligend den Kopf über meine hochhackigen Pumps.

»Täubchen, du solltest bei dem Wetter vernünftigeres Schuhwerk tragen!«

Er hatte gut reden, war er doch von Natur aus groß gewachsen. Ich dagegen versuchte ständig, meine üppige Figur mithilfe hoher Absätze zu strecken. Aber selbst die höchsten Absätze, auf denen ich noch laufen konnte, brachten mich nur auf knappe 169 Zentimeter. Ich sah Vladim Hilfe suchend an und er zeigte Erbarmen mit mir. Seufzend stellte er den Salzeimer ab, gab mir die Hand und begleitete mich zur Eingangstür des Edelbordells, in dem ich mir meinen und Sams Lebensunterhalt verdiente.

Ich tat das allerdings nicht in einem der liebevoll eingerichteten Mottozimmer, an meinem hing das unscheinbare Schildchen Büro/Privat. Es lag auf der rechten Seite des Flurs, gegenüber befand sich der Rundbogen, der zur Lounge führte. An der gedämpften Klaviermusik von dort hörte ich, dass schon Gäste anwesend waren.

Sie verstummte beim Schließen der Tür und ich hängte meinen Mantel auf der Innenseite der Tür an den Haken. Seufzend sah ich auf die Knitterfalten in meinem Rock und versuchte, ihn glatt zu streichen, bevor ich den Computer hochfahren ließ. Dabei fiel mein Blick auf zwei neue Hefter auf meinem Schreibtisch. Da schien bereits Arbeit auf mich zu warten. Paul hatte zwei neue Mädchen eingestellt und so beschäftigte ich mich zuerst mit den passenden Verträgen.

Es erfüllte mich immer wieder mit Stolz, dass Paul und ich es in mühevoller Arbeit geschafft hatten, dieses Bordell zur ersten Adresse der Stadt zu machen. Wir setzten auf Niveau und wählten sowohl die Frauen als auch unsere Gäste sehr sorgsam aus. Es war das Beste gewesen, das ich mit dem Erbe meines verstorbenen Mannes hatte machen können, den Betrag, der mir von seiner Lebensversicherung ausgezahlt wurde, in dieses Unternehmen zu investieren. Ich beschloss, die Zeit, die der Drucker für seine Arbeit brauchte, zu nutzen, um mir einen Kaffee zu holen.

Die Musik perlte wieder auf, als ich mein Büro verließ, und ich folgte den sanften Tönen in den Mittelpunkt dieses schönen Hauses. Am schwarzen Flügel saß Stephan, der jüngste Sohn von Vladim, mit zwei Mädchen an seiner Seite. Drei der kleinen, runden Sitzecken waren mit Paaren besetzt, wovon eines sich gegenseitig mit Frühstück fütterte. Hinter der Theke entdeckte ich Pavel, Vladims anderen Sohn, beim Gläserpolieren. Er nickte mir kurz zu und sein Blick wies mich an die linke Thekenseite mit den einzelnen Clubsesseln. Dort saß Paul mit einem Besucher, der eine unserer Broschüren in der Hand hielt und sie studierte.

Der Mann schien ziemlich groß zu sein, trug einen dunklen Anzug und elegante Schuhe an den Füßen und seine Hände waren leicht gebräunt. Doch es war sein Profil, das mich den Atem anhalten ließ. Klassisch war das erste Wort, das mir dazu einfiel. Da er konzentriert las, hatte er den Kopf leicht gesenkt und eine Strähne seiner schwarzen Haare fiel ihm in die Stirn. Über eine perfekt geschwungene Augenbraue schweifte mein Blick zu einer geraden Nase und einer starken Kinnlinie, um die ein leichter Bartschatten lief. Ich konnte nur die Hälfte seiner vollen Lippen sehen, schnappte aber trotzdem nach Luft, weil mir urplötzlich die Frage in den Kopf schoss, wie es sich wohl anfühlte, diese Lippen zu küssen. Ich dachte einen atemlosen Moment tatsächlich darüber nach, wie es wäre, von diesem Mann geküsst zu werden.

Ich war noch damit beschäftigt diesen Gedanken zu verdauen, als Paul hochblickte und mir direkt in die Augen sah. Er grinste, winkte mich zu sich und schien seinem Gast dabei meine Anwesenheit angekündigt zu haben, denn dieser legte seine Lektüre zur Seite, stand auf und wandte sich mir erwartungsvoll zu.

Der Blick in seine samtblauen Augen holte den flüchtigen Gedanken an einen Kuss, den ich vorhin gehabt hatte, sofort zurück. Erstaunt bemerkte ich das leise Zittern meiner Knie, wischte mir die schweißnassen Handflächen an meinem Rock ab und ergriff, völlig perplex, die mir entgegengestreckte Hand.

»Guten Morgen, Frau Klinger! Ich bin Derek Thornton und freue mich sehr, Sie kennenzulernen!«

Er sprach ein nahezu perfektes Deutsch mit einem dunklen, samtig klingenden Unterton in der Stimme, der mich unwillkürlich an Thomas Hardy denken ließ.

Seine Hand war warm, stark und sein Daumen strich flüchtig über mein Handgelenk, als wollte er kurz meinen Puls prüfen. Ich spürte sofort die Röte, die mir daraufhin ins Gesicht schoss. Der Augenblick verging so schnell, dass ich schon an Einbildung glaubte, während ich, auf Pauls einladende Handbewegung hin, auf dem einzigen noch freien Stuhl Platz nahm. Der Besucher setzte sich mir gegenüber und schaute mich unentwegt an.

Paul schenkte mir eine Tasse Kaffee ein und plötzlich erinnerte ich mich wieder an diesen Geschäftstermin. Mr. Thornton hatte sein Interesse bekundet, sich als stiller Teilhaber an unserem Club zu beteiligen, und ich wunderte mich, warum dieser Mann sein Geld ausgerechnet in einem deutschen Bordell anlegen wollte.

Darüber versank ich so in Gedanken, dass Paul mich am Arm rütteln musste, um meine Aufmerksamkeit wieder zurück auf das Gespräch zu lenken.

»Renée, bist du noch da?«

Hastig griff ich nach meiner Tasse, ließ sie aber lieber stehen, als ich das leichte Zittern meiner Hände bemerkte.

»Entschuldige bitte, aber ich denke, ich sollte zu meiner Arbeit zurückkehren. Ich habe viel zu tun und du kommst hier sicher ohne mich zurecht.«

Unser Besucher stand galant auf, als ich mich erhob, und schenkte mir ein gewinnendes Lächeln. Allerdings erkannte ich an einem leichten Zucken in seinen Mundwinkeln, dass er meine Aussage als das enttarnt hatte, was sie war: eine Flucht! Ich musste weg aus seiner Nähe, die mich so nervös machte, als wäre ich ein Schulmädchen. Der Blick in seine Augen hatte ein lang verdrängtes, ungeliebtes Gefühl in mir zu neuem Leben erweckt: Die Neugierde auf einen Mann!

Verwirrt machte ich mich auf den Weg in mein kleines Büro. Während ich die Seiten ordnete, die der Drucker inzwischen ausgespuckt hatte, erwischte ich mich bei dem Wunsch, mehr über unseren zukünftigen stillen Teilhaber zu erfahren. Würde er nun vielleicht öfter hier sein?

