104,99 €
Entspannt in die Facharztprüfung
Gezielt auf die Prüfung vorbereitet: Dieser Titel liefert Ihnen präzise Antworten und hilfreiche Kommentare zu 1.000 Fragen aus allen Bereichen der Neurologie.
Wissen, worauf es ankommt: Die Fragen basieren auf den Weiterbildungsordnungen der Länder und decken den Prüfungsstoff in der geforderten Tiefe ab.
Von prüfungserfahrenen Autoren verfasst: Inhalte, die den größten Anteil an der Prüfung haben, werden am umfassendsten berücksichtigt.
Für die Prüfung und alles, was danach kommt: Anhand fall- und problemorientierter Fragen lernen Sie, komplexe Fragestellungen richtig zu bewerten.
Jederzeit zugreifen: Die Fragen und Antworten des Buches stehen Ihnen ohne weitere Kosten digital im Trainingscenter in der Wissensplattform eRef und auch offline in der eRef-App zur Verfügung (Zugangscode im Buch).
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2020
Volker Limmroth, Hans-Christoph Diener
Eckhard Bonmann, Bringfried Müller, Vera Lippek, Markus Hinzke, Johannes Holle, Lothar Hubrecht, Christoph Kleinen, Matthias Maschke, Peter Reilich, Barbara Tettenborn, Dagmar Timmann, Kathrin Gerbershagen*,
4., aktualisierte Auflage
2 Abbildungen
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Sie halten nun die bereits 4. Auflage dieses Buches in der Hand. Alle Auflagen waren jeweils relativ schnell vergriffen, so dass die Inhalte offensichtlich gut angekommen sind. Die 4. Auflage ist erneut komplett überarbeitet und auf den neuesten Stand (Sommer 2020) gebracht worden. Wie auch in der letzten Auflage sind einige Fragen entfernt und neue Fragen mit aktuellen Inhalten integriert worden.
Da sich ein eigenes Fragen-Buch für die Zusatzbezeichnung „Spezielle neurologischen Intensivmedizin“ nach Einschätzung des Verlages nicht lohnen würde, ist das Kapitel „Neurologische Intensivmedizin“ deutlich erweitert und aktualisiert worden. Die Überarbeitung wurde von Dr. Markus Hinzke vorgenommen, der auch als Prüfer für die Ärztekammer Nordrhein tätig ist, so dass dieses Kapitel auch zur Vorbereitung auf die Zusatzbezeichnung „Spezielle Neurologische Intensivmedizin“ genutzt werden kann.
Wir möchten uns an dieser Stelle auch ganz herzlich für alle Zuschriften bedanken, die uns auf kleine Fehler aufmerksam gemacht haben, die sich trotz mehrfacher Durchsicht eingeschlichen hatten. Auch alle thematischen Anregung haben wir dankbar aufgenommen und soweit möglich umgesetzt. Für Anregungen und Anmerkungen sind wir weiterhin dankbar.
Wir hoffen Ihnen hier ein top-aktuelles Buch zur optimalen Vorbereitung auf die Facharztprüfung anbieten zu können, das Sie auf alle Eventualitäten sicher vorbereitet. Und wenn auch das Vorbereiten auf die Facharztprüfung eher eine Pflichtveranstaltung ist, wünschen wir Ihnen Spass beim Lesen und viel Glück bei der Prüfung.
Nach Lektüre dieses Buches sollte es Ihnen also nicht nur möglich sein, locker durch die Facharztprüfung zu spazieren, sondern darüber hinaus auch Ihre Prüfer durch Ihr Spezialwissen zu beeindrucken. Es soll sogar Prüfer geben, die das Buch als Fundgrube für ihre Fragen nutzen, um selber keine formulieren zu müssen.
Volker Limmroth und Hans-Christoph DienerKöln und Essen, im Sommer 2020
Liebe Prüflinge, liebe Prüfer,liebe interessierte Leserinnen und Leser,
um eines gleich vorwegzunehmen: Dieses Buch soll eine ausführliche Vorbereitung auf die Facharztprüfung mit grundlegenden Fachbüchern nicht ersetzen. Dennoch deckt es mit über 1000 Fragen das gesamte Gebiet der Neurologie ab. Es ist daher ein vorzügliches Hilfsmittel, um den Umfang Ihres Facharztwissens zu überprüfen, Ihnen noch bestehende Lücken aufzuzeigen und Ihr Wissen dann abzurunden. Für Prüfer wiederum wird es eine unerschöpfliche Quelle an geeigneten Prüfungsfragen sein, sollten Ihnen die Fragen ausgegangen sein.
Die Autoren haben sich größte Mühe gegeben, auch aktuellste Entwicklungen in der Neurologie einzubeziehen. Viele der Fragen stammen aus durchgeführten Prüfungen, da einige Autoren seit Jahren als Prüfer tätig sind, andere Fragen sind aus Gedächtnisprotokollen niedergelegt.
Ob Prüfling oder Prüfer, interessierte Kollegin und Kollege, wir wünschen Ihnen viel Spaß und vor allem neue Einsichten mit über 1000 Fragen zur Neurologie.
Volker LimmrothNorman PutzkiHans-Christoph DienerKöln und Essen im Sommer 2007
Bringfried Müller, Vera Lippek
Die Weiterbildung zum Facharzt erfolgt im Rahmen einer mehrjährigen Berufstätigkeit. Wer Allgemeinmediziner, Kinderarzt, Chirurg o. Ä. werden will, erwirbt seine Fachbezeichnung, indem er als Arzt in weiterbildungsberechtigten Einrichtungen arbeitet, Weiterbildungsveranstaltungen besucht und eine Prüfung ablegt. Mit der Facharztprüfung erlangt der Arzt die Befähigung, selbstständig zu arbeiten und sich niederzulassen.
Wer die Weiterbildung zum Facharzt anstrebt, kann sich bei der für ihn zuständigen Landesärztekammer beraten lassen. Hier erhält man die rechtsverbindliche Weiterbildungsordnung sowie die Listen weiterbildungsberechtigter Ärzte und Einrichtungen. Darüber hinaus bearbeiten die zuständigen Abteilungen der Landesärztekammern die Anträge auf Zulassung zur Facharztprüfung und organisieren die Prüfung (siehe Adressenlisten der 17 bundesdeutschen LÄK).
Der Arzt in Weiterbildung kann den Antrag auf Zulassung zur Facharztprüfung in der Regel frühestens 4 – 8 Wochen vor Erfüllung der Mindestweiterbildungszeiten stellen (s. Weiterbildungsordnung der Landesärztekammern). Das Antragsformular ist bei der Abteilung Weiterbildung der zuständigen Ärztekammer erhältlich. Bei schwierigen Fragen zur Anerkennung von Ausbildungszeiten etc. ist es unbedingt ratsam, schon vorab Teilabklärungen vorzunehmen. Dies empfiehlt sich insbesondere bei wechselnden Arbeitgebern, Teilzeitstellen etc. Unter Umständen können diese Unterlagen schon vorab eingereicht werden, das aktuelle Arbeitszeugnis darf jedoch frühestens 1 Woche vor Ablauf der Mindestweiterbildungszeit ausgestellt und eingereicht werden.
Zur Antragstellung sind in der Regel folgende Unterlagen einzureichen:
vollständig ausgefülltes Antragsformular,
Approbation oder Berufserlaubnis,
Lebenslauf,
sämtliche Zeugnisse/Beurteilungen, die für den angestrebten Facharzt relevant sind mit:
genauen Angaben zu Beginn und Ende der Weiterbildung,
den im Einzelnen absolvierten Weiterbildungsabschnitten,
den dabei vermittelten und erworbenen Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten,
den erbrachten ärztlichen Leistungen in Diagnostik und Therapie gemäß den „Richtlinien zur Weiterbildungsordnung“.
Im Abschlusszeugnis muss der zur Weiterbildung Ermächtigte eine Stellungnahme über die fachliche Eignung des Arztes in Weiterbildung abgeben und diesen für die Facharztprüfung vorschlagen.
Bei operativen Fächern ist darüber hinaus die Vorlage einer Aufstellung der selbstständig durchgeführten Eingriffe erforderlich. Der Operationskatalog muss vom Weiterbildungsleiter bestätigt werden und sollte sich an den Richtlinien zur Weiterbildungsordnung orientieren.
Normalerweise können nur Weiterbildungszeiten von zur Weiterbildung Ermächtigten anerkannt werden. Bei manchen Ärztekammern muss ein Weiterbildungsabschnitt obligat für mindestens 1 Jahr in einem Haus mit voller Weiterbildungsermächtigung absolviert werden. In manchen Ländern können Teilweiterbildungszeiten addiert werden unter der Voraussetzung, dass alle in der Weiterbildungsverordnung vorgeschriebenen Inhalte absolviert wurden. Beschäftigungszeiten von weniger als 6 Monaten werden üblicherweise nicht angerechnet. Auch die in diesem Zeitraum erbrachten Richtzahlen werden normalerweise nicht anerkannt!
In der Regel gibt es keine feststehenden Prüfungstermine. Allerdings kann der Antragsteller damit rechnen, innerhalb von 3 Monaten einen Prüfungstermin zugeteilt zu bekommen.
Nach Abschluss des Zulassungsverfahrens wird er dann mit einer Frist von mindestens 2 Wochen zur Prüfung geladen (gewünschten Prüfungstermin mit angeben).
Die Facharztprüfung ist eine 30- bis 45-minütige, nichtöffentliche mündliche Einzelprüfung.
Die Prüfungskommission besteht in der Regel aus 3 Ärzten, von denen mindestens 2 selbst die Anerkennung für das zu prüfende Gebiet besitzen müssen. Die Entscheidung zur Beurteilung der Prüfung wird mehrheitlich getroffen.
Den weitaus meisten Bewerbern um die Anerkennung als Facharzt gelingt es, in dem abschließenden Fachgespräch die erforderlichen besonderen oder zusätzlichen Kenntnisse darzulegen, wie die geringen Durchfallquoten beweisen.
Das Nichtbestehen der Facharztprüfung hat für den Betroffenen keine existenziellen Folgen, da er weiterhin den Arztberuf wie bisher ausüben kann.
Gegen ablehnende Entscheidungen ist innerhalb von 4 Wochen ein Widerspruch bei der Ärztekammer möglich. Über den Widerspruch entscheidet die Ärztekammer dann nach Anhörung des von ihr eingesetzten Widerspruchsausschusses. Ansonsten kann das Anerkennungsverfahren und damit das Fachgespräch mehrmals, auch schon nach relativ kurzer Zeit (frühestens nach 3 Monaten), wiederholt werden.
Allerdings kann die Ärztekammer eine Verlängerung der Weiterbildungszeit von 3 Monaten bis zu maximal 2 Jahren anordnen. Alternativ kann der Prüfungsausschuss auch Auflagen erteilen, die, wenn sie erfüllt und nachgewiesen werden, ohne Wiederholungsprüfung zur Anerkennung führen.
Anders als in den medizinischen Staatsexamina muss der Prüfungsstil in der Facharztprüfung einerseits den Ausbildungsstand und die Berufserfahrung der Bewerber respektieren, andererseits aber auch die erforderliche Kontrolle ermöglichen. Dies geschieht in der Form eines klinisch relevanten Fachgesprächs mit Kollegen, vergleichbar einer Chefarztvisite.
