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Für alle, die eine glänzende Figur machen wollen. 90 Prozent des ersten Eindrucks transportieren Redner über ihre Körpersprache - und nicht etwa über die Inhalte ihrer Vorträge. Durch vielseitige Übungen und anschauliche Illustrationen lernen hier alle, die Reden halten müssen, die eigene Körpersprache bewusst wahrzunehmen und sich gekonnt in Szene zu setzen. So kann jede Präsentation vorbereitet und optimiert werden: vom Auftritt über die Begrüßung und den Kontakt zum Publikum bis hin zum wirkungsvollen Einsatz von Gestik und Mimik. Nadine Kmoth verzichtet auf die üblichen technischen Standardtipps und widmet sich ganz den Erfolgsfaktoren der Körperrhetorik. Sie liefert außerdem eine Typologie der vier Präsentationsstrategien.
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Seitenzahl: 158
Veröffentlichungsjahr: 2007
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN: 978-3-636-01498-6 | Print-Ausgabe
ISBN: 978-3-86881-124-7 | E-Book-Ausgabe (PDF)
E-Book-Ausgabe (PDF): © 2009 by Redline Verlag, FinanzBuch Verlag GmbH, München.www.redline-verlag.de
Print-Ausgabe: © 2007 by Redline Wirtschaft, Redline GmbH, Heidelberg. Ein Unternehmen von Süddeutscher Verlag | Mediengruppe.
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Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur GmbH, München Satz: Jürgen Echter, Redline GmbH Druck: Himmer, Augsburg Bindearbeiten: Thomas, Augsburg Printed in Germany
EinleitungEinführung1. Vorhang auf – der Auftritt 1.1 Lampenfieber als Aufputschmittel Auswirkungen des Lampenfiebers Die Auftrittsängste Tipps gegen Lampenfieber 1.2 Spießrutenlauf oder roter Teppich – die Bewegungsdynamik Bodenhaftung – die Rednerfüße Risikofreudig – die Schrittgröße Engagiert oder gediegen – das Tempo Hüftschwung – die Hüften und der Po Aufrichtig – der Oberkörper Handlungsfähig – die Arme Selbstbewusst und souverän wirken 1.3 Authentisch auftreten durch Körperrhetorik 1.4 Rhetoriktipp Vorbereitung und Rahmenbedingungen einer Rede Aufbau einer Rede – die Grundstruktur2. Reines Beziehungsmanagement – die Begrüßung 2.1 Drei Ebenen der Kommunikation 2.2 Durch den ersten Eindruck brillieren Beinkleider okay? 2.3 Zu- und aufgeschlossene Redner Distanz zum Publikum einhalten Auftakt zum Handeln – der Handschlag 2.4 Rhetoriktipp
3. Zu seiner Rede stehen – der Stand 3.1 Von bacchantischen Knaben und apollinischen Götter Dominant oder devot Stand- und Spielbein Cool und lässig Überkreuzter Stand 3.2 Standpunktwechsel erfrischt 3.3 Rhetoriktipp Das Stichwortmanuskript4. Redeschmiere des Redners – das Publikum 4.1 Territorium besetzen – die Sitzarten der Zuhörer Der Platzhirsch Das scheue Reh 4.2 Top- oder Flopverhalten 4.3 Bestuhlung gezielt gewählt Wissensvermittlung in Stuhlreihen Runder Tisch oder eckige Auseinandersetzung Festliches Bankett U-Form für Schreiberlinge Stuhlkreis fürs Miteinander 4.4 Umgang mit Störern 4.5 Rhetoriktipp Wenn Gegenwind droht – positiv auf Einwände reagieren Die Zwei-A-Taktik Schlagfertig sein heißt nicht gleich schlagen5. Bildhaft reden – die Gestik 5.1 Wohin mit den Händen? Beidarmig oder einarmig. 5.2 Minimalisten und Oberhofschönredner Die aktiven Gesten Die passiven Gesten. 5.3 Sich besser verkaufen 5.4 Wo bleibt die Begeisterung? Leitungen freilegen
5.5 Rhetoriktipp Redeformen Rhetorische Stilmittel. Das betonte Sprechen und die Bedeutungsträger Die direkte Rede6. Intentionsbewegungen auf kleinstem Raum – der Kopf 6.1 Vorsicht! Böser Blick 6.2 Blickkontakt halten7. Vier Redestrategien – die Charaktertypen 7.1 Agiler Alleinunterhalter – der Sanguiniker 7.2 Dominanter Macher – der Choleriker 7.3 Intelligenter Professor – der Melancholiker 7.4 Besonnener Pragmatiker – der PhlegmatikerSchlussbetrachtungEmpfehlung und Kontakt.DanksagungLiteratur- und QuellenangabenStichwortverzeichnis.