Es klopfte an der Tür und ich fuhr zusammen wie ein ertappter Dieb. Noch bevor ich antworten konnte, wurde die Tür geöffnet und Vladim steckte seinen Kopf zu mir herein.

»Hast du kurz Zeit, Renée? Paul sitzt mit dem feinen Pinkel fest und ich bräuchte einen Rat wegen der Lounge im Garten.«

Das kam mir gerade recht, denn die frische Luft würde mir guttun, und so ging ich ohne meinen Mantel mit, obwohl Vladim den Kopf schüttelte.

Dieses Jahr wollten wir unsere Außenanlagen in Ordnung bringen, denn das Grundstück war viel zu groß und zu schön, um nicht genutzt zu werden.

Die Vorderseite hatten wir bereits zur Eröffnung von einem Gartenbauer anlegen lassen, nun wollten wir das restliche Gelände zu einer Wohlfühloase umgestalten. Die kiesbestreuten Wege knirschten unter unseren Füßen, weil noch immer etwas Schnee lag und der Frost alles mit einer feinen, glitzernden Eisschicht überzogen hatte. Dieses Jahr wollte der Winter einfach nicht weichen. Ich folgte Vladim um das Haus herum und hörte gespannt seinen Ausführungen, wie er das geplante Labyrinth gestalten wollte, zu. Es müsste sich direkt an die Terrasse anschließen, da der Park mit seinen alten Bäumen so weit wie möglich erhalten bleiben sollte. Es gab sogar einen kleinen Bach im hinteren Teil der Anlage, der das Grundstück durchquerte. Inzwischen bereute ich meinen Entschluss, den Mantel im Büro hängen gelassen zu haben. Ich fröstelte und schlang die Arme um meinen Oberkörper. Vladim bemerkte es grinsend und beeilte sich mit seiner Frage.

»Ich möchte den Bachlauf mit kleinen Bänken ausstatten. Dabei dachte ich auch an Statuen oder Büsten mit passenden Zitaten aus berühmten erotischen Büchern. Eine Art Lehrpfad durch die erotische Literatur. Was meinst du? Paul hat gesagt, damit kenne er sich nicht aus, ich solle dich fragen.«

»Die Idee finde ich gut. Wenn du glaubst, dass sie mit unserem Budget vereinbar ist und dir genug passende Zitate einfallen, dann setz sie um.«

Erstaunt sah ich, wie er wieder grinste, sich an die Mütze tippte und einfach wegging. Dann erklang hinter mir eine männliche Stimme.

»Wenn du zu Frauen gehst, vergiss die Peitsche nicht! Nietzsche, so viel ich weiß!«

Mein Frösteln ging schlagartig in eine aufsteigende Hitzewelle über. Unser zukünftiger Teilhaber stand, mit den Händen in den Hosentaschen, an einen Baum gelehnt und lächelte mich an.

Wo kam er denn so plötzlich her? War er uns gefolgt, um sich den Garten anzusehen? Ich redete mir das ein, obwohl ihn Paul dann sicher begleitet hätte. Der abwartende, neugierige Blick, mit dem er mich musterte, verriet mir, dass er meinetwegen hier draußen war. Diese Erkenntnis traf mich so überraschend, dass ich nur mit Mühe der Versuchung standhalten konnte, schon wieder vor ihm zu flüchten.

»Wieso überrascht mich Ihre Wahl nicht?«

Meine Frage klang aggressiver als beabsichtigt, doch jetzt war es raus und ich musste auf seine Antwort warten. Er löste sich vom Baum und kam näher, wobei das Lächeln von seinen Lippen verschwand. Als er direkt vor mir stand, begann der lauernde Ausdruck in seinen Augen mir Angst zu machen. Ich streckte mich unwillkürlich, um über ihn hinweg nach Vladim zu sehen, der aber gerade um die Hausecke abbog. Wir waren im frostigen Garten allein.

Wieso musste er mich einfach nur ansehen, um mich so zu verunsichern? Mein Fluchtinstinkt wurde übermächtig, und ich wollte dem Mann, der immer näherkam, ausweichen. Dabei rutschte ich am gefrorenen Bachufer aus und landete unsanft auf dem Hosenboden.

Na prima, fluchte ich innerlich und versuchte, mich wieder aufzurappeln. Der Mistkerl könnte mir wenigstens helfen, war mein nächster Gedanke, als ich auch schon seine Hand auf meiner Schulter spürte. Doch er hielt mich unten, anstatt mir aufzuhelfen. Ich schnappte entsetzt nach Luft, wollte ihn abschütteln, aber er ging neben mir in die Hocke und legte mir auch seine andere Hand auf die Schulter. So schnell hatte mein Herz schon lange nicht mehr geschlagen. Langsam begann die Kälte des Bodens in mir hochzukriechen, aber Derek Thornton ließ mich nicht los. Ich sah zu ihm auf und erst in diesem Moment bequemte er sich zu einer Antwort.

»Weil Sie es wussten! Weil nichts so sicher ist wie der Instinkt, die Intuition einer Frau.«

Ich suchte in seinem Gesicht nach einer Erklärung seiner Worte und natürlich auch auf die Frage, warum er mir nicht aufstehen half. Aber seine Miene verriet mir nichts, und er begann, mir unheimlich zu werden. Seine Hände glitten von meinen Schultern, umfassten meine Oberarme und zogen mich dadurch, während er sich selbst erhob, mit auf die Beine.

Er schlüpfte aus seinem Jackett und legte es mir um. Dann raffte er es mit einer Hand am Revers zusammen und schob seine andere darunter um meine Taille.

»Sie wollten mir wohl entkommen, schöne Renée! Aber Sie werden lernen müssen, dass Ihnen das nicht gelingt!«

Von meiner Körpermitte löste sich ein warmes kribbelndes Band, das sich durch meine Nervenzellen fraß. Es traf auf die Reste der Kälte in mir und versetzte mir einen Schock. Ich versuchte, mich aus seinem Griff zu befreien, und da ließ er mich los. Mit einem Lächeln, als ob nichts gewesen wäre, legte er erneut einen Arm um meine Schulter, machte sich auf den Rückweg zum Haus, und mir blieb nichts Anderes übrig, als wortlos mit ihm zu gehen. Ich wollte nicht noch mehr Sätze von ihm hören, die mich so verwirrten.

An der Tür empfing uns Paul mit einem fragenden Blick, und ich nutzte die Gelegenheit, aus Dereks Umklammerung zu fliehen. Ich gab ihm sein Jackett zurück, strich über meinen Rock, dessen Rückseite vom Sitzen auf dem Eis feucht geworden war, und wollte mich in mein Büro verziehen. Paul hielt mich jedoch mit einem Griff an meinem Ellenbogen auf, deutete auf den nassen Rock und wechselte einen strengen Blick mit dem Besucher.

»Gibt es etwas, das ich wissen sollte? Sie können sich in diesen Betrieb einkaufen, Mr. Thornton, aber Renée kümmert sich nur um die Verwaltung und nicht um die Gäste. Ich denke, ich hatte das schon erwähnt.«

Ich stand mit offenem Mund dabei und wäre am liebsten im Erdboden versunken. Wie konnte Paul wissen, dass ich nicht nur einen harmlosen Zusammenstoß mit Thornton gehabt hatte? War das so ein Ding unter Männern? Der Angesprochene zuckte mit keiner Wimper und erwiderte Pauls Blick.