Anhand von Fallschilderungen soll der Prüfling sein Wissen auf folgenden Gebieten unter Beweis stellen:
einschlägiges Grundlagenwissen,
ausreichende Kenntnis der Fachliteratur,
Kenntnis ärztlicher Arbeitsweisen (Untersuchungstechniken, bildgebende Verfahren),
Anamnese,
Abfragen von Untersuchungsbefunden,
Differenzialdiagnosen,
Entwickeln eines differenzialdiagnostischen Approaches (welche Untersuchungen, in welcher Reihenfolge?).
In der Regel wird der Prüfling mit einem Fall aus der Praxis konfrontiert, wie er im Klinikalltag jederzeit vorkommen kann. Im Unterschied zu den IMPP-orientierten Prüfungen im Studium werden in der Facharztprüfung keine exotischen Details, sondern die häufigsten Krankheitsbilder erörtert.
Der Prüfling sollte daher ein differenzialdiagnostisches Ranking im Kopf haben, damit er die Wahrscheinlichkeit verschiedener Diagnosehypothesen einordnen kann.
Rechtlich besteht keine zwingende Notwendigkeit, das gesamte Prüfungsgeschehen einschließlich der Fragen und Antworten genau zu dokumentieren. Was die Protokollführung während der Facharztprüfung betrifft, werden insofern keine überzogenen Ansprüche gestellt. Mindestanforderung ist, dass die Hauptthemen der Prüfung zusammengefasst und die Antworten des Prüflings dokumentiert sind. Selbst ein unzureichendes Protokoll würde allein nicht zwingend zur Rechtswidrigkeit der Prüfungsentscheidung führen.
Im Streitfall wird ggf. ein von der Ärztekammer gebildeter Widerspruchsausschuss eingeschaltet, der die entscheidenden Informationen durch Einvernahme von Zeugen, z. B. der Prüfer, einholt.
Lernen ist ein Prozess der Verknüpfung neuer Inhalte mit bereits vorhandenen Gedächtnisstrukturen. Da diese Strukturen individuell verschieden sind, muss auch die Wahl geeigneter Lernstrategien individuell erfolgen.
Als ausgebildeter Arzt verfügen Sie bereits über umfangreiche Lernerfahrungen und offenbar auch über einige brauchbare Lernstrategien (immerhin haben Sie schon eine ganze Reihe Prüfungen erfolgreich gemeistert …). Die folgenden Ausführungen sollten Sie daher lediglich als Anregungen verstehen, Ihre bisherigen Strategien punktuell zu ergänzen oder effektiver zu gestalten. Empfehlenswert sind die folgenden Ausführungen insbesondere dann, wenn der Motor Ihrer Prüfungsvorbereitung ein aus Lernvermeidung resultierendes „schlechtes Gewissen“ ist.
Lernvermeidung ist die Folge einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Angst. Diese Angst führt dazu, alles, was an das Angst auslösende Objekt (hier: die Prüfung) erinnert, zu vermeiden. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Prüfung wird daher immer wieder aufgeschoben. Schließlich wird von einem bestimmten Zeitpunkt an das schlechte Gewissen so groß, dass es handlungsbestimmend wird. Die Handlungen zielen dann aber leider nicht auf Lernen ab, sondern auf die Reduzierung des schlechten Gewissens. Bücher werden gekauft, das eigene Budget wird belastet, was uns das wohlige Gefühl vermittelt, nun doch etwas in die Prüfungsvorbereitung „investiert“ zu haben. Das schlechte Gewissen ist beruhigt und verliert an Triebkraft – leider jedoch nur vorübergehend. Gleichzeitig bekommen wir nämlich beim Durchblättern der Fachliteratur eine grobe Vorstellung von der enormen Fülle des Prüfungsstoffes und schon beginnt der Angstpegel erneut zu steigen. Mit anderen Worten: Alles,was an die Prüfung erinnert, wird zunächst aus Angst so lange beiseite gelegt, bis das schlechte Gewissen wächst, die vorhandene Angst übertrifft und wieder zum Handlungsantrieb wird.
Dabei grenzen einige der zur Gewissensberuhigung eingesetzten Strategien geradezu an Selbstbestrafung: Man quält sich in stundenlangen Sitzungen am Schreibtisch, liest „grausame Literatur“, nur um sich anschließend besser zu fühlen! Die Kehrseite der Medaille ist jedoch leider, dass man nicht wirklich etwas für die Prüfung getan hat.
Sie kennen das? Dann könnten Ihnen die folgenden Empfehlungen vielleicht doch nützen:
Im Schnelltest zur Prüfungsvorbereitung erfahren Sie, in welchen Bereichen sich Ihre Prüfungsvorbereitung optimieren lässt.
Wer Zeit sparen möchte, kann sich direkt mit den beschriebenen Profilen auseinander setzen und den dort gegebenen Empfehlungen folgen, um spezielle Lernbereiche zu verbessern.
Im Test geprüft werden die Bereiche Lernplanung, Lernort, Lernzeit, Lern- und Lesestil.
Geben Sie bitte an, ob Sie die jeweilige Frage bejahen können (stimmt) oder verneinen müssen (stimmt nicht).
Die Auswertungstabelle zeigt Ihnen, welche Antwort welchem Punktwert in den einzelnen Bereichen entspricht.
Nr.
Frage
stimmt
stimmt nicht
1
Ich markiere Textstellen, bevor ich den Text vollständig gelesen habe.
2
Bevor ich einen Text lese, formuliere ich Fragen, die ich aus den Überschriften ableite.
3
Bevor ich lerne, orientiere ich mich über die Prüfungsrelevanz der zu lernenden Fakten.
4
Beim Lesen fasse ich den Text Abschnitt für Abschnitt in eigenen Worten zusammen.
5
Ich sitze häufig bis nachts am Schreibtisch.
6
Meine tägliche Lernzeit hängt vom Zufall und von der jeweiligen Stofffülle ab.
7
Ich mache mir oft bildliche Vorstellungen von komplizierten Zusammenhängen.
8
Ich versuche fast immer, Bezüge zwischen verschiedenen Fächern herzustellen.
9
Ich versuche meistens, alles zu behalten, was ich lese.
10
Ich baue gerne Modelle (Papier, Draht, Pappe), um mir Sachverhalte besser vorzustellen.
11
Ich muss ein Stoffgebiet sehr häufig wiederholen, bis ich es mir einprägen kann.
12
Ich denke mir häufig Eselsbrücken aus.
13
Bevor ich ein Buch lese, orientiere ich mich am ganzen Inhaltsverzeichnis und verschaffe mir einen Überblick über alle Kapitel.
14
Ich überlege mir häufig eine praktische Anwendung dessen, was ich gelernt habe.
15
Ich lese lieber ein Buch mehrmals als mehrere Bücher einmal.
16
Ich vermeide fachliche Diskussionen mit Kollegen, da diese zu zeitraubend sind.
17
Mir wichtig erscheinende Textstellen schreibe ich wörtlich ab.
18
Ich lerne meistens erst kurz vor der Prüfung.
19
Ich nehme einen Kalender und plane die Gesamtzeit für jedes Gebiet, nachdem ich mir einen Überblick über die Zeit bis zur Prüfung verschafft habe.
20
Beim Lesen überlege ich mir, was ein Prüfer hierzu fragen könnte.
21
Ich stelle das Telefon ab, wenn ich lerne.
22
Beim Lernen freue ich mich über jede Ablenkung, auch wenn es Dinge sind, die mir sonst keinen Spaß machen (Einkaufen, Abwaschen).
23
Ich mache regelmäßig zu festen Zeiten kurze Pausen.
24
Ich habe jeden Tag feste Arbeitszeiten, die ich einhalte.
25
Ich plane, an welchen Tagen ich den Stoff wiederholen muss.
26
Zum Lernen gehe ich extra an einen Ort, an dem ich ungestört bin.
27
Wenn ich vor dem Schreibtisch sitze, denke ich oft an etwas anderes.
28
Ich beginne in der Regel mit meinen Lieblingsthemen.
29
Bevor ich lerne, verschaffe ich mir einen Überblick über den gesamten Prüfungsstoff.
30
Ich werde beim Lernen häufig durch unangemeldeten Besuch abgelenkt.
31
Ich höre beim Lernen gerne Musik.
32
Ich denke mir häufig verrückte Sachen aus, um Fakten besser zu behalten.
33
Oft ist es nicht wichtig, den Stoff zu verstehen; man muss ihn reproduzieren können.
Bereich
Frage
Punkte
Antwort
Lernplanung
3
4
stimmt nicht
18
3
stimmt
19
3
stimmt nicht
25
4
stimmt nicht
28
2
stimmt
29
4
stimmt nicht
Summe
Lernort
21
5
stimmt nicht
26
5
stimmt nicht
30
5
stimmt
31
5
stimmt
Summe
Lernzeit
5
4
stimmt
6
3
stimmt
22
3
stimmt
23
4
stimmt nicht
24
4
stimmt nicht
27
2
stimmt
Summe
Lernstil
7
1
stimmt nicht
8
1
stimmt nicht
9
2
stimmt
10
3
stimmt nicht
11
2
stimmt
12
2
stimmt nicht
14
3
stimmt nicht
15
1
stimmt nicht
16
1
stimmt
32
2
stimmt nicht
33
2
stimmt
Summe
Lesestil
1
2
stimmt
2
4
stimmt nicht
4
3
stimmt nicht
13
4
stimmt nicht
17
3
stimmt
20
4
stimmt nicht
Summe
0 – 5 Punkte Sie gestalten diesen Bereich optimal.
6 – 10 Punkte Ihre bisherigen Strategien haben sich wahrscheinlich bewährt. Eine Optimierung des betreffenden Bereiches ist zwar möglich, aber kurzfristig steht der Aufwand vermutlich in keiner sinnvollen Relation zum erwarteten Nutzen. Wenn Sie jedoch noch sehr viel Zeit bis zur Prüfung haben, könnten Sie an diesen Bereichen noch arbeiten.
11 – 15 Punkte Sie könnten durch eine bessere Gestaltung des betreffenden Bereiches Ihre Prüfungsvorbereitung optimieren. Lesen Sie hierzu die ausführlicheren Erläuterungen zu den einzelnen Lernbereichen.
16 – 20 Punkte Sie benötigen vermutlich sehr viel Energie, um Defizite in diesem Bereich zu kompensieren. Eine Änderung Ihrer Lernstrategie in dem Bereich würde eine wesentliche Verbesserung Ihrer bisherigen Prüfungsvorbereitung zur Folge haben. Lesen Sie hierzu unbedingt die ausführlichere Interpretation.
Sie haben nur vage Vorstellungen von der inhaltlichen Gestaltung Ihrer Lernzeit. Es hängt häufig vom Zufall und Ihrer Lust ab, welches Themengebiet Sie gerade lernen. Prüfungsrelevanz spielt hierbei oft eine untergeordnete Rolle. Sie werden häufig unzufrieden sein mit sich und Ihren Leistungen, da Sie nur vage Zwischenziele haben, deren Erreichen für Sie nicht überprüfbar ist. Sie sollten sich etwas mehr Zeit nehmen, den genauen Ablauf Ihrer Prüfungsvorbereitung zu konzeptualisieren. Eine bessere Planung könnte diesem schlechten Gefühl vorbeugen.
