Esprit de Corps - Walter Trayser - E-Book

Esprit de Corps E-Book

Walter Trayser

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Beschreibung

Ein Journalist wird an einem gemeinsamen "Wellnesswochenende" von seinem langjährigen Freund Quillmann, mit dessen unfassbaren Erlebnisprotokoll konfrontiert. Dieser berichtet über schier unsägliche traumatische Geschehnisse, nach einer nächtlichen Verkehrskontrolle, einhergehend mit schweren Körperverletzungen, bis hin zu einer wirklichkeitsfremden Gerichtsverhandlung. Schwer betroffen und verständnislos über den Bericht des Freundes, tritt der Journalist die Heimreise an. Anfänglich glaubt er, es kann sich nur um einen Einzelfall handeln. Redaktionskollegen melden Zweifel an. Das Schicksal des Freundes lässt ihm danach keine Ruhe mehr. Von deutschlandweiten Nachforschungen wird er eines Besseren belehrt. Esprit de Corps, die Sicherheit im System kennt keine Landesgrenzen.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 151

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Walter Trayser

Esprit de CorpsSicherheit im System

Roman

www.tredition.de

© 2020 Walter Trayser

Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

Paperback:

978-3-347-10825-7

Hardcover:

978-3-347-10826-4

e-Book:

978-3-347-10827-1

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhalt

Kapitel IVerkehrskontrolle mit Folgen

Kapitel IIDer Prozess

Kapitel IIIRecherchen

Kapitel IVBedauerlicher Einzelfall

Kapitel VDurchbruch

Kapitel VIQuillmann

Kapitel VIIErkenntnisse

Kapitel VIIIEsprit de Corps

Vor dem Morgengrauen ist es am Dunkelsten.(Amerikanisches Sprichwort)

Arthur Conan DoyleScientific American, 1896:

„When the spirit are low,When the day appears dark,When work becomes monotonous,When hope hardly seems worth having,Just mount a bicycle and go out for a spin down the roadWithout on anything but the ride you are taking.”

Vorrede

Die Protagonisten dieses Romans, sind ebenso wie die Handlung frei erfunden, spiegeln aber aktuelle Geschehnisse wider.

Auch die genannten Personen, Institutionen und Orte, können in der Realität den Geschehnissen nicht zugeordnet werden

Danke an:

Herrn Dr. Schönleber, der sich die Zeit genommen hat, mich in medizinischen Fragen eingehend zu beraten.

Herrn Kriminalrat a.D. Dr. Obermoos, für seine fachkundige Beratung und Unterstützung, bei der Arbeit an diesem Buch.

Kapitel I

Verkehrskontrolle mit Folgen

Mehrere Jahre verbrachte ich im Ausland. Der Kontakt zu Quillmann war nie ganz abgebrochen. Unsere gemeinsame Interessenslage, der Volleyballsport, hatte uns zusammengeführt. Ich konnte mich an einige spaßige Erlebnisse erinnern. Insbesondere die Fortbildungslehrgänge während der gemeinsamen Trainerausbildung vertiefte unsere Freundschaft. Natürlich war es danach für mich als freier Journalist nicht ganz einfach, über einen längeren Zeitraum Kontakte zu pflegen. Es gab unvermeidbare Durststrecken.

Quillmann hatte damit keine Probleme. Er konnte von jetzt auf sofort warm laufen.

Die letzte Postkarte schrieb ich ihm aus Helsinki. Meine interessanten Recherchen in Skandinavien führten mich abschließend in die schwedische Hauptstadt Stockholm. Jetzt war ich im Begriff das Land in Richtung Deutschland zu verlassen um nach Frankfurt zurückzukehren. Täglich in der Redaktion zu arbeiten, würde mir anfänglich bestimmt schwer fallen. Sobald Routine eingekehrt war, wollte ich mich persönlich bei meinem Bekannten melden.

Es vergingen einige Wochen der Betriebsamkeit. Fast hätte ich mein Vorhaben vergessen. Ein Mitarbeiter feierte Geburtstag, schwärmte von einem Weinfest an der Bergstraße. Er hatte von dort einige Flaschen Weißwein mitgebracht, dazu gab es Käsehäppchen.

