Europäisches Bergpony - Helmut Hemmer - E-Book

Europäisches Bergpony E-Book

Helmut Hemmer

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Beschreibung

Auf dem Exmoor im Südwesten Englands leben in halb wildem Zustand kleine Pferdchen, die hier seit etwa 1.000 Jahren urkundlich belegt sind. Damals wurden sie von der ortsansässigen Bevölkerung als Pferdewild angesehen. Seit sie vor 200 Jahren in Privatbesitz kamen, betrachtete man diese außergewöhnlich robusten Exmoor-Ponys als eine frühzeitig verwilderte, sehr ursprünglich gebliebene und daher schützenswerte Pferderasse. Erst in jüngster Zeit konnte eine multidisziplinäre Studie zeigen, dass es sich tatsächlich um echte Wildpferde handelt, die aus der Zeit der Mammuts bis heute überlebten. Diese Europäischen Bergponys stellen einen zoologisch einmaligen Fall dar. Ein seit vielen Jahrtausenden ausgestorben geglaubtes Großtier wurde als Viehrasse verkannt. Seine reale Natur blieb auf diese Weise verborgen. Umgekehrte Fälle gibt es zuhauf. Verwildertes Vieh aller Art wurde für Wild gehalten, bis letztlich immer seine Haustiernatur bewiesen wurde. Dieses Buch befasst sich mit den vielschichtigen Problemen, die diese neue Erkenntnis mit sich bringt und die das weitere langfristige Überleben als Ponywild, als einmaliges europäisches Naturerbe, sogar in Frage stellen.

