Ethik - Thom Delißen - E-Book

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Thom Delißen

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Beschreibung

Die Ethik (griechisch ἠθική (ἐπιστήμη) ēthikē (epistēmē) "das sittliche (Verständnis)", von ἦθος ēthos "Charakter, Sinnesart" (dagegen ἔθος: Gewohnheit, Sitte, Brauch),¹ vergleiche lateinisch mos) ist jener Teilbereich der Philosophie, der sich mit den Voraussetzungen menschlichen Handelns und seiner Bewertung befasst. Im Zentrum der Ethik steht das spezifisch moralische Handeln,² insbesondere hinsichtlich seiner Begründbarkeit und Reflexion. Cicero übersetzte als erster êthikê in den seinerzeit neuen Begriff philosophia moralis.³ In seiner Tradition wird die Ethik auch als Moralphilosophie bezeichnet. Die Ethik und ihre benachbarten Disziplinen (z. B. Rechts-, Staats- und Sozialphilosophie) werden auch als "praktische Philosophie" zusammengefasst, da sie sich mit dem menschlichen Handeln befasst. Im Gegensatz dazu steht die "theoretische Philosophie", zu der als klassische Disziplinen die Logik, die Erkenntnistheorie und die Metaphysik gezählt werden. Begriff, Gegenstand und Gliederung der Ethik Als Bezeichnung für eine philosophische Disziplin wurde der Begriff Ethik von Aristoteles eingeführt, der damit die wissenschaftliche Beschäftigung mit Gewohnheiten, Sitten und Gebräuchen (ethos) meinte, wobei allerdings schon seit Sokrates die Ethik ins Zentrum des philosophischen Denkens gerückt war (Sokratische Wende). Hintergrund war dabei die bereits von den Sophisten vertretene Auffassung, dass es für ein Vernunftwesen wie den Menschen unangemessen sei, wenn dessen Handeln ausschließlich von Konventionen und Traditionen geleitet wird. Aristoteles war der Überzeugung, menschliche Praxis sei grundsätzlich einer vernünftigen und theoretisch fundierten Reflexion zugänglich.

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Veröffentlichungsjahr: 2016

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Ethik

Wikipedia-Themen-Zusammenfassung

 

 

 

 

Peaceway/Wiki 1. Auflage 06/2016

Verlag TD Textdesign

Inhalt

 

1. Ethik 

2. Geist 

3. Sein 

4. Das Gute 

5. Idee 

6. Glaube 

7. Vernunft 

8. Aufklärung 

9. Neuplatonismus 

10.Erkenntnistheorie 

11.Ideenlehre 

12.Gott 

13.Seele 

14.Logos 

15.Tugendethik 

16.Philosophie der Antike 

17.Epochen 

18.Sokrates 

19.Platon 

20.Marcus Tullius Cicero 

21.Thomas von Aquin 

22.Augustinus von Hippo 

23.Friedrich Nietzsche 

24.Immanuel Kant 

25.René Descartes 

26.Baruch de Spinoza 

27.Gottfried Wilhelm Leibniz 

28.Georg Wilhelm Friedrich Hegel 

29.Metaphysik 

30.Umweltethik 

31.Naturethik 

32.Scholastik 

33.Neurotheologie 

34.Atheismus 

35.Aberglaube 

Ethik

 

Die Ethik (griechisch ἠθική (ἐπιστήμη) ēthikē (epistēmē) „das sittliche

(Verständnis)", von ἦθος ēthos „Charakter, Sinnesart" (dagegen ἔθος:

Gewohnheit, Sitte, Brauch),¹ vergleiche lateinisch mos) ist jener

Teilbereich der Philosophie, der sich mit den Voraussetzungen menschlichen

Handelns und seiner Bewertung befasst. Im Zentrum der Ethik steht das

spezifisch moralische Handeln,² insbesondere hinsichtlich seiner

Begründbarkeit und Reflexion. Cicero übersetzte als erster êthikê in den

seinerzeit neuen Begriff philosophia moralis.³ In seiner Tradition wird die

Ethik auch als Moralphilosophie bezeichnet.

 

Die Ethik und ihre benachbarten Disziplinen (z. B. Rechts-, Staats- und

Sozialphilosophie) werden auch als „praktische Philosophie"

zusammengefasst, da sie sich mit dem menschlichen Handeln befasst. Im

Gegensatz dazu steht die „theoretische Philosophie", zu der als klassische

Disziplinen die Logik, die Erkenntnistheorie und die Metaphysik gezählt

werden.

 

Begriff, Gegenstand und Gliederung der Ethik

 

Als Bezeichnung für eine philosophische Disziplin wurde der Begriff Ethik

von Aristoteles eingeführt, der damit die wissenschaftliche Beschäftigung

mit Gewohnheiten, Sitten und Gebräuchen (ethos) meinte, wobei allerdings

schon seit Sokrates die Ethik ins Zentrum des philosophischen Denkens

gerückt war (Sokratische Wende). Hintergrund war dabei die bereits von den

Sophisten vertretene Auffassung, dass es für ein Vernunftwesen wie den

Menschen unangemessen sei, wenn dessen Handeln ausschließlich von

Konventionen und Traditionen geleitet wird. Aristoteles war der

Überzeugung, menschliche Praxis sei grundsätzlich einer vernünftigen und

theoretisch fundierten Reflexion zugänglich. Ethik war somit für

Aristoteles eine philosophische Disziplin, die den gesamten Bereich

menschlichen Handelns zum Gegenstand hat und diesen Gegenstand mit

philosophischen Mitteln einer normativen Beurteilung unterzieht und zur

praktischen Umsetzung der auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse anleitet.

 

Die allgemeine Ethik – die im Folgenden einfach als Ethik bezeichnet wird –

wird heute als eine philosophische Disziplin verstanden, deren Aufgabe es

ist, Kriterien für gutes und schlechtes Handeln und die Bewertung seiner

Motive und Folgen aufzustellen. Sie ist die Grundlagendisziplin der

Angewandten Ethik, die sich als Individualethik und Sozialethik sowie in

den Bereichsethiken mit den normativen Problemen des spezifischen

Lebensbereiches befasst.

 

Die Ethik baut als philosophische Disziplin allein auf das Prinzip der

Vernunft. Darin unterscheidet sie sich vom klassischen Selbstverständnis

theologischer Ethik, die sittliche Prinzipien als in Gottes Willen

begründet annimmt und insofern im Allgemeinen den Glauben an eine göttliche

Offenbarung voraussetzt. Besonders im 20. Jahrhundert haben allerdings

Autoren wie Alfons Auer theologische Ethik als weitgehend autonom zu

konzipieren versucht.

 

Das Ziel der Ethik ist die Erarbeitung von allgemeingültigen Normen und

Werten. Sie ist abzugrenzen von einer deskriptiven Ethik, die keine

moralischen Urteile fällt, sondern die tatsächliche, innerhalb einer

Gesellschaft gelebte Moral mit empirischen Mitteln zu beschreiben versucht.

Die Metaethik, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts als eigenständige

Disziplin entwickelte, reflektiert die allgemeinen logischen, semantischen

und pragmatischen Strukturen moralischen und ethischen Sprechens und stellt

insofern die Grundlage für die deskriptive und normative Ethik dar.

 

Philosophische Fragestellungen zur Ethik

 

Die philosophische Disziplin Ethik (die auch als Moralphilosophie

bezeichnet wird) beschäftigt sich überwiegend mit den folgenden drei

Problemfeldern:

 

1. mit der Frage nach dem „höchsten Gut";

 

2. mit der Frage nach dem richtigen Handeln in bestimmten Situationen –

also: „Wie soll ich mich in dieser Situation verhalten?" (Die einfachste

und klassische Formulierung einer solchen Frage stammt von Immanuel Kant:

„Was soll ich tun?") und 

 

3. mit der Frage nach der Freiheit des Willens.

 

Als Hauptgegenstand der Ethik gelten den meisten Philosophen die

menschlichen Handlungen und die sie leitenden Handlungsregeln. Die

Ergebnisse bestehen in anwendbaren ethischen (bzw. moralischen) Normen, die

beinhalten, dass unter bestimmten Bedingungen bestimmte Handlungen geboten,

verboten oder erlaubt sind.

 

Insofern als in der Ethik nach allgemeingültigen Antworten auf die Frage

nach dem richtigen Handeln gesucht wird, stellt sich die Frage nach der

Möglichkeit allgemeingültiger ethischer Normen und deren Begründung. Diese

Diskussion über die Grundlagen der Ethik, ihre Kriterien und Methoden, ist

ein wichtiger Teil der philosophischen Disziplin Ethik, der auch als

Metaethik bezeichnet wird.

 

Ziele der Ethik

 

Die Ethik ist von ihrer Zielsetzung her eine praktische Wissenschaft. Es

geht ihr nicht um ein Wissen um seiner selbst willen (theoria), sondern um

eine verantwortbare Praxis. Sie soll dem Menschen (in einer immer

unüberschaubarer werdenden Welt) Hilfen für seine sittlichen Entscheidungen

liefern. Dabei kann die Ethik allerdings nur allgemeine Prinzipien guten

Handelns oder ethischen Urteilens überhaupt oder Wertvorzugsurteile für

bestimmte Typen von Problemsituationen begründen. Die Anwendung dieser

Prinzipien auf den einzelnen Fall ist im Allgemeinen nicht durch sie

leistbar, sondern Aufgabe der praktischen Urteilskraft und des geschulten

Gewissens. Aristoteles vergleicht dies mit der Kunst des Arztes und des

Steuermanns. Diese verfügen über ein theoretisches Wissen, das aber

situationsspezifisch angewendet werden muss. Entsprechend muss auch die

praktische Urteilskraft allgemeine Prinzipien immer wieder auf neue

Situationen und Lebenslagen anwenden. Dabei spielt für die richtige

sittliche Entscheidung neben der Kenntnis allgemeiner Prinzipien die

Schulung der Urteilskraft in praktischer Erfahrung eine wichtige Rolle.

 

Abgrenzungen zu benachbarten Disziplinen

 

Auch die Theorie der rationalen Entscheidung beantwortet die Frage: Wie

soll ich handeln? Jedoch unterscheidet sie sich von ethischen

Fragestellungen dadurch, dass Theorien rationalen Handelns nicht in jedem

Falle auch Theorien des moralisch Guten sind. Von ethischen Theorien mit

einem allgemeinverbindlichen Anspruch unterscheiden sich Theorien

rationaler Entscheidung dadurch, dass nur die Ziele und Interessen eines

bestimmten Individuums oder eines kollektiven Subjekts (z. B. eines

wirtschaftlichen Unternehmens oder eines Staates) berücksichtigt werden.