Auerbacher Rott stand auf dem Etikett. Der mundete nicht allen. Besonders die eingefleischten Biertrinker unter den Kollegen, verzogen das Gesicht. Werner aus der Sportredaktion meinte: „ Das ist doch der Bruder vom Essig. Der zieht mir das Hemd in die Hose.“ Womit er zur Erheiterung aller beitrug. Mir fiel es bei diesen Bemerkungen wie Schuppen von den Augen, von diesem Wein, seinem Lieblingsschoppen, hatte Quillmann immer geschwärmt.

Tags darauf, schrieb ich ihm eine Mail, fragte an, ob wir uns wieder einmal treffen könnten. Ein paar Tage musste ich warten, dann meldete er sich. „Wir könnten eine Wanderung entlang der Bergstraße unternehmen, wenn du dich schon beim „Rott“ an mich erinnert hast. Vielleicht kannst du dir Anfang Oktober zwei bis drei Tage frei nehmen – Genusstage, mit neuem Wein und Zwiebelkuchen“, las ich. „Bei mit reicht es nur für ein verlängertes Wochenende“, schrieb ich zurück.

Gegenüber dem Bensheimer Bahnhof, im Hotel Hans, hatten wir uns einquartiert.

Quillmann sah schlecht aus. Sorgenfalten zeichneten sein Gesicht. Die Haare waren vollständig ergraut. Von seiner Sportlichkeit konnte ich nicht mehr viel entdecken. Sein Bauch stand hervor. „Was ist denn mit dir passiert?“, wollte ich wissen. „Besonders gut scheint es dir gerade nicht zu gehen oder?“

Er zuckte sichtlich zusammen. „Es ist fast zwei Jahre her, da hatte ich eine Begegnung der anderen Art. Wer sich auch immer die Zeit nimmt und meine Geschichte anhört, rät mir an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich bin einmal gespannt, was du dazu sagen wirst?“ „Nun, wir haben das ganze Wochenende, ich bin neugierig zu erfahren was du erlebt hast“, antwortete ich.

Es war Freitag- Nachmittag. Rucksacktragend lief er neben mir her. „Wozu nimmst du denn Gepäck mit“, fragte ich ihn. „Ich benötige Gedächtnisstützen und Beweismittel, für das, was ich dir berichten möchte. Dieses „Marschgepäck“ wird uns über das die nächsten zwei Tage begleiten.“ Quillmann wollte mich zum Kirchberghäuschen führen. Er versprach einen imposanten Blick über die Stadt, bis hin zur Rheinebene. Der Weg hinauf durch den Weinberg ließ schon viel erahnen. Oben angekommen wurden wir tatsächlich von einer Aussicht bis hinüber zum Pfälzer Bergland belohnt. Im Industriedunst konnte ich Mannheim und Ludwigshafen erkennen. Eine angenehm milde Luft erwärmte uns. Dieser Platz hatte etwas. Ich nickte anerkennend mit dem Kopf.

Wir nahmen im Freien Platz, bestellten Kaffee. „Nun spann mich nicht länger auf die Folter“, forderte ich meinen Begleiter auf. „Die Geschichte zieht sich über die vergangenen drei Jahre und ich werde sie dir in Etappen erzählen. Ich muss mich zwischendurch immer wieder neu besinnen und konzentrieren, damit nichts verloren geht“, sagte er, bereits in Gedanken versunken.

Am 30. Mai 2018, werde ich von einer Gruppe junger Leute zu einem Smalltalk nach Frankfurt eingeladen. Wie das heute so üblich ist, soll es gegen 22:00 Uhr los gehen. Ich überlege lange hin und her. „Vielleicht bleibe ich lieber zu Hause. Aus dem Alter bin ich doch raus. Aber irgendwie fühle ich mich gebauchpinselt“, denke ich. „Ja, ich fahre hin, weil morgen mein freier Tag ist“, sage ich halblaut vor mich hin. „Die Jungen halten viel von meiner Erfahrung“, gebe ich mir die letzte innere Bestätigung.

