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Hingerissen lauscht Yara Engel der samtig-rauchigen Stimme des Autors Tobias Menn bei einer Lesung, die für Yara so viel mehr ist, als ein "normales" Freizeitvergnügen. Es ist der erste Abend, den sie seit der Geburt ihres Söhnchens Toni vor eineinhalb Jahren wieder allein mit ihren Freundinnen verbringt. Anders als ihr Mann Jens, der sein früheres Leben mit Arbeit, Freunden und Hobbys einfach fortsetzt, fühlt Yara sich gefangen. Gefangen in einem kleinen Dorf ohne Kontakte zu anderen Müttern, gefangen in einem Alltag zwischen Windeln wechseln und Hausarbeit, gefangen in einer Ehe, in der sie und ihr Mann sich immer mehr voneinander entfernen, da Jens der Meinung ist, für ein Kind wäre eben die Mutter das Beste. Und dann liest Tobias Menn mit dieser einzigartig berührenden Stimme von einer verheirateten Frau, die sich, um dem realen Leben zu entfliehen, eine Fantasiewelt voller Sinnlichkeit und tiefer Erfüllung schafft. Yara ist wie magisch angezogen: Diesen Mann, der sich so in eine Frau hineinversetzen kann, muss sie einfach kennenlernen - mit allen Konsequenzen, die das mit sich bringt ...
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2023
Cover
Zwischen meinen Welten
Vorschau
Impressum
Zwischen meinen Welten
Eine unglückliche junge Mutter stürzt sich in eine Affäre
Von Marlie Reitz
Hingerissen lauscht Yara Engel der samtig-rauchigen Stimme des Autors Tobias Menn bei einer Lesung, die für Yara so viel mehr ist als ein »normales« Freizeitvergnügen. Es ist der erste Abend, den sie seit der Geburt ihres Söhnchens Toni vor eineinhalb Jahren wieder allein mit ihren Freundinnen verbringt. Anders als ihr Mann Jens, der sein früheres Leben mit Arbeit, Freunden und Hobbys einfach fortsetzt, fühlt Yara sich gefangen. Gefangen in einem kleinen Dorf ohne Kontakte zu anderen Müttern, gefangen in einem Alltag zwischen Windeln wechseln und Hausarbeit, gefangen in einer Ehe, in der sie und ihr Mann sich immer mehr voneinander entfernen, da Jens der Meinung ist, für ein Kind wäre eben die Mutter das Beste. Und dann liest Tobias Menn mit dieser einzigartig berührenden Stimme von einer verheirateten Frau, die sich, um dem realen Leben zu entfliehen, eine Fantasiewelt voller Sinnlichkeit und tiefer Erfüllung schafft. Yara ist wie magisch angezogen: Diesen Mann, der sich so in eine Frau hineinversetzen kann, muss sie einfach kennenlernen – mit allen Konsequenzen, die das mit sich bringt ...
»Und hier sind die Kleinen Frösche untergebracht.« Die Frau mit den geröteten Apfelwangen pikste den kleinen Toni mit einem Zeigefinger in den Bauch, der das Ganze mit einem Blick kommentierte, der zeigte, dass er wenig von unaufgeforderten Berührungen hielt.
Yara Engel und ihr anderthalb-jähriger Sohn waren durch die gesamte Kita geführt worden. Gelegentlich hatte sie die Besichtigungstour durch vereinzelte Ahs und Ohs unterbrochen, wenn sie es für angebracht gehalten hatte. In wenigen Wochen würde Toni seinen ersten Tag im Kindergarten haben. Heute wurde der 34-jährigen Mutter das Konzept der Einrichtung vorgestellt. Außerdem hatte sie so die Möglichkeit, Fragen zu stellen und die Kita-Leitung über Besonderheiten des Kindes zu informieren. So konnten die Erzieher in Zukunft Rücksicht darauf nehmen, falls das Kind Allergien, Unverträglichkeiten oder Verhaltensauffälligkeiten aufweisen sollte.
