Essentials der Psychotherapie -  - E-Book

Essentials der Psychotherapie E-Book

0,0
21,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Erfahrene Psychotherapeut/-innen berichten über ihre hilfreichen Modelle und Konzepte, die sie im Alltag anwenden: Praktische Essentials, wie sie aktuell zu wenig beachtet und so kaum in einem Lehrbuch erfasst wurden! Das Gesamtkonzept ist so einfach wie überzeugend: "Alte Häsinnen und Hasen" der Psychotherapie haben je ein Essay verfasst, in dem sie auf Aspekte ihrer klinischen Erfahrung hinweisen, die möglicherweise im Wissenschaftsdiskurs aktuell zu wenig beachtet werden (Essentials). Integrativ-orientierte Psychotherapieforscher aus verschiedensten Richtungen kommentieren diese Essentials bzw. nehmen die aufgeworfenen Diskurse auf und entwickeln sie weiter. Die Themen sind: • Vertrauen: Martin Rufer und Ulrike Dinger • Menschenwürde: Annette Kämmerer und Christoph Flückiger • Positives Denken: Dirk Zimmer und Ulrike Willutzki • Fallkonzeption: Hans Lieb und Günther Schiepek • Kulturalität: Verena Kast und Maria Borcsa In einem zusammenfassenden Resümee der beiden Herausgeber Martin Rufer und Christoph Flückiger wird das kontextuelle Wissen im wechselseitigen Diskurs zusammengefasst und auf den Punkt gebracht.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 209

Veröffentlichungsjahr: 2019

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Essentials der Psychotherapie

Martin Rufer, Christoph Flückiger (Hrsg.)

Wissenschaftlicher Beirat Programmbereich Psychologie:

Prof. Dr. Guy Bodenmann, Zürich; Prof. Dr. Lutz Jäncke, Zürich; Prof. Dr. Franz Petermann, Bremen; Prof. Dr. Astrid Schütz, Bamberg; Prof. Dr. Markus Wirtz, Freiburg i. Br.

Martin RuferChristoph Flückiger

Essentials der Psychotherapie

Praxis und Forschung im Diskurs

unter Mitarbeit von

Maria Borcsa

Ulrike Dinger

Annette Kämmerer

Verena Kast

Hans Lieb

Günter Schiepek

Ulrike Willutzki

Dirk Zimmer

lic. phil. Martin Rufer, Psychotherapie FSP

Praxis am Hirschengraben

Effingerstr. 2

3011 Bern

Schweiz

[email protected]

 

Prof. Dr. Christoph Flückiger, PhD, Swiss BPP

Universität Zürich

Psychologisches Institut

Binzmühlestr. 14/04

8050 Zürich

Schweiz

christoph.flü[email protected]

 

 

Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.dnb.de abrufbar.

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Kopien und Vervielfältigungen zu Lehr- und Unterrichtszwecken, Übersetzungen, Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

  

Anregungen und Zuschriften bitte an:

Hogrefe AG

Lektorat Psychologie

Länggass-Strasse 76

3012 Bern

Schweiz

Tel. +41 31 300 45 00

[email protected]

www.hogrefe.ch

 

Lektorat: Dr. Susanne Lauri

Bearbeitung: Barbara Buchter, Freiburg

Herstellung: Daniel Berger

Umschlagabbildung: © by Caiaimage/Sam Edwards, GettyImages

Umschlag: Claude Borer, Riehen

Satz: Claudia Wild, Konstanz

Druck und buchbinderische Verarbeitung: AZ Druck und Datentechnik GmbH, Kempten

Printed in Germany

 

1. Auflage 2020

© 2020 Hogrefe Verlag, Bern

(E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-95923-8)

(E-Book-ISBN_EPUB 978-3-456-75923-4)

ISBN 978-3-456-85923-1

http://doi.org/10.1024/85923-000

Nutzungsbedingungen

Der Erwerber erhält ein einfaches und nicht übertragbares Nutzungsrecht, das ihn zum privaten Gebrauch des E-Books und all der dazugehörigen Dateien berechtigt.

Der Inhalt dieses E-Books darf von dem Kunden vorbehaltlich abweichender zwingender gesetzlicher Regeln weder inhaltlich noch redaktionell verändert werden. Insbesondere darf er Urheberrechtsvermerke, Markenzeichen, digitale Wasserzeichen und andere Rechtsvorbehalte im abgerufenen Inhalt nicht entfernen.

Der Nutzer ist nicht berechtigt, das E-Book – auch nicht auszugsweise – anderen Personen zugänglich zu machen, insbesondere es weiterzuleiten, zu verleihen oder zu vermieten.

Das entgeltliche oder unentgeltliche Einstellen des E-Books ins Internet oder in andere Netzwerke, der Weiterverkauf und/oder jede Art der Nutzung zu kommerziellen Zwecken sind nicht zulässig.

