Naher Osten 01 - Thom Delißen - E-Book

Naher Osten 01 E-Book

Thom Delißen

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Beschreibung

Naher Osten Der Nahe Osten ist eine geographische Bezeichnung, die heute im Allgemeinen für arabische Staaten Vorderasiens und Israel benutzt wird. Insbesondere die Region des Fruchtbaren Halbmondes und die Arabische Halbinsel gehören zum Nahen Osten. Häufig werden außerdem Zypern, die Türkei (teilweise nur Anatolien), Ägypten und der Iran dazugezählt.¹ Historisch bezeichnete der Begriff "Naher Osten" seit dem 19. Jahrhundert das Gebiet des Osmanischen Reiches außerhalb Europas.¹ Der deutsche Begriff Naher Osten überschneidet sich mit dem englischen Begriff Middle East, ist aber nicht mit ihm geographisch gleichzusetzen (siehe unten). Begriff Der Begriff Naher Osten ist von einer europäischen Perspektive geprägt. Die Länder des Nahen Ostens liegen vom "Westen" her gesehen im "Osten". Naher und Mittlerer Osten Im Deutschen wird zwischen dem Nahen Osten, dem Mittleren Osten (Südasien, Afghanistan und oft auch Iran) und dem Fernen Osten unterschieden. Verwirrung stiftet manchmal, dass die Region im Englischen (Middle East) sowie in vielen nahöstlichen Sprachen als Mittlerer Osten bezeichnet wird, insbesondere auf Arabisch الشرق الأوسط asch-scharq al-awsat, DMG aš-šarqu l-ausaṭ, Hebräisch המזרח התיכון haMizrach haTichon, Türkisch Orta Doğu, Kurdisch rojhilata navîn und Persisch خاورمیانه. Die G8-Definition von Middle East bezieht sogar das gesamte Nordafrika (Mittelmeeranrainerstaaten) mit ein. Im Englischen existiert neben Middle East auch der Begriff Near East (wörtlich: Naher Osten), der ursprünglich dem historischen Nahost-Begriff entsprach. Der britische Begriff Near East wurde ab etwa 1850 bis zum Ende des Osmanenreiches für den Balkan und das Osmanische Reich ohne den Iran – und damit auch für Teile des Nahen Ostens – benutzt. Middle East bezeichnete damals das Gebiet vom Iran über Afghanistan und Kaukasus bis nach Zentralasien. Wenn er heute noch gebraucht wird, dann in nicht genau festgelegter Bedeutung.

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Veröffentlichungsjahr: 2016

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Naher Osten

Wikipedia-Themen-Zusammenfassung

 

 

 

 

Peaceway/Wiki 1. Auflage 06/2016

Verlag TD Textdesign

Inhaltsverzeichnis

 

 

1. Naher Osten 

2. Nahostkonflikt 

3. MENA-Region 

4. Sykes-Picot-Abkommen 

5. Osmanisches Reich 

6. Erster Weltkrieg 

7. Arabische Sprache 

8. Iran 

9. Israel 

10.Syrien 

11.Gaza (Stadt) 

12.Palästina (Region) 

13.Palästinensische Autonomiegebiete 

14.Palästinensische Befreiungsorganisation 

15.Völkerbundsmandat für Palästina 

16.Gazastreifen 

17.Juden 

18.Libanon 

19.Jerusalem 

20.Nordafrika 

21.Irak 

22.Mittelmeer 

23.Ägypten 

24.Jordanien 

25.Saudi-Arabien 

26.Beirut 

27.Islam 

28.Araber 

29.Sunniten 

30.Vereinigte Staaten 

31.Vereinte Nationen 

32.Schia 

33.Sechstagekrieg 

34.Westjordanland 

35.Islamischer Staat  

36.Islamistischer Terrorismus 

37.Hamas 

Naher Osten

 

Der Nahe Osten ist eine geographische Bezeichnung, die heute im Allgemeinen

für arabische Staaten Vorderasiens und Israel benutzt wird. Insbesondere

die Region des Fruchtbaren Halbmondes und die Arabische Halbinsel gehören

zum Nahen Osten. Häufig werden außerdem Zypern, die Türkei (teilweise nur

Anatolien), Ägypten und der Iran dazugezählt.¹

 

Historisch bezeichnete der Begriff „Naher Osten" seit dem 19. Jahrhundert

das Gebiet des Osmanischen Reiches außerhalb Europas.¹

 

Der deutsche Begriff Naher Osten überschneidet sich mit dem englischen

Begriff Middle East, ist aber nicht mit ihm geographisch gleichzusetzen

(siehe unten).

 

Begriff

 

Der Begriff Naher Osten ist von einer europäischen Perspektive geprägt. Die

Länder des Nahen Ostens liegen vom „Westen" her gesehen im „Osten".

 

Naher und Mittlerer Osten

 

Im Deutschen wird zwischen dem Nahen Osten, dem Mittleren Osten (Südasien,

Afghanistan und oft auch Iran) und dem Fernen Osten unterschieden.

Verwirrung stiftet manchmal, dass die Region im Englischen (Middle East)

sowie in vielen nahöstlichen Sprachen als Mittlerer Osten bezeichnet wird,

insbesondere auf Arabisch الشرق الأوسط asch-scharq al-awsat, DMG aš-šarqu 

l-ausaṭ, Hebräisch המזרח התיכון haMizrach haTichon, Türkisch Orta Doğu, 

Kurdisch rojhilata navîn und Persisch خاورمیانه. Die G8-Definition von 

Middle East bezieht sogar das gesamte Nordafrika

(Mittelmeeranrainerstaaten) mit ein.

 

Im Englischen existiert neben Middle East auch der Begriff Near East

(wörtlich: Naher Osten), der ursprünglich dem historischen Nahost-Begriff

entsprach. Der britische Begriff Near East wurde ab etwa 1850 bis zum Ende

des Osmanenreiches für den Balkan und das Osmanische Reich ohne den Iran –

und damit auch für Teile des Nahen Ostens – benutzt. Middle East

bezeichnete damals das Gebiet vom Iran über Afghanistan und Kaukasus bis

nach Zentralasien. Wenn er heute noch gebraucht wird, dann in nicht genau

festgelegter Bedeutung. Viele benutzen ihn synonym mit „Middle East", das

amerikanische Wörterbuch Merriam Webster definiert ihn als die Länder in

Südwestasien und Nordostafrika von Libyen bis Afghanistan,² und

Archäologen, Geographen und Historiker verstehen darunter vor allem

Anatolien, die Levante und Mesopotamien.

 

Orient, Vorderer Orient

 

In einem eher religiös-kulturellen Sinne wird meist Orient oder Morgenland

für das Gebiet des Mittleren und Nahen Ostens im politischen oder

geographischen Sinne verwendet; der Vordere Orient ist dabei unscharf

entsprechend der Nahe Osten. Die Welt des Orients beschäftigte viele

europäische Dichter und Schriftsteller, siehe zum Beispiel Johann Wolfgang

von Goethes „West-östlicher Divan", Hermann Hesses Roman „Die

Morgenlandfahrt" oder die abenteuerlichen Orient-Erzählungen des Hermann

von Pückler-Muskau, die Bestseller waren und zur Erzählfigur des

Münchhausen führten. Der Orient ist kultur- und sittengeschichtlich eine

Ansammlung von gegenteiligen Zuschreibungen und fantastischen Vorstellungen

im Spiegelbild westlicher Kultur. Man kann sagen, dass der Orient in diesem

religiös-kulturgeschichtlichen Sinne das ist, was der Okzident, das

Abendland, nicht ist.

 

 

 

Literatur

 

- Jeremy Salt: The Unmaking of the Middle East. A History of Western

  Disorder in Arab Lands. University of California Press, 2008, ISBN 

  978-0-520-26170-9. 

- Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg.) unter Mitarbeit von Martin

  Rink: Wegweiser zur Geschichte Naher Osten. 2. überarbeitete Auflage, im 

  Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, Ferdinand Schöningh, 

  Paderborn u. a. 2009, ISBN 978-3-506-76759-2 (PDF Download). 

- Reiner Bernstein: Von Gaza nach Genf. Die Genfer Friedensinitiative von

  Israelis und Palästinensern. Wochenschau-Verlag, Schwalbach/Ts 2005. 

- Peter Pawelka, Lutz Richter-Bernburg (Hrsg.): Religion, Kultur und

  Politik im Vorderen Orient. VS Verlag, 2004, ISBN 3-531-14098-1. 

- Volker Perthes: Geheime Gärten – Die neue arabische Welt. Goldmann,

  München 2003, ISBN 3-442-15274-7. 

- Volker Perthes: Vom Krieg zur Konkurrenz – Regionale Politik und die

  Suche nach einer neuen arabisch-nahöstlichen Ordnung. Nomos Verlag, 2000, 

  ISBN 3-7890-6712-1. 

- Abdoldjavad Falaturi (Hrsg.): Islam: Raum – Geschichte – Religion. Bd. 1

  Der Islamische Orient, Köln 1990. 

- Margret Boveri: Wüsten, Minarette und Moscheen – Im Auto durch den alten

  Orient. Mit einem Vorwort von Peter Scholl-Latour. wjs-Verlag, Berlin 

  2004, ISBN 3-937989-06-4 (Reisebericht) 

- Alfred Schlicht: Die Araber und Europa. Kohlhammer, Stuttgart 2008.

 

 

Einzelnachweise

 

[1] Mittlerer Osten. Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, 2000.

[2] Near East. 2008. In Merriam-Webster Online Dictionary.

Middle East. 2008. In Merriam-Webster Online Dictionary. (beide engl.;

  abgerufen 28. November 2008) 

[3] Bennett Zimmerman, Roberta Seid, Michael L. Wise : The Million Person

  Gap: The Arab Population in the West Bank and Gaza. 2006. (pdf-Datei; 

  2,13 MB) 

Bennett Zimmerman, Michael Wise: Defusing the demographic time bomb.

  Frühjahr 2008, inFocus, Bd. 2(1) (engl.; abgerufen 28. November 2008) 

Yoram Ettinger: The Palestinian census: Smoke & mirrors. Ynet. 11. Februar

  2008, abgedruckt auf israelinsider (engl.; abgerufen 28. November 2008) 

[4] Palästinensischer Zensus 2007: Palestinian Central Bureau of Statistics

  (Februar 2008). Population, housing and establishment Census-2007. Press 

  conference on the preliminary findings (Population, buildings, housing 

  units and establishments). (S. 14) auf den Seiten des Palestinian Central 

  Bureau of Statistics (pdf-Datei; arab./engl., abgerufen 28. November 

  2008; 147 kB) 

[5] The World Factbook (en), United States Central Intelligence Agency

  (CIA), 14. November 2006, 

The Million Person Gap: The Arab Population in the West Bank and Gaza; B.

  Zimmerman, R. Seid and M. L. Wise; The Begin-Sadat Center for Strategic 

  Studies, Bar-Ilan University; February, 2006 The Million Person Gap: The 

  Arab Population in the West Bank and Gaza (PDF-Datei; 2,13 MB) 

Sergio DellaPergola, „Letter to the editor", Azure, 2007, No. 27, Sergio

  DellaPergola kritisiert die Autoren der Studie zum „Palästinensischen 

  Zensus 2007" wegen gravierender statistischer und methodischer Mängel. 

