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Wie kann diakonische Arbeit nachhaltig gelingen? Dieser grundlegenden Frage geht der vorliegende Band nach. Mit den Werkzeugen der empirischen Sozialforschung waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fünf Jahre lang unterwegs, um das Projekt "Diakonat & neu gedacht, neu gelebt" der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zu evaluieren. Die Ergebnisse dieser sozialwissenschaftlichen Vermessung des Diakonats liegen nun vor. Einer Enzyklopädie vergleichbar hält dieser Band für Wissenschaft und Praxis überraschende Einsichten bereit und will zum Weiterdenken und zu eigenen Praxiserprobungen anregen.
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Seitenzahl: 925
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Wie kann diakonische Arbeit nachhaltig gelingen? Dieser grundlegenden Frage geht der vorliegende Band nach. Mit den Werkzeugen der empirischen Sozialforschung waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fünf Jahre lang unterwegs, um das Projekt 'Diakonat & neu gedacht, neu gelebt' der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zu evaluieren. Die Ergebnisse dieser sozialwissenschaftlichen Vermessung des Diakonats liegen nun vor. Einer Enzyklopädie vergleichbar hält dieser Band für Wissenschaft und Praxis überraschende Einsichten bereit und will zum Weiterdenken und zu eigenen Praxiserprobungen anregen.
Ellen Eidt, Leiterin der Geschäftsstelle des Projekts 'Diakonat - neu gedacht, neu gelebt' der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Prof. Dr. Claudia Schulz, Evangelische Hochschule Ludwigsburg.
Ergebnisse aus Evaluation und wissenschaftlicher Begleitforschung des Projekts „Diakonat – neu gedacht, neu gelebt“, in Zusammenarbeit von Dieter Hödl, Ellen Eidt, Annette Noller, Claudia Schulz und Heinz Schmidt
Band 2 Ellen Eidt, Der evangelische Diakonat – Entwicklungslinien in Kirche und Diakonie am Beispiel Württembergs
Band 3 Annette Noller/Ellen Eidt/ Heinz Schmidt (Hrsg.), Diakonat – theologische und sozialwissenschaftliche Perspektiven auf ein kirchliches Amt
Band 4 Ellen Eidt/Claudia Schulz (Hrsg.), Evaluation im Diakonat. Sozialwissenschaftliche Vermessung diakonischer Praxis
Ellen Eidt, Claudia Schulz (Hrsg.)
Evaluation im Diakonat
Sozialwissenschaftliche Vermessung diakonischer Praxis
Verlag W. Kohlhammer
Alle Rechte vorbehalten © 2013 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart
Print: 978-3-17-023014-9
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978-3-17-026424-3
epub:
978-3-17-027186-9
mobi:
978-3-17-027187-6
Vorwort
I. Einleitung und Übersicht
Ellen Eidt/Claudia Schulz Zugänge der Evaluationsforschung zu Diakonat und diakonischer Praxis
II. Perspektiven auf Diakoninnen und Diakone in Kirche und Diakonie
Claudia Schulz Konstruktion des Diakonats zwischen Tätigkeit, Qualifikation und Amt
Wahrnehmungen aus Berufsgruppen im Diakonat
Claudia Schulz Diakoninnen und Diakone unter Vertrag
Vom diakonischen Mehrwert und strukturellen Baustellen aus der Perspektive von Anstellungsverantwortlichen
Ellen Eidt Empirische Perspektiven auf den Diakonat in diakonischen Einrichtungen und Diensten
Person, Beruf und Amt aus der Sicht von Anstellungsverantwortlichen und diakonischen Fachkräften
III. Evaluation der Praxis diakonischer Projekte
Claudia Schulz Diakonisches Arbeiten „an den Rändern“
Über Anspruch und Wirklichkeit der Ausrichtung auf Zielgruppen und Milieus
Ellen Eidt Ehrenamtliche in diakonischen Handlungsfeldern
Herausforderungen für das Ehrenamtsmanagement in Gemeinde- und Gemeinwesendiakonie
Thomas Fliege Armutsbekämpfung als diakonische Herausforderung
Ein Zwischenruf
Thomas Fliege Jugendarbeit und Schule
Konfessionelle Angebote an einem wertepluralen Ort.
IV. Beobachtungen zu Projektprozessen und Rahmenbedingungen für diakonische Arbeit
Ellen Eidt Diakonisches Handeln unter Projektbedingungen
Eine salutogenetische Analyse der Praxiswahrnehmungen von Diakoninnen und Diakonen
Ellen Eidt Sozialkapital in diakonischen Netzwerken
Praxiskonzepte diakonischer Netzwerkarbeit und wie Diakoninnen und Diakone sie gestalten und deuten
Claudia Schulz Im Spannungsfeld Gemeindediakonie
Empirische Zugänge zur Vielfalt von Interessen und Optionen
V. Kompetenzen im Diakonat – Positionierungen für das soziale Handeln der Kirche
Annette Noller Diakonat und Seelsorge
Zur Rekonstruktion seelsorgerlichen Handelns von Diakoninnen und Diakonen
Annette Noller Diakonat und theologische Kompetenz
Thomas Fliege Diakonat, Sozialraum und Sozialraumanalyse
Diakonisches Handeln und sozialwissenschaftliche Reflexion
Annette Noller Diakonat: Kirche im Sozialraum
VI. Zusammenschau und Perspektiven für Diakonat und Kirchenentwicklung
Claudia Schulz Diakonat evaluieren
Lerneffekte für sozialwissenschaftliche Forschung in diakonischen Handlungsfeldern
Dieter Hödl „In allem sei der Diakon wie das Auge der Kirche“1
Was ein Diakonatsprojekt sichtbar werden lässt
Ellen Eidt Kirche im Projektstress?1
Reflexion der Evaluationsergebnisse eines Diakonatsprojekts für die kirchliche Organisationsentwicklung.
Thomas Fliege Da Capo!
Das Ende eines Projekts ist ein Anfang
VII. Anhang
Autorinnen und Autoren
Liste der Teilprojekte
Zirkel und Winkelmaß, die Werkzeuge der Geometrie und der Architekten und Baumeister, schmückten oft die Titelseiten der frühen abendländischen Enzyklopädien – neben den übrigen Symbolen der sieben freien Künste. Mit diesen Bildern wurde, auf den ersten Blick und für alle sichtbar, der Anspruch markiert, dass hier das Weltwissen der Zeit in allen seinen Dimensionen umfassend dargestellt sei.
Mit den Werkzeugen der empirischen Sozialforschung waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fünf Jahre lang unterwegs, um das Projekt „Diakonat – neu gedacht, neu gelebt“ der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zu evaluieren. Im Laufe der Zeit eröffnete sich vor ihren Augen ein Mikrokosmos diakonischer Praxis. Er erlaubte es ihnen, mehr als eine Siebenzahl an diakonischen Handlungsfeldern auszuloten und sie aus immer neuen Perspektiven zu betrachten. Die Ergebnisse dieser sozialwissenschaftlichen Vermessung des Diakonats liegen nun vor. Einer Enzyklopädie vergleichbar lädt dieser Band zum neugierigen Blättern und auswählenden Lesen ein. Er hält für Wissenschaft und Praxis überraschende Einsichten bereit und will zum Weiterdenken und zu eigenen Praxiserprobungen anregen.
„Und siehe, es war sehr gut.“ In biblischer Tradition (Gen 1,31) kann man Gott selbst als den verstehen, der sein Schöpfungsprojekt evaluiert und es in die Verantwortung der Menschen entlässt, denen er zugleich die Freiheit zur eigenen Gestaltung zumutet. Auch am Ende der Evaluationsforschung in der Welt des Diakonats und in der diakonischen Praxis wird ein großes Projekt aus der ständigen Beobachtung entlassen. Die Verantwortung für die Weiterarbeit mit den Ergebnissen liegt in anderen Händen.