Das Anfertigen von Vervielfältigungen, das Ausdrucken oder Speichern auf anderen Wiedergabegeräten ist nur für den persönlichen Gebrauch gestattet. Dritten darf dadurch kein Zugang ermöglicht werden.

Die Übernahme des gesamten E-Books in eine eigene Print- und/oder Online-Publikation ist nicht gestattet. Die Inhalte des E-Books dürfen nur zu privaten Zwecken und nur auszugsweise kopiert werden.

Diese Bestimmungen gelten gegebenenfalls auch für zum E-Book gehörende Audio­dateien.

Anmerkung

Sofern der Printausgabe eine CD-ROM beigefügt ist, sind die Materialien/Arbeitsblätter, die sich darauf befinden, bereits Bestandteil dieses E-Books.

Inhaltsverzeichnis
Geleitwort von Eva-Lotta Brakemeier
Geleitwort von Luise Reddemann
Einführung
Warum dieses Buch?
Zwei Seelen in einer Brust
1 Bilanz therapeutischer Arbeit
1.1 Zur Wechselwirkung von Arbeitskontext, Therapiemotivation und beruflicher Identität
1.2 Generische Prinzipien oder wenn weniger mehr ist
1.3 Geheimnisse aus der Praxis für eine gelingende Therapie
2 Vertrauen und Selbstwirksamkeit aus Sicht der Psychotherapieforschung
2.1 Zwei Polaritäten
2.2 „Freue dich auf deine Patienten und vertraue ihnen als Klienten“ und „Stelle die richtigen Fragen und gib möglichst früh ein Erklärungsmodell für Probleme“
2.3 „Höre und schaue genau hin, orientiere dich an den Feedbacks, aber interveniere sparsam“
2.4 „Nutze Bindungen als supportives Ressourcenpriming“
2.5 „Nutze Krisen und Instabilitäten als inputsensible Phasen“ und „Achte auf dich selbst, vertraue deinen Skills und deinem Bauchgefühl“
2.6 Vertrauen als Wegbereiter für Selbstwirksamkeit
3 Nachdenken über Psychotherapie
3.1 Psychotherapie und die Menschenwürde
3.2 Das therapeutische Menschenbild
3.3 Leidensdruck und Psychotherapie
3.4 Warum also Psychotherapie?
4 Professionalisierung, Therapeutenbild und Herausforderungen – Nachdenken über Psychotherapeutinnen
4.1 Professionalisierung
4.2 Therapeutenbild
5 Auf den Punkt gebracht: Individualität und Verallgemeinerung in der Fallkonzeption
5.1 Vorbemerkung
5.2 Zu viel Individualität, zu viel Verallgemeinerung
5.3 Vom Nutzen der metaperspektivischen Unterscheidung zwischen Individualität und Verallgemeinerung
5.4 Zur Soziologie professioneller Fallkonzeptionen
5.5 Fallkonzeption und therapeutische Beziehung
5.6 Wege zu Individualisierungen und zu Verallgemeinerungen
5.7 Methoden zur Konkretisierung – Individualisierung
5.8 Methoden zur Verallgemeinerung/Komplexitätsreduktion
6 Kein Klient ist „der Fall“ von irgendwas – Das Spannungsfeld von individueller Fallkonzeption, Prozesssteuerung und Verallgemeinerung
6.1 Einzelfallorientierung
6.2 Prozesssteuerung
6.3 Verallgemeinerung: Theorie mit Einzelfallbezug
7 Aufbau positiven Denkens im Spannungsfeld von Selbstabwertung, Selbstzweifeln und Selbstakzeptanz
7.1 Psychotherapie ist unterstütztes Lernen
7.2 Der Unterschied zwischen Therapeut und Patient
7.3 Wir können nicht allen helfen
7.4 Wir können nicht nur aus eigener Erfahrung schöpfen
7.5 Die Kunst und Notwendigkeit, sich überraschen zu lassen
7.6 Das Gegenteil ist immer auch richtig: funktionales Denken
7.7 Manualisiertes und individualisiertes Vorgehen
7.8 Übung zum Aufbau eines positiven Selbstbildes
8 Respektvoll, behutsam und genau …
8.1 Zur Haltung – bescheiden und selbstreflexiv
8.2 Zur Genauigkeit und Präzision therapeutischen Arbeitens
8.3 Die Mündung: Zum Aufbau positiven Denkens
9 Alles allgemein menschlich? Alles kulturbedingt? – Eine produktive Verwirrung!
9.1 Im Grunde genommen verstehen wir uns schon …
9.2 Supervision mit japanischen Kolleginnen und Kollegen
9.3 Der bedeutungsvolle Zwischenfall: Eigentlich verstehen wir uns nicht
9.4 Ärger
9.5 Das Bemühen um wechselseitiges Verstehen
9.6 In der kulturellen Überzeugung angegriffen
9.7 Zu kulturlastig
9.8 Traumbilder – kulturell verstanden
9.9 Der Fuchs: japanisch und schweizerisch
9.10 Resümee
10 Das Infragestellen des Selbstverständlichen – wenn das Fremde in den Blick gerät
10.1 Internalisierung von Kultur
10.2 Kultur ist nicht gleich Kultur
10.3 Diversität in Beziehungen
10.4 Natur und Kultur: revisited
10.5 Differenzen und Universalitäten: ein dialektisches Verhältnis
11 Summary: Dialog Rufer – Flückiger
Die Autorinnen und Autoren
Anmerkungen

