Europameisterschaft 1960 Europacup der Nationen - Thomas Hüttinger - E-Book

Europameisterschaft 1960 Europacup der Nationen E-Book

Thomas Hüttinger

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Beschreibung

Heute ist die Europameisterschaft das zweitwichtigste Fußballturnier nach der Weltmeisterschaft. Ihre erste Austragung erfolgte aber erst 1960 - 30 Jahre nach der ersten WM und sogar 44 Jahre nach der Einführung der Südamerikameisterschaft. Und dieser Wettbewerb wurde auch erst nachträglich zur Europameisterschaft erklärt. Bei seiner Austragung durfte er sich wegen der geringen Beteiligung von 17 Verbänden nur Europacup der Nationen nennen. Dieses Buch schildert den langen Weg über regionale Pokalturniere, die Vision des Franzosen Henri Delaunay, Machtkämpfe auf Kongressen bis zur erstmaligen Austragung einer gesamteuropäischen Meisterschaft. Hauptbestandteil sind aber die umfassende Darstellung aller Spiele der Qualifikation und der Finalrunde in Frankreich sowie Portraits der herausragenden Spieler. Den Abschluß bildet die sportliche Bewertung und Einordnung dieses Turniers, dem der DFB fernblieb, die DDR aber teilnahm.

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Inhaltsverzeichnis

Der Weg zur Europameisterschaft

Die Vorläufer

Aller Anfang ist schwer

Die Qualifikation

Vorrunde und Achtelfinale

Viertelfinale

Das Finalturnier

Die Stadien

Die Schiedsrichter und der Pokal

Die Aufgebote

Halbfinale

Spiel um den 3. Platz

Finale

Die Siegermannschaft

Die Mannschaft des Turniers

Der Star des Turniers

Bewertung und Ausblick

Fußball in Deutschland 1960

Sportliche Einordnung

Vorwort

Vorwort

Als passionierter Sammler von Büchern über die Welt- und Europameisterschaften im Fußball war es mir schon lange ein Dorn im Auge, daß über die ersten beiden Europaturniere kein einziges Werk zu finden war um die Reihe zu vervollständigen. Also begann ich zu recherchieren und stellte, daß doch einiges an Quellen zu finden ist.

Daraus resultierte der Entschluß einmal selbst ein Sportbuch zu schreiben. In erster Linie für den eigenen Bücherschrank, aber vielleicht finden sich noch ein paar weitere Fußballfans, die an diesem Thema Interesse haben.

Ich bitte daher um Verständnis wenn nicht alles perfekt ist, denn es handelt sich um eine komplette Eigenproduktion. Dies gilt auch für die Qualität einiger Fotos, die zum Teil aus 60 Jahre alten Zeitungen stammen. Es wäre aber zu schade gewesen auf sie zu verzichten.

München im Mai 2021

Der Verfasser

Vorläufer

Der Weg zur Europameisterschaft

Die Vorläufer

Britische Meisterschaft (Home International Championship)

Zu Beginn der Geschichte des Fußballs spielten nur Vereinsmannschaften gegeneinander. Der erste Vergleich der Auswahlen zweier Fußballverbände fand 1872 zwischen England und Schottland statt. Obwohl es 0:0 endete fanden alle Beteiligten großen Gefallen daran und es folgten bald viele weitere Länderspiele; erst nur zwischen England und Schottland bis sich 1876 auch Wales und ab 1882 (Gesamt-)Irland daran beteiligten. Sie trugen fortan regelmäßig Freundschaftsspiele gegeneinander aus. Da jeder Verband eigene Fußballregeln hatte galt immer das Recht des Gastgebers. 1882 einigte man sich auf einheitliche Regeln. Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, den Spielen den Rahmen eines Turniers zu geben. Die erste Austragung des „International Championship“ genannten und fortan jährlich ausgetragenen Wettbewerbs fand in der Saison 1883/84 statt und sah Schottland als Sieger. Jede Mannschaft spielte einmal in der Saison gegen die drei anderen. Das Heimrecht jeder Paarung wechselte von Jahr zu Jahr. Jede Auswahlmannschaft hatte also ein Heim- und zwei Auswärtsspiele oder umgekehrt. Zur selben Zeit erschienen in englischen Fachblättern erste weitergehende Gedanken an eine „Meisterschaft der Länder“ Als 1902 mit Österreich gegen Ungarn das erste außerbritische Auswahlspiel stattfand erkannten England und Co., daß sie nicht mehr länger die einzigen Nationalmannschaften waren und änderten den Namen ihres Wettbewerbes in „Home International Championship“.

