Falsch entschieden? - Viola Maybach - E-Book

Falsch entschieden? E-Book

Viola Maybach

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Beschreibung

Diese Serie von der Erfolgsschriftstellerin Viola Maybach knüpft an die bereits erschienenen Dr. Laurin-Romane von Patricia Vandenberg an. Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt. Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen. Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert. »Hast du das gesehen?«, fragte Alexandra Seifert ihren besten Freund Sven Ahrhaus. »Kopfsprung vom Zehner, super Haltung. Es hat nicht mal gespritzt, als er aufgekommen ist.« Sven nickte, schloss die Augen und ließ sich wieder zurück auf das Badehandtuch sinken, das sie sich teilten. »Ja, ich hab's gesehen«, murmelte er. »Nichts ist so langweilig wie tolle Sportler. Super durchtrainierte Körper, aber nix im Kopf. Wahrscheinlich macht er nichts anderes, als Kopfsprünge vom Zehner zu üben, damit Frauen wie du ihn bewundern.« »Das ist ein Vorurteil!«, stellte Alexandra halb ärgerlich, halb amüsiert fest. »War ja auch nicht ernst gemeint«, murmelte er. »Ich wollte dich nur ein bisschen aufziehen.« Sie stand auf. »Ich gehe jetzt zu ihm und sage ihm, wie toll ich den Sprung fand«, sagte sie. Sven rührte sich nicht, er öffnete nicht einmal die Augen. »Tu, was du nicht lassen kannst.

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Seitenzahl: 117

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Der neue Dr. Laurin – 79 –Falsch entschieden?

Jedenfalls wirken vier Menschen unglücklich

Viola Maybach

»Hast du das gesehen?«, fragte Alexandra Seifert ihren besten Freund Sven Ahrhaus. »Kopfsprung vom Zehner, super Haltung. Es hat nicht mal gespritzt, als er aufgekommen ist.«

Sven nickte, schloss die Augen und ließ sich wieder zurück auf das Badehandtuch sinken, das sie sich teilten. »Ja, ich hab’s gesehen«, murmelte er. »Nichts ist so langweilig wie tolle Sportler. Super durchtrainierte Körper, aber nix im Kopf. Wahrscheinlich macht er nichts anderes, als Kopfsprünge vom Zehner zu üben, damit Frauen wie du ihn bewundern.«

»Das ist ein Vorurteil!«, stellte Alexandra halb ärgerlich, halb amüsiert fest.

»War ja auch nicht ernst gemeint«, murmelte er. »Ich wollte dich nur ein bisschen aufziehen.«

Sie stand auf. »Ich gehe jetzt zu ihm und sage ihm, wie toll ich den Sprung fand«, sagte sie.

Sven rührte sich nicht, er öffnete nicht einmal die Augen. »Tu, was du nicht lassen kannst. Aber mach dich bitte nicht lächerlich, wahrscheinlich wartet schon eine ganze Schlange von Bewunderinnen, um ihm zu sagen, wie toll er ist.«

»Spinner!« Alexandra machte sich auf den Weg zum Sprungturm. Das Freibad war noch ziemlich leer zu dieser frühen Stunde. Sven und sie würden gehen, sobald es anfing, sich zu füllen. Samstags war das meistens gegen Mittag der Fall. Sie waren an diesem Morgen beinahe die Ersten an der Kasse gewesen und hatten sich einen Platz nahe bei den Schwimmbecken gesucht. Später, wenn es richtig voll war, konnte man es hier nicht mehr aushalten. Es lohnte sich also, auch am Wochenende etwas früher aufzustehen, wenn man sich im Wasser austoben wollte.

Der Turmspringer kletterte gerade aus dem Becken. Er hatte schwarze Haare und blaue Augen. Sie kannte ihn vom Sehen, er war öfter hier im Freibad, genau wie sie. Aber in den letzten paar Wochen hatte sie vergeblich nach ihm Ausschau gehalten. Und noch nie war sie auf die Idee gekommen, ihn anzusprechen. Jetzt erst, da er sich mit einem einzigen eleganten Schwung auf den Beckenrand hievte, fragte sie sich, warum sie es heute tun wollte. Im Grunde genommen hatte Sven Recht: Sie musste aufpassen, sich nicht lächerlich zu machen.

»Toller Sprung eben«, sagte sie und hoffte, dass ihre Stimme so beiläufig klang, wie sie es sich vorgenommen hatte.

Er richtete sich auf und sah sie erstaunt an, dann lächelte er und stand im nächsten Moment vor ihr. Er überragte sie um einen halben Kopf. »Dich kenne ich doch«, sagte er. »Du bist oft hier.«

»Stimmt, du auch. Ich habe dich schon öfter springen sehen, und heute dachte ich mir, ich sage dir mal, dass ich mich jedes Mal freue, wenn dir wieder ein Supersprung gelungen ist.«

»Womit du sagen willst, dass nicht jeder meiner Sprünge ein Supersprung ist.« Seine Augen funkelten amüsiert, als er das sagte.