Geleitwort von Eva-Lotta Brakemeier

Mit Neugier habe ich das vorliegende Buch „Essentials der Psychotherapie – Praxis und Forschung im Diskurs“, herausgegeben von den wertgeschätzten Kollegen Martin Rufer und Christoph Flückiger, aufgeschlagen und mit Freuden gelesen: neugierig aufgeschlagen, da ein derartiges Buch, in welchem schulenübergreifendes Experten-Praxiswissen direkt wissenschaftlich kommentiert wird, in der bisherigen psychotherapeutischen Buchlandschaft einzigartig ist; mit Freuden gelesen, da ich, die als Wissenschaftlerin und Psychotherapeutin stets die Verschränkung von Wissenschaft und Therapiepraxis anstrebt, in diesem Buch ein sehr gelungenes Beispiel für die Umsetzung eben dieses „Scientist-Practitioner“-Anspruchs vorfinde.

Fünf extrem erfahrene TherapeutInnen, die dieses Buch mitgestaltet haben, haben sich durch langjährige Berufspraxis als PsychotherapeutInnen, SupervisorInnen und AusbilderInnen einen unschätzbaren Fundus an Wissen und Erfahrung angeeignet, der sie zu ExpertInnen im Kontext von Therapie, Aus- und Weiterbildung macht. Derartige therapeutische Expertise wird jedoch meist nur mündlich während Aus- und Weiterbildungen bzw. Supervisionen weitergegeben. In diesem Buch erhalten diese therapeutisch-praktischen ExpertInnen jedoch eine nachhaltige Stimme, indem sie ihre hilfreichen Heuristiken der Psychotherapie schriftlich dokumentieren und somit ihr Handlungswissen, das in (Lehr-)Büchern selten erfasst wird, versprachlichen. Um zeitgleich dem wissenschaftlichen Anspruch, der jegliche Psychotherapie begleiten sollte, gerecht zu werden, wurden fünf ausgewiesene ExpertInnen der Psychotherapie-Forschung eingeladen, diese Heuristiken wissenschaftlich zu reflektieren, zu differenzieren und zu kommentieren. Als Resultat sind folgende höchst spannende, sehr lehrreiche und bedingt durch zahlreiche Praxisbeispiele auch kurzweilige „Paar-Beiträge“ entstanden: zur Bedeutung des Vertrauens und der Selbstwirksamkeit (Martin Rufer – Ulrike Dinger), zum Nachdenken über das Menschen- bzw. Therapeutenbild (Annette Kämmerer – Christoph Flückiger), zum positiven Denken im Spannungsfeld von Selbstabwertung, Selbstzweifeln und Akzeptanz (Dirk Zimmer – Ulrike Willutzki) und zu allgemein menschlichen und kulturbedingten Prozessen in der Therapie und Supervision (Verena Kast – Maria Borcsa). In einem zusammenfassenden Resümee der beiden Herausgeber, welche ebenfalls als Vertreter der Experten-Praxisseite (Rufer) bzw. der Experten-Forschungsseite (Flückiger) ein wunderbares Team bilden, wird dieses kontextuelle Wissen im wechselseitigen Diskurs gekonnt zusammengefasst.

Als ich mich als junge Psychotherapeutin in Ausbildung bei meinen ersten stationären Psychotherapien ein wenig wie ins kühle Wasser geworfen fühlte, half mir – abgesehen von den begleitenden Theorieseminaren am Wochenende, wenigen im Studium erworbenen praktischen Psychotherapie-Kompetenzen sowie einem „gesunden Therapeutenverstand“ – v.a. das Buch „Der Panama-Hut: oder Was einen guten Therapeuten ausmacht“ von Irving Yalom (2010). In diesem Buch konnte ich Ratschläge und Empfehlungen für besondere oder schwierige Therapiesituationen schnell nachschlagen, mit denen ich mich in den ersten Monaten als Novizin konfrontiert sah. Das vorliegende Buch kann für junge NovizInnen (PsychologInnen, Ärzte, BeraterInnen) eine ähnliche Funktion übernehmen, wobei die reichhaltigen und wertvollen Empfehlungen zur Praxis zum Nachdenken anregen und zudem eingebettet werden in den wissenschaftlichen Diskurs, was ich als besonders wertvoll empfinde. Für fortgeschrittene TherapeutInnen in Aus- und Weiterbildung oder bereits Experten-TherapeutInnen sowie KollegInnen, die sich primär als Psychotherapie-ForscherInnen verstehen, mag dieses Buch jedoch auch eine wahre Fundgrube bzw. Schatzkiste an wertvollem Praxis- und Wissenschaftswissen aus mindestens zwei Gründen sein:

