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Wenn im Leben alles schief läuft, Liebe ein Fremdwort ist und stattdessen Einsamkeit die Seele einnimmt … Ist es da nicht nachvollziehbar, dass ich mir meine eigene Welt erschaffe? Eve ist eine junge Frau, die von ihren Eltern weder geliebt noch wahrgenommen wird. Tagsüber funktioniert sie und geht ihrer Arbeit als Floristin nach. Nachts reist sie in eine Welt voller Farben, die in Liebe erstrahlt. Hier ist alles schön. Und dort ist auch Jamie, der Mann ihrer Träume. Er trägt sie auf Händen und gibt ihr das, was ihr das reale Leben vorenthält. Doch dieses reale Leben steckt voller Überraschungen. Eine davon heißt Tom – ein Mann aus Fleisch und Blut. Jamie oder Tom? Eve ist verwirrt. Wird sie sich für den Richtigen entscheiden oder bleibt sie am Ende doch allein?
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Seitenzahl: 167
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Das Buch
Wenn im Leben alles schiefläuft, Liebe ein Fremdwort ist und stattdessen Einsamkeit die Seele einnimmt … Ist es da nicht nachvollziehbar, dass ich mir meine eigene Welt erschaffe?
Eve ist eine junge Frau, die von ihren Eltern weder geliebt noch wahrgenommen wird. Tagsüber funktioniert sie und geht ihrer Arbeit als Floristin nach. Nachts reist sie in eine Welt voller Farben, die in Liebe erstrahlt. Hier ist alles schön. Und dort ist auch Jamie, der Mann ihrer Träume. Er trägt sie auf Händen und gibt ihr das, was ihr das reale Leben vorenthält. Doch dieses reale Leben steckt voller Überraschungen. Eine davon heißt Tom – ein Mann aus Fleisch und Blut.
Jamie oder Tom? Eve ist verwirrt. Wird sie sich für den Richtigen entscheiden oder bleibt sie am Ende doch allein?
Dies ist ein fiktiver Roman. Alle Handlungen und Personen, bis auf Saskia Seifert, sind frei erfunden. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Die Autorin
Ramona Beck ist 1979 in Friedrichshafen geboren und lebt noch heute in dieser wunderschönen Gegend im Dreiländereck am Bodensee.
Derzeit macht sie eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten. In ihrer Freizeit verbringt sie viel Zeit mit ihrer Familie und Freunden.
Nachdem sie jahrelang eine Geschichte mit sich getragen hat, traute sie sich diese nun zu Papier zu bringen.
„Farbenzauber der Liebe“ entstand daraus und ist der erste Roman, mit dem sich Ramona der Öffentlichkeit zeigt. Weitere Buchprojekte sind in Planung.
Weiter Information im Internet unter: www.Ramona-Beck.de
Impressum
Farbenzauber der Liebe2. Auflage, März 2016Copyright © 2015 by Ramona Beck
Covergestaltung:Ida JanssonAMYGDALA DESIGN
Lektor:Stefan Sternhttp://www.wortdienstleister.de
Alle Rechte bleiben beim Autor.Kopie und Weitergabe sind ausdrücklich untersagt.
Autorin:Ramona BeckPaulinenstr. 50DE 88046 [email protected] Infos unter: www.Ramona-Beck.de
Ich möchte mich bei meinem Mann und meiner Tochter für die viele Geduld bedanken!
Ich liebe euch von ganzem Herzen!
♥
Mein Dank geht außerdem an Marlies, die sich meiner ersten Schreibversuche annahm und obwohl sie dafür einiges an Geduld aufbringen musste, hatte sie mich immer wieder in meinem Tun bestärkt.
Bella und Mikki, danke ebenfalls für eure Geduld, Unterstützung und für die vielen wertvollen Tipps.
Danke, Saskia Seifert, dafür, dass du die Rolle von Toms Schwester in meinem Buch übernommen hast.
Ohne euch wäre dieses Buch niemals so wunderbar geworden!
Mein Herz hat Sehnsucht,will nur zu dirdenn hier im Traum gehörst du mir.Der Wunsch ist groß dich echt zu liebenund jede Nacht zu unseren Sternen nur fliegen.