Kurzentschlossen setze mich in meinen Ford und rolle in den Verkehr. An einer Tanke besorge ich mir noch eine Flasche Mineralwasser und ein Päckchen Kaugummi. Beides lege ichauf den Beifahrersitz. Ab und zu trinke ich während der Fahrt. HR1 spielt die Stones. Lautstärke hoch. Das passt.

Gegen 21:45 stelle ich mein Fahrzeug auf einem Parkdeck in der Nähe des Lokals ab. Neben mir parkt Melanie. Sie wird von ihrem Lebensgefährten begleitet. Wir begeben uns zum verabredeten Treffpunkt. Nach und nach kommen weitere Freunde dazu. Es entwickeln sich lebhafte Gespräche. Ich bestelle mir Rotwein, merke nicht wie die Zeit vergeht. Irgendwann schaue ich auf die Uhr. Es ist weit nach Mitternacht. Ich zahle zwei Achtel Rotwein und ein Mineralwasser.

AC/DC-Live, zwischendurch ein Schluck Wasser, „das wird eine lockere Fahrt in den Taunus“, denke ich beschwingt.

Kein anderes Fahrzeug weit und breit, immer auf der rechten Spur, spule ich die Fahrt ab. Zwischen Sodener Wald und Schwalbacher Wald, singe ich mit: „TNT I am Dynamite.“ Bald geschafft, ich freue mich auf mein Bett.

Wilhelmsbrunnen, Quellenpark – was ist denn nun los?

Neben mir taucht ein blaues Polizeifahrzeug auf. Ich nehme den Fuß vom Gas. „Wollen die etwas von dir?“, geht es mir durch den Kopf. Ich halte an. Das Auto rollt schräg vor meinen Wagen. Während sich die Scheibe nach unten bewegt, rufe ich: „Was ist denn los, was wollen sie von mir, warum halten sie mich an?“

Kaum ist mir das letzte Wort über die Lippen gekommen, reißt ein Beamter die Fahrertür auf und sprüht mir eine Flüssigkeit in die Augen, nässt mir das Gesicht vollständig ein. Meine Augen fangen sofort fürchterlich an zu brennen. Das Zeug läuft mir unter das Hemd. Ich spüre, wie meine Brust feucht wird. Der langhaarige Beamte schreit: „Raus, raus, raus.“ Auf dem rechten Auge sehe ich nur noch schemenhaft,das Linke ist total dicht. Zu zweit zerren sie mich vom Fahrersitz. Sie stoßen mich bäuchlings auf die feuchte Straße. Mit der rechten Hand kann ich gerade eben noch instinktiv den Sturz abfangen. Ein stechender Schmerz fährt mir in die rechte Hand. Ich fühle, wie die Fingergelenke sofort anschwellen. Die Polizisten reißen meine Arme auf den Rücken, binden mir die Handgelenke zusammen. „Handschellen können das nicht sein“, denke ich bei mir. Ich werde grob auf die Füße befördert.

Undeutlich erkenne ich den zweiten Beamten. Schwarze Haare, Oberlippenbärtchen, kann ich gerade so wahrnehmen. Ich protestiere schmerzerfüllt. „Was wollen Sie von mir, was habe ich getan, das ist nicht rechtens, was sie hier mit mir machen.“ Die Beiden reagieren wütend, schleppen mich zu ihrem Fahrzeug. Wie im Krimi, Hand auf den Kopf, verbringen sie mich auf den Rücksitz. Mein Ford wird seitlich im Knoblauchsweg abgestellt. Ich frage erneut, „was haben sie mit mir vor, was wollen sie von mir?“ Der Schwarzhaarige antwortet, „das liegt an ihrer Fahrweise, wir nehmen sie mit auf unser Revier nach Kronberg.“ Auf der Fahrt kämpfe ich mit dem Schmerz meiner brennenden Augen, taste hinterm Rücken meine stark geschwollene rechte Hand ab. „Dick wie ein Hefekuchen“, fühle ich. Aus Augen und Nase läuft mir Flüssigkeit, die ich nicht aufhalten kann.

Wir fahren auf den Hof des Reviers. Sie führen mich in einen Vernehmungsraum. Zwei weitere Polizisten kommen hinzu. Ein kleinere Blonder und ein Zweimeterhüne, beide in Uniform.