Dieses Praxis- und Wissenschaftswissen ist nicht nur nationen- und geschlechterübergreifend dargestellt, sondern auch schulenübergreifend bzw. integrativ einzuordnen, was leider immer noch eine Besonderheit darstellt bei deutschsprachigen psychotherapeutischen Werken. Somit vermag es integrativ denkende und handelnde TherapeutInnen, die sich in unterschiedlichen Therapieschulen oder -richtungen beheimatet fühlen, auch vielerlei Anregungen zu geben, nicht zuletzt hinsichtlich der jeweiligen Therapeutenidentität und therapeutischen Haltung. Das Buch mindert die leider oft bestehende Kluft zwischen Forschung und Praxis (vgl. Bohus, 2015; Eiling et al., 2014) und folgt damit dem derzeit zurecht ins Zentrum der Forschung gerückten Paradigma der „Praxisbezogenen Forschung“ (Practice Research Network; z.B. Castonguay et al., 2010). Dieses Buch gibt zunächst und somit in erster Linie der Praxis eine Stimme und nicht – wie beispielsweise in dem ebenfalls höchst empfehlenswerten Buch „Die Psychotherapie-Debatte“ (Wampold, Imel & Flückiger, 2017) – zunächst der Forschung. Somit erreicht es hoffentlich auch die TherapeutInnen, die sich eher in der Praxis beheimatet fühlen. Jede(r) PsychotherapeutIn sollte meiner Meinung nach auch wissenschaftlich denken, im Sinne von: ihr/sein Tun systematisch zu hinterfragen bzw. zu reflektieren, wissenschaftliche Erkenntnisse systematisch zu nutzen, bei der Interpretation von „wissenschaftlichen“ oder „praxisbasierten“ Befunden die zugrundeliegende Methodik zu berücksichtigen und am besten auch selbst in irgendeiner Form zur Erweiterung der wissenschaftlichen Fundierung von Psychotherapie beizutragen. Schon in unserem Lehrbuch „Praxis der Verhaltenstherapie“ (Brakemeier & Jacobi, 2017) haben wir argumentiert, dass eine schlüssige Begründung dafür, in der Praxis nicht auch eine theoretische empirische Haltung einzunehmen, nicht ausmachbar ist. Gleichwohl ist der Versorgungsdruck im Praxisalltag (zum Teil bereits in der Ausbildung) als Argument für eine niedrige Priorisierung der Beschäftigung mit wissenschaftlichen Fragen nicht einfach von der Hand zu weisen, weshalb Bücher wie diese mehr als willkommen sind!

Schließlich halte ich dieses Buch aus folgendem Grund für zukunftweisend: Viele der Beiträge weisen in der Zusammenschau auch auf die Bedeutung einer personalisierten bzw. individualisierten bzw. präzisen Psychotherapie hin, was die zum Beispiel von Alan E. Kazdin aufgeworfene wichtige, jedoch zeitgleich auch schwierig zu beantwortete Psychotherapie-Forschungsfrage adressiert: What works for whom (z.B. Kazdin, 2007; aber auch Roth & Fonagy, 2005)? In einer aktuellen Übersichtsarbeit zur innovativen Psychotherapieforschung visionieren wir entsprechend, dass die Psychotherapie auf dem Weg zu einer evidenzbasierten, individualisierten und modularisierten Psychotherapie sei (Brakemeier & Herpertz, in press). Hiermit ist nicht gemeint, dass jeder Therapeut einfach das macht, was er gut kann – wie Rufer und Flückiger es in ihrem Schlussdiskurs am Ende dieses Buches zu Recht explizit diskutieren. Vielmehr gilt es in diesem Zusammenhang, Psychotherapie jeweils evidenzbasiert auf die individuellen Probleme und Bedürfnisse eines jeden Patienten zu „tailoren“, also maßzuschneidern oder abzustimmen, was in den Beiträgen immer wieder – sei es direkt oder indirekt – beschrieben oder gefordert wird (insb. in den „Paar-Beiträgen“ von Hans Lieb und Günther Schiepek). Zurecht weisen Rufer und Flückiger in diesem Zusammenhang auf eine allseits verbindliche Qualitätskontrolle hin, welche im deutschsprachigen Raum noch zu wenig etabliert ist. Hier sei an Feedbackprozesse zu denken, wie sie beispielsweise in der Arbeitsgruppe um Wolfgang Lutz vorbildlich eingeführt und evaluiert werden (vgl. „Trier Treatment Navigator“; Lutz et al., 2019). Ich begrüße den gesundheitspolitischen Apell der AutorInnen und Herausgeber am Ende ihres Werkes sehr, der uns PraktikerInnen und ForscherInnen auffordert, der (Gesundheits-)Politik pro-aktiv gesellschaftspolitisch relevante Vorschläge zu machen, beispielsweise wie und mit welchen geeigneten wissenschaftlich basierten Mitteln im Praxisalltag die Qualität unserer Arbeit erfasst und gesichert werden kann (wobei auch die negativen Effekte der Psychotherapie erfasst und vermindert werden sollten; Linden et al., 2018), aber auch wie Psychotherapie am besten in die medizinischen Kontexte eingebettet werden kann oder das Image der Psychotherapie verbessert und damit Barrieren zum Zugang durchbrochen werden können.