Doch hab ich leider ein Problemhörst du nicht mein stilles Flehen?Zwei Männer rauben mir fast den Verstandund wen ich lieb, hab ich noch nicht erkannt.
Mein Herz zerreißt –es kann nicht mehrund die Entscheidung fällt mir so schwer.Die Dunkelheit, sie hüllt mich eines fehlt im Herz der helle Schein.
Die Lösung seh ich einfach nichtund Tränen rinnen über mein Gesicht.
Was wird die Zukunft für mich bringen?Welches Herz wird mit meinem schwingen?Wer liebt mich, wie ich wirklich bin?Wer gibt meinem Leben einen Sinn?Wahrheit und Traum?
Du oder Er?Mich zu entscheiden fällt mir sehr schwer.
Christina Stöger – 2015
Inhaltsverzeichnis
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Prolog
Die leicht geschwungene Farblinie, die durch die Vielzahl kleiner bunter Schmetterlinge über der Blumendecke einer Sommerwiese zu sehen ist, verspricht ein ruhiges Plätzchen, um zu lesen.
Eve, die nach einer anstrengenden Woche einfach einen Ort zum Entspannen sucht, kann die Augen von diesem wunderschönen Ort nicht abwenden und findet auch sehr schnell eine Stelle, an der sie ihre Decke ausbreiten kann. Sicherlich wird sie diesen Ort noch öfters besuchen, um sich von der Wärme der Sonne, welche sanft über ihren Körper streift, verwöhnen zu lassen. In der Hand ein Buch, das sie extra zuvor aus der Bücherei geholt hat. Sie liebt es, im Freien zu lesen, den Duft der Blumen und dem Zwitschern der Vögel zu lauschen. Sie genießt es, zu entspannen. Eve hat gelernt, das reale Leben zu lieben, sich zu akzeptieren und Menschen an sich heranzulassen. Noch vor Monaten war dies so nicht möglich, da Eve gefangen war in ihren eigenen Träumen. Eve lebt in einer Zweizimmerwohnung in Friedrichshafen. Vor zwei Jahren ist sie in die wunderschöne Dachwohnung gezogen. Das Highlight der Wohnung ist eine traumhaft schöne Sicht auf den Bodensee. Wenn Eve abends auf ihrem Balkon steht, genießt sie immer wieder aufs Neue die romantische Kulisse. Das Panoramabild einer beruhigenden Berglandschaft.
Sie liebt alles, was mit der Natur in Verbindung steht. Deshalb hat sie sich vor Jahren für eine Ausbildung zur Floristin entschlossen und übernahm gleich danach einen Blumenladen am See. Bekannt ist sie bei ihrer Kundschaft für ihre Leidenschaft und Liebe zu Blumen. Die Kunden begeistert sie mit ausgefallenen Blumensträußen und liebevoll geschmückten Deko-Artikeln, wodurch sie sich schnell einen Namen gemacht hat. Eves Alltag besteht aus Arbeiten und Schlafen. Sie hat keine Freunde und widmet sich ausschließlich ihren Blumen und ganz besonders ihren Träumen.
Dies begann vor etwa fünfzehn Jahren. Eve war gerade zehn Jahre alt geworden, als sie alleine an ihrem Schreibtisch saß und aus dem Fenster sah. Sie beobachtete, wie zwei kleine Spatzen miteinander um etwas zu essen kämpften. Ihr Blick aus traurigen Augen glitt weiter zum Nebenhaus, wo sie zusehen konnte, wie die Nachbarin die Wäsche aufhing. Täglich verbrachte Eve viel Zeit damit, aus dem Fenster zu schauen. Ihr Herz war schwer und leer und ihr Leben düster und grau. Eves Eltern waren stets mit sich selbst beschäftigt.
Aber an diesem Tag geschah etwas mit ihr. Ihre Gedanken, gequält vom Alltag, wurden plötzlich von einer Idee unterbrochen. Sie nahm ihre Tasche und rannte voller Tatendrang aus dem Haus in Richtung Wald. Dort war sie hin und wieder, um sich aus ihrem Alltag zurückzuziehen. Sie rannte so schnell sie konnte, bis sie eine große alte Eiche erreichte. Sie setzte sich auf einen davor liegenden Stein und schaute hinauf zur Sonne, schloss ihre Augen und sprach einen Wunsch aus, der ihr ganzes Leben verändern sollte.
