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Beschreibung

In diesem Buch sehen wir die Wirklichkeit nicht unter mathematischen oder physikalischen, sondern unter theologischen Gesichtspunkten. Naturwissenschaftliche Kategorien helfen uns weniger, unser Leben zu bestehen. Sie implizieren keine Ethik. Dies aber legt der philosophische und theologische Blick nahe. Denn hier entsteht ein Raum, in dem Handlungen, Bewertungen und Denkmuster möglich werden. Wenn der Autor Otfried Reinke schließlich den Bereich der Musik betritt, dann können wir den Vorgeschmack der Ewigkeit spüren.

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Seitenzahl: 93

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhalt

Vorwort des Herausgebers

Einleitung

Die Themenstellung

Wie man heute von Ewigkeit redet

alltäglich und uneigentlich

religiös

philosophisch?

Wie kommen wir zu dem Begriff »Ewigkeit«?

Das Erwachsen des Gedankens »Ewigkeit« aus unserem Leben in Raum und Zeit

Erfahrung der Vergänglichkeit und Verlorenheit

Erfahrung von Beständigkeit

Unbegreiflichkeit als Grenzerfahrung

Der Begriff »Ewigkeit« gründet sich auf den Ursprung unseres Wahrnehmens und Wissens von Raum und Zeit

Sind Raum und Zeit Anschauungsformen a priori?

Die neuro-psychische Genese von Raum und Zeit

Subjektivität und Objektivität von Raum und Zeit

Die Bedeutung physikalischer und mathematischer Konzepte für unsere Begriffe von Zeit, Raum und Ewigkeit

Mathematik: Unendlichkeiten und Ewigkeit

Physik: Relativiert die Relativität von Raum und Zeit auch den Begriff der Ewigkeit?

Quantentheorie als Zugang zum Begriff »Ewigkeit«

Verschiedene Begriffe von Ewigkeit

Unendlichkeit

Zyklisches Weltbild

Zeit- und Raumlosigkeit. Sein und Nichts

Ewigkeit, Dauer und die Vorstellung von »Raum«

Einheit von Möglichkeit und Wirklichkeit

Über die Beziehung zwischen Raum/Zeit und Ewigkeit

Abstraktes und Konkretes. Idee und Wirklichkeit. »Universalien«

Unveränderlichkeit und Wandel. Schöpfer und Schöpfung

Ewiges Sein

Begegnung mit der Ewigkeit

Buddhismus

Griechisches Denken und Christentum

Offenbarung (Karl Barth)

Ewigkeitserfahrung (Gerhard Ebeling)

Begegnung (Martin Buber)

»Relative« Ewigkeit

Das ewige Wort der Schöpfung

Geschaffene Ewigkeit?

Leben nach dem Tod und ewiges Leben

Ewiger Gott

Die Trinitätslehre und die Grenzen theologischen Fragens und Antwortens

Bibelstellenverzeichnis

Personenregister

Literaturhinweise

Vorwort des Herausgebers

Als 2006 der Band „Ewigkeit“ in einer theologischen Reihe von 10 Bänden des Kreuz Verlags, Stuttgart, erschien, ahnte niemand, dass dieses Buch sogar in China veröffentlicht werden würde. Nun ist die 1. Auflage vergriffen und eine 2. Auflage folgt. Sie wird unverändert nachgedruckt, weil das Thema an Aktualität nichts verloren hat.

Was ist Ewigkeit? Ewigkeit meint etwas anderes als Unendlichkeit, ein Begriff, der in den Bereich der Mathematik gehört. Gerne wird der Theologe Friedrich Schleiermacher (1768–1834) zitiert mit den Worten, Religion sei Sinn und Geschmack für das Unendliche. Aber können wir überhaupt Sinn und Geschmack für das Unendliche haben? Und wie hängen (mathematische) Unendlichkeit und (theologische) Ewigkeit zusammen? Gehört Ewigkeit nicht notwendig zu Gott? Und wenn wir fragen, wo die Ewigkeit ist, muss dann nicht die Antwort lauten: Hier und jetzt?