Ermöglicht hat die praktische Arbeit in den fünfzehn Teilprojekten und deren wissenschaftliche Evaluation die Evangelische Landeskirche in Württemberg. Mit der wissenschaftlichen Begleitforschung und Evaluation hat die Evangelische Hochschule Ludwigsburg die Reflexion dieser Praxis enorm befördert. Ohne den Mut und die Offenheit der Diakoninnen und Diakone in den Teilprojekten, ohne die vielen Ehrenamtlichen, die verschiedenen Projektpartnerinnen und Gesprächspartner wäre dieser Evaluationsprozess nicht möglich gewesen. Tanja Kaiser, Annika Kohlrausch und Marie Lottmann haben diesem Band den letzten Schliff gegeben. Ihnen allen gilt unser Dank.
Stuttgart im Januar 2013
Ellen Eidt und Claudia Schulz
Ellen Eidt/Claudia Schulz
Lässt sich die Qualität der Arbeit von Diakoninnen und Diakonen wiegen und messen? Ist es möglich, die Bedeutung des Diakonats in der empirischen Wirklichkeit, in den Niederungen alltäglicher Arbeit und in den Perspektiven der unterschiedlichen Beteiligten zu ergründen? Als die Evangelische Landeskirche in Württemberg im Frühjahr 2008 das Großprojekt „Diakonat – neu gedacht, neu gelebt“ startete, war das Ziel, damit zukunftsweisende diakonische Arbeit in unterschiedlichen Handlungsfeldern zu entwickeln und zu erproben.1 Diese Arbeit sollte von einer gründlichen Auswertung begleitet werden, die die Erkenntnisse der Projektarbeit sichert und zugleich förderliche Rahmenbedingungen für diakonisches Handeln erschließt.
In 15 Teilprojekten haben 20 Diakoninnen und Diakone über fünf Jahre hinweg in Zusammenarbeit mit ihren Begleitgremien und den anderen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitenden vor Ort verschiedene Anliegen verfolgt, Vorhaben umgesetzt und Ergebnisse gesichert. Ihre Arbeit ist der Kern des Projekts, ihr Engagement hat die Vielzahl der hier vorgestellten Projektergebnisse erst möglich gemacht. Die Darstellungen der einzelnen Projekte erfolgt in Band I dieser Publikationsfolge.2 Eine knappe Übersicht zur Orientierung findet sich im Anhang dieses Bandes. Diese Arbeit wäre insgesamt nicht möglich gewesen ohne das Engagement in den Projekten, und die Evaluation konnte nur gelingen, weil viele Menschen bereit waren, uns Einblicke in ihre Erfahrungen und Perspektiven zu gewähren.
Die zentrale Verantwortung für dieses Projekt lag im Dezernat „Kirche und Bildung“ des Evangelischen Oberkirchenrates.3 Mit der wissenschaftlichen Evaluation des Projekts und der Begleitforschung wurde die Evangelische Hochschule in Ludwigsburg beauftragt,4 das Diakoniewissenschaftliche Institut der Universität Heidelberg mit der externen Begleitung des Evaluationsprozesses.5 Um den formativ angelegten Evaluationsprozess in enger Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen zu steuern, wurde ein Projektkernteam gebildet, dem von Seiten des Oberkirchenrats KR Dieter Hödl und Ellen Eidt und von Seiten der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg Prof. Dr. Annette Noller, Prof. Dr. Claudia Schulz und Dr. Thomas Fliege angehörten.
Die vorliegende Publikation macht nun im Auftrag der Evangelischen Landeskirche in Württemberg die zentralen Ergebnisse der überwiegend qualitativen Evaluation dieses Projekts und der sozialwissenschaftlichen Begleitforschung zugänglich. Dabei liegt der methodische Weg der Datenerhebung und Auswertung in der Verantwortung der Autorinnen und Autoren der Einzelstudien. Sie haben im Einzelfall darüber entschieden, wie empirisches Material erhoben und genutzt und in welche Diskurskontexte die Ergebnisse gestellt wurden. In diesem Buch geht es nun zum einen darum, zentrale Fragen des Diakonats zu untersuchen: seine Bedeutung für Diakoninnen und Diakone und die Verantwortlichen für die Handlungsfelder, in denen sie arbeiten. Es geht um grundsätzliche Fragen der Einbettung in kirchliches Handeln insgesamt sowie Chancen und Spielräume der Gestaltung. Zum anderen geht es darum, in der Projektarbeit aktuelle Themen näher zu betrachten, die von Seiten der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, aber auch in diakoniewissenschaftlichen und kirchentheoretischen Fachdiskursen als zentral für zukünftige Arbeit markiert werden.
Nach fünf Jahren in der Evaluation und Begleitforschung im Projekt möchten wir es so ausdrücken: Dass Diakoninnen und Diakone für kirchliches Handeln wichtig sind und ihr Tun große Chancen gerade mit Blick auf zukünftige Herausforderungen bietet, lässt sich auf diesem Weg nicht beweisen. Aber in zahlreichen Analysen lässt sich detailliert nachzeichnen, welche Bedeutung diese Arbeit für die Beteiligten hat, wie echte Fortschritte erzielt werden können, wo Stolpersteine warten und wie diakonisches Handeln in diesem Sinn theoretisch beschrieben werden kann. Nicht ob etwas gelingt, wird hier untersucht, sondern wie, auf welchen Wegen, unter welchen Bedingungen – oder auch: warum nicht oder nur mit Einschränkungen. In diesem Sinn ist das vorliegende Buch eine Vermessung diakonischer Arbeit. Es bietet innovative empirische Zugänge, von denen wir hoffen, dass sie weit über Württemberg hinaus die Konzeptarbeit für den Diakonat bereichern werden.
Die diakonische Praxis der Kirchen und die Frage nach den notwendigen Professionalitätsstandards derer, die im Auftrag der Kirche in sozialen Handlungsfeldern tätig werden, stoßen derzeit auf großes öffentliches Interesse.6 Diakonische Unternehmenskultur und Gemeinwesendiakonie haben als diakoniewissenschaftliche Themen Hochkonjunktur. Alter, Armut, Behinderung und Bildung werden theologisch und fachlich reflektiert.7 Die Frage nach der Bedeutung des diakonischen Handelns für die Rolle der Kirche in der Gesellschaft spielt in den aktuellen Kirchenentwicklungsprozessen8 eine wichtige Rolle. Bereits in dieser thematischen Aufzählung deutet sich eine enge Verknüpfung von wissenschaftlichen, fachlichen und kirchenpolitischen Diskursen an. Diese kann als typisch für das Feld einer Diakoniewissenschaft gelten, die sich sowohl mit dem helfenden Handeln Einzelner und der professionalisierten Diakonie als Lebens- und Wesensäußerung der Kirche als auch mit dem verbandlichen und unternehmerischen Engagement aus christlicher Motivation beschäftigt.