England gegen Schottland 1910

In den Jahrzehnten bis zum 2. Weltkrieg waren diese Spiele die Höhepunkte im britischen Fußballjahr. Der Gewinner wurde zugleich auch als Weltmeister angesehen; auch noch als es ab 1930 richtige Weltmeisterschaften gab.

Als sich nach dem 2. Weltkrieg auch die britischen Verbände entschlossen an den Weltmeisterschaften teilzunehmen gerieten sie durch die zu absolvierenden Qualifikationsspiele in Terminnot. Als Lösung wurde die britische Meisterschaft zugleich als Qualifikation zur Teilnahme an den Weltmeisterschafts-Endrunden 1950 und 1954 gewertet. Bei der Europameisterschaft 1968 zählte die Britische Meisterschaft dann als Qualifikation für das Viertelfinale. Danach verbot die UEFA diese Verknüpfung.

Nordirland 1934

Während die Derbys zwischen England und Schottland stets die Massen elektrisierten - Zuschauerzahlen jenseits der 100 000 waren die Regel- verloren beide Verbände ab den 1960er Jahren zunehmend das Interesse an den ständigen Vergleichen mit Wales und Nordirland, die leistungsmäßig zurückfielen. Vergleiche mit Deutschland oder Brasilien hatten einen deutlich höheren sportlichen Wert.

Wales 1958

Als es ab den 1970er Jahren ständige Ausschreitungen von Hooligans und Unruhen in Nordirland gab verabschiedeten sich England und Schottland aus dem Wettbewerb.

Letztmalig wurde die Home International Championship 1983/84 ausgespielt. Am Ende hatten alle vier Teilnehmer 3:3 Punkte. Seit 1978 entschied das Torverhältnis über die Platzierungen. Und da hatte überraschenderweise Nordirland die Nase vorn; der Pokal steht bis heute im Belfaster Windsor Park.

Zuvor waren punktgleiche Mannschften gemeinsam zum Sieger gekürt worden. Dies kam 13 Mal vor. 1956 waren sogar alle vier Teilnehmer gemeinsam britischer Meister.

Rekordgewinner war England mit 54 alleinigen und 20 geteilten Titeln, gefolgt von Schottland (41/17), Wales (12/5) und Nordirland (8/5).

England und Schottland versuchten 1985 mit dem Rous-Cup einen Nachfolgewettbewerb zu installieren, der 1987 durch Beteiligung südamerikanischer Mannschaften attraktiver gestaltet werden sollte. 1987 war dies Brasilien, das auch gleich gewann, 1988 Kolumbien und 1989 Chile. Nach erneuten Ausschreitungen englischer und schottischer Hooligans wurde das Turnier 1989 letztmals ausgetragen. 1990 war das erste Jahr seit 1872 (außer den Weltkriegen) in dem die Nationalmannschaften Englands und Schottlands nicht aufeinandertrafen.

Glückliche englische Spieler mit dem Pokal nach einem 9:3 Sieg gegen Schottland 1961

Die UIAFA-Europameisterschaft

Tschechische Fußballbegeisterte hatten 1901 ihren eigenen Fußballverband CSF gegründet, obwohl Böhmen Teil Österreich-Ungarns war, das seine Existenz durch solche nationalen Bestrebungen gefährdet sah. Der österreichische Fußballverband forderte Unterordnung, aber die Tschechen erreichten 1906 die provisorische und 1907 sogar die volle Aufnahme in die FIFA. Ein Jahr später wurden sie aber auf Druck Österreich-Ungarns wieder ausgeschlossen. Um nicht gänzlich isoliert zu sein gründeten die Tschechen gemeinsam mit den Amateurverbänden aus England, Frankreich, Belgien, der Schweiz und Spanien, die ebenfalls außerhalb der FIFA standen, die nur einen Verband pro Land erlaubte die Union Internationale de Assosiation de Football Amateure (UIAFA).

