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Alltagsbegebenheiten wie die Schlittenfahrt eines Jungen oder das Kerzenziehen in der Schule sind Ausgangspunkte für die Geschichten von Alex Kurz, die in die Tiefe führen. Sie spüren mit liebeswürdigem Humor und überraschenden Wendungen dem Geheimnis von Weihnachten nach. Der flüssige Erzählstil und die gekonnt gezogenen Spannungsbögen machen diese berndeutschen Texte zu kleinen Kostbarkeiten, die Lesende durch die Adventszeit und darüber hinaus begleiten.
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Veröffentlichungsjahr: 2018
Über das Buch
Er chunnt i ds Grüble. Was sy d Ufgabe, wo eim ds Läbe stellt? D Frag, won ihm vor em Telefoniere dür e Chopf isch, lat ne nid los. Chönnts sy, dass di Ufgabe, di würkleche, e Stock töiffer lige? Under däm, wo me normalerwys derfür haltet? Chönnts sy, dass es am Schluss gar nid so drufaa chunnt, wo me überall isch starch gsi, sondern dass me o em Schwache nid usgwiche isch: de eigete Abgründ, em eigete Versäge. Wiehnachte chunnt ihm i Sinn. Nid d Wiehnacht vo de glänzige Schoufänschter, nid die vo de heile Wälte. D Wiehnacht, wo vo mönschlecher Schuld redt u vo göttlecher Vergäbig. Dervo, dass sech ds würklech Wichtige mängisch hinder em Vordergründige versteckt.
ALEX KURZ
SCHLITTEFAHRT UF BETHLEHEM
Der Zytglogge Verlag wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2016–2020 unterstützt.
© 2018 Zytglogge Verlag
Alle Rechte vorbehalten
Lektorat: Angelia Schwaller
Korrektorat: Jakob Salzmann
Coverfoto: Fotografica, Mike Zobrist
e-Book: mbassador GmbH, Basel
epub: 978-3-7296-2252-4
mobi: 978-3-7296-2253-1
www.zytglogge.ch
Alex Kurz
Schlittefahrt
uf Bethlehem
Advänts- u Wiehnachtsgschichte
Inhalt
Schlittefahrt uf Bethlehem
Cherzezieh
Wien ir Altjahrswuche
Ds Päckli
Exotisch
E subere Tisch
Hunde-Eländ
D Eggimaa
Blitz-Theologie
E kosmischi Wiehnachtsgschicht
Mönscheligs
Der Zuehörer
Schlittefahrt uf Bethlehem
«Itz wott i no einisch hurti abe, nächär chöi mer mira hei», het der Dominik Meier syre Mueter erklärt. Fasch der ganz Namittag sy si scho hie, är u d Sandra, syni Schwoscht. Ds Strässli dür e Wald ab het me gsperrt u zu re Schlittelbahn gmacht, der Schnee vor letschte Wuche het für ideali Verhältnis am Hoger gsorget.
Wo d Sandra und der Dominik nam Mittag sy häregfüert worde, hets no nid vil Lüt gha. Ersch im Louf vom Namittag sy si cho, geng meh u meh, wo da i re ändlose Karawane der Wäg uuf glüffe sy – Chind mit ihrne Eltere oder alei, mit schöne Davoserschlitte am Bändel oder billige rote Plastigwanne.
Itz, wos gäg di füfe geit, hets ändlech wider gmingeret. U itz hätt der Dominik äbe no einisch abe wölle. Itz, won er freji Bahn hätt und s no mal richtig chönnt la zieh. Drum chääret u bättlet er bi der Mueter, bis die schliesslech nache git. Si müess ja no ga kömerle, seit si, das chönn si o hie im Dorf. De syg si öppe i re Drüviertelstund wider zrügg für ne abzhole. D Sandra het gnue vom Schlittle und geit mit, der Dominik aber macht sech no einisch uf e Wäg der Stutz deruuf. Er isch no lang nid müed – im Gägeteil, ufddrääit isch er. Wül Winter isch, u s Schnee het, wüls Wiehnacht wird u drei Wuche Ferie git. I der Schuel louft nümm vil, d Lehrer hei mit em Jahr abgschlosse. Derfür gits i der Pouse Schneeballschlachte u Ängeli im Schnee. U a de freie Namittage der Schlittelhoger! Letscht Jahr hei si ne gar nid frei ggä, wüls geng nume gschiffet het. Hüür isch es anders. Hüür isch der Dominik scho ds zwöit Mal hie. Für di letschti Abfahrt het er d Piste no einisch ganz für sich. Syner Schritte knirsche im Schnee, won er obsi louft, u vom Dorf glänze di erschte Liechter zuen ihm ufe. Dobe bringt er der Schlitte i Position u nimmt Aalouf. De leit er sech druuf, u los geits.
Schnäll gwinnt er a Schuss, u geng schnäller geits voraa, di gfroreni Bahn ab mit ihrne Chrümp u Kurve. Es schüttlet ne düre, Schneestoub stüübt ihm i ds Gsicht, der Wind pfyft ihm um d Ohre. Der Bueb vergisst alls um sech ume. D Füess stüüre wie vo sälber, er verlageret ds Gwicht, ohni s o nume z merke, er bruucht gar nümm z überlege, was er mues mache. Er chas eifach la zieh.
Es louft ihm so ring, dass er sogar abzweigt, vom Wäg furt u eifach wyterfahrt. Wyterfahrt dür e früsch Schnee vom Winterwald, wyter u geng wyter, bis er schliesslech zum Stah chunnt.
