Gesandte des Zwielichts - Lara Adrian - E-Book

Gesandte des Zwielichts E-Book

Lara Adrian

4,5
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Beschreibung

Ein Rächer geht um, der schon zahllose Vampire getötet hat. Auch Claire gerät in einen Hinterhalt, ein feuriges Inferno tötet ihre Beschützer. Aus der Asche tritt ein Vampirkrieger hervor, den Claire nur zu gut kennt: Andreas Reichen, ihr einstiger Geliebter. Sein unstillbarer Hass gilt Claires neuem Gefährten Wilhelm Roth. Claire gerät zwischen die Fronten eines erbarmungslosen Kampfes und spürt schon bald, dass ihre alte Leidenschaft für Andreas aufs Neue erwacht ... Der sechste Band der erfolgreichen Vampirsaga "Midnight Breed" von Bestseller-Autorin Lara Adrian!

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 462




GESANDTE DES

ZWIELICHTS

Roman

Ins Deutsche übertragen von Katrin Kremmler und Barbara Häusler

Dem Phönix, der in uns allen lebt:

Stark, ruhmreich, unzerstörbar.

Danksagungen

Vielen Dank meiner Lektorin Shauna Summers, die ich sehr schätze; dem Verlagsteam bei Bantam Dell und meiner Agentin Karen Solem. Es ist die reine Freude, mit euch allen zu arbeiten!

Seid alle herzlich gedrückt, Zazoo, Picky, Gem, Jules, Pebbles, Sly, Rangi, Mandy und all ihr anderen vom Wahnsinnsteam des Midnight Breed Fan Forum, für eure Freundschaft, Liebe und Unterstützung (ganz zu schweigen von den scharfen Fotos!). Ihr haut mich um mit allem, was ihr macht!

Dank schulde ich auch meinen Autorinnenfreundinnen Kayla Gray, Patricia Rasey, Elizabeth Boyle, Larissa Ione, Jaci Burton und Stephanie Tyler, weil sie es verstehen, dass ich mich manchmal wochenlang aus der Welt ausklinken muss, und dann trotzdem für mich da sind, um dort weiterzumachen, wo wir aufgehört haben, oder kurzfristig als Testleserinnen einspringen. Ihr seid toll!

Zu guter Letzt Dank und all meine Liebe meinem Mann, bestes Beispiel dafür, dass „und sie lebten glücklich bis an ihr Ende“ wirklich nicht nur in Büchern existiert. Auf unsere nächsten zwanzig Jahre!

1

Berlin, Deutschland

Der Vampir hatte keine Ahnung, dass im Dunkel der Tod auf ihn lauerte.

In seiner Gier war er mit all seinen Sinnen völlig auf die halb nackte Rothaarige in seinen Armen konzentriert, die ihn mit kaum gezügelter Lust betatschte. Zu fiebrig, um zu bemerken, dass sie in seinem Schlafzimmer im Dunklen Hafen nicht allein waren, öffnete er mit einem mentalen Befehl die geschnitzten Türflügel und führte seine willige, keuchende Beute hinein. Die Frau schwankte auf ihren hohen Absätzen, sie entwand sich ihm lachend und drohte ihm mit dem Finger.

„Hans, du hass mir zzu viel Schampuss eingeflößt“, nuschelte sie und stolperte in den dunklen Raum. „Mir iss ganz komisch.“

„Das geht vorbei.“ Auch der deutsche Vampir klang undeutlich, wenn auch nicht vom Alkohol berauscht wie seine arglose amerikanische Gefährtin. Seine Fangzähne füllten ihm den Mund aus, Speichel überflutete seine Zunge in Vorfreude auf Nahrung.

Er folgte ihr mit bedächtigen Bewegungen, schloss die Tür hinter sich und schlich auf sie zu. Seine Augen glühten, transformierten sich von ihrer natürlichen Farbe zu etwas Jenseitigem. Obwohl die junge Frau die Veränderung, die er durchmachte, gar nicht zu bemerken schien, hielt der Vampir seinen Kopf gesenkt, während er sich ihr näherte, bemüht, die verräterische Hitze seines blutdurstigen Blicks zu verbergen. Außer dem verdeckten bernsteinfarbenen Glühen seiner Augen und dem schwachen Glanz der Sterne auf der anderen Seite der hohen Fenster, die auf das Privatgrundstück des Dunklen Hafens blickten, gab es kein Licht im Raum. Aber als Stammesvampir sah er auch ohne Licht.

Genau wie der andere, der gekommen war, um ihn zu töten.

Aus den Schatten auf der anderen Seite des großen Raumes beobachteten dunkle Augen, wie der Vampir seine Blutwirtin von hinten packte und zur Sache kam. Als die erste kupfrige Duftwolke aus der geöffneten menschlichen Ader drang, schossen die Fänge des Beobachters reflexartig aus seinem Zahnfleisch. Auch er war ausgehungert, mehr, als er zugeben wollte, aber er war zu einem höheren Zweck hierhergekommen, als seine eigenen Grundbedürfnisse zu befriedigen.

Was er wollte, war Rache.

Gerechtigkeit.