Zur Erstellung dieses Planes sollten Sie sich Zeit lassen.
Klären Sie, welche Lernzeit Ihnen bis zur Prüfung zur Verfügung steht.
Klären Sie, welche Teilgebiete wirklich prüfungsrelevant sind und teilen Sie Ihre Zeit entsprechend dem Umfang dieser Stoffgebiete ein.
Beginnen Sie mit den prüfungsrelevantesten Themen.
Kalkulieren Sie mehrere Wiederholungsdurchgänge ein.
Planen Sie an jedem Tag eine feste Zeit ein, in der Sie den Stoff des Vortages wiederholen.
Bedenken Sie, dass Sie Ihren Plan sicherlich mehrmals neu überarbeiten und revidieren müssen. Interpretieren Sie eine Änderung Ihres Lernplanes dabei nicht als völlige Fehlplanung, sondern als neue verbesserte Auflage Ihres ursprünglichen Vorhabens, welches Sie dem Ziel näher bringt.
An Ihrem bisher gewählten Arbeitsplatz sind Sie vielen Störungen ausgesetzt und müssen erhebliche Energie aufwenden, um sich diesen Störungen zu entziehen. Die Stunden, die Sie als Arbeitszeit verbuchen, haben Sie eigentlich damit verbracht, sich immer wieder in ein Thema einzudenken, da Sie vermutlich jedes Mal gestört werden, wenn Sie gerade die innere Ruhe gefunden haben, sich auf den Lernstoff einzulassen. Diese Energien stünden Ihnen zusätzlich zum Lernen zur Verfügung, wenn Sie Maßnahmen ergreifen würden, um eine bessere Arbeitsatmosphäre zu schaffen.
Sie könnten Ihre Prüfungsvorbereitung effizienter gestalten,
indem Sie Ihren jetzigen Arbeitsplatz durch organisatorische Maßnahmen abschirmen,
indem Sie z. B. Lernzeiten definieren, die auch Ihre Bekannten kennen oder – indem Sie das Telefon abstellen.
Sie können sich aber auch ein Refugium an einem schwer zu erreichenden Ort (z. B. Bibliothek) schaffen.
Letzteres hat darüber hinaus den weiteren Vorteil, dass Sie sich nicht in den Tiefen Ihrer eigenen Literatur verlieren, Ihnen nicht einfällt, dass Sie noch Blumen gießen müssen oder dass Sie ja das Fernsehprogramm vom Abend noch nicht kennen …
Sie zwingen sich häufig zu ineffektiven Zeiten an den Schreibtisch. Wahrscheinlich sind Sie getrieben von Ihrem schlechten Gewissen, halten sich aber nur vor Ihren Büchern auf, ohne sich tatsächlich in brauchbare Lernarbeit zu vertiefen.
Bei Ihnen besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen Brutto- und Nettoarbeitszeit. Sie verbringen viel Zeit an Ihrem Schreibtisch, ohne dass Sie überhaupt aufnahmefähig sind. Bei der Organisation Ihres Arbeitstages vernachlässigen Sie, dass Sie einem physiologischen Rhythmus unterliegen und Erholungspausen brauchen. Sie zwingen sich an den Schreibtisch, schaffen es vielleicht, ein paar Seiten zu lesen und sind zu einem späteren Zeitpunkt enttäuscht, weil Sie zwar wissen, dass Sie das Thema gelesen haben, sich aber nicht an den Inhalt erinnern können. Sie kompensieren diesen Misserfolg durch noch längere Arbeitszeiten und ertappen sich ständig bei abschweifenden Gedanken. Dies geschieht zwangsläufig, da Sie Ihrem Geist nicht die nötigen Ruhepausen einräumen.
Akzeptieren Sie die Endlichkeit Ihrer Aufnahmefähigkeit und gönnen Sie sich Pausen.
Bedenken Sie, dass der Erholungswert einer Pause in den ersten Minuten am größten ist.
Machen Sie daher häufiger kurze Pausen.
Wenn Sie sehr lange Pausen machen, sollten Sie hinterfragen, ob diese langen Pausen nicht das Resultat einer mangelnden Lernmotivation sind, die entsteht, weil Sie diese Pausen zu spät machen.
Versuchen Sie auch dann eine Pause einzulegen, wenn Sie eigentlich noch „fit“ sind.
Steigern Sie Ihre tägliche Lernzeit von Woche zu Woche.
Sie werden bemerken, dass Sie sich darauf freuen, nach 5–10 min wieder an den Schreibtisch zu dürfen, wenn Sie Ihre Lernzeit nicht bis zur Erschöpfung ausdehnen.
Sie empfinden Lernen als eine Pflichtübung, bei der es gilt, einfach nur viele Fakten zu behalten. Sie versuchen diese Fakten abzuspeichern und verlieren vermutlich schnell die Lust am Lernen, weil Sie nur für die Prüfung lernen.
Sie sollten sich bemühen, den Lernstoff in Ihre eigenen Gedächtnisstrukturen zu integrieren. Hierzu ist es jedoch notwenig, die Inhalte selbst zu überdenken und nicht nur passiv abzuspeichern.
Eine Übung könnte ein Referat sein, welches Sie zu einem relevanten Thema vorbereiten und das Sie einer fachfremden Person vortragen. Bei der Erläuterung komplexer Zusammenhänge gegenüber einem Fachfremden werden Sie Strategien entdecken, die Sie sich selbst zu Nutze machen können, wenn Sie vor der Aufgabe stehen, komplizierte Zusammenhänge zu behalten.
Überlegen Sie sich praktische Anwendungen des Gelernten oder suchen Sie nach Beispielen aus Ihrem Alltag, die Sie mit dem Gelernten assoziieren. Auf diese Weise wird der Stoff in Ihre eigenen Gedächtnisstrukturen integriert.
Entwickeln Sie eigene Modelle, die gedanklich oder konkret sein können, um die Verarbeitungstiefe des Gelernten zu erhöhen. Vernachlässigen Sie hierbei zunächst den Anspruch auf die Vollständigkeit dieser Modelle, damit Sie sich nicht verzetteln.
Erinnern oder konstruieren Sie zu jedem Krankheitsbild einen Patienten, den Sie selbst behandelt haben. Überlegen Sie, welche diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen Sie selbst durchgeführt haben oder durchführen lassen würden.
Dieser Lernstil erfordert kurzfristig zwar mehr Zeit, doch die neu entwickelten Strategien vermitteln Ihnen Spaß am Lernen, so dass Sie keine zusätzliche Belastung empfinden. Darüber hinaus sparen Sie sich einige Wiederholungsdurchgänge, da Sie den gelernten Stoff durch die gesteigerte Verarbeitungstiefe länger behalten.
Sie lesen ein Lehrbuch wie einen Roman. Leider empfinden Sie dessen Inhalt wahrscheinlich weniger spannend, so dass nur sehr wenig von dem Gelesenen haften bleibt. Sie könnten die Behaltensquote des Gelesenen wesentlich steigern, wenn Sie Folgendes beachten:
Verschaffen Sie sich einen Überblick über den Lernstoff, indem Sie auch Vorwort und Einleitung der Lehrbücher lesen und das Inhaltsverzeichnis studieren.
Leiten Sie sich aus den Kapitelüberschriften Fragen an den Text ab (Beispiel Hormone: Was ist ein Hormon? Wie teilt man Hormone ein? Was passiert, wenn wir ein bestimmtes Hormon nicht hätten?). Sie können diese Standardfragen im Prinzip zu jedem Kapitel stellen.
Versuchen Sie beim Lesen die gestellten Fragen zu beantworten.
Fassen Sie in eigenen Worten den gelesenen Text zusammen und markieren Sie die Kernaussagen des Textes, auch wenn Sie zunächst zu trivial erscheinen.
Markieren Sie Textstellen erst dann, wenn Sie einen Abschnitt vollständig gelesen und selbst durchdacht haben, was die Kernaussage des Gelesenen war.
Rekapitulieren Sie nach ca. einem Tag das Gelesene, ohne das Buch hierbei aufzuschlagen. Lesen Sie erst dann erneut, wenn Sie bei Ihrem Gedächtnisprotokoll die Lücken erkannt haben.
Möglicherweise benötigen Sie beim ersten Lesedurchgang mehr Zeit als gewohnt. Kurz vor der Prüfung profitieren Sie jedoch von diesem Mehraufwand. Sie werden sehr viel von den gelesenen Texten behalten, da Sie mit der inzwischen erworbenen Lesestrategie eine hohe Verarbeitungstiefe erreichen.
(nach R. Spinola, in Weiterbildung 4/88):
10 % von dem, was er liest,
20 % von dem, was er hört,
30 % von dem, was er beobachtet,
50 % von dem, was er hört und sieht,
70 % von dem, was er selbst sagt,
90 % von dem, was er selbst tut.
Im Zusammenhang mit der Facharztprüfung wird immer wieder betont, dass es sich hierbei um ein „kollegiales Fachgespräch“ handelt. Trotz der in dieser Formulierung angedeuteten Statussymmetrie gibt es unter den „Kollegen“ faktisch erhebliche Rollenunterschiede: Während der Prüfling mit einem Anliegen an die Prüfungskommission herantritt, haben die Prüfer die Macht, dies zu bewilligen oder abzulehnen.
Bei aller Kollegialität sollten daher in jedem Fall einige kommunikative Grundregeln beachtet werden
Jede menschliche Kommunikation findet stets auf zwei Ebenen gleichzeitig statt: der Vernunft- und der Gefühlsebene. Dieses Prinzip greift selbstverständlich auch in mündlichen Prüfungen.
Den Nachweis unserer fachlichen Qualifikation erbringen wir über unsere inhaltlichen Äußerungen, die der Prüfer auf der Vernunftebene wahrnimmt und bewertet. Gleichzeitig empfängt und interpretiert der Prüfer unbewusst aber auch alle anderen (nonverbalen) Signale, die wir senden, und gleicht sie mit dem gängigen Rollenideal ab.
Im Prüfungsgespräch muss der Kandidat daher beweisen, dass er nicht nur über die fachlichen Voraussetzungen zum Facharzt verfügt, sondern auch die erforderlichen charakterlichen Eignungsmerkmale mitbringt. Hierzu zählen z. B. Selbstsicherheit, Belastbarkeit, angemessene Umgangsformen etc. All dies wird über nonverbale Signale vermittelt, wie z. B. unsere äußere Erscheinung, Sprache und Körperhaltung. Daraus ergeben sich verschiedene Konsequenzen auf der Verhaltensebene.
In der sog. Begrüßungsphase tasten sich die Gesprächspartner aneinander heran. Auf der Basis des hier gezeigten Verhaltens orientieren sich die Prüfer, d. h. es entsteht ein erster Eindruck vom Prüfling. Ist dieses „Vor-Urteil“ erst gebildet, werden die Prüfer im weiteren Verlauf des Gesprächs versuchen, Belege zur Untermauerung ihrer Annahme zu finden (zur Not wird das Gehörte/Gesehene im Unterbewusstsein auch „passend gemacht“, um Disharmonien zwischen der Vernunft- und Gefühlsebene zu beseitigen).