Im Projekt „Diakonat – neu gedacht, neu gelebt“ engagierten sich Diakoninnen und Diakone – also kirchlich berufene Professionelle in Sachen Diakonie – in Demenz- und Armutsprojekten, waren in der Schulsozialarbeit ebenso tätig wie in der Gemeinde- und Kirchenbezirksdiakonie oder in diakonischen Unternehmen. Wenn also hier die Arbeit dieser Einzelprojekte und die dazugehörigen größeren inhaltlichen und strukturellen Zusammenhänge evaluiert und erforscht werden, so stehen einerseits die Erkenntnisfunktion, andererseits die Dialog- bzw. Lernfunktion der Evaluation im Vordergrund.9 Es werden also einerseits Ergebnisse erwartet, die das Verständnis diakonischen Handelns (im Allgemeinen wie im fachlich Besonderen) vertiefen, der zukünftigen Arbeit nützen und neue Optionen erschließen. Andererseits stellt die Evaluation ein fundiertes Angebot dar, mit den Beteiligten in Kirche, Einrichtungen, Kommunen und der Wissenschaft ins Gespräch zu kommen und daraus wiederum Lerneffekte zu gewinnen. So geschieht Evaluation fast zwangsläufig in unmittelbarer Verknüpfung mit den aktuellen fachlichen Diskursen und ist eingebettet in zeitgleiche kirchenpolitische Entwicklungen. In beide Richtungen können und sollen die Evaluationsergebnisse Impulse setzen und neues Nachdenken anregen, auch wenn in diesem Zusammenhang nicht verschwiegen werden soll, dass die verschiedenen Ansprüche von Wissenschaft und Kirchenpolitik nur selten gleichzeitig zu erfüllen sind. Eine hinreichende Trennschärfe musste auch innerhalb des Evaluationsprozesses immer wieder erarbeitet werden und ist auch nicht immer in zufriedenstellender Form erreicht. Die Einteilung der großen Kapitel dieses Bandes trägt diesen unterschiedlichen Schwergewichten der evaluativen Arbeit Rechnung.
In vier Schritten soll deshalb das Feld vermessen werden, in dem sich Evaluationsforschung und kirchenpolitische Positionierungen dieses Bandes bewegen, laufende Diskurse aufnehmen und Anknüpfungspunkte zur Verfügung stellen:
(1.) Im diakoniewissenschaftlichen Diskurs um Diakoninnen und Diakone, ihre Beauftragung und ihre Kompetenzen spielt die These eine große Rolle, dass diese Diakoninnen und Diakone die qualifizierten Fachleute für diakonische Unternehmensentwicklung und Vernetzung zwischen diakonischen Einrichtungen und parochialen Kirchengemeinden seien.10 Insofern bietet dieser Band – fokussiert auf die Rolle von Diakoninnen und Diakonen und derjenigen, die für deren Anstellung die Verantwortung tragen, – sowohl empirisch fundierte als auch kirchenpolitisch motivierte Beiträge zur Weiterentwicklung gemeinwesenorientierter Diakonie11 und zur Frage nach einer christlich profilierten Unternehmenskultur.12
(2.) Themen wie Armut13 und fehlende Bildungsgerechtigkeit14, die Inklusion von Menschen mit Behinderungen15 oder Fragen nach einem guten Umgang mit einer wachsenden Vielfalt an religiösen, kulturellen und ästhetischen Orientierungen16 und die Rolle ehrenamtlichen Engagements in der Zivilgesellschaft17 nehmen in gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen zurzeit breiten Raum ein und prägen viele fachliche Diskurse im Bereich der Sozialen Arbeit und der Diakoniewissenschaft. Darauf nahm bereits die Projektausschreibung18 des hier evaluierten Diakonatsprojekts nachdrücklich Bezug. Dementsprechend liefern insbesondere die in diesem Band präsentierten Evaluationsergebnisse, die sich unmittelbar auf die Arbeit in den Einzelprojekten beziehen, eine ganze Reihe empirisch fundierter Impulse zu diesen Themen.
(3.) Ein zentraler Aspekt innerhalb der laufenden Kirchenentwicklungsprozesse ist die Frage nach den gesellschaftlichen Aufgaben der Kirche und ihrer Rolle in einer durch spätmoderne Reflexivität und Multioptionalität ebenso wie durch soziale Verwerfungen und persönliche Verunsicherungen geprägten Gesellschaft. Wichtigstes Instrument zur Bewältigung der damit für die Kirche verbundenen Herausforderungen ist das kirchliche Personal, und darauf bezogen stellt sich dann auch die Frage nach Amt und Ämtern in der Kirche. Bisher war der Hauptfokus in diesem Zusammenhang stets auf das Pfarramt und die Profession der Pfarrerinnen und Pfarrer gerichtet.19 Dem stellt dieser Band einerseits die empirische Perspektive auf Diakoninnen und Diakone und ihre Professionalität zur Seite und kann darin andererseits gar nicht anders, als zugleich eine kirchenpolitisch mehr oder weniger explizierte Position zu beziehen.20 Zugleich bieten die hier vorgelegten Ergebnisse qualitativer Evaluationsprozesse möglicherweise die Chance – in der Theoriediskussion ebenso wie in kirchenpolitischen Auseinandersetzungen – längst eingefahrene Gleise der Ämterdebatte um Diakonat und Pfarramt zu verlassen21 und neue Perspektiven zu gewinnen.22
(4.) In einer engen Verknüpfung mit Fragen der Kirchenentwicklung ist auch die Kompetenzdiskussion im Hinblick auf die kirchlichen Berufe zu verstehen. Mit zeitlicher Verzögerung, aber in vielen Aspekten parallel zum Prozess der Professionalisierung in der Sozialen Arbeit, entwickelten sich auch in den Berufen des Diakonats Professionalisierungsstrategien.23 Im Zuge des Bologna-Prozesses wurden eine ganze Reihe neuer Bachelorstudiengänge für Berufe im Diakonenamt eingeführt und die Akademisierung der diakonischen Berufe durch Masterstudiengänge weiter vorangetrieben. Die nur noch schwer überschaubare Vielfalt möglicher Qualifikationen und Berufsprofile für diakonisch-gemeindepädagogische Berufe und Schwierigkeiten hinsichtlich der wechselseitigen Anerkennung in den verschiedenen Landeskirchen führte in der EKD zur Berufung einer Ad-hoc-Kommission, die mit diesbezüglichen Klärungen beauftragt wurde.24 Auch dieser Professionalisierungsdiskurs, den die Verantwortlichen in der Weiterentwicklung der Diakonenausbildungen an den verschiedenen Ausbildungsstätten und Hochschulen und die in den Kirchen mit den kirchenrechtlichen Klärungsprozesse Beauftragten miteinander führen, erhält durch die vorgelegten Evaluationsergebnisse eine vertiefte Grundlage. Sie können die hier gewonnenen Einsichten in die Wahrnehmungslogiken von Anstellungsverantwortlichen und Professionellen im Diakonat für ihren jeweiligen Bedarf nützen und sich auf entsprechende Positionierungen beziehen.
Am bisher Gesagten wird deutlich, dass die Evaluation des Projekts „Diakonat – neu gedacht, neu gelebt“ eine Verbindung bildet zwischen Projektarbeit und kirchlicher Organisationentwicklung. Im Idealfall funktioniert eine solche Gelenkstelle „wie geschmiert“ und es gelingt im Sinne formativer Evaluation, verschiedene Interessen, Bedarfe und Erkenntnisse konstruktiv und wechselseitig fruchtbar zu machen. Häufiger jedoch entstehen Schnittstellen, die mit schmerzhaften Abstimmungsprozessen verbunden sind, wenn Erkenntnisse auf der einen Seite den Erwartungen der anderen Seite nicht nur nicht entsprechen, sondern diese grundlegend in Frage stellen, oder wenn Zeitplanungen nicht der reinen Lehre sondern taktischen Interessen folgen müssen. Im konkreten Fall wurde die Komplexität solcher Vermittlungsprozesse zwischen wissenschaftlichen und kirchenpolitischen Ansprüchen noch dadurch erhöht, dass natürlich auch eine mit der wissenschaftlichen Evaluation beauftragte Hochschule nicht ohne Interessen sein kann, wenn sie Diakoninnen und Diakone ausbildet, und dass zugleich ein Teil des wissenschaftlichen Evaluationsauftrages in der Projektgeschäftsstelle des Oberkirchenrates der Evangelischen Landeskirche in Württemberg wahrgenommen wurde. So manche Ambivalenzen dieses Evaluationsprozesses spiegeln sich im vorgelegten Band, der an vielen Stellen im Interesse möglicher Lerneffekte auf Harmonisierungen verzichtet. Dazu, dass das in dieser Weise möglich wurde, hat die Projektleitung im Dezernat Kirche und Bildung viel beigetragen. In diesem Zusammenhang konnte das – aus den Verantwortlichen in der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg und im Evangelischen Oberkirchenrat in Stuttgart zusammengesetzte – Projektkernteam seine Fähigkeit schulen, auf mehreren Ebenen zugleich zu arbeiten und die Vielschichtigkeiten auch wissenschaftlich zu bewältigen.
