Es bsunders Gschänk - Alex Kurz - E-Book

Es bsunders Gschänk E-Book

Alex Kurz

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Beschreibung

In seinem neuen Buch «Es bsunders Gschänk» nimmt uns Alex Kurz mit in die besinnliche Welt der Advents- und Weihnachtsgeschichten. Mit feinem Humor und berührender Tiefe fängt er Momente des Staunens, des Gebens und des Innehaltens ein – genau das, was diese besondere Zeit des Jahres ausmacht. Durch unerwartete Wendungen eröffnen seine Geschichten neue Perspektiven auf Weihnachten und laden dazu ein, das wahre Geschenk dieser Jahreszeit zu entdecken. Mit einem fl iessenden Erzählstil und gekonnt gesetzten Spannungsbögen werden diese berndeutschen Erzählungen zu kleinen Kostbarkeiten, die durch die Adventszeit begleiten und darüber hinaus nachklingen. Dieses Buch ist nicht nur eine Quelle der Besinnung für die Adventszeit, sondern auch ein ideales Geschenk für die Liebsten. Mit Hörbuch, vom Autor gelesen, das über QR-Codes zugänglich ist

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Seitenzahl: 111

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

Impressum

Titel

Es bsunders Gschänk

Der Artikel

Bängle

Wichtele

Di längi Leitig

Grippefigure

Der intergalaktisch Chrieger

Di nöie Lieder

Glismeti Socke

D Ufgab

Der Chrischtboumspitz

Wiehnachtsvorsatz

Zuegab

Hörfassungen

Über den Autor

Über das Buch

ALEX KURZ

ES BSUNDERS GSCHÄNK

Der Verlag und der Autor danken für die Unterstützung:

Der Zytglogge Verlag wird vom Bundesamt für Kultur mit ei‍nem Strukturbeitrag für die Jahre 2021–2025 unterstützt.

© 2025 Zytglogge Verlag, Schwabe Verlagsgruppe AG, BaselAlle Rechte vorbehaltenLektorat: Angelia SchwallerKorrektorat: Jakob SalzmannCovergestaltung: Hug & Eberlein, Leipzig

Alex Kurz

ES BSUNDERS GSCHÄNK

Advänts- u Wiehnachtsgschichte

Es bsunders Gschänk

Der Andreas Nauer isch zfride. Der Aalass vo syre Firma isch e volle Erfolg. Vili vo de gladene Gescht sy cho u bevölkere di grossi Halle, wo ds Jahr dür meh als 50 Lüt dinne schaffe. Als Leiter vom ne Betrib mit gschützten Arbeitsplätz ischs ihm wichtig, der Öffentlechkeit z zeige, was hie gleischtet wird: nid eifach subventionierti Beschäftigungstherapie, sondern Arbeit. Arbeit, wo ke Verglych bruucht z schüüche – erbracht vo Lüt, wo me süsch nid vil zuetrouet. Der Andreas het es guets Gspüri für Mönsche, grad o für settigi mit emne Handicap. Vor zwöine Jahr het er sy Chefposchte hie aaträtte, sider isch mängs zstand cho, wo niemer gloubt hätt, isch mängs ufgleiset worde für d Zuekunft. Immer wider het er o der Wäg use us der Fabrigg gsuecht, a d Öffentlechkeit, het Kontakte pflegt zum Gwärb u zu de Behörde.

Ds Adväntsapéro isch so ne Versuech, e Premiere, und er het sech im Vorfäld gfragt, ob di heiligi Zyt würklech der richtig Momänt syg derfür. Aber d Sorg isch unbegründet, ds Ganze steit under emne guete Stärn. D Gäscht hei sech zahlrych zueche gla, d Lokalprominänz isch da. I Grüppeli stöh si um Stehtischli ume u lö sech vo dienschtbare Geischter mit Häppli u Cüpli, Wasser u Wy la versorge. Fotografe sy im Ysatz, der Andreas het en Aasprach, git es Interview. E gueti Press isch alls.

Es isch scho fasch achti, wo di Erschte wider göh, di Letschte brächen ersch na de zähne uuf. Itz isch d Putzequipe dran. D Tischli chöme wägg, d Gschänk wärden abgruumt. D Assischtäntin, d Sandra, git Aawysige, wo dass alls söll härecho, dass mes cha sichte, verdanke u schliesslech a d Belegschaft verteile.