Da die Begrüßungsphase sehr kurz und wortarm ist, entsteht der prägende Ersteindruck hauptsächlich aufgrund der vom Prüfling vermittelten nonverbalen Signale. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache können die folgenden Tipps eine positive Voreinstellung des Prüfers bewirken.
Ihre äußere Erscheinung am Prüfungstag sollte dem formalen Anlass einer Prüfung gerecht werden. Entscheiden Sie sich für eine Garderobe, die einen möglichst optimalen Kompromiss zwischen den Anforderungen der Prüfungssituation und Ihren eigenen Vorstellungen darstellt, damit Sie am Tag X nichts aus der Fassung bringt. Wer sich irgendwie „verkleidet“, in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt oder lächerlich fühlt, könnte ungewollt die falschen Signale in Richtung Prüfer aussenden.
Die Körperhaltung ist eine der zentralen Strategien, bewusste Kompetenzsignale zu vermitteln. Positive Verhaltensziele wie Entspanntheit und Selbstbewusstsein können durch eine kontrollierte Körperhaltung ausgedrückt werden.
Gangarten Probieren Sie unterschiedliche Gangarten im Hinblick auf Tempo und Anspannung. Gehen Sie auf Ihr Spiegelbild zu und begrüßen Sie einen imaginären Prüfer. Die zunehmende Routine wird Sie entspannen, so dass das Kompetenzsignal „selbstbewusst auftreten“ sich von selbst einstellt.
Blickkontakt Erweitern Sie Ihr Gangtraining um die Komponente „Blickkontakt“. Gehen Sie auf den „Prüfer“ im Spiegel zu und versuchen Sie, einem Blickkontakt standzuhalten (dabei das Lächeln nicht vergessen, sonst wirkt Ihr Verhalten aggressiv!). Nach und nach wird sich durch Training auch diese Selbstbewusstseinsgeste fest in Ihrem Verhaltensrepertoire verankern.
Sitzpositionen Probieren Sie Sitzpositionen aus (mit und ohne Tisch)! Benutzen Sie auch hier Ihr Spiegelbild als Kontrolle. Versuchen Sie, Sitzpositionen zu finden, die Selbstbewusstsein und Entspanntheit ausdrücken (z. B. locker übereinander geschlagene Beine, Hände lose im Schoß gefaltet oder entspannt auf dem Tisch). Ziel sollte es sein, eine Sitzposition zu finden, die häufige Korrekturen (gern als „nervöses Gezappel“ interpretiert) vermeidet.
Rollenspiel Alle im Vorfeld trainierten Verhaltensweisen sollten bis zur Prüfung so weit automatisiert sein, dass sie authentisch wirken. Nichts darf so aufgesetzt wirken wie die Vorstellung eines schlechten Schauspielers. Der Prüfer könnte sonst auf die Idee kommen, auch Ihre Fachkompetenz sei nur „vorgetäuscht“. Sichern Sie sich daher durch Rollenspiele mit Ihrer Arbeitsgruppe/Ihren Freunden ab und lassen Sie sich Ihr Verhalten in seiner Wirkung rückmelden.
Spielen Sie die Begrüßungsphase mit verteilten Rollen durch. Legen Sie dabei Ihre Ziele offen und lassen Sie sich die Wirkung Ihres Verhaltens rückmelden. Setzen Sie jeden Verbesserungsvorschlag unmittelbar in einen neuen Versuch um, bis Ihr Verhalten sich mit der gewünschten Wirkung deckt.
Beobachten Sie genau, wie Ihre Mitspieler Ihre Verhaltensziele umsetzen. Möglicherweise können Sie von den gezeigten Alternativen profitieren (ausprobieren!).
Variieren Sie die Begrüßungssituation, damit Sie für alle Fälle gewappnet sind (z. B. Prüfer kommt zur Begrüßung auf Sie zu; Prüfer ist bei Ihrem Eintreten noch mit Notizen beschäftigt etc.). Dokumentieren Sie das Akzeptieren der Rollengrenzen durch Einhalten der „Benimm-Regeln“!
Als Warming-up bezeichnet man die Phase im Prüfungsgespräch, in der die ersten inhaltlichen Äußerungen getroffen werden. Zur Annäherung und zum Stressabbau stellt der Prüfer in der Regel eine offene Eingangsfrage. Das bedeutet: Der Prüfling hat den aktiven Sprecherpart und verfügt bei der Gestaltung der Antwort sowohl zeitlich als auch inhaltlich über einen maximalen Freiheitsgrad und entscheidet allein, was und wie viel er erzählt.
Das Warming-up ist beendet, sobald der Prüfling seinen Redefluss unterbricht oder signifikante fachliche Fehler macht. Mit dem Ende dieser Phase übernehmen die Prüfer verstärkt die Themen- und Gesprächssteuerung.
Verhaltensziel in dieser Prüfungsphase sollte es sein, ein Maximum an Prüfungszeit durch selbstbestimmtes Sprechen zu verbrauchen und eine vorzeitige Einmischung des Prüfers zu verhindern.
Hier eine Auswahl geeigneter Strategien:
Sprechtempo kontrollieren Langsames Sprechen verbraucht Zeit, hat einen selbstberuhigenden Effekt und suggeriert Selbstbewusstein. Sprechen Sie sich zur Übung in Ihrem normalen Sprechtempo einen kurzen Text vor, den Sie auswendig hersagen können. Stoppen Sie die Zeit und versuchen Sie in den folgenden Durchgängen, die Sprechzeit möglichst zu verdoppeln.
Bemühen Sie sich auch in Alltagsgesprächen, sooft Sie daran denken, um eine gezielte Verlangsamung des Sprechtempos. Sie werden die Erfahrung machen, dass Sie sich besser konzentrieren können, sich insgesamt entspannter fühlen und dass Ihre Zuhörer aufmerksamer sind als üblich.
Antworten sinnvoll strukturieren Verfahren Sie grundsätzlich nach der Faustregel „Skelett vor Detail“! Eine vom Allgemeinen zum Speziellen voranschreitende Antwortstruktur erlaubt Ihnen, ein Maximum an Prüfungszeit selbstbestimmt zu gestalten und vorzeitige Einmischungen der Prüfer zu verhindern. Je mehr Sie (quantitativ) zu sagen haben, desto deutlicher gelingt es Ihnen, (Fach-)Kompetenz zu suggerieren. Es sei allerdings angemerkt, dass eine unabdingbare Erfolgsvoraussetzung für diese Strategie die fachliche Korrektheit Ihrer Äußerungen ist!
Führen Sie als Training mit Ihrer Arbeitsgruppe/Freunden eine Simulation dieser Gesprächsphase durch. Lassen Sie sich eine offene Eingangsfrage stellen und bitten Sie die anderen, sich überall dort mit Fragen einzuschalten, wo eine Nachfrage erforderlich scheint. Je länger Sie ungestört reden können, desto besser ist Ihre Antwortstruktur!
Mit Pausen richtig umgehen Pausen haben eine überaus wichtige Funktion im Prüfungsgespräch, denn Sie geben dem Prüfling die nötige Zeit, seine Gedanken zu ordnen und fördern so einen logisch-stringenten Vortrag. Um den Sprecherpart und damit die aktive Gesprächssteuerung in dieser Phase möglichst lange zu behalten, sollte man allerdings dafür sorgen, dass der Prüfer die eingeschobenen Pausen nicht als „Startsignal“ missdeutet.
Verschaffen Sie sich in Alltagsgesprächen ein Gefühl dafür, welche Pausenlänge vom Gesprächspartner toleriert wird. Registrieren Sie unauffällig die Pausenlänge bis zur ersten Einmischung des Gesprächspartners. Auf diese Weise gewinnen Sie ein sicheres Gefühl für die zeitliche Angemessenheit von Sprechpausen.
Vermeiden Sie überlange Pausen in der Prüfung, wenn Sie auf Anhieb keine Antwort parat haben. Versuchen Sie stattdessen „laut zu denken“, d. h. lassen Sie den Prüfer an Ihrer Antwortfindung teilhaben. Bemühen Sie sich, auf der Basis Ihnen bekannter Fakten eine Antwort herzuleiten. Immerhin ist dieses Verfahren besser als ein vorschnelles „Passen“, da Sie auf diese Weise wenigsten in Teilbereichen Ihre Kompetenz dokumentieren können.
Laut und deutlich sprechen Die Sprachqualität (Lautstärke, Intonation, Tempo) ist ein überaus deutliches Kompetenzsignal. Mit dem vorrangigen Ziel in dieser Prüfungsphase, eine vorzeitige Prüfereinmischung zu verhindern, ist insbesondere die Lautstärke von großer Bedeutung.
Eine laute und klare Aussprache kann z. B. verhindern, dass der Prüfer Ihre Ausführungen rein akustisch nicht versteht. Eine Nachfrage des Prüfers könnte Sie zum einen verunsichern und zum anderen mit einer weiteren Frage verknüpft werden, so dass die selbstbestimmte Eröffnungsphase vorzeitig gekappt wird. Darüber hinaus steigt für den Prüfer die Hemmschwelle, sich in einen lauten Vortrag einzuschalten, da er Sie bei seiner Unterbrechung akustisch überbieten müsste!
Abgesehen davon suggeriert eine angemessene Lautstärke, dass Sie hinter dem stehen, was Sie sagen und ist damit eine eindeutige Dokumentation von Selbstbewusstsein und Kompetenz. Und bitte keine falsche Scheu: Eine geflüsterte Falschantwort ist mit Blick auf die Endbeurteilung nicht weniger gravierend als eine laut und deutlich vorgetragene…
Versuchen Sie schließlich, Ihre Intonation zu verbessern (z. B. durch laute Leseübungen). Sie tun Ihren durch vorangegangene Prüfungen vielleicht schon erschöpften Prüfern einen großen Gefallen, da es leichter fällt, einem intonatorisch abwechslungsreichen Vortrag zu folgen. Auf diese Weise sammeln Sie ohne großen Aufwand Pluspunkte.
In dieser Gesprächsphase geht es darum, die Fachkompetenz des Prüflings etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Entsprechend dominieren die Prüfer das Geschehen durch eine verstärkte (Frage-)Aktivität im Detailbereich.
Unser vorrangiges Gesprächsziel in dieser Phase sollte es sein, die Zahl der Prüferfragen möglichst gering zu halten, deren „Tiefenreichweite“ auf ein vertretbares Maß zu begrenzen und die eigenen Antwortspielräume auszubauen.
Antworten sinnvoll strukturieren Wie schon in der Frühphase des Prüfungsgesprächs sollten jetzt die Antworten generell vom Allgemeinen zum Speziellen strukturiert werden.
Machen Sie sich klar, dass jeder Ihrer Antworten ein potenzielles Angebot an den Prüfer darstellt, die von Ihnen gegebenen Fachinformationen durch weitergehende Fragen zu vertiefen. Durch die Antwortstruktur „Skelett vor Detail“ hat man die Chance, vorab eine ganze Reihe richtiger Fakten zu nennen, bevor auf der Detailebene ggf. „gepasst“ werden muss. Der positive Effekt basiert hier auf einer Abschwächung möglicher Falschantworten durch ihre Einbettung in (richtige) Allgemeinaussagen.