Die wissenschaftliche Arbeit im Projekt war in drei Forschungssträngen konzipiert: in der Evaluation der Teilprojekte (A), in der Gesamtevaluation in Bezug auf die Projektziele (B) und in der Begleitforschung (C).
(A) In den 15 diakonischen Projekten evaluierten die dort tätigen Diakoninnen und Diakone ihre Arbeit, um Ergebnisse zu sichern und ausreichend Einblicke in Strukturen des Gelingens zu ermöglichen. Die Projektgeschäftsstelle im Oberkirchenrat und die Evangelische Hochschule Ludwigsburg begleiteten die Inhaberinnen und Inhaber der Projektstellen in der Entwicklung ihres Evaluationsdesigns und unterstützten spezielle Anliegen. Die Methoden dieser Evaluation wurden jeweils innerhalb der einzelnen Projekte an den dortigen Erkenntnisinteressen ausgerichtet. Ziel war es, jeweils die fachlichen Besonderheiten der Arbeit an ausgewählten Stellen zu betrachten: in Interviews mit Klientinnen und Klienten, in Gruppendiskussionen mit Ehrenamtlichen und Steuerungsgruppen, in Dokumentationen und standardisierten Befragungen. Auf diesem Weg konnten in direktem Zusammenhang mit dem jeweiligen Arbeitsfeld zentrale Ergebnisse gesichert werden. Die Ergebnisse solcher Projektevaluationen sind in etlichen der hier publizierten Texte auszugsweise dargestellt worden.25 Eine Publikation der Ergebnisse der einzelnen Projekte erfolgt an anderer Stelle.26
(B) Um basierend auf der konkreten Projektarbeit darüber hinaus die Ziele der Projekts zu verfolgen und Ergebnisse im Sinne des Gesamtprojekts hin auf einen zukunftsfähigen Diakonat zu sichern, sorgten die Mitglieder des Projektkernteams für gezielte Analysen in einzelnen Themenfeldern wie Ehrenamt, Armut, Netzwerkarbeit von Diakoninnen und Diakonen, Seelsorge, Zielgruppenarbeit oder Gemeinwesenorientierung. Darüber hinaus standen auch Kompetenzfragen sowie eine Reflexion der Arbeit unter Projektbedingungen im Fokus. Unter thematischen Überschriften wurden jeweils in der Verantwortung der Autorinnen und Autoren der Beiträge dieses Bandes ein Forschungsdesign entworfen und in Einzelstudien anhand ausgewählter Projekte Ergebnisse gewonnen.
(C) Zunächst unabhängig von der Arbeit in den Einzelprojekten entwickelten Mitglieder des Projekt-Kernteams eigene Studien im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitforschung. Zum Teil sind diese historischer oder überwiegend theoretischer Art und an anderer Stelle publiziert worden.27 Zum Teil sind hier jedoch ebenfalls empirische Untersuchungen durchgeführt worden wie die Interviews mit Anstellungsverantwortlichen in unterschiedlichen Arbeitsfeldern von Diakoninnen und Diakonen28 oder die Gruppendiskussionen mit Diakoninnen und Diakonen29 in verschiedenen Berufsgruppen im Diakonat. Die Ergebnisse aus solchen Erhebungen sind, soweit möglich, eng auf die Ergebnisse des Projekts im Teil (B) bezogen worden. Ziel war es, das grundsätzliche Verständnis für die Konstruktion des Diakonats aus unterschiedlichen Perspektiven zu erweitern. Die Ergebnisse der Begleitforschung stellen den Teil II dieses Bandes dar und werden in weiteren Einzelbeiträgen aufgenommen.30
Insgesamt haben die unterschiedlichen fachlichen Prägungen und Interessen der an der Auswertungsarbeit im Team beteiligten Menschen die jeweilige Zielsetzung der Analysen und die Art der Ergebnisse erheblich beeinflusst. Es werden auf diesem Weg sehr verschiedene Herangehensweisen an Themen und Materialien sowie eine jeweils eigene Logik in der Auswahl von Erhebungs- und Interpretationsmethoden sichtbar. Im Prozess des Projekts sind im Rahmen von Begleittreffen, Tagungen und einer Abschlussveranstaltung immer wieder Ergebnisse präsentiert und mit Anwenderinnen und Anwendern und Fachleuten unterschiedlicher Prägung diskutiert worden. Dieser Austausch hat die wissenschaftliche Arbeit bereichert und spiegelt sich zuweilen auch in den Analysen wieder.
Auf dem Weg dieser Evaluations- und Begleitforschung wurden, abhängig vom Erkenntnisinteresse im jeweiligen Themenfeld, diverse Methoden der sozialwissenschaftlich-empirischen Forschung angewandt. In den Einzelanalysen sind die Anwendungsmodi dieser Methoden und das spezielle Erkenntnisinteresse jeweils benannt. Zuweilen sind Methoden kombiniert und Daten themenübergreifend genutzt worden. An dieser Stelle stellen wir knapp die verwendeten Erhebungsmethoden und den Erkenntnisgewinn vor, den sie in ihren Anwendungskontexten bieten:
Die standardisierte schriftliche Befragung: Dieses hypothesengeleitete Verfahren eröffnet den Zugang zu einer größeren Zahl von Befragten und deren Perspektiven.31 Es wurde angewandt, um Diakoniebeauftragte und Synodale eines Kirchenbezirks auf ihre Einschätzung des Diakonats im Bezirk und die Funktion der Diakoniebeauftragten in den Gemeinden hin zu befragen.32
Das leitfadengestützte Interview33 mit Klientinnen und Klienten oder Expertinnen und Experten im Arbeitsfeld sollte als Verfahren der qualitativen Sozialforschung die subjektiven Sichtweisen und Erfahrungen der Menschen im Arbeitsfeld erschließen. Teilweise sind hier stark narrative Anteile enthalten, teilweise sind aber auch handlungsleitendes Wissen sowie Einschätzungen und Bewertungen erfragt worden.
Die Gruppenbefragung34/ermittelnde Gruppendiskussion35 ermöglichte es, Erfahrungen, Einschätzungen, Sinndeutungen und Bewertungen von einer exemplarischen Gruppe zu erfassen. Diese Methode wurde genutzt, um etwa in Gesprächen mit verschiedenen Begleitgremien deren Sicht auf Projektprozesse und die Professionalität der dort agierenden Diakoninnen und Diakone zu erheben oder um die spezifischen Erfahrungen der Hauptamtlichen im Diakonat mit einem spezifischen Anliegen, z.B. der Seelsorge, zu erfassen. In dieser Methode stehen nicht die Diskurse in der Gruppe, sondern die Meinungen oder Sinndeutungen der einzelnen Befragten im Vordergrund.
Das Gruppendiskussionsverfahren36 wurde als weitere Methode der qualitativen Sozialforschung immer dann eingesetzt, wenn im Kontext eines gemeinsamen Erfahrungshintergrundes der Befragten diskursiv erzeugtes, handlungsleitendes oder im Verhalten verankertes Wissen und gemeinschaftliche Orientierungen erhoben werden sollten. Diskurse der Befragten werden hier zunächst durch offene Gesprächsimpulse angeregt und durch immanente Nachfragen unterstützt. In der Auswertung des daraus gewonnenen Datenmaterials spielen deshalb Fragen der Diskursorganisation und thematische Fokussierungen durch die Gruppe eine entscheidende Rolle.