„Ich muss dich einmal unterbrechen“, redete ich dazwischen. „Wurdest du nicht nach deinen Papieren gefragt? Fahrzeugschein, Führerschein oder Personalausweis?“ „Nichts dergleichen“, sagte Quillmann, „das war wie in einem schlechten amerikanischen Film. Das kann sich niemand vorstellen. Nur wer mich gut kennt, zweifelt nicht daran, dass ich das wirklich erlebt habe.“ „O.k., lass uns noch `nen Kaffee bestellen, deine Geschichte ist so unglaublich“, da muss ich ab und zu etwas hinunterspülen. Er dachte kurz nach, dann hörte ich ihm wieder zu.

„Was wollen sie von mir, das widerspricht doch allen polizeilichen Befugnissen, wie sie hier mit mir umgehen“, protestiere ich erneut. „Wer gibt ihnen das Recht dazu?“ Ich verlange, den Dienststellenleiter zu sprechen. Fordere die Entfernung der Handfesseln. Dieser schmächtige Dunkelblonde, scheinbar der Schichtleiter, führt das Wort. „Der Dienststellenleiter kann nicht immer anwesend sein“, meint er kurz angebunden. Die Handfesseln können wir ihnen auch nicht abnehmen, sie sind zu aggressiv.“ „Verkehrte Welt“, denke ich bei mir, „vier Polizisten können mit einem alten Mann nur reden, wenn er halbblind vor Schmerzen und noch dazu gefesselt ist.“ Daraufhin verlange ich einen Rechtsbeistand. Auch das wird weggeschwiegen. Die vier Beamten sind anscheinend von meinen ständigen Einwänden und Fragen so genervt, dass sie beschließen, mich in die Ausnüchterungszelle zu verfrachten. Der Schwarze und der Zweimeter-Mann packen mich an den Oberarmen und schieben mich in die Zelle. Ich protestiere erneut. „Das dürfen sie nicht, dazu haben sie kein Recht.“ Der Langhaarige stürzt von hinten an mich heran. Zweimal schlägt er mir mit voller Kraft auf die linke Gesichtshälfte. Nicht genug, dass er mir irgendein Zeug in die Augen gesprüht hat, jetzt auch nochdieser wüste Übergriff. Schmerzerfüllt schreie ich auf. „Sie dürfen mich nicht schlagen, das ist widerrechtlich.“ Der Blonde entgegnet lapidar, „das dürfen wir sehr wohl!“

„Also hör mal“, unterbrach ich ihn erneut, „du willst mir sagen, deutsche Polizeibeamte haben dir aus nächster Nähe irgendwelches Zeug in die Augen gesprüht, dich gefesselt und dann zu viert noch weiter drangsaliert? Ja, leben wir denn in einer Bananenrepublik?“

„Warte ab, das ist erst der Anfang, es kommt noch viel besser“, antwortete er und schaute mich vielsagend an.

Der blonde Beamte fragt nach meinem Namen und meiner Anschrift. Ich verweigere die Aussage. „Gehen sie doch an mein Auto, dort sind alle meine Papiere vorschriftsmäßig vorhanden“, erkläre ich ihm. Die drei anderen ziehen mir Schuhe und Hosengürtel aus. Meine Armbanduhr wird vom Handgelenk gerissen, die Hosentaschen entleert. Ich verlange erneut, „nehmen sie mir bitte die Handfesseln ab, damit ich mich reinigen kann.“ Aus Augen und Nase tropft mir Körperflüssigkeit, wie soll ich das kontrollieren? Der Blonde schüttelt nur den Kopf. Sie verlassen zu viert die Zelle. Alleine bleibe ich gefesselt zurück. Der Kopf brummt. Das linke Ohr ist taub. Gesicht und Augen brennen und schmerzen fürchterlich. Sekret tropft zu Boden. Wie soll ich das alles aushalten? Ein vorher nie gekanntes Gefühl der Angst steigt in mir hoch. Ich muss an Szenen aus Romanen denken die ich gelesen habe. So muss es sich anfühlen, wenn man willkürlich ausgeliefert ist. Auf diese Erfahrung hätte ich gerne verzichtet.

Ich laufe mit vorgebeugtem Kopf in der Zelle auf und ab, will verhindern, dass mir die Absonderungen auf die Kleidung tropfen.