Zur Unterscheidung zwischen Ethik und Moral kann auf Hegel verwiesen werden

und seinen Versuch einer Synthese aus dem klassischen Gemeinschafts- und

dem modern-individualistischen Freiheitsdenken.⁴

 

Auch die Rechtswissenschaft fragt danach, wie gehandelt werden soll. Im

Unterschied zur Ethik bezieht sie sich jedoch i. Allg. auf eine bestimmte,

faktisch geltende Rechtsordnung (positives Recht), deren Normen sie auslegt

und anwendet. Wo die Rechtswissenschaft als Rechtsphilosophie,

Rechtspolitik oder Gesetzgebungslehre auch die Begründung von Rechtsnormen

behandelt, nähert sie sich der Ethik an.

 

Auch religiös motivierte Ethiken geben Antworten auf die Frage, wie

gehandelt werden soll. Im Unterschied zu philosophisch begründeten Ethiken

beanspruchen diese jedoch nicht in jedem Fall, dass ihre Antworten auf für

jeden nachvollziehbare Argumente gegründet sind, sondern können sich etwa

auf eine göttliche Offenbarung als Quelle von Handlungsnormen berufen

(siehe etwa die Sollens-Aussagen der Zehn Gebote im Judentum).

 

Mit gesellschaftlichen Normen des Handelns befassen sich auch empirische

Wissenschaften wie Soziologie, Ethnologie und Psychologie. Im Unterschied

zur normativen Ethik im philosophischen Sinne geht es dort jedoch um die

Beschreibung und Erklärung faktisch bestehender ethischer Überzeugungen,

Einstellungen und Sanktionsmuster und nicht um deren Rechtfertigung oder

Kritik.

 

Begründungen normativer Sätze

 

Gründe für und gegen Moral

 

Die Frage, ob man überhaupt moralisch sein soll, wird in Platons Politeia

im ersten Kapitel aufgeworfen. In der Moderne wurde der Diskurs um die

Frage von Bradley⁵ und Prichard eingeleitet.

 

Metaethische Kognitivisten behaupten, erkennen zu können, wie man moralisch

handeln solle. Somit stellt sich ihnen die Frage, ob man das überhaupt tun

soll, nicht mehr, da sie auch gleich mit erkennen, dass man dies tun soll.

 

Metaethische Nonkognitivisten hingegen müssen die Frage, ob man moralisch

handeln soll, klären. Die Diskussion wird in der Philosophie zumeist anhand

der Frage „Warum soll man moralisch sein?" geführt. Das Sollen innerhalb

der Frage ist dabei kein moralisches Sollen, sondern verweist auf eine

Akzeptanz besserer Gründe, z. B. anhand der Theorie der rationalen

Entscheidung. Die Antwort auf die Frage hängt also ab vom jeweiligen

Verständnis von Vernunft.

 

Die Frage, ob man moralisch sein soll oder nicht, wird beantwortet mit:

 

- „Ja" von allen, die Gründe für Moral anführen,⁶

- „Nein" von den Amoralisten,

- „Das muss jeder für sich selbst entscheiden" von Dezisionisten.

 

Die Situation des Menschen, der sich zwischen diesen Antworten entscheiden

muss, hat ihre klassische Gestaltung in der so genannten Prodikos-Fabel von

Herakles am Scheideweg gefunden, die auch von vielen christlichen Autoren

rezipiert wurde.

 

Absolute Begründung der Moral

 

Eine bekannte absolute Moralbegründung ist die der Letztbegründung von

Apel. Angenommen jemand lehnt es ab, über Zwecke zu reden, dann sei diese

Ablehnung bereits ein Reden über Zwecke. Insofern ist dies ein so genannter

performativer Selbstwiderspruch.

 

Moralbegründung aus Sicht der Systemtheorie verzichtet darauf, zu

begründen, warum Individuen moralisch handeln sollen. Stattdessen wird

dargelegt, warum Moral als Regulierungsfunktion des Kommunikationssystems

unentbehrlich ist (s. a. AGIL-Schema).

 

Relative Begründungen der Moral

 

Viele Philosophen behaupten, dass man zwar nicht beweisen kann, dass

Amoralismus logisch widersprüchlich ist, dass aber im wirklichen Leben

Amoralisten viele Nachteile haben, so dass moralisches Verhalten größere

Rentabilität im Sinne der Theorie der rationalen Entscheidung besitzt.

Ethik wird mit dieser Form von Moralbegründung zu einer Spezialform von

Zweckrationalität. Einer der wichtigsten Vertreter dieser

Argumentationslinie ist David Gauthier.

 

Viele Philosophen dieser Richtung berufen sich auf den Grundsatz quid pro

quo oder auf Tit for Tat-Strategien.

 

Andere meinen, Amoralisten seien auf Einsamkeit festgelegt, da man ihnen

nicht vertrauen könne und auch sie niemandem vertrauen könnten. Daher

könnten sie eines der wichtigsten Lebensgüter, soziale Gemeinschaft und

Anerkennung, nie erreichen.

 

Nach R. M. Hare können Amoralisten keine moralischen Begriffe gebrauchen

und daher nicht von ihren Mitmenschen fordern, sie fair zu behandeln. Die

Möglichkeit entsprechender Lügen sah Hare nicht. Hare behauptete zudem, der

Aufwand, den Amoralisten treiben müssten, um ihre Überzeugung zu

verschleiern, wäre so groß, dass sie sozial immer im Nachteil seien.

 

Amoralisten kritisieren verschiedene Moralbegründungen, indem sie darauf

verweisen, dass es in vielen Teilen der Welt relativ stabile Verhältnisse

gibt, die üblichen moralischen Vorstellungen widersprechen, z. B.

völkerrechtswidrige Kriege um Ressourcen, Sklaverei oder erfolgreiche

Mafia-Organisationen.

 

Dezisionismus

 

 

Dezision (von latein decidere: entscheiden, fallen, abschneiden) bedeutet

so viel wie Entscheidung. Der Begriff des Dezisionismus wird oft in

pejorativer Bedeutung gebraucht von Metaethischen Kognitivisten gegenüber

Philosophen, die nur relative Begründungen der Moral anerkennen, z. B. Hare

oder Popper und Hans Albert.

 

Dezisionisten sehen keine Alternative zu Prinzipienentscheidungen, die aus

logischen oder pragmatischen Gründen ihrerseits nicht mehr weiter begründet

werden können. So behauptete z. B. Henry Sidgwick, der Mensch müsse sich

zwischen Utilitarismus und Egoismus entscheiden.

 

Dem Dezisionismus wird von seinen Kritikern ähnlich wie dem metaethischen

Nonkognitivismus entgegengehalten, dass auch Entscheidungen wiederum einer

Bewertung unterzogen werden könnten: Man entscheide sich nicht für

bestimmte ethische Prinzipien, sondern diese würden umgekehrt die Grundlage

von Entscheidungen darstellen.

 

Außerdem argumentieren Vertreter des Naturrechts dafür, dass sich die

Objektivität der Ethik (also das Sollen) auf die Natur bzw. das Wesen des

Seienden und letztlich auf das Sein selbst (d. h. Gott) zurückführen

ließen.

 

Ethische Grundbegriffe

 

Moralische Handlungen

 

Im Mittelpunkt deontologischer Ethiken steht der Begriff der Handlung. Sie

wird in erster Annäherung definiert als „eine von einer Person verursachte

Veränderung des Zustands der Welt".⁷ Die Veränderung kann eine äußere, in

Raum und Zeit beobachtbare oder eine innere, mentale Veränderung sein. Auch

die Art und Weise, wie man von außen einwirkenden Ereignissen begegnet,

kann im weiteren Sinne als Handlung bezeichnet werden.

 

Absicht und Freiwilligkeit

 

Handlungen unterscheiden sich von Ereignissen dadurch, dass wir als ihre

Ursache nicht auf ein weiteres Ereignis verweisen, sondern auf die Absicht

des Handelnden. Die Absicht (intentio; nicht zu verwechseln mit dem

juristischen Absichtsbegriff, dem dolus directus 1. Grades) ist ein von der

Handlung selbst zu unterscheidender Akt. Geplanten Handlungen liegt eine

zeitlich vorausgehende Absicht zugrunde. Wir führen die Handlung so aus,

wie wir sie uns vorher schon vorgenommen hatten. Der Begriff der Absicht

ist von dem der Freiwilligkeit zu unterscheiden. Die Freiwilligkeit ist

eine Eigenschaft, die zur Handlung selbst gehört. Der Begriff der

Freiwilligkeit ist weiter als der der Absicht; er umfasst auch die

spontanen Handlungen, bei denen man nicht mehr von Absicht im engeren Sinne

sprechen kann.

 

 

Wissen und Willen

 

Eine Handlung ist dann freiwillig, wenn sie mit Wissen und Willen

durchgeführt wird.

 

Die Unwissenheit kann dabei allerdings nur dann die Freiwilligkeit einer

Handlung aufheben, wenn die handelnde Person sich nach besten Kräften

vorher informiert hat, und sie mit dem ihr fehlenden Wissen anders

gehandelt hätte. War dem Handelnden eine Kenntnis der Norm oder der Folgen

zuzumuten, ist er für ihre Übertretung verantwortlich (ignorantia crassa

oder supina). Noch weniger entschuldigt jene Unkenntnis, die absichtlich

zum Vermeiden eines Konflikts mit der Norm herbeigeführt wurde (ignorantia

affectata), wenn also z. B. bewusst vermieden wird, sich über ein Gesetz zu

informieren, um sagen zu können, man hätte von einem bestimmten Verbot

nicht gewusst. Das Sprichwort sagt zu Recht: „Unwissenheit schützt vor

Strafe nicht". Auch im deutschen Strafrecht wird diesem Sachverhalt

Rechnung getragen. So heißt es z. B. in § 17 StGB:⁸

 

  „Fehlt dem Täter bei Begehung der Tat die Einsicht, Unrecht zu tun, so 

  handelt er ohne Schuld, wenn er diesen Irrtum nicht vermeiden konnte. 

  Konnte der Täter den Irrtum vermeiden, so kann die Strafe nach § 49 Abs. 

  1 gemildert werden." 

 

Für die sittliche Bewertung einer Handlung ist außerdem das effektive

Wollen wesentlich, die Absicht ihrer Verwirklichung. Das setzt voraus, dass

zumindest der Handelnde der Auffassung war, dass ihm eine Verwirklichung

seiner Absicht möglich sei, d. h. dass das Ergebnis von seinem Handeln

kausal herbeigeführt werden könne. Unterliegt der Handelnde einem äußeren

Zwang, hebt dieser die Freiwilligkeit der Handlung im Allgemeinen auf.