Die Sozialraum-Analyse war Bestandteil der Arbeit in den Teilprojekten. Sie sollte dazu dienen, zu Beginn der Arbeit die Projektziele wo nötig zu überarbeiten und auf die konkrete Situation im Sozialraum hin zu reflektieren.37 Diese Sozialraumanalysen erfassten, ausgehend von einer Definition des jeweils relevanten Sozialraums, die räumliche Situation am Ort, die Sozialstruktur sowie die unmittelbare Arbeitsumgebung (z.B. Gemeinden, Einrichtungen, Schulen) und die Zielgruppen der jeweiligen Projektarbeit. Diese Sozialraumanalysen bestehen aus einer Datensammlung für den jeweiligen Bedarf sowie einer Interpretation dieser Situation auf die Projektziele hin.38
Die leitfadengestützte schriftliche Befragung als qualitatives Erhebungsinstrument wurde eingesetzt, um Erfahrungen und Deutungen der Diakoninnen und Diakone in den Teilprojekten zu erheben. Diese Erhebungsmethode wurde in zwei Formen angewandt: Zum Ersten diente das Instrument des Projekttagebuches der fortlaufenden Evaluation des Projektprozesses aus der Perspektive der einzelnen Diakoninnen und Diakone in den Teilprojekten.39 In regelmäßiger Folge waren dort offene Impulse zu Fragen der Projektgestaltung, zur Kommunikation mit Zielgruppen und Gremien sowie zur fachlichen und theologischen Deutung des eigenen Handelns gegeben. Im letzten Drittel der Projektlaufzeit waren die Leitfragen weniger offen und fokussierten persönliche Konzepte zu Fragen des Amts- und Gemeindeverständnisses sowie zum verkündigenden und seelsorgerlichen Handeln in den Handlungsfeldern.
Zum Zweiten wurde das Verfahren in einer „Schreibwerkstatt“ im Rahmen eines Studientages für die Diakoninnen und Diakone in den Teilprojekten im letzten Drittel des Projekts angewandt. In anonymer Form antworteten die Teilnehmenden auf Fragen nach ihrer seelsorgerlichen Tätigkeit im Projekt. Dieses Material wurde mit Hilfe der Inhaltsanalyse ausgewertet.40
Das Verbatim (Gedächtnisprotokoll) ist eine Methode der Rekonstruktion professionellen Handelns, die in Ausbildungskontexten der Pastoralpsychologie angewandt wird und hier als Methode der Generierung von Daten zu Forschungszwecken genutzt ist.41 Die Diakoninnen und Diakone notieren im Anschluss an ein Seelsorgegespräch aus dem Gedächtnis den Gesprächsverlauf. In einem weiteren Schritt kommentieren sie dieses Gedächtnisprotokoll, so dass zugleich Gesprächsverläufe und deren Deutung durch die Seelsorgerinnen und Seelsorger erfasst werden.
Darüber hinaus sind weitere Materialien analysiert worden, die Diakoninnen und Diakone im Rahmen der Projektarbeit angefertigt haben. Dazu gehören Verlaufsdokumentationen von Prozessen diakonischer Begleitung von Klientinnen und Klienten sowie Gottesdienstentwürfe und Einzelfalldokumentationen.42 Die Struktur solcher Aufzeichnungen wurde vor Ort und nach Bedarf festgelegt. Die Methoden der Auswertung dieser Materialien sind in den Einzelbeiträgen dargestellt.
Der vorliegende Band zur Evaluation der Arbeit von Diakoninnen und Diakonen beginnt – im Anschluss an diesen Einführungsteil – mit einem Kapitel (II.), das sich den empirischen Perspektiven auf Diakoninnen und Diakone in Kirche und Diakonie widmet. Dabei spielt der aktuelle Theoriediskurs zur Ämterfrage im Hinblick auf den Diakonat eine nicht zu unterschätzende Rolle.43 Darin wird deutlich, wie sich Überschneidungen und Brüche zwischen theologischer und soziologischer Theoriebildung sowie der sozialwissenschaftlich-empirischen Forschung darstellen und welche wechselseitigen Anregungen im Diskurs zu erwarten sind. Die Eröffnung dieses Wechselspiels übernimmt Claudia Schulz, indem sie die wichtigsten professionellen Akteurinnen und Akteure im Feld zu Wort kommen lässt: In ihrem ersten Beitrag sind dies zunächst die Diakoninnen und Diakone selbst, deren – im Kontext der verschiedenen Berufsgruppen im Diakonat rekonstruiertes – Selbstverständnis hier dargestellt wird. Dem stellt sie im nächsten Schritt die Sicht der Anstellungsverantwortlichen in Kirche und Diakonie zur Seite und weitet darin zugleich den Blick über Tätigkeit, Qualifikation und Amt hinaus auf organisationsbezogene und kirchenstrukturelle Fragestellungen hin. Für den Bereich der diakonischen Einrichtungen und Dienste nimmt Ellen Eidt beide Perspektiven in unmittelbarer Gegenüberstellung auf und arbeitet spezifische Konfliktlinien und mögliche Chancen für Weiterentwicklungen heraus, die vor allem den Bereich der diakonischen Unternehmensentwicklung betreffen.
Den Blick in die unmittelbare Praxisevaluation öffnet das nächste Kapitel (III.), in dem sieben verschiedene Teilprojekte anhand ihrer thematischen Schwerpunkte wissenschaftlich evaluiert und auf Lerneffekte hin abgeklopft werden, die über den Horizont der Einzelprojekte hinaus für Wissenschaft, Kirche und Gesellschaft interessant sind. Eine Tiefenbohrung zu Fragen kirchlich-diakonischer Arbeit mit Menschen aus verschiedenen Zielgruppen und Milieus nimmt Claudia Schulz im Zusammenhang eines Schulsozialarbeits- und eines Familienprojekts vor. Sie rekonstruiert zu diesem Zweck die grundlegenden Orientierungen von Ehrenamtlichen und kontrastiert diese mit denjenigen der jeweiligen Zielgruppen, um in der Analyse und für mögliche Weiterentwicklungen die Milieuperspektive fruchtbar werden zu lassen. Auch Ellen Eidt fokussiert in ihrer rekonstruktiv angelegten Evaluation von drei Teilprojekten, die sich der Entwicklung eines Familienpatenmodells, der Arbeit mit Diakoniebeauftragten und dem Aufbau eines Diakoniekaufhauses widmeten, die Perspektive der Ehrenamtlichen. Sie zielt darin auf die spezifischen Herausforderungen für verschiedene Segmente des Ehrenamtlichen-Managements. Dem thematischen Feld diakonischer Armutsbekämpfung widmet sich Thomas Fliege in seinem evaluativen Blick auf die Arbeit eines Diakoniekaufhauses und eines Kinderarmutsprojekts. Seine an aktuellen Armutsdiskursen geschulte Analyse weist auf Nachholbedarf im Hinblick auf die gesellschaftspolitische Funktion anwaltschaftlicher Diakonie in den Teilprojekten hin. Auch seine – den Abschluss dieses Kapitels bildende – Evaluation von drei verschiedenen Schwerpunktbildungen in Schulsozialarbeitsprojekten fragt nach dem spezifisch kirchlich-diakonischen Beitrag zu Entwicklungsprozessen im Bildungsbereich der Gesellschaft und nach profilierten Aufgabenstellungen für Diakoninnen und Diakone in diesem Kontext.