Dem Gefühl nach ist eine Stunde vergangen. Der Blonde, der Schwarze und der Zweimeter-Mann, betreten mit Dr. Butterbrink im Schlepptau den Raum. Was will diese stadtbekannte Persönlichkeit hier, denke ich?

Der Langhaarige taucht von da ab nicht mehr auf. „Wir nehmen jetzt eine Blutprobe vor“, eröffnet mir der blonde Wortführer. „Das geschieht ausdrücklich gegen meinen Willen“, begehre ich auf. „Sie haben mich weder ordnungsgemäß am Fahrzeug kontrolliert, noch einen Alkoholtest durchgeführt. „Herr Doktor“, sage ich, „bitte sorgen sie dafür, dass man mir die Handfesseln abnimmt. Ich möchte mir auch das Gesicht reinigen.“ Die Kabelbinder werden endlich gelöst. Der Schwarze wirft ein paar graue Papiertücher auf die Liege in der Ecke. Nachdem ich mein Gesicht abgewischt habe, sind Blutspuren auf dem Papier zu erkennen. „Was ist denn hier los?“, schüttele ich unwillkürlich den Kopf. Der Zweimeter-Mann und der Schwarze halten mich fest. Dr. Butterbrink entnimmt mir Blut aus der Vene des linken Armes. Er lässt den Einstich unversorgt. Pflaster scheint er nicht zu kennen. „Herr Doktor, sorgen sie bitte dafür, dass ich sofort entlassen

werde, es gibt keinen Grund, mich hier festzuhalten“, melde ich mich zu Wort. Ohne Blickkontakt dreht er sich um, verlässt grußlos den Raum.

„Das darf doch alles nicht wahr sein Quillmann, mein lieber Scholli, das gibt es doch auf keinem Schiff. Was du mir da erzählst, keinem anderen außer dir, würde ich diese unglaubliche Geschichte abnehmen. Das waren doch Gesetzesübertritte ohne Ende, wie kann denn in Deutschland so etwas passieren? Solche Stinkstiefel kennt man doch nur aus irgendwelchen Filmen oder?

Damit musst du an die Presse gehen. Mal sehen, ob ich nicht Kollegen finde, mit denen ich deine Geschichte groß rausbringen kann, erregte ich mich.“ „Daran habe ich auch schon gedacht, aber mehrere Berater haben mich bisher begründet davon abgehalten“, meinte Willmann. „Letztendlich muss ich auch an meine Zukunft denken. Eine gute Bekannte, selbst Polizeibeamtin, ist davon überzeugt, dass ich auf der schwarzen Liste stehe und ein solches Szenario möchte ich auf keinen Fall noch einmal erleben.“

Wir riefen die Kellnerin. Ich übernahm die Zeche. In diesem Moment tat er mir richtig leid. Warum musste ausgerechnet dieser Sportsmann solch eine Scheiße erleben. Dieser Typ, mit seinem gütigen Gesicht. „Was mag nur in diversen Polizeibeamten vorgehen?“, dachte ich. Aus Krimis kannte man ja Polizeidienststellen mit einem schlechten Ruf. Vielleicht auch einzelne Charakterschweine, die sich in einer Schicht zusammen fanden. Aber in der Realität hätte ich mir das nie und nimmer vorstellen können. Was für ein Schock muss das für diesen aufrechten Kerl gewesen sein. Für ihn, der immer als „Anwalt der Gerechtigkeit „ aufgetreten war.

Nebeneinander liefen wir den Weinbergweg hinab in den Stadtpark. Unterwegs meinte er, eine Erzählpause sei erst einmal von Nöten. Wir durchquerten die Grünanlage, danach ging es durch die Fußgängerzone zu unserem Hotel. Entspannung war angesagt. Für 20:30 Uhr, hatten wir uns zum Abendessen verabredet. „Im Weingut Mohr gibt es den besten Federweißen und dazu Zwiebelkuchen“, lud er mich ein.