Diese Mission war es, die Andreas Reichens Füße wie angewurzelt auf dem Boden hielt, während der andere Vampir am anderen Ende des Raumes in blinder Gier trank. Er wartete, geduldete sich nur, weil er wusste, dass der Tod dieses Mannes ihn der Erfüllung des Schwurs einen Schritt näher bringen würde, den er vor etwa zwölf Wochen geleistet hatte … in der Nacht, als seine Welt in Trümmer und Asche zerfallen war.

Reichens Selbstbeherrschung war hauchdünn. Innerlich tobte er von der Hitze seiner Wut. Seine Knochen fühlten sich unter seiner Haut an wie heiße Eisenstangen. Sein Blut rauschte durch seinen Körper wie flüssiges Feuer, das ihn vom Scheitel bis zur Sohle versengte. Jeder Muskel, jede Zelle in ihm schrie mit einer Wildheit nach Vergeltung, die an nukleare Kernschmelze grenzte.

Nicht hier, warnte er sich. Nicht so.

Wenn er jetzt seiner Wut nachgab, würde er einen hohen Preisdafür zahlen, und bei Gott, das war dieser Hundesohn nicht wert.

Reichen hielt diesen explosiven Teil seines Selbst in Schach, aber die Anstrengung kam einen Sekundenbruchteil zu spät. Das Feuer, das bereits in ihm anschwoll, brannte durch seine hauchdünne Selbstbeherrschung …

Der andere Vampir hob abrupt den Kopf vom Hals der Frau. Er atmete scharf durch die Nase ein, dann grunzte er animalisch … beunruhigt. „Da ist wer.“

„Was sagst du?“, murmelte sie, immer noch benommen von seinem Biss. Er verschloss ihre Wunde mit seiner Zunge und stieß sie von sich. Sie stolperte nach vorn, stieß dabei leise ein paar deftige Flüche aus. Sobald ihr träger Blick auf Reichen traf, entfuhr ihr ein gellender Schrei. „Oh mein Gott!“

Reichen spürte, wie seine Augen von dem bernsteinfarbenen Feuer seiner Wut schwelten und seine Fangzähne durch sein Zahnfleisch stießen, in Bereitschaft für den bevorstehenden Kampf. Er trat einen Schritt aus dem Schatten.

Wieder schrie die Frau auf, ihr Blick voller Panik, wilder Hysterie. Sie sah sich schutzsuchend nach ihrem Begleiter um, doch der Vampir hatte keine Verwendung mehr für sie. Herzlos stieß er sie aus dem Weg und preschte vorwärts. Durch die Wucht des Stoßes ging sie zu Boden.

„Hans!“, schrie sie. „Um Gottes willen, was ist hier los?“

Zischend stellte sich der Vampir dem unerwarteten Eindringling entgegen, duckte sich in Angriffshaltung. Reichen blieb nur noch ein Augenblick, um der verwirrten, verängstigten Frau einen schnellen Blick zuzuwerfen.

„Verschwinde.“ Mit einem mentalen Befehl schloss er die Schlafzimmertür auf und ließ sie aufschwingen. „Raus mit dir, sofort!“

Noch während sie hastig von dem polierten Marmorboden aufstand und aus dem Raum floh, erhob sich der Vampir des Dunklen Hafens mit einer flüssigen Bewegung in die Luft. Bevor seine Füße wieder den Boden berührten, sprang Reichen den Mistkerl an.

Ihre Körper prallten zusammen, durch die Wucht von Reichens Schwung wurden sie beide quer durchs ganze Zimmer geschleudert. Riesige Fänge knirschten, wilde bernsteinfarbene Augen durchbohrten einander in tödlicher Bösartigkeit, und so krachten sie miteinander wie eine Abrissbirne gegen die gegenüberliegende Wand.

Knochen brachen von dem Aufprall, doch das genügte Reichen nicht.

Noch nicht annähernd.

Er warf den wütenden Stammesvampir, der vergeblich gegen ihn ankämpfte, zu Boden und nagelte ihn fest, indem er ihm hart ein Knie in die Kehle rammte.

„Nichtsnutziger Idiot!“, brüllte der Vampir, trotz seiner Schmerzen immer noch überheblich. „Hast du irgendeine Ahnung, wer ich bin?“

„Und ob. Du bist Agent Hans Friedrich Waldemar.“ Reichen bleckte Zähne und Fänge in der wüsten Parodie eines Lächelns und starrte auf ihn hinunter. „Sag bloß nicht, du hast schon vergessen, wer ich bin.“

Nein, er hatte es nicht vergessen. Hinter Schmerz und Angst in Waldemars geschlitzten Pupillen blitzte Wiedererkennen auf. „Du Bastard … bist Andreas Reichen.“

„Ganz genau.“ Reichen hielt den Mistkerl in einem Blick von so tödlicher Wut gefangen, dass er ihn fast versengte. „Was ist, Agent Waldemar? Überrascht, mich zu sehen?“

„Ich … ich verstehe nicht. Der Angriff auf den Dunklen Hafen im Sommer …“ Der Vampir holte mühsam Luft. „Es hieß, es hätte keine Überlebenden gegeben.“

„Fast keine“, berichtigte Reichen knapp.

Und nun wusste Waldemar, welchem Umstand er diesen Besuch verdankte. In seinen Augen stand düsteres Begreifen. Nackte Angst. Als er jetzt redete, zitterte seine Stimme. „Ich hatte nichts damit zu tun, Andreas. Das musst du mir glauben …“

Reichen schnaubte höhnisch. „Das haben die anderen auch gesagt.“

Waldemar begann sich zu winden, doch Reichen presste ihm das Knie noch härter gegen die Kehle. Waldemar atmete pfeifend, versuchte die Hände zu heben, als Reichens Gewicht ihm die Luftröhre abzudrücken begann.