Summa summarum wünsche ich den beiden Herausgebern und den acht Autorinnen und Autoren, dass dieses vorliegende Buch auf dem Nachttischchen, im Reisegepäck, jedoch auch als vertiefende Seminarliteratur in der Aus- und Weiterbildung seinen wichtigen und festen Platz findet und somit von vielen anderen PraktikerInnen und WissenschaftlerInnen mit vorfreudiger Neugier und neugieriger Freude gelesen wird.

 

Eva-Lotta Brakemeier, Prof. Dr., Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Psychologie

Literatur

Brakemeier, E.L. & Herpertz, S. (in press). Innovative Psychotherapieforschung: Auf dem Weg zu einer evidenzbasierten individualisierten und modularisierten Psychotherapie. Nervenarzt.

Brakemeier, E.L. & Jacobi, F. (2017). Verhaltenstherapie in der Praxis. Weinheim: Beltz.

Bohus, M. (2015). Elfenbeintürme im Treibsand oder: Was macht es so schwierig, Erkenntnisse aus der Forschung in der therapeutischen Praxis umzusetzen? Verhaltenstherapie, 25, 145–155.

Castonguay, L.G., Nelson, D.L., Boutselis, M.A., Chiswick, N.R., Damer, D.D., Hemmelstein, N.A. et al. (2010). Psychotherapists, researchers, or both? A qualitative analysis of psychotherapists’ experiences in a practice research network. Psychotherapy (Chic), 47 (3), 345–354.

Eiling, A., Schlipfenbacher, C., Hörz-Sagstätter, S. & Jacobi, F. (2014). Über die Zukunft der Evidenzbasierten Psychotherapie und die Beziehung zwischen Praxis und Forschung. Psychotherapeutenjournal, 2, 175–183.

Kazdin, A.E. (2007). Mediators and mechanisms of change in psychotherapy research. Annu Rev Clin Psychol, 3, 1–27.

Linden, M., Strauß, B., Brakemeier, E.L., Nestoriuc, Y., Scholten, S.& Wasilewski, J. (2018). Definition und Entscheidungsschritte in der Bestimmung und Erfassung von Nebenwirkungen von Psychotherapie. Psychotherapie Psychosomatik Medizinische Psychologie, 68 (9–10), 377–382.

Lutz, W., Rubel, J.A., Schwartz, B., Schilling, V. & Deisenhofer, A.K. (2019). Towards integrating personalized feedback research into clinical practice: Development of the Trier Treatment Navigator (TTN). Behav Res Ther, 120 (8), 103438.

Roth, A. & Fonagy, P. (2005). What works for whom? A critical review of psychotherapy research (2. Aufl.). New York: Guilford Press.

Wampold, B.E., Imel, Z.E. & Flückiger, Ch. (2017). Die Psychotherapie-Debatte. Was Psychotherapie wirksam macht. Bern: Hogrefe.

Yalom, I.D. (2010). Der Panama-Hut: oder Was einen guten Therapeuten ausmacht. München: Wilhelm Goldmann Verlag.

Geleitwort von Luise Reddemann

In einer kürzlich erschienenen Arbeit beklagt Bernhard Strauß den Mangel an Austausch zwischen Forschern und Praktikern in der Psychotherapie und dass hier eine „erhebliche Kluft“ bestehe, die unter anderem auch gekennzeichnet sei durch Misstrauen, Unverständnis und Infragestellung jeglicher Relevanz (Strauß, 2019).

Mir liegt das Thema Mitgefühl am Herzen, das erst in jüngster Zeit in der Psychotherapie einen gewissen Platz hat, in der Forschung allerdings kaum. Dabei fällt mir – ich bin Psychoanalytikerin – ein, dass für Freud Ethik in der Psychotherapie keinen Platz hatte, und bei vielen, die ihm folgten. Es war Erich Fromm, der Freud wohl als einer der ersten schon in den 40er-Jahren des vorigen Jahrhunderts widersprochen hat. Für ihn galt in seinem Buch „Man for himself“ schon 1947, dass Ethik zu einem Gegenstand psychologischer Betrachtung gemacht werden sollte (Fromm, 2017).