Es ist gleichgültig, um welchen Redeanlass es sich handelt: Sie wollen Ihrem Chef Ihr Können beweisen, Sie wollen beim Kunden den Pitch gewinnen, Sie wollen die Wähler auf Ihre Seite ziehen, und Sie wollen Ihre Partner nur vom Besten überzeugen. Der Körper redet mit.
Es ist gleichgültig, ob Sie mit Beamer, Overheadprojektor oder frei präsentieren, ob Sie sich in der Einleitung, dem Hauptteil oder dem Schluss einer Rede befinden, ob Sie den Drei- oder den Fünfsatz als Redestruktur benutzen; und selbst wenn Sie keine Strukturen benutzen:
Der Körper redet immer mit.
Es ist ebenfalls gleichgültig, ob Sie in einer Präsentation, in einem Meeting, einem Vortrag, einem Seminar oder vor Schülern reden:Der Körper redet unablässig mit.
Wer einen starken Auftritt hinlegen möchte und andere von seinen Ideen überzeugen will, kommt nicht darum herum, die persönliche Körpersprache zu reflektieren und gezielt einzusetzen.
Körperrhetorik ist eine Strategie, um die Wahrnehmung für die Körpersprache zu sensibilisieren. Sie ist ein Handwerkszeug, um die eigene Körpersprache zu reflektieren und gezielt in einer Rede einzusetzen. Sie ist die Kunst der Körpersprache, so wie die Rhetorik die Kunst der Sprache ist.
Sie werden viele neue Facetten dieser spannenden und doch so einfachen Sprache entdecken, um Ihre eigene Körpersprache auf ihre Wirkung hin überprüfen zu können.
Laut dem Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick können wir nicht nicht wirken. Das ist für einen Redner von großer Bedeutung, denn 100 Prozent des ersten Eindrucks transportiert der Redner über seine Körpersprache. Da der erste Eindruck in Bruchteilen von Sekunden entsteht, ist dieser bereits entstanden, wenn der Redner zum Rednerplatz geht. Er steckt also schon in einer Schublade, wenn er noch kein einziges Wort gesprochen hat.
Körpersprache und Sprache gehören zusammen wie Tag und Nacht, Ein- und Ausatmen oder Sommer und Sonne.
Daher finden Sie im Anschluss an die einzelnen Kapitel Rhetoriktipps, mit denen Sie Ihr körperrhetorisches Wissen umsetzen können.