 

Handlungsprinzipien

 

Absichten finden ihren Ausdruck in praktischen Grundsätzen. Diese können

zunächst einmal in inhaltliche und formale Grundsätze unterschieden werden.

Inhaltliche Grundsätze legen konkrete inhaltliche Güter (Leben, Gesundheit,

Besitz, Vergnügen, Umwelt etc.) als Bewertungskriterium für das Handeln

zugrunde. Sie sind teilweise subjektiv und haben unter Umständen einen

dezisionistischen Charakter. In diesen Fällen können sie ihre eigene

Vorrangstellung nicht gegenüber anderen, konkurrierenden inhaltlichen

Grundsätzen begründen.

 

Formale Grundsätze verzichten auf einen Bezug zu konkreten inhaltlichen

Gütern. Das bekannteste Beispiel ist der Kategorische Imperativ Kants.

 

Es lassen sich grundsätzlich drei Ebenen der praktischen Sätze voneinander

unterscheiden:⁹

 

- ein oberstes Prinzip praktischer Überlegungen (wie z. B. der Kategorische

  Imperativ) 

- praktische Grundsätze, die sich aus dem obersten Prinzip ableiten (wie z.

  B. die zehn Gebote) 

- Sätze, die Entscheidungen formulieren, indem sie Maximen auf konkrete

  Lebenssituationen anwenden 

 

Die Ethik ist häufig nur in der Lage, Aussagen zu den ersten beiden Ebenen

zu machen. Die Übertragung von praktischen Grundsätzen auf eine konkrete

Situation, erfordert das Vermögen der praktischen Urteilskraft. Nur mit

seiner Hilfe können eventuell auftretende Zielkonflikte gelöst und die

voraussichtlichen Folgen von Entscheidungen abgeschätzt werden.

 

Handlungsfolgen

 

Wesentlich für die ethische Bewertung von Handlungen sind die mit ihnen

verbundenen Folgen. Diese werden unterschieden in motivierende und in Kauf

genommene Folgen. Motivierende Folgen sind solche, um derentwillen eine

Handlung ausgeführt wird. Sie werden vom Handelnden unmittelbar angezielt

(„Voluntarium in se").

 

In Kauf genommene Folgen („Voluntarium in causa") werden zwar nicht

unmittelbar angezielt, aber als Nebenwirkung der motivierenden Folgen

vorausgesehen und bewusst zugelassen (Prinzip der Doppelwirkung). So

unterliegt beispielsweise bewusste Fahrlässigkeit als bedingter Vorsatz

(dolus eventualis) der ethischen und rechtlichen Verantwortung:

Volltrunkenheit entschuldigt nicht bei einem Verkehrsunfall.

 

Tun und Unterlassen

 

Bereits Thomas von Aquin¹⁰ unterscheidet eine zweifache Kausalität des

Willens: die „direkte" Einwirkung des Willens, in der durch den Willensakt

ein bestimmtes Ereignis hervorgerufen wird und die „indirekte", in der ein

Ereignis dadurch eintritt, dass der Wille untätig bleibt. Tun und

Unterlassen unterscheiden sich hierbei nicht hinsichtlich ihrer

Freiwilligkeit. Beim Unterlassen verzichtet jemand auf das Eingreifen in

einen Prozess, obwohl er die Möglichkeit dazu hätte. Auch das Unterlassen

kann daher als Handlung aufgefasst werden und strafbar sein.

 

Die strikte Unterscheidung zwischen diesen beiden Handlungsformen, die z.

B. in der medizinischen Ethik eine große Rolle spielt (vgl. aktive und

passive Sterbehilfe etc.), erscheint daher vom ethischen Standpunkt aus

gesehen als teilweise fragwürdig.

 

Das Ziel menschlichen Handelns

 

 Teleologie

 

Im Mittelpunkt teleologischer Ethiken steht die Frage, was ich mit meiner

Handlung letztlich bezwecke, welches Ziel ich mit ihr verfolge. Der Begriff

„Ziel" (finis, telos;) ist hier insbesondere als „letztes Ziel" oder 

„Endziel" zu verstehen, von dem all mein Handeln bestimmt wird. 

 

Glück als letztes Ziel

 

In der Tradition wird als letztes Ziel des Menschen häufig das Glück oder

die Glückseligkeit (beatitudo) genannt. Der Ausdruck „Glück" wird dabei in

einem mehrdeutigen Sinne gebraucht:

 

- zur Bezeichnung eines gelungenen und guten Lebens, dem nichts

  Wesentliches fehlt („Lebensglück", eudaimonia) 

- zur Bezeichnung günstiger Lebensumstände („Zufallsglück", eutychia)

- zur Bezeichnung des subjektiven Wohlbefindens (Glück als Lust, hedone)

 

Philosophiegeschichtlich konkurrieren die Bestimmungen von Glück als

„Lebensglück" und als subjektives Wohlbefinden miteinander. Für die 

Eudämonisten (Platon, Aristoteles) ist Glück die Folge der Verwirklichung

einer Norm, die als Telos im Wesen des Menschen angelegt ist. Glücklich ist

dieser Konzeption zufolge vor allem, wer auf vernünftige Weise tätig ist.

 

Für die Hedonisten (Sophisten, klassische Utilitaristen) gibt es kein zu

verwirklichendes Telos des Menschen mehr; es steht keine objektive Norm zur

Verfügung, um zu entscheiden, ob jemand glücklich ist. Dies führt zu einer

Subjektivierung des Glücksbegriffs. Es obliege allein dem jeweiligen

Individuum, zu bewerten, ob es glücklich ist. Glück wird hier mit dem

Erreichen von Gütern wie Macht, Reichtum, Ruhm etc. gleichgesetzt.

 

Sinn und Ziel

 

Das Wort „Sinn" bezeichnet grundsätzlich die Qualität von etwas, das dieses

verstehbar macht. Wir verstehen etwas dadurch, indem wir erkennen, worauf

es „hingeordnet" ist, wozu es dient. Die Frage nach dem Sinn steht also in

einem engen Zusammenhang mit der Frage nach dem Ziel oder Zweck von etwas.

Auch der Sinn einer Handlung oder gar des ganzen Lebens kann nur

beantwortet werden, wenn die Frage nach seinem Ziel geklärt ist. Eine

menschliche Handlung bzw. ein gesamtes Leben ist dann sinnvoll, wenn es auf

dieses Ziel hin ausgerichtet ist.

 

Das Gute

 

Der Begriff „gut"

 

„Gut" gehört wie der Begriff „seiend" zu den ersten und daher nicht mehr 

definierbaren Begriffen. Es wird zwischen einem adjektivischen und einem

substantivischen Gebrauch unterschieden.

 

Als Adjektiv bezeichnet das Wort „gut" generell die Hinordnung eines

„Gegenstandes" auf eine bestimmte Funktion oder einen bestimmten Zweck. So 

spricht man z. B. von einem „guten Messer", wenn es seine im Prädikator

„Messer" ausgedrückte Funktion erfüllen – also z. B. gut schneiden kann. 

Analog spricht man von einem „guten Arzt", wenn er in der Lage ist, seine

Patienten zu heilen und Krankheiten zu bekämpfen. Ein „guter Mensch" ist

demnach jemand, der in seinem Leben auf das hin ausgerichtet ist, was das

Menschsein ausmacht, also dem menschlichen Wesen bzw. seiner Natur

entspricht.

 

Als Substantiv bezeichnet das Wort „das Gut" etwas, auf das hin wir unser

Handeln ausrichten. Wir gebrauchen es normalerweise in dieser Weise, um

„eine unter bestimmten Bedingungen vollzogene Wahl als richtig oder 

gerechtfertigt zu beurteilen".¹¹ So kann beispielsweise eine Aussage wie

„Die Gesundheit ist ein Gut" als Rechtfertigung für die Wahl einer 

bestimmten Lebens- und Ernährungsweise dienen. In der philosophischen

Tradition war man der Auffassung, dass prinzipiell jedes Seiende – unter

einer gewissen Rücksicht – Ziel des Strebens sein könne („omne ens est

bonum"). Daher wurde die „Gutheit" des Seienden zu den Transzendentalien

gerechnet.

 

Gemäß der Analyse von Richard Mervyn Hare werden wertende Wörter wie „gut"

oder „schlecht" dazu verwendet, in Entscheidungssituationen Handeln

anzuleiten bzw. Empfehlungen zu geben. Die Wörter „gut" oder „schlecht"

haben demnach keine beschreibende (deskriptive) sondern eine vorschreibende

(präskriptive) Funktion.

 

Dies kann an einer außermoralischen Verwendung des Wortes „gut"

verdeutlicht werden. Wenn ein Verkäufer zum Kunden sagt: „Dies ist ein

guter Wein", dann empfiehlt er den Kauf dieses Weines, er beschreibt damit

jedoch keine wahrnehmbare Eigenschaft des Weines. Insofern es jedoch sozial

verbreitete Bewertungsstandards für Weine gibt (er darf nicht nach Essig

schmecken, man darf davon keine Kopfschmerzen bekommen etc.), so bedeutet

die Bewertung des Weines als „gut", dass der Wein diese Standards erfüllt

und dass er somit auch bestimmte empirische Eigenschaften besitzt.

 

Die Bewertungskriterien, die an eine Sache angelegt werden, können je nach

dem Verwendungszweck variieren. Ein herber Wein mag als Tafelwein gut, für

sich selbst getrunken dagegen eher schlecht sein. Der Verwendungszweck

einer Sache ist keine feststehende Eigenschaft der Sache selbst sondern

beruht auf menschlicher Setzung. Eine Sache ist „gut" – immer bezogen auf

bestimmte Kriterien. Wenn der Verkäufer sagt: „Dies ist ein sehr guter

Tafelwein" dann ist er so, wie er gemäß den üblichen Kriterien für

Tafelwein sein soll.

 

Wenn das Wort „gut" in moralischen Zusammenhängen gebraucht wird („Dies war

eine gute Tat"), so empfiehlt man die Tat und drückt aus, dass sie so war,

wie sie sein soll. Man beschreibt damit jedoch nicht die Tat. Wird auf

allgemein anerkannte moralische Kriterien Bezug genommen, drückt man damit

zugleich aus, dass die Tat bestimmte empirische Eigenschaften besitzt, z.

B. eine Zurückstellung des Eigeninteresses zugunsten überwiegender

Interessen von Mitmenschen.

