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Der Dichter und Schriftsteller August Guido Holstein hat kontinuierlich, über Jahre einen Erzählkosmos geschaffen, in dem er die verschiedenen literarischen Gattungen wie Gedicht, Roman, Fabel und Erzählung virtuos entwickelt zu immer differenzierteren Sprachschöpfungen. Das vorliegende Buch ist eine vom Autor zusammengestellte Sammlung von Texten, welche in seine Erzählwelt einführt und die Formenvielfalt und den Facettenreichtum seines Schaffens veranschaulicht. Die Erde wird erkundet: Die Texte lesen sich als Zeugnis eines interessierten, universal gebildeten, humorvoll neugierigen Menschen, der durch sein Schreiben und sein künstlerisches Schaffen in immer grössere Tiefen des Daseins vordringt.
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Veröffentlichungsjahr: 2023
August Guido Holstein, 1935 in Zürich geboren, Bürger von Basel und Fislisbach/AG, Hoteliersohn. Lic.phil.I, Studium der Geschichte, Deutsch, auch Französisch und Geographie, pens. Bezirkslehrer im Aargau. Lebt in Fislisbach. Kulturvermittler, eine Zeitlang Präsident der Literarischen Gesellschaft Baden, auch leitender Vizepräsident des ZSV, Zürcher Schriftstellerverbands, Lektor Pro Ly-rica Schweiz.
Bisher sind erschienen: Roman Alptag, Edition Leu, Zürich 1992. Vier Lyrikbände, z.B. Der Berg geht zum Meer, Pro Lyrica 2001. Fünf Erzählbände, zuletzt 2010 Fabulistan, die Romane «Rheinufer» und «Sokrates im Wald», BoD.
August Guido Holstein
Meine Erd-Erkundungen
Gedichte und Geschichten
ein Lesebuch
Vorwort des Autors
Ein Leben lang geschrieben, Texte verfasst in grosser Anzahl, mit 15 Publikationen in Lyrik und Prosa und 25 halb-offiziellen Jahrbüchern, Aufsätze, Rezensionen für die Literarische Gesellschaft Baden, den Zürcher Schriftstellerverband, die Pro Lyrica, das Museum in Fislisbach. Veröffentlicht oder in Archiv-Schachteln, in meiner sogenannten Ringbuchbibliothek in meinem Büchergestell, in Klebebänden. Aber die Verlage mit meinen Veröffentlichungen grösstenteils nicht mehr bestehend, Resten der Bücher im Schrank bei mir, wenn noch solche vorhanden. Leider hatten nur kleine Verlage mich begrüsst mit meiner Eigenart des Schreibens.
Diese geht auf der einen Ebene vom realen Leben aus, meist nicht biographisch, aber das, was sich ereignet hat und in meinen literarischen Blickwinkel gesetzt wurde. Die andere Ebene ist aus meiner Quelle der Phantasie und dem Märchenhaften gespiesen, vermischt mit Archaischem und Sagenhaftem. Und da ich mit Geschichte im Hauptfach abgeschlossen hatte und Deutsch im ersten Nebenfach, spielt das Fach Geschichte oft mit hinein, wobei es mir vor allem die Antike angetan hat. Anderseits ist bei mir die Natur immer präsent. Davon zeugen meine acht Bände „Gartengedichte“, aber nicht nur.
Mein Bild für einen Schriftsteller und Poeten könnte eine chinesische Tuschzeichnung sein: Etwas im Gelände vertieft wegen den Gedankenfurchen. Ein Tal mit einem munteren, fliessenden Gewässer und dabei eine Hütte. Da sitzt ein Mann, schon etwas älter, und schaut in die Welt, die vorüber fliesst. Er registriert und notiert, liebt den Klang seiner Worte und seine überblickartige, oft zusammenfassende Auswahl des Geschehens, mit einer besonderen Fähigkeit, sich in etwas hineinzudenken. Aber immer geht es ihm auch um eine Mitteilung. Wenn er nichts mitzuteilen hat, greift er nicht zur Feder. Er lebt bescheiden bei seiner Hütte, oft davor im Freien, aber in einem geistigen Reichtum. Der Mann am Fluss, ganz in der Natur, ist ein Diener des Geistes. Das Gelände um die Hütte etwas abschüssig manchmal, in einem grösseren Waldstück liegend. Die Baumstamm-Parade darin als Vergleich zu den vielen Intuitionen, Einfällen und Eindrücken, die in den Texten verarbeitet wurden. In dieser Hinsicht könnte man die vorliegende Anthologie auch mit „Waldgänge“ betiteln. Aber hier steht „Erderkundung“ mit dem Gedanken, der Autor sei nun mal auf diesem Planeten „Erde“ gelandet in seinem Leben und schaue nun um sich und beschreibe, was er sehe. So mein Bild.
