Er ist der Falsche! - Viola Maybach - E-Book

Er ist der Falsche! E-Book

Viola Maybach

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Beschreibung

Diese Serie von der Erfolgsschriftstellerin Viola Maybach knüpft an die bereits erschienenen Dr. Laurin-Romane von Patricia Vandenberg an. Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt. Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen. Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert. Jenny sah nervös auf die Uhr. Sie waren schon fünf Minuten zu spät. Bedeutete das, Frau Elgart hatte es sich anders überlegt? Hoffentlich nicht! Ihr Job in Tills Konzertagentur war toll, aber die Bezahlung eher unterdurchschnittlich. Und sie sparte gerade auf ein neues Auto. Da war ihr das Angebot, zwei Zehnjährigen zweimal pro Woche Nachhilfe in Französisch und bei Bedarf auch in Englisch zu geben, gerade recht gekommen. Es war nämlich, wenn alles klappte, sehr gut bezahlte Nachhilfe, und Sprachen waren ihr schon in der Schule leichtgefallen. Nachhilfe gab sie immer mal wieder, wenn es finanziell knapp wurde bei ihr. Es klingelte, endlich. Wie erlöst rannte Jenny zur Tür und drückte auf den Öffner, ohne nachzufragen. Dann erst riss sie die Tür auf und lauschte. Sie hörte leise Stimmen und Schritte mehrerer Personen. Zumindest eine Person lief sehr schnell nach oben in den zweiten Stock, die anderen kamen deutlich langsamer hinterher. Gleich darauf tauchte zu Jennys Überraschung eine Frau auf, die etwa in ihrem Alter sein musste: flippig gekleidet, blond, blauäugig, sehr hübsch und leicht außer Atem. Das sollte die Mutter von zwei Zwölfjährigen sein? Oder war sie eine Angestellte der Elgarts? Vermutlich. Sie hatte mit Frau Elgart nur telefoniert, die Frau war offenbar sehr beschäftigt, sie hatten keinen Termin für ein Treffen finden können. Außerdem hatte sie es sehr eilig gehabt mit der Nachhilfe.

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Seitenzahl: 117

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Der neue Dr. Laurin – 160 –Er ist der Falsche!

Oder nicht?

Viola Maybach

Jenny sah nervös auf die Uhr. Sie waren schon fünf Minuten zu spät. Bedeutete das, Frau Elgart hatte es sich anders überlegt? Hoffentlich nicht! Ihr Job in Tills Konzertagentur war toll, aber die Bezahlung eher unterdurchschnittlich. Und sie sparte gerade auf ein neues Auto. Da war ihr das Angebot, zwei Zehnjährigen zweimal pro Woche Nachhilfe in Französisch und bei Bedarf auch in Englisch zu geben, gerade recht gekommen. Es war nämlich, wenn alles klappte, sehr gut bezahlte Nachhilfe, und Sprachen waren ihr schon in der Schule leichtgefallen. Nachhilfe gab sie immer mal wieder, wenn es finanziell knapp wurde bei ihr.

Es klingelte, endlich. Wie erlöst rannte Jenny zur Tür und drückte auf den Öffner, ohne nachzufragen. Dann erst riss sie die Tür auf und lauschte. Sie hörte leise Stimmen und Schritte mehrerer Personen. Zumindest eine Person lief sehr schnell nach oben in den zweiten Stock, die anderen kamen deutlich langsamer hinterher.

Gleich darauf tauchte zu Jennys Überraschung eine Frau auf, die etwa in ihrem Alter sein musste: flippig gekleidet, blond, blauäugig, sehr hübsch und leicht außer Atem. Das sollte die Mutter von zwei Zwölfjährigen sein? Oder war sie eine Angestellte der Elgarts? Vermutlich. Sie hatte mit Frau Elgart nur telefoniert, die Frau war offenbar sehr beschäftigt, sie hatten keinen Termin für ein Treffen finden können. Außerdem hatte sie es sehr eilig gehabt mit der Nachhilfe.