[6] Martin Gehlen: Der Nahe Osten, wie wir ihn kennen, entstand vor genau

  100 Jahren, als Briten und Franzosen neue Grenzen zogen – für die Araber 

  ein Verrat, für die Region ein Desaster. (zeit.de vom 16. Mai 2016) 

 

Koordinaten: 33° N, 36° O

 

Normdaten (Geografikum): GND: 4068878-1 | VIAF: 246530764

 

Nahostkonflikt

 

Als Nahostkonflikt bezeichnet man den Konflikt um die Region Palästina, der

dort zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwischen Juden und Arabern entstand. Er

führte zu sechs Kriegen zwischen dem am 14. Mai 1948 gegründeten Staat

Israel und einigen seiner Nachbarstaaten (israelisch-arabischer Konflikt)

sowie zahlreichen bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Israelis und

Palästinensern (israelisch-palästinensischer Konflikt). Der internationale

Konflikt in der Region dauert bis heute an.¹

 

Entstehung und Verlauf

 

Vorgeschichte (bis 1919)

 

 

 

Die geografische Bezeichnung „Naher Osten" umfasst im weitesten Sinn die

gesamten außereuropäischen Besitzungen des Osmanischen Reiches und den

Iran. Im engeren Sinn wird er jedoch nur für dessen arabische Provinzen

verwendet. Palästina bestand seit dem 16. Jahrhundert bis 1917 aus

Verwaltungsbezirken Großsyriens, das zum Osmanischen Reich gehörte. Der

südliche Teil gehörte zum Verwaltungsgebiet Jerusalem, der nördliche zum

Verwaltungsgebiet Beirut, der transjordanische Teil zum Verwaltungsgebiet

Syrien.

 

Beginn der Aufteilung des Osmanischen Reiches

 

Im Krimkrieg (1853–1856) verhinderten Großbritannien und Frankreich, dass

die osmanische Türkei dem Expansionsstreben des Russischen Kaiserreichs in

Richtung Mittelmeer erlag. Im Berliner Vertrag von 1878 verpflichteten sich

die europäischen Staaten zum wiederholten Mal, sich nicht mehr in die

inneren Angelegenheiten des Osmanischen Reichs einzumischen. Dazu gehörten

die Länder des Nahen Ostens und der Maghreb.

 

Nationalistische Bewegungen führten 1908 zur Gründung Bulgariens und

Rumäniens. Nach Kriegen mit den Balkanstaaten verlor das Osmanische Reich

im Frieden von Bukarest und von Konstantinopel den größten Teil seiner

europäischen Territorien. Zunächst erschien das verbliebene Osmanische

Reich seinen muslimischen Bewohnern noch als Garant der politischen

Unabhängigkeit einer muslimischen Welt. Aber es war längst hoch

verschuldet. Nach einem Staatsbankrott 1875 hatte es die Osmanische

Schuldenverwaltung akzeptieren müssen. Mit diesem Amt, das einen großen

Teil der Steuereinnahmen kontrollierte, hatten europäische Staaten auch die

faktische Kontrolle über alle Regierungsbeschlüsse übernommen, die

finanzielle Auswirkungen hatten. Auch Tunesien war hoch verschuldet. Es

wurde 1881 von französischen Truppen besetzt. Ägyptens Baumwolle und der

1869 eröffnete Sueskanal waren für europäische Investoren gewinnbringend,

währenddessen der verschuldete ägyptische Staat unter eine europäische

Finanzkontrolle geriet. Als die Urabi-Bewegung nationalistische Züge

annahm, handelte Großbritannien: 1882 besetzten britische Truppen Ägypten.

Mit Tunesien und Ägypten hatten die europäischen Mächte begonnen, ihre

Interessensphären im Osmanischen Reich noch vor dessen Ende abzustecken.

Spanien und Frankreich teilten sich Marokko. Schließlich beteiligte sich

auch Italien und besetzte 1911 Tripolis. Der Wettlauf um Afrika hatte zu

ersten Ergebnissen geführt.

 

Bis zum Ende des Osmanischen Reichs entwickelte die ansässige arabische

Bevölkerung kaum eine eigene nationale Identität. Nur in einigen

Großstädten des Nahen Ostens bildeten Teile der arabischen Bildungsschicht

seit etwa 1860 eine Opposition gegen die osmanische Herrschaft, aus der ab

1914 der Panarabismus hervorging.

 

Zionistische Einwanderung nach Palästina

 

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entstand der Zionismus als jüdische

Nationalbewegung, die für die Juden ebenso wie für europäische Völker den

Status einer eigenen Nation mit dem Recht auf ein eigenes Staatsgebiet

beanspruchte. In seiner Programmschrift Der Judenstaat von 1896 streifte

Theodor Herzl, der Begründer des politischen Zionismus, die Möglichkeit

einer jüdischen Staatsbildung in Argentinien, konzentrierte sich dann aber

auf Palästina. 1897 wurde auf seine Initiative in Basel die Zionistische

Organisation gegründet, die sich seit 1960 Zionistische Weltorganisation

(WZO) nennt. Beim ersten Zionistenkongress erklärten etwa 200 Delegierte

aus 17 Staaten die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten

„nationalen Heimstätte" für das jüdische Volk in Palästina zum Ziel des 

Zionismus (Basler Erklärung).²

 

1882 lösten landesweite Pogrome gegen Juden in Russland eine erste

Auswanderungswelle (Alija) russischer Juden nach Palästina aus. Erst

nachdem auf dem 8. Zionistenkongress in Den Haag im Jahre 1907 die Gründung

eines Palästinaamtes in Jaffa beschlossen wurde, begann die systematische

jüdische Ansiedlung, die auf eine künftige jüdische Staatsbildung in der

Region abzielte. Dafür wurde auch die zweite Alija (1904 bis 1914) von der

WZO gefördert. Nur ein kleiner Teil der ersten jüdischen Einwanderung lebte

in landwirtschaftlichen Siedlungen. Jerusalem war ein Hauptziel, und

bereits 1896 stellten Juden dort die ethnische Mehrheit dar. Die Ansiedlung

in Jerusalem und der ausgedehnte Landkauf führten zu Übergriffen und zu

Protesten arabischer Einwohner Jerusalems und des arabischen Landadels bei

den osmanischen Behörden.³ 1909 gründeten jüdische Siedler zu ihrem Schutz

die paramilitärische HaSchomer, die in Israel als Vorläufer der Haganah und

damit der israelischen Armee gilt. 1914 lebten etwa 600.000 Araber und etwa

85.000 Juden in Palästina. Deren Zahl nahm im Ersten Weltkrieg auf etwa

56.000 ab, sodass Juden 1918 weniger als zehn Prozent der Bevölkerung

Palästinas bildeten.⁴

 

Erster Weltkrieg

 

Im Ersten Weltkrieg unterstützte Großbritannien den arabischen

Nationalismus für seine Kolonialinteressen, um das mit dem Deutschen Reich

und Österreich-Ungarn verbündete Osmanische Reich zu schwächen. In der

sogenannten Hussein-McMahon-Korrespondenz von 1915/1916 versprach der

britische Hochkommissar in Ägypten, Henry McMahon, daher dem Großscherifen

von Mekka, Hussein ibn Ali, Großbritannien werde die Unabhängigkeit der

Araber anerkennen, um diese im Gegenzug zur Hilfe im Kampf gegen die

Türken, die ohnehin von den Arabern als ungeliebte Besatzungsmacht gesehen

wurden, zu bewegen. Zudem unterstützte Lawrence von Arabien die von den

Briten forcierte Arabische Revolte 1916–1918 gegen das Osmanische Reich.

 

Mit der Balfour-Deklaration 1917 sagte die Regierung gleichzeitig auch der

World Zionist Organization (WZO) Unterstützung für den Aufbau einer

„nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina" zu. Dabei 

sollten die bürgerlichen und religiösen Rechte der dort ansässigen

nichtjüdischen Bevölkerung gewahrt werden. Von einem jüdischen Staat war

hingegen zwar nicht explizit die Rede, dies wurde aber teilweise anders

aufgefasst und später sowohl von den Arabern, denen von McMahon ein eigener

Nationalstaat zuerkannt wurde, als auch von Teilen der jüdischen

Bevölkerung, die darin die Zustimmung zu einem jüdischen Staat sahen, als

Vertrauensbruch angesehen. Nachdem britische Truppen 1918 Palästina erobert

hatten, versprach die britische Regierung, Palästinas Unabhängigkeit zu

fördern. Die Jüdische Legion, bestehend aus fünf Bataillonen jüdischer

Freiwilliger, kämpfte im Ersten Weltkrieg ebenfalls auf Seiten der

britischen Armee gegen das Osmanische Reich.

 

Im Hintergrund hatte Großbritannien in dem geheimen Sykes-Picot-Abkommen

jedoch auch mit Frankreich bereits einen Aufteilungsplan abgesprochen, in

dem die Unabhängigkeit sowohl eines arabischen, als auch jüdischen Staates

in keiner Weise wirklich in Betracht gezogen wurde. Somit bahnte sich schon

hier langsam ein schwelender Konflikt heran: Den Arabern hatte man auf der

einen Seite in der Hussein-McMahon-Korrespondenz einen eigenen arabischen

Nationalstaat versprochen, wenn sie die Briten im Kampf gegen ihre

Besatzer, die Osmanen, unterstützten. Viele Juden lasen hingegen auf der

anderen Seite aus der Balfour-Deklaration ebenfalls das Recht auf einen

eigenen Staat, oder zumindest das Recht auf die Besiedlung der Region

Palästina heraus. Hinter den Kulissen hatten Großbritannien und Frankreich

jedoch bereits das Gebiet unter sich aufgeteilt. Dies führte schließlich zu

einer wachsenden Rivalität zwischen Arabern und Juden in der Region, sowie

einem stärker werdenden Widerstand gegen die westlichen Großmächte, die

ihre Versprechen beiden Parteien gegenüber zu großen Teilen nicht eingelöst

hatten.

 

Mandatszeit und Zweiter Weltkrieg (1920 bis 1948)

 

Britische Mandatszeit

 

Briten und Araber eroberten im Ersten Weltkrieg das osmanische Syrien. Auch

die osmanische Provinz, auf deren Gebiet später der Irak gegründet wurde,

wurde von den Briten besetzt. Emir Faisal bildete in Damaskus eine

provisorische arabische Regierung. 1919 wurde er vom 1. Allsyrischen

Kongress als König eines Königreich Syriens anerkannt, wozu auch Palästina

und der Libanon zählten. Die arabische Nationalbewegung forderte ihre von

den Briten versprochene Unabhängigkeit.

 

Auf der Pariser Friedenskonferenz 1919 schloss die WZO mit dem Emir Faisal

das Faisal-Weizmann-Abkommen, in dem die arabische Delegation einem

jüdischen Staat im Raum Palästinas zustimmte, sobald die Araber die ihnen

versprochene Unabhängigkeit erhalten würden, und sofern sie die Hoheit über

die islamischen Heiligtümer behielten. Doch 1920 übergab der neu gegründete

Völkerbund ein Völkerbundsmandat für Palästina an Großbritannien, das eine

direkte Herrschaft der Briten über Palästina vorsah. Die britische

Regierung sah sich weiterhin nicht an die jüdisch-arabische Vereinbarung

gebunden.