Es war Matthias Müller Kuhn, Pfarrer in Zürich, der mir vortrug, nun eine „Anthologie August Guido Holstein“ zusammen zu stellen, die eventuell auch noch gedruckt würde. Ihm ist es zu verdanken, dass mit seiner Arbeit, der Roman „Rheinufer“ bei BoD herauskommen konnte. In den Fluten von Büchern, die erscheinen oder nicht erscheinen, eine Art Pfahl im Wasser. Mir geht es stets um die Sicherung meines Werkes. Ich habe mit viel Arbeit vieles verfasst, weil ich dies, mit meiner Begabung, als eine Lebensaufgabe, die mir zuteil wurde, betrachtete. Ich bin der Ansicht, dass, was da zustande kam, lesenswert sei und geistig bereichernd bei meinem Blickwinkel der Weltbetrachtung. Für mich war es selber eine Lebensbereicherung, eine Lebens-Qualität - für meine Mitmenschen dürfte es sich ebenso verhalten. Woher all die Ideen kamen, weiss ich nicht, die Intuition dazu. Ich lebte selbstverständlich in einem literarischen Kosmos neben aller Tagesarbeit. Wegen den Fragezeichen zur Inspiration – kaum von einem Unterbewusstsein nach Psychologie – habe einmal ein Werk verfasst, bei dem ich ganz sicher war, dass alles von mir stammte, „Der Augenblick“, die grösseren historischen Erzählungen, teils aus den Grundlagen meiner Seminararbeiten etc. von der Universität.
Im Untertitel „Gedichte und Geschichten“. Ausgewählte Textstellen aus den früher erschienenen Romanen, ausser den beiden letzten bei BoD, Norderstedt, dem „Rheinufer“ und „Sokrates im Wald“, haben teils hier Geschichtentitel erhalten. Bei meinen Romanen reiht sich ja Geschichte an Geschichte – vom Stil her gesehen müsste man wohl eher von „Erzählungen“ sprechen – immer im Roman-Zusammenhang.
Bei meiner Vielfalt an Ideen ist es unmöglich, in einer Anthologie alles zum Wort kommen zu lassen. Es handelt sich ja um eine Art Einführung in die Schreib- und Sehweisen. Vieles ist also hier nicht präsent: Die beiden genannten Romane im BoD Norderstedt und die nicht publizierten sechs Romane: „Färiö oder Napoleon retour“, „Interlaken“, eine Kriminalgeschichte, „Am Rand oder die Leuchtturmgäste“, ein Künstlerroman, „Balthasar, der Bibliothekar“, „Die Zeder oder Carolus der Musikus“, „Der Altgeschichtslehrer“. Auch von den Erzählreihen das meiste nicht, den beiden publizierten Titeln „Don Juan und Alter Meister“ sowie den geschichtlichen „Der Augenblick“. Es sollen ja kürzere Passagen ausgewählt werden. Dazu manche nicht veröffentlichte Geschichte, etwa in der Reihe „Erdgeschichten“. Selbstverständlich auch nichts aus den „Skizzen oder Essays“, den Aufsätzen, den Theatern von früher etc. gemäss dem Titel „Gedichte und Geschichten“, aus Publiziertem und den Jahrbüchern.