Aber sie blieb ganz ernst. »Das stimmt«, sagte sie, als hätte sie nicht bemerkt, dass er einen Scherz gemacht hatte. »Manchmal kommst du nicht kerzengerade auf, und manchmal spritzt das Wasser wie eine Fontäne. Aber bei dem Sprung eben war alles perfekt.«

Er legte den Kopf schief. »Bist du eine Art Expertin für Turmspringen oder so?«

»Wenn es eine Übertragung von Wettkämpfen gibt, sehe ich mir die immer an. Keine Ahnung, warum, aber es ist die Sportart, die ich am liebsten sehe. Und deshalb weiß ich, worauf es ankommt, weil sie es in den Kommentaren immer sagen, also, zum Beispiel, dass es nicht spritzen darf beim Eintauchen ins Wasser und so.«

»Darf ich dich zu einem Eis einladen? Als Dank für dein Kompliment? Ich bin übrigens Niko.«

»Alexandra. Alex.«

Sie schielte zu Sven hinüber, aber der lag noch immer mit geschlossenen Augen auf dem Badehandtuch und sonnte sich. Er würde sie nicht vermissen.

»Du bist nicht allein hier«, stellte Niko fest.

»Nee, aber mein Freund wird mich in der nächsten halben Stunde nicht vermissen. Er sonnt sich und hat heute keine Lust zu reden.«

Niko grinste über das ganze Gesicht. »Wie kann er sich sonnen, wenn er eine Freundin wie dich hat? Hat er nichts Besseres zu tun?«

Sie spürte, wie sie errötete. »Oh, so ein Freund ist er nicht. Wir kennen uns schon ewig und wissen wahrscheinlich alles voneinander, aber wir sind nur befreundet, mehr nicht.«

»Und wie hat er es fertiggebracht, sich nicht in dich zu verlieben?«, fragte Niko, kurz bevor sie den Wagen erreicht hatten, an dem Eis und kühle Getränke verkauft wurden.

Sie sah zu ihm auf, um festzustellen, ob er sich über sie lustig machte, aber das schien nicht der Fall zu sein. Etwas blitzte in seinen Augen auf, das sie elektrisierte, und plötzlich spürte sie, wie sich auf ihren Armen Gänsehaut bildete, obwohl ihr kein bisschen kalt war.

Sie war froh, dass er sich dem Eis zuwandte und fragte: »Welche Sorten möchtest du?«

Wie immer entschied sie sich für dunkle Schokolade mit Sahne, was Niko ein ungläubiges Schnauben entlockte. »Das gibts nicht! Genau wie ich!«

Sie setzten sich mit dem Eis auf eine Bank, von der aus sie den Sprungturm im Blick hatten, aber vom Zehner traute sich niemand. Es gab ein paar zaghafte Sprünge vom Dreier und Fünfer, aber die meisten wählten das Ein-Meter-Brett. Sven auf seinem Badetuch rührte sich noch immer nicht. Er schien eingeschlafen zu sein. Wenn die Sonne noch höher stieg, würde sie ihn wecken, damit er sich keinen Sonnenbrand holte. Noch war die Gefahr allerdings relativ gering, obwohl es heiß zu werden begann.

»Erzähl mal, was machst du, wenn du nicht gerade im Schwimmbad herumlungerst?«, fragte Niko.

»Ich bin Bauzeichnerin«, antwortete sie. »Das heißt, ich arbeite fast immer zu Hause.«

»Und das hältst du aus?«

Sie musste lachen, die Frage hatte sie schon oft gehört. »Sehr gut sogar, ich bin ganz gern allein, jedenfalls bei der Arbeit. Und sonst suche ich mir Gesellschaft.«

»Wie zum Beispiel deinen Jugendfreund. Wo liegt er denn?«

Sie zeigte in Svens Richtung. »Da, auf dem großen bunten Badetuch, direkt zwischen dem zweiten und dem dritten Startblock, siehst du?«

»Der lange Blonde?«

»Genau, der lange Blonde.«

»Dass er nicht mal nach dir Ausschau hält!«

»Warum sollte er? Er hat gemeint, ich müsste mich wahrscheinlich in eine Schlange von weiblichen Fans einreihen, die dir alle Komplimente machen wollen, als ich beschlossen habe, dir zu sagen, dass ich den letzten Sprung super fand.«

Niko grinste breit. »Was für eine wundervolle Vorstellung. Aber guck dich doch mal um! Wo sollten denn die Fans herkommen? Sind ja immer noch nur ganz wenig Leute da.«