 

Seit 1920 gewann Mohammed Amin al-Husseini, Präsident des obersten

islamischen Rats und Großmufti von Jerusalem, die Führung in der Bewegung

des arabischen Nationalismus. Er lehnte weiteren Zuzug jüdischer Siedler

aus Europa nach Palästina nun als Mittel der Briten ab, ihre

Kolonialherrschaft im Nahen Osten zu festigen.

 

Auch wenn es schon vor der zionistischen Bewegung jüdische Siedlungen in

Palästina gegeben hatte, entstanden durch die Einwanderung nun erste

Konflikte mit den dort ansässigen Arabern. Die Mandatszeit war geprägt

durch eine Erstarkung militanter (Palästinensisch-)nationalistischer

Gruppen. Konflikte rührten etwa daher, dass arabische Großgrundbesitzer ihr

Land an Juden verkauften, es aber diesen überließen, die dort ansässige

arabische Bevölkerung zu vertreiben, die sich so von den Juden verjagt

fühlten. Der antijüdische Einfluss unter den Arabern stieg, die

arbeitslosen Massen wurden aufgewiegelt, angestachelt vom Neid um die

Entwicklungen in der Landwirtschaft, im Städtebau und in der Infrastruktur.

Des Weiteren stellten die schnell entstandenen jüdischen Unternehmen zum

Teil nur Juden ein, wodurch sich die arabische Bevölkerung benachteiligt

sah, da sie an dem neuen Wohlstand nicht teilhaben durfte.

 

Zu Pogromen von arabischer Seite kam es zunächst 1921. Das judenfeindliche

Massaker von Hebron von 1929 konnte nur durch das Einschreiten der

britischen Polizei gestoppt werden und führte zur vollständigen Vertreibung

aller Juden aus Hebron. In Jerusalem, Haifa und Jaffa kam es zu gewaltsamen

Übergriffen militanter Juden gegen Araber.⁵ 1936 entwickelte sich ein

arabischer Generalstreik zum dreijährigen Großen Arabischen Aufstand bis

1939. Infolgedessen erhielt die paramilitärische jüdische

Schutzorganisation Haganah zahlreichen Zulauf. Im Laufe der Dreißigerjahre

wurden als extremistische Abspaltungen der Haganah der Irgun und als dessen

Ableger die Stern-Gruppe gegründet, die als Terrororganisationen angesehen

wurden (siehe dazu Geschichte der jüdischen Streitkräfte in Palästina).

 

Zweiter Weltkrieg und Holocaust

 

Die nationalsozialistische Judenverfolgung, die unmittelbar nach der

Machtergreifung Hitlers einsetzte und sich in den folgenden Jahren zum

Holocaust steigerte, gab dem Zionismus einen entscheidenden Anstoß. Auf der

Konferenz von Évian im Juli 1938 weigerten sich die Vertreter von 32

Nationen, jüdische Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich, das einige

Monate zuvor an das Deutsche Reich „angeschlossen" worden war, aufzunehmen.

Manche von ihnen gingen nun nach Palästina, dem von jeher in ihrer

Tradition Gelobten Land, und konnten auf diese Weise dem Völkermord in

Europa entkommen. Allerdings konnten sie sich zunehmend auch in Palästina

nicht sicher fühlen: Viele Palästinenser ergriffen im Laufe des Zweiten

Weltkriegs für die Deutschen Partei; Am 28. November 1941 trafen sich

Hitler und der Mufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini in Berlin, um

über die „Judenfrage" zu diskutieren. Der Mufti lobte Hitler als den „von

der gesamten arabischen Welt bewunderten Führer" und forderte von den Nazis

Luftangriffe auf Tel Aviv.⁶ ⁷

 

Staatsgründung Israels (1948–1966)

 

Die Briten kündigten in Folge des Zweiten Weltkrieges an, ihr Mandat über

Palästina aufgeben zu wollen, da sie angesichts ihrer durch den Krieg

verursachten schweren Situation und der anhaltenden, zum Teil gewaltsamen

Proteste in Palästina nicht weiter willens und in der Lage waren, das

Mandat zu halten. Sie übergaben die Entscheidung über das weitere Vorgehen

der UNO, die am 29. November 1947 mit einer Zweidrittelmehrheit in der

Generalversammlung der Vereinten Nationen für den durch die UNSCOP

vorgeschlagenen Teilungsplan (UN-Resolution 181) stimmte, der Westpalästina

in einen jüdischen und einen arabischen Staat teilen sollte. Von dem Gebiet

der Nationalen Heimstätte für einen jüdischen Staat sollten weitere 40 %

abgespalten werden.

 

Mit dem Ziel, tatsächlich einen unabhängigen jüdischen Staat zu gründen und

den Überlebenden des Holocausts und der jüdischen Diaspora eine Heimat zu

schaffen, akzeptierten große Teile der jüdischen Bevölkerung und die Jewish

Agency, eine Art Vorgängerregierung des Staates Israel, den Plan. Die

radikalen Nationalisten wie Menachem Begin (Irgun) oder Jitzhak Schamir

(Lechi) lehnten den Plan ab – ihnen ging er nicht weit genug.

 

Vor allem die arabischen Führer lehnten den Plan jedoch ab. Neben der

generellen Ablehnung eines jüdischen Staates geschah dies mit der

Begründung, der Plan verletzte die Rechte der Mehrheitsbevölkerung in

Palästina, die zu diesem Zeitpunkt zu 67 Prozent nicht-jüdischen Religionen

angehörten. Ende 1946 hatte Palästina knapp 2 Mio. Einwohner, wovon nur

etwa 603.000 Juden waren.⁸ Sie empfanden den Plan als Katastrophe.

Kritisiert wurden die Menge und die Qualität des Landes, das den Juden

zugeteilt wurde. In der Folgezeit kam es im Mandatsgebiet zu zahlreichen

Überfällen und Anschlägen durch irreguläre jüdische und arabische Kräfte.

 

Auf Grund der bürgerkriegsähnlichen Zustände wollten die Briten ihre

Truppen frühzeitig abziehen und das Mandat für Palästina am 14. Mai 1948,

einem Freitag, um Mitternacht niederlegen.⁸ So versammelte sich der

Jüdische Nationalrat im Stadtmuseum von Tel Aviv um 16 Uhr noch vor

Sonnenuntergang und damit vor Beginn des Sabbat. Unter einem Porträt des

Begründers der zionistischen Bewegung, Theodor Herzl, verkündete David Ben

Gurion in der israelischen Unabhängigkeitserklärung „kraft des natürlichen

und historischen Rechts des jüdischen Volkes und aufgrund des Beschlusses

der UNO-Vollversammlung" die Errichtung des Staates Israel. Elf Minuten

später erkannten die USA den neuen Staat an, die Sowjetunion folgte am 16.

Mai. Die Türkei unter Staatspräsident Ismet Inönü erkannte Israel als

erster muslimischer Staat sofort an und nahm diplomatische Beziehungen zu

dem Staat auf (später entwickelte sich eine Bündnispartnerschaft zwischen

den beiden Staaten), ebenso tat dies der Iran unter Schah Mohammad Reza

Pahlavi (siehe unter Verhältnis zwischen Israel und Iran). Am Tag darauf

begann dann der erste arabisch-israelische Krieg.

 

Palästinakrieg 1948/49

 

Der Bürgerkrieg, der einen Tag nach der Verkündung des UN-Teilungsplans am

30. November 1947 begonnen hatte und durch zahlreiche wechselseitige

Terroranschläge radikaler Zionisten und arabischer Nationalisten

gekennzeichnet war, steigerte sich am 15. Mai 1948 kurz nach der

israelischen Unabhängigkeitserklärung zum Palästinakrieg (in Israel

„Unabhängigkeitskrieg" genannt). Fünf arabische Staaten – Ägypten, der 

Irak, Libanon, Transjordanien und Syrien – rückten ohne formale

Kriegserklärung mit ihren und zwei zusätzlichen Armeen aus arabischen

Freiwilligen – insgesamt etwa 55.000 Soldaten – gegen Israel vor. Nach

anfänglichen Erfolgen wurden die Angreifer von den besser ausgebildeten und

bewaffneten israelischen Kräften zurückgeschlagen. Israel kam zugute, dass

es trotz eines Waffenembargos der UNO gegen die Kriegsteilnehmer, das von

den USA und Großbritannien eingehalten wurde, mit Zustimmung der

Sowjetunion aus Beständen des sich formierenden Ostblocks Waffen kaufen

konnte. Nachdem Ägypten einen von der UNO vermittelten Waffenstillstand

brach und jüdische Terroristen den UN-Vermittler Folke Bernadotte ermordet

hatten, eroberte Israel einen Großteil der den Palästinensern im

Teilungsplan zugewiesenen Gebiete. Zwischen Februar und Juli 1949

unterzeichneten Israel und die arabischen Kriegsteilnehmer vier separate

Waffenstillstandsabkommen.

 

Folgen

 

Ein Ergebnis des Krieges war das für den Nahostkonflikt zentrale

palästinensische Flüchtlingsproblem: Etwa 726.000 palästinensische Araber

verließen seit April 1948 zum Teil wegen gezielter Anschläge ihre

Wohngebiete, die Israel im Kriegsverlauf besetzte. Viele ihrer Stadtteile

und Dörfer wurden zerstört und den in Israel verbliebenen und ins Ausland

vertriebenen Arabern gehörendes Land bis heute entschädigungslos enteignet.

Bis 1966 galt für Araber in Israel das Kriegsrecht mit damit einhergehenden

Einschränkungen der den Juden gewährten Freiheiten.⁹ Deshalb bezeichnen die

Palästinenser Israels Gründung und den folgenden Krieg als al-Nakba

(Katastrophe).

 

Ein Großteil von ihnen fand Unterkunft in Flüchtlingslagern des Libanon, im

Westjordanland und Jordanien, in Ägypten und im Gaza-Streifen. Die Bewohner

leben dort bis heute unter teils menschenunwürdigen und slum-ähnlichen

Bedingungen. Die arabischen Staaten haben die Palästinaflüchtlinge kaum

integriert; bisher hat nur Jordanien den Flüchtlingen auf seinem Gebiet die

jordanische Staatsbürgerschaft angeboten.

 

Im Juni 1948 beschloss Israels Regierung zunächst, die Rückkehr der

Flüchtlinge zu verhindern. Die UN-Resolution 194 vom 11. Dezember 1948

verlangte von ihr, die Rückkehr friedenswilliger Palästinenser zu gestatten

und nicht rückkehrbereite Flüchtlinge zu entschädigen.¹⁰ Israel erklärte

sich daraufhin verhandlungsbereit und bot die Aufnahme von 200.000 bis

300.000 Flüchtlingen an. Dies lehnten arabische Staaten ab.

 

Die damals vertriebenen und geflohenen Palästinenser haben inzwischen wegen

hoher Geburtenraten etwa vier Millionen Nachkommen. Ihre politischen

Organisationen reklamieren für sie alle ein Recht auf Rückkehr in die

früheren Wohngebiete. Israel lehnt dies ab, um sich als mehrheitlich

jüdischer Staat zu erhalten. Es sieht das Flüchtlingsproblem als Folge

eines Angriffskrieges und will daher palästinische Rechtsansprüche nicht

bestätigen.

