Familie. Bildung. Vielfalt. -  - E-Book

Familie. Bildung. Vielfalt. E-Book

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Beschreibung

Die Zahl der Geburten hat sich in Deutschland in den letzten 40 Jahren halbiert. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist im gleichen Zeitraum um gut zehn Jahre gestiegen. Die Einwohnerzahl nimmt spürbar ab, und der Anteil der Älteren wird ständig größer. Gleichzeitig wächst die ethnische und kulturelle Vielfalt der Bevölkerung; Familienstrukturen und Lebensläufe ändern sich. Der demographische Wandel verändert zunehmend das Gesicht unseres Landes, der Städte und Regionen. Wie wirkt sich diese Entwicklung auf die verschiedenen Lebensbereiche aus? Welche Gefahren gehen von ihr aus welche Chancen bietet sie? Wie lässt sich der demographische Wandel gestalten? Die Suche nach Antworten auf diese Fragen steht in Deutschland erst am Anfang. Es gilt, das Bewusstsein zu stärken, dass der demographische Wandel kein unausweichliches Schicksal ist, sondern eine Aufgabe, die von Politik und Bürgern erkannt und beherzt angegangen werden muss. Dieses Buch fasst in Fachbeiträgen die Analysen und Lösungsansätze renommierter Wissenschaftler in den Schwerpunkten Familie, Bildung und gesellschaftliche Vielfalt zusammen. Es zeigt, welche Strategien hinsichtlich des demographischen Wandels notwendig sind, damit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft den Weg von der theoretischen Diskussion zum konkreten Handeln schnell und erfolgreich gehen können.