Kapitel 1
Eve
Endlich ist es so weit, meine Ausbildung zur Floristin habe ich mit Auszeichnung bestanden. Nun stehe ich hier, beobachte alle Mitabsolventinnen um mich herum. Sehe, wie die Familien stolz ihre Töchter in den Arm nehmen und mit ihnen den Abschluss feiern. Ein Anblick, der mein Herz bluten lässt.
Meine Eltern, von Grund auf nicht an mir interessiert, hatten heute etwas Besseres zu tun. Ich wusste genau, was das war. Meine Mutter würde wie üblich ihre Lieblingsserien anschauen, während mein Vater am PC irgendwelche Online-Spiele spielte. Ich kam mir verloren vor. Eigentlich sollte ich mich an dieses Gefühl gewöhnt haben, aber es traf mich jedes Mal aufs Neue. Mein Magen zog sich zusammen. Mir wurde kalt und ich drängte die aufkommenden Tränen mit aller Macht zurück. Schließlich sollte ja niemand etwas von meiner Wut und Traurigkeit mitbekommen.
Fluchtartig verließ ich den Raum, um Abstand zu bekommen. »Es ist sowieso höchste Zeit zu Grace zu kommen«, dachte ich mir. Grace war meine Ausbilderin sowie eine gute Freundin meiner Eltern. Für mich war sie wie eine Mutter. Ihr hatte ich es zu verdanken, dass ich eine einigermaßen schöne Kindheit verlebt hatte. Sie half meinen Eltern, wo sie nur konnte.
Am Blumenladen angekommen, kam Grace mir bereits mit einem Lächeln entgegen. Ich spürte, wie sich meine Stimmung änderte. Mein Herz löste sich von der ersten schmerzlichen Empfindung und begann sofort im fröhlichen Rhythmus zu schlagen. Ihr war es leider nicht möglich gewesen, an meiner Abschlussfeier teilzunehmen, da sie im Laden arbeiten musste. Was ich aber nicht als schlimm empfand, denn dafür war sie jetzt für mich da.
»Eve, wie war die Feier?«, fragte Grace und nahm mich dabei zärtlich in den Arm. Wohlige Wärme machte sich breit, aller Schmerz war vergessen. »Die Feier war ganz okay, Grace, aber so ganz allein macht es nun doch keinen Spaß. Ich wollte nicht länger unter den Familien sein und zuschauen, wie sie sich vergnügen.«
Meinen Blick hielt ich in diesem Moment von ihr abgewendet. Ihre mitfühlenden Augen sprachen Bände und das Letzte, was ich jetzt wollte, war Mitleid. Mitleid von der einzigen Person, die mir wichtig war. Ich wollte in diesem Moment nicht über mein geschädigtes Verhältnis zu meinen Eltern nachdenken. Nein, ich wollte diesen Augenblick in den Armen von Grace einfach nur auskosten.
»Ich hab eine Überraschung für dich, meine Große. Komm, ich kann es schon seit Wochen kaum erwarten, sie dir zu überreichen.«
Grace hatte kaum die Worte ausgesprochen, da zog sie mich hinter sich her, bis wir in den hinteren Raum des Blumenladens gelangten. Inmitten des Raumes, an einen Tisch gelehnt, stand ein großes, abgedecktes Bild. Es sah zumindest so aus. Mehr konnte ich nicht erkennen, da es mit einem Leinentuch bedeckt war. »Ein Bild?«, wollte ich von Grace wissen.
»Na, du musst schon das Tuch herunternehmen«, antwortete sie lächelnd und stupste mich auffordernd in die Seite.
Schwungvoll entfernte ich das Tuch und im selben Moment blieb mein Herz einen Augenblick lang stehen. Ich war nicht im Stande etwas zu sagen. Sprachlos wandte ich den Blick zu Grace.
»Was sagst du dazu, Eve? Ich denke, es wird Zeit für einen Besitzerwechsel?«, flüsterte Grace mir ins Ohr, ergriff meinen Arm und rüttelte mich. »Na, sag schon was.«
Vor mir stand ein neues Reklameschild für den Blumenladen mit hellgelbem Hintergrund. Darauf stand in einer geschwungenen Schrift geschrieben, ‚Eves Blumenparadies‘, zusätzlich verziert mit ein paar roten Rosen. »Eve? Freust du dich etwa nicht?«, wollte Grace mit unsicherer Stimme wissen.