 

Jahrzehntelang stellten israelische Geschichtsbücher diese Entwicklung als

Folge freiwilliger Auswanderung dar: Die arabischen Staaten hätten den

Flüchtlingen baldige Rückkehr nach dem Sieg über Israel versprochen und sie

so angelockt. Einige jüngere israelische Historiker weisen demgegenüber auf

gewaltsame Vertreibungsaktionen 1947–1948 hin, die keine Kriegsfolge

gewesen seien. Israel habe sich als jüdischer Staat nur so durchsetzen

können (siehe dazu Israelischer Historikerstreit).

 

Eine Drohrede hoher islamischer Geistlicher an der al-Azhar-Universität

unmittelbar nach dem UN-Teilungsplan 1947 löste Pogrome und Gewaltakte

gegen jüdische Gemeinden in vielen arabischen und islamischen Staaten

aus.¹¹ Von 1947 bis 1976 wurden über 856.000 zuvor in arabischen Staaten

ansässige Juden von dort gewaltsam vertrieben. Etwa 550.000 davon kamen

nach Israel, um den neuen Staat mit aufzubauen und wurden in die

israelische Demokratie integriert. Ihr ehemaliger Besitz wurde ohne

Entschädigungen enteignet. Sie beanspruchen kein Rückkehrrecht in ihre

arabischen Herkunftsländer, da ihre Sicherheit dort nicht gewährleistet

ist.¹² Der israelische Staat betrachtet sie als Flüchtlinge und sieht ihr

Recht auf ihr Eigentum in ihren Herkunftsländern als wirksam an.¹³

 

Suezkrise 1956

 

1956 spitzte sich der Konflikt zwischen Ägypten und Israel zu, das

zunehmend Angriffen durch Fedajin von ägyptischem Territorium und vom

ägyptisch besetzten Gaza-Streifen aus ausgesetzt war. Ägypten unter der

Führung von Präsident Gamal Abdel Nasser blockierte den Golf von Akaba, um

den Sueskanal für israelische Schiffe zu sperren. Am 29. Oktober 1956

begann die Sueskrise mit der Invasion des Gazastreifens und der

Sinai-Halbinsel durch Israel, dessen Streitkräfte schnell in Richtung des

Sueskanals vorstießen. Gleichzeitig wurde, nach vorbereiteter Diplomatie,

der ägyptische Botschafter vom britischen und vom französischen

Außenminister aufgefordert, zehn Meilen hinter den Kanal zurückzuweichen

und die Sinai-Halbinsel zu räumen.

 

Präsident Nasser wies die Forderungen zurück, worauf Großbritannien und

Frankreich begannen, die Kontrolle über den Kanal militärisch zu gewinnen,

mit dem Ziel, auch das Regime Nassers zu stürzen. Am 31. Oktober begannen

Großbritannien und Frankreich mit dem völkerrechtswidrigen Bombardement

ägyptischer Flughäfen; in Folge gelang es zusammen mit israelischen

Soldaten, den Kanal zu besetzen.

 

Die britisch-französische Intervention wurde von den USA, die einen

Konflikt mit der UdSSR vermeiden wollten, und den Vereinten Nationen

verurteilt. Im November 1956 wurden die beiden Länder zum Waffenstillstand

und Rückzug gezwungen. Auch die israelischen Streitkräfte mussten sich

zurückziehen. Die Vereinten Nationen stationierten nach dem Rückzug die

Friedenstruppe United Nations Emergency Force (UNEF).

 

Infolge der Niederlage der Briten strebten auch die übrigen britischen und

französischen Kolonien die Unabhängigkeit an. Zudem schaltete sich die

UdSSR in den Nahostkonflikt ein und unterstützte Ägypten militärisch und

wirtschaftlich. Auf ägyptischer Seite stärkte die Krise trotz militärischer

Niederlage massiv die Position Nassers und seinen Panarabismus in der

arabischen Welt.

 

Politik der Arabischen Liga bis 1967

 

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs gründeten Ägypten, Irak, das damalige

Transjordanien, Jemen, Libanon, Saudi-Arabien und Syrien die Arabische

Liga. Was zunächst als reiner Konsultativ- und Nichtangriffspakt konzipiert

war, wurde nach dem verlorenen Krieg gegen Israel im Jahr 1950 zu einem

umfangreichen Verteidigungspakt ausgebaut. Zur federführenden Nation

schwang sich in der Folge Ägypten auf, dessen Präsident Gamal Abdel Nasser

Vertreter des Panarabismus war, der eine Vereinigung des arabischen

Kulturkreises zu einer großen zusammenhängenden islamisch-sozialistischen

Nation zum Ziel hatte. Eine ähnliche Politik verfolgten die Baathisten im

Irak.

 

1958 vereinigten sich Ägypten und Syrien zur Vereinigten Arabischen

Republik, aus der das von Militärputschen geschüttelte Syrien drei Jahre

später aufgrund der hegemonialen und diktatorischen Ansprüche Nassers

wieder austrat. Trotz teilweise unüberbrückbarer Differenzen untereinander

gelang es Nasser, die arabische Welt im Allgemeinen und Syrien und

Jordanien im Speziellen für einen neuerlichen Krieg gegen Israel zu

begeistern.

 

Kriege (1967 – 1986)

 

Sechstagekrieg 1967 und seine Folgen

 

1967 bereiteten mehrere arabische Staaten unter Führung des ägyptischen

Präsidenten Gamal Abdel Nasser einen Angriff auf Israel vor. Es kam zu

massiven Truppenaufmärschen im Sinai und an den Golanhöhen. Die ägyptische

Flotte errichtete eine völkerrechtswidrige Blockade der Straße von Tiran

für israelische Schiffe und forderte UN-Truppen an den Grenzen Israels auf,

das Land zu verlassen.

 

In einem präventiven Angriff der israelischen Armee wurden die arabischen

Armeen vernichtend geschlagen. Die ägyptischen Luftstreitkräfte wurden in

den ersten Stunden des Krieges noch am Boden zerstört, die ägyptische Armee

verlor über 80 Prozent ihres militärischen Materials. Israelische Truppen

besetzten die Sinai-Halbinsel und den unter ägyptischer Verwaltung

stehenden Gaza-Streifen und bezogen Stellung am Ostufer des Sueskanals.

 

Nach einem Waffenstillstandsabkommen mit Ägypten kam es an der syrischen

Front zu einer schnellen Eroberung der strategisch wichtigen syrischen

Golanhöhen. Jordanien, das im Glauben an einen leichten Sieg in Israel

einfiel, wurde weit zurückgedrängt und verlor dadurch den östlichen Teil

Jerusalems und das Westjordanland.

 

Die Resolution 242 des UN-Sicherheitsrates erklärte den Erwerb von

Territorien durch Krieg für unzulässig, was bereits seit Ende des Zweiten

Weltkrieges Bestandteil des internationalen Rechts ist, und forderte Israel

zum Abzug aus besetzten Gebieten auf.

 

Da im englischen Wortlaut der Resolution 242 nur von „besetzten Gebieten"

und nicht von „den besetzten Gebieten" gesprochen wird, betrachtet Israel

die Resolution 242 seit der Rückgabe der Sinai-Halbinsel an Ägypten als

erfüllt. Die arabischen Staaten stehen jedoch bis heute auf dem Standpunkt,

dass sich Israel aus allen 1967 besetzten Gebieten zurückziehen muss, weil

seit 1945 ein Gebietserwerb auch im Rahmen eines Verteidigungskrieges ohne

Zustimmung des zedierenden Staates völkerrechtlich nicht mehr legal ist.

 

Die Resolution 242 forderte weiterhin die politische Unabhängigkeit eines

jeden Staates in der Region und das Recht, innerhalb sicherer und

anerkannter Grenzen frei von Bedrohungen oder Gewaltakten zu leben. Israel

begann damit, diese 67er-Gebiete und somit das heutige Palästina

systematisch zu besiedeln, hierbei wurden rund 250.000 Menschen aus ihren

Wohngebieten vertrieben.

 

Terroranschläge der PLO nach 1967

 

Nach dem Sechs-Tage-Krieg verübte die Fatah eine Reihe von Anschlägen gegen

Israel, die 1968 zur Schlacht von Karame auf jordanischem Territorium

führten. König Hussein von Jordanien geriet immer mehr in einen Konflikt

mit den palästinensischen Gruppen, weil er in den Provokationen gegen den

Nachbarstaat und in marxistisch-leninistisch orientierten Gruppen (PFLP,

DPFLP) eine ernst zu nehmende Gefahr für seine Herrschaft sah. Die

Palästinenser drohten in Jordanien zu einem Staat im Staate zu werden. Die

Situation eskalierte im September 1970 nach der Entführung dreier Flugzeuge

durch die PFLP nach Jordanien. Zur selben Zeit war die PLO für einige

Entführungen westlicher Flugzeuge verantwortlich, wobei jüdische Passagiere

ausgewählt und ermordet wurden. Der oft benutzte Slogan arabischer

Organisationen, die „Juden ins Meer zu treiben", hielt das große Misstrauen

Israels gegenüber den Arabern aufrecht. Während der Geiselnahme von München

an den Olympischen Spielen 1972 entführten und töteten Mitglieder der

palästinensischen Terrororganisation Schwarzer September elf israelische

Sportler. In der Folge mussten die PLO und verschiedene bewaffnete

palästinensische Widerstandsbewegungen ihre Basen in den Libanon und nach

Syrien verlegen.

 

Abnutzungskrieg und Khartum-Resolution

 

1968 begann Ägypten den Abnutzungskrieg und versuchte drei Jahre lang, den

Sinai von Israel zurückzuerobern. Der Krieg endete mit einem 1970

geschlossenen Waffenstillstand; keine der beiden Parteien konnte

Gebietsgewinne verzeichnen.

 

Die Khartum-Resolution vom 1. September 1967 wurde nach einem Treffen der

Führer acht arabischer Staaten nach dem Sechstagekrieg in der sudanesischen

Hauptstadt Khartum verabschiedet. Sie bestimmte die Basis der

Außenpolitiken dieser Staaten bis zum Jom-Kippur-Krieg im Jahre 1973. Sie

enthielt in ihrem dritten Absatz Bestimmungen, die als die „drei Neins"

bekannt wurden:

 

- Kein Frieden mit Israel

- Keine Anerkennung Israels

- Keine Verhandlungen mit Israel

 

In den 1970er Jahren gab es in Israel kaum Bereitschaft zur Anerkennung

einer palästinensischen Nation; dies änderte sich erst mit der

internationalen Anerkennung von Jassir Arafat. Die arabischen Staaten und

Organisationen begannen an verschiedenen Brandherden gegeneinander zu

kämpfen. Nachdem die PLO 1970 versucht hatte, König Hussein zu ermorden,

wurde sie von der jordanischen Armee nach schweren Gefechten aus dem Land

vertrieben. Syrien hatte die PLO unterstützt und Panzer nach Jordanien

geschickt, die jedoch zurückgeschlagen wurden. Die PLO zog sich in den

angrenzenden Libanon zurück. In dem multi-ethnischen Land kam es daraufhin

zu dem jahrzehntelang schwelenden Libanesischen Bürgerkrieg.