Das Prüfungsgespräch steuern Um sein (fachliches) Gesicht in der Detailfragerunde zu wahren, sollte man ausschließlich „kontrollierte“ Antworten geben, um sich ein Mindestmaß an thematischer Steuerung zu sichern. Nur so besteht die Möglichkeit, Nichtgewusstes dezent zu verschweigen und stattdessen sicheres Wissen zu thematisieren. Aus diesem Grund sollten in den Antworten ausschließlich Themen, Termine oder Details genannt werden, die bei näherem Nachfragen auch näher erläutert werden können. Andererseits können Details bewusst und gezielt eingeflochten werden, um den Prüfer zu Nachfragen zu provozieren und dann fachlich zu glänzen.
Trainieren Sie Ihre Fähigkeit zur Gesprächssteuerung, indem Sie z. B. versuchen, „Köder“ aus dem Bereich Ihres sicheren Fachwissens auszulegen. Am geeignetsten hierfür erweist sich immer wieder die Erwähnung spezieller Fachtermini oder Verfahren.
Antwortspielräume ausbauen Weniger Prüferfragen bedeuten mehr Antwortspielräume für den Prüfling. Die quantitative Minimierung der Prüferfragen erlaubt dem Kandidaten besser zu steuern, was er darstellen will oder kann, so dass die Gefahr, bei Lücken ertappt zu werden, sich erheblich verringert. Außerdem bedeutet ein selbstbestimmtes (und möglichst ausgedehntes) Gestalten von Prüfungszeit, dass weniger Gebiete/Themen abgefragt werden können.
Denken Sie daran, dass (selbst richtige) Stichworte häufig geraten wirken und bei der Endbeurteilung im ungünstigsten Fall als bloßes Fragmentwissen eingestuft werden. Gewöhnen Sie sich in Prüfungssimulationen daher an, grundsätzlich in ganzen, zusammenhängenden Sätzen zu antworten. Kombinieren Sie diese Technik mit einer bewussten Kontrolle des Sprechtempos, um möglichst viel Prüfungszeit selbstbestimmt zu verbrauchen.
Trainieren Sie die inhaltliche Strukturierung Ihrer Antworten unter dem Aspekt der Nachvollziehbarkeit. Sollte sich aus der Prüferperspektive ein „roter Faden“ vermissen lassen, ist mit häufigen und vorzeitigen Einmischungen und damit mit dem Verlust des Sprecherparts zu rechnen.
Sollte Ihnen dieser Trainingspunkt schwer fallen, stellen Sie den Prüfungssimulationen eine Aufbauübung voran: Skizzieren Sie Ihre Antworten (z. B. auf Fachfragen aus früheren Prüfungsprotokollen) zunächst schriftlich und bitten Sie dann Ihre Arbeitsgruppe/Freunde um eine Beurteilung im Hinblick auf Nachvollziehbarkeit und logische Stringenz!
Sich auf den Prüfer einstellen In der heißen Phase des Prüfungsgesprächs sollte jede unnötige Spannung zwischen Prüfer und Prüfling vermieden werden. Aus diesem Grund sollte der Kandidat versuchen, sich möglichst schnell auf den Fragestil des Prüfers einzustellen. Ausschweifende Antworten werden den „Stichwort-Frager“ ebenso in Wallung bringen wie Telegrammstil-Antworten den „offenen Frager“. Die Konsequenz einer missglückten Einstellung auf den Prüfer ist das vorzeitige Abkappen der Prüflingsbeiträge. Dadurch werden Selbstbewusstsein und Konzentrationsfähigkeit des Kandidaten unterminiert und (schlimmer noch) die Unfähigkeit der Verhaltenseinstellung auf den Prüfer ggf. als fachliche Unfähigkeit hochgerechnet.
Spielen Sie in Ihren Prüfungssimulationen verschiedene Prüfertypen durch mit dem Trainingsziel, Ihre Antworten möglichst schnell dem Fragestil des Prüfers anzupassen. Fertigen Sie dazu eine Kurzbeschreibung verschiedener Prüfertypen an. Ein Mitglied Ihrer Lerngruppe wählt dann geheim einen Prüfertyp aus, den er in der folgenden Simulation verkörpern will. Nach der „Prüfung“ beurteilt der Prüfer das Anpassungsvermögen des Kandidaten und gibt ggf. Hinweise zu einer Optimierung des Antwortstils.
Postfach 120 86410598 BerlinTel.: 0 30/40 04 56–0Fax: 0 30/40 04 56–3 88E-Mail: [email protected]
Jahnstraße 4070597 StuttgartTel.: 07 11/7 64 85–0Fax: 07 11/7 69 89–50E-Mail: [email protected]
Mühlbaurstraße 1681677 MünchenTel.: 0 89/41 47–0Fax: 0 89/41 47–2 80E-Mail: [email protected]
Friedrichstraße 1610969 BerlinTel.: 0 30/4 08 06–0Fax: 0 30/4 08 06–34 99E-Mail: [email protected]
Dreifertstraße 1203044 CottbusTel.: 03 55/7 80 10–0Fax: 03 55/7 80 10–36E-Mail: [email protected]
Schwachhauser Heerstraße 3028209 BremenTel.: 04 21/34 04 20–0Fax: 04 21/34 04 20–9E-Mail: [email protected]
Humboldtstraße 5622083 HamburgTel.: 0 40/22 80 20Fax: 0 40/2 20 99 80E-Mail: [email protected]
Im Vogelsgesang 360488 FrankfurtTel.: 0 69/9 76 72–0Fax: 0 69/9 76 72–1 28E-Mail: [email protected]
August-Bebel-Straße 9 a18055 RostockTel.: 03 81/4 92 80–0Fax: 03 81/4 92 80–80E-Mail: [email protected]
Berliner Allee 2030175 HannoverTel.: 05 11/3 80 02Fax: 05 11/3 80 22 40E-Mail: [email protected]
Tersteegenstraße 940474 DüsseldorfTel.: 02 11/43 02–0Fax: 02 11/43 02–12 00E-Mail: [email protected]
Deutschhausplatz 355116 MainzTel.: 0 61 31/2 88 22–0Fax: 0 61 31/2 88 22 88E-Mail: [email protected]
Faktoreistraße 466111 SaarbrückenTel.: 06 81/40 03–0Fax: 06 81/40 03–340E-Mail: [email protected]
Schützenhöhe 1601099 DresdenTel.: 03 51/8 26 70Fax: 03 51/8 26 74 12E-Mail: [email protected]
Doctor-Eisenbart-Ring 239120 MagdeburgTel.: 03 91/6 05 46Fax: 03 91/6 05 47 00E-Mail: [email protected]
Bismarckallee 8 – 1223795 Bad SegebergTel.: 0 45 51/8 03–0Fax: 0 45 51/8 03–1 80E-Mail: [email protected]
Im Semmicht 3307751 Jena-MauaTel.: 0 36 41/6 14–0Fax: 0 36 41/6 14–1 69E-Mail: [email protected]
Gartenstraße 210 – 21448147 MünsterTel.: 02 51/9 29–0Fax: 02 51/9 29–29 99E-Mail: [email protected]
Titelei
Vorwort zur 4. Auflage
Vorwort zur 1. Auflage
Facharzt – wie nehme ich die letzte Hürde?
Das Facharztgespräch
Antragstellung und Voraussetzungen
Prüfungstermin
Prüfungsablauf
Nichtbestehen
Prüfungsstil und -inhalt
Protokollführung
Lerntipps
Selbsttest
Auswertung
Interpretation
Lernplanung
Lernort
Lernzeit
Lernstil
Lesestil
Prüfungsrhetorik
Beurteilungskriterien in der Prüfung
Tasten und testen: die Begrüßungsphase
Sauber starten: das „Warming-up“ im Prüfungsgespräch
Die heiße Phase des Prüfungsgesprächs
Adressen der Ärztekammern
Bundesärztekammer
Landesärztekammer Baden-Württemberg
Bayerische Landesärztekammer
Ärztekammer Berlin
Landesärztekammer Brandenburg
Ärztekammer Bremen
Ärztekammer Hamburg
Landesärztekammer Hessen
Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern
Ärztekammer Niedersachsen
Ärztekammer Nordrhein
Landesärztekammer Rheinland-Pfalz
Ärztekammer des Saarlandes
Sächsische Landesärztekammer
Ärztekammer Sachsen-Anhalt
Ärztekammer Schleswig-Holstein
Landesärztekammer Thüringen
Ärztekammer Westfalen-Lippe
1 Allgemeine Neuroanatomie und Neurophysiologie
2 Neurologische Syndrome
3 Kopfschmerzen
4 Weitere Schmerzsyndrome
5 Schwindel
6 Zerebrale Durchblutungsstörungen
7 Epilepsie
8 Demenzen
9 Extrapyramidale Erkrankungen
10 Multiple Sklerose und verwandte Erkrankungen
11 Polyneuropathien und Polyradikulitiden
12 Infektionen
13 Störungen der neuromuskulären Überleitung
14 Hereditäre und erworbene Muskelerkrankungen, Ionenkanalerkrankungen des Muskels
15 Zerebelläre Erkrankungen
16 Degenerative Erkrankungen
17 Hirnnerven
18 Tumoren und paraneoplastische Syndrome
19 Metabolische Erkrankungen
20 Erkrankungen des peripheren Nervensystems
21 Neurologische Intensivmedizin
22 Management wichtiger internistischer Probleme bei polymorbiden neurologischen Patienten
23 Diagnostische Verfahren in der Neurologie
23.1 Elektroenzephalografie (EEG)
23.2 Ultraschall
24 Geschichte der Neurologie und berühmte Patienten mit neurologischen Erkrankungen
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum/Access Code
Volker Limmroth
Frage 1
Beschreiben Sie kurz den Aufbau des menschlichen Gehirns.
Das menschliche Gehirn besteht aus einem Frontallappen, einem Parietallappen, einem Okzipitallappen, den beiden Temporallappen, dem Kleinhirn sowie dem Stammhirn.
Frage 2
Wie werden Nervenfasern nach der Dicke ihrer Markscheiben und ihrer Leitgeschwindigkeit klassifiziert?
A-alpha-Fasern, A-beta-Fasern, A-delta-Fasern, C-Fasern.
A-alpha-Fasern (IA- oder IB-Fasern): von den anulospiralen Endigungen oder den Golgi-Sehnenorganen, Dicke ca. 16–17μm, Leitgeschwindigkeit 70–120m/s
A-beta-Fasern (II-Fasern): insbesondere von den Tastscheiben, Dicke ca. 8µm, Geschwindigkeit 15–40m/s
A-delta-Fasern (III-Fasern): Schmerz, Temperatur und Druckübertragung, Dicke ca. 3µm, Geschwindigkeit 5–15m/s
C-Fasern (IV-Fasern): Schmerz, Temperatur, grobe Berührung, Dicke ca. 0,2–1µm, Geschwindigkeit 0,2–2m/s
Frage 3
Welche Fasern enthält die hintere Wurzel?
Die Hinterwurzel enthält nur afferente Nervenfasern.
Alle Impulse von Rezeptoren der Haut, Muskeln, Gelenke und der inneren Organe passieren die Wurzel und die zentralen Fortsätze der pseudounipolaren Spinalganglienzellen.