»Du schenkst mir deinen Laden? Warum?« Meine Stimme klang leider nicht sehr freundlich. Ich war geschockt.
Grace drehte sich zu mir um, nahm meine Hand und suchte direkten Blickkontakt. »Eve, ich bin der Meinung, dass es für mich Zeit wird. Ich möchte auf Reisen gehen, noch etwas erleben!«
Ihr Blick verriet mir, dass sie es ernst meinte. Was sollte ich dazu sagen? Es war mein Traum, irgendwann einen eigenen Blumenladen zu besitzen, aber schon jetzt? Was dies zu bedeuten hatte, war mir sofort klar. Die einzige Person, die mir wichtig war, wollte mich verlassen. In diesem Moment konnte ich mich nicht freuen. Der Gedanke schmerzte mich zu sehr. Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde mir bewusst, dass ich reagieren musste. Grace sollte mich nicht für undankbar halten. Ich sah sie an und versuchte zu lächeln, meine Gefühle zu kontrollieren.
Mit gespielt freudiger Stimme flüsterte ich: »Danke, Grace, es bedeutet mir sehr viel. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Meinst du wirklich, dass ich schon bereit dafür bin?«
Sanft strich Grace mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht, streichelte mit der Hand über meine Wange und sprach in ruhigem Ton zu mir: »Eve, du bist die Person, die ich in Zukunft hier im Blumenladen stehen sehen möchte. Die Kunden lieben dich und du arbeitest bereits seit acht Jahren für mich. Bereits als Kind bist du mir eine große Hilfe gewesen. Niemand kennt sich besser mit Blumen aus als du. Es würde mich sehr freuen, wenn du dieses Geschenk annehmen würdest. Ich erkläre dir alles Weitere und in ein paar Wochen bist du dann die Alleinverantwortliche für dieses Geschäft.«
Gestärkt durch ihre Worte fing ich an, zu realisieren, was auf mich zukam. Mein Traum vom eigenen Blumenladen wurde schneller real, als ich es mir je erträumt hatte. Ich dürfte mich hier entfalten, meine Ideen einbringen, ohne fragen zu müssen. Mit gemischten Gefühlen verabschiedete ich mich von Grace. Für heute hatte ich einiges zu verdauen. Dazu wollte ich erst einmal nach Hause.
Immerhin war ich bereits über neun Stunden unterwegs und Jazz wartete bestimmt schon sehnsüchtig auf mich. Jazz war meine Hauskatze. Eines Tages lief sie mir auf dem Heimweg entgegen und wich einfach nicht mehr von meiner Seite. Vermutlich war sie ausgesetzt worden, weil sie auf einem Auge blind war. Jedenfalls hatte niemand nach ihr gesucht und so entschied ich mich bald dazu, sie bei mir zu behalten. Immerhin war sie auch nicht gewollt.
Zu Hause angekommen war es, wie ich es vermutete. Jazz saß direkt am Eingang und konnte es kaum erwarten, mich zu belagern. Mir blieb nichts anderes übrig, als den direkten Weg in die Küche zu nehmen. Nicht einmal eine Chance, meine Schuhe ausziehen, hatte ich. Zu schnell überredete mich Jazz durch ihren flehenden Blick dazu, ihr erst einmal etwas zu fressen zu geben. In der Küche angekommen, öffnete ich den kleinen Schrank und holte eine Dose Katzenfutter heraus. Noch schnell in die extra für Jazz gekaufte Schüssel eingefüllt und schon konnte es losgehen. »Lass es dir schmecken, Jazz.«
Kaum ausgesprochen, konnte man am Schmatzen erkennen, dass es sich meine Kleine bereits schmecken ließ. Nun konnte ich mich um mein eigenes Wohlbefinden kümmern. Der Tag war hart gewesen und ich völlig erschöpft. Für viele war dies ein Tag wie jeder andere auch. Für mich aber war es wieder die Hölle.
