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In hoch technisierten Arbeitsbereichen wie der Anästhesiologie zählen menschliche Fehler zu den häufigsten Ursachen für Komplikationen und Zwischenfälle. Daher ist es besonders wichtig, typische Gefahrenquellen zu kennen und aus bereits erfolgten Fehlern oder Beinahe-Zwischenfällen zu lernen!
In diesem Buch finden Sie 111 Fallberichte, basierend auf wahren Gegebenheiten, praxisnah und anschaulich erzählt. Die Fallberichte stammen zum Teil aus der Datenbank des CIRS-AINS, wurden von den Autoren so oder in ähnlicher Form persönlich erlebt, oder beruhen auf anonymisierten Berichten. Sie beschreiben die wichtigsten Komplikationen in der Anästhesie, von klassischen bis hin zu eher seltenen Zwischenfällen.
Fehleranalysen und Empfehlungen zur Fehlervermeidung machen dieses Buch zu einem ausgezeichneten Instrument für die Qualitätssicherung und das Fehlermanagement in der Anästhesie. Alle Fälle sind einheitlich aufgebaut und enthalten:
Neu in dieser Auflage: Spannende neue Fälle aus den Bereichen Regionalanästhesie, Herz-Kreislauf, Transfusionsmedizin, Transplantation und Schmerztherapie.
Durch das neue Patientenrechtgesetz und die Unterstützung durch das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) werden CIRS und Fehlermanagement immer wichtiger.
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Seitenzahl: 572
Veröffentlichungsjahr: 2016
Fehler und Irrtümer in der Anästhesie
Patrick Meybohm, Michael St. Pierre, Wolfgang Heinrichs, Berthold Bein
Elisabeth Adam, Berthold Bein, Elmar Biermann, Paul Frank, Thomas Frietsch, Axel Fudickar, Moritz Funke, Matthias Grünewald, Wolfgang Heinrichs, Jan Höcker, Alexander Hunsicker, Felix Jäger, Rolf Kretschmer, Patrick Meybohm, Haitham Mutlak, Henning Ohnesorge, Matthias Reith, Jochen Renner, Michael St. Pierre, Christian Friedrich Weber
2., aktualisierte Auflage
8 Abbildungen
„Errare humanum est“ – diese dem spätantiken Theologen Hieronymus zugeschriebene Erkenntnis gehört zweifellos zu den universellen Wahrheiten der Menschheit – nur für Ärzte schien sie bis ins 21. Jahrhundert hinein nicht gelten zu dürfen. Aber entgegen der lange gepflegten Vorstellung von Ärzten als „Halbgöttern in Weiß“ unterliegen das Urteilsvermögen, die Kommunikationsfähigkeit und die Selbstreflexion von Ärzten denselben Einschränkungen, wie sie bei anderen Berufsgruppen bzw. Menschen ganz allgemein zu finden sind. Gerade in der technisierten Arbeitsumgebung der Anästhesiologie und Intensivmedizin mit einem hohen Sicherheitsniveau im Bereich der verwendeten Geräte ist menschliches Versagen die Hauptursache für Komplikationen und Zwischenfälle. Dieser Erkenntnis kann sich unabhängig von Erfahrung und Funktion kein Anästhesist entziehen. Jeder von uns muss sich mit Fehlern auseinandersetzen, denn der weniger bekannte Teil des eingangs zitierten Aphorismus lautet: „… sed in errore perseverare diabolicum“ – aber im Irrtum beharren ist teuflisch. Noch vor nicht allzu langer Zeit galt in der Medizin das Prinzip der „Null-Fehler-Kultur“. Fehler durften nicht passieren und traten sie doch auf, war der Umgang damit in der Regel durch Schuldzuweisungen an Einzelpersonen geprägt. Diese Kultur des „Sündenbocks“ʼ war bequem, weil man nicht weiter nach Ursachen suchen musste, sobald man einmal den Schuldigen gefunden zu haben glaubte. Für den Rest der Kollegen war die Sache dann erledigt und man war entweder froh, nicht selbst den Fehler begangen zu haben, oder überzeugt, dass einem so etwas ohnehin nie passieren würde. Es ist aber eine Tatsache, dass jedem Fehler passieren können und meistens auch von komplexen äußeren Bedingungen wie Ausbildung, Organisation, Gerätetechnik