Nach der kurzen Erholungsphase, spazierten wir durch die Altstadt zu besagten Lokal. Quillmann schien dort bekannt zu sein. Einige Ältere nickten ihm freundlich zu. Die Bedienung kam sofort zu uns an den Tisch, stellte unaufgefordert einen Steinkrug mit zwei Gläsern ab. Wir füllten die milchige Flüssigkeit ein. Das Zeug schmeckte ergötzend lecker. Der Zwiebelkuchen wurde serviert, wir aßen schweigend.

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, - jetzt habe ich den Faden wieder.

Ich frage den Blonden, „warum lassen sie mich nicht nach Hause gehen, wieso werde ich weiter hier festgehalten?“ Wortlos dreht er sich um, geht zur Türe. „Bitte verständigen sie meine Lebensgefährtin. Irgendjemand muss doch wissen, dass sie mich hier einbuchten“, rufe ich ihm hinterher. Keine Reaktion.

Ich bin wieder alleine. Vorsichtig trockne ich mein Gesicht ab. Am Blut auf dem Papier erkenne ich, dass meine Nase auch etwas abbekommen hat. Der brennende Schmerz durchzieht meine Augen, mein Gesicht. Kaum zum Aushalten. „Dieser langhaarige Polizist muss gewaltig zugeschlagen haben“, spüre ich. Im linken Ohr ein Brummen und Sausen. „Wie soll ich damit noch länger zurechtkommen?“ Etwa eine halbe Stunde später geht die Zellentür auf. Der Blonde und der Schwarze betreten den Raum. Sie haben ein Blutalkoholtestgerät dabei. Der Schwarzhaarige erklärt mir, wie ich zu blasen habe. Ich bin einverstanden. Langsam und vorsichtig puste ich. Sie halten mir das Display vor die Nase. Verschwommen erkenne ich eine 0,3. Dahinter eine Vier oder Fünf. Der Schwarze zeigt noch einmal triumphierend auf das Gerät. „ Sehen sie, sie haben Alkohol getrunken!“ „Was bedeutet denn 0,3 Promille? Die Promillegrenze liegt doch bei 0,5 oder sehe ich das falsch? Welchen Anlass gibt es dennnoch, mich weiter hier festzuhalten?“, frage ich erstaunt. „Bitte entlassen sie mich sofort.“ Ich höre ein kategorisches: „Nein.“ Im Hinausgehen dreht sich der Schwarze noch einmal um und sagt, „mein Kollege, der bei ihrer Festnahme dabei war, möchte gerne mit ihnen reden.“ „Ausgerechnet der“, überlege ich, dann schüttele ich den Kopf.

Langsam wundere ich mich, dass ich immer noch wach bin. Es mag eine weitere halbe Stunde vergangen sein. Ich klopfe an die Tür. Kurz darauf öffnet sich die Türklappe. Der Schwarze lässt sich sehen. „Geben sie mir bitte meine Medikamente. Ich bin an Diabetes erkrankt, meine Nachtration muss ich noch einnehmen“, bitte ich eindringlich. Ein letztes Mal fordere ich meine sofortige Entlassung. Die Klappe schließt sich. Unentwegt laufe ich in dieser schrecklichen Zelle auf und ab. In mir steigt ein bisher unbekanntes Gefühl hoch. Angst eiskalte Angst. Irgendwann überkommt mich eine unendliche Müdigkeit. Ich kann nicht mehr. Notgedrungen lege ich mich auf die eklige mit Plastik überzogene Matratze. Gerade noch so erkenne ich die Video-Kamera, die auf mich gerichtet ist.

Noch im Hinlegen schlafe ich ein. Ich glaube, sonst hätte ich kotzen müssen.

Ich bin hinterm Horizont. Alles ist vorbei. Ich denke über mein Leben nach. Es war umsonst. Dieser Kampf im Job, Tag für Tag, immer im Namen der Gerechtigkeit, immer gegen diese Fieslinge, die alles umdrehten. Die mit Unschuldsaugen jede Schlechtigkeit vollführten. Jetzt tragen sie Berufskleidung. Die Uniform der Guten, die Uniform der Gesetzeshüter. Wo waren sie, diejenigen, die ich mitgeprägt hatte? Wo waren die Gerechten, die ich in diesem Job haben wollte? Alles umsonst. Es hat nicht funktioniert. Ich bin drüben, schaue