Sie hatte Jenny am Telefon überraschend auf Französisch angesprochen – mit Akzent und einigen Fehlern, aber Jenny war darauf eingegangen. Schon nach drei Sätzen freilich war Frau Elgart wieder ins Deutsche gewechselt und hatte gesagt: »Ihr Französisch ist viel besser als meins, zum Glück. Ich war mal als Au-pair in Paris, ein Jahr lang, damals konnte ich es ziemlich gut, aber wenn man die Sprache nie spricht, vergisst man vieles. Da Sie sich um den Job beworben haben, gehe ich davon aus, dass Sie Ihr Wissen auch vermitteln können. Ich selbst kann den Jungs nicht helfen, ich bin viel zu ungeduldig. Also, machen Sie’s?« Das war vor zwei Tagen gewesen.

So schnell hatte Jenny noch nie einen Job bekommen – und so leicht. Sie hatte ja praktisch nichts dafür tun müssen!

Der hübschen jungen Frau folgten, sehr viel langsamer, zwei Jungs, die zwar, wie Jenny wusste, Zwillinge waren, aber überhaupt nicht so aussahen. Der eine war blond und blauäugig, der andere hatte braune Locken und ebenfalls braune Augen.

Die Frau stutzte, als sie Jenny sah, dann lachte sie und sagte: »Wir sind ja gleichaltrig. Ich bin Ariane. Und das sind meine Söhne Johannes«, sie wies auf den Blonden, »und Luis. Sie sind zweieiige Zwillinge. Und du bist also Jenny.«

Jenny stellte sich rasch auf die neue Situation ein. »Ja, die bin ich. Kommt rein.« Sie nickte den Jungs zu, die zwar kurz zurücknickten, ihre Blicke dann aber rasch abwandten. Es war offensichtlich, dass sie nicht hier sein wollten. Sie musste sie also erst einmal für sich gewinnen.

Ariane Elgart betrat die kleine Wohnung – zum Glück hatte Jenny vorher aufgeräumt und am Wochenende endlich mal wieder geputzt, denn die Nachhilfestunden sollten bei ihr stattfinden. Das war Arianes Wunsch gewesen, dem Jenny sich gerne gefügt hatte. So war es für sie einfacher, und es sparte ihr Zeit.

»Schön hier«, sagte Ariane. »Etwas klein, aber … Wohnst du allein hier?«

Jenny musste lachen. »Ja, für mehr als eine Person würde es auch sehr eng werden. Ich habe nur zwei Zimmer, das andere ist noch kleiner als dieses. Allerdings ist die Küche etwas größer und weil ich gerne koche, verbringe ich da ziemlich viel Zeit. Und vorm Schlafzimmer habe ich einen winzigen Balkon, da passt genau ein Liegestuhl drauf. Dort bin ich im Sommer oft. Ich fühle mich wohl hier. Wollt ihr was trinken?«

Der blonde Johannes schüttelte abwehrend den Kopf, sein Bruder aber fragte höflich: »Haben Sie eine Limo?«

»Ja, habe ich. Du kannst mich gerne duzen, Luis.«

Er schüttelte den Kopf. »Sie sind ja jetzt unsere Lehrerin, und seine Lehrerin duzt man nicht.«

Ariane verdrehte die Augen, sagte aber nichts.

»Okay«, sagte Jenny. »Und du, Ariane?«

»Nee, lass mal, ich muss sowieso gleich wieder los, ich hab‘ einen Termin. Ich wollte dich nur mal persönlich sehen, bevor ich dir meine Jungs anvertraue. Am besten, ihr fangt gleich an, oder? Ach so, und hier ist das Geld – für den ersten Monat.«

Sie holte einen Briefumschlag aus ihrer teuren Handtasche und überreichte ihn Jenny. »So ist es am einfachsten, oder? Ich kann dir das Geld auch überweisen.«

»Ist schon in Ordnung so«, sagte Jenny.

»Bis später, Jungs!« Ariane wuschelte ihren Söhnen durch die Haare und eilte davon.