Zur besseren Verständlichkeit habe ich hier für Sie noch einige Anmerkungen:
Es ist gleichgültig, ob Sie in einer Präsentation, einem Vortrag, einem Meeting, einem Seminar oder vor Schülern reden: Ich verwende in der Regel den Begriff Rede. Und es geht immer um den Redner, der stehend seine Inhalte vor einer Gruppe Zuhörer vorträgt. Bei der Körpersprache ist immer die konkrete Situation für die Wirkung eines Redners ausschlaggebend. Während Sie also bei sich zu Hause in der Regel machen können, was Sie wollen und wonach Ihnen gerade der Sinn steht, ist die Redesituation in der Öffentlichkeit – wie sie im Buch beschrieben wird – immer eine Situation, die Konsequenzen nach sich zieht. Wenn Sie Ihrem Partner mit offenem Hosenschlitz die Vorzüge des Kommunizierens darlegen, ist das etwas anderes, als wenn Sie das in einer Betriebsversammlung machen. Der tägliche Blick Ihrer Kollegen zu Ihrem Hosenstall, begleitet von einem süffisanten Lächeln, ist Ihnen in Zukunft sicher.Die unterschiedlichen Situationen verändern also die Wahrnehmung der körpersprachlichen Signale und dadurch eben auch die Konsequenzen. Wenn wir uns in bestimmten Situationen immer gleich verhalten, vertiefen und verinnerlichen wir bestimmte Bewegungen. Werden diese regelmäßig wiederholt, werden sie Bestandteile unserer Persönlichkeit.Gehen Sie also künftig mit größeren Schritten als bisher durch die Welt, hat dies Auswirkungen auf Ihre persönliche Entwicklung. Sie treffen möglicherweise schnellere Entscheidungen und werden risikofreudiger.Wir lernen eben auch von außen nach innen. Eine äußere, sich manifestierende Bewegung wirkt sich also auf unsere Psyche und somit auf unsere innere Einstellung aus. Unsere Persönlichkeit beherbergt kunterbunte Facetten. Wir haben eine Art Theaterensemble in uns, das aus verschiedenen Darstellern mit unterschiedlichsten Rollen besteht. Um ein erfolgreicher und überzeugender Redner zu werden, müssen wir die Rolle des Redners aus uns herausholen und an den Bühnenrand stellen. Wissenschaftler, Schnarchnasen und alle weiteren Kameraden, die sich nicht darstellen wollen und können gehören aufs Sofa. Laut der Zeitschrift Manager Magazin sind nur 12 Prozent der Zuhörer nach einem Vortrag begeistert. Das liegt wohl daran, dass vor einigen Jahren der Beamer-Virus über einen großen Teil der Geschäftswelt hereinbrach.Der Beamer ist ein schickes Instrument, um Vorträge zu bebildern, wird aber nur in den seltensten Fällen beherrscht. Meist ist der Redner von der Technik befallen wie ein Körper von einem Virus:Durch zu viele Folien, zu viel Text und zu viel von allem versäumt es der Redner, sich selbst überzeugend und persönlich darzustellen. Weniger Technik ist mehr Überzeugung! In diesem Buch tauchen Begriffe wie der Platzhirsch, der Extrovertierte oder der Redner auf, die in unserer Sprache in der Regel in der männlichen Form verwendet werden. Selbstverständlich gibt es auch Platzrehe, die Extrovertierte oder die Rednerin.Alles, was wir über Rhetorik gelernt haben – und nach einem bekannten Rhetoriktrainer auch wieder vergessen sollten –, scheint sich in den letzten Sekunden vor einem Auftritt zu vermengen in ein undurchschaubares Potpourri aus konfusen Gedanken und Gefühlen1: »Hoffentlich überzeuge ich«, »Wie konnte ich mich nur darauf einlassen« oder »Ist mir schlecht« sind nur einige Zutaten dieses Potpourris.
Der Organismus zittert, die Nerven liegen blank, das Herz vibriert, Schweiß tritt aus Poren, aus denen er keinesfalls austreten sollte, und die Körpertemperatur scheint die normale Skala eines Thermometers längst überschritten zu haben. Muskeln ziehen sich zusammen und die Versorgung mit lebensnotwendigem Sauerstoff beginnt zu stocken. Das Gehirn wird dadurch leicht unterversorgt.
Der Moment des Auftritts, die Sequenz vom Erscheinen am Rednerplatz bis zum Zeitpunkt, an dem der Körper ruhiger wird, wird meist von seelischen Turbulenzen begleitet. In diesem Zustand kann sich niemand entspannt zurücklehnen, obwohl es genau das ist, was ein Redner in diesen Momenten machen möchte. Ja, wir wollen bei einem Vortrag entspannt und souverän wirken. Nur wenn uns das gelingt, haben wir eine Chance, unser Publikum von Beginn an zu überzeugen.