»Aha«, versuchte es Yara nun mit einer Erweiterung ihres Wortschatzes, als sie vor dem Gruppenraum der Kinder unter zwei Jahren stehen geblieben waren.
»Da wird dann der Toni von der Sarah und der Tini betreut. Sarah, kommst du mal? Hier ist ein kleiner Mann, der dich gerne kennenlernen möchte«, rief die enthusiastische Leitung in den Raum. Die Luft war erfüllt vom Geschrei der Kinder und dem Geruch von Schweißfüßen, der sich mit den Dämpfen aus der Küche vermischte. Überall bewegten sich kleine Köpfe und Gliedmaßen, die über dem Boden robbten oder auf Spielzeug einschlugen. Eine wunderschöne blonde Elfe kam auf Toni zug und beugte sich zu dem Kind hinunter. Yara blieb nichts anderes übrig, als dem Geschehen unbeteiligt zuzusehen, zu lächeln, wenn die Situation es erforderte, und interessiert zu schauen, wenn es von ihr erwartet wurde.
Dass sie den Termin allein wahrnehmen musste, ärgerte sie noch immer. Es war nichts Neues, dass Jens sie mit etwas allein ließ, weil er sich nicht hatte freinehmen können. Als sie vor anderthalb Jahren ihren gemeinsamen Sohn bekommen hatten, hatten sie sich einvernehmlich darauf geeinigt, dass Yara in der ersten Zeit zu Hause bleiben würde, um Toni zu betreuen. Aufgrund der schwierigen Schwangerschaft, in der sie die meiste Zeit nur hatte liegen dürfen, hatte sie sich sogar darauf gefreut, sich zunächst nur auf ihr Kind konzentrieren zu können. Sie hatte gesehen, welchem Stress ihre Freundinnen damals ausgesetzt gewesen waren, als sie versucht hatten, Arbeit und Kinder miteinander in Einklang zu bringen.
Doch es hatte nicht lange gedauert, bis sie registriert hatte, dass sich ihr Mann Jens immer weiter von der Erziehungsaufgabe zurückzog und einfach sein Leben wie gewohnt weiterführte, während sie selbst sich in eine Frau verwandelt hatte, deren einzige Aufgabe es war, die Bedürfnisse eines kleinen Menschen zu befriedigen.
»Na, du bist ja ein Süßer«, zwitscherte Sarah dem kleinen Toni zu, was Yara ein inneres Augenrollen verursachte.
»Und woher kommt das Mittagessen?«, wollte die Mutter nun wissen. Von ihren Freundinnen hatte sie schon die schlimmsten Geschichten über mangelhaftes Kita-Essen gehört.
»Das kochen unsere zwei Köchinnen selbst. Frau Zöller geht zweimal die Woche einkaufen und bereitet jede Mahlzeit mit Frau Brunn frisch zu.« Diese Information beruhigte Yara, da sie sich selbst während der letzten zwei Jahre intensiv mit gesunder Ernährung beschäftigt hatte, um ihrem Sohn die besten Voraussetzungen für seine körperliche und geistige Entwicklung zu bieten.
Toni war an der Hand der blonden Erzieherin in den Gruppenraum gewatschelt. Ein warmes Gefühl wallte in Yara auf, als sie die staksigen Schritte der noch viel zu kurzen Beine beobachtete. Mit Wehmut dachte sie daran, dass sie bald nicht mehr den ganzen Tag mit ihrem einzigen Kind verbringen würde. Stattdessen würde Toni neue Menschen kennenlernen, neue Bezugspersonen finden und Schritte gehen, die von seiner Mutter unbeobachtet blieben. Doch auf der anderen Seite konnte sie den Tag, an dem sie endlich noch einmal Zeit für sich haben würde, kaum erwarten.
♥♥♥
Als Yara auf ihre Armbanduhr blickte, war es gerade mal 10.00 Uhr. Seufzend legte sie ihre Hand an den Buggy und verließ mit Toni dessen zukünftige Kita.