Jenny holte die Limonade für Luis aus dem Kühlschrank. »Setzt euch am besten an den Tisch«, sagte sie. »Ihr beide setzt euch gegenüber, ich setze mich ans Kopfende zwischen euch. Eure Mutter hat erzählt, dass eure Leistungen, seit ihr auf dem Gymnasium seid, deutlich schlechter geworden sind, vor allem in den sprachlichen Fächern. Und dass es ganz schlimm ist, seit ihr Französisch als zweite Fremdsprache habt. Stimmt das so – oder seht ihr das anders?«

Die beiden Jungen sahen einander an, verständigten sich stumm darüber, wer die Antwort geben und wie sie ausfallen sollte. Es war dann Luis, der sagte: »Ich komme nicht mit, Jo tut nur so.«

Jenny sah, dass Johannes diese Antwort nicht gefiel, und gleich darauf hörte sie es auch: »Halt die Klappe, Luis.«

Aber Luis schüttelte den Kopf. »Mama wird keine Ruhe geben, das weißt du doch.« Er wandte sich an Ariane. »Wir waren schon bei vier verschiedenen Nachhilfelehrern, die haben alle aufgegeben, weil wir es darauf angelegt haben. Wir haben uns dumm gestellt und blöd benommen. Aber ich habe dazu keine Lust mehr. Ich interessiere mich für Technik, nicht für Sprachen. Ich weiß natürlich, dass Sprachen wichtig sind, vor allem Englisch, wenn ich später mal in einem technischen Beruf arbeiten will, aber ich kann mich nicht auf Grammatik und Aussprache und so Zeug konzentrieren, es interessiert mich einfach nicht, deshalb bin ich mit meinen Gedanken ständig woanders. Jo kann im Prinzip alles, er könnte überall der Beste sein, aber er passt sich mir immer an – also nicht völlig, aber so ungefähr. Wenn ich sitzen bleibe, will er auch sitzen bleiben, damit wir nicht getrennt werden.«

»Dann haben wir natürlich ein Problem«, sagte Jenny. »Mir scheint allerdings, wenn ich das sagen darf, dass eure bisherige Strategie nicht erfolgversprechend ist. Für euch beide nicht.«

Johannes kniff die Lippen fest zusammen, um nur ja nichts Unbedachtes zu sagen. Luis hingegen fragte sofort: »Was genau meinen Sie damit?«

»Du, Luis, hast ständig ein schlechtes Gewissen, weil du weißt, dass dein Bruder, der dir helfen will, sich weit unter Wert verkauft und sich damit vermutlich auch die eigene Zukunft verbaut. Du, Johannes, sorgst zwar dafür, dass du mit deinem Bruder in einer Klasse bleiben kannst, aber du hilfst ihm im Grunde nicht weiter, und das weißt du auch.«

»Haben Sie eine bessere Idee?« Johannes‘ Stimme klang angriffslustig, sein Blick war es auch.

»Noch nicht, ich habe ja eben erst von eurem Problem erfahren. Aber ich schätze, wenn wir all unsere Ideen zusammenwerfen, könnte am Ende schon so etwas wie ein neuer Plan entstehen, mit dem ihr beide besser leben könnt als mit dem jetzigen. Nur müsste das eben ein gemeinsamer Plan sein, an den wir uns dann auch halten.«

Johannes lehnte sich auf seinem Stuhl zurück, mit verschränkten Armen. Alles an ihm strahlte Abwehr aus.

Luis hingegen beugte sich vor, beide Unterarme auf dem Tisch. »Ich fände es gut, wenn Jo der Klassenbeste wäre«, sagte er. »Er soll keine Rücksicht mehr auf mich nehmen.«

»Aber Jo will, wenn ich das richtig verstanden habe, nicht Klassenbester werden, wenn das bedeutet, dass ihr vielleicht nicht mehr zusammen unterrichtet werdet. Stimmt das, Jo?«

Der Junge sah sie finster an, ohne zu antworten.