Wenn wir die Gründe kennen, weswegen wir aufgeregt sind, können wir das Maß an Aufregung deutlich reduzieren.
Um klar denken zu können, benötigt unser Gehirn Sauerstoff. Wenn es nicht ausreichend damit versorgt wird, bleiben unsere Gedanken auf der Strecke und der Blackout ist programmiert. So wie ein Motor sein Öl benötigt, um keinen Kolbenfresser zu bekommen, so benötigt das Gehirn Sauerstoff, um einem Blackout vorzubeugen. Hier hilft nur eins: Atmen.
Leidet ein Redner besonders stark unter Lampenfieber, sieht das Publikum ein Häufchen Elend, das anscheinend seine Souveränität an der Garderobe abgegeben hat. Einen dermaßen verunsicherten ersten Eindruck beim Publikum zu machen, schmälert die Glaubwürdigkeit erheblich.
Foto 1: Ist mir schlecht
Durch welche Bewegungen entsteht eigentlich das Bild eines verkrampften oder angespannten Redners, und was können wir tun, um die Anspannung auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren? Fragen, die sich beantworten lassen, wenn wir uns gemeinsam auf eine Exkursion begeben, in der wir die einzelnen körpersprachlichen Signale während eines Auftritts möglichst differenziert betrachten.
Damit das Publikum in früheren Zeiten Schauspieler, Sänger oder Musiker überhaupt sehen konnte, standen Hunderte von Kerzen auf der Bühne. Dadurch wurde es den Darstellern schnell zu heiß. Und direkt vor der Aufführung wurde allen doppelt so heiß, denn nun stieg auch das Adrenalin. Da die Raumhitze und die innere Hitze sehr ähnlich waren, warf man beide in einen Topf und machte daraus das Lampenfieber.
Jeder Redner, der in der Öffentlichkeit auftritt, ist mehr oder weniger vom Lampenfieber befallen. Ob er zu den großen Berühmtheiten der Oper zählt, zu den ungeliebten Politikern, den sich selbst feiernden Moderatoren, den Festrednern beim Schützenfest oder zu den Referendaren, die ihre ersten Schüler vor sich haben. Dieser Zustand setzt sich aus zahlreichen körperlichen Prozessen zusammen wie Herzrasen, Schweißausbrüchen oder undifferenzierten Hitzewallungen.
Hinzu kommen das Zittern der Hände und in der Stimme, Kurzatmigkeit, Heiserkeit und Schwindel, Durstattacken oder der Blackout.
Doch selten treten alle Symptome gleichzeitig auf. In den meisten Fällen wird der Redner von der Erscheinung geplagt, vor der er sich am meisten fürchtet: Sängerinnen wie Anna Netrebko oder Avril Lavigne haben Angst, ihre Stimme zu verlieren, und werden heiser.
Bundespräsident Köhler fürchtet sich vor dem Zittern seiner Hände, die schließlich wie Espenlaub zittern, und andere Politiker haben Sorge, dass sie während ihrer Kampfrede Schweißflecken unter den Achseln produzieren, und bekommen sie genau an dieser Stelle.
Offensichtlich beginnt der ganze Spuk im Kopf. Diese Vermutung wird dadurch bestätigt, dass bei der Behandlung von extremem Lampenfieber Verhaltenstherapien erfolgreicher waren als Medikamente. Medikamente, die ähnliche Wirkstoffe wie eine Schlaftablette haben, wirken zwar gegen Lampenfieber, beeinträchtigen aber die Qualität eines Auftritts: Schneller, als ihm lieb ist, wird der Redner selbst zur Schlaftablette. Schlafattacken und Gähnwellen der Zuhörer gehören zu den Nebenwirkungen dieser vermeintlichen Heilmittel. Machen Sie jedoch ein Verhaltenstraining und haben Sie eine positive mentale Einstellung, müssen Sie sich nicht vor Nebenwirkungen fürchten, die Packungsbeilage beachten oder Ihren Arzt oder Apotheker fragen.