Der Wind hauchte die ersten Gerüche des Frühlings, während die Sonne bereits um diese Uhrzeit wärmend auf das kleine Dorf schien, welches Yara seit drei Jahren ihr Zuhause nannte. Früher hätte sie sich gefreut, wenn der April solche vielversprechenden Signale gesendet hatte. Heute war sie zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt, um sich über einen schönen Frühlingstag zu freuen.
10.00 Uhr. Das bedeutete, dass sie noch mindestens eine Stunde mit Toni würde ausfüllen müssen, bevor sie sich daran machte, das Mittagessen zuzubereiten. Danach würde sie ihren Sohn ins Bettchen legen, in der Hoffnung, dass er diesmal auch einschlafen würde. Wenn sie Glück hätte, hätte sie dann ein bis zwei Stunden Zeit, um sich mit einem Kaffee zu stärken und eventuell in einem Buch zu lesen. Spätestens um 14.30 Uhr würde Toni wach werden und sie würde ihm eine Zwischenmahlzeit zubereiten. Danach wären immer noch zwei Stunden zu überbrücken, bis Jens endlich nach Hause käme. Während dieser Zeit könnte sie den Wäscheberg falten. Das Bügeln hatte sie aufgegeben, seitdem die Wäsche ins Unermessliche gestiegen war. Und um 18.00 Uhr gäbe es dann Abendessen. Das war der Zeitpunkt, an dem Yara es sich zum ersten Mal erlaubte durchzuatmen, da er bedeutete, dass ein weiterer anstrengender Tag fast geschafft wäre.
Toni nuckelte zufrieden an einem Fruchtriegel, während seine Mutter ihn an der Straße entlang schob. Als eine weiße Katze ihren Weg kreuzte, quietschte er vergnügt, sodass Yara stehen blieb und sich zu ihrem Sohn hinunterbeugte.
»Käcki«, sagte er und zeigte mit seinem pummeligen Händchen auf das Tier, das irritiert zu ihnen hinüberschaute.
»Genau, ein Kätzchen«, korrigierte sie ihn in ihrer sanften Stimme, die sie nur für Toni reserviert hatte. Sie hatte einmal gehört, dass man Kinder während des Spracherwerbs unauffällig korrigieren sollte, um dem Kind nicht das Gefühl zu vermitteln, etwas falsch gemacht zu haben. Das waren die Dinge, mit denen sie sich in letzter Zeit beschäftigte.
Als das Kätzchen seinen Weg über einen anliegenden Garten fortführte, richtete sich Yara wieder auf und ging mit Toni im Buggy ebenfalls weiter. Ihr Rücken schmerzte noch bei den ersten Schritten. Das war ebenfalls eine Nebenwirkung der Mutterschaft. Ihr Körper tat weh. Manchmal an Stellen, die sie früher nie für möglich gehalten hatte. In den ersten Monaten war ihr Daumengelenk entzündet gewesen. Scheinbar hatte das Herausheben des Babys aus der Wiege, dem Bettchen und dem Laufstall eine so ungewohnte Bewegung für ihren Körper dargestellt, dass er mit Überforderung darauf reagiert hatte. Als Toni sechs Monate alt gewesen war, hatte Yara zusehends Nackenprobleme bekommen. Da ihr Sohn prächtig gedieh, sie aber trotzdem nicht auf die Babytrage hatte verzichten wollen, hatte sie immer mehr um das Kind herumschauen müssen, um auf den Weg blicken zu können. Das Ergebnis war eine so schmerzhafte Verspannung gewesen, dass sie sich wochenlang nicht mehr richtig hatte bewegen können. Erst durch die Einnahme von verspannungslösenden Medikamenten, zwei Spritzen von ihrem Hausarzt und einer Massage, die sie sich selbst gegönnt hatte, hatten die Nackenprobleme langsam nachgelassen. Nun war es ihr unterer Rücken, der sich immer wieder durch ein schmerzhaftes Ziehen bemerkbar machte. Doch sie versuchte es zu ignorieren. Toni war noch nicht groß genug, um allein aus dem Bettchen aufzustehen oder in die Badewanne zu steigen. Da blieb ihr nichts anderes übrig, als ihren Sohn zu heben, zu tragen oder wie heute zu schieben.