Frage 4
Welche Funktionen werden durch den Hinterstrang (Funiculus posterior) vermittelt?
Die Hinterstränge dienen der Übermittlung von propriozeptiven Impulsen.
Propriozeptive Impulse entstammen zum Teil den Rezeptoren in Muskeln und Sehnen, zum Teil auch den Rezeptoren aus Faszien, Gelenkkapseln und dem tiefen Bindegewebe. Die Afferenzen verlaufen über pseudounipolare Spinalganglienzellen. Die zentralen Fortsätze treten durch die hintere Wurzel in das Rückenmark ein und ziehen zum Hinterstrang (Funiculus posterior), wo sie sich erneut in absteigende und aufsteigende Bahnen trennen. Die aufsteigenden Bahnen enden an den Hinterstrangkernen im unteren Bereich der Medulla oblongata. Innerhalb des Hinterstrangs liegen die vom Bein kommenden Fasern am weitesten medial und die Fasern der oberen Extremität im Zervikalmark etwas weiter außen. In den Hinterstrangkernen erfolgt die synaptische Umschaltung auf das 2. Neuron, das im Tractus bulbothalamicus zum Thalamus zieht.
Frage 5
Welches sind die typischen klinischen Zeichen einer Hinterstrangschädigung?
Aufhebung des Lage- und Bewegungssinnes
Astereognosis (Unfähigkeit, ein Objekt durch Betasten zu identifizieren)
Aufhebung der 2-Punkte-Diskrimination
Aufhebung des Vibrationssinns
Klinisch zeigt sich im Romberg’schen Stehversuch (Stehen mit parallelen Beinen/Füßen bei geschlossenen Augen und nach vorn gehaltenen Armen) ein omnidirektionales Schwanken. Neurophysiologisch kann man Hinterstrangschädigungen durch somatosensibel evozierte Potenziale oder durch eine Posturografie verifizieren und quantifizieren.
Frage 6
Welche Impulse werden durch den Tractus spinothalamicus geleitet?
Schmerz-, Temperatur-, Berührungs- und Tasteindrücke.
Grundsätzlich wird zwischen einem Tractus spinothalamicus anterior und lateralis unterschieden.
Für die im Tractus spinothalamicus anterior vermittelten Impulse ist das 1. Neuron in den Hautrezeptoren lokalisiert. Die Impulse werden über mittelstark myelinisierte Fasern über die hintere Wurzel zum Rückenmark geleitet, wo der zentrale Fortsatz der Spinalganglienzelle in den Hintersträngen zunächst einige Segmente aufwärts zieht. Kollaterale Fasern ziehen auch 1–2 Segmente nach kaudal, um dann in verschiedener Höhe an Zellen in der grauen Substanz des Hinterhorns synaptisch zu enden. An diesen Synapsen beginnt der Tractus spinothalamicus anterior als 2. Neuron und kreuzt zunächst durch die vordere Kommissur, um im kontralateralen Vorderseitenstrang aufwärts und zusammen mit dem Tractus spinothalamicus lateralis und dem Lemniscus medialis zum Thalamus zu ziehen. Erst im Thalamus werden die Impulse auf ein 3. Neuron umgeschaltet, wonach sie in den Gyrus postcentralis gelangen. Die Art der Impulse, die durch den Tractus spinothalamicus anterior vermittelt werden, sind grobe Berührungs- und Tasteindrücke sowie weniger abgestufte Druckempfindungen.
Der Tractus spinothalamicus lateralis hingegen empfängt Impulse der Schmerz- und Temperaturempfindung aus den freien Nervenendigungen in der Haut. Die zentralen Fortsätze treten durch die Lateralanteile der hinteren Wurzel in das Rückenmark ein, wo sie sich in kurze Kollateralen aufsplitten, um dann innerhalb von 1–2 Segmenten in der Substantia gelatinosa an Zellen des 2. Neurons (Tractus spinothalamicus lateralis) zu enden. Der Tractus spinothalamicus lateralis zieht durch den Hirnstamm in den Thalamus, wo die Umschaltung auf das 3. Neuron, den Tractus thalamocorticalis, stattfindet.
Frage 7
Worin unterscheiden sich die weitergeleiteten Impulse des Tractus spinothalamicus anterior von denen des Tractus spinothalamicus lateralis?
Der Tractus spinothalamicus anterior leitet gröbere Sinneseindrücke weiter.
Der Tractus spinothalamicus anterior leitet grobe Berührungs- und Tasteindrücke weiter, während der Tractus spinothalamicus lateralis Schmerz-, Temperatur- sowie präzisere dermale Impulse wie Kitzeln oder Jucken, aber auch sexuelle Empfindungen weiterleitet.
Frage 8
Über welche Fasern und Neurone werden sensible Impulse afferent weitergeleitet?
1. Neuron: von den Hautrezeptoren über die Spinalganglien bis zum Tractus spinothalamicus anterior
2. Neuron: Tractus spinothalamicus anterior bis zum Thalamus
3. Neuron: vom Thalamus zum Gyrus postcentralis
Das 1. Neuron hat seinen Ursprung in Hautrezeptoren und vermittelt Impulse über mittelstark myelinisierte Fasern zu den Zellen der Spinalganglien und über die hintere Wurzel zum Rückenmark. Im Rückenmark ziehen die zentralen Axone der Spinalganglienzelle in den Hintersträngen etwa 2–15 Segmente nach kranial. Hier beginnt der Tractus spinothalamicus anterior als 2. Neuron. Die Fasern kreuzen von hier direkt in der vorderen Kommissur und ziehen im kontralateralen Vorderseitenstrang nach kranial. Gemeinsam mit den Fasern des Tractus spinothalamicus lateralis enden die Fasern im Thalamus am 3. Neuron, dessen Fasern von hier aus zum Gyrus postcentralis weiterziehen.
Frage 9
Welche peripheren Nerven entspringen aus den zervikalen Wurzelsegmenten C1, C2 und C3?
N. suboccipitalis, N. occipitalis major und minor, N. auricularis magnus und N. transversus colli.
Aus dem Wurzelsegment C1 entspringt ausschließlich der N. suboccipitalis, aus C2 der N. occipitalis major und aus C3 der N. occipitalis minor, der N. auricularis magnus sowie der N. transversus colli.
Frage 10
Worin unterscheiden sich die Funktionen der kortikalen Area 4, 6 und 8 im Hinblick auf das motorische System?
Area 4: fein abgestufte Willkürmotorik
Area 6: Bewegungsabläufe
Area 8: konjugierte Augenbewegung
Die Neurone der Area 4 bestimmen Bewegungen einzelner Muskeln und somit die fein abgestufte Willkürmotorik. Neurone der Area 6 kontrollieren ausgedehntere Bewegungen sowie Bewegungsabläufe eines Armes oder eines Beines. Neurone der Area 8 kontrollieren die konjugierte Augenbewegung.
Frage 11
Beschreiben Sie den Verlauf der Pyramidenbahn.
Motorischer Kortex – Corona radiata – innere Kapsel – Hirnstiel – Brücke – Medulla oblongata – nach Kreuzen von 80–85% der Fasern auf die Gegenseite weiterer Verlauf als Tractus corticospinalis anterior und Tractus corticospinalis lateralis.
Die Pyramidenbahn (Tractus corticospinalis) verläuft von der motorischen Rinde durch die weiße Substanz (Corona radiata), durch den hinteren Schenkel der inneren Kapsel, durch Anteile des Hirnschenkels, durch die Brücke (Pons) und die Basis der Medulla oblongata. Hier ist die Pyramidenbahn als leichte Vorwölbung zu erkennen (Pyramis) und erhält daher ihren Namen. Am unteren Ende der Medulla kreuzen 80–85% der Fasern auf die Gegenseite, der Rest verläuft ungekreuzt weiter im Vorderstrang als Tractus corticospinalis anterior. Der auf die Gegenseite gekreuzte Anteil verläuft als Tractus corticospinalis lateralis durch den Seitenstrang abwärts und endet an den motorischen Vorderhornzellen.
Bei keinem Säugetier ist die Pyramidenbahn so gut entwickelt und bedeutsam wie beim Menschen. Schädigungen der Pyramidenbahn sind beim Menschen daher (anders als bei Tieren) immer auch mit signifikanten Ausfällen verbunden.
Frage 12
Was versteht man unter dem extrapyramidalmotorischen System (EPS)?
All jene motorischen Bahnen, die nicht durch die Pyramide verlaufen, aber Einfluss auf die spinalmotorischen Regelkreise haben. Der wichtigste Bereich des EPS sind die Basalganglien. Hier werden die zunächst gröberen, aus der motorischen Rinde kommenden Bewegungsabläufe beeinflusst und verfeinert und durch komplexe Verschaltungen mit Impulsen aus Kleinhirn, Gleichgewichtskernen und optischem Reflexzentrum abgeglichen, um eine der jeweiligen Situation angemessene Feinmotorik zu ermöglichen.
Wichtig sind also die kortikopontozerebellären Bahnen, Fasern, die von der Hirnrinde zu den Basalganglien (vor allem zum Corpus striatum, Nucleus ruber und zur Substantia nigra), Pons und Kleinhirn ziehen. Bei einer isolierten Schädigung des EPS entfällt also die Feinsteuerung der Bewegungsabläufe und es kommt zu gröberen Bewegungsmustern wie bei der Chorea Huntington.
Frage 13
Beschreiben Sie die Medulla oblongata und erläutern Sie die einzelnen Abschnitte.
Als Medulla oblongata wird der Abschnitt des Hirnstamms bezeichnet, der sich zwischen dem Abgang des 1. Spinalnervs bis zum Pons erstreckt. Die Medulla oblongata wird in 3 Abschnitte unterteilt: das Tegmentum (Haube), die Pyramide und die Olive.
In der Medulla oblongata befinden sich alle zentralen autonomen Zentren für die Regelung des Kreislaufs, der Atmung und der Schutzreflexe.
Frage 14
Welche Art von Lähmungstyp entsteht bei einer Schädigung im Bereich der Area 4 oder einer Schädigung der Pyramide an der Basis der Medulla oblongata?
Es entsteht eine schlaffe Lähmung.
Ähnlich wie bei der Schädigung eines peripheren Nervs kommt es hier zu einer schlaffen Lähmung, da die motorischen Fasern hier ohne Beimischung anderer Fasertypen verlaufen.
Frage 15
Nennen Sie die 6 wichtigsten klinischen Aspekte einer zentralen spastischen Lähmung.