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Seitenzahl: 100

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhaltsübersicht

Vorwort

1 Exmoor-Pony – überlebendes Wildpferd

1.1 Herkunft und Verbreitung

1.2 Erscheinungsbild

1.3 Wesen

1.4 Wechselnde Beurteilung

1.5 Evolution eurasischer Wildpferde

1.6 Viehwerdung des Pferdes

1.7 Evolutive Position des Exmoor-Ponys

1.8 Abstract / Exmoot Pony – surviving wild horse

2 Bergpony-Verwandtschaft

2.1 Paläontologie

2.2 Höhlenkunst

2.3 Abstract / Mountain pony relationships

3 Unbeachtetes Aussterben

3.1 Allgemeines

3.2 Przewalskipferd

3.3 Tarpane

3.3.1 Russischer Tarpan

3.3.2 Ukrainischer Tarpan

3.3.3 Waldtarpan

3.4 Europäisches Bergpony

3.5 Fazit

3.6 Abstract / Unnoticed extinction

4 Identitätswandel

4.1 Gedankliche Folgen

4.2 Praktische Folgen

4.3 Zusätzliche Aspekte

4.4 Abstract / Change of identity

5 Landschaftspflege

5.1 Allgemeines

5.2 Das Oberdiebach-Projekt

5.2.1 Gelände

5.2.2 Tierbestand

5.2.3 Verhalten

5.2.4 Problematik der Achtsamkeit

5.3 Landschaftspflege mit Schutzpotenzial

5.4 Abstract / Landscape conservation

6 Reinheitsgebot

6.1 Vorbemerkung

6.2 Der Fall Oberdiebach

6.3 Abstract / Purity law

7 Erhaltungsansätze

7.1 Großbritannien

7.2 Deutschland

7.3 Dänemark

7.4 Holland

7.5 Frankreich

7.6 Das Problem Inzucht

7.7 Fazit

7.8 Abstract / Conservation approaches

8 Ponywild

8.1 Grundlagen

8.2 Pferd ist nicht gleich Pferd

8.3 Bedeutung der Verschiedenheit

8.4 Folgerung zur Auswilderung

8.5 Ausblick

8.6 Abstract / Pony game

9 Register

Meiner Adoptivtochter Angela Carrasco

Vorwort

Sue Baker, seit Jahrzehnten mit dem Exmoor-Pony beschäftigte Wissenschaftlerin, Buchautorin, ehemalige Präsidentin und derzeitige wissenschaftliche Beraterin der Exmoor Pony Society, sozusagen die „große Dame des Exmoor-Ponys“, schrieb dem Verfasser nach Erscheinen seines Buches Exmoor-Ponys und die Viehwerdung des Pferdes, dass sie die Zukunft dieses Tieres allein an der vollen Akzeptanz seiner biologischen Natur als Wild, nicht aber als menschengemachtes Vieh sieht. Dem ersten Schritt des mit jenem Buch erbrachten Nachweises seines Wildcharakters sollte also ein zweiter folgen, der die Entstehung solcher Akzeptanz mit allen ihren Konsequenzen fördert und beginnt, das Machbare auszuloten. Das demgemäß hier vorgelegte Anschlussbuch möchte versuchen, einen ersten Beitrag zu diesem zweiten Schritt zu leisten und anhand der derzeitigen Situation mit beispielhaftem Blick zunächst auf die Lage in Deutschland aufzuzeigen, welche Möglichkeiten und welche gewaltigen Probleme auf dem Weg dorthin existieren.

Dazu wird zuerst in einer kurzen Zusammenfassung die biologische Natur des Exmoor-Ponys als die letzte Eiszeit überlebendes Europäisches Bergpony nachgezeichnet. Zusatzinformationen zu seiner pleistozänen Verwandtschaft lassen seine Einbindung in die späteiszeitliche europäische Pferdeevolution erweitert verfolgen.

Ein kurzer Überblick über das durch mangelnde Achtsamkeit unbemerkte und ungebremste, durchaus vermeidbar gewesene Aussterben anderer europäischer Wildpferde erst im 19., dann sogar noch im 20. Jahrhundert soll warnendes Beispiel dafür sein, welches Schicksal auch den in Gestalt der Exmoor-Ponys letzten Europäischen Bergponys beschieden sein wird, wenn jetzt nicht rasch und konsequent gehandelt wird. Wenn es nicht, wie Sue Baker betont, so rasch wie möglich zur Akzeptanz seiner Natur als schützenswertes Wild, nicht aber als Vieh, also nicht als alte Hauspferderasse, kommt und es unter den Schirm allgemein wachsender Bereitschaft zur Renaturierung genommen wird, wird auch sein Verschwinden als Wildpferd absehbar sein.

Der in den letzten Jahrzehnten in Großbritannien und in Kontinentaleuropa zunehmende Einsatz von Exmoor-Ponys in der Rolle von Landschaftspflegern in Beweidungsprojekten hat diesem Tier weitere Verbreitung beschert. Die dadurch erheblich angewachsene Gesamtpopulation hat jedoch vielerorts wenig mit der Förderung seiner Erhaltung zu tun. In diesem Rahmen wurde der Blick auf das Problem genetischer Verunreinigung gelenkt, mit dem sich die folgenden Kapitel notwendigerweise intensiv befassen. Zur erleichterten internationalen Zugänglichkeit des Inhaltes wurde jedem Kapitel ein Abstract in englischer Sprache angehängt.

Für die reichhaltige Bebilderung hat zuvorderst, wie für das vorausgehende Buch, in dankbarer Anerkennung wieder Wolfgang Frey mit seiner reichen Fotoausbeute aus dem zentralen Überlebensraum des Europäischen Bergponys auf dem Exmoor gesorgt. Auch das Titelbild ist ein Ausschnitt einer seiner Aufnahmen. Weitere Fotos stammen von Angela Carrasco, der Adoptivtochter des Verfassers, sowie von ihm selbst.

1 Exmoor-Pony – überlebendes Wildpferd

1.1 Herkunft und Verbreitung

Im Südwesten Englands ist seit nahezu einem Jahrtausend eine Population freilebender Kleinpferde urkundlich belegt, die von der ansässigen Bevölkerung viele Jahrhunderte hindurch, offenbar in Entsprechung zum mit ihnen gemeinsam in großer Zahl vorkommenden Rotwild, als Pferdewild betrachtet wurden. Diese Ponys leben in der Moorheidelandschaft des Exmoor-Gebietes hoch oberhalb der Steilküste im Süden des Bristol-Kanals.