Otfried Reinke bringt in die Diskussion um „Ewigkeit“ den Begriff der »relativen Ewigkeit« von Jürgen Moltmann ein. Damit ist gesagt, dass »Ewigkeit« kein Wert, keine Tatsache in sich ist, sondern dass sie einen Bezug hat zu Gott und »dass der Ewige an seiner Ewigkeit Anteil gibt« (vgl. S. →).

In diesem Buch sehen wir die Wirklichkeit nicht unter mathematischen oder physikalischen, sondern unter theologischen Gesichtspunkten. Naturwissenschaftliche Kategorien helfen uns weniger, unser Leben zu bestehen. Sie implizieren keine Ethik. Dies aber legt der philosophische und theologische Blick nahe. Denn hier entsteht ein Raum, in dem Handlungen, Bewertungen und Denkmuster möglich werden. Wenn der Autor schließlich den Bereich der Musik betritt, dann können wir den Vorgeschmack der Ewigkeit spüren …

Christoph Kühne

Einleitung

Die Themenstellung

Ist »Ewigkeit« eigentlich ein theologisches Thema? Die Frage ist leicht gestellt, aber eine eindeutige, klare Antwort wird kaum jemand geben können. Und wenn mehrere Menschen beisammen sind, so löst diese Frage schnell eine umfangreiche Debatte aus. Es gibt aber auch so manche, die sagen: »Für uns kleine Menschen ist es doch vermessen, über die große Ewigkeit Aussagen machen zu wollen«. Aber damit haben sie selber schon eine Aussage gemacht über Größe und Unbegreiflichkeit. Und sie verwenden ja selber das Wort »Ewigkeit«, das Ehrfurcht in ihnen erweckt. So müssen wir doch nun wenigstens fragen: »Was ist es denn, das da Ehrfurcht in uns erweckt? Was meinen wir mit dem Wort »Ewigkeit‹?« Und schon ehe wir darauf antworten können, ist uns vermutlich klar, dass Ewigkeit nicht nur Gegenstand oder Inhalt von Religion ist, sondern vor allem deren Voraussetzung, so wie auch »Mensch«, »Leben« und »Tod« Voraussetzungen sind für Religion, ohne in sich religiöse Worte oder gar christliche Begriffe zu sein.

Wie man heute von Ewigkeit redet

alltäglich und uneigentlich

»Ewig«, das Wort wird oft mit einem Stoßseufzer ausgesprochen. Da redet jemand »ewig« das Gleiche. Da tut jemand etwas so langsam, dass es »ewig« dauert. Da hat jemand keine Geduld, ein Ziel zu erreichen, weil es ja »ewig« dauert. So ist also »ewig« oft gepaart mit »unerträglich«. Oder aber es ist etwas schon »ewig« lange her, sodass es inzwischen keine Aktualität mehr besitzt und darum bedeutungslos geworden ist. So werden also in unserer Umgangssprache die Worte »ewig« und »Ewigkeit« fast nur noch so verwendet, dass jeder weiß, es geht hier um eine gewaltige Übertreibung. Aber das macht sich kaum jemand bewusst. Und diese Übertreibung wird auch noch als solche veralbert mit der Redewendung »ewig und drei Tage«. Wenn ich meine Gedanken auf den Weg schicke, um zu suchen, wann und wo die Veroberflächlichung dieses so inhaltsschweren Wortes beginnt, dann fühle ich mich allerdings wie einer, der im Nebel tappt. Zugleich aber fällt mir auf, dass im gleichen Maße, in dem die Veroberflächlichung zunimmt, die Verwendung im eigentlichen und ernsthaften Sinn abnimmt. Da habe ich gerade – im Oktober 2005 – drei eben erschienene Artikel von verschiedenen Verfassern über die »gegenwärtige Trauerkultur« gelesen. Nicht ein einziges Mal kommt darin das Wort oder der Gedanke »ewig« vor, weder in positiver noch in ablehnender Verwendung. Aber es wird deutlich zum Ausdruck gebracht, dass wir unsere »Endlichkeit annehmen« müssen. Also scheint dieses Akzeptieren der Endlichkeit weithin zu fehlen. Und das müsste doch heißen: Wir sind schweigend der »Unendlichkeit« oder der »Ewigkeit« verfallen. Das wäre eine höchst überraschende Schlussfolgerung.

religiös

philosophisch?