„Bitte … sag mir doch, was du von mir willst.“

„Gerechtigkeit.“

Reichen spürte weder Befriedigung noch Reue, als er Waldemars Kopf packte und wild an ihm riss. Das Genick brach, dann fiel der Kopf des Stammesvampirs mit einem dumpfen Geräusch zu Boden.

Reichen stieß einen tiefen Seufzer aus, der wenig dabei half, seine Qual zu lindern oder den Kummer darüber, dass er lebendig war – und allein. Der einzige Überlebende. Der Letzte seiner Familie.

Als er aufstand und sich daranmachte, diesen letzten Toten hinter sich zu lassen, fiel ihm etwas ins Auge. Auf einem der Bücherregale aus Mahagoni glitzerte poliertes Glas. Er stapfte hinüber, seine Füße bewegten sich wie von selbst, sein geschärfter Blick war auf das Gesicht seines Feindes fixiert, das ihn aus der Fotografie mit dem Silberrahmen anstarrte. Er packte das Bild und starrte darauf hinunter, seine Finger wurden heiß, wo sie sich gegen das Metall des Rahmens pressten. Reichens Augen brannten, je länger er das verhasste Gesicht betrachtete, ein tiefes Knurren entwich seiner Kehle, wild und animalisch dank seiner schwelenden Wut.

Wilhelm Roth stand inmitten einer kleinen Gruppe von Stammesvampiren in der förmlichen Abendkleidung der Agentur, allesamt herausgeputzt in schwarzen Smokings und gestärkten weißen Hemden, die Oberkörper mit bunten Seidenschärpen und glänzenden Medaillen dekoriert, an ihren Seiten hingen vergoldete Stoßdegen. Reichen schnaubte verächtlich angesichts dieser Selbstherrlichkeit – der machthungrigen Arroganz, die in diese selbstzufriedenen, lächelnden Gesichter geschrieben stand.

Nun waren sie alle tot … alle, außer einem.

Roth hatte er sich als Letzten aufgehoben.

Andreas hatte sich akribisch die Hierarchie hinaufgearbeitet. Zuerst die Mitglieder der Todesschwadrone der Agentur, die heimtückisch seinen Dunklen Hafen, sein Zuhause überfallen und das Feuer auf jede lebende Seele darin eröffnet hatten – sogar auf die Frauen und Kleinkinder, die in ihren Wiegen schliefen. Als Nächstes hatte er sich die Handvoll von Roths Kumpanen vorgenommen, die aus ihrer Loyalität zu dem mächtigen Leiter des Dunklen Hafens, der den Befehl für das Gemetzel gegeben hatte, nie einen Hehl gemacht hatten.

Ein Schuldiger nach dem anderen hatte in den letzten paar Wochen den Tod gefunden. Der Vampir, der mit gebrochenem Genick auf dem Boden lag, war das letzte bekannte Mitglied von Wilhelm Roths korruptem inneren Kreis in Deutschland.

Womit nur noch Roth selbst übrig war.

Der Bastard würde brennen für das, was er getan hatte.

Aber zuerst würde er leiden.

Reichens Augen kehrten zu der gerahmten Fotografie in seinen Händen zurück und erstarrten. Auf den ersten Blick hatte er die Frau nicht bemerkt. In seiner Wut hatte er sich einzig auf Roth konzentriert. Doch jetzt, da er sie entdeckt hatte, konnte er seine Augen nicht mehr von ihr lösen.

Claire.

Sie stand etwas abseits der Gruppe von Stammesvampiren, zierlich, doch mit königlicher Haltung, in einem ärmellosen hellgrauen Abendkleid, gegen das ihre hellbraune Haut so glatt und üppig wirkte wie Satin. Ihr weiches schwarzes Haar war sorgfältig aufgesteckt, keine einzige Strähne fehl am Platz.

Die Zeit hatte Claire nichts anhaben können, sie wirkte nicht einmal ein Jahr älter als damals, als er sie gekannt hatte – aber das war nichts Außergewöhnliches; die Blutsverbindung, die sie seit diesen mehr als dreißig Jahren mit ihrem Gefährten teilte, erhielt sie jung und stark. Sie sah Wilhelm Roth und seine kriminellen Freunde lächelnd an, ihre Miene beherrscht und undurchdringlich.

Eine perfekte Gefährtin für den Vampir, der sich als Reichens tückischster Feind herausgestellt hatte.

Claire.

Nach all dieser Zeit.

Meine Claire, dachte er grimmig.

Nein, sie gehörte nicht mehr ihm.

Früher vielleicht einmal. Vor langer Zeit und nur ein paar kurze Monate lang. Nur einen kurzen Augenblick.

Das war lange her.

Reichen starrte ihr Bild hinter dem silbergerahmten Glas an, überrascht, wie leicht seine Wut auf Wilhelm Roth auf seine Stammesgefährtin übersprang. Die süße, wunderbare Claire … im Bett mit seinem größten Feind. War sie sich über Roths üble Machenschaften im Klaren? Billigte sie sie?

Das war kaum von Bedeutung.