Zuerst musste ich miterleben, wie Familien mit ihren Kindern den Abschluss feierten. Dann war da die Überraschung von Grace. Alles zusammen hatte mich sehr viel Kraft gekostet. Einzig und allein der Gedanke, gleich in meinem Bett liegen zu dürfen, munterte mich auf. Ein für mich wirklich bedeutsames Leben war mit einem Mal zum Greifen nah.
Bislang fand mein Leben für mich nur in meinen Träumen statt. Diesen Wunsch hatte mir der liebe Gott erfüllt, als ich ihn vor Jahren darum gebeten hatte. In meinen Träumen konnte ich sein, wie ich war. Ich fand mich in einer Welt wieder, die mich selbst immer wieder aufs Neue überraschte. Jede Nacht durchlebte ich wunderschöne Dinge. Daraus ergab sich inzwischen so etwas wie ein abendliches Ritual. Nachdem ich mich im Bad bettfertig gemacht hatte, machte ich es mir in meinem Bett gemütlich. Jazz, die jede Nacht bei mir verbrachte, kuschelte sich dann immer an mich. Samt der Wärme von Jazz und der Vorfreude auf meinen Traum konnte ich mich sanft in den Schlaf gleiten lassen.
Während meine Augenlider immer schwerer wurden, fühlte ich den Hauch einer Welle, die mich in meine Traumwelt aufsteigen ließ. Meine heimische Umgebung nahm ich gar nicht mehr wahr. Mir bekannte Gerüche aus meiner Wohnung verschwanden und mein Körper signalisierte mir, dass ich meinen Traum betrat.
Dieses Umfeld sah ich eigentlich nicht als Traumwelt an. Diese Welt war meine eigentliche Heimat, hier fühlte ich mich geborgen und geliebt.
Kapitel 2
Traumwelt
Das feuchte Gras wanderte sanft durch meine Zehen. Der Morgentau warf einen Schleier auf meinen Körper und der Duft der Blumen entführte meine Sinne hinein in meine Welt.
Ich bin wieder hier, bin frei!
Die Umgebung war einfach wunderschön. Sie verzauberte durch die farbenfrohen Wiesen, geschmückt mit Blumen, die so im realen Leben nicht zu finden waren. Eine schöner als die andere. Inmitten der Landschaft, ein See. Das Wasser klar bis zum Grund. Fische schwammen in Schwärmen und am Rand des Sees fanden sich Tiere aller Arten zusammen, um das Wasser zu kosten. Ein harmonischer Ort, der so nur in meinen Träumen zu finden war. Eingeladen von der Sonne, lehnte ich mich an einen Baum, um mich von der Wärme verführen zu lassen. Mit geschlossenen Augen wartete ich auf die zärtlichen Berührungen meines Geliebten. Meine Sehnsucht war kaum noch zu bändigen und ließ mich ungeduldig werden. Gerade als ich meine Augen öffnen wollte, um Ausschau nach ihm zu halten, spürte ich seine Nähe. Seine Wärme umschmeichelte meinen Körper, sanft berührten mich seine Hände.
Für einen Moment lagen seine Lippen zart auf meinen. »Es ist immer wieder schön, dich berühren zu dürfen, Eve«, flüsterte er mir ins Ohr. Ich hob meinen Kopf, schaute tief in seine rehbraunen Augen. Augen, die mich immer wieder verzauberten.
»Ich konnte es kaum erwarten, Jamie. Meine Sehnsucht wird immer größer und am liebsten würde ich bei dir bleiben.«
Meinen Blick richtete ich zur Seite. Mir war klar, dass dieser Wunsch unmöglich in Erfüllung gehen konnte. Doch Jamie ließ mir keine Zeit, traurig zu sein. »Eve, lass uns nicht darüber sprechen. Du musst dich endlich damit abfinden. Genieße die Momente, die wir gemeinsam haben.« Dabei setzte er sein charmantestes Lächeln auf, nahm meine Hand und zog mich Richtung See. Jamie war um einiges größer als ich. Etwa eins neunzig, würde ich meinen. Sein Körper, sonnengebräunt und von sportlicher Statur. Seine hellbraunen Haare passten perfekt zu seinen wundervollen Augen. Er war so ganz anders als die Männer, die ich bislang in meinem Leben kennengelernt hatte. Er war perfekt! Wir waren perfekt! Wie füreinander geschaffen.