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Seitenzahl: 275

Veröffentlichungsjahr: 2010

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2010 E-Book-Ausgabe (EPUB)© 2009 Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh
Verantwortlich: Andreas Esche, Dr. Jan Arpe, Dr. Ina DöttingerLektorat: Dr. Arno Kappler, SoestHerstellung: Christiane RaffelUmschlaggestaltung: Marion TonkSatz und Druck: Hans Kock Buch- und Offsetdruck GmbH, Bielefeld
ISBN : 978-3-86793-125-0
www.bertelsmann-stiftung.de/verlag
Vorwort des Bundespräsidenten
Horst Köhler
Der demographische Wandel ist in Deutschland schon heute spürbar. Die Bevölkerungszahl nimmt ab, der Anteil der Älteren wächst, und es wächst auch die Gruppe derjenigen, die eine Zuwanderungsgeschichte haben. Zugespitzt formuliert: Wir werden weniger, wir werden älter, und unsere Gesellschaft wird bunter. Diese Entwicklungen verändern unser Land: die Arbeitswelt, den Bildungsbereich, das Gesicht unserer Städte und Gemeinden. Das stellt nicht nur die Sozialsysteme, die Funktionsweise unserer Infrastruktur und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft vor große Herausforderungen, sondern auch das Verhältnis zwischen den Generationen und zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, kurz: den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Der demographische Wandel ist gewiss nicht die alleinige Ursache der Herausforderungen, vor denen wir heute stehen, aber er verstärkt viele davon. Muss uns das schrecken? Nein. Denn der Wandel bietet Chancen: gewonnene Lebensjahre zum Beispiel, neue Möglichkeiten für das Miteinander der Generationen, neue Gelegenheiten, voneinander zu lernen und die Gemeinsamkeit von Alt und Jung, von Einheimischen und Zugewanderten zu stärken. Wenn wir diese Chancen nutzen wollen, müssen wir uns frühzeitig auf den Wandel einstellen und ihn als Prozess annehmen, den es zu verstehen gilt und der sich zum Guten gestalten lässt.
Deshalb habe ich im Jahr 2005 in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung das Forum Demographischer Wandel gegründet. Wir wollten auf wichtige Fragen aufmerksam machen, Antworten finden und helfen zu zeigen, dass es bereits viele gute Ansätze für den Umgang mit dem demographischen Wandel gibt, die Anregung und Vorbild sein können. Und schließlich wollten wir auch die Chancen benennen, die der Wandel für viele Menschen und für die Gesellschaft insgesamt bereithält.
Einiges ist in Bewegung gekommen in den vergangenen Jahren, so manche Weiche ist gestellt worden: Altersgrenzen wurden angehoben, Elterngeld und berufliche Freiräume für die Pflege von Angehörigen geschaffen, neue Initiativen für die Integration von Zuwanderern ergriffen. Vieles steht aber auch noch aus: Ich denke etwa an die Frage, wie wir es schaffen, durch bestmögliche Bildung ein Leben lang die Kompetenzen zu erwerben, die wir benötigen, um auch ein Leben lang selbstbestimmt und aktiv gestaltend an der Gesellschaft teilnehmen zu können. Das verlangt nach einer Gesellschaft, die allen die größtmögliche Teilhabe an Bildung, an der Arbeitswelt und am täglichen Miteinander ermöglicht, unabhängig von ihrer sozialen und ethnischen Herkunft.
Das Forum Demographischer Wandel hat sich mit diesen Fragen beschäftigt und im Lauf von vier Jahren eine ganze Reihe von Antworten erarbeitet - ein Teil davon findet sich in dieser Dokumentation. Viele Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik und viele Menschen, die in örtlichen Projekten und Initiativen wertvolle Arbeit leisten, haben uns an ihren Erfahrungen und ihrem Wissen teilhaben lassen. Sie haben geholfen, die wesentlichen Folgen und Herausforderungen des demographischen Wandels und Erfolg versprechende Optionen für den Umgang damit herauszuarbeiten. Sie haben gute Beispiele für wirkungsvolles Handeln gegeben. Das Forum wurde so zur Plattform für den Gedankenaustausch und zum Marktplatz der Ideen. Solche Bündelung von Kenntnissen und Kräften ist wichtig, denn die Fragen, die der demographische Wandel aufwirft, können wir nur gemeinsam beantworten.
Ich bin überzeugt: Wir können auch in Zukunft noch viel voneinander lernen. Es wäre viel gewonnen, wenn die vorhandenen guten Ideen nachhaltig und möglichst überall umgesetzt würden. Ich habe auf den Veranstaltungen des Forums eine große Bereitschaft zur Mitarbeit und zur Unterstützung guter Initiativen erlebt. Das gibt mir die Zuversicht, dass wir die Herausforderungen des demographischen Wandels meistern werden.
Ich danke allen Gästen und Mitwirkenden für die Impulse, die das Forum Demographischer Wandel entwickelt und ins Land getragen hat. Ich bitte Sie: Helfen Sie auch künftig mit, die Chancen des demographischen Wandels klug zu nutzen und seinen Problemen nicht auszuweichen. Dann werden wir uns auch im Wandel treu bleiben.
Inhaltsverzeichnis
Titel
Impressum
Vorwort
Vorwort der Bertelsmann Stiftung
I Der demographische Wandel und seine Folgen
Eine Schicksalsfrage, aber kein Schicksal
Das demographische Tabu
Beitragszahler-Blues
Der Blick in den Spiegel
Die Schwächen der Demographiedebatte
Die Herausforderungen
Kraft zur Selbsterneuerung?
II Familien stärken - Zukunft gewinnen
Familien stärken - Zukunft gewinnen: Die Jahreskonferenz 2006
Die Zukunft der »Generation’90«
Literatur
Zeit, Infrastruktur und Geld: Der demographische Wandel und die neue Familienpolitik
Geburtenentwicklung und Alterung: Zwei demographische Prozesse
Der zweite demographische Übergang: Familienpolitik als Gleichstellungspolitik
Zeit im Lebensverlauf
Demographischer Wandel durch Mobilität und Infrastruktur
Nachhaltige Familienpolitik
Literatur
»Generation’90«: Herausforderungen an eine Jugend
Lebenslagen der »Generation’90«
Ansprache und Motivation der »Generation’90«
Eine Gesamtwürdigung der »Generation’90«: Auf dem Weg zu einem Generationenkonflikt?
