Familie mit Herz 168 - Marlie Reitz - E-Book

Familie mit Herz 168 E-Book

Marlie Reitz

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Beschreibung

Die Ehe von Noah Schwarz und seiner Frau Johanna ist schon seit Langem nicht mehr intakt. Immer wieder haben sie schon das Gespräch gesucht, um letztlich festzustellen, dass sie sich gegenseitig nicht mehr glücklich machen, sich aber auch nicht trennen wollen. Immerhin haben sie eine gemeinsame fünfzehnjährige Tochter.
Als Noah im hauseigenen Tonstudio mit dem Singer-Songwriter Samuel Hart dessen neues Album aufnimmt, ändert sich die eingefahrene Situation. Johanna fühlt sich zu dem gut aussehenden jüngeren Mann hingezogen. Sie genießt das Flirten, seinen Humor und die Leichtigkeit, die er verkörpert. Johanna sehnt sich so sehr nach dem Gefühl des Verliebtseins, nach Zärtlichkeit und Nähe. Mit siebenunddreißig kann das doch nicht alles gewesen sein! Sie will mehr, und sie weiß, dass es ihrem Mann ebenso ergeht, er es nur nicht aussprechen kann. Und so schlägt sie ihm vor, eine offene Ehe zu führen ...

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Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Cover

Der andere Mann

Vorschau

Impressum

Der andere Mann

Roman um eine besondere Familienkonstellation

Von Marlie Reitz

Die Ehe von Noah Schwarz und seiner Frau Johanna ist schon seit Langem nicht mehr intakt. Immer wieder haben sie schon das Gespräch gesucht, um letztlich festzustellen, dass sie sich gegenseitig nicht mehr glücklich machen, sich aber auch nicht trennen wollen. Immerhin haben sie eine gemeinsame fünfzehnjährige Tochter.

Als Noah im hauseigenen Tonstudio mit dem Singer-Songwriter Samuel Hart dessen neues Album aufnimmt, ändert sich die eingefahrene Situation. Johanna fühlt sich zu dem gut aussehenden jüngeren Mann hingezogen. Sie genießt das Flirten, seinen Humor und die Leichtigkeit, die er verkörpert. Johanna sehnt sich so sehr nach dem Gefühl des Verliebtseins, nach Zärtlichkeit und Nähe. Mit siebenunddreißig kann das doch nicht alles gewesen sein! Sie will mehr, und sie weiß, dass es ihrem Mann ebenso ergeht, er es nur nicht aussprechen kann. Und so schlägt sie ihm vor, eine offene Ehe zu führen ...

Leise Gitarrenklänge drangen in Noahs Gehör. Die Töne trugen eine Melancholie mit sich, die bereits eine erste Ahnung vorausschickten, wie das neue Album des Sängers werden würde.

Samuel Hart legte Wert darauf, dass die Songs so authentisch wie möglich klangen. Der Wechsel der Akkorde sollte auf der Platte zu hören sein ebenso wie der perfekt getimte Einsatz der Instrumente. Doch heute kam es noch nicht darauf an, perfekt zu sein. Heute spielte sich der neunundzwanzigjährige Musiker ein, um ein Gefühl für seine neue Platte zu bekommen.

Noah hörte zu. Er saß auf der anderen Seite der Scheibe und behielt die Tonspuren auf dem großen Monitor vor sich im Blick. Auch er musste ein Gefühl für die Musik bekommen, denn das Projekt würde ihn länger in Anspruch nehmen. Sam hatte ihn und sein Tonstudio für zwei Monate gebucht. Während dieser Zeit würde es kaum um etwas anderes gehen als um Samuel Hart und seine neuen Songs.

Vor neun Jahren hatte Noah Schwarz das Tonstudio eröffnet. Es hatte damit angefangen, dass er als Profidrummer sein eigenes Studio im Keller des Wohnhauses eingerichtet hatte. Da ihm als Vater einer damals sechsjährigen Tochter die Touren und Auftritte zu anstrengend und kompliziert geworden waren, hatte er beschlossen, seinen Fokus auf die Aufnahme zu legen. Also hatte er das Studio erweitert und nebenbei eine Ausbildung zum Tontechniker absolviert.