»Das hatten Sie tatsächlich. Ich glaube aber, dass Ihre spröde Bürokraft durchaus in der Lage ist, ihre Position selbst zu verteidigen. Das Einzige, wovor man sie retten muss, ist ihre Unbesonnenheit. Wer sich in diesem Aufzug aufs Eis begibt, muss damit rechnen, auszurutschen.«

Er deutete eine Verbeugung an und streckte mir seine Hand entgegen. Ich ergriff sie überrascht und staunte über den festen Händedruck, den ich spürte. Ich fühlte mich zu einer Bemerkung genötigt, die erstaunlicherweise ungewohnt schüchtern aus meinem Mund kam.

»Er hat recht, Paul. Ich bin im Garten gestürzt, und Mr. Thornton war so freundlich, mir aufzuhelfen. Ich hätte mit diesen Schuhen nicht in den Garten gehen dürfen. Dieses Erlebnis soll mir eine Lehre sein und es wird mir sicher nie wieder passieren.«

Gegen Ende meiner Rede war meine Stimme wieder fester geworden, und ich sah an seinem amüsierten Lächeln, dass die Botschaft bei ihm angekommen war. So schnell würde ich ihm keine Gelegenheit mehr geben, mich in Verlegenheit zu bringen. Da er noch immer meine Hand hielt, konnte er sie an seine Lippen ziehen und mir einen flüchtigen Kuss darauf hauchen.

»Schade! Dabei wäre ich jederzeit bereit, Ihnen noch mal aus einer misslichen, feuchten Lage zu helfen!«

Verdammt, er konterte geschickt genug, um mich kurz aus der Fassung zu bringen. Paul bemerkte die Spannung zwischen uns, da er aber nichts Näheres wusste, schüttelte er nur den Kopf. Ich erlöste ihn, indem ich Thornton meine Hand entzog und die Tür zu meinem Büro öffnete.

»Die Herren entschuldigen mich sicher, ich habe noch zu arbeiten.«

Ich ordnete die Personalbögen, heftete sie ab und ärgerte mich dabei über meine abschweifenden Gedanken. Es war lange her, dass es ein Mann geschafft hatte, mein Interesse zu wecken. Wenn ich ganz ehrlich war, hatte mich nicht einmal mein verstorbener Ehemann Harald derart beschäftigt, wie dieser Derek Thornton es tat. Das lag sicher zum Großteil daran, dass meine Erinnerung an Harald keine Gute war. Sechs Jahre war es jetzt schon her, dass ein betrunkener Autofahrer meinen ebenfalls betrunkenen Ehemann überrollt und getötet hatte. Trotzdem spürte ich die Narben dieser Ehe immer noch auf meinem Körper brennen. Harald war ein gemeiner Schläger gewesen, der seine ganze Frustration an mir ausgelassen hatte. Ich war zu jung und zu naiv in diese Ehe geschlittert und hatte es nicht geschafft, ihn aus eigener Kraft zu verlassen. Ein weiterer Grund für mein Ausharren war mein Sohn Sam gewesen, der knapp ein Jahr alt war, als sein Vater starb. Seitdem war ich jedem näheren Kontakt mit einem Mann aus dem Weg gegangen. Zu groß war meine Angst, wieder an den Falschen zu geraten. Bis heute hatte sich mein Leben als Frau auf vereinzelte unverbindliche One-Night-Stands beschränkt, und keiner dieser Männer hatte mich je so durcheinandergebracht, wie meine heutige Begegnung mit Derek Thornton, der ganz ohne Zweifel genau wusste, was er wollte. Der Gedanke, dass es sich dabei um mich handeln könnte, versetzte meine Nerven in Hochspannung.

Aus dieser Gefühlslage heraus öffnete ich die Suchmaschine am PC und gab seinen Namen ein. Die aufpoppenden Ergebnisse raubten mir für einen Moment den Atem. Ich dankte insgeheim meinem Englischlehrer, der mir die Sprache eingetrichtert hatte, und begann, die verschiedenen Artikel der Reihe nach durchzulesen.

Ich fand Derek Thornton in der Forbesliste, der Liste der begehrtesten Junggesellen und in verschiedenen anderen mehr oder weniger seriösen Listen. In einem Artikel wurde seine Verwicklung in einen Skandal geschildert, der ihm als junger Mann eine Bewährungsstrafe eingebracht hatte. Daraufhin hatte sein Vater ihn enterbt. Diese Tatsache schockte mich nicht annähernd so wie die Feststellung, dass ein Schloss in England seine Heimat war. Seine Firma operierte international, und ich wunderte mich erneut über sein Interesse an unserem zwar erstklassigen, aber im Vergleich zu seinen sonstigen Investitionen trotzdem unbedeutenden Bordell.

Mehrere Bilder zeigten ihn mit verschiedenen blonden Frauen an seiner Seite, alles ausgesuchte Schönheiten, die aber für mich keine Ausstrahlung hatten. Sie erschienen mir nur wie schmückendes Beiwerk neben ihm, als wären sie ein Teil seines Besitzes.

Als mein Magen mich dann mit einem leisen Knurren daran erinnerte, dass meine letzte Mahlzeit das eilige Frühstück mit Sam und Jenny gewesen war, beschloss ich, etwas zu essen. Ich ging den Flur entlang, am Torbogen, der zur Lounge führte, vorbei, zu den weiter hinten liegenden Wirtschaftsräumen. Dort hörte man schon von Weitem das Klappern von Geschirr aus unserer perfekt ausgestatteten Küche. Sie war zwar klein, aber wir hatten Wert auf gutes Personal gelegt. Antonio, unser spanischer Koch, war bereits mitten in den Vorbereitungen für das Speisenangebot des Abendessens. Daran merkte ich erst, wie schnell die Zeit verflogen war. Inzwischen war es später Nachmittag geworden.

Ich setzte mich mit einem Teller Spaghetti al olio in den privaten Aufenthaltsraum des Personals. Alle Angestellten hatten anscheinend genug zu tun und so konnte ich beim Essen ungestört an den heutigen Morgen denken. Als ich die letzte Nudel aufrollte, war ich bei dem Entschluss angekommen, das Ganze als einen zwar ungewöhnlichen, aber dennoch schmeichelnden Flirtversuch zu sehen.

Ich bekam ein schlechtes Gewissen, weil ich mich heute noch gar nicht bei meinem Sohn gemeldet hatte, und fischte deshalb mein Handy aus der Rocktasche, während ich meinen mittlerweile leeren Teller in die Küche brachte. Auf dem Rückweg zu meinem Büro tippte ich die Kurzwahl und hörte nach dem ersten Klingeln seine fröhliche Stimme.

»Hallo Mama! Kommst du bald nach Hause? Ich muss dir unbedingt mein neues Tierbuch zeigen, das Jenny mir geschenkt hat. Ich übe damit das Lesen und es sind so viele schöne Bilder drin.«

Sam war von Tieren absolut begeistert. Paul hatte uns deswegen eine Jahreskarte für den Zoo besorgt und wir waren so oft wie möglich dort. Nur der lange Winter hatte uns dieses Jahr bisher davon abgehalten. Ich lehnte mich an die Wand neben dem Torbogen und antwortete meinem Sohn.

»Ich werde noch in etwa eine Stunde arbeiten müssen. Aber Paul hat mir morgen frei gegeben, da können wir endlich in den Tiergarten gehen.«

Vom anderen Ende kam ein erfreutes Jauchzen, dann verabschiedete ich mich erst mal von Sam.