 

Das höchste Gut

 

 

Als das höchste Gut (summum bonum) wird das bezeichnet, was nicht nur unter

einer bestimmten Rücksicht (für den Menschen) gut ist, sondern schlechthin,

da es dem Menschen als Menschen ohne Einschränkung entspricht. Es ist

identisch mit dem „unbedingt Gesollten". Seine inhaltliche Bestimmung hängt

ab von der jeweiligen Sicht der Natur des Menschen. In der Tradition wurden

dabei die unterschiedlichsten Lösungsvorschläge präsentiert:

 

- das Glück (Eudämonismus)

- die Lust (Hedonismus, klassischer Utilitarismus)

- Macht (Machiavelli)

- Einheit mit Gott bzw. Gott selbst (christliche Philosophie)

- Erwachen (bodhi) zu Weisheit und Mitgefühl (Buddhismus)

- Bedürfnisbefriedigung (Hobbes)

- Einheit von Tugend und Glück (Kant)

- Freiheit (Sartre)

 

Werte

 

Der Begriff „Wert" stammte ursprünglich aus der Nationalökonomie, wo man

unter anderem zwischen Gebrauchs- und Tauschwert unterschied. Er wurde erst

in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein philosophischer Terminus, wo

er im Rahmen der Wertphilosophie (Max Scheler u. a.) eine zentrale

Bedeutung einnahm. Dort führte man ihn als Gegenbegriff zur Kantischen

Pflichtethik ein, in der Annahme, dass Werten vor allen

Vernunftüberlegungen eine „objektive Gültigkeit" zukommen würde.

 

In der Alltagssprache taucht der Begriff auch in jüngster Zeit wieder

verstärkt auf, gerade wenn von „Grundwerten", einem „Wertewandel" oder

einer „neuen Wertedebatte" die Rede ist.

 

Der Wertbegriff weist große Ähnlichkeiten mit dem Begriff des Guten auf. Er

wird wie dieser grundsätzlich in einer subjektiven und einer objektiven

Variante gebraucht:

 

- als „objektiver Wert" bezeichnet er den „Wert" von bestimmten Gütern für

  den Menschen – wie z. B. den Wert des menschlichen Lebens, der Gesundheit 

  etc. Dies entspricht der Bedeutung von „bonum physicum" („physisches 

  Gut"). 

- als „subjektive Werthaltung" bezeichnet er das, was mir wertvoll ist,

  meine „Wertvorstellungen" – wie Treue, Gerechtigkeit etc. Dies entspricht 

  der Bedeutung von „bonum morale" („sittliches Gut"). 

 

Im Vergleich zum Begriff des Guten kommt dem Wertbegriff allerdings eine

stärkere gesellschaftliche Bedingtheit zu. So spricht man von einem

„Wertewandel", wenn man ausdrücken will, dass sich bestimmte, in einer 

Gesellschaft allgemein akzeptierte Handlungsnormen im Verlauf der

Geschichte verändert haben. Damit meint man aber in der Regel nicht, dass

das, was früher für gut gehalten wurde, nun „tatsächlich" nicht mehr gut

sei, sondern nur, dass sich das allgemeine Urteil darüber geändert habe.

 

Tugend

 

Die richtige Abwägung ethischer Güter und ihre Durchsetzung setzt Tugend

voraus. In ihrer klassischen Definition formuliert sie Aristoteles als

„jene feste Grundhaltung, von der aus [der Handelnde] tüchtig wird und die 

ihm eigentümliche Leistung in vollkommener Weise zustande bringt" (NE

1106a).¹²

 

Die Leistung der ethischen Tugenden besteht vor allem darin, im Menschen

eine Einheit von sinnlichem Strebevermögen und sittlicher Erkenntnis zu

bewirken. Wir bezeichnen einen Menschen erst dann als „gut", wenn er zur

inneren Einheit mit sich selbst gekommen ist und das als richtig Erkannte

auch affektiv voll bejaht. Dies ist nach Aristoteles nur durch eine

Integration der Gefühle durch die ethischen Tugenden möglich. Die

ungeordneten Gefühle verfälschen das sittliche Urteil. Das Ziel der Einheit

von Vernunft und Gefühl führt über eine bloße Ethik der richtigen

Entscheidung hinaus. Es kommt nicht nur darauf an, was wir tun, sondern

auch wer wir sind.

 

Tugend setzt neben Erkenntnis eine Gewöhnung voraus, die durch Erziehung

und soziale Praxis erreicht wird. Wir werden gerecht, mutig etc., indem wir

uns in Situationen begeben, wo wir uns entsprechend verhalten können. Die

wichtigste Rolle kommt dabei der Tugend der Klugheit (phronesis) zu. Ihr

obliegt es, die rechte „Mitte" zwischen den Extremen zu finden und sich für

die optimale Lösung in der konkreten Situation zu entscheiden.

 

Sollen

 

Der Begriff „sollen" ist ein Grundbegriff deontologischer Ethikansätze. Er

bezieht sich – als Imperativ – auf eine Handlung, mit der ein bestimmtes

Ziel erreicht werden soll. Dabei müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

 

- das vorgegebene Ziel kann verfehlt werden

- das vorgegebene Ziel steht nicht in Konkurrenz zu anderen, übergeordneten

  Zielen 

- das vorgegebene Ziel kann prinzipiell erreicht werden („Jedes Sollen

  impliziert ein Können") 

 

Sprachanalytisch lässt sich das Sollen mit Hilfe der sogenannten

deontischen Prädikatoren erklären. Diese beziehen sich auf die sittliche

Verbindlichkeit von Handlungen. Folgende Varianten sind dabei zu

unterscheiden:

 

- moralisch möglich,

- moralisch notwendig,

- moralisch unmöglich.

 

Moralisch mögliche Handlungen sind sittlich erlaubt, d. h. man darf so

handeln. Moralisch notwendige Handlungen sind sittlich geboten. Hier

spricht man davon, dass wir etwas tun sollen bzw. die Pflicht haben, etwas

zu tun. Moralisch unmögliche Handlungen sind sittlich verbotene Handlungen,

die wir nicht ausführen dürfen; siehe auch Sünde.

 

Das Verhältnis zum Guten

 

Die Begriffe „gut" und „gesollt" sind zwar eng miteinander verwandt aber

nicht deckungsgleich. So können wir in Situationen stehen, in denen wir nur

zwischen schlechten Alternativen wählen können. Hier ist es gesollt, dass

wir uns für das „geringere Übel" entscheiden. Umgekehrt ist nicht alles

Gute auch gesollt. Das kann z. B. der Fall sein, wenn das Erreichen eines

Gutes ein anderes Gut ausschließt. Hier muss eine Güterabwägung erfolgen,

die zum Verzicht eines Gutes führt.

 

Gerechtigkeit

 

Der Begriff der Gerechtigkeit ist seit der intensiven Diskussion um die

„Theorie der Gerechtigkeit" von John Rawls und vor allem seit der aktuellen 

politischen Debatte um die Aufgaben des Sozialstaates (Betonung der

Chancen- und Leistungsgerechtigkeit gegenüber der Verteilungsgerechtigkeit)

wieder stark ins Blickfeld geraten.

 

„Gerecht" wird – wie der Begriff „gut" – in vielerlei Bedeutungen 

gebraucht. Es werden Handlungen, Haltungen, Personen, Verhältnisse,

politische Institutionen und zuweilen auch Affekte (der „gerechte Zorn")

als gerecht bezeichnet. Grundsätzlich kann zwischen einem „subjektiven" und

einem „objektiven" Gebrauch unterschieden werden, wobei beide Varianten

aufeinander bezogen sind.

 

Die subjektive oder besser personale Gerechtigkeit bezieht sich auf das

Verhalten oder die ethische Grundhaltung einer Einzelperson. Eine Person

kann gerecht handeln ohne gerecht zu sein und umgekehrt. Damit im

Zusammenhang steht die kantische Unterscheidung zwischen Legalität und

Moralität. Legale Handlungen befinden sind nach außen hin betrachtet in

Übereinstimmung mit dem Sittengesetz, geschehen aber nicht ausschließlich

aufgrund moralischer Beweggründe, sondern z. B. auch aus Angst,

Opportunismus etc. Bei moralischen Handlungen dagegen stimmen Handlung und

Motiv miteinander überein. In diesem Sinne wird Gerechtigkeit als eine der

vier Kardinaltugenden bezeichnet.

 

Die objektive oder institutionelle Gerechtigkeit bezieht sich auf die

Bereiche Recht und Staat. Hier geht es immer um Pflichten innerhalb einer

Gemeinschaft, die das Gleichheitsprinzip berühren. Es ist grundsätzlich zu

unterscheiden zwischen der ausgleichenden Gerechtigkeit (iustitita

commutativa) und Verteilungsgerechtigkeit (iustitita distributiva). Bei der

ausgleichenden Gerechtigkeit tritt der Wert einer Ware oder Leistung in den

Vordergrund. Bei der Verteilungsgerechtigkeit geht es um den Wert der

beteiligten Personen.

 

Die Gerechtigkeit der Einzelpersonen und der Institutionen sind in einem

engen Zusammenhang zueinander zu sehen. Ohne gerechte Bürger werden keine

gerechten Institutionen geschaffen oder aufrechterhalten werden können.

Ungerechte Institutionen erschweren andererseits die Entfaltung der

Individualtugend der Gerechtigkeit.

 

Das Anliegen der Ethik beschränkt sich nicht auf das Thema „Gerechtigkeit".

Zu den Tugenden gehören noch diejenigen, die man vor allem sich selbst

gegenüber hat (Klugheit, Mäßigung, Tapferkeit). Zu den ethischen Pflichten

gegenüber anderen zählt noch die Pflicht des Wohltuns (beneficientia), die

über die Gerechtigkeit hinausgeht und ihre Wurzel letztlich in der Liebe

hat. Während der Gerechtigkeit das Gleichheitsprinzip zugrunde liegt, ist

dies beim Wohltun die Notlage oder Bedürftigkeit des anderen. Diese

Unterscheidung entspricht der zwischen „iustitia" und „caritas" (Thomas von

Aquin), Rechts- und Tugendpflichten (Kant) bzw. in der Gegenwart der

zwischen „duties of justice" und „duties of charity" (Philippa Foot).

 

Ethische Theorien

 

Klassen ethischer oder moralphilosophischer Theorien lassen sich danach

unterscheiden, welche Kriterien sie für die Bestimmung des moralisch Guten

zugrunde legen. Das moralisch Gute kann bestimmt werden durch:

 

- die Folgen (Teleologische Ethiken, Konsequentialismus);

- die Verhaltensdispositionen, Charaktereigenschaften und „Tugenden"

  (Tugendethiken); 

- die Absichten des Handelnden (Gesinnungsethiken);

- objektive moralische Tatsachen, etwa objektive moralische Güter oder

  Handlungsbewertungen betreffend (Deontologische Ethiken); 

- die Optimierung

  + die Interessen der Betroffenen (Präferenz-Utilitaristische Ethiken), 

  + das Glück (Eudämonie) 

  + oder die Wohlfahrt. 