»Er wollte mich nur aufziehen, das macht er gern.«

Nikos Blick wurde nachdenklich. »Es muss toll sein, so einen guten Freund zu haben.«

»Ist es auch. Hast du keinen?«

»Doch, schon, aber … Ich bin ziemlich viel unterwegs, bei mir muss immer was los sein. Wenn es zu ruhig wird, werde ich nervös. Das kannst du wahrscheinlich nicht nachvollziehen.«

Sie sah ihn an. »Nein, tatsächlich nicht«, gab sie zu. »Ich hab’s gerne ruhig. Ab und zu darf es dann auch mal krachen, aber im Prinzip mag ich es lieber, wenn mein Leben in geordneten Bahnen verläuft.«

»Und einen Freund hast du nicht? Also ich meine, einen, in den du rasend verliebt bist?«

Sie musste lachen. »Im Moment nicht, nein. Warum fragst du?«

Wieder glitzerten seine Augen, jetzt erst sah sie, dass sie gar nicht nur blau, sondern auch ein bisschen grün schimmerten. Er sah wirklich sehr gut aus. Sie sah rasch wieder weg, weil sie sich plötzlich ganz komisch fühlte. Und jetzt erst merkte sie, dass sie sich mit ihrem Eis beeilen musste, weil es nämlich zu schmelzen und zu tropfen begann.

»Würdest du mal mit mir ausgehen?«, fragte Niko. »An einem Tag, an dem es bei dir mal krachen darf?« Er lächelte breit, als er ihre Worte wiederholte.

»Klar, warum nicht?« Sie bemühte sich, äußerlich ruhig zu bleiben, aber sie hörte das kleine Zittern in ihrer Stimme und konnte nur hoffen, dass er es nicht mitbekommen hatte. »Du hast also auch keine Freundin?«

Er antwortete nicht sofort und als er es tat, spürte sie ein winziges Zittern in der Bauchgegend. »Ja und nein. Ich bin schon lange mit einer Frau zusammen, aber eigentlich sind wir mittlerweile eher Geschäftspartner und kein Liebespaar. Ich habe schon öfter gedacht, dass wir das mal klären müssten. Und jetzt, scheint mir, wäre eine gute Gelegenheit.«

Seine Worte verschlugen ihr den Atem. War es möglich, dass sie ihn falsch verstanden hatte? Oder hatte er tatsächlich andeuten wollen, dass er und sie … Sie saß ganz still da, schaffte es nicht einmal, diesen Gedanken zu Ende zu denken.

Niko machte eine Kopfbewegung in die Richtung, in der Sven lag. »Dein Freund scheint dich jetzt doch zu vermissen«, sagte er. Seine Stimme klang ganz normal, was ihr half, sich ebenfalls wieder zu fangen.

»Willst du ihn kennenlernen? Dann komm mit«, sagte sie. »Sven ist supernett, echt.«

»Okay.«

Sie standen auf und schlenderten langsam zu Sven hinüber, der sich mittlerweile halb aufgerichtet hatte und ihnen entgegensah.

»Niko, das ist Sven, mein bester Freund. Sven, das ist Niko, der beste Turmspringer dieses Schwimmbads.«

Sie ließen sich zu dritt auf dem Badetuch nieder.

»Alex hat mir erzählt, dass du sie gewarnt hast, mich zu meinem letzten Sprung zu beglückwünschen, wegen der langen Fanschlange, in die sich einreihen müsste.«

»War nur Spaß«, sagte Sven. »Im Ernst, das war ein toller Sprung.«

»Ja, fand ich auch, aber leider gelingen mir davon nicht so viele, wie ich es mir wünschen würde.«

»Bist du in einem Verein?«

»War ich mal, aber als es anfing, ernst zu werden und die mir gesagt haben, sie wollen mich fördern, habe ich einen Rückzieher gemacht. So ein Leben ist nichts für mich. Ich springe zu meinem Vergnügen, nicht, weil ich Wettbewerbe gewinnen will. Ich hätte, wenn ich es zu etwas hätte bringen wollen, alles andere dem Sport unterordnen müssen. Das wollte ich auf keinen Fall.«

»Und was machst du sonst so in deinem Leben?«

Niko strahlte über das ganze Gesicht. »Ich schreibe Reisebücher, das ist mein absoluter Traumjob. Ich bin gern unterwegs, jedenfalls eine Zeit lang, und ich erlebe gern Abenteuer. Über die schreibe ich dann. Also, ich mache schon auch Reiseführer, wenn es sich ergibt, aber Reisetagebücher sind mir lieber, weil ich da freier bin, und zum Glück gibt es Verlage, die daran auch interessiert sind.«

»Deshalb habe ich dich so lange nicht springen sehen hier«, sagte Alexandra. »Du warst wahrscheinlich unterwegs.«

»Ja«, bestätigte Niko. »Ich war in Uganda, war eine tolle Reise, aber ich freue mich dann auch immer, wenn ich nach München zurückkomme. Und du, Sven? Was machst du?«

»Ich restauriere alte Autos, vom VW-Käfer bis zu alten Luxusschlitten. Man glaubt es nicht, wie viele Liebhaber und Liebhaberinnern für alte Autos es gibt.«

»Kann ich gut nachvollziehen«, sagte Niko. Er warf einen Blick auf die Uhr. »Ich muss los«, sagte er. »Gib mir mal deine Nummer, Alex, dann melde ich mich bei dir.«

»Netter Kerl«, murmelte Sven, als Niko gegangen war, und ließ sich wieder zurücksinken.