»Wie sind denn deine Noten in Deutsch, Luis?«, fragte Jenny.

»Ausreichend.«

»Und was fällt dir in Englisch und Französisch so schwer?«

Die Antwort kam, ohne zu zögern. »Alles! Das fängt schon bei der Aussprache an. Dieses komische englische ›R‹ kriege ich nicht hin, deshalb hört sich alles, was ich sage, falsch an. Die anderen lachen schon darüber. Bei den französischen ›Accents‹ ist es genauso. Und ich kann mir die Wörter nicht merken, die Grammatik ist auch superschwer. Ich glaube, ich will einfach keine Fremdsprachen lernen.«

»Ich finde andere Sprachen toll«, sagte Jenny. »Französisch zum Beispiel kling wunderschön.«

»Aber nicht bei mir«, warf Luis ein.

Jenny überhörte das. »Im Englischen kannst du vieles ganz knapp und kurz ausdrücken, wofür du im Deutschen einen Satz brauchen würdest. Ich finde Deutsch auch toll, aber aus anderen Gründen. Es ist eine sehr bildhafte Sprache. Denk nur an so schöne Wörter wie ›Traumtänzer‹. Jede Sprache hat ihre eigenen Schönheiten und Eigenheiten, man muss sie nur finden. Übrigens gibt es im Englischen auch sehr bildhafte Ausdrücke. ›Brainstorming‹ ist so einer. Ihr wisst, was das heißt?«

»Dass man sich zusammen Gedanken macht«, sagte Luis zögernd. Johannes schwieg weiterhin, aber seine Arme hatten sich gelockert, seine Lippen waren nicht mehr fest zusammengepresst.

»Richtig. ›Brain‹ heißt Gehirn, ›storm‹ ist der Sturm. Wir stürmen also jetzt unsere drei Gehirne, damit sie ein paar Ideen zur Lösung eures Problems ausspucken. Ich finde, dass das ein wunderbarer Ausdruck ist.«

»Das stimmt«, sagte Luis. »Ich wusste gar nicht, was die einzelnen Wörter bedeuten.«

»Aber jetzt weißt du’s. Und was du eben gesagt hast, dass du in einem technischen Beruf garantiert Englisch brauchst, ist natürlich richtig. Allein deshalb …«

»Aber nicht das Englisch, das wir in der Schule lernen. Ich brauche technische Ausdrücke und so …«

»Die brauchst du auch, aber die lernst du später, wenn es nötig ist, schnell. Nur: Du wirst ja auch mit Leuten reden, dich verständigen müssen. Das kannst du nicht nur mit Fachbegriffen. Auch in technischen Berufen kommt es darauf an, gut mit anderen zusammenzuarbeiten – und so etwas funktioniert nun einmal am besten über die Sprache. Ich glaube, du denkst, weil deine Begabungen eher im naturwissenschaftlich-technischen Bereich liegen, kannst du den Rest mehr oder weniger vergessen. Ich bin sicher, dass das ein Fehler ist. Streng dich mehr an in den Fächern, die dir nicht so liegen, denn du wirst sie brauchen. Auch Französisch wird sich irgendwann als nützlich erweisen, selbst wenn du den Nutzen im Moment nicht erkennen kannst. Da du ein kluger Junge bist, solltest du in den sprachlichen Fächern wenigstens ausreichende Leistungen erzielen. Das schaffst du auf jeden Fall, und Johannes könnte glänzen, ohne befürchten zu müssen, dass ihr getrennt werdet. Lass die anderen lachen, weil du das englische ›R‹ nicht hinkriegst – viele andere kriegen es auch nicht hin. Es kommt nicht darauf an, dass du ohne Akzent sprichst, wichtig ist allein, dass du dich verständlich machen kannst.«

»Aber …«, begann Luis, verstummte jedoch gleich wieder.

Johannes sagte noch immer nichts, aber er saß jetzt völlig locker da und wirkte nachdenklich.

»Ich schlage vor, Ihr zeigt mir mal, was Ihr bis jetzt in Englisch und Französisch durchgenommen habt«, sagte Ariane.