«Das git e Sach, bis das alls gmacht isch», meint der Andreas zue re. «Schaffsch es no vor Wiehnachte oder bruuchsch Hilf?»

D Sandra luegt zum Päcklibärg übere u lachet: «We d Briefe zum Underschrybe nid wider bi dir blybe lige», spöttlet si, «de sötts länge.»

Er luegt se schuldbewusst aa: «I gibe mer Müei», verspricht er.

Sy Blick fallt uf eis vo de Gschänk. Es steit näbenuss, und er hets während em Apéro vo öpperem entgägegno. «Das mit em guldige Papier dert äne isch de nid für üs», macht er u zeigt druuf.

«Für wän de?», wott d Sandra wüsse.

«Ke Ahnig.» Er zuckt mit den Achsle. «Tue mers i ds Büro. Es chunnt mer de scho wider i Sinn.»

Am Tag druuf fingt ers uf sym Schrybtisch. Er weis geng no nid, vo wäms isch und o nid, für wän. Er nimmts, luegts aa, versuecht sech z bsinne. Öpper hets ihm geschter ggä – öpper, won er kennt, so vil isch klar. Männlech. Het ihm d Hand uf d Schultere gleit, gseit, das syg de no für e Sowiso. U wyter? Der Andreas erlist sys Hirni, aber es macht nid «Klick». Uf em Guldpapier steit nüt, ke Name, ke Hiwys. Mittelgross isch das Ganze, mittelschwär, u we mes schüttlet, bewegt sech öppis drin. Es Buech ischs nid. Aber was?

Me sötts chönne uftue, dänkt er, aber er machts nid. Frömdi Gschänk uspacke isch nid sys Ding, das fingt er reschpäktlos.

D Sandra luegt yne. «Bruuchsch no öppis?» Si gseht ds Päckli. «Weisch itz, für wän dass es isch?»

«No nid», süüfzet är. «Aber i möchts o nid uftue.»

Si het en anderi Idee. Itz göng si i Mittag, aber dernaa lueg si hurti d Föteli düre, wo geschter syge gmacht worde. Si heig e Datei vo über tuusig Bilder. Da wärds wohl öppis drunger ha, wo zeigi, won er die Trucke här heig. «U de wüsstisch wenigschtens afe, wän frage, we de geng no nid druuf chiemsch, wäm se söllsch gä.»

«Das wär en Idee ... nume: Hesch de Zyt für settigs?»

«Jaja», meint si. «I bruuche sowiso no Bildmaterial für d Huszytig.»

«Okay – aber nid der Dokter druff mache, gäu.»

Si winkt ab.

Am spätere Namittag chunnt si no mal zuen ihm. «Nüt», seit si, «kes einzigs Bild.»

Er luegt se unglöibig aa. «Im Ärnscht?»

«Also, der Dokter han i nid druff gmacht.» Si isch chli beleidiget. «We de wosch, chan i der süsch alls uf ene Stick lade, de chasch sälber no mal düre luege.»

«Um Himmels wille, nume das nid!», wehrt er ab. De überleit er. «Weisch was? Mir tües i ds Intranet! Frage dert eifach, ob öpper es Gschänk vermisst. Dä mäldet sech de scho.»

Er geit zur Kafimaschine, lat sech en Espresso use: «So nes Theater wäge däm Sch...» Scho het er sech ds Muul verbrönnt am heisse Kafi u zieht d Luft y.

D Sandra fötelet ds Päckli, u no am glyche Tag läse alli im Betrib, wo me sech chönn mälde für s abzhole.

Der Andreas isch froh, dass er die Gschicht ändlech cha abhääggle. Uf ds Jahresänd wartet no Diverses uf ne: d Kontrolle vo de Feriesaldi, Überzyte verrächne, ds Inventar mache. Bis churz vor Wiehnachte luggets nid. Das Jahr isch es cheibe vil, und är isch voll im Stress.

U itz bringt ihm d Sandra o no ds guldige Päckli wider zrügg. «Es hets niemer wölle», seit si resigniert.

Da längts ihm. Är, wo sech süsch cha zämenäh wie chuum e Zwöite, är, wo sech bis dahäre vorbildlech het verhalte, är, wo no nie im Betrib het d Närve verlore – er nimmt der Assischtäntin ds Päckli us der Hand, rysst der Bändel wägg u macht mit em Finger d Chläbstreifen uuf.