Bild 1.1: Das Exmoor-Pony lebt in einer kargen Hügellandschaft hoch über der Südküste des Bristol-Kanals im Südwesten Englands. (Foto Wolfgang Frey auf dem Exmoor)

Der angestammte Lebensraum der Exmoor-Ponys ist hier teils felsig durchsetztes, karges, raues, hügeliges Ödland mit außer in den bewaldeten Taleinschnitten nur spärlichem Baumbestand. Diese Landschaft ist weitgehend geprägt durch Grasland, Heidekraut, Ginster und Weißdorn. Daneben sind Farne zu finden und es gibt sumpfige Stellen und Moore. In andere Regionen verbrachte Exmoor-Ponys belegen ihre große ökologische Anpassungsfähigkeit, die ihnen auch Besiedlung von Waldlandschaften erlaubt.

Bild 1.2: Exmoor-Ponys auf ihrer typischen, kargen Weide (Foto Wolfgang Frey auf dem Exmoor)

1.2 Erscheinungsbild

Exmoor-Ponys sind Kleinpferde mit einer Schulterhöhe erwachsener Tiere zwischen 112 und 135 cm, im Mittel 124,5 cm. Der breite und tiefe Rumpf wird von relativ kurzen, kräftigen Beinen getragen. Die grundsätzliche Stämmigkeit unterliegt einer gewissen Variabilität. Auch in der Kopfform gibt es gewisse Unterschiede.

Bild 1.3: Die typische torfbraune Farbe des Exmoor-Ponys mit dunklen Beinen und die typische hellbraune Farbe neugeborener Fohlen mit hellen Beinen. Besonders kennzeichnend sind das weiße sogenannte „Mehlmaul“ und der weiße Augenring, der einen Wulst um die Augen unterstreicht. (Foto Wolfgang Frey auf dem Exmoor)

Die Farbe des Fells reicht von hellerem bis zu sehr dunklem Braun, das an der Unterbrust und am Bauch, vor allem in dessen hinterem Bereich teilweise bis hoch an die Flanken, sowie an den Hinterbacken mehr oder minder aufgehellt ist. Gegen das Torfbraun stechen die weiße Maulpartie („Mehlmaul“) und die ebenso helle Augenumrandung sehr auffällig ab. Die Augen erscheinen dadurch hervortretend („Krötenaugen“). An den Beinen geht die Farbe der Röhren ins Schwärzliche. Abgesehen von der weiten Braunspanne ist die Fellfarbe der Exmoor-Ponys von hoher Einheitlichkeit.

Bild 1.4: Bei Exmoor-Ponys übliche Färbungsaufhellungen. (Foto Wolfgang Frey auf dem Exmoor)

Während das Sommerfell einen gewissen metallischen Glanz besitzt, liegt im Winterfell glanzloses Deckhaar über einer sehr dichten, dicken, fettigen Unterwolle und lässt Regen- und Schneewasser abperlen. Die Mähne hängt auf eine Seite des Halses und unterstützt damit ebenfalls das Ablaufen des Regens. Der Stirnschopf kann so lang und dicht werden, dass die kleinen Ohren fast zu verschwinden scheinen.

1.3 Wesen

In Freiheit lebende Exmoor-Ponys zeichnen sich durch große Scheu und im Blick auf aktuelle Anforderungen ihrer Umwelt sehr umsichtig erscheinendes Verhalten mit hoher Aufmerksamkeit aus. Erwachsene Wildfänge sind zunächst kaum beherrschbar. Ihre Robustheit, Härte, Widerstandskraft und Ausdauer sind bemerkenswert, genauso wie ihre für Pferde außergewöhnliche Langlebigkeit. Als besondere Wesensmerkmale fallen energisches Temperament gepaart mit freundlichem, gutmütigem Charakter bei hoher Intelligenz auf.

1.4 Wechselnde Beurteilung

Vor dem 19. Jahrhundert war eine Frage nach der Natur der im Exmoor frei lebenden Ponys als überlebende Wildpferde oder als verwilderte Hauspferde ohne jede Bedeutung, auch, wenn sie mit Wild gleichgestellt wurden. Nach der Privatisierung des Gebietes, das seit Ende des 11. Jahrhunderts Jagdgebiet der britischen Krone war, wurden sie als eine erhaltenswerte Pferderasse angesehen, für deren kontrollierte typmäßige Einheitlichkeit anfangs des 20. Jahrhunderts die Exmoor Pony Society nach dem Vorbild einer Schafzüchtervereinigung gegründet wurde.