 

Jom-Kippur-Krieg 1973

 

Im Jom-Kippur-Krieg (oder Oktoberkrieg) 1973 erzielten Ägypten und Syrien

durch einen Überraschungsangriff am Jom Kippur, dem höchsten jüdischen

Feiertag, Anfangserfolge gegen Israel. Teile des Sinai wurden von

ägyptischen Truppen besetzt. Allerdings gelang es Israel nach einigen

Tagen, die ägyptischen Truppen zurückzuschlagen. Am 16. Oktober war die

ägyptische Armee eingekesselt und die Israelis standen jenseits des

Sueskanals, nur 120 km vor Kairo. Der Krieg wurde durch massiven Druck der

USA beendet.

 

Der Jom-Kippur-Krieg wird von den arabischen Staaten als Teilerfolg

gesehen, da der Mythos der Unbesiegbarkeit der israelischen Armee Schaden

genommen habe. Andere sehen ihn als eine greifbar nahe Niederlage, die

Ägypten diesmal erspart blieb. Ein Öl-Embargo, das die arabischen

Ölförderstaaten gegen israelfreundliche Staaten des Westens verhängten,

begründete die Ölkrise und führte den Industrienationen mit steigenden

Ölpreisen erstmals ihre Abhängigkeit vom Erdöl auf erschreckende Weise vor

Augen. Die Ägypter gewannen dadurch zusätzlichen Verhandlungsspielraum.

 

Camp-David-Friedensabkommen 1978

 

 

 

1973 fand unter amerikanischer Vermittlung die Genfer Nahostkonferenz

statt, auf die einige Interimsabkommen zwischen Israel, Ägypten und Syrien

folgten, die einer Stabilisierung des Waffenstillstandes dienen sollten.

1975 einigten sich Jordanien und Syrien darauf, zur Bildung einer neuen

Allianz ihre Feindseligkeiten zu beenden. Das Abkommen scheiterte 1978, da

sich König Hussein weigerte, Syrien eine dominante Position im gemeinsamen

Bündnis zuzugestehen.

 

1978 unterzeichneten der israelische Premierminister Menachem Begin und der

ägyptische Präsident Anwar as-Sadat im amerikanischen Camp David ein

Friedensabkommen, das vom US-Präsidenten Jimmy Carter ausgehandelt worden

war. Für diese Bemühungen erhielten Begin und Sadat den Friedensnobelpreis.

Beide Seiten verpflichteten sich zum Gewaltverzicht, Israel zum Rückzug von

der Sinai-Halbinsel und zum Abbruch aller jüdischen Siedlungen auf diesem

Gebiet. Ägypten erkannte im Gegenzug den Staat Israel diplomatisch an. Die

israelische Annexion des Gazastreifens lehnte Ägypten ab. Israelische

Schiffe erhielten freie Durchfahrt durch den Golf von Sues und den

Sueskanal.

 

Ein halbes Jahr später, am 26. März 1979, folgte der israelisch-ägyptische

Friedensvertrag. Sadat wurde zweieinhalb Jahre später von Islamisten

während einer Militärparade am 6. Oktober 1981 erschossen.

 

In der Folge von Sadats Israel-Besuch im Jahre 1978 verfassten 348

Reserveoffiziere der israelischen Armee eine Petition an Menachem Begin,

die ihn dazu drängen sollte, den Friedensprozess weiterzuführen. Dies

führte zur Gründung von Peace Now, einer basisdemokratischen Bewegung, die

sich darum bemüht, Unterstützung für den Friedensprozess zu gewinnen.

 

Das Jerusalemgesetz von 1980 bezeichnet das vollständige und vereinigte

Jerusalem als Hauptstadt Israels. Faktisch bedeutete dies die Annexion

Ostjerusalems. Dieses Gesetz sowie die Annexion der Golanhöhen von 1981

werden vom größten Teil der Staaten völkerrechtlich nicht anerkannt.

 

Verschiedene Vorstöße und Gespräche zwischen Israel und Syrien über eine

analoge Friedensregelung wie mit Ägypten und Jordanien scheiterten bisher

stets bereits in den Anfängen. Im Gegensatz zu Ägypten versteht sich Syrien

seither stärker als arabisches Sprachrohr der palästinensischen Sache,

insbesondere da Israel völkerrechtswidrig die Golanhöhen besetzt hat und

dadurch analoge Landkonzessionen im Sinne von „Land gegen Frieden" wie mit

Ägypten aufgrund der so aufgerichteten innenpolitischen Hürden einer

Änderung daran prinzipiell ausschloss. Obwohl sich Syrien als Sprachrohr

der palästinensischen Sache sieht, weigert es sich bis heute, die

palästinensischen Flüchtlinge im Land als Staatsbürger anzuerkennen. Sie

haben einen palästinensischen Pass, damit sie ihre Nationalität nicht

aufgeben müssen.

 

Erster Libanonkrieg 1982

 

Nachdem Israel bereits 1978 als Reaktion auf den Küstenstraßen-Anschlag die

Operation Litani im südlichen Libanon gestartet und sich zwischenzeitlich

wieder zurückgezogen hatte, griff es am 7. Juni 1982 unter dem Namen

„Operation Frieden für Galiläa" (Libanon-Feldzug) militärisch in den 

Bürgerkrieg im Libanon (1975–1990) ein und besetzte die Hauptstadt Beirut.

Die PLO, die dort nach dem „Schwarzen September" (1970) ihr Hauptquartier

eingerichtet hatte, entwickelte im Süden des Libanon eigene staatliche

Strukturen. In der Folge zogen sie mit ihren militärischen Verbänden nach

Tunesien ab, nachdem von amerikanischer Seite in Aussicht gestellt wurde,

dass man sich für eine Lösung des Flüchtlingsproblems einsetzen werde.

 

Im September 1982 verübten phalangistische Milizionäre unter den Augen der

israelischen Armee in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und

Schatila Massaker an Zivilisten; spätere Schätzungen schwanken zwischen 460

und 2.500 Opfern. Es folgten Angriffe der Amal-Miliz der schiitischen

Muslime auf die Palästinenserlager. Insgesamt wurden zwischen Juni und

September 1982 etwa 20.000 Palästinenser getötet. Der libanesische

Bürgerkrieg kostete insgesamt zwischen 90.000 und 110.000 Menschen das

Leben.

 

1985 besetzte Israel einen Streifen im Süden des Landes und gab diese

Region erst am 25. Mai 2000 mit dem Abzug der Armee an den Libanon zurück.

Am 24. Juli erklärte die UN, dass sich die israelische Armee hinter die

Waffenstillstandslinien der 40er Jahre zurückgezogen habe. Ungeklärt blieb

bisher der völkerrechtliche Status des schmalen Grenzstreifens der

Shebaa-Farmen.

 

Nachdem die israelischen Truppen entgegen ihren eigenen Erwartungen von der

libanesischen Bevölkerung anfangs häufig als Hoffnungsträger auf ein Ende

des Bürgerkrieges begrüßt wurden, nahm die Zustimmung zur Besatzung schnell

ab. Teils rücksichtslose Militäraktionen seitens Israels und einseitige

Parteinahme für einzelne libanesische Strömungen führten in der Bevölkerung

zu dem Eindruck, Israel sei gar nicht an einer Stabilisierung des Libanon

interessiert, sondern bloß an einer möglichst effektiven Bekämpfung der PLO

und anderen den Staat Israel bedrohender Gruppen. Mit jeder weiteren

empfundenen Ungerechtigkeit seitens Israels wuchs die Zustimmung der

libanesischen Bevölkerung zur Hisbollah, die immer mehr als einzige

Organisation wahrgenommen wird, die Widerstand gegen Israel leistet.

 

Die Intifadas (1987 – 2005)

 

Erste Intifada 1987

 

Gewaltsam eskalierte der Konflikt seit dem Ausbruch der ersten Intifada

1987, einem Aufstand der Palästinenser in den israelisch besetzten

Gebieten. Im so genannten „Krieg der Steine", der bis 1991 dauerte, kam es

immer wieder zu Zusammenstößen zwischen der israelischen Armee und

aufständischen Palästinensern.

 

Irakische Angriffe auf Israel 1991

 

Im Golfkrieg von 1990 überfiel der irakische Diktator Saddam Hussein das

Nachbarland Kuwait und griff zudem Saudi-Arabien und Israel an. Ein

massiver Einschnitt war die Vertreibung der Palästinenser aus Kuwait 1991¹⁴

unmittelbar danach. Die Parteinahme des PLO-Führers Jassir Arafat für

Saddam Husseins Invasion hatte das Geschehen ausgelöst.¹⁵ Die etwa 450.000

in Kuwait lebenden Palästinenser, die als vergleichsweise wohlhabend

galten, wurden binnen zweier Wochen bis auf wenige Tausend aus dem Land

vertrieben.¹⁵ Zudem kam die Unterstützung der Golfstaaten für die PLO zum

Erliegen. Der innerarabische Konflikt führte in den 90er-Jahren zu einem

tiefen Bruch zwischen den arabischen Staaten.¹⁶

 

Der Iran versucht sich seit Beginn des neuen Jahrtausends verstärkt als

Hegemonialmacht zu etablieren und sich zu einem Vorreiter für den Kampf

gegen Israel zu machen, hat jedoch aufgrund seiner islamistischen

Ausrichtung und den guten Beziehungen zur Hamas ein sehr angespanntes

Verhältnis zu gemäßigten Staaten.¹⁷

 

Oslo-Prozess 1993

 

Es gab und gibt viele Versuche, den Konflikt friedlich beizulegen, etwa die

Madrider Konferenz 1991. Große Hoffnungen machte das 1993 geschlossene

Oslo-Abkommen (Oslo I), das einen Abzug der israelischen Armee aus dem

Westjordanland und dem Gazastreifen sowie eine palästinensische

Selbstverwaltung in diesen Gebieten vorsah. Nach einer Übergangszeit sollte

ein dauerhafter Status der Gebiete ausgehandelt werden. Konfliktträchtige

Punkte wie die Jerusalemfrage oder das Flüchtlingsproblem wurden dabei

vertagt. Nach dem Gaza-Jericho-Abkommen und Oslo II geriet der

Oslo-Friedensprozess jedoch ins Stocken. Er wurde als endgültig gescheitert

angesehen, nachdem in Camp David beim Treffen Camp David II zwischen dem

PLO-Führer Arafat und dem israelischen Premierminister Barak im Juli 2000

keine Einigung erzielt werden konnte. Damals bot Ehud Barak Jassir Arafat

etwa neunzig Prozent des Westjordanlandes, den ganzen Gazastreifen und

Ostjerusalem als Hauptstadt eines neuen palästinensischen Staates an.

Zusätzlich sollte ein neuer internationaler Fonds eingerichtet werden, um

die Palästinenser für das Land zu entschädigen. Für Arafat ging dieses

Angebot nicht weit genug. Er bestand darauf, dass allen Flüchtlingen

gestattet werden sollte, auf das Land zurückzukehren, das ihnen vor 1967

gehört hatte. Diese Forderung wollte Israel wiederum nicht akzeptieren.¹⁸

 

Am 26. Juli 1994 unterzeichneten König Hussein von Jordanien, der

israelische Ministerpräsident Jitzchak Rabin und US-Präsident Bill Clinton

in Washington den israelisch-jordanischen Friedensvertrag.