»Bis später, mein Liebling!«

Ich war in Gedanken noch bei meinem Sohn, sah mit gesenktem Kopf auf mein Handy und wurde deshalb von der Stimme direkt vor mir überrascht.

»Der Glückliche! Sie tragen keinen Ring, ich dachte nicht, dass Sie bereits in festen Händen sein könnten. Das freut mich für Sie, ist aber ohne Zweifel ein Verlust für die Männerwelt. Arbeiten Sie seinetwegen nur im Büro, Renée?«

Im ersten Moment wollte ich seinen Irrtum aufklären, dann entschied ich mich jedoch dagegen. Vielleicht würde er ja endlich damit aufhören, mir zu nahe zu kommen, denn seine Gegenwart begann erneut, mich zu verwirren.

»Ja, ich arbeite seinetwegen im Büro, und genau dorthin werde ich jetzt verschwinden, meine Arbeit beenden und anschließend zu ihm nach Hause gehen. Sie entschuldigen mich also!«

Aber er stützte vor meinem Gesicht die Hand gegen die Wand und versperrte mir damit den Weg.

»Ich entschuldige Sie schon den ganzen Tag. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, Sie gehen mir aus dem Weg. Zumindest versuchen Sie es andauernd.«

Er strich mir mit der Rückseite seines Zeigefingers über die Wange und wickelte dann eine meiner Haarlocken darum.

»Morgen werden wir unsere neue Partnerschaft mit einem kleinen Dinner feiern. Ich bestehe darauf, dass Sie daran teilnehmen. Sagen Sie dem Glückspilz, dass er Sie für einen Abend entbehren muss.«

Er hatte den Kopf leicht gesenkt, um mir in die Augen sehen zu können, und ich glaubte, in seinem funkelnden Blick zu versinken. Mein Herz begann zu hämmern und ich wollte mich abwenden. Doch er ließ mich nicht entkommen, nahm seine Hand von der Wand, griff in meinen Nacken, bog mir so den Kopf ein wenig nach hinten, fuhr mir mit dem Zeigefinger über meine Unterlippe und wisperte: »Ich werde kein Nein akzeptieren, versuchen Sie es gar nicht erst. Sie sind zu klug, um nicht zu wissen, dass ich bekomme, was ich will!«

Ich stand wie erstarrt und suchte verzweifelt nach einer passenden Antwort, aber seine Stimme schien mich zu hypnotisieren, seine Berührung verbot meinen Lippen jegliches Widerwort. Ergeben nickte ich, und diese kleine Bewegung brachte ihn dazu, mich loszulassen.

»Wenn Sie es wünschen, Mr. Thornton, werde ich selbstverständlich anwesend sein.«

Daraufhin gab er mir den Weg frei, steckte die Hände in seine Hosentaschen und grinste mich an.

»Dann also bis morgen Abend, Renée! Ich bin schon sehr gespannt, Sie in einem Abendkleid zu sehen.«

Erleichtert hastete ich in mein Büro und lehnte mich dann aufatmend von innen gegen die geschlossene Tür. Dieser Mann ging mir unter die Haut. Er zog mich magisch an und ließ mich doch insgeheim vor Angst zittern, da ich instinktiv ahnte, dass ich ihm nicht gewachsen war. Was auch immer Derek Thornton von mir wollte, er würde es bekommen, genau, wie er gesagt hatte. Ich musste aufpassen, dabei nicht auf der Strecke zu bleiben.

Eine Stunde später hatte das Abendessen mit Sam und Jenny die Ereignisse des Tages aus meinen Gedanken verdrängt. Mein Sohn hatte mir aus seinem neuen Buch vorgelesen und ich hatte ihn gebührend gelobt. Seine Wangen glänzten vor Eifer, während er mit einem Finger den Zeilen folgte, und ich war sehr stolz auf ihn gewesen. Sam war ein freundlicher, meist fröhlicher Junge, der ein ziemlich gutes Gespür für Menschen hatte. Nichts an ihm erinnerte an seinen jähzornigen Vater, und dafür war ich mehr als dankbar. Jenny erklärte sich bereit, den Abwasch zu übernehmen, und ich brachte Sam ins Bett. Unser allabendliches Ritual endete immer mit einer Gutenacht-Geschichte, die ich ihm vorlas. Diesmal sollte es »Pu, der Bär« sein. Den Anfang sprach er noch auswendig mit, aber dann fielen ihm die Augen zu. Ich las leise ein paar weitere Worte, dann schloss ich das Buch und gab ihm einen Kuss.

»Gute Nacht, mein Held!«

Ich ging zurück ins Wohnzimmer und setzte mich neben Jenny auf das kleine Sofa. Die blonde Lehramtsstudentin saß im Schneidersitz und sah mich erwartungsvoll an.

»Was?«, fragte ich sie erstaunt. Sie hatte es mit ihrem Blick geschafft, Derek Thornton in meine Gedanken zurückzuholen. Ich hätte mir denken können, dass sie mir anmerken würde, dass etwas Ungewöhnliches geschehen war. Also seufzte ich und begann, ihr von dem Mann aus England zu erzählen. Ich ließ meine widerstreitenden Gefühle nicht aus, und als ich am Ende meines Berichts angekommen war, wartete ich gespannt auf ihre Reaktion.

»Wow! Es hat dich erwischt! Wieso machst du dir Gedanken darüber? Genieß es doch, dass so ein Mann dich begehrt. Oder bist du in puncto Flirten schon so aus der Übung?«

»Das ist es nicht. Ich frage mich nur, warum er mit mir flirtet. Der Mann steht mitten in einem Bordell mit schönen Frauen und verfolgt die Schreibkraft. Die Art, mit der er das tut, ist mir unheimlich. Er hat etwas Forderndes, Bestimmendes an sich, das keinen Widerspruch duldet.«

Jenny dachte einen Moment über meine Worte nach, dann runzelte sie die Stirn.

»Er ist eben ein Mann, der weiß, was er will und sicher auch gewohnt ist, es zu bekommen. Wieso zweifelst du schon wieder an dir selbst? Du bist eine schöne Frau mit einer fantastischen Ausstrahlung. Der Mann hat das gemerkt, das spricht für ihn. Wenn ich es richtig verstehe, zieht ihr euch sexuell an. Es geht doch nicht um eine nähere, tiefere Beziehung. Du denkst schon wieder zu viel. Wie ich bereits vorhin sagte, genieße es!«

Eigentlich hatte sie recht. Was sollte falsch daran sein, ein erotisches Abenteuer mit ihm zu beginnen? Ich konnte immer noch Nein sagen, wenn es nicht so laufen sollte, wie ich es wollte. Jennys fröhlicher Optimismus steckte mich an, und ich fing an, mich auf das Dinner zu freuen.