Er hatte eine Mission zu erfüllen. Gerechtigkeit einzufordern. Tödliche, endgültige Rache zu nehmen.

Und nichts würde ihm dabei im Weg stehen … nicht einmal sie.

Reichen starrte auf die Fotografie hinunter, Wut glomm im bernsteinfarbenen Schein seiner Augen, der sich in der gläsernen Oberfläche spiegelte. Seine Finger brannten, wo seine Haut das Metall des Rahmens berührte. Er versuchte, den feurigen Sturm abzukühlen, der sich in seinen Eingeweiden zusammenbraute, doch es war zu spät.

Mit einem Knurren warf er die Fotografie zu Boden und wandte ihr den Rücken zu. Er stapfte zu einem der hohen Fenster und öffnete es mit einem mentalen Befehl – er wusste, was passieren würde, wenn er es mit den Händen berührte, jetzt, da seine Wut so kurz davor war, ganz von ihm Besitz zu ergreifen.

Geduckt stieg Reichen auf das Fensterbrett und hörte hinter sich das heiße Zischen von schmelzendem Silber und splitterndem Glas, als die gerahmte Fotografie in Flammen aufging.

Dann sprang er in die feuchte Herbstnacht hinaus, um zu beenden, was Wilhelm Roth begonnen hatte.

2

Claire Roth spitzte nachdenklich die Lippen und starrte auf das Modell des Architekten hinunter, das vor ihr auf dem Tisch in ihrer Bibliothek aufgebaut war.

„Was halten Sie davon, wenn wir die Bank weiter weg von dem Spazierweg und näher am Koiteich aufstellen, direkt hinter den englischen Rosen?“

„Eine hervorragende Idee“, sagte eine fröhliche Frauenstimme aus dem auf Lautsprecher gestellten Telefon in ihrer Nähe. Die junge Frau rief von einem der Dunklen Häfen der Region an. Nachdem Claire einige ihrer Arbeiten anderswo in den Dunklen Häfen gesehen hatte, hatte sie die junge Frau engagiert und die ganze letzte Woche mit ihr am Entwurf einer kleinen, privaten Parkanlage gearbeitet.

„Haben Sie sich schon entschieden, welches Material Sie für die Spazierwege haben wollen, Frau Roth? Ursprünglich hatten Sie ja an Pflastersteine oder Kies gedacht …“

„Wäre es möglich, die Wege natürlich zu belassen?“, fragte Claire und ging an der Tischkante entlang, um sich den Rest des maßstabsgetreuen Modells anzusehen. „Ich dachte an weiche Erdwege mit einer einfachen, aber einladenden Randbepflanzung. Vielleicht Vergissmeinnicht?“

„Natürlich. Hört sich gut an.“

„Gut“, sagte Claire und lächelte, als sie sich die Wege vorstellte. „Vielen Dank, Martina. Sie haben großartige Arbeit geleistet. Sie haben aus meinen chaotischen Ideen so viel mehr gemacht, als ich mir je hätte vorstellen können.“

Die Stimme der jungen Stammesgefährtin am anderen Ende wurde noch eine Spur fröhlicher. „Der Park wird wunderschön werden, Frau Roth. Man sieht ihm wirklich an, wie viel Zeit und Mühe Sie in Ihre Vision gesteckt haben.“

Claire nahm das Kompliment, ohne etwas zu sagen, entgegen, fühlte aber weniger Stolz als Erleichterung. Sie wollte dieses leere Grundstück in etwas Schönes verwandeln. Sie wollte, dass es perfekt war. Jede Anpflanzung, jede sorgfältig platzierte Skulptur oder Bank und jeder Spazierweg sollten einen Ort totalen Friedens schaffen. Einen Ort der Ruhe und Besinnung, der Geist, Herz und Seele inspirierte. Normalerweise war sie niemand, der sich leicht begeistern konnte – nun, zumindest seit sehr langer Zeit nicht mehr –, aber sie musste zugeben, dass dieses Projekt fast zu einer Obsession für sie geworden war.

„Es muss einfach perfekt werden“, murmelte sie und blinzelte Tränen fort, die ihr plötzlich in die Augen stiegen. In letzter Zeit war sie viel zu emotional. Nur gut, dass niemand in der Bibliothek war und ihre Schwäche mit ansah.

„Machen Sie sich keine Sorgen“, tröstete Martinas fröhliche Stimme. „Ich bin mir sicher, er wird begeistert sein.“

Claire schluckte überrascht. „W… was?“

„Herr Roth“, erwiderte die junge Stammesgefährtin. Ein unbehagliches Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus. „Ich, äh, tut mir leid, wenn ich Ihnen zu nahe getreten bin. Sie hatten mich doch gebeten, die Pläne für den Park geheim zu halten, also habe ich wohl angenommen, dass er eine Überraschung für Ihren Mann werden soll.“

Eine Überraschung für Wilhelm? Claire musste sich zusammennehmen, um sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr diese Idee sie irritierte. Sie hatte ihren Gefährten schon ein halbes Jahr nicht mehr gesehen. Er kam nur aufs Land, wenn sein Blut ihn dazu zwang. Mittlerweile graute Claire vor seinen Besuchen, aber von ihr als seiner Gefährtin wurde erwartet, ihn aus ihrer Vene zu nähren und dafür sein Blut zu nehmen. Und Wilhelm tat nicht einmal so, als ginge es ihm mit ihrem kühlen Pflichtarrangement anders. Fast die gesamten drei Jahrzehnte, die sie nun schon ein Paar waren, hatten sie diskret getrennt gelebt – er in seinem prächtigen Dunklen Hafen in der Stadt und sie mit einigen Sicherheitsleuten hier draußen im Landhaus, einige Stunden vor der Stadt gelegen.