Herabsetzung der Kraft und Feinmotorik
spastische Tonuserhöhung
gesteigerte Eigenreflexe, ggf. mit Kloni
Abschwächung und Aufhebung von Fremdreflexen (z.B. Bauchdeckenreflex)
Auftreten pathologischer Reflexe (Babinski-Oppenheim-Reflex)
keine degenerative Muskelatrophie
Schädigungen der Pyramidenbahn verursachen zunächst nur eine schlaffe einseitige Lähmung und Areflexie, erst später auch Spastik und Hyperreflexie. Erfolgt die Unterbrechung der Pyramidenbahn plötzlich, werden die Dehnungsreflexe unterdrückt und kehren erst nach einigen Tagen bzw. Wochen zurück. Dann reagieren die Muskelspindeln auf jede Dehnung empfindlicher, wobei dies an den Armbeugern stärker ausgeprägt ist als an den Beinstreckern. Die hemmenden Fasern verlaufen sehr eng mit der Pyramidenbahn und werden bei Pyramidenbahnläsionen fast immer mitgeschädigt. Die Schädigung der Pyramidenbahn unterbricht auch die Willkürimpulse von der Hirnrinde bis zu den assoziierten Vorderhornzellen. Sind die Pyramidenbahn und damit auch die hemmenden Fasern geschädigt, unterstehen die Vorderhornzellen keiner willkürlichen Kontrolle und keiner Hemmung mehr. Die Folge sind Spastik, Hyperreflexie und Kloni. Je nach Lokalisation der Pyramidenbahnschädigung kann die klinische Symptomatik einzelne Extremitäten oder – sofern die Schädigung in der inneren Kapsel lokalisiert ist – auch die gesamte kontralaterale Körperseite betreffen. Liegt der Herd rindennah mit einer weitgehenden Verschonung extrapyramidaler Fasern, kommt es zu einer kontralateralen Parese der Hand oder des Armes, jedoch nicht zu einer Monoplegie. Bei kleinen Rindenherden in der Area 4 ohne Beteiligung von inhibitorischen Fasern können kortikale Herde auch zu rein schlaffen Paresen führen.
Frage 16
Welches klinische Muster ist bei einer isolierten Schädigung der inneren Kapsel zu erwarten?
Eine kontralaterale spastische Hemiplegie.
Da hier auch kortikonukleäre Fasern entlangziehen, kommt es außerdem zu einer kontralateralen Fazialis-, evtl. auch zu einer Hypoglossusparese.
Frage 17
Wie entsteht eine obere Plexusschädigung des Plexus brachialis (Erb‘sche Lähmung) und welche Muskeln sind hiervon betroffen?
Die obere Plexuslähmung entsteht hauptsächlich infolge von Geburtstraumata durch Schädigung der Segmente, die aus der 5. und 6., vereinzelt auch 7. zervikalen Spinalwurzel hervorgehen, selten auch durch Zugtraumata oder Prellungen an der Schulter. Betroffen sind dann M. deltoideus, M. biceps, M. brachialis sowie M. brachioradialis, Mm. supra- und infraspinatus sowie M. pectoralis.
Klinisch hängt der betroffene Arm schlaff nach innen rotiert herunter. Er kann im Schultergelenk nicht angehoben, nicht nach außen rotiert und im Ellenbogen nicht gebeugt werden. Sensibilitätsstörungen befinden sich über dem M. deltoideus sowie an der radialen Seite von Unterarm und Hand. Klinisch sind damit die Innenrotation der Schulter, das Strecken des Ellenbogens, Drehungen des Unterarmes nach unten sowie das Beugen der Finger und des Handgelenks betroffen. Die obere Plexuslähmung ist häufiger als die untere Plexuslähmung. Grundsätzlich können Plexusschädigungen auch entzündlich entstehen (Plexusneuritis).
Frage 18
Wie entsteht eine untere Plexuslähmung des Plexus brachioradialis (Klump‘sche Lähmung)?
Die untere Plexuslähmung entsteht durch eine Schädigung der Wurzeln C8 und TH1 oder des unteren Primärstranges. Diese Schädigungen werden zumeist durch Druck, etwa infolge einer Halsrippe, oder durch Raumforderungen wie einen Pancoast-Tumor hervorgerufen.
Betroffen sind die kleinen Handmuskeln sowie die Beuger der Hand. Typisch sind ferner trophische Störungen im Bereich von Hand und Fingern.
Frage 19
Wie entstehen Schädigungen des Plexus lumbalis und welche Nerven sind hierbei betroffen?
Schädigungen des Plexus lumbalis, der aus den Segmenten L1, L2 und L3 entspringt, entstehen im Wesentlichen durch Abszesse des M. psoas, Beckentumoren, Traumen, Diabetes mellitus oder Entzündungen. Betroffen sind insbesondere der N. obturatorius sowie der N. femoralis.
Bei Schädigungen des Plexus lumbalis sind dementsprechend die Streckermuskulatur des Knies und die Adduktoren der Hüfte beeinträchtigt.
Frage 20
Aus welchen Wurzeln wird der Plexus sacralis gebildet und welche Nerven sind bei einer Schädigung betroffen?
Der Plexus sacralis entsteht aus den Wurzeln L4, L5, S1, S2 und S3. Betroffen sind die beiden Nerven, die aus dem N. ischiadicus hervorgehen: der N. peronaeus und der N. tibialis.
Der N. ischiadicus innerviert die Muskeln des hinteren Oberschenkels, N. tibialis und N. peronaeus versorgen alle Muskeln unterhalb des Knies.
Frage 21
Was versteht man unter einem Skalenussyndrom?
Vom M. scalenus anterior und medius sowie der 1. Rippe wird eine kleine Lücke, die Skalenuslücke, gebildet. Durch diese Lücke ziehen Stränge des Plexus brachialis zusammen mit der A. subclavia. Durch die Einengung der Lücke, etwa durch eine Halsrippe, können sowohl Nervenstränge wie auch die arterielle Versorgung des Armes beeinträchtigt werden.
Klinisch kommt es zu in den Arm ausstrahlenden lageabhängigen Schmerzen sowie zu Parästhesien und Hypästhesien im ulnaren Bereich der Hand.
Frage 22
Welche klinische Symptomatik ist bei einer Schädigung der hinteren Wurzel zu erwarten und bei welcher Erkrankung findet sich diese Schädigung typischerweise?
Betroffen ist die Sensibilität der entsprechenden Dermatome, die je nach Umfang der Schädigung vollständig oder teilweise sein kann. Bei einer Unterbrechung kann es ferner zu einer Aufhebung des peripheren Reflexbogens kommen, sodass neben der Sensibilitätsstörung auch eine Hypotonie sowie Hypo- und Areflexie der betroffenen Segmente vorkommen. Typischerweise findet sich dies bei der Tabes dorsalis.
Bei der Tabes dorsalis können auch mehrere benachbarte Wurzeln betroffen sein. Die dauerhafte Schädigung kann sekundär zu lanzinierenden Schmerzen führen.
Frage 23
Welche klinischen Symptome sind bei einer Schädigung des Hinterhorns zu erwarten und bei welcher Erkrankung ist das Hinterhorn typischerweise betroffen?
Es resultiert eine segmentale Sensibilitätsstörung, wobei die Hinterstrangqualitäten erhalten bleiben. Hinterhornsyndrome entstehen vor allem als Folge einer Syringomyelie, einer Hämatomyelie oder intramedullärer Tumoren.
Typischerweise entsteht zunächst ebenso wie bei der Schädigung der hinteren Wurzel eine segmentale Sensibilitätsstörung. Anders als bei der Schädigung der hinteren Wurzel, bei der alle Qualitäten betroffen sind, bleibt bei einer isolierten Hinterhornschädigung jedoch die epikritische und propriozeptive Sensibilität erhalten (Hinterstrangqualitäten), während Schmerz- und Temperaturempfindungen ipsilateral gestört oder aufgehoben sind.
Frage 24
Welche klinische Symptomatik ist im Gegensatz zu einer Schädigung des Hinterhorns bei einer Läsion der Hinterstränge zu erwarten und bei welchen Erkrankungen sind Hinterstrangsyndrome typischerweise zu finden?
Das klinische Symptommuster besteht aus Verlust des Lagesinnes, des Vibrationsempfindens, der Diskrimination, der Stereognosis und einer daraus folgenden Ataxie, insbesondere bei Augenschluss (positives Romberg-Zeichen). Hinterstrangsyndrome sind typischerweise bei der funikulären Myelose, der Friedreich-Ataxie, der Tabes dorsalis sowie Traumen und extramedullären Tumoren zu finden.
Die Hinterstränge dienen der Übermittlung von propriozeptiven Impulsen (siehe auch Frage 5).
Frage 25
Welche klinische Symptomatik ist bei einer isolierten Schädigung der Vorderhörner zu erwarten und bei welchen Erkrankungen tritt diese typischerweise auf?
Die klinische Symptomatik besteht aus schlaffen Lähmungen der entsprechenden Muskeln mit progredienter Atrophie und Faszikulationen. Typische Erkrankungen, die ausschließlich die Vorderhörner betreffen, sind die akute Poliomyelitis sowie die chronisch progressiven Formen der spinalen Muskelatrophie.
Bei der amyotrophen Lateralsklerose sind neben den Vorderhörnern auch die Pyramidenbahnen betroffen, sodass es im Unterschied zur spinalen Muskelatrophie zur Muskelatrophie bei gesteigerten Muskeleigenreflexen und Pyramidenbahnzeichen kommt.
Frage 26
Welche klinische Symptomatik ist bei einer Schädigung der kortikospinalen Bahnen zu erwarten und bei welcher Erkrankung kommt dieses Schädigungsmuster typischerweise vor?
Bei einer isolierten Störung kortikospinaler Bahnen kommt es neben einer zunehmenden Schwäche der motorischen Funktionen (zunächst Schweregefühl, dann zunehmende Paresen) zu einer gleichzeitig auftretenden Tonuserhöhung, vermehrter Spastik sowie gesteigerten Muskeleigenreflexen. Eine isolierte Schädigung der kortikospinalen Bahnen ist bei der progressiven spastischen Spinalparalyse zu beobachten.
Bei dieser Erkrankung kommt es zu einer fortschreitenden Degeneration der Ganglienzellen der motorischen Hirnrinde und der zugehörigen Pyramidenbahnfasern.
Frage 27
Was versteht man unter einem Brown-Sequard-Syndrom?
Anatomisch handelt es sich um eine Halbseitenläsion des Rückenmarks, die allerdings sehr selten auftritt.
Klinisch kommt es auf der Seite der Läsion zu einer Unterbrechung der motorischen absteigenden Bahnen, die eine ipsilaterale spastische Parese unterhalb der Läsion mit Pyramidenbahnzeichen zur Folge hat. Die Unterbrechung der Hinterstränge führt zu einer Aufhebung des Lageempfindens, der Vibrationsempfindung sowie der taktilen Diskrimination unterhalb der Schädigung ipsilateral. Kontralateral sind dagegen die Schmerz- und Temperaturempfindung aufgehoben, da die kreuzenden Fasern in Höhe der Schädigung unterbrochen sind. Einfache Berührungsreize sind jedoch nicht beeinträchtigt, da diese Impulse sowohl über die Hinterstränge als auch über den kreuzenden Tractus spinothalamicus anterior geleitet werden. Durch Schädigung der Vorderhornzellen kann es in Höhe der Schädigung zu einer schlaffen Parese der betroffenen Muskelfasern kommen.
Frage 28
Was versteht man unter einem Epikonussyndrom?
Anatomisch handelt es sich um die Schädigung der Segmente L4 bis S2, die zu Paresen und schlaffen Lähmungen führen kann.
Betroffen sind insbesondere die Außenrotation und dorsale Flexion der Hüftgelenke (L4 bis S1), die Beugung der Kniegelenke sowie Beugung und Streckung in Fuß- und Zehengelenken (L5 bis S2). Der Patellarsehnenreflex bleibt erhalten, der Achillessehnenreflex fällt aus. Betroffen sind ferner Blase und Rektum, deren Entleerung nur reflexmäßig erfolgt. Bei Männern besteht Impotenz.