Am nächsten Tag stand aber erst mal der Besuch im Tiergarten an. Ich folgte meinem Sohn, der aufgeregt von einem zum anderen Gehege lief und mir dabei immer wieder die Tiere erklärte, die man darin sehen konnte. Er probierte seine neuen Lesekünste an den Tafeln aus und ich musste ihm nur bei den Fachbegriffen helfen. Aber schließlich lockte ihn der Spielplatz und ich suchte mir einen Sitzplatz auf einer der wenigen Bänke an der Seite. Weil dieser April immer noch so frostig war, gab es bisher nur die einfachen ohne Rückenlehne. Ich schwang mich mit einem Bein darüber und hatte dadurch meinen Sohn gut im Blick. Meine Gedanken begannen, zu dem anstehenden Dinner heute Abend und zu dem Mann, der auf meine Anwesenheit bestanden hatte, abzuschweifen. Dieser Derek Thornton blieb mir ein Rätsel. Ich konnte schlichtweg nicht verstehen, warum er etwas von mir wollte. Tat er das überhaupt? Oder bildete ich mir da etwas ein? Er brachte mich dazu, zwischen Selbstzweifel und Hoffnung zu schwanken.

 Hinter mir erklangen plötzlich Männerstimmen, aber bevor ich hochsehen konnte, fühlte ich schon eine Bewegung an der Bank. Jemand hatte sich hinter mich gesetzt, ein Arm legte sich um meine Taille, zog mich enger an einen warmen Männerkörper, und ich hörte die belustigte Stimme jenes Mannes, an den ich gerade noch gedacht hatte.

»Sie haben mich glauben lassen, es gäbe einen Mann in Ihrem Leben. Haben Sie nur vergessen zu erwähnen, dass er noch ein Kind ist, oder war das Absicht?«

Es machte keinen Sinn, mich gegen ihn zu wehren, denn sein Arm hielt mich eisern fest. Zudem ging seine Wärme auf mich über, und ich erwischte mich dabei, dass ich mich näher an ihn lehnte. Trotzdem versuchte ich, ihm zu widersprechen.

»Ich kann nichts dafür, wenn Sie falsche Schlüsse ziehen, Mr. Thornton.«

Seine andere Hand strich über meine Kehle und drückte meinen Kopf am Kinn etwas zur Seite. Gleich darauf fühlte ich seine feuchten Lippen unter meinem Ohrläppchen. Zuerst küssten sie mich, dann zupfte er leicht mit den Zähnen an der empfindlichen Haut und schickte damit kleine Stromstöße durch meinen Körper. Ich machte die Augen zu und genoss das Prickeln, das er in mir auslöste.

»Ich werde Ihnen die kleine Unwahrheit noch einmal nachsehen, aber merken Sie sich für die Zukunft, dass ich kein Mann bin, den man belügt. Das nächste Mal würden Sie es mehr als bereuen!«

Ich hielt entsetzt die Luft an. Sein Tonfall war so streng und hart gewesen, dass ein ungeheuerlicher Gedanke in mein Gehirn schoss. Als Mitbesitzerin eines Bordells konnte ich diesen Tonfall sofort einordnen. Obwohl mir von Anfang an klar gewesen war, dass er ein selbstbewusster Mann war, hatte ich dies nicht ernsthaft mit seiner sexuellen Neigung verbunden. Instinktiv schaltete ich daher jetzt doch auf Abwehr.

»Nein, das würde ich nicht! Weil ich Ihnen nämlich keine Rechenschaft schuldig bin. Sie haben sich in unser Geschäft eingekauft, nicht in mein Leben! Und jetzt lassen Sie mich los, bevor Sie noch mehr falsche voreilige Schlüsse ziehen.«

Von hinten kam ein heiseres kleines Lachen und seine Hand legte sich erneut an meine Kehle.

»Ich denke nicht, dass ich falschliege. Bis heute Abend dürfen Sie sich gerne selbst belügen, Renée. Mich können Sie nicht täuschen!«

Das klang fast wie eine Drohung. Ich versteifte mich in seiner Umklammerung und spürte mein nervöses Schlucken an seiner Hand. Mein Puls begann zu rasen und mir wurde wieder kalt. Sein Griff lockerte sich etwas, als er meine aufsteigende Panik bemerkte, die andere Hand verschwand von meiner Kehle, legte sich auf meine Stirn und drückte so meinen Kopf an seine Brust.

»Genau das meinte ich mit nicht lügen, Renée! Ihre ehrliche Angst wird von mir nicht ignoriert. Ich werde Ihnen beweisen, dass Sie mir vertrauen können, auch wenn Sie sich vielleicht von mir bedroht fühlen. Doch ich werde nicht zulassen, dass Sie vor mir flüchten.«

Einer seiner Begleiter stand plötzlich neben uns und klopfte ihm auf die Schulter.

»Hör auf, fremde Frauen an zu grapschen, Derek! Vielleicht ist sie verheiratet und du läufst Gefahr, Prügel von einem eifersüchtigen Ehemann zu beziehen. Komm mit, wir sind spät dran!«

Thornton ließ mich abrupt los und stand auf. Er nahm meine Hand und hauchte einen Kuss darauf.

»Bis heute Abend, Renée!«

Die lachende Gruppe zog weiter und ließ mich ziemlich entgeistert zurück. In diesem Zustand fand mich Jenny, die mit Verspätung im Zoo eintrudelte. Sie sah mir meinen Schrecken an und holte zwei Becher Kaffee vom nahen Kiosk.

»Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen! Was ist denn passiert?«

Ich nahm den warmen Becher in meine klammen Hände und erzählte ihr von der Begegnung mit Derek Thornton und von meiner neuen Erkenntnis über ihn.

»Jetzt graut mir vor heute Abend, weil ich nicht weiß, ob ich ihm widerstehen kann. Wieso muss der erste Mann, der mich wirklich reizt, ein dominanter Scheißkerl sein? Ich habe durchaus nichts dagegen, wenn er die Kontrolle beim Sex übernimmt, aber ich werde mich auf gar keinen Fall schlagen lassen. Nie wieder, das habe ich mir geschworen, werde ich Schläge von einem Mann hinnehmen. Ich habe genug Prügel von meinem Mann bezogen, das reicht für den Rest meines Lebens.«

Jenny kräuselte beim Überlegen die Nase und nippte an ihrem Kaffee.

»Bist du dir über seine sexuelle Neigung sicher? Vielleicht interpretierst du seine Worte einfach falsch? Und selbst wenn es so sein sollte, warum sagst du ihm dann nicht geradewegs, weswegen du ihm nicht nachgeben willst? Es könnte ja eventuell eine Lösung für dein Dilemma geben!«

Ich schüttete den kalt gewordenen Kaffee auf den Boden und warf den leeren Becher beim Aufstehen in den Abfalleimer. Sam kam angelaufen und bettelte um ein Eis. Ich gab ihm ein Geldstück und schickte ihn damit zum Kiosk. Dann antwortete ich Jenny.

Kapitel 2: Das Spiel

Ich habe noch nie so lange gebraucht, um mich für ein Abendessen anzuziehen. Während Jenny mit Sam seine Hausaufgaben machte, legte ich mich mit zwiespältigen Gefühlen in ein herrlich duftendes Schaumbad. Ich schwankte zwischen dem Wunsch, so attraktiv wie möglich für ihn zu sein, und totaler Ablehnung. In der einen Minute dachte ich, dass es nur ein Abendessen unter Geschäftspartnern wäre. Nichts, was ich nicht schon unzählige Male gemacht hätte. Aber genau das war mein Problem. Ich hatte noch nie zuvor einen Mann wie Derek Thornton getroffen und konnte ihn in meinen Gedanken nicht derart neutral betrachten. Der Mann zog mich an wie ein Magnet. Wenn ich die Augen schloss, konnte ich mir ohne Weiteres vorstellen, dass es heute nicht bei einem Essen blieb. In der nächsten Minute riss ich die Augen erschrocken wieder auf, weil mir seine dominante Neigung ins Bewusstsein kam. Ich hatte schlichtweg Angst, mich in eine Lage zu bringen, der ich vielleicht nicht mehr entkommen konnte.