Nein, der kleine Park war nicht als Überraschung für ihren chronisch abwesenden Gefährten gedacht. Er würde sogar ziemlich wütend sein, wenn er herausfand, dass sie dieses Projekt ohne sein Wissen initiiert hatte. Zu ihrem Glück zeigte Wilhelm Roth schon seit geraumer Zeit kein Interesse mehr daran, was sie dachte, fühlte oder tat. Er ließ ihr bei ihren diversen wohltätigen und sozialen Aktivitäten freie Hand; alles, was für ihn zählte, war seine Arbeit bei der Agentur, besonders in letzter Zeit. Das war seine Obsession, und in einem stillen Winkel ihres Herzens war Claire sogar froh über ihre Einsamkeit. Besonders in diesen schwierigen letzten Wochen.

Über den Lautsprecher stieß Martina einen kleinen Seufzer aus. „Bitte, Frau Roth … entschuldigen Sie, ich wollte Ihnen wirklich nicht zu nahe treten.“

„Aber gar nicht“, versicherte ihr Claire. Bevor sie sich eine passende Lüge für Martina zurechtlegen musste, warum es ihr so wichtig war, diesen Park anzulegen, oder ihre Entfremdung von dem Stammesvampir erklären musste, wurde laut an die Bibliothekstür geklopft. „Noch einmal vielen Dank für den wunderbaren Entwurf, Martina. Lassen Sie mich wissen, wenn Sie noch weitere Fragen haben, bevor wir mit der Umsetzung beginnen.“

„Natürlich. Gute Nacht, Frau Roth.“

Claire beendete das Gespräch, dann trat sie aus dem Raum.

Sie schloss die Tür hinter sich. Noch wollte sie ihr geheimes Projekt nicht öffentlich machen und sah keinen Grund, Wilhelms loyalen Wachhunden Anlass zu Fragen zu geben. Aber als sie sich jetzt allein einem der Agenten gegenübersah, die abgestellt waren, um sie und das Anwesen zu schützen, erkannte sie, dass ihr kleines Geheimprojekt das Wenigste war, das ihre Sicherheitseinheit interessierte. Der Wächter schien erregt, ungewöhnlich nervös.

„Ja? Was gibt es denn?“

„Sie müssen mit mir mitkommen, Frau Roth.“

„Warum?“ Jetzt bemerkte sie, dass der riesige Mann sichtlich erschüttert war. Ein Stammesvampir wie er, bis an die Fangzähne mit Feuerwaffen und Nahkampfausrüstung bewaffnet, war sonst nicht so leicht zu erschüttern. Etwas Schreckliches musste geschehen sein.

Aus dem Funkgerät an seiner schwarzen kugelsicheren Weste drangen abgehacktes Rauschen und Gesprächsfetzen, schnelle Wortwechsel der übrigen Agenten, die im Landhaus postiert waren. „Wir evakuieren das Gelände. Hier entlang, bitte.“

„Evakuieren? Warum? Was ist denn los?“

„Ich fürchte, wir haben keine Zeit zu verlieren.“ Wieder drang Rauschen aus seinem Funkgerät. Stimmen im Hintergrund gaben abgehackte Befehle aus. „Wir stellen gerade ein Fahrzeug für Sie bereit. Bitte. Sie müssen jetzt mitkommen.“

Er wollte sie am Arm nehmen, aber Claire trat aus seiner Reichweite. „Ich verstehe nicht. Warum muss ich gehen? Ich verlange, dass Sie mir sagen, was hier los ist.“

„Vorhin gab es einen Zwischenfall im Dunklen Hafen Hamburg …“

„Einen Zwischenfall?“

Der Wächter erklärte nichts, sprach einfach über sie hinweg. „Als Vorsichtsmaßnahme evakuieren wir das Gelände und verbringen Sie an einen anderen Ort. Zu einem Schutzraum in Mecklenburg.“

„Moment mal – ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden. Was für ein Zwischenfall in Hamburg? Warum muss ich in einenSchutzraum verlegt werden? Was hat das alles zu bedeuten?“

Der Wächter sah sie ungeduldig an und bellte seine Position in sein Funkgerät. „Ja, ich bin jetzt bei ihr. Bringt die Fahrzeuge zum Vordereingang und macht euch abfahrbereit. Wir sind unterwegs.“

Wieder griff er nach ihr, und Claires Geduldsfaden riss. „Verdammt noch mal, reden Sie gefälligst mit mir! Was zur Hölle ist los? Und wo ist Wilhelm? Holen Sie ihn mir ans Telefon. Ich will mit ihm reden, bevor ich mich von Ihnen praktisch ohne Erklärung aus meinem eigenen Haus zerren lasse.“

„Herr Direktor Roth hält sich seit Juli im Ausland auf“, sagte der Agent zu ihr. Seiner undurchdringlichen Miene nach bemerkte er absichtlich nicht, wie peinlich es ihr war, dass ein einfacher Sicherheitsbeamter mehr über den Aufenthaltsort ihres Gefährten wusste als sie selbst. Er räusperte sich.