Von Weitem erkannte ich etwas Buntes, das auf der Wiese lag. »Es ist sowieso höchste Zeit. Ich löste mich von ihm und beschleunigte meine Schritte, denn mir war sofort klar, dass er sich wieder etwas ganz Besonderes für uns hatte einfallen lassen. »Jamie, du bist umwerfend! Wie schön du das alles für uns hergerichtet hast!«
Ich strahlte ihn an, umklammerte seinen Arm und wünschte mir, die Zeit könnte hier und jetzt stehen bleiben. Auf der Wiese hatte er eine Picknickdecke ausgebreitet. Daneben stand ein Korb voller Köstlichkeiten. Er hatte an alles gedacht. Von Obstsalat bis hin zur Maracujaschorle war alles dabei.
Jamie wusste eben, was ich mochte. Doch die Sehnsucht nacheinander war stärker als das Verlangen nach den fein hergerichteten Speisen. Nachdem wir auf der Decke Platz genommen hatten, drückte Jamie mich sanft nach hinten, sodass ich auf der Decke lag. So, über mich gebeugt, schaute er mir für einen Moment tief in die Augen, bevor wir uns ganz der Leidenschaft hingaben. Mit dem Gedanken daran, dass acht Stunden Schlaf einfach zu wenig sind, stand ich wieder in meinem Laden.
Es war bereits vier Wochen her, dass Grace ihn mir überschrieben hatte. Daraufhin hatte sie mich noch zwei Wochen eingearbeitet und meinte dann nur noch, dass sie eine Weltreise gebucht habe. Weg war sie. Ihre letzte Tätigkeit war, mir einen Blumenlieferanten zu suchen, der, wie sie es ausdrückte, meinen Ansprüchen gerecht werden würde. Was auch immer sie damit meinte. Grace hatte bereits einige Gespräche mit ihm geführt und die Bestellungen rausgegeben. Heute sollte die erste Lieferung durch ihn erfolgen.
Ich war gespannt, ob er auch so zuverlässig wäre wie Jakob. Mit Jakob war ich eigentlich immer sehr zufrieden. Er war etwas über sechzig Jahre alt, sehr nett, pünktlich, zuverlässig und belieferte das Geschäft nun bereits seit fünfundzwanzig Jahren. Nun gut, ich wollte mir nicht weiter den Kopf darüber zerbrechen, warum und weshalb Grace ihn durch einen anderen Lieferanten ersetzt hatte.
Gerade als ich dabei war, meine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken, hörte ich draußen ein lautes Krachen. Diesem Krachen folgte eine Reihe derber Flüche. Neugierig, wie ich halt war, lief ich in Richtung des Lärms. Vorsichtig schaute ich über die Glasfront hinaus. Was ich da sah, brachte mich zum Verzweifeln. Am Straßenrand parkend stand der Lieferwagen des neuen Lieferanten und überall auf der Straße verteilt, lagen meine bestellten Blumen. Ich konnte es nicht glauben.
Was hatte Grace sich dabei gedacht, mir solch einen Trampel zu besorgen? Ich rannte wutentbrannt nach draußen. »Was machen Sie denn da? Meine schönen Blumen. Das kann doch nicht wahr sein!«
Den Tränen nahe sah ich den Lieferanten an. Dieser stand wie ein kleiner Junge vor mir. Man sah ihm genau an, dass er nach den richtigen Worten suchte. Plötzlich veränderte sich sein Gesichtsausdruck von unsicher zu frech. Mit einem verschmitzten Gesicht reichte er mir die Hand und stellte sich mir vor:
»Ah … ähm Frau Martens, richtig? Ja, die Blumen hatten das Verlangen, noch etwas Auslauf zu erhalten, bevor sie in die engen Vasen gesteckt werden. Aber ich sammle jetzt alle wieder ein. Ich denke, die haben nun genug Auslauf gehabt!«
Kaum ausgesprochen, ließ er meine Hand los, sammelte die Blumen sorgsam ein und trug sie in meinen Laden. Während das alles geschah, stand ich wie angewurzelt da, mit offenem Mund und war sprachlos. Ist das eben wirklich passiert? Will der mich auf den Arm nehmen?