Anfangs hatte er Bands und Musiker aller Musikrichtungen aufgenommen. Hip-Hop hatte genauso zu seinem Alltag gehört wie Hardcore und deutscher Schlager. Selbst Hörbuchsprecher waren in seinem Studio gewesen, obwohl er sich darauf nicht spezialisiert hatte. Damals war es hauptsächlich darum gegangen, sich finanziell abzusichern und die Rechnungen bezahlen zu können. Mittlerweile lief sein Studio so gut, dass er sich seine Kunden aussuchen konnte.

Als Erstes hatte er die Rapper abgelehnt, danach immer mehr Musiker, die qualitativ so schlecht waren, dass er selbst mit seinem Equipment nichts Besseres hätte rausholen können. Zudem hatte Noah die Preise für seine Dienstleistung so angehoben, dass damit automatisch die Hörbuchsprecher ausblieben. Nun genoss er den Luxus, nur noch das aufzunehmen und abzumischen, worauf er wirklich Lust hatte. Das war Noahs Verständnis von Freiheit.

»Ich glaube, ich brauche eine Pause.« Noah sah, wie Samuel vom Hocker aufstand und seine Gitarre gegen die Wand lehnte, vorsichtig darauf bedacht, dass sie nicht umfiel. Dann kam er durch die schallisolierte Tür zu Noah hinaus. »Und?«, fragte er.

Noah nickte. »Der Sound gefällt mir gut. Der hat was Echtes. Wenn du willst, veredle ich die Tonspuren, damit du dir die ersten Aufnahmen der Gitarre schon mal anhören kannst.«

Der Monitor zeigte mehrere Aufnahmen, die allesamt blau untermalt waren. Noahs Aufgabe war es, die Audiowellenspuren so übereinanderzulegen, dass sie eine Einheit ergaben. Für die Akustikgitarre gab es zwei Mikros, also zwei Spuren. Allein an dem Schlagzeug waren fünfzehn Mikrofone befestigt, die fünfzehn Spuren bildeten. Hinzu kamen Stereospuren für das Keyboard und Gesangsaufnahmen, die je nach Song auf bis zu zwanzig oder dreißig Gesangsspuren kommen konnten. Würde ein Laie die Arbeit übernehmen, die Noah ausführte, käme am Ende ein völliges Chaos heraus, welches kaum noch an den ursprünglichen Song erinnerte.

Samuel war einverstanden. »Klingt gut. Dann bekommen wir einen ersten Eindruck von der Aufnahme.«

Noah mochte Samuel. Er verkörperte den typischen künstlerischen Freigeist, den man auch aus seinen Songs heraushören konnte. Seine Stimme hatte etwas Eigenes, und seine Texte wirkten poetisch, nahmen aber genau die Probleme in den Blick, mit denen sich viele Menschen konfrontiert sahen. Der Wunsch nach Ausbruch. Das Unwohlsein in einer Beziehung. Sam hatte die Gabe, Themen einzufangen und sie in Liedtexten auszudrücken. Dabei spielte die Akustikgitarre eine große Rolle, da sie das Ruhige der Songs untermalte, das kein anderes Instrument so hätte transportieren können. Gleichzeitig arbeitete Sam mit Soundeffekten, die einen Kontrast zu seiner Stimme und der Gitarre bildeten und seiner Musik somit eine eigene Note verliehen.

Samuel war wie seine Musik. Ruhig, gelassen, irgendwie schön, auch wenn Noah das nie zugegeben hätte. Doch insgeheim bewunderte er dessen lockere Körperhaltung, die seinen ganzen Lebensstil so direkt widerspiegelte. Sam war frei. Für die Aufnahmen in Noahs Tonstudio war er vorübergehend in dessen ausgebaute Gartenhütte gezogen. Danach würde er in seine eigene Wohnung zurückkehren. Oder auf Tour quer durch Deutschland reisen. So genau wusste er das noch nicht. Sam ließ sich treiben. Und genau das konnte Noah nicht mehr.

»Also gut, dann schauen wir mal, wie sich das Ganze anhört«, sagte Noah mehr zu sich selbst, während er seine Finger geschickt über die verschiedenen Knöpfe seines Mischpults fliegen ließ und die Audiospuren fokussierte.

Nach zehn Minuten hatten sie ein erstes Ergebnis.