und Führungsstruktur abhängen. In unserem Fachgebiet werden daher erhebliche Anstrengungen unternommen, um einen transparenteren und auch ehrlichen Umgang mit Fehlern zu etablieren. Einen Meilenstein in dieser Hinsicht stellt sicherlich die Datenbank des Critical Incident Reporting Systems „CIRS‑AINS“ dar, dass mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) und des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten (BDA) in vorbildlicher Weise ermöglicht, Fehler, Zwischenfälle und auch Beinahe-Zwischenfälle in anonymer Form im Internet zu veröffentlichen, damit andere Kollegen die Möglichkeit haben, aus den geschilderten Fällen zu lernen. Voraussetzung dafür ist allerdings die Akzeptanz der eigenen Fehlbarkeit, die uns aus unseren Fehlern und aus den Fehlern anderer lernen lässt. Dazu soll die vorliegende Sammlung von 111 Fallbeispielen aus der anästhesiologischen Praxis ausreichend Gelegenheit geben. Die Fallberichte stammen zum Teil aus der CIRS‑AINS‑Datenbank, wurden von den Autoren so oder in ähnlicher Form persönlich erlebt, oder beruhen auf anonymisierten Berichten. Alle Fallbeispiele beruhen somit auf wahren Fällen, sind im Kern unverändert, aber didaktisch aufbereitet und anonymisiert, um eine Identifikation der Ereignisse und der beteiligten Behandler und Patienten unmöglich zu machen. Ähnlichkeiten mit noch lebenden oder verstorbenen Personen sind also rein zufällig. Bei ausgewählten Fällen ist es uns gelungen, durch Herrn Dr. Biermann und sein Team vom BDA eine Kommentierung der Fälle aus juristischer Sicht anzufügen. Lernen an Einzelbeispielen birgt aber auch Fallstricke. Das Spektrum an Fehlermöglichkeiten in der Anästhesie ist naturgemäß breit und die Bandbreite aller möglichen Fehler kann weder durch Fallberichte noch durch eigene Erfahrungen eines Berufslebens abgedeckt werden. Da wir uns aber Erlebnisse (auch die von anderen) immer besser merken können als Checklisten und Algorithmen, besteht immer die Gefahr, dass wir im Alltag auf Basis dieser begrenzten Einzelfallerfahrungen handeln und uns unbekannte Fehlermöglichkeiten nicht in unseren Entscheidungsprozess einbeziehen. Um daher den Blick über den persönlichen Tellerrand hinaus zu weiten und um zur systematischen Fehleranalyse und zur Entwicklung von verschiedenen Strategien der Fehlervermeidung anzuregen, wird am Anfang des Buches ein kurzes Kapitel zur allgemeinen Fehleranalyse vorgeschaltet. Das noch relativ junge Gebiet der „Fehlerforschung“ beschreibt eine Reihe typischer und immer wiederkehrender Fehler, die in der anliegenden „Fehlermatrix“ strukturiert aufgezeigt werden. Die Matrix besteht aus 2 Dimensionen: zum einen dem vorherrschenden Symptom, welches entweder durch den Fehler entstanden ist oder den Fehler verursacht hat, zum anderen aus der Fehlerart, die dem Geschehen aus der Perspektive der „Human Factors“-Forschung zugrunde liegt. Aus der Kombination von vorherrschenden klinischen Befunden (z. B. Hypotension, Hypoxie, Fehlpunktion) und verschiedenen Fehlerarten (z. B. Management-Fehler, Fehlentscheidung, Kommunikationsfehler) resultieren in der Matrix mit 36 × 18 Feldern theoretisch insgesamt 648 verschiedene Fälle. Wir haben nun 111 typische Fehler und Irrtümer aus dem anästhesiologischen Alltag ausgewählt und in Form der Kapitelnummern der Matrix zugeordnet. Machen Sie es sich aber zur Aufgabe, die Fehlertypen beim Lesen der Beispiele zuerst selbst zu identifizieren und anschließend erst in die Matrix zu schauen. Vielleicht finden Sie sogar mehr Fehlerarten, als von uns beabsichtigt. Umgekehrt können Sie aber auch gezielt mit Hilfe der Fehlermatrix anhand von bestimmten klinischen Befunden und typischen Fehlerarten direkt nach