„Wir versuchen gerade, den Herrn Direktor zu kontaktieren, um ihn über den Angriff zu informieren …“

„Angriff“, erwiderte Claire, alle Peinlichkeit war schlagartig vergessen. Sie fühlte, wie ihr kalt wurde, fühlte sich in ihrer Haut wie eingeengt. „Herr im Himmel. Im Dunklen Hafen wurde jemand angegriffen? Ist jemand verletzt?“

Der Wächter starrte sie scheinbar endlos lange an, bevor er schließlich einen Fluch zischte und die Einzelheiten in einem tonlosen Wortschwall hervorstieß. „Der Dunkle Hafen Hamburg wurde vor weniger als einer Stunde angegriffen. Wir haben eben einen Anruf von einer der Wachen bekommen, der es gelang, zu fliehen. Dem Einzigen, der entkommen ist“, berichtigte er sich. „Es war ein absoluter Vernichtungsschlag. Jeder, der sich heute Abend im Anwesen aufhielt, ist tot.“

„Oh Gott“, flüsterte Claire und ließ sich gegen die geschlossene Bibliothekstür sinken. „Ich verstehe nicht … wer würde so etwas tun?“

Der Wächter schüttelte den Kopf. „Wir haben keine genauen Angaben darüber, wie viele Angreifer bei dem Anschlag beteiligt waren. Aber der überlebende Agent sagte, so etwas wie diesen Angriff hätte er noch nie gesehen – es war Feuer überall, als hätten die Tore der Hölle sich aufgetan und das ganze Anwesen verschluckt. Es ist nichts als Asche übrig.“

Claire stand da, sprachlos vor Schreck, und versuchte zu verarbeiten, was sie da gehört hatte. Es war unmöglich … unglaublich. Es ergab einfach keinen Sinn. Gott, in letzter Zeit war so viel passiert, das überhaupt keinen Sinn ergab.

So viel sinnlose Gewalt.

So viel sinnloses Sterben.

So viel Schmerz und Verlust …

„Wir können uns keine Verzögerung mehr leisten“, sagte der Wächter jetzt. „Wir müssen Sie evakuieren, bevor auch dieses Anwesen angegriffen wird.“

„Sie glauben wirklich, dass die bis zu uns rausgefahren kommen? Warum?“

Dieses Mal hatte der Wächter nicht mehr die Geduld, ihr mehr zu sagen. Seine Finger schlossen sich fest um ihren Arm, und er ging los – und das schnell. Sein zügiger Schritt machte nur allzu deutlich: Claire konnte sich beeilen, um mit ihm Schritt zu halten, oder er würde sie mit Gewalt mitzerren. Das Anwesen verlassen würde sie auf jeden Fall, und zwar in der Obhut von schwer bewaffnetem, grimmigem Sicherheitspersonal.

Ihr blieb nicht einmal mehr die Zeit, einen Mantel oder ihre Handtasche mitzunehmen. Sie floh mit dem Wächter aus dem Haus und in die Kühle des späten Oktoberabends. Der kalte Herbstwind drang durch die Fasern ihres weinroten Kaschmirpullovers und ihrer grauen Wollhose, als sie mit dem Wächter zur asphaltierten Einfahrt rannte, die Sohlen ihrer Wildlederslipper schlurften von der Anstrengung, mit den langen Schritten des Agenten mitzuhalten, der sie am Arm mitzerrte.

Claire wurde zur offenen Tür eines Mercedes geführt, dem Mittelpunkt einer Eskorte von vier weiteren Fahrzeugen, die sie erwarteten. „Steigen Sie ein“, wies der Wächter sie an und schob sie sanft, aber bestimmt vor sich in den Wagen.

Als er neben ihr auf den Ledersitz schlüpfte und die Tür schloss, versuchte Claire, die Kälte wegzureiben, die ihr so plötzlich bis in die Knochen gedrungen war und die nicht von außen kam, sondern aus ihrem eigenen Körper aufzusteigen schien. Alles ging so schnell. Sie versuchte immer noch, die schrecklichen Neuigkeiten von dem Angriff auf den Dunklen Hafen Hamburg zu begreifen, ganz zu schweigen von dem Gedanken, dass noch vor wenigen Minuten ihre größte Sorge der beste Ort für eine Gartenbank oder ein Blumenbeet gewesen war. Nun war die kleine Gruppe von Wilhelms Verwandten und Bodyguards, die mit ihm im Dunklen Hafen gewohnt hatten, tot, und sie wurde mitten in der Nacht aus ihrem Zuhause gerissen, auf der Flucht vor etwas unfassbar Bösem.

Warum?, klagte sie innerlich. Diese Frage hatte sie sich auch schon vor drei Monaten gestellt, als ein anderer Dunkler Hafen einer schrecklichen Tragödie zum Opfer gefallen war. Auch dort waren nur Asche und Rauch übrig geblieben. Aber laut der ermittelnden Agenten hatte es sich dabei um einen Unfall gehandelt. Eine unvorhergesehene Explosion, so wild und zerstörerisch, dass sie alle Bewohner des Dunklen Hafens auf der Stelle getötet hatte.

Und dennoch peinigte sie die Frage immer noch genauso schmerzhaft wie damals, als sie die schrecklichen Neuigkeiten zum ersten Mal gehört hatte …

Warum?