»Weißt du was, Schatz«, sagte Yara, als sie einen steilen Weg hinaufgegangen war, an dessen Ende sich ein Spielplatz auf der rechten Seite befand, »wir machen uns heute einen schönen Tag.« Dann schob sie Toni durch das Tor zum Spielplatz.
Ungehindert beschien die Sonne den grünen Platz, der lediglich von drei Ahornbäumen bewohnt war. Toni saß in der Babyschaukel und ruderte mit seinen Ärmchen. Ein Zeichen, dass er genug davon hatte. Yara hob ihren Sohn heraus und ging mit ihm in Richtung Sandkasten. Es war ihre einzige Chance, dass sich ihr Sohn einmal allein beschäftigte und sie wenige Minuten am Rand sitzen und die Wärme der Sonne auf ihrer Haut nachspüren konnte. Sie ließ sich also auf den Rand des Sandkastens nieder und stützte ihre Arme nach hinten ab. Müde legte sie ihren Kopf zurück und schloss ihre Augen. Sie hörte das Rascheln des noch jungen Laubs in den Bäumen. Von irgendwoher kam das Dröhnen eines Motors, doch weit genug entfernt, um die Ruhe nicht zu stören.
Als die junge Frau ihre Augen wieder öffnete, registrierte sie die Einsamkeit. Nur wenige Autos standen in den Einfahrten der umliegenden Häuser. Nirgends waren Bewegungen auszumachen. Alle Leute schienen unterwegs oder bei der Arbeit zu sein. Nur Yara verbrachte ihren Vormittag damit, mit ihrem Kind auf einem leeren Spielplatz zu sitzen. Dieser fing mit einem Mal an zu schreien. Es war eine Frage der Zeit gewesen. Das hatte sie gewusst. Toni war nie erfreut darüber, wenn sie ohne Sandspielzeug den Spielplatz besuchten. Also nahm sie ihren Kleinen in den Arm, fuhr ihm tröstend mit der Hand über den Rücken und setzte ihn schließlich in den Buggy, um den Heimweg anzutreten.
Ein Blick auf die Uhr trieb ihr fast Tränen der Verzweiflung in die Augen. 10.30 Uhr.
♥♥♥
»Ist es wirklich kein Problem?«, fragte Yara ihren Mann, als sie sich ihre Jacke überzog. Der winkte ab und lächelte.
»Wirklich nicht. Wir zwei Männer kriegen das schon hin, hm«, sagte er und streichelte seinem Sohn, der fröhlich auf Papas Arm saß, über die Wange.
»Wenn was ist, rufst du mich aber an, ja.«
»Ich melde mich sofort.« Yara verzog ihren Mund zu einem schiefen Lächeln. Dass sie an diesem Abend mit zwei Freundinnen zu einer Lesung gehen konnte, hatte sie nur der Tatsache zu verdanken, dass Jens sein Training abgesagt hatte. Normalerweise lief er jeden Dienstag, Freitag und Sonntag, um sein Tempo beim Laufen zu halten. An diesem Freitag jedoch fand die Lesung eines bekannten Autors in der Stadt statt, die sich Yara auf keinen Fall entgehen lassen dürfte, wie ihre Freundin Beate gesagt hatte.
»Tut mir leid, dass du heute nicht trainieren kannst«, sagte sie zerknirscht.
»Kein Problem«, winkte Jens ab. Als sie ihrem Sohn schließlich einen Kuss auf das Köpfchen gab und sich abwandte, um das Haus zu verlassen, rief ihr Jens noch hinterher: »Ach so, Kai hat gefragt, ob ich am Samstagabend mit zu diesem neuen Escape-Room gehe. Ist das in Ordnung?«
»Klar«, lächelte Yara und bekam Bauchschmerzen bei dem Gedanken, dass sie wieder einen Abend allein würde verbringen müssen.