♥♥♥

Johanna, die von allen nur Jo genannt wurde, liebte den Anblick ihres gemeinsamen Hauses mitten im Grünen. Hier, wo alles flach war und lediglich das Gras den Blick begrenzte, wenn es zu hoch gewachsen war, hatte die Architektin das Gefühl, atmen zu können.

Mit zwei Einkaufskörben in ihren Händen, ging sie auf die blaulackierte Haustür zu. Von hier aus hörte sie nichts als das Rauschen des Windes im hohen Gras, doch wenn sie die Tür aufstieß, wusste sie, dass sie eine neue Episode familiären Wahnsinns betreten würde.

Johanna stellte die Einkaufskörbe ab, um ihren Schlüssel aus ihrer Handtasche zu ziehen. Sie steckte das kleine Metallstück ins Schloss und drehte einmal kräftig um. Sie wartete ab. Keine Stimmen. Keine laute Musik aus dem Kinderzimmer, was mittlerweile kein Kind mehr, sondern eine Jugendliche beherbergte. Sogleich machte sich Jo Sorgen.

»Hallo?«, rief sie in das stille Haus hinein.

Doch sie erhielt keine Antwort.

Also trat sie in den lichtdurchfluteten Flur, wo sich das Blau der Haustür überall zwischen dem Weiß wiederfand. Jo nahm ihre Körbe und schloss die Tür. Sie befreite sich von ihren braunen Ledersandalen und ging schließlich weiter in die gelbe Küche. Als sie und Noah das Haus vor fünfzehn Jahren gekauft hatten, war es ihre Devise gewesen, das Innere so lebendig wie möglich zu gestalten, was sich nun in der durchmischten Farbwahl der Zimmer zeigte. Ihr Heim war auf diese Weise zu einer Art modernem Landhaus geworden. In den Wintern wollte man sich darin einkuscheln, in den Sommern darin Limonade zubereiten und Biskuitboden mit Erdbeeren belegen, um beides anschließend im Garten zu verputzen. Es war ein Traumhaus in einer traumhaften Gegend der Stille und Natur.

Als Johanna sich der Küche näherte, hörte sie schließlich Stimmen, die sich entspannt unterhielten. Sie warf einen Blick durch die offene Terrassentür und erkannte ihren Mann zusammen mit einem Fremden, den sie zuvor noch nie gesehen hatte, von dem sie aber annahm, dass es der neue Mieter war, der in den nächsten zwei Monaten sein Album bei Noah aufnehmen wollte.

»Hi, Mom!« Melina hatte sich ihrer Mutter so leise genähert, dass diese erschrocken zusammenfuhr.

»Gott, Melina!«, entfuhr es Jo, während sie sich die Hand an die Brust presste. »Wo hast du gelernt, dich so anzuschleichen?«, fragte sie, während sie sich ihrer Tochter zuwandte.

»Pfadfinderinnen.«

Jo hob skeptisch eine Augenbraue. »Du warst nie bei den Pfadfindern«, erwiderte sie.

»Internet«, antwortete Melina trocken.

Die Mutter verdrehte die Augen. Seit geraumer Zeit antwortete Melina nur noch einsilbig. Außerdem bereitete es ihr Sorgen, dass ihre normalerweise brünette Tochter nun ihre Haare schwarz gefärbt hatte.

»Was gibt's zu essen?«, wollte die Teenagerin wissen.

»Hallo, Mama. Schön, dass du zu Hause bist. Kann ich dir helfen?«, imitierte Johanna nun die Stimme eines aufmerksamen Teenagers.

»Hallo, Mama. Schön, dass du zu Hause bist. Was gibt's zu essen?«, wiederholte Melina in demselben ironischen Ton.

»Ich bin gerade erst heimgekommen. Lass mich kurz verschnaufen.«

Jos Leben hatte sich mit Melinas Geburt verändert. Ihr war es immer so vorgekommen, dass sie mehr und mehr hinter ihrer eigenen Familie verschwunden war. Obwohl Jo mit den langen schwarzen Haaren, ihrem lässigen Stil und der schlanken Figur nicht nur attraktiv, sondern schön war, glaubte sie, unsichtbar geworden zu sein.