»Ja«, bestätigte Alexandra. »Sehr nett sogar.«

Sven öffnete ein Auge und warf ihr einen prüfenden Blick zu, den sie nicht bemerkte, weil sie Niko nachsah.

Ob er sich wirklich bei ihr melden würde?

*

Leon Laurin fuhr erschrocken hoch, als die Tür des Schlafzimmers aufgerissen wurde und seine ältere Tochter Kaja rief: »Wisst ihr, wie spät es ist? Ihr habt verschlafen – und wir kommen alle zu spät in die Schule! Habt ihr den Wecker nicht gestellt?«

Die Tür knallte wieder zu, er hörte, wie Kaja ihre Geschwister zu wecken versuchte, wobei sie mehr Krach machte, als seiner Ansicht nach nötig gewesen wäre. Er rieb sich die Augen, und erst jetzt fiel ihm auf, dass Antonia noch immer neben ihm lag, ohne sich zu rühren. Er wandte sich ihr zu und legte ihr eine Hand auf die Schulter. »Antonia?«, fragte er.

Sie gab einen Laut von sich, der wie ein langer Seufzer klang – oder auch wie ein Stöhnen.

»Antonia!« Unwillkürlich griff er nach ihrer Stirn. »Meine Güte, du hast Fieber«, sagte er und sprang aus dem Bett.

Er riss die Schlafzimmertür in dem Augenblick auf, als ihre Jüngste, die elfjährige Kyra, gerade aus ihrem Zimmer kam. »Eure Mama ist krank, sie hat hohes Fieber«, sagte er. »Kyra, ihr müsst euch selbst Frühstück machen, tut mir leid. Beeilt euch, damit ihr wenigstens noch halbwegs pünktlich zur Schule kommt. Um eure Mama kümmere ich mich.«

»Aber …«, sagte Kyra und machte Anstalten, das elterliche Schlafzimmer zu betreten.

»Nicht, wenn sie einen Virus erwischt hat, steckt ihr euch nur an. Sag deinen Geschwistern Bescheid und halte mich jetzt nicht auf, bitte. Ich muss mich um sie kümmern, in der Praxis Bescheid sagen – und in der Klinik. Also los, hilf mir, indem du tust, was ich sage!«

Sein Tonfall war so bestimmt, dass Kyra nur noch nickte und zum Zimmer ihres großen Bruders Konstantin rannte, der Kajas Zwillingsbruder war. Er selbst nahm ein Fieberthermometer und fand seinen Verdacht bestätigt: Seine Frau hatte über 39, 5 Fieber. Er wusste aus der Klinik, dass derzeit eine Art Sommergrippe grassierte, und er vermutete, dass es sich darum handelte. Er schaffte es, Antonia so weit wach zu bekommen, dass sie ihm seine Fragen beantworten konnte: Ja, sie hatte Hals- und Kopfschmerzen, und sie war so müde, dass sie nur eins wollte, nämlich schlafen.

Er gab ihr eine Tablette gegen die Schmerzen, dann eilte er nach unten, um ihr einen Tee zu kochen. In der Küche fand er Kaja, die das bereits erledigt hatte. Sie wirkte nicht länger aufgeregt, sondern wieder so vernünftig wie meistens. »Die Grippe?«, fragte sie. »Dann muss Mama auf jeden Fall viel trinken.«

»Ja, es sieht nach Grippe aus, aber vielleicht ist es nur ein grippaler Infekt. Kümmere dich um deine Geschwister, Kaja, ich schreibe euch für die Schule eine Entschuldigung, wenn es nötig ist, aber ich hoffe, das hat Zeit bis morgen.«

»Geht es Mama sehr schlecht?« Er hörte die Angst in Kajas Stimme.

»Sie hat Fieber und Schmerzen, und sie ist sehr müde. Ich habe ihr schon etwas gegen die Schmerzen gegeben, ich mache ihr gleich Wadenwickel, und dann rufe ich Simon an, dass er ihr Hühnerbrühe kocht.«

»Das Super-Hausmittel«, stellte Kaja fest. »Bleibst du zu Hause?«