„Eskorte abfahren“, sagte der Wächter am Steuer über Funk zu den anderen Fahrzeugen. Er trat aufs Gas, und die Flotte schwarzer Limousinen begann wie eine schnell dahingleitende Schlange die lange, waldgesäumte Zufahrtsstraße hinunterzurasen.

Claire lehnte sich zurück und versuchte, die Nervosität nicht zu spüren, die in der abgestandenen Luft des Wagens hing. Der Wald, der sie umgab, kam ihr irgendwie dunkler vor als sonst, so seltsam ruhig. Über ihnen wurde das schwache Mondlicht von den dichten Wipfeln der hoch aufragenden Fichten verschluckt. Die Eskorte nahm die erste Kurve der fast einen Kilometer langen privaten Zufahrtsstraße. Als sie auf gerade Strecke kamen, beschleunigten sie, schalteten synchron in einen höheren Gang und brausten auf die Hauptstraße zu.

Der Angriff, der den ersten Wagen im nächsten Augenblick ereilte, kam ohne jede Vorwarnung.

Aus dem pechschwarzen Wald schoss ein blendend heller orangefarbener Feuerball hervor. Er krachte in den ersten Mercedes der Kolonne, der sofort explodierte. Claire schrie auf, sie spürte die Druckwelle der Detonation bis in die Fußsohlen.

„Scheiße, was ist das?“, schrie der Wächter neben ihr auf dem Rücksitz. „Herrgott, brems doch, verdammt!“

Rote Hecklichter leuchteten vor ihnen auf, und ihr Fahrer hatte alle Hände voll zu tun, um nicht in den Kofferraum der Limousine vor ihnen zu krachen, als ihr Wagen schlitternd zum Stehen kam. Die Wagen der Fahrzeugkarawane standen kreuz und quer wie eine entgleiste Spielzeugeisenbahn.

Und der erste Wagen vor ihnen war in Flammen gehüllt, die hoch in den schwarzen Himmel loderten.

In diesem Augenblick schoss ein weiterer Feuerball aus dem Schutz der Wälder, flog in einem rasenden, kometenhellen Bogen direkt auf die Autos zu. Und noch eine Flammenkugel folgte ihm, beide furchterregend in ihrer schrecklichen, brennenden Schönheit.

Der Wächter neben Claire beugte sich vor, die Finger in die Kopfstütze des Vordersitzes verkrallt.

„Rückwärtsgang, verdammt!“, schrie er den schockstarren Fahrer an. „Schmeiß den Rückwärtsgang rein, und dann nichts wie weg, verdammt!“

Mit quietschenden Reifen schoss der Mercedes rückwärts. Als der Wagen schleudernd auf dem schmalen Asphaltstreifen wendete und ihr Fahrer in seiner Panik knirschend das Fahrzeug hinter ihnen rammte, sah Claire, wie die Männer in den beiden übrigen Autos vor ihnen ihre Türen aufrissen und versuchten, zu Fuß zu entkommen. Einer von ihnen rannte in den Schutz der Wälder.

Der andere war nur um Sekunden zu langsam. Der erste Feuerball krachte gegen die Kühlerhaube seines Wagens und löschte Mann und Fahrzeug in einem widerlichen Aufbrüllen von verbogenem Metall und fliegenden Trümmern aus.

Claire schrie und wandte ihr Gesicht von dem Gemetzel ab, gerade als der zweite Feuerball auf den leeren Wagen vor ihnen herabfuhr. Die Explosion brachte die Erde zum Erbeben und riss einen tiefen, rauchenden Krater in den Boden.

Der Wächter neben ihr bekreuzigte sich, dann boxte er mit einem üblen Fluch gegen den Fahrersitz.

„Mach schon, Idiot! Gib Gas! Wir müssen weg hier!“

Zu spät.

Aus dem Nichts – scheinbar aus dem Himmel selbst – kam eine kreisende, feurige Hitzekugel geflogen. Der Feuerball schoss an der Windschutzscheibe des Wagens vorbei zu Boden, sein Schein war so intensiv, dass das Innere des Mercedes von blendendem, weiß glühendem Licht erfüllt wurde. Was immer das war, es fühlte sich an, als wäre es mit der Kraft von zehn Sonnen aufgeladen, die elektrische Ladung eines Blitzes, konzentriert in einen Feuerball von der Größe einer Bowlingkugel. Die Härchen auf Claires Armen und in ihrem Nacken stellten sich auf, als das Ding einen knappen Meter neben der Kühlerhaube des Wagens in den Boden krachte.

Hinter ihnen schlug ein weiterer Feuerball ein und schleuderte Claire und ihre beiden Begleiter in ihren Sitzen nach vorn. Mit einem widerlichen Knacken schlug der Kopf des Fahrers auf dem Lenkrad auf. Durch den Aufprall detonierte der Airbag und aktivierte das Sicherheitssystem des Wagens. Inmitten des plärrenden Alarms und der Wolke chemischen Gases des aufgegangenen Airbags roch Claire Blut. Sie wischte sich über die Stirn und schluckte schwer. Auf ihren Fingen waren rote Flecken.

Scheiße.