Das Manuskript für dieses Buch zu lesen, war für mich eine Freude. Es hat mich inspiriert und mich in einer Haltung bestätigt, wonach Mitgefühl Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mehr als bisher üblich beschäftigen sollte. Der Begriff kommt im Buch immer wieder vor. Und im Buch finde ich eine Haltung wieder, wonach Forschung und Psychotherapie doch eher zwei Seiten einer Medaille sind – oder sein sollten.

Seit einiger Zeit wird nun unter dem Begriff „common factors“ Forschung betrieben, die auch Fragen nach Ethik in der Psychotherapie unterstützt. Ethik, Mitgefühl, Orientierung an der Würde der Patienten und vieles mehr, möchte ich teilweise ergänzend als „essentials“ von Psychotherapie beschreiben. Vieles davon ist im Buch zu finden!

Obwohl ich aus einer anderen Schule komme als die Mehrzahl der Autoren und Autorinnen des Buches, finde ich hier sehr viel Gemeinsames. So zeigt das Buch für mich überzeugend, dass es schulenübergreifende Themen gibt, die letztlich jede Psychotherapeutin und jeden Psychotherapeuten angehen (sollten) (Reddemann, 2016; Reddemann, 2019).

Besonderen Eindruck haben mir einige Kapitel gemacht, die ich hier gesondert nenne, möchte aber hervorheben, dass ich dem gesamten Buch eine breite Leserschaft wünsche:

Rufer betont, dass er von seinen Klientinnen am meisten gelernt hat. Wir alle, die wir Psychotherapie machen, sollten diesen Satz unterschreiben können. Daraus ergibt sich, dass wir bescheiden sein sollten und dabei können Theorien wie Selbstorganisation – unsere eigene und die der Patientinnen und Patienten – dienlich sein. Ergänzt, aus meiner Sicht, durch Forschung zu Mitgefühl und Freundlichkeit mit uns selbst.

Rufer hebt hervor, dass Intervenieren nicht beliebig ist und zitiert dazu Yalom, der für ein authentisches und mitfühlendes Umfeld in der Psychotherapie plädiert. Die bisher beschriebenen common factors sollten, wie im Buch teilweise geschehen, nicht nur erwähnt, sondern deren spezifische Wirkung in Praxis bezogener Forschung noch stärker einbezogen werden. Auch die Unterscheidung von Empathie und Mitgefühl könnte hier wichtig sein.

Dies alles kann man in moderner Sprache als Orientierung an „common factors“ beschreiben, welche ja Methodenorientierung nicht grundsätzlich ausschließen müssen. Im Buch gibt es dazu viel anregend Praktisches, ohne dass Theoretisches ausgespart würde. So plädiert Dinger für den Aufbau einer „zunehmend befriedigenden Beziehung“ die erlebt und gestaltet werden sollte, und Annette Kaemmerer macht klar, wie wichtig das Erkennen der eigenen Menschenbilder der Therapeutin ist sowie ihre Orientierung an der Würde. Zimmer plädiert für die grundsätzliche Gleichwertigkeit beider Interaktionspartner und Willutzki empfiehlt, Patientinnen und Patienten um feedback zu bitten. Flückiger betont, das Psychotherapie weit mehr ist, als die „Verabreichung“ lege artis durchgeführter Interventionen. Sie sei und bleibe sowohl humane Intervention als auch Humanintervention und zwar für beide Beteiligten im gemeinsamen Feld.

Verena Kast beschreibt eindrucksvoll, dass in therapeutischen Prozessen weder alles allgemeinmenschlich, noch alles kulturbedingt ist. Das kann man auch auf die Verschiedenheit psychotherapeutischer Ansätze übertragen. In der Beschäftigung mit den unterschiedlichen Ansätzen geht es um den Respekt vor Diversität und doch auch um allgemein menschliche Faktoren, die in der Forschung eben als „common factors“ beschrieben werden.

Dieses Buch kann ich allen, die sich für moderne Psychotherapieforschung sowie deren Umsetzung in die Praxis interessieren, sehr empfehlen. Es zeigt viel Verbindendes auf, das eben unter der Bezeichnung „common factors“ reflektiert wird und macht Mut, sich auch auf unvertrautes Gelände immer wieder aufs Neue einzulassen.

 

Luise Reddemann, Dr. med., Honorarprof. Universität Klagenfurt für Psychotraumatologie und Medizinische Psychologie

Literatur

Fromm, E. (2017). Den Menschen verstehen: Psychoanalyse und Ethik. München: dtv.

Reddemann, L. (2016). Mitgefühl, Trauma, Achtsamkeit. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht.

Reddemann, L. (2019). Über Mitgefühl – ein common factor in der Psychotherapie traumatisierter Menschen? Systeme, 1 (19), 6–23.