Schweden gegen Norwegen 1962

1911 veranstalteten die Mitglieder der UIAFA anläßlich eines Kongresses ein Turnier. Die Böhmen besiegten dabei erst die Belgier in Brüssel mit 6:1; im Halbfinale in Roubaix wurde Frankreich 4:1 geschlagen und im Endspiel sogar die Amateure aus England mit 2:1und somit der erste europäische Titel errungen. Da sich die FIFA 1912 verhandlungsbereit zeigte verließen alle Amateurverbände bis auf die Böhmen die UIAFA und es gab keine weiteren Turniere mehr.

Skandinavische Meisterschaft (Nordic Cup)

Wie auf den britischen Inseln begann auch in Skandinavien die Länderspielgeschichte mit regelmäßigen Duellen benachbarter Länder. Ab 1912 trugen Norwegen und Schweden jedes Jahre zwei Spiele gegeneinander aus. Von 1915 an spielte Schweden zusätzlich jährlich gegen Dänemark, ein Jahr später auch Dänemark gegen Norwegen. Aber nach dem 1. Weltkrieg schliefen die regelmäßigen Begegnungen wieder ein.

Als 1923 der dänische Fußballverband DBU den 35. Jahrestag seiner Gründung feierte nahm dessen Vorsitzender Louis Østrup dies zum Anlaß ein Turnier der drei Nachbarn ins Leben zu rufen. Es begann 1924, lief über vier Jahre und erhielt den Namen „Nordische Meisterschaft“. Jeder Teilnehmer spielte fünfmal gegen jeden anderen. Dänemark gewann mit 16:4 Punkten vor Schweden mit 13:7 und Norwegen mit 1:19.

1938 besiegte Norwegen Finnland mit 9:0

Der schwedische Verband SvFF feierte 1929 seinen 25. Geburtstag und organisierte das Turnier aufs neue. Diesmal nahm zusätzlich Finnland teil. Es wurden je zwei Heim- und zwei Auswärtsspiele gegeneinander ausgetragen. Nach vier Jahren siegte Norwegen vor Schweden, Dänemark und Finnland.

Fortan lief die Meisterschaft im Vier-Jahres-Zyklus permanent, nur der 1937 begonnene Wettbewerb konnte kriegsbedingt erst 1948 abgeschlossen werden. Schweden dominierte klar und gewann von 1936 bis 1977 alle Titel. In den 1950er und 1960er Jahren spielte das Turnier für alle Teilnehmer eine wichtige Rolle als Vorbereitung auf anstehende Qualifikationsspiele zu Welt- und Europameisterschaften. Der Dauersieger Schweden verlor aber zunehmend das Interesse an den Vergleichen mit den schwächeren Nachbarn. Die steigende Terminknappheit stellte eine weitere Belastung dar. Ab 1978 wurde die Anzahl der Spiele halbiert, ab 1981 gab es jeweils nur noch ein Spiel gegeneinander. Mit dem Abschluß dieser letzten Austragung 1983 wurde die Skandinavische Meisterschaft eingestellt - fast zeitgleich mit der Britischen Meisterschaft.

Dänemark 1948

Es gab eine einmalige Neuauflage 2000/01. Hier nahmen auch Island und die Färöer-Inseln teil. Die ersten 8 Spiele wurden als Saisonvorbereitung während eines gemeinsamen Trainingslagers in Spanien ausgetragen, die letzten in der Halle.

Schweden 1951

Die Siegerliste:

1924 - 28

Dänemark

1929 - 32

Norwegen

1933 - 36

Schweden

1937 - 47

Schweden

1948 - 51

Schweden

1952 - 55

Schweden

1956 - 59

Schweden

1960 - 63

Schweden

1964 - 67

Schweden

1968 - 71

Schweden

1972 - 77

Schweden

1978 - 80

Dänemark

1981 - 83

Dänemark

2000 - 01

Finnland

Baltic Cup

Auch an den gegenüberliegenden Ostseeufern fand man Gefallen an der Idee eines Pokalturniers. Die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen waren gemeinsam nach dem 1. Weltkrieg selbstständig geworden, fußballerisch in etwa gleichstark, gegen den Rest von Europa aber kaum konkurrenzfähig.

1928 fand die erste Austragung der Baltischen Meisterschaft in der estnischen Hauptsatdt Tallin statt und sah Lettland als Sieger. Es folgten fast jährlich Neuauflagen in wechselnden Hauptstädten. Innerhalb weniger Tage spielte jeder gegen jeden. Nach drei Austragungen hatte bereits jedes Land einmal gewonnen.