Anfangs hatte sich alles um ihre Ehe mit Noah gedreht. Immerzu hatte erst seine Musik, dann seine Selbstständigkeit im Vordergrund gestanden, wofür sie sich selbst hatte zurücknehmen müssen.

Dann hatte sich alles um Melina gedreht. Als sie noch ein Baby gewesen war, hatte die frischgebackene Mutter alles nach dem kleinen Mädchen ausrichten müssen, von den Mahlzeiten bis hin zu ihrem Schlafrhythmus. Sie selbst war dabei müder und müder geworden. Eine erste Erleichterung hatte die Kindertagesstätte gebracht, in die Melina mit zwei Jahren eingewöhnt worden war.

Doch Johanna hatte lernen müssen, dass mit dem Alter der Kinder auch die Sorgen der Eltern wuchsen. Denn mit der Einschulung begannen die Ängste wegen des Leistungsdrucks. Seit Wochen nun befand sich Melina in einer Phase, die Jo noch nicht einstufen konnte. Die Haare waren nun genauso schwarz wie die Kleidung der Tochter. Sie hoffte, dass das einfach nur eine Phase der Pubertät war.

Doch obwohl Noah als auch Melina sich immer weiter von ihrer gemeinsamen Familie emanzipierten und ihre eigenen Leben führten, kam es der Mutter so vor, dass sie sie trotzdem immer noch wie ihre Haushälterin betrachteten, die das Essen auf den Tisch zu stellen und ab und an das Haus zu putzen hatte, wenn es nötig war. Sie hatte das Gefühl, dass sich keiner mehr für ihr Leben interessierte. Denn sie war weit mehr als Mutter. Sie war Architektin. Sie baute Häuser. Sie hatte Träume und Wünsche und Leidenschaften. Und seit einiger Zeit hatte sie Sehnsüchte, die sie zu unterdrücken versuchte.

»Ist das da draußen der neue Mieter?«, fragte Johanna und trat an ihre Tochter heran.

Diese hielt den Blick auf ihr Smartphone gesenkt und zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung.«

»Hast du ihn schon kennengelernt?«, wollte Jo wissen.

»Ich interessier mich nicht für so ein softes Zeug.«

Johanna zwang sich, ihre Augen diesmal nicht zu verdrehen, sondern begann stattdessen, die Körbe auszuräumen und die Milchprodukte in den Kühlschrank zu stellen.

»Hilf mir bitte mal, ja«, bat sie ihre Tochter.

Doch die war mittlerweile genauso leise aus dem Raum geschlichen, wie sie gekommen war.

Nachdem Johanna alles verstaut hatte, wollte sie die Männer begrüßen, die draußen auf den Stufen zum Garten saßen. Sie trat hinaus und ging auf die beiden zu. Die Stimme des fremden Mannes mit den helleren Haaren klang sanft und erinnerte sie an den Wind in den Gräsern.

»Hi«, sagte sie und stellte sich darauf ein, dass sie die Geschäftspartner bei ihrem Gespräch stören würde.

»Hi«, sagten Noah und der Musiker gleichzeitig, der sich neugierig zu ihr umdrehte.

Jo musste ein wenig grinsen, als sie sah, dass er genauso aussah wie auf den Bildern, die sie im Netz oder auf seinen Albumcovern gesehen hatte. Seine Augen waren kornblumenblau, und seine Haare von der Sonne ausgebleicht.

Sie ging auf den Mann, den sie als den bekannten Sänger Sam Hart erkannte, zu und gab ihm die Hand.

»Ich bin Johanna, schön, dass du bei uns bist. Hattest du eine gute Fahrt?«, fragte sie und versuchte zu ignorieren, wie er sie mit seinem schiefen Lächeln beobachtete, als wollte er jede Gesichtsregung in ihr einfangen.

»Ja, danke. Ich bin schon heute Morgen angekommen. Ich bin Samuel.«

Er hielt ihre Hand länger fest, als es notwendig gewesen wäre, was ihr ein kurzes Kribbeln im Magen verursachte.

Noah war auf der Stufe sitzen geblieben und nahm einen Schluck aus seiner Wasserflasche. Also beugte sich Jo, nachdem sie Samuel losgelassen hatte, zu ihrem Mann herunter und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Er erwiderte ihn mit einem schwachen Lächeln.