Mit dem IV. Kapitel wird der Blick – zunächst ausgehend von Beobachtungen innerhalb des Projekts „Diakonat – neu gedacht, neu gelebt“, dann aber auch im Projektumfeld der Evangelischen Landeskirche in Württemberg – auf Projektprozesse und diejenigen Rahmenbedingungen und Strukturen gerichtet, auf die sich die Projektarbeit bezog und in die sie eingebettet war: In einem ersten Artikel arbeitet Ellen Eidt Zusammenhänge zwischen Grundorientierungen diakonischen Selbstverständnisses und gesundheitlichem Belastungserleben heraus. Sie erhebt diese Zusammenhänge auf dem Weg der dokumentarischen Interpretation von Gruppendiskussionen aus Projektkontexten. In einem weiteren Beitrag rekonstruiert sie die Netzwerkkonzepte der Praktikerinnen und Praktiker im Diakonatsprojekt und eröffnet damit einen Diskurs um die Generierung von sozialem Kapital durch diakonische Netzwerkarbeit. Die diakoniewissenschaftliche Rezeption des Diskurses um die Entstehung und Nutzung von Sozialkapital in kirchlich-diakonischen Zusammenhängen steckt noch in den Kinderschuhen. Eine zentrale Rolle spielt darin jedoch die Wiederentdeckung der Bedeutung der Diakonie in der Parochialgemeinde. In der Darstellung der Vielfalt von Interessen und Optionen in diesem spezifischen „Spannungsfeld Gemeindediakonie“ erschließt Claudia Schulz in ihrer Analyse von Interviews mit Anstellungsverantwortlichen und einer Gruppendiskussion mit Gemeindediakoninnen und Gemeindediakonen ein komplexes Feld. Für dessen Bearbeitung steht die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes sowohl in kirchenstruktureller als auch in handlungspraktischer Hinsicht noch aus. Mit den vorliegenden Evaluationsergebnissen sind die Grundlagen für weitere Konzeptentwicklung geschaffen worden.
Die Bewältigung der Herausforderungen, die gesellschaftliche Entwicklungsprozesse an das soziale Handeln der Kirche stellen, erfordert bei den Hauptamtlichen im Diakonat verschiedenste Kompetenzen. In welchen Ausprägungen sich diese aus Projektwahrnehmungen ablesen lassen und wie sie für die Ausgestaltung des diakonischen Auftrags der Kirche fruchtbar gemacht werden können, damit beschäftigen sich Annette Noller und Thomas Fliege im V. Kapitel. Ausgehend von – in Verbatims protokollierten und im Rahmen einer ermittelnden Gruppendiskussion vertieften – Beobachtungen seelsorgerlicher Interaktionen in diakonischen Handlungsfeldern, die anhand von Einzelfallprotokollen kontextualisiert werden, entwickelt Annette Noller zunächst ein Verständnis diakonischer Seelsorge, um dann in einem weiteren Beitrag im Kontext der homiletischen Arbeit von Projektdiakoninnen und -diakonen deren theologische Kompetenzen herauszuarbeiten und ihre Bedeutung für ein sichtbares diakonisches Amt in einer diakonischen Kirche hervorzuheben. Möglichkeiten für die Kompetenzentwicklung im Hinblick auf sozialräumlich orientierte diakonische Konzeptionsarbeit entwickelt Thomas Fliege aus der Beschäftigung mit Sozialraumanalysen, die in einer frühen Projektphase für alle örtlichen Teilprojekte erstellt wurden. Er liefert damit zugleich die Grundlegung für den dieses Kapitel abschließenden Beitrag von Annette Noller, die ihre Wahrnehmungen der sozialraumorientierten Arbeit von Diakoninnen und Diakonen in verschiedenen Teilprojekten mit dem aktuellen diakoniewissenschaftlichen Diskurs zur Gemeinwesenorientierung verknüpft und daraus zehn Thesen für die Rolle des Diakonats in diesem Kontext ableitet.
Das Kapitel VI. bietet abschließend in den Beiträgen von Claudia Schulz, Dieter Hödl, Ellen Eidt und Thomas Fliege Bündelungen der Ergebnisse aus der Perspektive der Evaluationsforschung, der Gestaltung des Diakonats von Seiten der Landeskirche und der Projektarbeit mit Blick auf diakoniewissenschaftliche Belange und Kirchenentwicklung. Das Buch ist konzipiert als Diskussionsbeitrag und endet mit einem inhaltlichen Doppelpunkt: Die Ergebnisse bedürfen der Weiterarbeit, wie wir sie hoffentlich in Fachgesprächen, Gremien und vor allem im Engagement vieler Menschen in der zukünftigen Arbeit erleben werden.
Benedict, Hans Joachim (2006): Zukünftige Aufgaben der Diakone und Diakoninnen aufgrund veränderter kirchlicher, diakonischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. In: Eurich, Johannes (Hg.): Diakonisches Handeln im Horizont gegenwärtiger Herausforderungen. Heidelberg. S. 203–224.
Bogner, Alexander/Menz, Wolfgang (32009): Das theoriegenerierende Experteninterview. Erkenntnisinteresse, Wissensformen, Interaktion. In: Bogner, Alexander/Littig, Beate/Menz, Wolfgang (Hg.): Experteninterviews: Theorien, Methoden, Anwendungsfelder. Wiesbaden. S. 61–98.
Bohnsack, Ralf (72008): Rekonstruktive Sozialforschung. Einführung in qualitative Methoden. Opladen/Farmington Hills.
Budde, Wolfgang/Früchtel, Frank/Cyprian, Gudrun (2007): Sozialer Raum und Soziale Arbeit, Bd. 2: Fieldbook: Methoden und Techniken. Wiesbaden.
Diekmann, Andreas (152006): Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. Reinbek.
Eidt, Ellen (2011): Der evangelische Diakonat. Entwicklungslinien in Kirche und Diakonie am Beispiel Württembergs. Stuttgart.
Eschen, Barbara (2008): Wer soll das diakonische Profil diakonischer Einrichtungen stärken? Zur Bedeutung des Berufsbildes Diakon/Diakonin. In: Merz, Reiner/Schindler, Ulrich/Schmidt, Heinz (Hg.): Dienst und Profession. Diakoninnen und Diakone zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Heidelberg. S. 240–253.
Eurich, Johannes/Barth, Florian/Baumann, Klaus/Wegner, Gerhard (Hg.) (2011): Kirchen aktiv gegen Armut und Ausgrenzung. Theologische Grundlagen und praktische Ansätze für Diakonie und Gemeinde. Stuttgart.
Eurich, Johannes/Lob-Hüdepohl, Andreas (Hg.) (2011): Inklusive Kirche. Behinderung – Theologie – Kirche. Stuttgart.
Eurich, Johannes/Oelschlägel, Christian (Hg.) (2008): Diakonie und Bildung. Heinz Schmidt zum 65. Geburtstag. Stuttgart.
Evangelische Kirche in Deutschland (Hg.) (2011): Kirche auf dem Weg. Bericht des Rates der EKD. 4. Tagung der 11. Synode der EKD. November 2011. Magdeburg. Verfügbar unter: http://ekd.de/synode2011/berichte/78763.html (03.01.2013).
Evangelische Landeskirche in Württemberg (Hg.) (2007) (1): Diakonat – neu gedacht, neu gelebt. Das Angebot für Kirchenbezirke, Kirchengemeinden, Landeskirchliche Werke und Einrichtungen und Freie Träger. Stuttgart. Verfügbar unter: https://www.service. elk-wue.de/oberkirchenrat/kirche-und-bildung/diakonat/projekt-diakonat-neu-gedachtneu-gelebt.html (18.12.2012).