Strauß, B. (2019). Innovative Psychotherapieforschung – wo stehen wir und wo wollen wir hin? Psychotherapeutenjournal, 1, 4–10.

Einführung

Martin Rufer, Christoph Flückiger

Warum dieses Buch?

Täglich begegnen wir als Praktiker1 Patienten und Klienten und versuchen, unser Wissen und Können für deren Wohl so hilfreich wie möglich einzubringen. Wir greifen dabei auf ein breites Fachwissen und umfassende Erfahrung zurück. Diese beinhalten einerseits verfahrens- und störungsorientierte Perspektiven sowie oft auch einen in Manualen gut zusammengefassten Interventionsrahmen. Andererseits vertrauen wir auf unseren eigenen „Handwerkskoffer“ und eigene Handlungsheuristiken (Rufer, 2013).

Während die Praktiker sich aber oft nur noch für das interessieren, was unmittelbaren, methodischen Nutzen bringt, beschränken sich die Forscher eher auf Grundsätzliches und interessieren sich wenig für konkrete Fragen der Therapiepraxis: „Was genau machst du in deinem Praxisalltag? Welches sind deine ‚Essentials‘? Welche Fragen stellst du dir? Was könnte ich von dir für meine wissenschaftliche bzw. praktische Tätigkeit lernen?“

Auf dieser Basis sind wir, die beiden Herausgeber des Buches, uns eher zufällig begegnet, angestoßen durch unsern Diskurs darüber, was Psychotherapie wirksam macht. Hier wollten wir beide – Martin Rufer als „Vollblutpraktiker“, dessen Herz aber durchaus auch für die Wissenschaft schlägt, und Christoph Flückiger als ausgewiesener Forscher mit Praxisherz – mit einem offenen Diskurs ansetzen.

Das Gesamtkonzept ist aus unserer Sicht so einfach wie überzeugend: „Alte Häsinnen und Hasen“ aus verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Therapierichtungen haben je ein Essay verfasst, in dem sie auf Aspekte ihrer klinischen Erfahrung hinweisen, die für sie zwar essentiell sind, möglicherweise im Wissenschaftsdiskurs aktuell zu wenig beachtet werden und so wohl in keinem Lehrbuch zu finden sind. Integrativ orientierte Psychotherapieforscherinnen und -forscher kommentieren paarweise je eines dieser Essentials bzw. nehmen den aufgeworfenen Diskurs auf und entwickeln ihn weiter (Rufer-Dinger/Kämmerer-Flückiger/Lieb-Schiepek/Zimmer-Willutski/Kast-Borcsa). Als Herausgeber und Mitautoren würdigen und diskutieren wir in einem Schlusskapitel die Beiträge in Form eines Dialogs.

Zwei Seelen in einer Brust

Psychotherapie ist über unterschiedliche Therapieansätze hinweg und mit Gewichtung auf extratherapeutischen und allgemeinen Prozessen sowie in verschiedenen Kombinationen von Therapieverfahren und Pragmatik erstaunlich robust wirksam (z.B. Wampold, Imel & Flückiger, 2018). Es hat sich dabei gezeigt, dass sich eine gute Therapie und ein guter Therapeut weder durch penibel reglementierte Verfahren noch allein durch Erfahrung definieren lassen (Goldberg et al., 2016). Der Begriff der „Process-based Therapy“ ist inzwischen beispielsweise auch in der Verhaltenstherapie angekommen (z.B. Hayes & Hofmann, 2017).

Sowohl Praktiker als auch Forscher funktionieren für sich genommen also recht gut, agieren aber doch in unterschiedlichen Welten und bleiben einander durch unterschiedliche Sinn- und Kommunikationssysteme in der Regel fremd. So segeln schließlich zwei – oder mehrere – Schiffe unter gleicher Flagge (Psychotherapie) in zwei Paralleluniversen, und manchmal auch etwas heimatlos. Die Mannschaften bleiben unter sich, sprechen ihre eigene Sprache und zelebrieren ihre eigenen Rituale, ohne sich gegenseitig Rechenschaft über ihr Tun und ihre Ziele geben zu müssen. Innerhalb der eigenen Welt sind beide Gruppen jeweils die Experten, doch das Bemühen, sich mit der jeweils anderen Sichtweise oder den Gegenpositionen auseinanderzusetzen, hält sich in Grenzen. Eine „Resonanzbeziehung“ (Rosa, 2016) und ein Diskurs, der verbinden und Gemeinsames schaffen könnte, fehlt. Und dies, obwohl „die Ergebnisse (aus der Psychotherapieforschung) die Praktiker interessieren (müssten), weil sie damit die Wirkung von Psychotherapie generell gut belegen könnten“ (Caspar, 2013; s. auch Wampold et al., 2018).