 

Dabei werden unterschiedlichste Kombinationen und feinere moraltheoretische

Bestimmungen vertreten.

 

Teleologische oder deontologische Ethik

 

Die verschiedenen Ethikansätze werden traditionell prinzipiell danach

unterschieden, ob sie ihren Schwerpunkt auf die Handlung selbst

(deontologische Ethikansätze) oder auf die Handlungsfolgen (teleologische

Ethikansätze) legen. Die Unterscheidung geht zurück auf C. D. Broad¹³ und

wurde bekannt durch William K. Frankena. In dieselbe Richtung geht auch die

Aufteilung Max Webers in Gesinnungs- und Verantwortungsethiken, wobei diese

von ihm als Polemik gegenüber Gesinnungsethiken verstanden wurde.

 

Teleologische Ethiken

 

Das griechische Wort „telos" bedeutet so viel wie Vollendung, Erfüllung,

Zweck oder Ziel. Unter teleologischen Ethiken versteht man daher solche

Theorieansätze, die ihr Hauptaugenmerk auf bestimmte Zwecke oder Ziele

richten. In ihnen wird die Forderung erhoben, Handlungen sollten ein Ziel

anstreben, das in einem umfassenderen Verständnis gut ist. Der Inhalt

dieses Zieles wird von den verschiedenen Richtungen auf recht

unterschiedliche Art und Weise bestimmt.

 

Teleologische Ethiken geben valuativen Sätzen einen Vorrang gegenüber

normativen Sätzen. Für sie stehen Güter und Werte im Vordergrund. Die

menschlichen Handlungen sind insbesondere insofern von Interesse, als sie

hinderlich oder förderlich zum Erreichen dieser Güter und Werte sein

können. „Eine Handlung ist dann auszuführen und nur dann, wenn sie oder die

Regel, unter die sie fällt, ein größeres Überwiegen des Guten über das

Schlechte herbeiführt, vermutlich herbeiführen wird oder herbeiführen

sollte als jede erreichbare Alternative" (Frankena).¹⁴

 

Innerhalb teleologischer Ethikansätze wird wiederum zwischen

„onto-teleologischen" und „konsequentialistisch-teleologischen" Ansätzen 

unterschieden.

 

In onto-teleologischen Ansätzen – klassisch vertreten durch Aristoteles –

wird davon ausgegangen, dass das zu erstrebende Gut in gewisser Weise dem

Menschen selbst als Teil seiner Natur innewohne. Es wird gefordert, dass

der Mensch so handeln und leben solle, wie es seiner Wesensnatur

entspricht, um so seine artspezifischen Anlagen auf bestmögliche Weise zu

vervollkommnen.

 

In konsequentialistisch-teleologischen Ansätzen hingegen wird nicht mehr

von einer letzten vorgegebenen Zweckhaftigkeit des menschlichen Daseins

ausgegangen. Das zu erstrebende Ziel wird daher durch einen außerhalb des

handelnden Subjekts liegenden Nutzen bestimmt. Dieser Ansatz wird bereits

in der Antike (Epikur) und später in seiner typischen Form durch den

Utilitarismus vertreten.

 

Deontologische Ethiken

 

Das griechische Wort „to deon" bedeutet „das Schickliche, die Pflicht".

Deontologische Ethiken kann man daher mit Sollensethiken gleichsetzen. Sie

sind dadurch gekennzeichnet, dass bei ihnen den Handlungsfolgen nicht

dieselbe Bedeutung zukommt wie in teleologischen Ethiken. Innerhalb der

deontologischen Ethiken wird häufig zwischen aktdeontologischen (z. B.

Jean-Paul Sartre) und regeldeontologischen Konzeptionen (z. B. Immanuel

Kant) unterschieden. Während die Regeldeontologie allgemeine Handlungstypen

als verboten, erlaubt oder geboten ausweist (vgl. z. B. das Lügenverbot

oder die Pflicht, Versprechen zu halten), bezieht sich den

aktdeontologischen Theorien zufolge das deontologische Moralurteil

unmittelbar auf spezifische Handlungsweisen in jeweils bestimmten

Handlungssituationen.

 

In deontologischen Ethiken haben normative Sätze eine Vorrangstellung

gegenüber valuativen Sätzen. Für sie bilden Gebote, Verbote und Erlaubnisse

die Grundbegriffe. Es rücken die menschlichen Handlungen in den

Vordergrund, da nur sie gegen eine Norm verstoßen können. Robert Spaemann

charakterisiert sie als „moralische Konzepte, […] für welche bestimmte

Handlungstypen ohne Beachtung der weiteren Umstände immer verwerflich sind,

also z. B. die absichtliche direkte Tötung eines unschuldigen Menschen, die

Folter oder der außereheliche Beischlaf eines verheirateten Menschen".¹⁵

 

Kritik an der Unterscheidung

 

Die Unterscheidung zwischen teleologischen und deontologischen Ethiken wird

von einigen Kritikern¹⁶ als fragwürdig bezeichnet. In der Praxis sind auch

selten Ansätze zu finden, die eindeutig einer der beiden Richtungen

zugeordnet werden könnten.

 

Einer strikten deontologischen Ethik müsste es gelingen, Handlungen

aufzuzeigen, die „in sich", völlig losgelöst von ihren Folgen, als

unsittlich und „in sich schlecht" zu bezeichnen wären. Diese wären dann

„unter allen Umständen" zu tun oder zu unterlassen gemäß dem Spruch „Fiat 

iustitia et pereat mundus" („Gerechtigkeit geschehe, und sollte die Welt

darüber zugrunde gehen", Ferdinand I. von Habsburg). Bekannte Beispiele

solcher Handlungen sind die „Tötung Unschuldiger" oder die nach Kant

unzulässige Lüge. In den Augen der Kritiker liegt in diesen Fällen häufig

eine „petitio principii" vor. Wenn z. B. die Tötung Unschuldiger als Mord

und dieser wiederum als unsittliche Handlung definiert wird, könne sie

natürlich in jedem Fall als „in sich schlecht" bezeichnet werden. Das

gleiche gelte für die Lüge, wenn sie als unerlaubtes Verfälschen der

Wahrheit bezeichnet wird.

 

Gerade in der Analyse ethischer Dilemmasituationen, in denen nur die Wahl

zwischen mehreren Übeln möglich ist, zeige sich, dass es kaum möglich sein

dürfte, bestimmte Handlungen unter allen Umständen als „sittlich schlecht"

zu bezeichnen. Nach einer strikten deontologischen Ethik wäre die „Wahl des

kleineren Übels" nicht möglich.

 

An strikt teleologisch argumentierenden Ethikansätzen wird kritisiert, dass

sie das ethisch Gesollte von außerethischen Zwecken abhängig machen. Damit

bleibe die Frage unbeantwortet, weshalb wir diese Zwecke verfolgen sollen.

Eine Güterabwägung werde damit unmöglich gemacht, da die Frage, was ein

oder das bessere „Gut" ist, nur geklärt werden könne, wenn vorher

allgemeine Handlungsprinzipien definiert wurden. In vielen teleologischen

Ansätzen würden diese Handlungsprinzipien auch einfach stillschweigend

vorausgesetzt, wie z. B. im klassischen Utilitarismus, für den

Lustgewinnung und Unlustvermeidung die Leitprinzipien jeglicher

Folgenabschätzung darstellen.

 

Wollen und Sollen in Ansätzen der Ethik

 

Ethische Positionen lassen sich auch danach unterscheiden, wie sich das

Gesollte aus einem bestimmten Wollen ergibt.

 

Die aufgelisteten Positionen liegen auf unterschiedlichen logischen Ebenen

und schließen sich deshalb auch nicht logisch aus. So ist z. B. die

Verbindung einer religiösen Position mit einer intuitionistischen Position

möglich. Denkbar ist auch eine Verbindung der konsenstheoretischen Position

mit einer utilitaristischen Position, wenn man annimmt, dass sich ein

Konsens über die richtige Norm nur dann herstellen lässt, wenn dabei der

Nutzen (das Wohl) jedes Individuums in gleicher Weise berücksichtigt wird.

 

Außerdem ist zu beachten: Einige dieser Ansätze haben ausdrücklich nicht

den Anspruch, umfassende ethische Konzepte zu sein, sondern z. B. nur

Konzepte für die Beurteilung, ob eine Gesellschaft in

politisch-ökonomischer Hinsicht gerecht eingerichtet ist; z. B. bei John

Rawls, im Unterschied zu umfassenderen Ansätze, die auch Fragen privater,

individueller Ethik betreffen – etwa, ob es eine moralische Pflicht gibt,

zu lügen, wenn genau dies notwendig ist, um ein Menschenleben zu retten

(und wenn ohne diese Lüge niemand sonst stattdessen gerettet würde). Auch

z. B. Habermas beantwortet diese Frage nicht „inhaltlich", aber sein

Konzept beinhaltet den Bereich auch solcher Fragen, indem es „formal"

postuliert, richtig sei, was in dieser Frage alle, die an einem zwanglosen

und zugleich vernünftigen Diskurs dazu teilnehmen würden, als verbindlich

für alle dazu herausfinden und akzeptieren würden.

 

Inhaltliche Richtigkeit und formale Verbindlichkeit von Normen

 

Wenn man fragt, warum Individuum A eine bestimmte Handlungsnorm N befolgen

soll, so gibt es zwei Arten von Antworten.

 

Die eine Art von Antworten bezieht sich auf eine Institution oder ein

Verfahren, wodurch die Norm gesetzt wurde. Beispiele hierfür sind:

 

A soll N befolgen, weil …

 

- … A dies versprochen hat,

- … der Verstorbene dies in seinem Testament so festgelegt hat,

- … das geltende Recht dies vorschreibt,

- … der Eigentümer es so will,

- … es mehrheitlich so beschlossen wurde etc.

 

Die andere Art von Antworten bezieht sich auf die inhaltliche

Beschaffenheit der Norm. Beispiele für diese Art von Antworten sind:

 

A soll N befolgen, weil …

 

- … N gerecht ist,

- … N für alle das Beste ist,

- … die Befolgung von N zum größten Wohl aller führt,

- … N der Menschenwürde entspricht, etc.

 

Offensichtlich liegen diese Begründungen auf zwei verschiedenen Ebenen,

denn man kann ohne logischen Widerspruch sagen: „Ich halte den Beschluss

der Parlamentsmehrheit zwar für inhaltlich falsch, aber dennoch ist er für

mich verbindlich. Als Demokrat respektiere ich die Beschlüsse der

Mehrheit."

 

Man kann die ethischen Theorien nun danach unterscheiden, wie sie mit dem

Spannungsverhältnis zwischen der Ebene der verfahrensmäßigen Setzung von

verbindlichen Normen und der Ebene der argumentativen Bestimmung von

richtigen Normen umgehen.