«Söll i hälfe?», fragt d Sandra no, aber er lost nümm.

Es macht «Ratsch», u ds Päckli isch offe. Vüre chunnt e schön bedruckti Blächschachtle, ke Brief, kes Chärtli. Der Andreas tuet se uuf: «Han i s doch ddänkt», seit er. «Güezi.»

«Aber nid eifach so normali», stuunet d Sandra. «Die sy de mit Liebi gmacht.»

«Mira», mofflet är u tuet der Dechel wider zue.

A syre Bürotüre chlopfets. Der René Ammeter isch da, e Gschäftskolleg – u meh als das. E Fründ us früechere Zyte, eine, won ihm scho mängisch mit Rat u Tat het wyterghulfe, eine, wo ehrlech isch zuen ihm. Sit Jahre träffe sech di zwee vor Wiehnachte zum ne informelle Jahresrückblick. O hüür het sech der Andreas es paar Sache notiert, won er de möcht bespräche.

D Sandra heisst der René willkomme u geit i ihres Büro zrügg.

«Nimmsch e Kafi?», begrüesst der Andreas sy Gascht, u gly druuf sy si im aagregte Gspräch. Si rede u schwyge, witzle u ratiburgere.

«Hesch du Wiehnachtsgüezi?», fragt der René plötzlech, won er d Güezischachtle gseht.

Der Andreas nickt. «Aber si sy nid mir.»

«Schad», macht der Fründ. «Itz hätt i grad Gluscht uf Süesses.»

Da nimmt der Andreas d Schachtle zueche u tuet sen uuf. «Lue», seit er, «die ghöre niemerem.»

Der René lost sech di ganzi Gschicht aa u lachet. «We öppis niemerem ghört», meint er mit emne Ougezwinkere, «de darf me näh dervo ... het albe my Unggle Willy gseit.»

«We das der Unggle Willy gseit het, wirds scho stimme.» Di zwee lache.

«Sy das Sablés?» Der René zeigt uf enes halbs Dotze rundi Güezi mit rosarotem Zuckerguss u winzige Guldstärnli druff.

«Ke Ahnig», git der Andreas zur Antwort. «Finde mers use.» Er streckt em Gascht d Schachtle häre. «Bedien di – nach Wiehnachte sy si nümm ds Glyche.»

Da nimmt der René eis vo de Sablés u bysst dry. «Zitrone», erklärt er u nickt. «Wunderbar.»

Der Andreas probiert o. «So müesse si sy ...», stellt er fachmännisch fescht. «Murb u mit richtigem Anke.» Er schüttlet d Schachtle, so dass di undere Güezi ufe chöme. «I has eigentlech meh mit em Schoggi», macht er, «sött eifach nid z vil ...» Er fingt Mandelsplitter-Güezi mit Schoggi, grad i der richtige Grössi. «Voilà», macht er. «Das sy myner ...»

Gly stellt sech use, dass o d Brownies u d Orangeplätzli, d Mandarineblüemli u d Mandelstängeli, d Nussnäschtli u natürlech d Spitzbuebe erschtklassig sy.

Di zwe Manne sy am Probiere u am Fachsimple, vergässe d Wält um sech ume u runde der Kafi mit Cognac ab. Schliesslech fats dussen aa dunkle, u der René mues gah. Der Andreas begleitet ne no zur Tür.

Won er zrüggchunnt, ischs ihm rundum wohl. Gly wider mal es Jahr verby! Und di offene Pendänze chan er i de nächschte Tage i Rueh erledige.

D Sandra gseht ne cho. «Du gsehsch zfride uus», begrüesst si ne. «I ha der de o no e gueti Nachricht: Mir hei d Bsitzere vom Päckli gfunde.»

Später het si öppe no vo däm dänkwürdige Ougeblick verzellt, wo vo eire Sekunde zur andere us em souveräne CEO Nauer der chly Resli isch worde, wo me bim Schnouse verwütscht het.

Schlagartig nüechter, het er wölle wüsse, warum er das ersch itz erfahri u wie das ggange syg mit dere ganze Sach.