Ein Anschauungsbeispiel dafür bietet die systematische Diagnostik der Psychopathologie. In den drei deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Diagnostik nach der Internationalen Statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) gesetzlich verankert2. Seit der Studie von Rosenhan 1973 besteht außerdem ein intensiver akademischer Diskurs darüber, wie psychische Störungen reliabel erhoben werden können. Im Jahr 2018 finden wir zum Suchbegriff „DSM or ICD and Psychotherapy“ über 5.000 publizierte Studien. In randomisierten, kontrollierten Wirksamkeitsvergleichsstudien sind systematische Interviews störungsspezifischer Standard. Fragen wir jedoch in unserem Umfeld nach, so werden die systematischen Interviews kaum in der Praxis eingesetzt (vgl. auch die Beiträge der Praktikerinnen in diesem Buch). Die Interviews, so resümieren die Praktiker, seien sehr aufwändig und würden oftmals auch nicht durch die Versicherer bezahlt. Auch in Gerichtsverfahren (z.B. Berentungsverfahren) sind systematische Interviews gesetzlich nicht verankert. Es wäre also an der Zeit, einmal zu hinterfragen, wieso das so ist und wie der Transfer aus der Forschung in die Praxis möglich wäre.

Sich hier aber gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben, wäre nicht besonders zielführend. Voraussetzungen für ein kooperatives Practitioner-Scientist-Modell müssen vielmehr echtes Interesse für das „andere Universum“ und die Begegnung auf Augenhöhe sein.

Dass für dieses doch etwas andere Format sowohl der Hogrefe Verlag als auch alle angefragten Kolleginnen und Kollegen spontan und mit Interesse zugesagt haben (und in die von uns vorgeschlagene „Paarbildung“ eingewilligt haben), hat uns als Herausgeber und Autoren ermutigt, dieses Projekt in einem offenen, selbstorganisierten Prozess nun auch auszuführen. Bewusst haben wir darum als Herausgeber in enger Absprache mit dem Verlag allen Autorinnen und Autoren vollkommen freie Hand gegeben, mögliche tabuisierte Themen aufs Tapet zu bringen. So ist nun eine Sammlung aus „Essentials der Psychotherapie“ entstanden, die wir dem Leser gerne weiterreichen. Alle Texte wurden in einem intensiven Feedbackprozess im Verlauf eines Jahres verfasst und revidiert. Wir haben uns gegenseitig dabei unterstützt, möglichst allgemeinverständlich zu formulieren, ohne den eigenen Duktus allzu stark zu verlassen. Daraus entstanden Kondensate, die zur Reflexion anregen sollen und können.

Nun wird es an Ihnen, den Leserinnen und Lesern, sein zu entscheiden, ob und inwieweit es uns gelungen ist, den Diskurs nicht nur zu etikettieren, sondern einen solchen auch anzustoßen und daraus etwas mitzunehmen, was sich in das eigene Tätigkeitsfeld bzw. die eigene Praxis oder auch in „andere Universen“ einbringen und kritisch diskutieren lässt.

Literatur

Caspar, F. (2013). Was nützen Ergebnisse der Psychotherapieforschung für die Praxis? Psychotherapie Psychosomatik und Medizinische Psychologie, 63, 303–304.

Goldberg, S.B., Rousmaniere, T., Miller, S.D., Whipple, J., Nielsen, S.L., Hoyt, W.T. & Wampold, B.E. (2016). Do psychotherapists improve with time and experience? A longitudinal analysis of outcomes in a clinical setting. Journal of Counseling Psychology, 63 (1), 1–11.

Hayes, S.C. & Hofmann, S.G. (Eds.). (2018). Process-based CBT: The science and core clinical competencies of cognitive behavioral therapy. Oakland, CA: New Harbinge.

Rosa, H. (2016). Resonanz – Eine Soziologie der Weltbeziehung. Berlin: Suhrkamp.

Rufer, M. (2013). Erfasse komplex, handle einfach. Systemische Psychotherapie als Praxis der Selbstorganisation – ein Lernbuch. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Wampold, B.E., Imel, Z.E. & Flückiger, C. (2018). Die Psychotherapiedebatte. Was Psychotherapie wirksam macht. Bern: Hogrefe.

1 Bilanz therapeutischer Arbeit

Martin Rufer

„Was am Ende bleibt, ist die Erfahrung, dass es sich lohnt zu vertrauen.“3

„Du sollst gerne zweifeln.“ So lautete in der ZEIT die Titelgeschichte zu Pfingsten 2018 (Finger, 2018). In Zeiten, in denen die Psychiatrie kriselt, Patienten wochenlang einen Therapieplatz suchen, derweil die Psychologen auf ihre Zulassung (Schweiz) warten; in denen psychische Belastungen en detail klassifiziert, die Psychotherapie reguliert, aber immer mehr dekontextualisiert wird; in denen das Denken in Therapieschulen gegen alle Prinzipien wissenschaftlichen Fortschritts weiterlebt und Methoden und Techniken wellenartig kommen und gehen, scheinen Zweifel