 

Auf der einen Seite stehen ganz außen die Dezisionisten. Für sie ist nur

die verbindliche Setzung von Normen bedeutsam. Sie bestreiten, dass man in

Bezug auf Normen überhaupt von inhaltlicher Richtigkeit und von einer

Erkenntnis der richtigen Norm sprechen kann.

 

Das Hauptproblem der Dezisionisten ist, dass es für sie keine Berechtigung

für einen Widerstand gegen die gesetzten Normen geben kann, denn

„verbindlich ist verbindlich". Außerdem können Dezisionisten nicht 

begründen, warum man das eine Normsetzungsverfahren irgendeinem anderen

Verfahren vorziehen soll.

 

Auf der anderen Seite stehen ganz außen die ethischen Kognitivisten. Für

sie ist das Problem ethischen Handelns allein ein Erkenntnisproblem, das

man durch die Gewinnung relevanter Informationen und deren Auswertung nach

geeigneten Kriterien lösen kann. Eine Legitimation von Normen durch

Verfahren ist für sie nicht möglich.

 

Das Hauptproblem der Kognitivisten ist, dass es auch beim

wissenschaftlichen Meinungsstreit oft nicht zu definitiven Erkenntnissen

kommt, die als Grundlage der sozialen Koordination dienen könnten. Es

werden deshalb zusätzlich verbindliche und sanktionierte Normen benötigt,

die für jedes Individuum das Handeln der anderen berechenbar macht.

 

Erkenntnistheoretische und metaphysische Probleme der Ethik

 

Sein und Sollen

 

Teleologische Ethiken sind in der Regel Güter-Ethiken; sie bezeichnen

bestimmte Güter (z. B. „Glück" oder „Lust") als für den Menschen gut und

damit erstrebenswert.

 

Schon David Hume hat den Einwand erhoben, dass der Übergang von Seins- zu

Sollensaussagen nicht legitim sei („Humes Gesetz"). Unter dem Stichwort

„Naturalistischer Fehlschluss" hat George Edward Moore damit eng verwandte 

Fragen aufgeworfen, die aber genau genommen nicht dieselben sind.

 

Hume kritisiert an den ihm bekannten Moralsystemen,

 

  „… daß mir anstatt der üblichen Verbindungen von Worten mit „ist" und 

  „ist nicht" kein Satz mehr begegnet, in dem nicht ein „sollte" oder 

  „sollte nicht" sich fände. […] Dies sollte und sollte nicht drückt eine 

  neue Beziehung oder Behauptung aus, muß also notwendigerweise betrachtet 

  und erklärt werden. Gleichzeitig muß ein Grund angegeben werden für 

  etwas, das sonst ganz unbegreiflich scheint, nämlich dafür, wie diese 

  neue Beziehung zurückgeführt werden kann auf andere, die von ihr ganz 

  verschieden sind." 

 

– Hume: Traktat über die menschliche Natur. III, 1, 1. 

 

Für Hume sind logische Schlussfolgerungen von dem, was ist, auf das, was

sein soll, unzulässig, denn durch logische Umformungen könne aus Ist-Sätzen

kein völlig neues Bedeutungselement wie das Sollen hergeleitet werden.

 

Wie später die Positivisten betont haben, muss erkenntnistheoretisch

zwischen Ist-Sätzen und Soll-Sätzen wegen ihres unterschiedlichen

Verhältnisses zur Sinneswahrnehmung differenziert werden. Während der Satz

„Peter ist um 14 Uhr am Bahnhof gewesen" durch intersubjektiv 

übereinstimmende Beobachtungen überprüfbar, also verifizierbar oder

falsifizierbar ist, lässt sich der Satz „Peter soll um 14 Uhr am Bahnhof

sein" mit den Mitteln von Beobachtung und Logik allein nicht begründen oder

widerlegen.

 

Die erkenntnistheoretische Unterscheidung zwischen Sein und Sollen liegt

den modernen Erfahrungswissenschaften zugrunde. Wer diese Unterscheidung

nicht akzeptiert, der muss entweder ein Sein postulieren, das nicht direkt

oder indirekt wahrnehmbar ist, oder er muss das Gesollte für sinnlich

wahrnehmbar halten. Beiden Positionen mangelt es bisher an einer

intersubjektiven Nachprüfbarkeit.

 

Die vermeintliche Herleitung ethischer Normen aus Aussagen über das Seiende

wird oft nur durch die unbemerkte Ausnutzung der normativ-empirischen

Doppeldeutigkeit von Begriffen wie „Wesen", „Natur", „Bestimmung",

„Funktion", „Zweck", „Sinn" oder „Ziel" erreicht. 

 

So bezeichnet das Wort „Ziel" einmal das, was ein Mensch tatsächlich

anstrebt („Sein Ziel ist das Diplom"). Das Wort kann jedoch auch das

bezeichnen, was ein Mensch anstreben sollte („Wer nur am Materiellen

ausgerichtet ist, der verfehlt das wahre Ziel des menschlichen Daseins").

 

Die unbemerkte empirisch-normative Doppeldeutigkeit bestimmter Begriffe

führt dann zu logischen Fehlschlüssen wie: „Das Wesen der Sexualität ist

die Fortpflanzung. Also ist Empfängnisverhütung nicht erlaubt, denn sie

entspricht nicht dem Wesen der Sexualität."

 

Aus der logischen Unterscheidung von Sein und Sollen folgt jedoch

keineswegs, dass damit eine auf Vernunft gegründete Ethik unmöglich ist,

wie dies sowohl von Vertretern des logischen Empirismus als auch des

Idealismus geäußert wird. Zwar lässt sich allein auf Empirie und Logik

keine Ethik gründen, aber daraus folgt noch nicht, dass es nicht andere

allgemein nachvollziehbare Kriterien für die Gültigkeit ethischer Normen

gibt. Ein aussichtsreiches Beispiel für eine nachpositivistische Ethik ist

die am Kriterium des zwangfreien Konsenses orientierte Diskursethik.

 

Mit der Feststellung, dass das Gesollte nicht aus dem Seienden logisch

ableitbar ist, wird eine Begründung von Normen noch nicht aussichtslos.

Denn neben den Seinsaussagen und den normativen Sätzen gibt es

Willensäußerungen. Die Willensäußerung einer Person: „Ich will in der

nächsten Stunde von niemandem gestört werden" beinhaltet die Norm: „Niemand

soll mich in der nächsten Stunde stören". Die Aufgabe der Ethik ist es,

allgemeingültige Willensinhalte bzw. Normen zu bestimmen und

nachvollziehbar zu begründen.

 

Die logische Unterscheidung zwischen Ist-Sätzen und Soll-Sätzen wird vor

allem von Vertretern idealistischer Positionen als eine unzulässige

Trennung von Sein und Sollen angesehen und es wird eingewandt, dass ihr ein

verkürzter Seinsbegriff zugrunde liege. So argumentiert Vittorio Hösle, das

Sollen könne nur vom realen, empirischen Sein strikt abgegrenzt werden,

„... ein ideales Sein, das nicht vom Menschen gesetzt ist, wird dem Sollen 

damit ebenso wenig abgesprochen wie eine mögliche Prinzipiierungsfunktion

gegenüber dem empirischen Sein".¹⁸ Es könne gerade als Aufgabe des Menschen

angesehen werden, „damit fertig zu werden, dass das Sein nicht so ist, wie

es sein soll".¹⁹ Das Gesollte solle eben sein und sei als solches bereits

Prinzip des Seins:

 

  „Aber wenn das Projekt der Ethik einen Sinn haben soll, dann muß das Sein 

  in einer bestimmten Weise strukturiert sein: Es muß Wesen enthalten, die 

  zumindest der Erkenntnis des Sollens fähig sind, ja in denen diese 

  Erkenntnis – bei allen Widerständen durch verschiedene Interessen – nicht 

  ohne Einfluß auf ihr Handeln ist. Daß aus der Geltung des Sollens 

  Annahmen über die Wirklichkeit folgen, ist eine keineswegs triviale 

  Annahme und m. E. nur im Rahmen eines objektiven Idealismus zu begreifen, 

  nach dem das faktische Sein durch ideale Strukturen wenigstens zum Teil 

  prinzipiert ist." 

 

– Hösle: Moral und Politik, S. 241f 

 

Die Möglichkeit einer teleologischen Ethik scheint mit der logischen

Unterscheidung von Seins- und Sollens-Aussagen grundsätzlich in Frage

gestellt. Aus Sicht der klassischen Position des Realismus bezüglich der

Ethik, insbesondere des Naturrechts, ist es aber gerade das Sein, aus dem

das Sollen abgeleitet werden muss, da es (außer dem Nichts) zum Sein keine

Alternative gibt. Weil das Gute das Seinsgerechte, also das dem jeweiligen

Seienden gerechte bzw. entsprechende ist, muss demnach das Wesen des Seins

zunächst erkannt und aus ihm die Forderung des Sollens (ihm gegenüber)

logisch abgeleitet werden.

 

Das Problem des Bösen

 

Trotz der teilweise apokalyptischen geschichtlichen Ereignisse des 20.

Jahrhunderts wird der Begriff „böse" in der Umgangssprache nur noch selten

gebraucht. Stattdessen werden meist die Begriffe „schlecht" („ein

schlechter Mensch") oder „falsch" („die Handlung war falsch") verwendet.

Das Wort „böse" gilt im gegenwärtigen Bewusstsein generell als

metaphysikverdächtig und aufgrund der allgemeinen Dominanz des

naturwissenschaftlichen Denkens als überholt.

 

In der philosophischen Tradition wird das Böse als eine Form des Übels

betrachtet. Klassisch geworden ist die Unterscheidung von Leibniz zwischen

einem metaphysischen (malum metaphysicum), einem physischen (malum

physicum) und einem moralischen Übel (malum morale). Das metaphysische Übel

besteht in der Unvollkommenheit alles Seienden, das physische Übel in

Schmerz und Leid. Diese Übel sind Widrigkeiten, die ihren Ursprung in der

Natur haben. Sie sind nicht „böse", da sie nicht das Ergebnis des

(menschlichen oder allgemeiner gesagt geistigen) Willens sind. Das

moralische Übel oder das Böse hingegen besteht in der Nicht-Übereinstimmung

einer Handlung mit dem Sittengesetz bzw. Naturrecht. Es kann, wie Kant

betont, nur „die Handlungsart, die Maxime des Willens und mithin die

handelnde Person selbst" böse sein.²⁰ Das Böse ist also als Leistung oder

besser Fehlleistung des Subjekts zu verstehen.