Evangelische Landeskirche in Württemberg (Hg.) (2007) (2): Projektskizze „Diakonat – neu gedacht, neu gelebt“. Weiterentwicklung des Diakonen- und Diakoninnenamts in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zur Stärkung der Kirchengemeinden und Kirchenbezirke in der Wahrnehmung ihrer diakonischen Verantwortung. Stuttgart. Verfügbar unter: https://www.service.elk-wue.de/fileadmin/dezernate/dezernat2/Ref.2.3_-_Projekt_Diakonat/Projektskizze_Diakonat_Stand_Juli_2007_Beschluss_FA.pdf (29.12.2012).
Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) (Hg.) (2012): Evangelischer Pressedienst. epd Dokumentation online. 48/2012 vom 27.11.2012. S. 5–22. Verfügbar unter: http://www.epd.de/sites/default/files/12-48DritterWeg-Beschneidung.pdf (03.01.2013).
Henkelmann, Andreas/Jähnichen, Traugott/Kaminsky, Uwe/Kunter, Katharina (Hg.) (2012): Abschied von der konfessionellen Identität? Diakonie und Caritas im Prozess der Modernisierung des deutschen Sozialstaates seit den 1960er Jahren. Stuttgart.
Herrmann, Volker/Horstmann, Martin (Hg.) (22008): Studienbuch Diakonik. Bd. I: Biblische, historische und theologische Zugänge zur Diakonie. Bd. II: Diakonisches Handeln, diakonisches Profil, diakonische Kirche. Neukirchen-Vluyn.
Herrmann, Volker/Horstmann, Martin (Hg.) (2010): Wichern drei – gemeinwesendiakonische Impulse. Neukirchen-Vluyn.
Horstmann, Martin/Neuhausen, Elke (2010): Mutig Mittendrin. Gemeinwesendiakonie in Deutschland. Eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD. Berlin.
Horstmann, Martin (2008): Professionalisierungsstrategien des Diakonenberufs. In: Merz, Reiner/Schindler, Ulrich/Schmidt, Heinz (Hg.): Dienst und Profession. Diakoninnen und Diakone zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Heidelberg. S. 140–156.
Karle, Isolde (2010): Kirche im Reformstress. Gütersloh.
Kirchenamt der EKD (Hg.) (2006): Kirche der Freiheit. Perspektiven für die Evangelische Kirche im 21. Jahrhundert. Ein Impulspapier des Rates der EKD. Hannover. Verfügbar unter: http://www.ekd.de/download/kirche-der-freiheit.pdf (03.01.2012).
Lamnek, Siegfried (42005): Qualitative Sozialforschung. Lehrbuch. Weinheim/Basel.
Merton, Robert K./Fiske, Marjorie/Kendall, Patricia L. (1956): The Focused Interview. A Manual of Problems and Procedures. Glencoe, IL.
Meuser, Michael/Nagel, Ulrike (32009): Experteninterview und der Wandel der Wissensproduktion. In: Bogner, Alexander/Littig, Beate/Menz, Wolfgang (Hg.) (32009): Experteninterviews: Theorien, Methoden, Anwendungsfelder. Wiesbaden. S. 35–60.
Moser, Heinz (42008): Instrumentenkoffer für die Praxisforschung. Eine Einführung. Zürich.
Neff, Matthias (2012): Kirche auf dem Markt der Religionen – Zu religiösen Trends und Orientierungen in den Sinus Milieus. In: Wege zum Menschen (WzM) 64. Jg. H. 1/2012. S. 52–64.
Nohl, Arnd-Michael (32009): Interview und dokumentarische Methode. Anleitungen für die Forschungspraxis. Wiesbaden.
Noller, Annette/Eidt, Ellen/Schmidt, Heinz (Hg.) (2013): Diakonat – theologische und sozialwissenschaftliche Perspektiven auf ein kirchliches Amt. Stuttgart.
Olk, Thomas/Hartnuß, Birger (Hg.) (2011): Handbuch Bürgerschaftliches Engagement. Weinheim/Basel.
Przyborski, Aglaja/Wohlrab-Sahr, Monika (32010): Qualitative Sozialforschung. Ein Arbeitsbuch. München.
Reutlinger, Christian (2009): Raumdeutungen. Rekonstruktion des Sozialraums „Schule“ und mitagierende Erforschung „unsichtbarer Bewältigungskarten“ als methodische Felder von Sozialraumerforschung. In: Deinet, Ulrich (Hg.): Methodenbuch Sozialraum. Wiesbaden. S. 17–32.
Rest, Tanja (2012): „Schlag in die Magengrube.“ Ein Interview mit Ursula Günster-Schöning. In: Süddeutsche Zeitung 9. Juni 2012. München. Verfügbar unter: http://www.sueddeutsche.de/leben/vorschlag-zur-umschulung-von-schleckerfrauen-schlag-in-diemagengrube-1.1377834 (02.01.2013).
Roser, Traugott (2007): Spiritual Care. Ethische, organisationale und spirituelle Aspekte der Krankenhausseelsorge. Stuttgart.
Ruddat, Günter/Schäfer, Gerhard K. (Hg.) (2005): Diakonisches Kompendium. Göttingen.
Seidelmann, Stephan (2009): Evangelisch engagiert – Tendenz steigend. Sonderauswertung des dritten Freiwilligensurveys für die evangelische Kirche. Hannover.
Stockmann, Reinhard (32006): Evaluation in Deutschland. In: Stockmann, Reinhard (Hg.): Evaluationsforschung. Grundlagen und ausgewählte Forschungsfelder. Münster. S. 15–46.
1 Evangelische Landeskirche in Württemberg 2007 (1): S. 5f. Die Ziele des Projekts waren unter anderem, Modelle diakonischer Verantwortungsübernahme angesichts gesellschaftlicher Herausforderungen zu entwickeln, das diakonische Bewusstsein in Einrichtungen und Gemeinden und ebenso die Entwicklung diakonischer Netzwerke zu stärken, darin die missionarische Präsenz im Alltag der Menschen zu verdeutlichen, Konzepte für eine diakonisch orientierte Gemeindeentwicklung zu erarbeiten und darin eine „diakonische Innenarchitektur“ in Gemeinden und Kirchenbezirken zu begünstigen, den Diakonat durch entsprechende Dienstaufträge zu profilieren und schließlich Konzepte der Aus-, Fort- und Weiterbildung im Sinne einer entsprechenden Profilierung des Diakonats weiterzuentwickeln.
2 Band I der Publikationsfolge erscheint abschließend als Gesamtdarstellung des Projekts „Diakonat – neu gedacht, neu gelebt“ und übernimmt darin zugleich die Funktion einer grundlegenden Einführung.
3 Diese Verantwortung war im Oberkirchenrat auf verschiedene Schultern verteilt: OKR Werner Baur übernahm als Dezernent die Leitung der Projektsteuerungsgruppe, die von der Präsidentin der Evangelischen Landessynode in Württemberg mit der strategischen Steuerung des Projekts beauftragt worden war und in die Vertreterinnen und Vertreter aller Interessengruppen im Hinblick auf Weiterentwicklungsprozesse im Diakonat berufen waren. Die operative Projektleitung lag in den Händen von KR Dieter Hödl. Die Leitung der Projektgeschäftsstelle und Teilaufgaben der wissenschaftlichen Evaluation wurden der Diakoniewissenschaftlerin und Diakonin Ellen Eidt übertragen.
4 Die Verantwortung dafür übernahmen Prof. Dr. Annette Noller und Prof. Dr. Claudia Schulz.
5 Vertreten durch Prof. Dr. Heinz Schmidt. Vgl. die Projektskizze: Evangelische Landeskirche in Württemberg 2007 (2): S. 6.