Meine Texte haben meist eine einerseits poetische Struktur bei den Gedichten, in den meisten Prosatexten eine erzählerische in der Art von Geschichten, dann auch bei den „Skizzen“, eine essayistische, welche hier jedoch selten anzutreffen ist. So wie in der Natur, besteht auch bei meinem Werk eine grosse Vielfalt, immer in der Aura und Dimension des hier vertretenen Autors, nach seiner Weltsicht.
„Am Rand oder die Leuchtturmgäste“ heisst ein unveröffentlichter Roman von mir. Der Titel weist Typisches auf: „Am Rand“ steht der später erzählende Beobachter stets mit der Beobachtung eines Geschehens, quasi am Wegrand. Vom Sehen und Erfahren her beteiligt, aber meist nicht mit dem eigenen Schicksal. Und wie die Pflanzen stets etwas mehr Raum einnehmen möchten, wird in der Fiktion die Welterfahrung etwas erweitert, manchmal poetisch, mit der Vorstellungskraft, experimentell auch mit sensiblerem Gefühl und besonderem Denken, das nicht in der Durchschnittsquote liegt, was eben das Künstlerische ausmacht. Und der „Leuchtturm“, das Symbol für das Ins-Bewusstsein-Holen, beleuchtet durch die Sprache, das im Text Ausgewählte.
Während die Romane eher das von uns bekannte, mehr oder weniger normale Leben durchpflügen, reicht das kürzere Format mit den Geschichten teils über die „Ränder“, ins Märchenhafte, ins Parabelartige und auch Doppeldeutige hinein. Diese Themen sind zwar im heutigen Literaturbetrieb eher ungewohnt. Doch habe ich Literatur studiert, die über die Jahrhunderte reichte.
August Guido Holstein, 2022
Inhalt
Vorwort des Autors
I. Im literarischen Hügelland,
Lyrik:
Schreiben
-
Rose
-
September
-
Herbstspruch
–
Dezember
-
Musik
-
Melancholie
Prosa:
Aus dem Roman „Alptag“,
3,
7,
27
II. Blicke in die Welt,
Lyrik:
Die Krüge
-
Der Geschirr-Schrank
-
Schneetreiben
-
In der Sandstadt
-
„La vita“
-
Abendsinnen
-
Weltall-Blumen
Prosa:
Der Übersehene
-
Der Klavierspieler
-
Der Schlossgärtner
-
Lachen und Trauer
-
Das neue Licht (beide aus „Geschichten vom Dorfe F“)
III. Heiter trotz Gewölk,
Lyrik:
Lachen im Wind
-
Kann ich dafür?
-
Fremder Ratschlag I u.
II
-
Liebe
-
Partnerlook
-
Apfelbaumzeit
-
Autofrühling
-
Wasserschrift
-
Wenn wir Engel wären
-
Wellen
-
Kochmusik
Prosa:
Über das Sammeln von Städten und Bergen
-
Der Hund
-
Die Engelskatze
-
Die Tapetenfrau
-
Die Kaffeekanne
IV. In den Stallungen des Zirkus,
Fabeln:
Der Schmetterling
-
Der Hund und die Katze
-
Die Frage des Sandkorns und anderer
-
Der Büffel und der Flamingo
-
Der Esel und die Fische
–
Der verstörte Hahn
-
Unter Hunden
-
Ist der Geruch das Wichtigste?
-
Der Bagger und das Rhinozeros
Prosa:
aus „Zirkus im Gebirge“:
Ankunft
-
Das Zirkuszelt
-
Die Seiltänzer - Esmeralda und Ludovico
I. u.
II. u.
III.
V. Auf den Feldern der Mythen,
Lyrik:
Prometheus heute
-
Artemis
-
Sappho
-
Der Luftdurchwanderer
Prosa:
Adamu und Evava
-
Aus Arkadien
VI. Graue Wolken und Schattenfelder,
Lyrik:
Porträt III,
VI,
XI
-
Fundbüro
-
Öffnen
-
Der Schneebaum
–
Schwarze - Rosen
Prosa:
Der Weg nach Umbra
-
Das alte Fabrikgebäude
-
Über die Gefährlichkeit der Orgel
VII. Wörter auf der Märchen-Blumenwiese,
Lyrik:
Der Kalligraph
-
Lyrik
-
Wüsten-Antworten
-
Die fliegenden Gedanken
Prosa:
Der Radläufer
-
Die Frauen auf den Ewigkeitsstühlen
-
Der Krügehändler und das Licht
VIII. Wandern in der östlichen Ferne,
Tag und Nacht chinesisch I - III
-
Der Schatzsucher
-
Wandern entlang der Gärten 1 - 29 u. 36
(Die Texte teils aus den gedruckten Büchern und den Jahresheften)
I.