 

Zweite Intifada 2000

 

In der Folge nahm die Gewalt wieder zu, besonders seit Beginn des zweiten

palästinensischen Aufstands, der al-Aqsa-Intifada im Jahre 2000. Diese

Zweite Intifada war im Gegensatz zur ersten Intifada von Anfang an ein

bewaffneter Aufstand mit zahlreichen Selbstmordattentaten auf israelische

Zivilisten. Im Zuge der folgenden Vergeltungsschläge der israelischen Armee

wurden weite Teile der Infrastruktur in den palästinensischen Gebieten

zerstört.

 

In den letzten Jahren finden islamistische Organisationen wie Hamas

zunehmende Unterstützung unter der palästinensischen Bevölkerung. Diese

opponieren gegen die aus ihrer Sicht zu gemäßigte und wenig erfolgreiche

Politik der Palästinensischen Autonomiebehörde. Diese Entwicklung ist

geprägt durch eine große Zahl an Selbstmordanschlägen islamistischer

Organisationen auf israelische Zivileinrichtungen. Im Mai 2003 marschierten

israelische Truppen in das Westjordanland und den Gazastreifen ein. Die

dort vom israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon angekündigte

Strategie der „Zerstörung der terroristischen Infrastruktur" hatte die

Zerstörung der Einrichtungen der palästinensischen Autonomiebehörde sowie

von Teilen der zivilen palästinensischen Infrastruktur zur Folge. Tausende

Palästinenser wurden durch die Zerstörung ihrer Häuser obdachlos.

 

Im Jahr 2003 begann die israelische Regierung mit der Errichtung einer

Sperranlage, größtenteils einem elektronisch gesicherten Zaun, zu etwa

sechs Prozent (rund 30 km) eine bis zu acht Meter hohe Betonmauer,¹⁹ die zu

etwa dreiviertel ihrer Länge östlich der grünen Linie

(Waffenstillstandslinie von 1948) auf palästinensischem Gebiet verläuft.

Sie gliedert einen Großteil der jüdischen Siedlungen an das israelische

Kernland an. Bestimmte palästinensische Siedlungen wie Kalkilya werden so

von drei Seiten umschlossen und damit Bauern teilweise von ihren Feldern

abgetrennt, so dass die palästinensische Wirtschaft in diesem Grenzbereich

stark beeinträchtigt wird. Einzelne jüdische Siedlungsblöcke wie Maale

Adumim und Ariel schieben sich zudem bis ca. 20 km tief ins

palästinensische Kernland und erschweren dadurch Transporte und einen

möglicherweise zukünftigen zusammenhängenden palästinensischen Staat. Nach

israelischer Sichtweise soll durch die Sperranlage das Eindringen von

Selbstmordattentätern auf israelisches Territorium verhindert werden. Von

palästinensischer Seite wird befürchtet, dass Israel entlang der

Sperranlage einseitig seine Außengrenze festlegen will. Zusätzlich

erschwerend für den Transport und die Wirtschaft wirken die über 500

Straßensperren und Checkpoints²⁰ der israelischen Armee im Westjordanland.

 

Am 22. März 2004 wurde der geistliche Führer und Gründer der militanten

Hamas-Bewegung, Scheich Ahmad Yasin, durch einen gezielten israelischen

Hubschrauberangriff in Gaza-Stadt getötet. Die Maßnahme ist Teil einer

Politik der gezielten Tötung von Feinden des Staates Israel.

 

Ein weiterer Führer der radikalen Palästinenserbewegung, Abd al-Aziz

ar-Rantisi, rief nach dem Anschlag die islamische Welt zum Krieg gegen

Israel auf. Am 17. April 2004, in unmittelbarer Nähe von Yasins Grab, kam

ar-Rantisi durch einen gezielten Angriff der israelischen Armee auf sein

Auto ebenfalls ums Leben. Die Hamas schwor umgehend Rache.

 

Am 31. August 2004 reißen bei Bombenanschlägen in Be'er Scheva auf zwei

Busse die beiden Attentäter 18 Menschen mit in den Tod und mindestens 35

weitere werden verletzt. Die Izz-al-Din-al-Qassam-Brigade der Hamas

übernahm die Verantwortung für die Anschläge.²¹ Vom 30. September - 15.

Oktober 2004 führte die israelische Armee die Operation Tage der Buße im

Gazastreifen durch.

 

Der Tod von Jassir Arafat am 11. November 2004 läutete das Ende einer Ära

ein. Er beendete eine Zeit der Stagnation, weil nach dem Scheitern der

Friedensgespräche und der anhaltenden Selbstmordattentate die israelische

Regierung in Arafat keinen Gesprächspartner mehr gesehen hatte.²² Die

Bevölkerung der Autonomiegebiete hofft auch auf einen Rückgang der starken

Korruption durch das "System Arafat".²³

 

Am 8. Februar 2005 hatten sich der neue Präsident der palästinensischen

Autonomiebehörde Mahmud Abbas und Ariel Scharon im ägyptischen Scharm

El-Scheich zum ersten Gipfel seit Beginn der Intifada getroffen und dabei

einen Waffenstillstand vereinbart. Dieser Tag gilt als Ende der zweiten

Intifada. Die Zerstörung der Wohnhäuser von Terrorverdächtigen wurde ebenso

wie die gezielten Tötungen eingestellt.²⁴

 

Trennungsplan und Abkopplung (seit 2005)

 

Räumung des Gazastreifens 2005

 

Im August 2005 begann die einen Monat dauernde Räumung aller 21 jüdischen

Siedlungen im Gazastreifen (Gusch Katif) sowie vier weiterer im

Westjordanland durch die israelische Armee. Dabei kam es zu gewaltsamen

Auseinandersetzungen zwischen Siedlern und Armeeangehörigen. Etwa 8000

Menschen wurden bei dieser Aktion umgesiedelt. Gleichzeitig wird aber im

Westjordanland der Siedlungsbau durch Israel teilweise fortgesetzt.

 

Nachdem sich seit der Wahl der Hamas in den Palästinensischen

Autonomiegebieten (Januar 2006) die Lage dort bürgerkriegsähnlich zuspitzt,

hat der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert seinen zunächst

unilateral gemeinten Konvergenz-Plan, der auf dem von der israelischen

Bevölkerung mehrheitlich abgelehnten einseitigen Abkoppelungsplan von Ariel

Scharon aufbaut, zum Verhandlungsangebot umgewandelt. Darin wird den

Palästinensern ein eigener Staat angeboten, allerdings gegen u. a. die

Zustimmung zu Gebietsverlusten, die durch den umstrittenen Verlauf der von

Israel errichteten Sperranlagen weiter verfestigt worden sind.

 

Ungeachtet der Schleifung der jüdischen Siedlungen feuerten extremistische

Palästinenser seit 2006 mehrfach vom Gazastreifen, insbesondere von Bait

Lahiya, Kassam-Raketen auf israelisches Gebiet ab. Ziele waren meist

Sderot, Aschkelon und die umliegenden Kibbuzim. Abbas forderte im Juni 2006

militante palästinensische Gruppen auf, den Waffenstillstand mit Israel

einzuhalten. Jeder, der weiterhin Raketen Richtung Israel abschieße, werde

von ihm für die Zerstörung und Opfer als Folge eines drohenden israelischen

Angriffs verantwortlich gemacht.

 

Die Operation Sommerregen der israelischen Armee im palästinensischen

Gaza-Streifen dauerte vom 25. Juni bis 28. August 2006. Von israelischer

Seite wurde der Einmarsch als Reaktion auf die Entführung des Soldaten

Gilad Schalit dargestellt, wobei im Gazastreifen zahlreiche Gebäude und das

zentrale Kraftwerk aus der Luft und mit Artillerie zerstört oder beschädigt

wurden und bis zum 3. November 2006 über 280 Palästinenser, darunter viele

Zivilisten jeder Altersgruppe, von der israelischen Armee getötet wurden.²⁵

Zudem wurden im Westjordanland neben dem Parlamentssprecher zahlreiche

weitere Minister und Abgeordnete wegen ihrer Mitgliedschaft in der Hamas

verhaftet.

 

Seit Februar 2006 kann durch die israelischen Zugangsbeschränkungen für

Palästinenser zum Jordantal etwa ein Drittel des Westjordanlands effektiv

nur noch von Israelis bewirtschaftet werden.²⁶

 

Zweiter Libanonkrieg 2006

 

Trotz des freiwilligen israelischen Abzugs 2000 kam es wiederholt zu

Angriffen der Hisbollah, die Israel vom Südlibanon aus mit Raketen

beschoss. Die UNO hatte die libanesische Regierung mehrfach dazu

aufgefordert, ihre staatliche Gewalt gegenüber den Hisbollah-Milizen

durchzusetzen und diese zu entwaffnen, um die Angriffe zu unterbinden. Die

Spannungen wurden durch die Aufnahme von Vertretern der Hisbollah in die

libanesische Regierung und im Mai 2006 durch das Eindringen israelischer

Kampfflugzeuge in den libanesischen Luftraum zusätzlich verstärkt. Die UNO

drückte ihre Besorgnis aus und ermahnte beide Seiten zur Zurückhaltung.

Ende Mai 2006 griff die israelische Luftwaffe zwei Stützpunkte militanter

Palästinenser im Libanon an.

 

Die Auslöser des zweiten Libanonkrieges waren ein Überfall der Hisbollah

auf einen israelischen Grenzposten am 12. Juli 2006, bei dem zwei

israelische Soldaten von der Hisbollah entführt wurden, um in israelischen

Gefängnissen festgehaltene Gefangene auszutauschen (Samir Kuntar), sowie

der Raketenbeschuss der Hisbollah auf Nordisrael. Bei dem Versuch, die

beiden Soldaten zu befreien, drangen israelische Militärs in libanesisches

Gebiet ein. Dabei wurden mehrere Soldaten getötet.

 

Am 13. Juli bombardierten israelische Kampfflugzeuge den internationalen

Beiruter Flughafen. Weitere 150 Ziele im Libanon wurden angegriffen,

darunter auch Beiruter Vororte und mehrere Dörfer im Süden Libanons, die

laut israelischem Militär als Hisbollah-Hochburgen gelten, jedoch

überwiegend Zivilisten trafen. Daneben wurden von Israel auch weitere

Infrastrukturanlagen wie Hafenanlagen, Brücken, Straßen, Flughäfen,

Einrichtungen der libanesischen Armee, Fernsehsender und

Telekommunikationsanlagen zerstört. Ministerpräsident Siniora bezifferte

die angerichteten Schäden bereits nach einer Woche intensiver Bombardierung

auf über eine Milliarde Dollar. Die Hisbollah beschoss ihrerseits

Nord-Israel fortlaufend mit Raketen mit zum Teil unerwarteter Reichweite.

 

Bis Mitte August 2006 fielen auf israelischer Seite 43 Zivilisten den

Kampfhandlungen zum Opfer, auf libanesischer Seite 1.183, während auf

beiden Seiten tausende Verletzte und hunderttausende Flüchtlinge zu

verzeichnen waren.