 

Reduktionistische Erklärungsversuche

 

Die Verhaltensforschung führt das Böse auf die allgemeine „Tatsache" der

Aggression zurück. Diese sei einfachhin ein Bestandteil der menschlichen

Natur und als solcher moralisch irrelevant. Daher spricht Konrad Lorenz

auch vom „sogenannten Bösen". Dieser Erklärung wird von Kritikern eine

reduktionistische Betrachtungsweise vorgeworfen. Sie übersehe, dass dem

Menschen auf der Grundlage der Freiheit die Möglichkeit gegeben ist, zu

seiner eigenen Natur Stellung zu nehmen.²¹

 

In der Philosophie stellte sich bereits Platon die Frage, wie das Böse

überhaupt möglich sei. Das Böse werde nur getan, weil jemand im

irrtümlichen Glauben annimmt, er (oder jemand) habe einen Nutzen davon.

Somit wolle er aber den mit dem Bösen verbundenen Nutzen. Das Böse um

seiner selbst willen könne niemand vernünftigerweise wollen:²²

 

  „Sokrates: So ist denn doch klar, daß diejenigen, welche es nicht kennen, 

  nicht das Böse begehren, sondern vielmehr das, was sie für gut halten, 

  während es böse ist; so daß diejenigen, welche es nicht kennen und es für 

  gut halten, offenbar eigentlich das Gute begehren. Oder nicht? 

  Sokrates: Und weiter: Diejenigen, welche das Böse begehren, wie du 

  behauptest, während sie doch glauben, daß das Böse dem schade, welchem es 

  zuteil wird, erkennen doch wohl, daß sie von ihm Schaden nehmen werden? 

  Menon: Notwendig. 

  Sokrates: Diese aber, halten sie nicht die, welche Schaden leiden, für 

  elend, sofern sie Schaden leiden? 

  Menon: Notwendig auch das. 

  Sokrates: Halten sie die Elenden aber nicht für unglücklich? 

  Menon: Ich meine doch. 

  Sokrates: Gibt es nun einen Menschen, welcher elend und unglücklich sein 

  will? 

  Menon: Ich denke nicht, Sokrates. 

  Sokrates: Niemand also will das Böse, Menon; wenn anders er nicht ein 

  solcher sein will. Denn was heißt elend sein anders, als das Böse 

  begehren und es besitzen?" 

 

Nicht-reduktionistische Erklärungsversuche

 

Dieses in der Antike noch weit verbreitete Verständnis, das Böse ließe sich

durch die Vernunft überwinden, wird allerdings durch die geschichtlichen

Erfahrungen, insbesondere die des 20. Jahrhunderts in Frage gestellt. Diese

lehren in den Augen vieler Philosophen der Gegenwart, dass der Mensch

durchaus im Stande sei, das Böse auch um seiner selbst willen zu wollen.

 

Als Motiv für das Böse kann zunächst einmal der Egoismus ausgemacht werden.

Er äußert sich in vielen Spielarten. In seiner harmlosen Variante zeigt er

sich im Ideal einer selbstbezogenen Bedürfnisbefriedigung. In dieser Form

stellt er letztlich auch die „Vertragsgrundlage" des Utilitarismus dar, der

nichts anderes als einen Interessensausgleich zwischen den Individuen

schaffen möchte. Dieser Aspekt trifft – wie die geschichtliche Erfahrung

zeigt – noch nicht den eigentlichen Kern des Bösen. Dieser wird erst dann

sichtbar, wenn die eigene Bedürfnisbefriedigung nicht mehr im Vordergrund

steht:

 

  „Die eigentliche Struktur des Bösen aber […] zeigt sich erst dort, wo 

  dieser utilitaristische Bezug nicht leitend ist, sondern die zwecklose, 

  ja sogar widersinnige Freude an der reinen Destruktion vorherrscht. Erst 

  hier entdeckt man die unheimlichen Züge des menschlichen Ich: der 

  Machtrausch der Zerstörung genießt" 

 

– Schulz: Philosophie in der veränderten Welt. S. 725. 

 

Die Ursache dieses „radikal Bösen" ist nach Kant weder in der Sinnlichkeit

noch in der Vernunft zu sehen, sondern in einer „Verkehrtheit des Herzens",

in der sich das Ich gegen sich selbst wendet:

 

  „Die Bösartigkeit der menschlichen Natur ist also nicht sowohl Bosheit, 

  wenn man dieses Wort in strenger Bedeutung nimmt, nämlich als eine 

  Gesinnung (subjektives Prinzip der Maximen), das Böse als Böses zur 

  Triebfeder in seine Maxime aufzunehmen (denn die ist teuflisch); sondern 

  vielmehr Verkehrtheit des Herzens, welches nun, der Folge wegen, auch ein 

  böses Herz heißt, zu nennen." 

 

– Kant: Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft. S. 686 

 

Dieser Grundgedanke Kants von der Selbstwidersprüchlichkeit des Ichs als

Ursache des Bösen wird vor allem in der Philosophie des Idealismus noch

einmal vertieft. Schelling unterscheidet zwischen einem alle Bindung

verneinenden „Eigenwillen" und einem sich in Beziehungen gestaltenden

„Universalwillen". Die Möglichkeit zum Bösen bestehe darin, dass der 

Eigenwille sich seiner Integration in den Universalwillen widersetzt.

 

  „Das Prinzip, sofern es aus dem Grunde stammt und dunkel ist, ist der 

  Eigenwille der Kreatur, der aber, sofern er noch nicht zur vollkommenen 

  Einheit mit dem Licht (als Prinzip des Verstandes) erhoben ist (es nicht 

  faßt), bloße Sucht oder Begierde, d. h. blinder Wille ist. Diesem 

  Eigenwillen der Kreatur steht der Verstand als Universalwille entgegen, 

  der jenen gebraucht und als bloßes Werkzeug sich unterordnet." 

 

– Friedrich Wilhelm Joseph Schelling: Philosophische Untersuchungen über 

das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden

Gegenstände. S. 459

 

Das radikal Böse bewirke einen Umsturz der Ordnung in mir selbst und in

Bezug zu anderen. Es erfolge um seiner selbst willen, denn „wie es einen

Enthusiasmus zum Guten gibt, ebenso gibt es eine Begeisterung des Bösen".²³

 

Nach der klassischen Lehre (Augustinus, Thomas von Aquin etc.) ist das Böse

selbst letztlich substanzlos. Als privativer Gegensatz des Guten besteht es

nur in einem Mangel (an Gutem). Im Gegensatz zum absolut Guten (Gott) gibt

es demnach das absolut Böse nicht.

 

Praktische Probleme der Ethik

 

Das Durchsetzungsproblem

 

Das Durchsetzungsproblem der Ethik besteht darin, dass die Einsicht in die

Richtigkeit ethischer Prinzipien zwar vorhanden sein kann, daraus aber

nicht automatisch folgt, dass der Mensch auch im ethischen Sinne handelt.

Die Einsicht in das richtige Handeln bedarf einer zusätzlichen Motivation

oder eines Zwangs.²⁴

 

Das Problem erklärt sich daraus, dass die Ethik einerseits und das

menschliche Eigeninteresse als Egoismus andererseits oft einen Gegensatz

bilden.²⁵ Das Durchsetzungsproblem gewinne zudem durch die weltweite

Globalisierung eine neue Dimension, die zu einer Ethik der Neomoderne

führe.

 

Beispiel

 

Die Tatsache, dass die Menschen im Land X Hunger leiden und ihnen geholfen

werden sollte, ja es moralisch geboten erscheint ihnen zu helfen, wird

niemand bestreiten. Die Einsicht es auch zu tun, einen Großteil seines

Vermögens dafür herzugeben, wird es im nennenswerten Umfang erst geben,

wenn eine zusätzliche Motivation auftaucht, etwa die Gefahr einer

Hungermigration ins eigene Land unmittelbar bevorsteht.

 

Das Durchsetzungsproblem zeigt sich auf andere Weise auch in der Erziehung,

etwa wenn fest verinnerlichte Verhaltensregeln später auf entwickelte

ethische Prinzipien stoßen.²⁶

 

Angewandte Ethik

 

Die angewandte Ethik ist ein Teilbereich der allgemeinen Ethik.

Teilbereiche der angewandten Ethik (oder Bereichsethik) sind beispielsweise

Medizinethik, Umweltethik und Wirtschaftsethik. Aufgabe der verschiedenen

Bereichsethiken ist es, in Kommissionen, auf Instituten usw. Normen oder

Handlungsempfehlungen für bestimmte Bereiche zu erarbeiten.

 

Ethik-Institute

 

Im deutschsprachigen Raum gibt es zahlreiche Ethik-Institute, die sich mit

den weiten Problemfeldern der angewandten Ethik beschäftigen:

 

- Institut TTN an der Ludwig-Maximilians-Universität München

- Forschungsinstitut für Philosophie Hannover

- Ethikzentrum Jena

- Ethikzentrum der Universität Zürich

- Zentrum für Gesundheitsethik an der Evang. Akademie Loccum

- Akademie für Ethik in der Medizin, Georg-August-Universität Göttingen

- Centrum für Bioethik, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

- Berliner Institut für christliche Ethik und Politik (ICEP)

- Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften, Eberhard Karls

  Universität Tübingen 

- Institut für Ethik & Werte in Gießen

- Institut für Ethik und Gesellschaftslehre an der Katholisch-Theologischen

  Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz 

- Institut für Wissenschaft und Ethik (IWE), Bonn

- Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE), Bonn

- Institut für digitale Ethik (IDE), Hochschule der Medien, Stuttgart

 

 

Literatur

 

Philosophiebibliographie: Ethik – Zusätzliche Literaturhinweise zum Thema

 

Einführungen

- Arno Anzenbacher: Einführung in die Ethik. 3. Auflage. Patmos, Düsseldorf

  2003, ISBN 3-491-69028-5 (gut lesbare Einführung) 

- Dieter Birnbacher: Analytische Einführung in die Ethik. De Gruyter,

  Berlin u. a. 2003, ISBN 3-11-017625-4 (systematische Darstellung der 

  normativen Ethik aus Sicht eines analytischen Philosophen; moderne 

  Ansätze stehen im Vordergrund) 

- Dagmar Fenner: Ethik. Wie soll ich handeln? UTB, Stuttgart 2008, ISBN

  978-3-8252-2989-4 (gut strukturierte Einführung, etwas schulbuchhaft) 

- Dietmar Hübner: Einführung in die philosophische Ethik. UTB, Göttingen

  2014, ISBN 978-3-8252-4121-6 (klare Systematik mit historischen 

  Vertiefungen) 

- Annemarie Pieper: Einführung in die Ethik. 5. Auflage. Francke, Tübingen

  u. a. 2003, ISBN 3-8252-1637-3, ISBN 3-7720-1698-7 (vielzitierte 

  Einführung in die Ethik) 

- Louis P. Pojman, James Fieser: Ethics. Discovering Right and Wrong.