Lampenfieber ist ein Zustand, der in Maßen sehr motivierend auf das Publikum und auf uns selbst wirken kann. Um in die richtige Redestimmung zu kommen, benötigen wir das Lampenfieber als Aufputschmittel. Nur wer selbst brennt, kann andere entzünden! Dieser Spruch von Augustinus besagt: »Sei ruhig aufgeregt, aber sei auch von deinem Thema überzeugt!« Wenn wir das sind, schaffen wir es, als Redner Begeisterung und Engagement auch in unserer Körpersprache zu zeigen, und stecken die Zuhörer damit an.
Keiner kann mit 40 Grad Fieber geistige Höchstleistungen erbringen. Bei einigen Rednern überschreitet das Lampenfieber jedoch die 40-Grad-Marke, wodurch der Auftritt zu einem Albtraum werden kann. Sehr starkes Lampenfieber wird häufig von Ängsten verursacht, die fast jeder mit sich herumträgt und die in den Köpfen oft jahrelang herumgeistern. Wovor oder vor wem kann man eigentlich Angst haben? Nachfolgend liste ich Ihnen die Gründe auf, die lampenfiebergeplagte Redner am häufigsten nennen, und gebe Ihnen Tipps, wie sie damit umgehen können:
Angst vor VorgesetztenVor Vorgesetzten, die anscheinend besonders aufmerksam Ihre Rede anhören, um Ihnen im Anschluss die Kündigung zu überreichen.Vorm geistigen Auge erscheint der Fuß des Chefs, der sich beängstigend nah auf das eigene Hinterteil zubewegt.Mein Tipp: Vorgesetzte sind auch nur Menschen. Noch nie ist einem Mitarbeiter wegen einer verhauenen Rede gekündigt worden.Bauen Sie die Ängste ab, die durch starkes Hierarchiedenken entstanden sind. Angst, sich im Thema nicht genügend auszukennen Und deswegen sogar von den eigenen Kollegen hinter vorgehaltener Hand ausgelacht zu werden. Worte wie Stümper oder Dilettant scheinen vor dem Auftritt als akustische Rauchschwaden im Raum zu hängen.Mein Tipp: Reden Sie nie von Dingen, von denen Sie keine Ahnung haben.
Ansonsten ist die Vorbereitung schon die halbe Miete.
Angst, kritisiert zu werdenUnd von unserem Publikum zerfleischt zu werden wie Roy von seinem weißen Tiger. Im Geist sehen wir die wichtigsten Entscheider vor uns sitzen. Diese wetzen bereits ihre Krallen, schlecken sich ihre Mäuler und gehen in die Hocke, um uns beim kleinsten Anlass anzufallen und in Stücke zu zerreißen.Mein Tipp: Sehen Sie Kritik als Chance zur Weiterentwicklung. Nehmen Sie nicht alles persönlich, denn es ist vollkommen normal, dass nicht immer alle einer Meinung sind.
Angst, sich schlecht auszudrückenHierbei steigt uns schon beim Gedanken an stotternde Artikulationslaute und sabbernde Vokale eine hitzige Röte ins Gesicht, um sich mit der wenig charmanten Vorstellung eines roten Puters im Businesskostüm zu paaren.Mein Tipp: Na und! Versprecher gibt’s überall. Außerdem zeugt die Farbe rot vom Leben. Besser lebensrot als leichblass!
Um sich davon zu befreien, kann man verhaspelten Sätzen mit Schnalzlauten wie »blubeblub« ein Ende setzen. Auch ein »Ups« oder »das war nix«, kommen bei den Zuhörern gut an.
Körpersprachlich können Sie auch ein Gesicht ziehen, als hätten Sie soeben an einer Zitrone geleckt.