Frage 29
Was versteht man unter einem Konussyndrom?
Betroffen sind die Segmente S3, S4 und S5 sowie der terminale Abschnitt des Konus und in der Regel die benachbarten Nervenwurzeln.
Die isolierte Schädigung des Conus terminalis führt zu einer schlaffen Blasenlähmung mit Harninkontinenz, Mastdarminkontinenz, Impotenz sowie einer Reithosenanästhesie. Paresen fehlen, Patellarsehnen- sowie Achillessehnenreflex sind erhalten, dagegen fehlt der Analreflex.
Frage 30
Was versteht man unter einem Kaudasyndrom?
Beim Kaudasyndrom liegt eine ausschließliche Schädigung der peripheren Abschnitte der Segmente L4 bis S5 vor.
Je nach Ausprägung des Kaudasyndroms kommt es zu radikulären Schmerzen, radikulär angeordneten Sensibilitätsstörungen aller Qualitäten sowie unter Umständen bei Läsionen der höheren Segmente zu schlaffen Lähmungen und Reflexausfällen sowie Blasen-Mastdarm-Störungen und Impotenz. Häufigste Ursache für Kaudasyndrome sind Bandscheibenvorfälle und Tumoren.
Frage 31
Wie erfolgt die arterielle Blutversorgung des Rückenmarks?
Im Wesentlichen durch die A. spinalis anterior sowie dorsal durch die A. spinalis posterior auf beiden Seiten.
Die A. spinalis anterior stellt dabei kein einheitlich durchgehendes Gefäß dar, sondern wird von einer Anastomosenkette an der Vorderseite des Rückenmarks gebildet. Im oberen zervikalen Abschnitt geben beide Aa. vertebrales Gefäßäste ab, die sich zur A. spinalis anterior vereinigen. Weiter kaudal wird die A. spinalis anterior aus Ästen der A. subclavia und Interkostalarterien und noch weiter kaudal von Gefäßen gebildet, die der Aorta descendens entspringen. Durch feine, um das Rückenmark herum laufende Äste ist sie mit den beiden Aa. spinales posterior anastomosiert.
Frage 32
Mit welcher klinischen Symptomatik ist bei einem Verschluss der A. spinalis anterior zu rechnen?
Zunächst mit plötzlich einsetzenden heftigen, radikulär erscheinenden Schmerzen sowie Parästhesien der betroffenen Segmente. Die Propriozeption wie auch die Berührungsempfindung bleiben jedoch zumeist erhalten.
Bei einem Verschluss der A. spinalis im zervikalen Bereich kommt es zu einer schlaffen Lähmung in den oberen Extremitäten sowie zu einer Herabsetzung der Schmerz- und Temperaturempfindung in dem entsprechenden Bereich. Darüber hinaus entsteht eine Paraparese der Beine durch die Beeinträchtigung der Pyramidenbahnen, zunächst schlaff, später auch spastisch. Außerdem treten Blasen- und Mastdarmstörungen auf.
Frage 33
Welche klinische Symptomatik ist bei einem Verschluss der dorsalen Spinalarterien zu erwarten?
Klinisch prominent sind eine Anästhesie und Analgesie entsprechend der Lokalisation des Verschlusses sowie eine spastische Parese der Beine mit Reflexstörungen.
Die Symptomatik resultiert aus einer verschlussbedingten Infarzierung im Bereich der Hinterhörner, der Hinterstränge sowie unter Umständen des Pyramidenseitenstranges.
Frage 34
Wie unterscheiden sich im klinischen Erscheinungsbild intramedulläre spinale Tumoren von extramedullären Tumoren?
Intramedulläre Tumoren verursachen selten radikuläre Schmerzen, führen jedoch bereits frühzeitig zu dissoziierten Empfindungsstörungen, Blasen- und Mastdarmbeschwerden, bei Läsionen der Vorderhörner zu Muskelatrophien (bei extramedullärem Sitz selten) sowie durch mögliches kraniales longitudinales Wachstum zu einer Verschiebung der Sensibilitätsstörung nach kranial.
Bei extramedullären Tumoren ist eine solche Verschiebung der Sensibilitätsstörung nach kranial durch transversales Wachstum eine Rarität.
Frage 35
In welche 3 größeren anatomischen Strukturen wird der Hirnstamm unterteilt?
In die Medulla oblongata, den Pons sowie das Mesenzephalon.
Die Medulla oblongata ist der kaudale Abschnitt des Hirnstamms. Sie enthält die Hirnnervenkerne der kaudalen Hirnnerven IX (N. glossopharyngeus), X (N. vagus), XI (N. accessorius) sowie XII (N. hypoglossus). Die von den Pyramiden absteigenden Fasern des Tractus corticospinalis kreuzen hier größtenteils, um im Spinalmark als Pyramidenseitenstrangbahnen abwärts zu ziehen. Auch die Hinterstrangfasern werden hier auf das 2. Neuron umgeschaltet, um die aufsteigenden Impulse zum kontralateralen Thalamus weiterzuleiten.
Der Pons (Brücke) kann in 2 Anteile gegliedert werden, einen dorsalen Anteil (auch Tegmentum genannt) sowie einen basilären Teil (Pars ventralis pontis). Verschiedene Faserbündel durchqueren die Brücke, um seitlich durch die Pedunculi cerebellaris zum Kleinhirn zu gelangen. Diese Faserbündel geben dem Pons sein charakteristisches Aussehen und den funktionellen Namen „Brücke“. Darüber hinaus liegen hier die Kerngebiete der okulomotorischen Kerne (teilweise Okulomotorius, Trochlearis und Abducens). Auch die Kerne des Trigeminus liegen teilweise im Pons, reichen jedoch weit nach kaudal in die Medulla oblongata hinein, teilweise sogar bis auf die Höhe von C1 oder C2.
Das Mesenzephalon ist der kraniale Abschnitt des Hirnstamms.
Frage 36
Nennen Sie die wichtigsten Hirnnervenkerne in der Medulla oblongata.
Die Medulla oblongata beherbergt die Kerngebiete der kaudalen Hirnnerven, insbesondere des N. hypoglossus und des N. accessorius, des N. glossopharyngeus, der kochleären Anteile des N. vestibulocochlearis und Teile der Vaguskerne. Auch Teile des trigeminalen Kerngebietes reichen bis in die Medulla oblongata. Im dorsalen Abschnitt befinden sich der Nucleus cuneatus sowie der Nucleus gracilis, in denen die Hinterstrangfasern auf das 2. Neuron umgeschaltet werden.
Anatomisch kann die Medulla oblongata in das Tegmentum, die Pyramide und die Olive unterteilt werden. Wichtig ist ferner, dass hier die Fasern des Tractus corticospinalis (Pyramidenbahn) kreuzen (siehe auch Frage 13).
Frage 37
Welche Hirnnervenkerngebiete liegen im Pons?
Die vestibulären Anteile des N. vestibulocochlearis, die Kerngebiete des N. facialis, des N. abducens, die wesentlichen Teile der trigeminalen Kerne sowie Kerne des N. trochlearis und kaudale Abschnitte der Nuclei oculomotorii.
Zusätzlich durchqueren zahlreiche Faserbündel die Brücke, um seitlich durch die Pedunculi cerebellaris zum Kleinhirn zu gelangen. Diese Faserbündel geben dem Pons sein charakteristisches Aussehen und den Namen „Brücke“.
Frage 38
In welche 4 Abschnitte wird das Mesenzephalon (Mittelhirn) unterteilt?
Tectum mesencephali mit den 4 Hügeln
Tegmentum zwischen Substantia nigra und Tectum
Substantia nigra
Crus cerebri
Die Vierhügelplatte besteht aus den oberen und unteren Colliculi, in deren 7-schichtigem Zellaufbau zahlreiche afferente und efferente Verbindungen verschaltet werden, die sowohl aus der Hörbahn (Colliculi inferiores) sowie aus optischen Bahnen (Colliculi superiores) eingespeist werden. Verschaltet werden diese Fasern mit Fasern aus der Großhirnrinde sowie aus dem Spinalmark. Hieraus ziehen Fasern wiederum zum Nucleus ruber sowie zur Formatio reticularis. Im Tegmentum liegt der rundlich ovale Nucleus ruber, der Afferenzen aus dem Kleinhirn erhält und über Reflexbögen im Wesentlichen die aufrechte Haltung sowie hochkomplexe Bewegungen steuert. Die Substantia nigra stellt ein motorisches Kerngebiet dar, das seinen Namen wegen seiner dunklen Färbung erhalten hat. Die Substantia nigra ist Bestandteil des extrapyramidalen Systems. Die Hirnschenkel (Crus cerebri) werden von kortikospinalen, kortikonukleären und kortikopontinen Fasern gebildet.
Frage 39
Welche wesentlichen anatomischen Strukturen liegen im Mesenzephalon?
Der wesentliche Anteil der Nuclei oculomotorii, der Nucleus ruber, die Substantia nigra, Abschnitte der zentralen Sympathikusbahn, das zentrale Höhlengrau sowie parasympathische Kerne (Westphal-Edinger) und Teile der Formatio reticularis.
Das Mesenzephalon ist der kraniale Abschnitt des Hirnstamms.
Frage 40
Erläutern Sie die Gefäßversorgung des Hirnstamms.
Die Blutversorgung des Hirnstamms erfolgt im Wesentlichen über die beiden Vertebralarterien, die aus der A. subclavia hervorgehen, durch die Foramina transversaria der Halswirbelkörper ziehen und sich an der Unterseite der Medulla oblongata noch vor der Brücke zur A. basilaris vereinigen.
Von den Vertebralarterien gehen als wichtigste Äste die A. cerebelli inferior posterior sowie die Äste zur A. spinalis anterior ab. Als erster Ast zweigt von der A. basilaris die A. cerebelli inferior anterior ab, aus der im weiteren Verlauf die A. labyrinthi entsteht. Kurz vor der Aufteilung der A. basilaris in die beiden Aa. cerebri posteriores zweigt noch die A. cerebelli superior ab.
Frage 41
Aus welchen Anteilen setzt sich das Dienzephalon (Zwischenhirn) zusammen?
Thalamus
Epithalamus (Epiphyse, Nuclei habenulares, Commissura posterior)
Hypothalamus
Subthalamus (Nucleus subthalamicus)
Der Thalamus nimmt etwa 4/5 des gesamten Zwischenhirns ein.
Frage 42
Woher kommt der Begriff Thalamus und welche Funktionen hat der Thalamus?
„Thalamos“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet Kammer oder Schlafgemach. Mit Ausnahme der olfaktorischen Impulse ist der Thalamus der zentrale Bereich, in dem alle afferenten Impulse ankommen und synaptisch zum letzten, dem thalamokortikalen Neuron umgeschaltet werden. Hier entscheidet sich, welche Impulse an die Großhirnrinde weitergeleitet werden.
Alle Erregungen, die ins Bewusstsein gelangen, passieren also vorher den Thalamus. Er ist damit das zentrale Integrations- und Koordinierungsorgan der unterschiedlichen Afferenzen.
Frage 43
Wie erfolgt die Blutversorgung des Thalamus?