1940 wurden die baltischen Staaten von der Sowjetunion okkupiert, aber das Turnier existierte weiter als Vergleich dreier Sowjetrepubliken. Zeitweise beteiligte sich auch die Weißrussische SSR. 1976 wurde das Turnier eingestellt, aber nach Wiedererlangung der Unabhängigkeit 1991 wieder ins Leben gerufen. Bis 1998 wurde wieder jährlich gespielt, dann ging man zu einem Zwei-Jahres-Rhythmus über. 2012 und 21014 beteiligte sich auch Finnland, konnte aber nur den zweiten und dritten Platz erringen. Die Austragung erfolgt weiterhin alle zwei Jahre.

Die Nationalmannschaften von Litauen

Rekordsieger (in Zeiten der Unabhängigkeit) ist Lettland mit 13 Titeln, gefolgt von Litauen mit 10 und Estland mit 4 Erfolgen.

Die Siegerliste: (In Klammern der Austragungsort)

1928Lettland (Tallinn)1929Estland (Riga)1930Litauen (Kaunas)1931Estland (Tallinn)1932Lettland (Riga)1935Litauen (Tallinn)1936Lettland (Riga)1937Lettland (Kaunas)1938Estland (Tallinn)1991Litauen (Klaipeda, Kretinga)1992Litauen (Liepaja)1993Lettland (Parnu)1994Litauen (Vilnius)1995Lettland (Riga)1996Litauen (Narva)1997Litauen (Vilnius)1998 Litauen (verteiltes Heimrecht)2001 Lettland (Riga)2003 Lettland (Valga, Tallinn)2005 Litauen (Kaunas)2008 Lettland (Riga, Jurmala)2010 Litauen (Kaunas)2012 Lettland (Voru, Tartu)2014 Lettland (Liepaja, Ventspils)2016 Lettland (verteiltes Heimrecht)2018 Lettland (verteiltes Heimrecht)2021 Estland (verteiltes Heimrecht)

und Estland 1928

Im Ausland fand und findet dieser Wettbewerb wegen des niedrigen Niveaus seiner Teilnehmer kaum Beachtung. Auch für die Fans in den baltischen Staaten selbst sind die Begegnungen mit den großen Mannschaften Europas weitaus attraktiver.

Balkan-Cup

Auch im südöstlichen Teil Europs erwuchs in den 1920er Jahren das Interesse an fußballerishen Vergleichen mit den Nachbarn. So beschlossen 1929 Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien und Griechenland im Ligasystem Jeder gegen Jeden den Besten unter ihnen zu ermitteln. Erster Gewinner war nach drei Jahren Rumänien. Teilweise überschneidend gab es 1931 eine Austragung mit Bulgarien, Jugoslawien und der Türkei. Zur dritten Auflage trafen sich die vier Ursprungsländer 1932 in Belgrad und ermittelten in einer Einfachrunde Bulgarien als Sieger. Das Turnier fand nun jährlich in einem der Teilnehmerländer statt. Nachdem 1936 bereits Jugoslawien nicht mehr teilgenommen hatte endete der Wettbewerb.

Eine Wiederbelebung erfolgte 1946. Statt Griechenland war nun Albanien dabei, das seine ersten offiziellen Länderspiele bestritt und auch das Turnier ausrichtete. Zur großen Überraschung siegte Albanien, wenn auch äußerst knapp durch das bessere Torverhältnis vor den punktgleichen Jugoslawen. Bis heute ist das der einzige Titel, den Albanien je gewinnen konnte.

Mit dem Hinzukommen von Ungarn 1947 nannte sich das Turnier nun auch noch Zentraleuropäische Meisterschaft. Die Austragung erfolgte nun wieder mit wechselndem Heimrecht. Ungarn siegte, Albanien wurde punktelos Letzter. 1948 nahmen auch Polen und die Tschechoslowakei teil, es wurden aber nicht alle fälligen Spiele ausgetragen.

1973/76 und 1977/80 gab es eine letztmalige Neuauflage mit Rumänien, Bulgarien, Griechenland und der Türkei.