Hinter dem Wort »philosophisch« steht hier ein Fragezeichen, weil es fraglich ist, ob das Thema »Ewigkeit« in der gegenwärtigen Philosophie überhaupt behandelt wird. Jedenfalls findet man es kaum. Noch vor weniger als 200 Jahren war es unausweichlich vorgegeben, hatte eine Schlüsselstellung. Nun scheint es ausgeklungen zu sein. Die Ansätze haben sich verändert. Die existentialistische Ontologie (Heidegger, 1889–1976; Sartre, 1905–1980) sieht auf das Sein in der Existenz. Aber an einigen Stellen leuchtet das Thema »Ewigkeit« plötzlich wieder auf. So sind etwa die Nachwirkungen Ludwig Wittgensteins eher im Wachsen als im Schwinden begriffen. Schon 1918 hatte er seine »Logisch-philosophische Abhandlung« abgeschlossen. Darin schreibt er gegen Ende: »Wenn man unter Ewigkeit nicht unendliche Zeitdauer, sonderen Unzeitlichkeit versteht, dann lebt der ewig, der in der Gegenwart lebt.« (6.4311) und: »Die Anschauung der Welt sub specie aeterni (angesichts des Ewigen) ist ihre Anschauung als – begrenztes – Ganzes.« (6.45). Der Schlusssatz lautet: »Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.« (7). Diese Sätze behalten für Wittgenstein trotz seiner folgenden tief greifenden philosophischen Wandlungen ihre Gültigkeit. Und sie wurden wegweisend für viele bis in die Gegenwart. Eine dauerhafte Wirkung zeigt auch der mathematische Platonismus – neu etabliert durch Wittgensteins Lehrer Gottlob Frege. Demzufolge sind Zahlen »verstandesunabhängig«, sie sind »immaterielle Objekte, die schon immer existiert haben und immer existieren werden.« »Sie sind ewig.« (C. McGinn, geb. 1950). Einen solchen mathematischen Platonismus vertritt auch Roger Penrose. Und schließlich sehe ich eine Konfrontation mit der Ewigkeit bei den Denkern der Begegnung mit dem Anderen. In den 1920er Jahren war da vor allem Martin Buber (1878–1945), und in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts Emmanuel Lévinas, der durch einen intensiven Dialog mit Heidegger hindurchgegangen war.

I Wie kommen wir zu dem Begriff »Ewigkeit«?

Das Erwachsen des Gedankens »Ewigkeit« aus unserem Leben in Raum und Zeit

Erfahrung der Vergänglichkeit und Verlorenheit

Wir würden nicht leben, wenn wir nicht wie alles Leben den Selbsterhaltungstrieb hätten. Selbstbehauptung ist oft ein bitterer Kampf, ein Kampf auch gegen anderes Leben, ein Kampf bis zum Letzten. Das Ergebnis ist Sieg, Überleben oder Verletzung, Leiden, Tod. Der Überlebenswille und die Hoffnung bleiben jedoch bis zum Zusammenbruch. Und der denkende leidende Mensch schreit auf: »Das kann doch nicht alles sein!« Dann aber ist der Leib still, zerstört; irgendwie ist er jedoch noch umgeben vom Hauch seines Lebens. Wie soll man ihn nun bestatten? Dort, wo die Ahnen liegen. Auch ihr Lebenshauch ist noch spürbar. Darum ist es gut, zu bestatten, wo sie liegen, die Toten zu »versammeln zu ihren Ahnen«. Vielleicht aber ist der Entwichene auch fortgeschwebt in ein besseres Land, in unvergängliche »ewige Jagdgründe« oder andere Gefilde. Deshalb muss man den Toten ausrüsten für die Reise, die er nach dem Sterben vor sich hat. So finden wir in vielen Kulturen sorgfältig ausgewählte Grabbeigaben.

Manche haben dieses Entschweben gesehen oder gespürt. Als Taube erhob sich die Seele des eben Gestorbenen. Die Alten Ägypter sprachen von dem Seelenvogel Ba, der das Antlitz des Toten trägt. Und in dem niederdeutschen Märchen von dem »Machandelboom« (Sammlung der Brüder Grimm Nr. 47) heißt es: »Dat is nu all lang heer, wol twe dusend Johr…«.