 

Die Verabschiedung der Resolution 1701 im UN-Weltsicherheitsrat, in der die

Parteien zur Einstellung der Kämpfe unter bestimmten Bedingungen

aufgefordert wurden, erfolgte am 12. August 2006. Der Waffenstillstand trat

am 14. August 2006 um 7:00 Uhr MESZ in Kraft und wurde danach am Boden

weitgehend eingehalten. In der Luft dagegen kam es zu anhaltenden

Verletzungen des libanesischen Luftraums durch israelische

Militärflugzeuge. Israel bezweifelte die Effektivität der Schutztruppe und

fürchtete ein neuerliches Aufrüsten extremistischer Kräfte. Die in der

Resolution geforderte vollständige Entwaffnung der Hisbollah und anderer

bewaffneter Gruppen durch die UN-Sicherheitstruppen erfolgte bisher

nicht.²⁷ ²⁸

 

Ungelöst ist weiterhin die Beseitigung der Minenfelder und der von Israel

eingesetzten nicht explodierten Streubomben (cluster bombs) im Südlibanon.

Diese haben eine Vielzahl von nicht explodierten Projektilen hinterlassen,

durch die immer wieder Zivilpersonen getötet und verletzt werden. Ohne eine

Zusammenarbeit Libanons und Israels bei der Auffindung und Zerstörung

solcher Blindgänger werden weitere Opfer erwartet. Israel hält zudem

weiterhin den eindeutig zu Libanon gehörenden Nordteil des Dorfes Ghadschar

besetzt, während der Südteil von Ghadschar zu den Golanhöhen gehört.

 

Innerpalästinensische Konflikte 2006

 

Die PLO, die jahrzehntelang erfolgreich einen Absolutheitsanspruch auf die

Vertretung palästinensischer Interessen erhoben hatte, begann nach der

Jahrtausendwende schrittweise an Macht und Einfluss zu verlieren. Zur

erfolgreichsten Opposition entwickelte sich die aus der ägyptischen

Muslimbruderschaft hervorgegangene, radikalislamische Hamas, die sich nach

außen hin dem unbedingten Kampf gegen Israel verpflichtete, und nach innen

hin mit einer Reihe von sozialen Projekten Anerkennung innerhalb der

palästinensischen Bevölkerung erlangte. Die Hamas profitierte davon, dass

die von der Fatah kontrollierte Palästinensische Autonomiebehörde und ihre

Sicherheitskräfte besonders verarmten Bevölkerungsschichten aufgrund

massiver Korruption und willkürlicher Verhaftungen und Folterungen

zunehmend verhasst war. Der Tod der palästinensischen Identifikationsfigur

und des langjährigen PLO-Chefs Jassir Arafat im Jahr 2004 und die

Niederlage der Fatah bei den Wahlen zum palästinensischen Legislativrat im

Jahr 2006 stellten weitere Eckpunkte des Machtverlustes der PLO dar. Der

Konflikt zwischen Fatah- und Hamas-Anhängern wurde insbesondere nach 2006

zunehmend gewalttätiger. Kämpfe zwischen verfeindeten Milizen nahmen

insbesondere im Juni 2007 bürgerkriegsähnliche Züge an. Der Hamas gelang

es, militärisch die Kontrolle über den Gazastreifen zu erlangen, was zu

einer De-facto-Teilung der Palästinensischen Autonomiegebiete führte. Trotz

verschiedener Vermittlungsversuche aus der arabischen Welt schwelt der

innerpalästinensische Konflikt bis heute weiter. Unvereinbar scheinen vor

allem die Ziele bezüglich eines zukünftigen palästinensischen Staates zu

sein. Während die Fatah eine Koexistenz mit Israel und einen säkularen

Staat anstrebt, lehnt die Hamas das Existenzrecht Israels kategorisch ab

und hat die Gründung eines islamischen Gottesstaats zum Ziel.

 

Im Februar 2007 einigten sich Hamas und Fatah darauf, eine

Einheitsregierung zu bilden. Die Hamas weigert sich weiterhin, Israel

anzuerkennen, wobei sie in ihrer Position vom Iran gestärkt wird. In der

Vereinbarung zur Bildung einer Einheitsregierung ist allerdings eine Zusage

der Hamas enthalten, die zwischen Israel und der PLO geschlossenen Abkommen

zu respektieren. Die in dieser Zusage enthaltene implizite Anerkennung

Israels genügt der israelischen Regierung jedoch nicht. Die Verhandlungen

zur Regelung des israelisch-palästinensischen Konflikts, die im Januar 2001

abgebrochen wurden, ruhten bis 2008. Die Kontakte zwischen Israel und dem

palästinensischen Präsidenten Abbas von Fatah beschränkten sich bis 2008

auf technische Fragen.

 

Krieg im Gazastreifen 2008

 

Als Reaktion auf Raketenangriffe der Hamas auf israelisches Territorium

begann die israelische Armee am 27. Dezember 2008 im Gazastreifen die

Operation Gegossenes Blei mit einem Luftwaffenangriff. Die Operation wurde

am 18. Januar 2009 mit einer einseitigen Waffenstillstandserklärung Israels

beendet.

 

Wiederaufnahme der Friedensgespräche 2010

 

Nach fast zweijähriger Unterbrechung nahmen Israelis und Palästinenser am

2. September 2010 in Washington ihre direkten Friedensgespräche wieder auf.

Kurz vor dem Treffen, das US-Präsident Barack Obama vermittelt hatte,

forderte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu die Palästinenser auf,

Israel als jüdischen Staat anzuerkennen. Palästinenserpräsident Mahmud

Abbas und sein Chefunterhändler Saeb Erekat machten erneut klar, dass sie

einen völligen Siedlungsstopp im Westjordanland erwarteten.²⁹

 

Die USA gaben am 8. Dezember 2010 bekannt, dass sie nicht länger von Israel

einen 90-tägigen Siedlungsstopp im Westjordanland verlangen. Vorher hatten

die USA ein Siedlungsbaumoratorium gefordert. Die New York Times und

Jerusalem Post meldeten, dass diesbezügliche Gespräche endgültig aufgegeben

wurden. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak kritisierte den stockenden

Friedensprozess: „Die Verhandlungen sind momentan total blockiert […] Die

Amerikaner sind viel zu beschäftigt mit Nordkorea und den Enthüllungen von

Wikileaks".³⁰

 

Krieg im Gazastreifen 2012

 

Am 14. November 2012 begann die israelische Armee mit Operation Wolkensäule

Angriffe auf militärische Ziele im Gazastreifen. Diese erfolgte nach

Angaben der israelischen Armee u. a. als Reaktion auf Raketenanschläge von

Gaza aus, mit dem Ziel diese zu stoppen und die Fähigkeiten der dortigen

militärischen Organisation zu reduzieren.³¹

 

Krieg im Gazastreifen 2014

 

Die israelischen Verteidigungsstreitkräfte begannen die Militäroperation

Protective Edge am 8. Juli 2014, nachdem die Hamas und andere militante

palästinensische Gruppen aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel schossen.

 

Hauptkonfliktpunkte

 

Staatsgrenzen

 

Das Gebiet eines künftigen palästinensischen Staates und sein Grenzverlauf

zu Israel sind ungeklärt und auch unter den Palästinensern selbst

umstritten. Da die Araber den UN-Teilungsplan von 1947 (Resolution 181)

abgelehnt hatten und Israel einen Großteil der darin vorgesehenen

Palästinensergebiete im Palästinakrieg annektierte, reduzierte sich das

ursprünglich für einen Palästinenserstaat vorgesehene Gebiet enorm.

 

Von 1960 bis etwa 1989 strebte die PLO gemäß interner und offizieller

Dokumente einen Palästinenserstaat an, der die Gebiete Jordanien, Israel,

das Westjordanland und den Gazastreifen einschließen sollte. Die PLO gab

die Forderung nach einem Staat auf dem Gebiet Israels 1993 im Oslo-Abkommen

auf und erkannte das Existenzrecht Israels 1998 offiziell an. Sie strebt

heute einen Staat auf dem Gebiet des gesamten Westjordanlandes und in Gaza

mit Ostjerusalem als Hauptstadt an.

 

Teile der Fatah sowie die islamistischen Organisationen Hamas und

Islamischer Dschihad fordern jedoch weiterhin die „Befreiung ganz

Palästinas" einschließlich des Gebietes Israels, also dessen Beseitigung.

 

Rückkehrrecht

 

Unter den Parteien besonders umstritten ist das Rückkehrrecht für die

palästinensischen Flüchtlinge, die im Zuge der Staatsgründung Israels ihre

Heimat verließen, ihr Eigentum verloren haben und nicht mehr zurückkehren

durften. Die Palästinenser fordern das Rückkehrrecht für alle damaligen

Flüchtlinge (etwa 700.000) sowie die heute als Flüchtlinge geführten

Palästinenser (etwa 6 Millionen, nach palästinensischen Angaben 8,5

Millionen). Israel verweigert dies und verweist dabei auf das israelische

Rückkehrgesetz für Juden aus aller Welt sowie auf die während Israels

Staatsgründung aus den arabischen Ländern vertriebenen Juden: ein

Rückkehrrecht sowohl für Juden als auch für Palästinenser würde zu einer

Auflösung des Staates Israel in seiner derzeitigen Konzeption als jüdisch

dominierter Staat führen, ein Rückkehrrecht oder eine Entschädigung für die

arabischen Juden sei zudem undenkbar.

 

Die Palästinenser im Gazastreifen und im Westjordanland werden trotz ihrer

Zugehörigkeit zu den Palästinensischen Autonomiegebieten bis heute vom

UNRWA mehrheitlich als Flüchtlinge geführt und sind zumeist faktisch

staatenlos. Selbiges gilt auch für die Palästinenser, die bis heute in

Flüchtlingslagern im Libanon und in Syrien leben. Trotz der schwierigen

Lebensbedingungen in den Flüchtlingslagern und den durch Israel besetzten

Gebieten findet vor allem in letzteren ein anhaltendes Bevölkerungswachstum

statt. Von 1967 bis 2002 stieg die Zahl der Palästinenser in den Gebieten

von 450.000 auf 3,3 Millionen. Die Geburtenrate im Gazastreifen gehört seit

Jahren zu den höchsten der Welt. Etwa die Hälfte aller Bewohner der

besetzten Gebiete und Flüchtlingslager sind unter 15 Jahre alt.³² Der

Soziologe Gunnar Heinsohn sieht darin einen klassischen Fall des Youth

Bulges und eines der wesentlichen Probleme des Nahostkonflikts im neuen

Jahrtausend. Die hohe Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit unter

palästinensischen jungen Männern führe zu einer erhöhten Gewaltbereitschaft

und einer Anfälligkeit für extremistische Ideologien, woran jedoch nach

Ansicht Heinsohns auch ein unabhängiger palästinensischer Staat vorerst

nichts ändern würde. Die palästinensischen und arabischen Führer hätten gar

kein Interesse, die Feindschaft zu Israel zu beenden, da sie befürchteten,

die gewalt- und umsturzbereiten jungen Männer würden sich sonst gegen sie

wenden. Die palästinensischen Führer hätten zudem keine Skrupel, die jungen

Männer als „Waffe" einzusetzen.³³

 

Jüdische Siedlungen auf Palästinensergebieten

 

Der dritte Streitpunkt ist das Fortbestehen der von Israel seit 1967 in den

besetzten Gebieten errichteten jüdischen Siedlungen, in denen mittlerweile

etwa 200.000 israelische Juden leben. Diese Siedlungen werden international

gemeinhin als völkerrechtswidrig betrachtet.