 Als das Wasser kalt zu werden begann und ich mich in ein Handtuch wickelte, war ich gerade in einer Pro-Derek Phase und wagte mich deshalb mal wieder an eine Intimrasur. Das tat ich sonst eher sporadisch, aber für heute erschien es mir wichtig. In dieser Stimmung wollte ich so schön wie möglich für ihn sein. Als ich mich anschließend im Spiegel betrachtete, kamen die Zweifel zurück. Was reizte einen Mann wie Derek Thornton an einer Frau wie mir? Ich war zwar nicht direkt dick, mein bevorzugtes Wort für meine Figur war üppig. Mein Mann Harald hatte meine vollen Brüste mit den dunklen Warzen geliebt. So sehr, dass ich eine kleine Narbe von einer Bisswunde zurückbehalten hatte. Sie war kaum zu sehen, aber zu fühlen. Jedenfalls konnte ich sie unter meinen Fingerspitzen spüren und Derek würde sie bestimmt erkennen.

Ich erschrak, weil dieser Gedanke voraussetzte, dass ich ihm die Gelegenheit dazu gab. Mein Spiegelbild zeigte mir eine Frau, die nicht wusste, was sie wollte. Das kannte ich eigentlich gar nicht von mir. Derek zog mich unwiderstehlich an, die Vorstellung seiner Hände auf meinem Körper erregte mich derart, dass es fast wehtat. Und genau das war der Punkt. Wenn ich mit meiner Vermutung richtiglag und er auf ein Spiel aus Dominanz und Unterwerfung aus war, dann musste er auf mich verzichten. Und ich auf ihn, denn ich wollte mich nie wieder von einem Mann demütigen lassen oder sogar Schmerzen für ihn ertragen. Auch wenn die bloße Vorstellung von Sex mit ihm meine Nippel hart werden ließ.

Derek hatte von einem Abendkleid gesprochen, daher war die Auswahl schnell getroffen, denn ich besaß nur eins: ein dunkelgrünes, weich fließendes Kleid mit Silberstickerei an Gürtel und Saum, dessen Träger im Nacken gebunden wurden und plissiert waren. Das versteckte den darin enthaltenen Büstenhalter, damit der tiefe Rückenausschnitt richtig zur Geltung kam. Ich steckte mir die Haare locker hoch, legte ein leichtes Make-up auf, und als ich anschließend ins Wohnzimmer kam, klatschte Jenny in die Hände, und Sam sah mich mit offenem Mund an.

»Wow, Mami, du bist heute aber schön!«

Bevor ich etwas darauf erwidern konnte, klingelte es an der Tür. Das musste Vladim sein, der kam, um mich abzuholen. So gab ich meinem Sohn einen Kuss, schlüpfte in meinen Mantel und verabschiedete mich rasch von Jenny, die mir zuzwinkerte.

Unten vor der Haustür verbeugte sich der Slowake mit gezogener Mütze vor mir und half mir beim Einsteigen.

»Es ist mir eine Ehre, eine so schöne Frau zu fahren. Du siehst umwerfend aus, Täubchen!«

»Lass den Quatsch, Vladim!«

Aber sein Kompliment tat mir gut und ich lächelte ihn an. Die ganze Fahrt über dachte ich daran, ob Mr. Thornton das genauso sehen würde.

Als ich an Vladims Arm die Lounge betrat, standen drei Männer von dem festlich gedeckten Tisch in der Mitte auf: Paul, Derek und ein im ersten Augenblick fremder Mann, den ich dann jedoch als Dereks Freund aus dem Zoo wiedererkannte. Paul sah mich mit demselben Gesichtsausdruck an wie mein Sohn, obwohl er das Kleid schon bei der Eröffnung unseres Bordells an mir gesehen hatte. Derek kam auf mich zu und ich bekam erneut einen Handkuss.

»Guten Abend, Renée! Allein dieser Anblick rechtfertigt meine Entscheidung für diese Teilhaberschaft. Sie sind wunderschön!«

Das Kompliment hätte ich gerne zurückgegeben, wenn ich fähig gewesen wäre, zu sprechen. Sein weißes Dinnerjacket saß maßgeschneidert auf seinen starken Schultern, er war glatt rasiert und sein funkelnder Blick war dunkel und versprach mir einen spannenden Abend. Er hielt meine Hand länger als nötig, gab seine Wärme an mich weiter, und als sie in der Mitte meines Körpers ankam, verzog er den Mund zu einem wissenden Lächeln. Mir war, als stünden wir allein im Raum. Ich verfolgte die kleinen Nadelstiche voll pulsierender Elektrizität auf ihrem Weg durch mich hindurch und fühlte fassungslos, wie sie sich in meiner Leistengegend sammelten. Derek Thornton hatte binnen Minuten alle meine Vorsätze zu Staub pulverisiert. Er strahlte eine sexuelle Präsenz aus, die umgehend an meinen Nervenzellen andockte. Ich drohte, in seinem verheißungsvollen Blick zu versinken, noch bevor das Essen begann.

Sein Freund rettete mich aus dieser beschämenden Situation, indem er ihn zur Seite schob und meine andere Hand ergriff.

»Unfassbar! Ein Abendessen mit Aphrodite persönlich! Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie glücklich ich über diese Einladung von Derek bin. Mein Name ist James Hunter, und ich fühle mich geehrt, Sie kennenlernen zu dürfen!«

Ich sah in fröhliche grüne Augen, deren warmer Blick mich beruhigte, und stellte fest, dass ich ihn mochte, was ziemlich untypisch für mich war, denn meine Sympathie verteilte ich sonst nie so schnell. Zwischen den beiden Männern ging ich zum festlich gedeckten Tisch und vernahm das Getuschel der anderen anwesenden Gäste, denn natürlich hatte Paul auch unsere Stammkunden eingeladen, die an den anderen Tischen im Raum saßen.

Stephan begann leise am Klavier zu spielen und das merkwürdigste Essen meines Lebens flog unter den sanften Klängen fast ganz an mir vorbei. Mein Kopf schien wie in Watte gepackt, ich nahm kaum etwas bewusst wahr, weil Dereks Nähe mich bereits jetzt völlig durcheinanderbrachte. Antonio, der Koch, hatte sich selbst übertroffen, aber ich könnte nicht sagen, was ich gerade aß.

Ich beteiligte mich zwar an der höflichen Konversation, doch ich befand mich ständig in Dereks Blick. Als das Dessert serviert wurde, eine dunkle Mousse, legte er mir unter dem Tisch eine Hand auf meinen Oberschenkel und drückte seinen Daumen an dessen Innenseite. Unwillkürlich spannte ich meine Muskeln an und verschluckte mich fast, da eine heiße Welle von der Berührung ausging. Dieser Mann war unverschämt direkt, doch meine eigene Reaktion empörte mich noch mehr. Es kam mir so vor, als würde mein Körper völlig selbstständig, losgelöst von meinem Willen handeln. Ich mochte mich auch noch so sehr gedanklich dagegen sträuben, in meinen Adern brannte ein sinnliches Begehren, das mir die Luft nahm.