In Anwesenheit von Vampiren zu bluten war nie eine gute Idee, selbst wenn sie das Abhärtungstraining der Agentur durchlaufen hatten und ihrem äußerst einflussreichen, äußerst unversöhnlichen Gefährten so treu ergeben waren wie diese hier. Nicht, dass sie damit rechnete, dass sie heute Nacht lange genug am Leben blieb, um sich über den potenziellen Blutdurst ihrer Wachen Sorgen zu machen. Dass sie oder einer von ihnen die nächsten Augenblicke überleben würden, kam ihr äußerst unwahrscheinlich vor.

„Rennen Sie“, knurrte der Mann neben ihr auf dem Rücksitz, eine Waffe in jeder Hand. Er starrte den Türgriff neben ihr an, die Pupillen in den bernsteinfarbenen Iriskreisen zu vertikalen Schlitzen verengt. Durch seinen mentalen Befehl schwang die Tür auf. „Rennen Sie, so weit Sie können. Das ist Ihre einzige Chance.“

Claire kletterte aus dem Wagen und sprang unsicher schwankend auf den Boden. Ihre Beine waren schwach und zitterten. Ihr Kopf dröhnte, ihr Herz hämmerte in ihrer Brust. Sie hörte den Wächter aufbrüllen, als er auf der anderen Seite aus dem Wagen stieg und sich dem Angriff entgegenstellte – was immer da auf ihn zukam.

Claire ging langsam auf die hohen, schwarzen Schatten des Waldes zu, während das Chaos überall rund um sie herum weiterging. Ein paar Wächter rannten mit gezogener Waffe an ihr vorbei, als könnten sie etwas gegen die Hölle ausrichten, die sie heute Abend hier heimgesucht hatte. Claire konnte sich nicht vorstellen, was für eine Armee einen solch brutalen Offensivschlag verüben konnte. Als sie sich dem Waldrand näherte, warf sie einen verängstigten Blick über die Schulter.

Wer auch immer diese angreifenden Truppen waren, jetzt rückten sie näher. Der geisterhafte Schein, der hinter ihr durch den Wald zuckte, wurde mit ihrem Vorrücken immer heller. Claires Schritte verlangsamten sich, als orangefarbenes Licht zwischen den Bäumen durchbrach wie sengende Sonnenstrahlen mitten in der kältesten Finsternis. Sie starrte gebannt, unfähig, den Blick abzuwenden, als immer näher kam, was wahrscheinlich ihr Tod sein würde.

Eine Silhouette begann sich zu bilden.

Keine Armee, sondern ein einzelner Mann.

Ein Mann, dessen ganzer Körper in Flammen stand.

Für einen Augenblick – einen irritierenden, wahnhaften Augenblick – dachte Claire, dass sie diese breiten Schultern, diesen geschmeidigen, wiegenden Gang kannte. Das war natürlich unmöglich. Und doch glomm ein Funken von Vertrautheit in ihr auf. Konnte sie diesen Mann kennen?

Aber das war kein Mann – mit Sicherheit niemand, den sie kannte, weder jetzt noch früher. Diese Kreatur war einem Albtraum entstiegen.

Er war der leibhaftige Tod.

Ein Schuss riss Claires Aufmerksamkeit zu der Gruppe von Agenten, die sich in der Nähe versammelt hatte. Ein weiterer Schuss krachte, dann wieder und wieder einer, bis die Luft von Schüssen erfüllt war. Nicht, dass es etwas nützte.

Der Mann aus Feuer ging einfach weiter, unbeeindruckt. Sobald die Kugeln ihm zu nahe kamen, explodierten sie wie harmlose Feuerwerkskörper, die auf die Hitzewand trafen, die seinen Körper umgab.

Als die Agenten die letzten Kugeln verschossen hatten, blieb er stehen.

Er hob die Hände vor sich, doch es war keine Geste der Kapitulation. Praktisch ohne jede Vorwarnung entfesselte er einen wahren Feuerhagel auf die Agenten. Claire konnte ihren Entsetzensschrei nicht zurückhalten, als die Flammen die Männer einhüllten und auf der Stelle zu Asche verbrannten.

Sie spürte es sofort, als der Mann sie bemerkte. Sie spürte, wie die Hitze seiner Augen sie aus der Entfernung durchdrang. Jedes Nervenende ihres Körpers spannte sich straff vor Angst.

„Oh Gott“, flüsterte sie und stolperte ein paar Schritte rückwärts.

Der Feuermann tat einen Schritt in ihre Richtung, all seine schreckliche Wut war jetzt auf sie gerichtet.

Claire floh, sie wagte nicht, sich noch einmal umzusehen. Sie stürzte sich in die Wälder und rannte um ihr Leben.

3

Ungerührt ging er durch die glimmende Asche und die Trümmer auf dem Asphalt. Seine Stiefel knirschten über Glassplitter und verzogenem Metall, vorbei an Pfützen von ausgelaufenem, brennendem Öl und den rauchenden Überresten der Stammesvampire, die mit ihren jämmerlichen Waffen auf ihn geschossen hatten.

Ihre Kugeln hatten ihn nicht aufhalten können.

Nichts konnte ihn aufhalten, wenn er in diesem Zustand war.

Der Boden zischte unter den schweren Sohlen seiner Stiefel – nicht von den Trümmern, sondern von der Hitze, die immer noch durch seine Glieder floss, ein elektrisches Knistern, das jeden Zentimeter seines Körpers in pulsierenden Wellen von tödlicher, reiner Energie durchströmte.

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