Selbstverständlich können Sie auch »Sorry« sagen, aber machen Sie nicht mehr daraus, als es ist und nehmen Sie es mit Humor.
Angst vor einem BlackoutWir sehen uns im Geiste wieder in der Grundschule nach Worten ringen, entdecken in den mitleidsvollen Gesichtern unserer Klassenkameraden eine verlegene Peinlichkeit, die mit der unheimlichen Stille schmerzender Wortlosigkeit verschmilzt.
Wir sehen Zensuren auf uns zumarschieren und der Anblick der vielen Sechser schmerzt.
Mein Tipp: Fragen Sie das Publikum oder einen Kollegen, an welcher Stelle Sie gerade hängen.
Sie können auch den letzten Satz wiederholen, der in der akustischen Pipeline schwebt und noch recht gut abrufbar ist.
Angst vor vielen ZuhörernVor Zuhörern, die sich anscheinend zu einer Masse gaffender und glotzender Menschen formieren, ähnlich denen, die im Auto mit Tempo 20 an einer Unglücksstelle vorbeischleichen, um ihre Sensationslust zu stillen.Mein Tipp: Mit Erfahrung und regelmäßigem Reden in der Öffentlichkeit gibt sich das von selbst.Ansonsten suchen Sie das freundlichste Augenpaar und konzentrieren Sie sich in der ersten und schlimmsten Minute auf diese eine Person. Das ist ihr Freund.Da es eine freundliche Person im Blickfeld hat, schaltet das Gehirn auf keep cool um. Das beruhigt.Angst vor technischen PannenBereits vor Beginn der Rede erscheinen weiße Lichtblitze im Augeninnern, die sich bei genauerer Betrachtung als kleine Explosionen herausstellen.Diese entstammen keinesfalls dem Mündungsfeuer des zuletzt gesehenen Bruce-Willis-Films, sondern vielmehr der synchronen Explosion von Beamerlampe, Laptopbildschirm und Overheadprojektor.Mein Tipp: Technisches Versagen wird meist von menschlichem Versagen ausgelöst. Anständige Technik kann gut vorbereitet werden.Foto 2: Angst vor dem Blackout
Einen besonderen Auslöser für Lampenfieber sollten wir näher betrachten: den eigenen Ehrgeiz. Meist gut versteckt, verbirgt er sich hinter fast allen Ängsten. Die meisten Redner wollen eine gute und manchmal sogar eine 100-prozentige Leistung erbringen. Sie setzen sich selbst unter immensen Druck, um jedes Fehlverhalten zu verhindern. Und dieser innere Druck verhindert das ungezwungene Reden.
Kritik an einer Sache oder einem Menschen setzen viele immer noch mit Unvollkommenheit gleich und betrachten sie noch zu selten als eine Chance zur Weiterentwicklung. Übt ein Zuhörer wirklich Kritik, gibt es genügend Möglichkeiten, konstruktiv damit umzugehen.
Unterstützt wird der falsche Ehrgeiz dadurch, dass sich manche Redner unbewusst mit Helden aus dem Fernsehen vergleichen. Introvertierte Ingenieure, Techniker oder ungeübte Redner meinen dann plötzlich, dass sie es Gerhard Delling oder Monica Lierhaus aus der Sportschau gleichtun müssten. Mal ehrlich: Kein Mensch würde auf die Idee kommen, nach einem einwöchigen Isländisch-Sprachkurs akzentfrei sprechen zu können.
Durch diese zu hoch gegriffenen Vergleiche verstärken sich die Symptome des Lampenfiebers, da innerer Anspruch und Können einander möglicherweise nicht entsprechen. Professionelle Entertainer haben das Reden vor einem Millionenpublikum zu ihrem Job gemacht. Der normale Redner spricht nicht hauptberuflich, sondern parallel zum Tagesgeschäft. Das bringt ihm zwar Prestige, jedoch keinen Heller ein. Setzen Sie sich also nicht selbst unnötig unter Druck, und seien Sie so gut, wie Sie es eingeübt haben. In der Öffentlichkeit oder im eigenen Unternehmen Reden zu halten, schüttelt niemand aus dem Ärmel, das muss geübt werden. Das macht jeder Profi!
