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Eine Geschichte wie das Meer. Wild und sinnlich - zornig und rau. Etienne und Sander sind ein ungewöhnliches Liebespaar. An einem Wintermorgen erreichen sie die Halbinsel Fanad. Doch schon bald nach der Ankunft gerät Sander in die unausweichliche Wirklichkeit seiner schlimmsten Träume.
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Seitenzahl: 40
Veröffentlichungsjahr: 2022
Eine Geschichte wie das Meer.
Wild und sinnlich – zornig und rau. Etienne und Sander sind ein ungewöhnliches Liebespaar. An einem Wintermorgen erreichen sie die Halbinsel Fanad. Doch schon bald nach der Ankunft gerät Sander in die unausweichliche Wirklichkeit seiner schlimmsten Träume.
Klaus Zeh, Jahrgang 1965, ist Schriftsteller, Musiker und Liedermacher. Er lebt in Reutlingen. Seit 2015 setzt er sich künstlerisch und privat gegen Menschenhandel, Zwangsprostitution und sexuelle Gewalt an Kindern ein. Er ist Gründer der Initiative Kunst.GEGEN.Kinderhandel und Fördermitglied bei diversen Menschenrechtsorganisationen.
Schon zu Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit hat sich der Autor gegen die Veröffentlichung im herkömmlichen Verlagswesen entschieden. Ihm ist es ein großes Anliegen, seine künstlerische Unabhängigkeit sowie die Rechte an seinen Werken zu behalten.
Auf Instagram und Facebook finden Sie Klaus Zeh unter: klauszeh.autor
Alle Werke des Autors sind auf der letzten Buchseite verzeichnet.
Kaum hatten wir Treibholz gesammelt, Feuer gemacht Und unsern Kessel aufgehängt wie eine Feste, Zerschellte uns die Insel wie eine Woge.
Seamus Heaney (Die verschwindende Insel)
Für A.
Und denen, die auf dem Weg sind.
Die Halbinsel
Bed & Breakfast
Zimmer 12
Das Meer
Der Unfall
Das leere Zimmer
Der Engländer
Fenster ohne Landschaft
Etienne
Die Bucht
Die Suche
Fanad
Der Traum
Selbstmordwetter, knurrte Sander.
Und warf ihr einen Seitenblick zu.
Rase bitte nicht so, entgegnete sie.
Sie mochte es nicht, wenn er solche Scherze machte.
Über Dinge, die für sie unantastbar waren.
Der Himmel ist so grau, dass einem Angst und Bange wird, brummte er.
Bange?, sagte sie.
Und zwang sich nicht zu lächeln.
Sieh dir dieses Wetter doch einmal an, schimpfte er, da möchte man sich doch am Liebsten vor einen Zug schmeißen.
Ihre Augen wurden traurig.
Er bemerkte es nicht.
Nicht einmal Gott könnte dieses Grau durchbrechen!, rief er.
Gott?, sagte sie nach einer Weile.
Sie wischte sich über die Augen.
Und meinte: Traust du ihm so wenig zu?
Ich traue ihm alles zu, das ist es ja gerade, brummte er.
Sie starrte aus dem Beifahrerfenster.
Rhododendron-Hecken säumten die schmale, gewundene Piste.
Diese sich schlängelnde Straße.
Die seit einigen Minuten ins Herz der Halbinsel vordrang.
Unübersichtlich und kurvenreich.
Dann wieder wucherte überall Oleander.
Bunt und wild.
Ausgelassen beinahe.
Auch zwischen mannshohen lindgrünen Farnwäldern.
Sein Fluidum verströmend.
Von Zeit zu Zeit ragte die Ruine eines Cottages aus den
Farnwäldern hervor.
Verfallen und efeuberankt.
Freistehende Stirnwände.
Steinstümpfe hier und da.
Zerbröckelnde Fassaden.
Hohläugige Fenster mit toten Blicken.
Schuttberge.
Und alles überwuchernder Ginster.
Warum blühte hier alles zu dieser Jahreszeit?
Wunderte er sich.
Zuvor, als sie auf die Halbinsel gefahren waren, begleitete sie minutenlang der oxydgrüne Atlantik.
Westliches Meer.
Weit und wunderbar ausgedehnt.
Bis zum Horizont.
Endloser Wellenteppich.
Ewiger Faltenwurf.
Wellenhimmel,
hatte sie geflüstert.
Sie sagte, schon jetzt liebe sie die Halbinsel.
Und war glücklich, dass sie beide genau sie für ihre Reise ausgewählt hatten.
Verwunschen,
flüsterte sie erneut vor sich hin.
Was sagst du?
Sie blickte ihn stumm an.
Was hast du denn? Etienne?
Nichts, sagte sie, du fährst zu schnell. Ich möchte anhalten,
ein wenig durch die Farne gehen.
Er schaute verdutzt.
Durch die Farne?
Ja, warum denn nicht.
Etienne, ich möchte bei Tageslicht ankommen.
Wir sind doch nicht auf – sie überlegte – auf Gotland. Das ist nur Fanad. Hast du auf der Karte gesehen, wie klein die Halbinsel ist.
Du meinst, auf dem Navi.
Nein, ich meine, auf der Karte.
Er lachte.
Wer benutzt denn heute noch eine Straßenkarte?
Ich! Darf ich nun ein bisschen durch die Farne wandern oder muss ich aus dem fahrenden Auto hopsen?
Sander wandte sich ihr zu.
Du sollst auf die Straße schauen, wenn du Auto fährst, schimpfte sie.
Schon gut, schon gut, wir halten an.
Er bog auf einen kleinen Trampelpfad.
Und sagte grinsend: Dann lass uns durch die Farne wandeln.
Sie warf ihm ein vorwurfsvolles Augenzwinkern zu.
Blickte ihn dabei jedoch liebevoll an.
Fast schon flüchtete sie aus dem Wagen.
Strebte mitten durch die Farne hindurch, die den ganzen Hügel bedeckten.
Mit den Händen strich sie sanft darüber.
Dahingleitend.
Sehr behutsam.
Fast zärtlich.
Sander sog die Luft ein.
Fanad riecht wunderbar!, rief er ihr nach.
Aber sie wandte sich nicht um.
Sondern wanderte weiter den Hügel hinauf.
Er sah ihr sehnsuchtsvoll nach.
Beobachtete sie, ihren Gang.
Immer noch entlockte er ihm ein Lächeln.
Diese Mischung aus betontem Hüftschwung und federleichtem Dahinschreiten.
Als würde sie ein wenig über dem Boden schweben.
Dann verschwand sie.
Hinter dem Hügelkamm.
Wie schnell sie den Hügel erklommen hatte.
Das machte ihr keiner nach.
Auch er nicht.
Er nahm die Thermoskanne vom Rücksitz.
Goss sich Tee ein.
Das konnte dauern, dachte er.
Bestimmt stand sie nun oben und drehte sich genüsslich eine Zigarette.
Er grinste.
Die kleine Fee in ihrem Feenland.
Tatsächlich eine Art Märchenland.