Zu meinem Glück hob Paul, als die letzten Teller abgeräumt wurden, die Tafel auf. Wir stießen noch mit Champagner auf die geschäftliche Verbindung an, dann konnte ich endlich flüchten. Ich musste weg aus Dereks Nähe, denn wie ich es befürchtet hatte, sprachen alle meine Sinne auf ihn an, sodass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte. Ich entschuldigte mich dezent und ging in Richtung Toiletten, benutzte aber eine kleine Seitentür, um ins Freie zu gelangen. Mir war nach frischer Luft und Kälte. Irgendetwas musste mein kochendes Blut beruhigen, damit ich meinen Verstand wiederfinden konnte. Aufatmend lehnte ich mich an die Außenwand und versuchte, meine Gefühle unter Kontrolle zu bekommen.

Zu lange konnte ich allerdings nicht wegbleiben, ohne aufzufallen. Also ging ich wieder hinein und blieb gleich hinter der Tür wie angewurzelt stehen. Derek Thornton stand direkt vor mir und grinste mich herausfordernd an.

»Andere Frauen gehen neues Rouge auflegen, Sie gehen in die Kälte, um das Rot Ihrer Wangen aufzufrischen. Interessante Variante! Oder haben Sie schon wieder versucht, vor mir zu flüchten, Renée?«

Er würde mich nicht einfach so vorbeilassen, das war mir klar. Ich musste mich ihm stellen, auch wenn mir dabei die Kopfhaut kribbelte.

»Vielleicht flüchte ich ja vor Ihrer Unverschämtheit. Sie scheinen es gewohnt zu sein, dass die Frauen Ihnen nachgeben. Aber ich werde nicht dazugehören!«

Sein Blick wanderte mit einem leicht amüsierten Blinzeln über mich, schien mich genau zu taxieren. Dann war er mit einem Schritt ganz nah bei mir und strich mir mit einem Finger überraschend über meine linke Augenbraue. Seine Fingerspitze blieb auf der unscheinbaren kleinen Narbe liegen, die mir mein ehemaliger Mann verpasst hatte.

»Sie tragen die Narben Ihrer Ehe mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit. Ich kenne viele Frauen, die sie überschminken würden. Natürlich habe ich mich im Vorfeld über dieses Haus und alle Menschen, die damit zu tun haben, erkundigt. Ich weiß also, dass Sie die denkbar schlechteste Erfahrung mit Ihrem Mann gemacht haben. Doch meine sexuelle Vorliebe hat nichts mit Gewalt zu tun. Bitte verwechseln Sie das nicht!«

Meine Vermutung war also richtig gewesen. Wie sollte ich ihm jetzt erklären, dass ich durchaus den Unterschied zwischen häuslicher Gewalt und BDSM kannte? Ich würde ihn nie mit Harald vergleichen, aber die Erinnerung an meinen Ehemann drohte jede Art von prickelnder Erregung zu vertreiben.

Ich hatte stillgehalten, weil seine Berührung meine Muskeln lahmlegte, und ich hätte mich nicht bewegen können, selbst wenn er mir den Weg freigegeben hätte. Dass er mich geradewegs auf meine albtraumhafte Ehe mit Harald ansprach, versetzte mir einen Schock. Es erschreckte mich so, dass ich nur ein leises Wispern zustande brachte.

»Wenn Sie das wissen, warum bedrängen Sie mich dann?«

Als Antwort fühlte ich seine Hand am unteren Rand des tiefen Rückenausschnitts meines Kleides. Er drückte mich enger an sich.

»Weil ich meinesgleichen erkenne! Sie mögen den Gedanken ablehnen, aber ich kann die devote Seite in Ihnen sehen. Es sind die Narben Ihrer Ehe, die Sie daran hindern, diese Seite in Ihnen zu akzeptieren.«

Dass er mit dieser Aussage recht hatte, machte es nicht besser. Nur weil mein Verstand ihm zustimmte, beruhigte das keineswegs meine aufgewühlten Gefühle.

Mir wurde heiß und kalt zugleich. Die Hitze, die seine Hand in meinem Körper auslöste, war unbeschreiblich. Sie ballte sich in meinem Bauch und vertrieb das Frösteln, das der Schreck über seine Worte mir gerade noch über die Wirbelsäule gejagt hatte. Ich holte japsend Luft und legte die Hände flach auf seine Brust.

»Sie wissen, aber Sie verstehen nicht. Ich kann und will nicht Ihr willenloses Spielzeug sein. Suchen Sie sich etwas Einfacheres! Sie finden hier im Haus das passende Zimmer und einige unserer Frauen stehen Ihnen dort sicher gern zur Verfügung.«

»Ich will aber nichts Einfacheres, ich will Sie, Renée!«

Er sagte das mit einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete. Wie schön musste es sein, wenn man sich seiner selbst so sicher war. Ich war das aber nicht und war tatsächlich noch nie so unsicher gewesen, wie in diesem Augenblick. Seine Augen ruhten mit einem forschenden Blick auf mir, und ich spürte, wie mein Widerstand sich langsam auflöste. Mein ängstlich pochendes Herz drängte mich dazu, bei ihm Schutz zu suchen. In meiner Kehle bildete sich ein Kloß, der mich ein erbärmlich klingendes »Bitte nicht« hauchen ließ.

Doch Derek Thornton überhörte meine Bitte, legte seinen Daumen an mein Kinn, hob mein Gesicht an und küsste mich. Er tastete mit seiner Zungenspitze nach meiner, und als er sie fand, umschmeichelte und lockte er mich damit. Meine Knie wurden weich, und ich begann, den Kuss zaghaft zu erwidern. Als er das spürte, wurde er fordernder, zupfte mit den Zähnen zart an meiner Unterlippe und zog mich dabei noch ein wenig enger an sich heran. Doch so plötzlich, wie er begonnen hatte, unterbrach er den Kuss wieder, schob seine Hand an meinem Rücken tiefer und umfasste eine Seite meines Pos.

Er drückte mich gegen seinen Körper, sodass ich seine Erektion an meinem Bauch fühlen konnte. Dann beugte er den Kopf und flüsterte mir heiser ins Ohr: »Das ist nicht der richtige Ort, um deine Einwände zu besprechen! Die anderen werden uns schon vermissen. Wir werden also kurz zu ihnen zurückgehen, du wirst dich einen Moment fassen können, dann suchen wir uns ein geeigneteres Plätzchen.«

Da war er wieder, dieser gebieterische Tonfall, der mir kalte Schauer über den Körper jagte. Aber er gab mir keine Gelegenheit für einen Widerspruch. Sein Griff an meinem Po wurde fester, seine andere Hand packte mich im Nacken und bog meinen Kopf zurück. Er beugte sich ganz nah an mein Gesicht und versicherte mir: »Denk nicht mal an ein Widerwort! Ich werde dir heute noch erklären, was ich von dir möchte, und du wirst mir sagen, was für dich davon möglich ist. Das liegt sicher auch in deinem Interesse. Du entkommst mir nicht, und es ist besser für dich, wenn du aufhörst, dir etwas vorzumachen.«

Ich fühlte mich schrecklich, als er mich, ohne die Hand von meinem Nacken zu nehmen, zur Lounge zurückbrachte. Erst kurz vor dem Torbogen ließ er mich los und ich atmete erleichtert auf. Instinktiv wich ich einen kleinen Schritt von ihm zurück, kam aber nicht weit, denn er legte einen Arm um meine Hüfte und schlenderte mit mir, als wäre nichts gewesen, zu unserem Tisch.