Stellen Sie sich nur mal unsere elf Freunde vor: Sie üben den lieben langen Tag nichts anderes, als das Runde ins Eckige zu befördern. Und das aus jeder Position.
Wenn Sie sehr kurzfristig eine Rede halten müssen, haben Sie zwei Möglichkeiten: Lehnen Sie ab oder setzen Sie Prioritäten. Seien Sie sich im Klaren darüber, dass Sie für eine Rede Vorbereitungszeit benötigen. Wenn Sie die Aufgabe annehmen, verlassen Sie Ihren Arbeitsplatz oder das Tagesgeschäft früher als gewöhnlich und bereiten Sie sich an einem ungestörten Ort vor. Rhetorische Redestrukturen sind zusätzliche und unentbehrliche Helfer, um kurzfristig und doch verständlich und glaubhaft aufzutreten (siehe Rhetoriktipp).
Kaum ein Zuhörer ist so niederträchtig, den Redner in ungewohnten Redesituationen zu verhöhnen.
Die meisten Zuhörer haben Einwände oder Fragen, auf die wir uns vorbereiten können. Vorausgesetzt, wir kennen uns im Thema aus.
Außer der positiven Einstellung des Redners helfen verschiedene Entspannungsmethoden, unser Lampenfieber zu senken. Allerdings brauchen diese Methoden etwas Zeit, um zu wirken. Autogenes Training und progressive Muskelentspannung nach Jacobsen gehören ebenso dazu wie Meditation für Stressgeplagte.2
Eine weitere gute Möglichkeit, Lampenfieber oder Stress abzubauen, ist körperliche Bewegung. Knöpfen Sie sich vor Ihrem nächsten öffentlichen Auftritt das Treppenhaus vor. Jedes Haus hat ein Treppenhaus! Wie viele Stockwerke Sie dann hoch- und runter-joggen, hängt von Ihrer Kondition ab. Beachten Sie hierbei allerdings die damit einhergehende Schweißproduktion oder Atemlosigkeit.
Vor einem Vortrag einen zügigen Spaziergang zu machen und sich dabei komplett in die Natur zu versenken, ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, sich zu beruhigen. Ein blühender Rhododendronstrauch kann dann ebenso zum Objekt Ihrer Wahl zählen wie ein wehender Birken- oder Weidenzweig.
Sich bei Stress zu bewegen, macht Sinn, denn Stress wird über Bewegung abgebaut. Denken Sie nur an wippende Fußspitzen, trommelnde Finger oder zwinkernde Augen. Alles winzige Versuche des Körpers, angestauten Stress über Bewegung loszuwerden. Stress ist eine Reaktion des Körpers auf Gefahr und gehört zu einer der vielen Ur-Softwares, die uns dabei unterstützen, in dieser Welt zu überleben.
Als unsere Vorfahren ganzkörperbehaart, also noch mit ihren Naturpullis, durch die Gegend zogen, hier und da ein Wild erlegten und Beeren sammelten, gab es eine Menge wilder Tiere. Beispielsweise die Urlöwen mit langen furchteinflößenden Säbelzähnen, die dem Menschen schnell und effektiv den Garaus machen konnten. In solchen Situationen waren unsere Vorväter auf eine Art Kick-down oder ein Turbolampenfieber angewiesen. Durch diesen Kick-down stellt der Körper innerhalb kürzester Zeit auf Höchstleistung um. Im Fall der Säbelzahnbegegnung gab es keine Alternative, außer sich so schnell wie möglich auf einen Baum zu flüchten. Trottete allerdings nur eine Miniaturvariante des Urlöwen vorbei, so etwas wie ein