Um die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde erstmals der Gedanke geäußert, es könne sich um Wildpferde handeln. Mit zunehmender Kenntnis pendelte danach bis vor kurzem die Interpretation der Exmoor-Ponys als sehr ursprünglich erhaltene, verwilderte Hauspferde oder als kaum veränderte Wildpferde mehrfach hin und her. Eine finale Klärung der Frage war nicht möglich, solange vergleichendquantitative Verhaltensstudien fehlten. Sie sind notwendig, weil der primäre Unterschied zwischen Wildtier und Haustier, zwischen Wild und Vieh nicht in Gestaltmerkmalen, sondern allein im Wesen liegt, das sich im Verhalten zu erkennen gibt. Auch für den Anschluss des Exmoor-Ponys an eine der letzteiszeitlichen Wildpferdepopulationen erforderliche quartärpaläontologische Vergleichsuntersuchungen waren weitgehend inexistent.

1.5 Evolution eurasischer Wildpferde

Um die evolutive Herkunft des Exmoor-Ponys zu verstehen, ist ein Einblick in die Vielfalt der Wildpferde des Spätpleistozäns erforderlich. Erst Ende des Frühpleistozäns erreichten Wildpferde (Equus ferus) von Nordamerika kommend den nördlichen eurasischen Raum. In Europa fand die morphologisch archaische Unterart Equus ferus mosbachensis im frühen Mittelpleistozän weite Verbreitung. Aus ihr begann im späten Mittelpleistozän im Zuge des zyklischen Wechsels eiszeitlicher und zwischeneiszeitlicher Klimaextreme die Differenzierung mehrerer unterschiedlich spezialisierter Populationen. Als ökologische Anpassungen zu verstehende Merkmale des Fußskelettes und der Bezahnung erlauben die Unterscheidung diverser Wildpferdeunterarten und die Verfolgung ihrer Evolution in Raum und Zeit. Molekulargenetische Studien steuern chronologische Einordnungen von Populationsaufspaltungen bei.

Eine Abtrennung einer westeuropäischen Entwicklungslinie von anderen eurasischen Populationen ist für die Warmzeit grob um vor 300.000 Jahren im späten Mittelpleistozän anzusetzen. In dieser Zeit ist auch die frühe Wurzel der dann für die letzte Kaltzeit typischen Europäischer Mammutsteppenpferde (Equus ferus germanicus) (Kapitel 2) zu suchen. Körperbaulich handelte es sich bei ihnen um Breitfußpferde. Im das Spätpleistozän einleitenden Interglazial fand offenbar die Abspaltung sibirischer Pferdepopulationen (Equus ferus lenensis) von denjenigen des osteuropäisch-zentralasiatischen Steppengürtels statt. Aus diesen Schmalfuß-Steppenpferden gingen dann vor etwa 55.000-35.000 Jahren während des Würm-Hochglazials einerseits in Mittelasien die heutigen Przewalskipferde (Equus ferus przewalskii) hervor, andererseits im äußersten Osteuropa die Russischen Tarpane (Equus ferus ferus), die später zu Vorfahren des Hauspferdes (Equus caballus) wurden. Schließlich entstanden am Ende der letzten Eiszeit aus den Europäischen Mammutsteppenpferden die möglicherweise auf den Westen Europas konzentrierten Europäischen Bergponys (Equus ferus arcelini) (Kapitel 2). Auf der iberischen Halbinsel lebte im Spätpleistozän daneben ein weiteres Steppenpferd (Equus ferus antunesi), das im Gebiss Anklänge an das Bergpony erkennen lässt (Kapitel 2).

1.6 Viehwerdung des Pferdes

Für das Verständnis der Position des Exmoor-Ponys ist ebenfalls Kenntnis um die Viehwerdung des Pferdes, die Domestikation vom Wildpferd zum Hauspferd, bedeutsam. Erste Haltungen von Breitfußpferden mögen unsicheren archäologischen Indizien zufolge im osteuropäischen Raum bereits vor mehr als 6.000 Jahren versucht worden sein. Im Zeitraum vor etwa 5.500-5.000 Jahren dürften auch Wildpferde einer nordkasachischen, heutigen Przewalskipferden sehr nahe stehenden Population der Gefangenschaftshaltung unterworfen gewesen sein. Sie alle haben allerdings kaum etwas mit der Viehwerdung der heutigen Hauspferde zu tun.