Im literarischen Hügelland
Schreiben
Schreiben
um endlich
diese Welt
anzufassen.
Schreiben
um ins Innere
zu bergen
all das Flüchtige.
Schreiben
um die Koordinaten
des Selbst
zu bestimmen.
Schreiben
Erde mit Seele
durchtränken
mit der Duftnote Mensch.
Schreiben
als Warnruf für die Zukunft,
als Akt der Gerechtigkeit
für die Vergangenheit.
Schreiben
als Vergegenwärtigung,
denn Erinnerung ist auch
Pulsschlag und Lebensatem.
Schreiben
in Bildern
der “Comédie humaine”
mit dem Lachen dabei.
Schreiben
aus dem Ungewissen
im Wald
der Fragezeichen.
Schreiben
als Spur im Schnee,
die sich verläuft
in der Einsamkeit des Ichs.
Rose
Oh bunte Hülle des Daseins
schwungvoll umflochtene Spirale
die du die Tiefe der Ewigkeit
lässest ahnen sowie die Fülle
dieses Lebens, das purpurrot
aufblüht und sich erfüllt
bis es sich der Schwingen entblättert
für das stillere Dasein
auf dem Weg.
September
Schon öffnet sich
das blaue Bilderbuch.
Mädchenwangen lachen
von den Apfelbäumen.
Im Wald knipst die Sonne
ihre Blitzlichtaufnahmen.
Die Schwalben auf den Drähten
verwandeln sich in Musiknoten.
Die Menschen setzen sich
an lange Tische draussen
um zu feiern, zu begiessen
irgendwas und noch etwas.
Ah, die schöne Zeit!
wenn am goldnen Himmel
alle Wolken Kegel schieben
die Pferde über Hürden springen
Fahnen flattern und die Flaschen klirren.
Doch es eilt geschwind heran
die neue Wetterfront.
Herbstspruch
Wer nicht im Nebel wandert
wer aufbricht am Spätnachmittag
in den Bahnen des kurzen Sonnenstrahls
erreicht nie die Höhen
erblickt den Himmel nie rein
und hält die blaue Blässe
für die grosse Feier des Tages.
Nur wer im Nebel steigt
feiert in den Höhen
den unendlich blauen
Sonnengesang.
Dezember
Eingehüllt in Nacht
suchen wir
das Licht.
Unsere Spuren
in der Kälte des Schnees
zeigen den Weg.
Von Geheimnissen
umlauert
stapfen wir frierend
vorbei
an der Baumpracht
in die Weite
des kommenden Jahres
mit den neuen Gestirnen.
Oder sind es
die alten?
Doch näher
gleissen sie uns.
Eingehüllt in Nacht
finden wir
das Licht.
Musik
Hast du sie gesehen
die Strasse mit dem schönen Bogen
in cis-Moll?
Die Frühlingswiese
in c-dur aber
ist erloschen.
Schattenhänge
trommeln dumpf
in g-Moll.
Waldpartien
markieren abwehrend
Pausen im Getöne
derweil die Hügel
mit den runden Hüften
in f-dur weitertanzen.
Melancholie
Die Zeit verraucht.
Bald ist es Herbst.
Die Tür geht zu.
Du trittst hinaus.
Du grüssest sie
am Schwellenrand,
Melancholie
beim Schleiertanz.
Wir Dingverzehrer
brauchen viel,
manch Gegenüber
der Liebe viel.
Die Dinge stehn’ herum,
die uns so wichtig scheinen,
schattenhaft und sanft umwoben,
traurig-schön.
Wasser tropft vom Baum,
grau blüht
mit ihrem schmerzlich-süssen Duft
die Nebelblume.
