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Aus dem KZ-Mittelbau-Dora (Nordhausen am Ostharz) und seinen vielen Außenlagern wurden in den ersten Apriltagen des Jahres 1945 über 40.000 Häftlinge mit der Bahn und, wo dies durch Kriegseinwirkungen nicht mehr möglich war, zu Fuß nach Westen und Norden getrieben. Etwa 250.000 Menschen, das sind ein Drittel der damaligen Häftlinge, starben in Folge der Todesmärsche.
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Seitenzahl: 23
Veröffentlichungsjahr: 2015
Vorworte
Erinnern statt vergessen
Die Jägerei Hustedt | 1927–1945
Der Feldflugplatz Hustedt | 1936–1950
Die Todesmärsche | 1944/1945
Der Todesmarsch von Kleinbodungen nach Bergen-Belsen
Ein Ort des Erinnerns | 2015
Literaturverzeichnis
Das Bildungszentrum Hustedt steht für kritisch-emanzipatorische Bildung und gesellschaftspolitisches Engagement in der Tradition der Aufklärung und Arbeiterbewegung. So ist es nur folgerichtig, dass wir uns auch der Verbindung von großer Geschichte und Lokalgeschichte annehmen. Gerade in der Lokalgeschichte, im Mikrokosmos des historischen Alltags, lassen sich oft neue Tatsachen und Erkenntnisse gewinnen, die ein Mosaiksteinchen im Bild der großen Geschichte darstellen und dieses ergänzen. Das Bildungszentrum unterhält deshalb zur Gedenkstätte Bergen-Belsen langjährige Beziehungen genauso wie zur traditionsreichen VVN/BdA1 und engagiert sich im regionalen Bündnis gegen Rechts.
Das „Nie wieder!“ ist eine der prägenden Parolen, die die Arbeiterbewegung aus der Erfahrung mit dem deutschen Faschismus gezogen hat. Der neue Gedenkort mit dem Stelenfeld auf dem Gelände des Bildungszentrums ist sichtbarer Teil dieser Erfahrung.
Wir teilen das Unbehagen an einer ritualisierten Erinnerungskultur, wenn es nicht gelingt, jenseits von repräsentativen Veranstaltungen, Gesprächsanlässe vor Ort zu schaffen und das Erinnern als einen kritischen und politisch aktivierenden Prozess zu gestalten. Dazu soll dieses Erinnerungsprojekt und die Bildungsarbeit des Bildungszentrums HVHS Hustedt in besonderer Weise beitragen.
Wir danken der Hans-Böckler-Stiftung (Düsseldorf) sowie der RWLE Möller Stiftung (Celle) für die finanzielle Unterstützung, ohne die das Projekt nicht möglich geworden wäre.
Harald Kolbestellv. Leiter Bildungszentrum Hustedt
Im Jahre 2013 erhielt die VVN-BdA erstmals Informationen von der Gedenkstätte Dora-Mittelbau über einen Todesmarsch vom KZ Außenlager Kleinbodungen zum KZ Bergen-Belsen. Dieser Todesmarsch wies die Besonderheit auf, dass er über Celle, Groß-Hehlen und Hustedt führte und auf diesem letzten Teilstück nachweislich acht Häftlinge erschossen wurden. Da es weder im Ort Groß-Hehlen, noch in Hustedt oder an der Strecke Spuren oder Hinweise gab, die auf die damaligen Ereignisse hinwiesen, war dies für uns als VVN-BdA der Anstoß für eine intensivere Spurensuche. Nach Erstellung einer ersten Materialsammlung lag es nahe, sich mit dem Vorschlag eines partnerschaftliches Projekts an die HVHS Hustedt zu wenden, da der Todesmarsch direkt am heutigen Gelände der HVHS vorbeiführte und auch in unmittelbarer Nähe übernachtet wurde. Die daraus entstandene kollegiale, gute Zusammenarbeit schuf mit der Errichtung eines Stelenfeldes einen Ort des würdigen Gedenkens an die Opfer des Todesmarsches.
Die vorliegende Broschüre soll Informationen über den Todesmarsch bereitstellen, helfen, die Erinnerung an die damaligen Ereignisse wachzuhalten, und einen Beitrag für die lokale Erinnerungskultur leisten.
Zum Schluss sei den Mitarbeitern der HVHS Hustedt nochmals für das nun abgeschlossene gemeinsame Projekt gedankt. Dank gilt aber auch dem Zeitzeugen, Herrn W. Ostermeyer, der die Nachschrift der Ortschronik von Hustedt für den entsprechenden Zeitraum aus dem Nachlass seines Vaters, des ehemaligen Dorfschullehrers von Hustedt zur Verfügung stellte.
Horst Stehr