Die Fahrt durch das Dorf, das zu dieser Uhrzeit schon im Dunkeln lag, wirkte beruhigend auf die junge Frau, deren Tag hauptsächlich aus Füttern, Spielen und Putzen bestanden hatte. Das Licht der vorbeiziehenden Straßenlaternen wirkten in ihrem Wechsel hypnotisch. Einerseits fühlte sich Yara, als wäre ihr eine Last abgenommen worden. Es war der erste Abend, den sie seit anderthalb Jahren ohne Kind verbringen würde. Da Toni nachts manchmal immer noch nach ihrer Brust verlangte, hatte es keine Möglichkeit gegeben, einmal etwas ohne ihren Sohn zu unternehmen. Seit drei Nächten nun schlief Toni ganz ohne Brust. Dass Beate ausgerechnet heute angerufen hatte, um sie zu einer Lesung zu überreden, war ihr da wie ein Zeichen erschienen. Trotzdem schwoll im Wechsel von Hell und Dunkel der Laternen auch eine kleine Warnlampe in ihrem Hinterkopf an, die ihr ein schlechtes Gewissen einflößte. Die ihr heiser zuraunte: »Du hast ein Kind. Du lässt deinen Mann allein. Du darfst das nicht.« Doch als sie die Hauptstraße erreichte und in Richtung Stadt fuhr, schaltete sie die Warnlampe aus und fokussierte sich auf das, was vor ihr lag – die bunten Lichter der abendlichen Zivilisation.
♥♥♥
»Hörst du jetzt endlich mal auf, auf dein Handy zu schauen!« Die Aufforderung war begleitet von einem warmen Lächeln, das Jana ihrer Freundin schenkte.
»Tut mir leid. Ich war noch nie ohne Toni weg, daher ist es irgendwie seltsam.«
»Dein Mann ist doch da. Du musst dir keine Gedanken machen. Freu dich doch jetzt einfach mal auf den Abend und lass dein Handy Handy sein.« Auch Beate war es aufgefallen, dass Yara alle paar Minuten ihr Smartphone aus der Handtasche zog und einen verstohlenen Blick darauf warf.
»Ihr habt recht«, gab sie müde zu und ließ das Gerät wieder in ihrer Tasche verschwinden. Noch nicht einmal eine Stunde war sie von zu Hause weg und fühlte trotz aller Bemühungen das permanente schlechte Gewissen, welches sie an Toni statt begleitete. »Also, welches Buch hat der Autor eigentlich geschrieben?«, fragte sie in die Runde, um sich abzulenken.
Zwei Köpfe neigten sich zu ihr und starrten sie mit großen Augen an.
»Zwischen meinen Welten. Das ist zur Zeit sogar in den Bestseller-Listen. Sag bloß, du hast noch nichts davon gehört?« Obwohl Yara das Lesen liebte und ein großer Bücherfreund war, musste sie zugeben, dass der Titel ihr unbekannt war.
»Um ehrlich zu sein, nicht. Wovon handelt es denn?«
»Von einer verheirateten Frau, die sich eine Welt erträumt, in die sie immer weiter abtaucht«, flüsterte Jana ihr zu.
Der Autor saß schweigend auf einem Barhocker hinter einem Stehtisch. Vor sich ausgebreitet lag ein Buch sowie ein paar lose Blätter. Niemand stand bei dem Mann, der mit den braunen, etwas zu langen Haaren, dem Bart und den dunklen Augen hinter der Brille nur allzu gewöhnlich aussah. Yara hatte sich bei jeder Lesung, die sie bislang besucht hatte, gefragt, welche Gedanken durch den Kopf eines Autors gingen, bevor er zu lesen begann. Auch diesmal fragte sie sich, ob sich der Autor unwohl fühlte, während er zwischen den Leuten saß, die lachten, sich unterhielten und Drinks bestellten.
»Als wenn Männer wüssten, was in einer Frau vorgeht«, murmelte Yara, als ein hochgewachsener Mann das Publikum in dem Lokal, was sich als Whiskey-Bar mit extravaganten Tastings auswies, um Ruhe bat.