Paul sah mir entgeistert entgegen, musterte mich prüfend und nickte mir dann aufmunternd zu. Ich musste ihn wohl ziemlich entsetzt angeschaut haben, denn ich sah gleich drei Männer lächeln. Wann hatte ich mich das letzte Mal so beschämt gefühlt? Sie wussten anscheinend alle Bescheid über das, was sich zwischen Derek und mir anbahnte. Noch mehr als meine Scham traf mich die Feststellung, dass ich Derek folgen wollte. Er hatte recht, wir mussten die Dinge zwischen uns klären. Ich stürzte das Glas Champagner, das er mir gereicht hatte, in einem Zug hinunter und fühlte mich plötzlich von seinem Freund James umarmt. Er flüsterte mir dabei eine ermutigende Aufforderung ins Ohr.

»Nicht einschüchtern lassen, kleine Aphrodite! Wenn er dir Angst macht, dann rede mit ihm!«

Derek zog mich aus seiner Umarmung und fragte Paul: »Der Dungeon hier im Haus ist heute nicht besetzt, oder? Wir sehen uns dann zum Frühstück!«

Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern zog mich einfach an der Hand mit sich.

Das Erste, was ich dachte, als die Tür zum Dungeon hinter mir ins Schloss fiel, war: Scheiße, was mache ich hier? Eine seltsame Mischung aus Furcht und Erregung wallte durch meinen Körper. Ich hielt mich nicht für feige, gestand mir außerdem ziemlich unwillig, aber ehrlich, das erregte Prickeln zwischen meinen Schenkeln ein. Aber da war zusätzlich dieser Anflug von Angst. Wie auch immer Derek das machte, er löste eine Erregung in mir aus, der ich machtlos ausgeliefert war, und ich wollte nicht machtlos sein. Ich dachte an die Worte von James und fragte mich, ob Derek überhaupt mit sich reden lassen würde. Dabei erkannte ich, dass ich so gut wie nichts über seine Neigung wusste. Ein Blick in sein Gesicht verriet mir allerdings, dass sich das gleich ändern würde. Ich presste meine Lippen und meine Schenkel zusammen. Er hatte von Aufgeben gesprochen, aber so einfach würde er mich nicht bekommen.

Seine Mundwinkel zuckten verdächtig, er wusste genau, was ich gerade dachte.

»Kämpfe ruhig weiter gegen die Versuchung an. Was auch immer James dir gesagt hat, es stimmt mit Sicherheit. Er kennt mich gut, du musst mich erst noch kennenlernen.«

Da er ganz nahe vor mir stand, musste ich schon wieder den Kopf heben, um ihm ins Gesicht blicken zu können. Er sah mich ernst an, schien darauf zu warten, dass ich ihm verriet, was sein Freund mir zugeflüstert hatte. Ich hingegen suchte in seinen Augen nach einer drohenden Gefahr, doch alles, was ich darin fand, war Begehren und ein Hauch von Neugier. Als ich nichts sagte, umfasste er meine Oberarme und zog mich mit festem Griff ganz eng an sich. Dann legte er einen Arm um meine Taille, presste mich wieder gegen seine Erektion und entfachte damit in meinem Bauch einen heißen Punkt aufkommender Lust. Von dort ergoss sich das Feuer tiefer in meinen Unterleib, und als Derek seine andere Hand auf meinen bloßen Rücken legte, entwickelte sich die Hitze in mir zu einem Flächenbrand. Er hatte nichts Besonderes getan, nichts gesagt, und trotzdem stand ich in Flammen. Ungläubig verfolgte ich, wie mein Körper mich verriet. Als Derek mich wieder küsste, erneut damit begann, meinen Mund zu erobern, wusste ich, dass ich ihm nicht widerstehen konnte. Ich ergab mich in mein Schicksal und sank ihm vollends in die Arme. Er löste sich von meinen Lippen, öffnete die Schleife meines Kleides in meinem Nacken und gleich darauf den kurzen Reißverschluss. Der weiche Stoff glitt von meinem Körper, bauschte sich an meinen Füßen. Nun trug ich nur noch einen knappen Slip, meine Schuhe und meine halterlosen Strümpfe. Derek trat etwas von mir zurück und musterte mich von Kopf bis Fuß. Wo immer seine Blicke meinen Körper trafen, streichelten und wärmten sie mich. Trotzdem hatte ich den Wunsch, mich zu bedecken. Doch er schüttelte warnend den Kopf.

»Steh still! Du sollst dich nicht vor mir verstecken, das hast du gar nicht nötig. Du bist eine wunderschöne Frau und ich genieße deinen Anblick!«

Er kam wieder näher und berührte mich nur mit seinen Fingerspitzen. Sie strichen betörend langsam über meinen Bauch, wanderten nach oben und blieben unterhalb meiner Brüste liegen. Dann ging Derek um mich herum und legte beide Hände von hinten um meine Brüste. Seine Handflächen waren warm und die Berührung schickte seine Wärme in meine Nervenzellen. Mit den Daumen umkreiste er meine Brustwarzen, die sich dabei erregt aufrichteten, und ich konnte ein leises Stöhnen nicht mehr unterdrücken. Unwillkürlich lehnte ich mich ganz eng an ihn und genoss seine Zärtlichkeiten. Er küsste meine Schulter, verstärkte den Druck seiner Hände und raunte mir dabei zu: »Nimm die Arme nach oben und leg sie um meinen Hals!«

Dadurch geriet ich etwas ins Hohlkreuz und mein Po wurde noch fester gegen ihn gedrückt.

»So will ich dich immer sehen! Nur in Schuhen, Strümpfen und einem feuchten Höschen, an dem ich deine Lust erahnen kann!«

Seine belegte Stimme machte mir die Wahrheit in seiner Aussage bewusst. Doch zu meinem Erstaunen war es mir nicht peinlich, sondern erregte mich noch mehr.

Er schob eine Hand unter den Spitzenrand meines Slips, tastete sich mit zwei Fingern zwischen meine anschwellenden Schamlippen und fand die kleine, harte Perle dazwischen. Ein heißes Band entfachter Lust lief durch meinen Körper und erfasste all meine Sinne. Ich stöhnte erneut und rekelte mich wohlig in seiner Umarmung. Meine Finger fanden seine Haare und suchten dort Halt.

Ein plötzlicher Schmerz meiner Brustwarze, die er zwischen seinen Fingern zwirbelte, ließ mich zusammenzucken. Doch gleich darauf streichelte er sie besänftigend, wartete, bis ich mich wieder entspannte, und kniff dann noch einmal fest zu. Japsend versteifte ich mich, aber die Finger seiner anderen Hand umrundeten gleichzeitig streichelnd meine Klit. Eine Fingerspitze tauchte immer wieder kurz in meine feuchte Pussy, vertrieb damit den kleinen Schmerz von eben. Ich fühlte ein Verlangen in mir aufsteigen, das ich nicht von mir kannte. Ich wollte mehr von diesem kreisenden, stoßenden Finger und stöhnte leise auf, als er ihn zurückzog. Derek zupfte mit den Zähnen sanft an meinem Ohrläppchen.

»Du möchtest mehr, Renée, nicht wahr? Mit mir wirst du mehr bekommen! Ich gebe dir, was du brauchst!«