 

Das Westjordanland wurde als Ergebnis des Interimsabkommen über das

Westjordanland und den Gazastreifen von 1995 in drei Zonen (A: 18 %, B: 20

% und C: 62 % der Fläche des Territoriums hinter der Grünen Linie)³⁴

eingeteilt, in denen die Palästinensische Autonomiebehörde und das

israelische Militär jeweils andere Befugnisse haben. Vor allem in dem

C-Gebiet errichteten jüdische Siedler nach der Besatzung zahlreiche

Israelische Siedlungen, für die teilweise palästinensisches Land

konfisziert wurde. So lebten im heutigen C-Gebiet 1972 etwa 1.200

jüdisch-israelische Siedler, 1993 waren es 110.000 und 2010 bereits

310.000, die durch die israelische Siedlungspolitik in 124 Siedlungen und

etwa 100 Außenposten angesiedelt wurden. In den C-Gebieten leben etwa

150.000 Palästinenser. Israel kontrolliert hier die gesamte Infrastruktur

und unterdrückt eine palästinensische Entwicklung. Diese Siedlungspolitik

wird von den Palästinensern sowie der internationalen Staatengemeinschaft

vehement kritisiert.³⁴ Die Hoffnung der Israelis, die Auflösung

verschiedener Siedlungsgebiete wie beispielsweise die vollständige

Zwangsräumung jüdischer Siedlungen im Gazastreifen im Jahr 2005 würde den

Friedensprozess entscheidend voranbringen (Land für Frieden), erfüllte sich

nicht. Der Gazastreifen wurde vielmehr zur Machtzentrale der islamistischen

Hamas, ähnlich wie der israelische Rückzug aus dem Süden Libanons Ende der

80er-Jahre keinen Frieden, sondern ein Erstarken der radikalislamischen

Hisbollah zur Folge hatte.

 

Ende Januar 2009 gelangte die israelische Tageszeitung Haaretz an eine

geheime Siedlungsdatenbank, die vom Verteidigungsminister Ehud Barak wegen

ihrer politischen Brisanz zurückgehalten wurde. Die Datenbank belegt, dass

in 75 % aller Siedlungen im Westjordanland Bebauungen zum Teil in

erheblichem Umfang ohne Genehmigung oder sogar gegen israelische

Bestimmungen vorgenommen wurden. In über 30 Siedlungen wurden Gebäude und

Infrastruktur (Straßen, Schulen, Synagogen, Jeschiwot und auch

Polizeistationen) auf Privateigentum von Palästinensern errichtet.³⁵

 

Viele verschiedene Quellen sprechen von „besetzten palästinensischen

Gebieten", wenn sie Palästina oder Teile davon meinen.

 

Trinkwasser

 

Der Nahe Osten als aride Region besteht zu 95 % aus Wüstengebieten und

besitzt dabei geringe Süßwasservorkommen. Nur wenige Flüsse führen das

ganze Jahr über Wasser, die Zahl der unterirdischen Grundwasservorkommen

und Aquifere ist begrenzt. Insgesamt stehen der Großregion Naher Osten nur

1 % der weltweit verfügbaren Süßwasserressourcen (bei ca. 5 % der

Weltbevölkerung) zur Verfügung, das entspricht einer Pro-Kopf-Verfügbarkeit

von 761 Kubikmeter/Jahr (zum Vergleich: die durchschnittliche weltweite

Verfügbarkeit liegt bei 6895 Kubikmeter pro Kopf pro Jahr).

 

Auf Grund von Schätzwerten der Bevölkerungszahl Israels und der besetzten

Gebiete ergibt sich hier eine Frischwassermenge von nur knapp über 200

Kubikmetern pro Kopf und Jahr. Die Lage des Gaza-Streifens ist wegen des

hohen Bevölkerungswachstums besonders kritisch. Isoliert betrachtet ergibt

sich hier ein Wasserdargebot von lediglich 27-38 Kubikmetern pro Kopf und

Jahr.³⁶

 

Der Jüdische Nationalfonds versucht mit dem Bau von Süßwasserreservoirs dem

Verbrauch von Wasser aus dem See Genezareth entgegenzuwirken. In Israel

wurden unter anderem durch Michael Evenari erhebliche Forschungen zur

Verbesserung der Wasserversorgung und Optimierung der künstlichen

Bewässerung geleistet. Evenari unterstellte den zeitgenössischen Beduinen

im Gegensatz zu den Nabatäern, nicht Söhne, sondern durch suboptimale

Landnutzung Väter der Wüste zu sein und die lokale Wasserkrise dadurch zu

verschlimmern.

 

Im gesamten Nahen und Mittleren Osten birgt der Zugang zu Süßwasser

Konfliktpotential. Genauso sind mögliche kooperative Lösungen eine wichtige

Grundlage für die Entwicklung der Gesamtregion. Der grundsätzliche

Konflikt, die Jordan-Wasserfrage, wurde bereits 1953 faktisch im Rahmen des

Johnston-Plans, eines UN-Kompromissvorschlags, gelöst, an den sich die

Anrainer, insbesondere Israel, auch halten. Das Abkommen wurde auf

Betreiben der Arabischen Liga nie offiziell ratifiziert, da man jedwede

vertragliche Übereinkunft als Anerkennung Israels betrachtete. In

Wasserfragen kam es ebenfalls sehr früh zu einem inoffiziellen und intensiv

fortgesetzten bilateralen Dialog zwischen Jordanien und Israel. Im

Gegensatz dazu gilt die syrische Absicht, das Wasser des Jordan durch

Umleitung der nicht auf israelischem Gebiet liegenden Quellflüsse Banyas

und Hasbani vermehrt selbst zu nutzen, als ein Auslöser des

Sechstagekrieges.

 

Jerusalemfrage

 

Ein weiteres ungelöstes Problem ist der zukünftige Status von Jerusalem,

das beide Seiten als Hauptstadt beanspruchen, jedoch vom Staat Israel

annektiert ist.

 

Der Nahostkonflikt hat für viele involvierte Menschen auf beiden Seiten und

sicher auch für manche Beobachter eine starke religiöse Komponente.

Jerusalem ist eine heilige Stadt für Juden, Muslime und Christen.

 

Den Tempelberg, auf dem bis 70 n. Chr. der Jerusalemer Tempel stand, und

dessen westliche Außenmauer – die so genannte Klagemauer, die heute das

wichtigste Heiligtum des Judentums ist - wollen zahlreiche jüdische

Israelis aus religiösen Gründen nicht aus der Hand geben. Sie verbinden mit

der Rückkehr ins Heilige Land und der Eroberung Jerusalems 1967 die

Verheißungen der Tora und das Warten auf den Messias. Die Besiedelung der

heiligen Stätten wie Hebron im Westjordanland wäre ohne religiöse

Motivation nicht in diesem Ausmaß möglich gewesen.

 

Es gibt tora- bzw. bibelgläubige Juden und Christen, die in den Ereignissen

im Nahen Osten eine Erfüllung göttlicher Prophezeiungen sehen.³⁷ So zitiert

der christliche Hänssler Verlag den biblischen Autor Sacharja (etwa 500 v.

Chr.): »Ich will Jerusalem zum Taumelbecher zurichten für alle Völker

ringsumher« (Sacharja 12, 1). Zudem wird auf eine ältere Schrift von

Ezechiel hingewiesen, die von der Rückkehr der Juden in ihr Land »aus allen

Völkern« (Ezechiel 34) spricht. Eine weitere Bibelstelle führen nur die

Christen an, da es sich um ein Zitat aus dem Neuen Testament handelt, das

bei den Juden nicht zu den Heiligen Schriften zählt: Paulus spricht in

Römer 11 von Gottes Gnade für Israel.³⁸ Arabische Christen und

antizionistische Juden teilen diese Auffassung allerdings nicht.

 

Der Felsendom, der sich in Ost-Jerusalem befindet, stellt für Muslime ein

besonderes Heiligtum dar.³⁹ Für radikale Muslime ist schon die Existenz

Israels ein Problem, denn ein Gebiet, das einst zum Einflussbereich des

Islam gehörte, könne nicht „Ungläubigen" überlassen werden.

 

Wichtigstes Anliegen der muslimischen Palästinenser ist Jerusalem als

Hauptstadt eines eigenen Staates mit dem Tempelberg als Mittelpunkt. Sie

stützen sich dabei auf die bereits frühomayadische Überlieferung, dass, der

Erzählung nach, in der Sure 17, Vers 1-2 des Korans, die Zusammenkunft

Mohammeds mit Allah in Begleitung des Erzengels Gabriel sowie die

Himmelfahrt Mohammeds am Standort des heutigen Felsendomes auf dem

Tempelberg stattgefunden haben soll.

 

Das in den Amarna-Briefen erwähnte Uruschalim verfügte bereits Jahrhunderte

vor der Inbesitznahme durch die Israeliten über einen jebusitischen

(kanaanitischen) Haupttempel. Es war somit damals schon nicht nur ein

politischer, sondern auch ein religiöser Mittelpunkt.

 

Im Konfliktgebiet präsentieren sich daher der Konflikt und seine

Lösungsmöglichkeiten verschieden je nach Anwendung der Prinzipien des

Selbstbestimmungsrechtes der heute dort ansässigen Bevölkerung allein

aufgrund der demographischen Verhältnisse oder unter Anwendung historischer

bzw. historisch-religiöser Überlegungen. Da nicht einmal über die

anzuwendenden maßgebenden Kriterien auf beiden Seiten Einigkeit besteht,

bzw. jede Seite die ihr am meisten bei der Argumentation nützenden

Grundsätze als maßgebend postuliert, ist der langandauernde und zähe

Konflikt erklärbar. Er wird sogar noch weiter geschürt, indem fortlaufend

neue Fakten vor Ort geschaffen werden. Als Beispiel wird häufig das

Errichten neuer israelischer Siedlungen im Westjordanland genannt.

Demgegenüber werden von israelischer Seite Ängste geäußert, die insgesamt

deutlich stärkere Geburtenrate der Araber würde auf lange Sicht die

bestehende demografische Situation ändern und zu einem arabischen

Übergewicht führen. Dem wird jedoch oft die ebenfalls hohe Geburtenrate in

den jüdischen Siedlungen im Westjordanland entgegengesetzt. Diese und auch

noch andere Argumente erschweren eine Konsenslösung um das Errichten zweier

gleichberechtigter Staaten nebeneinander.

 

Sicherheitsfrage

 

Weitere Bedenken bestehen auf israelischer Seite, ob eine künftige

palästinensische Regierung die Sicherheit des jüdischen Staates und seiner

Bürgerinnen und Bürger gewähren kann. In der Vergangenheit kam es immer

wieder zu Angriffen aus dem Gaza-Streifen, bei dem Raketen abgeschossen

wurden, die auf israelischem Gebiet einschlugen. Zudem gab es auf

israelischer Seite zahlreiche Tote durch Selbstmordanschläge zu beklagen,

die in palästinensischem Gebiet vorbereitet worden waren.

 

Kulturelle Identität

 

Nach einer Theorie steht auch ein mit dem Frieden drohender

Identitätsverlust auf beiden Seiten einer baldigen Lösung im Weg. Neben den

religiösen und territorialen Aspekten benötigen beide Bevölkerungsgruppen

das jeweils andere Feindbild zur eigenen Identitätsbildung.⁴⁰

 

Lösungsversuche

 

Es gab bereits zahlreiche Versuche, eine Lösung des Konflikts friedlich

herbeizuführen. Daran waren neben den direkt beteiligten Akteuren vor allem