Da het sin ihm bbrichtet, dass d Ursula us der Wohngruppe der ganz Dezämber dür syg chrank gsi u gar nid heig mitbecho, wie si e gsuechti Person syg worde. Ersch, wo ihri Gotte nachegfragt heig, ob der Badertscher ihri Güezi nid abgliferet heig am Apéro – ersch denn syg ds Zwänzgi abegheit.

Der Badertscher. Leiter vom Alterszäntrum! Genau. Dä isch das denn gsi mit em guldige Päckli. Der Andreas trappet i sys Büro übere. Es schmöckt schwach nach Kafi, Schweiss, Rasierwasser u Wiehnachte. Er holt di halb lääri Güezischachtle u zeigt se der Sandra.

Die bechunnt fasch e Lachchrampf, dernaa sueche si fieberhaft nach ere mügleche Lösig. Nöiji Güezi chöme nid i Frag. Das würd me merke, u de wärs no schlimmer. Tue, als wär ds Gschänk verlore ggange, geit o nid. Me hets ja vorhär im ganze Betrib usgschribe gha. Es het nüt anders ggä, als zum Unglück z stah u der Fähler z bychte.

Niemer cha ermässe, wie schwär am Tag druuf der Gang uf d Wohngruppe em Andreas Nauer gfallen isch. I der einte Hand es notdürftig verpackts Gschänk, i der andere es Schachteli Pro-forma-Pralinés, eso geit er zum Zimmer vo der Ursula u chlopfet.

Si het ne scho erwartet u rüeft ne yne. Si fröit sech, dass er chunnt, u het ihres chlyne Rych wiehnächtlech gschmückt. Überall lige Tannezweige mit künschtleche Cherzli, us emne Böxli töne Wiehnachtslieder.

Der Andreas nimmt uf eim vo de beide Hocker Platz. De redt er nid lang um e heiss Brei ume. Er zieht d Blächschachtle vüre und verzellt, was passiert isch. Er erklärt, wies zu däm Missgschick het chönne cho, und entschuldiget sech i aller Form. De erklärt ers no einisch und entschuldiget sech no mal.

Es machi nüt, seit d Ursula. Aber ihrer Ouge sägen öppis anders, und syner Pralinés wott si nid. Geng wider geit ihre Blick zur halb lääre Güezischachtle, u der Andreas weis nümm, was er süsch no söll säge.

«I ha ne Fähler gmacht, Ursula», git er ändlech hilflos zue. «Chasch mer vergä?» Er streckt ere d Hand häre. «Wül Wiehnachten isch?»

Da entspannt sech ihres Gsicht. Lieb luegt si ne aa, u schliesslech git sin ihm d Hand. «Wül Wiehnachten isch», seit si.

Alex Kurz liest «Es bsunders Gschänk»

Der Artikel

«Mir sötte de no e Leitartikel ha für i ds Gmeindsblettli», seit der Bruno Meyer nume so im Verbygah u blinzlet der Regula zue. «Hüür bisch du dran.»

D Regula lächlet müed u nickt. Dä Spruch het si das Jahr afe mängisch ghört, u si fingt ne no geng nid luschtig. Im Früelig isch si Gmeindrätin worde – nachegrütscht für ne Kollegin, wo us gsundheitleche Gründ het müesse höre. Sider isch bi allem, wo aasteit, sie dran. Stimmt natürlech o, we me so wott. I de vergangne Jahr heis di andere gmacht. Trotzdäm hätt si sech chli meh Rücksicht gwünscht, wül si nöi isch und sech i alls mues yschaffe.

D Stimmig im Rat isch nid di beschti, u das gilt o grad für di ganzi Gmeind. Sit der Fusion vo de beide Dörfer hets Spannige ggä. Zwar het me synerzyt dä Zämeschluss mehrheitlech wölle, aber me het denn vor allem d Vorteile gseh, ds Organisatorische, ds Finanzielle. Dass da zwöi Dörfer zäme sötte gutschiere, wo nid nume underschidlech gross, sondern o süsch ganz verschide sy, het me underschetzt. Grad im chlynere vo beidne isch d Unzfrideheit gstige. Me isch sech z weni ärnscht gno vorcho. Di Zueständige i der bhäbige Grossgmeind hingäge hei ds Problem nid wölle gseh. Das syge Aafangsschwirigkeite, hei si bhouptet u probiere z beschwichtige. Das chömm de scho – und übrigens: «Dihr heit ja wölle zämespanne, also tüet itz nid eso.»