  Wadsworth Pub. 2008, ISBN 978-0-495-50235-7. (exzellente, sehr klare, oft 

  als Lehrbuch verwendete erste Einführung) (Inhaltsverzeichnis) (MS Word; 

  177 kB) 

- Karl Hepfer. Philosophische Ethik. Eine Einführung. Göttingen 2008 (UTB

  3117), ISBN 978-38252-3117-0 (Sehr übersichtliche und gut lesbare 

  Darstellung aller gängigen Begründungsmodelle) 

- Michael Quante: Einführung in die allgemeine Ethik. Darmstadt 2003, ISBN

  3-534-15464-9 (lehrbuchartig aufgebautes Werk mit Zusammenfassungen, 

  Lektürehinweisen und Übungen am Ende jedes Kapitels; geht ausführlich auf 

  metaethische Fragen ein) 

- Hans Reiner: Ethik. Eine Einführung. Studienausgabe, PAIS-Verlag,

  Oberried 2010, ISBN 978-3-931992-27-9 (gut verständliche Einführung) 

- Andreas Vieth: Einführung in die Philosophische Ethik. Münster/ München

  2015, ISBN 978-3-7380-2658-0, PDF (themenorientiert, metaethisch, 

  visuelle Themenaufbereitung, Lehrbuch) 

Gesamtdarstellungen

- Marcus Düwell, Christoph Hübenthal, Micha H. Werner (Hrsg.): Handbuch

  Ethik. 2. akt. Auflage. Metzler, Stuttgart u. a. 2006, ISBN 3-476-02124-6 

  (derzeit das Standardhandbuch zur Ethik; enthält einen historischen und 

  einen begrifflichen Teil; breite Berücksichtigung der aktuellen 

  Diskussion; zum Teil sehr anspruchsvoll) 

- Hugh LaFollette (Hrsg.): Blackwell Guide to Ethical Theory. Blackwell,

  Oxford 2000. (Inhaltsverzeichnis) 

- Friedo Ricken: Allgemeine Ethik. 4. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2003,

  ISBN 3-17-017948-9 (sehr fundiert und anspruchsvoll; versucht eine 

  Synthese aus Aristotelischen und Kantischen Ansätzen mit Anleihen aus der 

  analytischen Philosophie) 

- Hugh LaFollette (Hrsg.): Ethics in Practice: An Anthology. 4. Auflage.

  Wiley Blackwell, Oxford 2014, ISBN 978-0-470-67183-2. 

Lexika und Grundbegriffe

- Otfried Höffe (Hrsg.): Lexikon der Ethik. 6. Auflage. Beck, München 2002,

  ISBN 3-406-47586-8 (das Standardlexikon zur Einführung in die Begriffe 

  der Ethik) 

- Gerhard Schweppenhäuser: Grundbegriffe der Ethik zur Einführung. 2.

  Auflage. Junius, Hamburg 2006, ISBN 3-88506-632-7 (konzentriert sich auf 

  die Behandlung zentraler Grundbegriffe der Ethik) 

 

 

 

 

Einzelnachweise

 

[1] Vgl. A Greek-English Lexicon 9. A. (1996), S. 480.766.

[2] Lexikon Philosophie - Hundert Grundbegriffe, Reclam, 2011, S. 80.

[3] Cicero: De fato 1; Moral, moralisch, Moralphilosophie. In: Historisches

  Wörterbuch der Philosophie. Band 6, S. 149. 

[4] Jürgen Habermas: Vom pragmatischen, ethischen und moralischen Gebrauch

  der praktischen Vernunft. online 

[5] F. H. Bradley: Why should I be moral? In: Ethical Studies. The

  Clarendon Press, Oxford 1876. 

[6] Kurt Bayertz: Warum überhaupt moralisch sein? C. H. Beck Verlag,

  München 2004, ISBN 3-406-52196-7. 

[7] Friedo Ricken: Allgemeine Ethik. S. 96.

[8] § 17 StGB

[9] Vgl. Ricken: Allgemeine Ethik. S. 136f.

[10] Thomas von Aquin: Summa theologica.

[11] Ricken: Allgemeine Ethik. S. 84.

[12] Aristoteles: Nikomachische Ethik. Politik.

[13] C. D. Broad: Five Types of Ethical Theory. London 1930.

[14] William K. Frankena: Ethics. 2. Auflage. Englewood Cliffs 1973, S. 14,

  übersetzt in Albert Keller: Philosophie der Freiheit. Styria, Graz 1994, 

  S. 212. 

[15] Robert Spaemann: Christliche Verantwortungsethik. In: Johannes Gründel

  (Hrsg.): Leben aus christlicher Verantwortung, 1. Grundlegungen. 

  Düsseldorf 1991, S. 122. 

[16] Vgl. z. B. Albert Keller: Philosophie der Freiheit. Styria, Graz 1994,

  ISBN 3-222-12294-6. 

[17] Vgl. Mark Murphy: Theological Voluntarism. In: Edward N. Zalta

  (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy; Michael W. Austin: Divine 

  Command Theory in der Internet Encyclopedia of Philosophy. 

[18] Vittorio Hösle: Moral und Politik. Grundlagen einer Politischen Ethik

  für das 21. Jahrhundert. Beck, München 1997, ISBN 3-406-42797-9, S. 127. 

[19] Hösle: Moral und Politik. S. 242.

[20] Vgl. Kant: KpV. S. 106.

[21] Vgl. Walter Schulz: Philosophie in der veränderten Welt. 7. Auflage.

  Stuttgart 2001, ISBN 3-608-91040-9, S. 723ff. 

[22] Platon: Menon. 77a-78b.

[23] Schelling: Philosophische Untersuchungen über das Wesen der

  menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände. S. 

  468. 

[24] A. Schopenhauer: Die beiden Grundprobleme der Ethik. 1839/40.

[25] Helga E. Hörz und Herbert Hörz: Ist Egoismus unmoralisch? Grundzüge

  einer neomodernen Ethik. trafo Verlagsgruppe, Berlin 2013, ISBN 

  978-3-86464-038-4. 

[26] H. J. Niemann: Die Strategie der Vernunft. Rationalität in Erkenntnis,

  Moral und Metaphysik. Vieweg, Braunschweig u. a. 1993, ISBN 

  3-528-06522-2. 

 

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4015602-3

 

 

Geist

 

Geist (griechisch πνεῦμα pneuma,¹ griechisch νοῦς nous² und auch griechisch

ψυχή psyche,³ lat. spiritus,⁴ mens⁵ , animus bzw. anima,⁶ hebr. ruach und

arab. rūh, engl. mind, spirit, franz. esprit) ist ein aus historischen

Gründen uneinheitlich verwendeter Begriff der Philosophie, Theologie,

Psychologie und Alltagssprache.⁷

 

Im Zusammenhang mit Bewusstsein kann man grob zwischen zwei

Bedeutungskomponenten des Begriffs „Geist" unterscheiden:

 

- Bezogen auf die allgemeinsprachlich „geistig" genannten kognitiven

  Fähigkeiten des Menschen bezeichnet „Geist" das Wahrnehmen und Lernen 

  ebenso wie das Erinnern und Vorstellen sowie Phantasieren und sämtliche 

  Formen des Denkens wie Überlegen, Auswählen, Entscheiden, Beabsichtigen 

  und Planen, Strategien verfolgen, Vorher- oder Voraussehen, Einschätzen, 

  Gewichten, Bewerten, Kontrollieren, Beobachten und Überwachen, die dabei 

  nötige Wachsamkeit und Achtsamkeit sowie Konzentration aller Grade bis 

  hin zu hypnotischen und sonstigen tranceartigen Zuständen auf der einen 

  und solchen von Überwachheit und höchster Geistesgegenwärtigkeit auf der 

  anderen Seite. 

- Mit religiösen Vorstellungen von einer Seele bis hin zu

  Jenseitserwartungen verknüpft, umfasst „Geist" die oft als spirituell 

  bezeichneten Annahmen einer nicht an den leiblichen Körper gebundenen, 

  nur auf ihn einwirkenden reinen oder absoluten, transpersonalen oder gar 

  transzendenten Geistigkeit, die als von Gott geschaffen oder ihm gleich 

  oder wesensgleich, wenn nicht sogar mit ihm identisch gedacht wird. 

  Heiliger Geist wird in der christlichen Vorstellungswelt dagegen der als 

  Person gedachte, symbolisch als Taube oder als Auge dargestellte „Geist 

  Gottes" genannt. 

 

Die Frage nach der „Natur" des Geistes ist somit ein zentrales Thema der

Metaphysik.

 

In der Tradition des deutschen Idealismus bezieht sich der Begriff hingegen

auf überindividuelle Strukturen. In diesem Sinne ist etwa die hegelsche

Philosophie zu verstehen, aber auch Wilhelm Diltheys Konzeption der

Geisteswissenschaften.

 

Der Begriff des Geistes

 

Die modernen heterogenen Konzeptionen des Geistes haben ihren Ursprung zum

einen in der antiken Philosophie und zum anderen in der Bibel.⁸ Während

sich in den meisten romanischen Sprachen ein entsprechender Begriff aus dem

lateinischen spiritus entwickelte, leitet sich der Begriff des Geistes aus

der indogermanischen Wurzel *gheis- für erschaudern, ergriffen und

aufgeregt sein ab.⁹ Das westgermanische Wort *ghoizdo-z bedeutete wohl

„übernatürliches Wesen" und wurde mit der Christianisierung der Germanen 

christlich umgedeutet, so dass der Begriff in althochdeutschen (geist) und

altenglischen (gást) Schriften als Übersetzung für den biblischen Spiritus

Sanctus diente. Dieser Sinngehalt des Wortes hielt sich bis in die

Gegenwart, so dass „Geist" auch als Synonym für „Gespenst" verwendet wird.

 

Eine weitere Bedeutungsebene, die heute jedoch nicht mehr offensichtlich

ist, stellt „Geist" in einen Zusammenhang mit „Atem, Windeshauch" als

Ausdruck der Belebtheit. So findet sich noch in Luthers Übersetzung der

Bibel die Formulierung „der himmel ist durchs wort des herrn gemacht und

all sein heer durch den geist seines munds".¹⁰ Auch das lateinische

spiritus weist diese Bedeutung auf; es ist mit spirare „atmen" verwandt.

 

Zudem wird der Begriff des Geistes verwendet, um sich auf die kognitive und

emotionale Existenz eines Lebewesens zu beziehen. Umstritten ist in der

Theorie das Verhältnis von Geist und Gehirn: Während die Theologie und die

Philosophie in der Tradition René Descartes' davon ausgehen, dass sich der