III Bildung voll Leben - Leben voll Bildung
Bildung voll Leben - Leben voll Bildung: Die Jahreskonferenz 2007
Bildung für alle als lebenslange Pflicht
Aus Bildungsferne muss Bildungsnähe werden
Literatur
Weniger Kinder - Bildungspotenziale besser nutzen
Auswirkungen des demographischen Wandels auf das Kindes- und Jugendalter
Bildung als Schlüssel zum Kompetenzerwerb im Kindes- und Jugendalter
Herausforderungen und Potenziale zentraler Bildungsorte
Perspektiven
Literatur
Leben heißt Lernen
Einleitung
Individuelles Lernpotenzial im Erwachsenenalter
Die lernende Persönlichkeit
Ein Leben lang lernen
Wenn Leben Lernen heißt...
Literatur
IV Vielfalt leben - Gemeinsamkeit gestalten
Vielfalt leben - Gemeinsamkeit gestalten: Die Jahreskonferenz 2008
Demographischer Wandel und gesellschaftliche Unterschiede
Unterschiede in der gesellschaftlichen Teilhabe
Integration und Beteiligung als gesellschaftliches Ziel
Literatur
Chancen der Vielfalt - Kosten der Heterogenität
Einleitung
Kosten und Nutzen der Heterogenität: Theoretische Zusammenhänge
Kosten und Nutzen der Heterogenität: Empirische Evidenz
Neue Ansätze in der Integrationspolitik
Vielfältiger Integrationsbedarf in vielfältigeren Gesellschaften
Folgerungen
Literatur
Migration und gesellschaftliche Integration
Einleitung: Zuwanderungsland Deutschland
Migration und die Veränderung der Gesellschaft
Bedingungen erfolgreicher Integration
Heterogenität der Zuwanderungsgeschichten
Die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen
Die Integration der türkischen Migranten
Was Politik für eine erfolgreiche Integration tun kann
Literatur
V Der Umgang mit dem demographischen Wandel - Eine zukünftige politische und ...
Motivationen und Einstellungen als Schlüsselfaktoren für die strategische ...
Einleitung
Reaktiver vs. proaktiver Umgang mit dem demographischen Wandel
Grundlagen für ein Demographie-robustes Zukunftsbild
Der Wandel im demographischen Wandel
Literatur
Die Autorinnen und Autoren
Vorwort der Bertelsmann Stiftung
Gunter Thielen
In den vergangenen Jahren sind der demographische Wandel und seine Folgen häufig mit einseitigen Horrormeldungen durch die Presse gegangen. »Aufstand der Alten«,«kinderlose Gesellschaft« und »Überfremdung« bis hin zur resignierenden Feststellung: »Deutschland stirbt aus« - so lauteten die Schlagzeilen. Diese Schockstrategie sollte die Menschen dazu bewegen, sich über die Auswirkungen der an sich positiven Entwicklungen wie eine gestiegene Lebenserwartung Gedanken zu machen. Aber solche Schreckensszenarien sind dafür kaum geeignet.
Wir leben in Zeiten großer Unsicherheit. Die mediale Öffentlichkeit wird vor allem von Herausforderungen wie der Wirtschaftskrise, dem Klimawandel und der Globalisierung beherrscht. Doch es wäre falsch, den demographischen Wandel zu vernachlässigen. Denn sehr bald werden seine Folgen unser Leben ähnlich radikal verändern wie der Klimawandel oder die Globalisierung. Schon heute sind die Auswirkungen des demographischen Wandels in manchen Gegenden Deutschlands unübersehbar: Aus ländlichen Regionen wandern viele hoch Qualifizierte ab, eine zum Teil überdimensionierte Infrastruktur kann mancherorts kaum erhalten werden. Junge Menschen und Familien sehen ihre Zukunftsperspektiven zunehmend in den Städten. Dort steigt die Zahl der Kinder mit Migrationshintergrund in den Schulen in den nächsten Jahren ebenso wie die Zahl der Menschen, die 80 Jahre und älter werden.
Die Bertelsmann Stiftung hat sich deshalb seit 2003 mit ihrer »Aktion Demographischer Wandel« auf vielfältige Weise darum bemüht, Wege aufzuzeigen, wie unsere Gesellschaft erfolgreich die Herausforderungen meistern kann. So stellt der »Wegweiser Kommune« für alle deutschen Kommunen mit mehr als 5.000 Einwohnern Hochrechnungen bereit, wie sich ihre Einwohnerzahl und -struktur in den kommenden Jahren verändern wird. Gemäß unserem Motto »Menschen bewegen, Zukunft gestalten« wollen wir die Bürger dazu befähigen, sich kompetent mit den Folgen des demographischen Wandels in ihrem lokalen Umfeld auseinanderzusetzen. Denn wenn es uns gemeinsam gelingt, Lösungen für die Probleme zu finden, können wir den Blick auf die Chancen für unsere Gesellschaft richten, die der demographische Wandel ebenfalls birgt.
Im Jahr 2005 rief Bundespräsident Horst Köhler gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung das »Forum Demographischer Wandel« ins Leben. Dieses Forum steht für einen Zugang zum Thema, der mehr auf die Potenziale denn auf die Schwächen setzt. Auf drei Konferenzen zu den Themen »Familie«, »Bildung« und »gesellschaftliche Vielfalt« hat es in Zusammenarbeit mit zahlreichen Experten und Entscheidungsträgern die vielfältigen Auswirkungen des demographischen Wandels beleuchtet und debattiert. Dabei standen neben den Folgen für die gesamte Gesellschaft stets der Gestaltungsspielraum und die Chancen im Fokus des Interesses des Forums. Dieser Ansatz hebt das Forum Demographischer Wandel aus einer Vielzahl anderer Initiativen zu diesem Thema heraus.
Es freut mich ganz besonders, dass der Bundespräsident die Bertelsmann Stiftung als Partner für das Forum ausgewählt hat, und hoffe, dass es uns gelungen ist, Optionen für nötige Veränderungen und Wege zur Implementierung der Lösungen aufzuzeigen, damit Deutschland seinen Wohlstand in einer sich rasch wandelnden Welt erhalten kann. Die Ergebnisse der Jahreskonferenzen finden Sie im vorliegenden Band sowie auf der Website des Forums www.forum-demographie.de.
Ich danke allen Autorinnen und Autoren herzlich und hoffe, dass wir mit dieser Publikation der Debatte über den demographischen Wandel Impulse verleihen, damit sich mehr Menschen einbringen können - für eine zukunftsfähige Gesellschaft.
I Der demographische Wandel und seine Folgen
Eine Schicksalsfrage, aber kein Schicksal
Christian Schwägerl