»Also«, fragte sie die beiden Männer und fühlte sich in Samuels Anwesenheit ein wenig befangen, »hat jemand Hunger? Ich wollte heute vegetarische Burger machen.«

Sie konnte nicht aus ihrer Rolle ausbrechen. Egal, wie sehr ein Mann ihr Herzflimmern verursachte – sie war Ehefrau und Mutter. Ob sie irgendwann noch mal einfach nur Frau sein durfte?

♥♥♥

Abby war auf der Suche. Schon wieder. Langsam ging ihr die ewige Sucherei auf die Nerven, auch wenn sie jedes Mal von Erfolg gekrönt war. Trotzdem wollte sie nun einfach mal eine Zeit erleben, in der sie nicht suchen musste.

Abby Hofmann arbeitete nun seit einem halben Jahr als Hörbuchsprecherin. Es war ihr Traumberuf. Seit sie denken konnte, hatte sie Bücher geliebt, vor allem Liebesromane, die ihre Leserinnen mit einem Happy End verwöhnten. Als gelernte medizinische Fachangestellte war es jedoch nicht einfach gewesen, den Weg in die Branche zu finden. Der Buchmarkt florierte, nicht nur mit Ware und Kunden, sondern auch mit fähigen Autoren, Lektoren und eben auch Hörbuchsprechern. Und trotzdem hatte die quirlige Vierunddreißigjährige mit dem herzförmigen Gesicht und der weiblichen Figur nicht aufgehört, sich ihren Weg zu ihrem Ziel zu bahnen.

Sie hatte Buchmessen besucht, Verlage angesprochen, Hörproben versendet, bis sie eines Tages Antwort von einer Frau bekommen hatte, die ihr mitgeteilt hatte, dass sie es gerne einmal mit ihr versuchen wollte, da sie ihre Stimme interessant gefunden hatte. Das erste Projekt war ein voller Erfolg geworden, sodass Abby schnell ihren Beruf als medizinische Fachangestellte hatte aufgeben können, um das Einsprechen von Hörbüchern zu ihrem Beruf zu machen. Ein Seminar hatte sie ebenfalls besucht. Da sie sich eine Wohnung mit ihren beiden Schwestern teilte, war sie finanziell kein Risiko eingegangen. Wichtig war nur, dass sie fleißig blieb.

Nun hatte sie ein neues Projekt. Das war bereits ihr zehntes. Doch im Gegensatz zu ihren Kollegen hatte sie noch kein eigenes Studio in ihrem Keller, in welchem sie die Neuerscheinung der Autorin Karly Simons hätte einlesen können. Also suchte sie. Die Kosten würde der Verlag übernehmen. Doch das Studio musste sie selbst finden.

Ihr letztes Buch hatte sie in einem Studio eingesprochen, dessen Anbieter ihr immerzu das Gefühl vermittelt hatte, dass er keine Lust auf sie oder seinen Job hatte. Sie war froh gewesen, als sie die letzte Seite ausgelesen hatte, um dem Mann nicht wieder unter die Augen treten zu müssen. Also war es nur verständlich, dass sie das Studio nicht wieder aufsuchen wollte.

Seufzend scrollte sie sich durch die Ergebnisse der Internetsuche. Das einzige Licht in ihrem Zimmer stammte von dem Laptop, mit dem sie auf ihrem Bett saß, die Beine im Schneidersitz miteinander verknotet.

Bei einem Ergebnis blieb ihr Finger stehen. Mit großen blauen Augen las Abby die Zeile und klickte darauf. Eine Seite öffnete sich, auf dem im Hintergrund ein Tonstudio zu sehen war, das sich bereits optisch von dem abhob, welches sie zuletzt betreten hatte. Die Wände waren mit hellem Holz verkleidet, auf dem Boden lagen Teppiche in hellen Farben. Alles darin verkörperte etwas Einladendes, Freundliches.

Abby ging auf das Menü der Homepage und klickte das Service-Feld an. Als sie fand, was sie sich erhofft hatte, klatschte sie aufgeregt in ihre Hände. Das Studio bot auch die Aufnahme von Hörbüchern an. Genau das brauchte sie. Außerdem befand es sich nur zehn Kilometer von ihrem Wohnort entfernt. Es wäre also perfekt für ihre Arbeit.