Die Siegerliste: (In Klammern das Austragungsland, sonst Heim- und Auswärtsspiele))

1929/31Rumänien1931Bulgarien (Bulgarien)1932Bulgarien (Jugoslawien)1933Rumänien (Rumänien)1934/35Jugoslawien (Griechenland)1935Jugoslawien (Bulgarien)1936Rumänien (Rumänien)1946Albanien (Albanien)1947Ungarn1948nicht beendet1973/76Bulgarien1977/80Rumänien

International Cup/Nationenpokal/Europapokal (Coupe Internationale européenne)/Svehla-Cup/Geröcup

Der sportlich hochwertigste der Regionalwettbewerbe und legitimster Vorgänger der späteren Europameisterschaft wurde in den teilnehmenden Staaten unter mehreren verschiedenen Bezeichnungen geführt.

Nach dem 1. Weltkrieg hatte der Fußball in Österreich einen enormen Aufschwung erlebt, sowohl in der Zahl der Aktiven wie der Zuschauer. Dies führte dazu, daß Österreich als erstes Land auf dem Kontinent 1924 den Profifußball einführte. Die Nachbarländer standen dem nicht nach; die Tschechoslowakei folgte 1925, Ungarn 1926, kurz danach Italien. Das Publikum verlangte nach interessanten Spielen. Dem österreichischen Verbandskapitän Hugo Meisl schwebte bereits ein ganz Europa umfassendes Turnier vor, dem die FIFA aber ihre Zusage verweigerte, da sie keine Konkurrenz für die geplante erste Weltmeisterschaft 1930 wollte.

So beschlossen die führenden kontinentaleuropäischen Fußballmächte Österreich, Italien, Tschechoslowakei und Ungarn 1926 die Einführung des Mitropapokals für Vereinsmannschaften sowie eines Europapokals für Nationalmannschaften beschlossen. Den Pokal stiftete der tschechoslowakische Außenminister Antonin Svehla. Im Ligaformat spielte jeder gegen jeden zuhause und auswärts.

Italien 1928

Der ersten Austragung von 1927 bis 1930 schloß sich auch die Schweiz an verlor aber alle Spiele. Dafür war die Ausgeglichenheit der anderen vier Teilnehmer erstaunlich; nur zwei Punkte trennten letztlich den Ersten und den Vierten. Im letzten Spiel der Runde im Mai 1930 empfing Ungarn Italien; beide hatten 9 Punkte auf dem Konto, Österreich und die Tschechoslowakei hatten 10 erreicht. Der Sieger des Spiels war also auch Gewinner des Turniers. Italien gewann furios 5:0; drei Tore schoß Giuseppe Meazza, nach dem später das Stadion in Mailand benannt wurde. Fünf Spieler des Teams wurden vier Jahre später Weltmeister.

Die Abschlußtabelle 1930:

TorePunkte1. Italien21:1511:52. Österreich17:1010:63. Tschechoslowakei17:1010:64. Ungarn20:239:75. Schweiz11:280:16

Torschützenkönig: Julio Libonatti und Gino Rossetti (beide Italien) mit je 6 Treffern.

Nicht zuletzt aufgrund des spannenden Verlaufs war das neue Format ein großer Erfolg, so daß bereits im folgenden Jahr die nächste Runde gestartet wurde. Sie war deutlich kompakter organisiert und dauerte nur von Februar 1931 bis Oktober 1932. Dies war die Zeit des österreichischen Wunderteams, die im Mai 1931 mit einem 5:0 gegen Schottland begann; gefolgt von 5:0 und 6:0-Siegen gegen Deutschland. Innerhalb dieses Wettbewerbs wurde die Schweiz zuhause mit 8:1 deklassiert. Auch Italien mußte sich in Wien 2:1 geschlagen geben.

Österreichs Wunderteam

Die Nationalmannschaft der Tschechoslowakei 1934

Die Abschlußtabelle 1932:

TorePunkte1. Österreich19:911:52. Italien14:119:73. Ungarn17:158:84. Tschechoslowakei18:197:95. Schweiz16:305:11

Torschützenkönig: Stefan Auer (Ungarn) mit 8 Treffern.

Mitten in die dritte Austragung von April 1933 bis November 1935 fiel die Weltmeisterschaft 1934, bei der die Teilnehmer des Svehla-Cups drei der ersten vier Plätze belegten. Nur Deutschland als Dritter konnte in deren Dominanz einbrechen. Weltmeister sowie Nationencupgewinner wurde Italien. Nur drei Punkte trennten den Sieger vom Vierten. Nur die Schweiz konnte wiederum leistungsmäßig nicht mithalten.