Luis holte bereitwillig seine Bücher sowie Arbeitsblätter aus dem Rucksack, nach kurzem Zögern folgte Johannes ihm. Schon nach kurzer Zeit sagte Ariane: »Die Frage ist, was du machst, während Luis und ich üben, Jo. Denn du brauchst ja keine Nachhilfe, oder?«

»Aber ich will hierbleiben.«

»Gerne, aber was willst du tun?«

Wieder verständigten sich die Brüder wortlos, und schließlich antwortete Johannes mit einer Frage: »Kann ich einfach dabeisitzen?«

»Von mir aus gern, aber wenn dich das langweilt, könnte ich dir auch ein paar englische und französische Comics zu lesen geben – einfache, bei denen du nur wenige Wörter nachsehen müsstest, um sie zu verstehen.«

Der Junge ließ sich das durch den Kopf gehen, bevor er schließlich erwiderte: »Später vielleicht. Aber zuerst möchte ich lieber zuhören, wie Sie Luis unterrichten.«

»Gut, dann fangen wir am besten gleich an. Luis, lies mir bitte mal diesen Satz hier vor …«

Eine Stunde später, als die Brüder gegangen waren, kochte Jenny sich erst einmal einen Kaffee und blieb damit in der Küche sitzen. Johannes hatte sie noch längst nicht gewonnen, das war ihr klar. Er war stumm am Tisch sitzen geblieben, hatte durch nichts zu verstehen gegeben, was er dachte, sie oder seinen Bruder aber auch nicht ein einziges Mal unterbrochen. Wie ein stummer Wachposten hatte er gewirkt und sie durchaus nervös gemacht. Luis auch, schätzte sie, aber er hatte sich nicht gegen die Anwesenheit seines Bruders gewehrt, sondern sich tapfer durch den Text gekämpft, den Jenny ihm vorgelegt hatte.

Es stimmte vermutlich, dass seine Begabungen eher im naturwissenschaftlichen Bereich lagen, aber er hatte eine schnelle Auffassungsgabe, und sie war der festen Überzeugung, dass es gelingen könnte, seine Begeisterung für Fremdsprachen zumindest so weit zu wecken, dass er bessere Ergebnisse erzielen konnte als bislang.

Aber ihr wurde auch klar, dass der Nachhilfeunterricht nicht der leichte Job sein würde, den sie sich vorgestellt hatte.

*

Als seine junge Patientin Ariane Elgart nach der Untersuchung angezogen aus der Umkleidekabine kam, sagte Leon Laurin: »Es tut mir leid, Frau Elgart, aber Sie sind nicht schwanger.«

»Echt nicht? Sind Sie ganz sicher?«

»Ja, ich bin ganz sicher.«

»Aber meine Periode ist längst überfällig.«

»Das kommt doch bei Ihnen öfter vor, oder? Also, schwanger sind Sie ganz sicher nicht.«

Unversehens fiel sie ihm um den Hals, ließ ihn jedoch gleich wieder los. »Entschuldigung, aber ich bin so froh!«, stieß sie hervor.

»Froh? Ich dachte, Sie wären vielleicht enttäuscht.« Er hatte, wurde ihm in diesem Augenblick bewusst, angenommen, ein weiteres Kind sei vielleicht die Rettung für Ariane Elgarts Ehe, von der er ahnte, dass sie in Schwierigkeiten steckte.

»Nein, ich …« Sie wusste nicht weiter.

»Setzen Sie sich noch einen Moment«, sagte er.

Sie nickte dankbar. »Es wäre … nicht von meinem Mann gewesen«, sagte sie. »Wir werden uns scheiden lassen. Sie wissen ja, dass ich schon zwölfjährige Zwillinge habe. Ich bin damals viel zu früh Mutter geworden. Und was ich jetzt am allerwenigsten brauche, wäre ein weiteres Kind. Zumal, wie gesagt, es nicht von meinem Noch-Ehemann wäre.«