Diese nahm nach möglicherweise gegen zwei Jahrtausenden nicht weiterführenden Ansätzen zur Haltung von Wildpferden in verschiedenen Gegenden Europas und Innerasiens erst vor etwa 4.200 Jahren in der Population des unteren Don-Wolga-Raumes ihren Aufschwung. Dieser Ansatz führte in der frühen Bronzezeit nahezu explosiv binnen weniger Jahrhunderte bis zum beginnenden zweiten vorchristlichen Jahrtausend zur Ausbreitung früher Hauspferde über Europa und Asien. Sie kamen dabei in beiden Kontinenten in Kontakt mit regionalen Wildpferdepopulationen, aus denen ihnen genetisches Material zufloss.

Während der Zeit zunehmender Ausbreitung von Hauspferden, die währenddessen zu unterschiedlichen Verwendungszwecken zu einer Vielzahl von Rassen differenziert wurden, lebten in vielen Regionen Eurasiens weiterhin Populationen von Wildpferden. Dort, wo diese als Konkurrenten von Hauspferden in Erscheinung traten, wurden sie bejagt und schließlich ausgerottet. Wo sie in abgelegenen Landstrichen weiter existieren konnten, entstanden mehr oder minder kleine Reliktpopulationen. Entlaufene oder von jungen Wildhengsten entführte Hauspferdestuten konnten in solche Populationen gegebenenfalls genetisches Fremdmaterial eintragen. Die Wildnatur dieser Populationen wurde solange kaum geändert, solange sie unter fortdauerndem natürlichem Selektionsdruck blieben. Erst mit wiederholt gezielter Zufuhr von Hengsten verschiedener Hochzuchtrassen mit dem Ziel der „Verbesserung“ im Interesse der Brauchbarkeit änderte sich dieses Bild zugunsten frei lebender Pferde mit dem Wesen von Hauspferden.

1.7 Evolutive Position des Exmoor-Ponys

Zum Verstehen der wahren Natur der Exmoor-Ponys war es entscheidend, ihr im Verhalten zum Ausdruck kommendes Wesen zu analysieren, um ihren Wild- oder Viehcharakter zu erkennen. Exmoor-Ponys schließen sich wie unvermischte Przewalskipferde der A-Linie (Kapitel 3) eng zusammen. Sie halten wildpferdehaft untereinander sehr geringe Individualdistanzen ein. Im Vergleich mit ebenfalls ganzjährig im Freiland lebensfähigen Hauspferderassen der nordwesteuropäischen Rassengruppe (Dartmoor-Ponys, Islandpferde) zeichnen sich Exmoor-Ponys durch höhere Verhaltenssynchronisation aus. Ebenfalls Wildtieren vergleichbar sichern sie eher. Ihre Fortbewegungsintensität ist, ähnlich Przewalskipferden, höher als bei einer Warmblutrasse. So demonstrieren Exmoor-Ponys nicht das Wesen von Hauspferden, sondern dasjenige von Wildpferden und sind als Wildpferde zu diagnostizieren.

Bild 1.5: Exmoor-Pony-Haremgruppe mit in die Mitte genommenem Fohlen mit engsten Individualdistanzen unterwegs. (Foto Wolfgang Frey auf dem Exmoor)

Bild 1.6: Exmoor-Ponys demonstrieren mit ihrem Sozialverhalten ihren Wildpferdecharakter – engere Individualdistanzen gehen nicht. (Foto Wolfgang Frey auf dem Exmoor)

Exmoor-Ponys sind typische Breitfußpferde wie das Mammutsteppenpferd und das Europäische Bergpony. Sie haben damit keine Verbindung zu Russischen Tarpanen und zu iberischen Steppenpferden. Auch ihr Gebiss belegt, dass keine Beziehung zu den Tarpanen bestehen. Dafür gibt es einen sehr hohen Grad der Übereinstimmung mit dem erst 1987 paläontologisch als Equus ferus arcelini