6 Zuletzt etwa in der Diskussion um die Umschulung der so genannten „Schlecker-Frauen“ zu Erzieherinnen oder Altenpflegerinnen; vgl. Rest 2012 (Süddeutsche Zeitung am 12. Juni 2012). Die öffentliche Diskussion um die Prinzipien der Tariffindung auf dem „Dritten Weg“ wurde in erster Linie an Beispielen aus diakonischen Unternehmen und ihren gewerblichen Ausgründungen geführt. Vgl. Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik 2012: S. 5–22.
7 Einen guten Überblick dazu bieten zwei Kompendien: Ruddat/Schäfer 2005 und Herrmann/Horstmann 22008.
8 Ausgehend vom so genannten „Diakonieleuchtfeuer“ (Leuchtfeuer 6) des EKD-Positionspapiers „Kirche der Freiheit“. Vgl. Kirchenamt der EKD 2006.
9 Einen Überblick über Funktionen von Evaluation und ihre Anwendung bietet Stockmann 32006.
10 Vgl. dazu etwa Eschen 2008 oder Benedict 2006.
11 Vgl. zuletzt Herrmann/Horstmann 2010 und Horstmann/Neuhausen 2010.
12 Vgl. zuletzt als historischer Überblick zu dieser Fragestellung: Henkelmann/Jähnichen/Kaminsky/Kunter 2012.
13 Vgl. Eurich/Barth/Baumann/Wegner 2011.
14 Vgl. Eurich/Oelschlägel 2008.
15 Vgl. Eurich/Lob-Hüdepohl 2011.
16 Vgl. Neff 2012 sowie das gesamte Heft 1/2012 der Zeitschrift „Wege zum Menschen“.
17 Vgl. Olk/Hartnuß 2011 und Seidelmann 2009.
18 Vgl. Evangelische Landeskirche in Württemberg 2007 (1).
19 Vgl. Karle 2010 mit Bezug auf Kirchenamt der EKD 2006.
20 Vgl. dazu grundlegend die abschließende Reflexion von Claudia Schulz (Diakonat evaluieren) in diesem Band.
21 Vgl. zur Diakonatsdiskussion in der EKD seit 1996: Eidt 2011: S. 95–99.
22 Erste Ansätze dazu finden sich bereits bei Noller/Eidt/Schmidt 2013.
23 Vgl. grundlegend Horstmann 2008.
24 Vgl. Evangelische Kirche in Deutschland 2011: Abschnitt (2).
25 Beispielhaft in den Texten Eidt (Ehrenamtliche), Schulz (Diakonisches Arbeiten), Noller (Diakonat und Seelsorge), Fliege (Armutsbekämpfung).
26 Geplant ist eine zusammenfassende Publikation zentraler Projektergebnisse und einiger landeskirchlicher Projektberichte in Band I dieser Publikationsfolge.
27 Diese Arbeit war beispielsweise in Tagungen während des Projektverlaufs sichtbar, die in Band III der Publikationsfolge dokumentiert sind; vgl. Noller/Eidt/Schmidt 2013.
28 Geplant und durchgeführt von Claudia Schulz. Die Auswertung findet sich in den Texten von Claudia Schulz (Diakoninnen und Diakone unter Vertrag) und Ellen Eidt (Diakonat in diakonischen Einrichtungen) in diesem Band.
29 Diese Befragungen wurde von Ellen Eidt und Claudia Schulz konzipiert und im Rahmen von Forschungswerkstätten an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg unter Mitarbeit von Studierenden durchgeführt und ausgewertet.
30 Dies geschieht im vorliegenden Band vor allem in dem Text Schulz (Im Spannungsfeld Gemeindediakonie) und ist in Band I dieser Publikationsfolge noch ausführlicher zu erwarten.
31 Vgl. beispielhaft Diekmann 152006.
32 Die Ergebnisse finden sich in der Analyse zur Arbeit von Ehrenamtlichen im Beitrag Eidt (Ehrenamt).
33 Vgl. Nohl 32009: S. 20–23; Meuser/Nagel 32009 und Bogner/Menz 32009.
34 In der Tradition der „focus group“ als Gruppen-Pendant zum leitfadengestützten Einzelinterview nach Merton/Fiske/Kendall 1956. Diese Form der Befragung wird in Anlehnung an den angelsächsischen Sprachgebrauch zuweilen als „Gruppendiskussion“ bezeichnet, auch in diesem Band. Dieses Verfahren darf aber nicht verwechselt werden mit dem „Gruppendiskussionsverfahren“, das mit offenen Stimuli arbeitet (s.u.).
35 Nach Lamnek 42005: S. 416.
36 Vgl. Bohnsack 72008: S. 105–121 und Przyborski/Wohlrab-Sahr 32010: S. 271–309.
37 Für die Methodik vgl. Budde/Früchtel/Cyprian 2007.
38 Im Sinne einer „Raumdeutung“ als Rekonstruktion von Bedeutungen der gewonnenen Daten mit der subjektiven Haltung der Diakoninnen und Diakone; vgl. Reutlinger 2009.
39 Vgl. Moser 42008: S. 72–74.
40 Vgl. Lamnek 42005: S. 478–512.
41 Vgl. Roser 2007. Findet sich in dieser Form im Beitrag von Annette Noller (Diakonat und Seelsorge).
42 Aus solchen Dokumentationen wird zitiert im Beitrag von Thomas Fliege (Armutsbekämpfung).
43 Der aktuelle Stand dieses Diskurses ist in Band III dieser Publikationsfolge unter dem Titel „Diakonat – theologische und sozialwissenschaftliche Perspektiven auf ein kirchliches Amt“ dokumentiert.
Claudia Schulz
Was der Diakonat bedeutet – als kirchliches Amt, als Form der Tätigkeit und als Ergebnis von Ausbildungsprozessen – wird in der Theorie beschrieben und von Seiten der Evangelischen Kirche immer wieder neu diskutiert. Ebenso im Projekt „Diakonat – neu gedacht, neu gelebt“ der Evangelischen Landeskirche in Württemberg,1 das Ausgangspunkt der hier dargestellten Evaluationsforschung war. Darin spielen historische und theologische Aspekte eine Rolle,2 ebenso kirchenpolitisch-strukturelle Verhältnisse3 sowie konzeptionelle Fragen in Bezug auf die Zukunft des Diakonats.4 An dieser Stelle geht es nun um die andere Seite der Wirklichkeit, um die Konstruktion des Diakonats aus Sicht derer, die Trägerinnen und Träger dieses Amtes sind und in ihrer Arbeit auf die eine oder andere Weise auf diesen Bedeutungskomplex Diakonat jeweils in ihrer eigenen Logik Bezug nehmen. Die Analyse solcher Konstruktionen bedeutet gleichzeitig zunächst eine parteiliche Perspektive.5 Es geht mir darum, die Logik der Diakoninnen und Diakone wahrzunehmen und gewissermaßen „von innen heraus“ das Gebäude Diakonat auszuleuchten: wie es aus dieser Perspektive insgesamt beschaffen ist, welche Ebenen, Zimmer und Flure sich hier finden, wo zentrale und wo eher abgelegene Bereiche auszumachen sind oder wo im Gang durch dieses Gebäude Klarheit und wo Verwirrung herrscht. Und nicht zuletzt soll es, wenn auch nur in Ansätzen, darum gehen, wie es sich denn in diesem Gebäude lebt. Hier ist tatsächlich eine zweite Ebene der Diskussion eingezogen, weil die hier dargestellten Konstruktionen des Diakonats natürlich nicht den Anspruch haben, eine – wie auch immer geartete – Wirklichkeit umfassend darzustellen. Im Mittelpunkt steht die durch die beteiligten Subjekte konstruierte Welt. Dahinter steht die Annahme, dass es sich lohnt, von beiden Seiten zu schauen, aus der Theorie und der empirischen Wirklichkeit, ohne dass einer der beiden Seiten per se die Definitionsmacht über den Diakonat zugestanden würde.
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