Das demographische Tabu

Jeder war dabei, jeder hat sie erlebt, auf der Straße, am Arbeitsplatz, in der Schule und in der Familie: Die fast vier Jahrzehnte, in denen in Deutschland die Kinder immer weniger, die Älteren immer älter und die Ortschaften von Menschen aus aller Welt bevölkert wurden, haben tiefe Spuren in der Gesellschaft hinterlassen. Diese demographischen Veränderungen werden das Zusammenleben auf lange Zeit bestimmen und prägend für die Zukunft Deutschlands sein. Doch fast keiner hat sie bemerkt. Zumindest bis vor einigen Jahren.
Es war wie bei einem Menschen, den man täglich sieht. Veränderungen, die sich wie in Zeitlupe vollziehen, sind schwer zu bemerken. Doch zusätzlich haben die Deutschen es vermieden, sich überhaupt ins Gesicht zu schauen. Sie debattierten über Gott und die Welt, über die Kernenergie, das Waldsterben, die Stasi und das Internet, aber nicht darüber, wie sie sich als Gruppe von Menschen zwischen Ostsee und Alpen verändern, nach Alter, Zahl und Herkunft. Und was das für ihre Zukunft bedeutet.
Was da passiert, hätten ihnen Bevölkerungswissenschaftler sagen können. Die erforderlichen Daten ruhten in den Rechnern, waren mit wenigen Handgriffen abrufbar. Doch fast niemand hat sie nachgefragt. Als die Westdeutschen 1987 bei einer Volkszählung statistisch durchleuchtet wurden, war der Widerstand gegen die staatliche Datensammlung so groß wie anschließend das Desinteresse an den Ergebnissen. Selbst die Wiedervereinigung wurde nicht als Chance einer demographischen Selbstbetrachtung genutzt.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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