Das entscheidende Spiel verlor Österreich 1935 in Wien gegen Italien mit 0:2

Abschlußtabelle 1935:

TorePunkte1 Italien18:1011:52 Österreich17:159:73 Ungarn17:169:74 Tschechoslowakei11:118:85 Schweiz13:243:13

Torschützenkönig: Leopold Kielholz (Schweiz) und György Sarosi (Ungarn) mit je 7 Treffern.

Die vierte Ausgabe des Europapokals der Nationalmannschaften, die im März 1936 begonnen hatte wurde von den politischen Entwicklungen überschattet. Der Wettbewerb wurde abgebrochen, da die Nationalmannschaft Österreichs nach Hitlers Einverleibung ins Deutsche Reich im März 1938 nicht mehr existierte. Bis dato hatte nur die Schweiz alle ihre Spiele absolviert, belegte aber wie immer nur den letzten Platz. Der Vater des Wettbewerbs Hugo Meisl mußte das nicht mehr miterleben; er war am 17. Februar 1937 an einem Herzschlag verstorben.

Die unvollendete Tabelle 1938:

TorePunkte1. Ungarn24:1510:42. Italien9:47:13. Tschechoslowakei16:207:74. Österreich13:145:75. Schweiz16:253:13

Torschützenkönig bis dato war erneut György Sarosi (Ungarn) mit 10 Torerfolgen.

Bei der Weltmeisterschaft im Juni 1938 bestritten die beiden führenden Teams das Finale, Italien triumphierte.

Der 2. Weltkrieg verhinderte weitere Aktivitäten, aber bereits kurz nach Kriegsende begannen die Bemühungen um eine Wiederbelebung des Bewerbes und obwohl nun der Eiserne Vorhang die Teilnehmer trennte fanden sich alle zur 5. Runde wieder zusammen. Die Austragungsdauer war aber nun auf über fünf Jahre verlängert worden; sie erstreckte sich von April 1948 bis Dezember 1953. Die Kräfteverhältnisse hatten sich kaum verschoben; die ersten Vier trennten nur 3 Punkte, die Schweiz wurde wie immer abgeschlagen Letzter.

Tor für Italien beim 3:1 gegen Österreich 1949

Dominiert wurde dieses Turnier von Ungarns Goldener Elf, die von Mai 1950 bis zum WM-Finale 1954, dem Wunder von Bern in 32 Pflichtspielen ungeschlagen blieb. Zu Beginn hatten sie noch in Österreich und der CSSR verloren, aber unter dem neuen Nationaltrainer Sebes stiegen sie zur stärksten Mannschaft Europas oder gar der Welt auf. Zwischenzeitlich gewann Ungarn auch die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1952 mit einem Torverhältnis von 20:2.

Abschlußtabelle 1953:

TorePunkte1. Ungarn27:1711:52. Tschechoslowakei18:129:73. Österreich15:199:74. Italien10:98:85. Schweiz12:253:13

Torschützenkönig: Ferenc Puskas (Ungarn) mit 10 Treffern.

Ungarns größte Mannschaft aller Zeiten; unten in der Mitte Ferenc Puskas

Im Jahr 1954 fanden keine Spiele des Nationenpokals statt, dafür aber die Weltmeisterschaft 1954 mit dem berühmten Endspiel von Bern. Alle Cupteilnehmer konnten sich qualifizieren, die Schweiz war Gastgeber. Ihr Abschneiden war unterschiedlich: die Tschechoslowakei und Italien schieden in der Vorrunde aus, die Schweiz im Viertelfinale; Ungarn unterlag Deutschland sensationell in dem Finale von Bern, Österreich wurde Dritter im Klassement.

In seiner sechsten Auflage von März 1955 bis Januar 1960 erhielt der Wettbewerb einen neuen Namen; zu Ehren des 1954 verstorbenen Präsidenten des Österreichischen Fußball-Bundes Josef Gerö wurde er Dr. Gerö-Cup genannt. Als sechster Teilnehmer war nun Jugoslawien mit von der Partie, das sich im Mittelfeld einfügte.