für Sie interessanten Fällen suchen. Jede der 111 Fallberichte ist in der gleichen Struktur aufgebaut: Im Mittelpunkt steht die Schilderung eines Ereignisses, das sich oftmals aus „heiterem Himmel“ zu einem schweren Zwischenfall entwickelt. Im Anschluss daran wird der Leser darüber informiert, welche Konsequenzen die Komplikation für den Patienten mit sich gebracht hat. Eine kurze Analyse aus anästhesiologischer Perspektive beleuchtet medizinische und humanfaktorielle Aspekte der Entstehung des Zwischenfalls. Aufgrund der gebotenen Kürze (die meisten Fallberichte erstrecken sich maximal über eine Doppelseite) kann sich diese Erörterung nur auf die wesentlichen Faktoren beziehen. Dem aufmerksamen Leser werden daher sicher eine ganze Reihe weiterer Aspekte einfallen, die im Kommentar nicht erwähnt werden. Ist dies der Fall, so hat der Fallbericht sein Ziel erreicht: Sie haben sich auf eine intensive gedankliche Auseinandersetzung mit dem Geschehen eingelassen und damit eine der wesentlichen inneren Voraussetzungen für nachhaltiges Lernen geschaffen. Abgerundet wird jedes Kapitel durch einige wenige Literaturverweise, die den Autoren im Hinblick auf die abgehandelte Thematik als wesentlich erschienen, und die zu einer vertiefenden Lektüre anregen können. Ein Buch wie das vorliegende lebt von der Erfahrung der beteiligten Autoren, die die konkreten Fälle beigesteuert haben. Insofern sind in diesem Buch viele Jahrzehnte Berufserfahrung versammelt. Wir möchten uns bei allen beteiligten Co-Autoren für die konstruktive Zusammenarbeit und die intensiven Diskussionen bei der Entstehung dieses Buches bedanken. Natürlich sind wir auch auf Ihre Kommentare und Verbesserungsvorschläge gespannt, liebe Leser. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Vergnügen beim Stöbern in unseren Fallbeispielen!
Ihre Patrick Meybohm Michael St. Pierre Wolfgang Heinrichs Berthold Bein Sommer 2016, Frankfurt, Erlangen, Mainz, Hamburg
Vorherrschende Befunde, die aufgrund des Fehlers auftraten oder aufgrund deren ein Fehler entstanden ist.
Atmung/Luftweg/Lunge/Thorax
Herz/Kreislauf
Laryngospasmus
Bronchospasmus
Aspiration
Hypoxämie
Atmungs-störungen
Atemwege/Difficult Airway
Hypotension
Hypertension
Tachykardie
Bradykardie
Rhythmus-störungen
Hypotension + Tachykardie
Hyotension + Bradykardie/Normofrequenter Rhythmus
Kardialer Stress/akutes Koronarsyndrom/STEMI/non-STEMI
Hypotension + Tachykardie + Hypoxämie
Fehlerarten
Managementfehler
Wissensfehler medizinisch
19
1; 8; 20
73; 21
5; 16
9; 16
37
27; 32; 35; 37
29
27; 30
44
24; 33; 36; 40
84; 42
69
Wissensfehler technisch/Handlingprobleme
11; 18
1
73; 21
5; 98
3; 6; 7; 10; 12; 13; 14; 37; 15
37
47; 77
46
39
23
84
63
Aufmerksamkeitsfehler/physisches Versagen
11; 19
8
84; 4; 98
9
3; 12
34
77; 26
31
24; 36
23
42
Zeitdruck/Workloadmanagement
1
16; 17
16
47; 77
29 31
46
1; 38
Vorausplanung
11; 18
73
4; 17
9
7; 13; 15
34
29
86; 39
38
23
69
Ablenkung vermeiden
21
34
46
24 ; 28
42
Übernahme/Informationsverlust
11
73
2; 12; 15
32; 35
26
29; 31
39
1; 28; 38; 40
Wichtige Befunde fehlen/ werden übersehen
98
2; 6; 14; 37
35
26
29
30
28; 38
23
42
Fehlbeurteilung/Fehlentscheidungen
Optionen suchen/Vor- und Nachteile bewerten
18
17
16
6; 7; 10; 13; 15
32; 41
47
27
36
25
69; 63
Entscheidungen hinterfragen
19
20
73; 21
5; 98
9; 16
7; 10; 13; 14; 37; 15
27; 32; 35; 37; 41
26
27
44
24; 33; 36; 38; 40
23
84; 25
69; 63
Fixierungsfehler
8; 20
73
5; 98
9
3; 13; 15
27; 35; 41
47; 70; 26
70 31
27; 46
39
24; 33; 40
23
84; 42
Fehlinterpretation einzelner Werte
20
98
9
33
27; 32
47 77 26
31
27; 30
24; 36
23
84; 42
Teamfehler
Führungsrolle
21
5; 16
16
7; 15
27; 41
27
44
28; 40
25
Wissen einbringen/Meinungen abfragen/auch unklare Gedanken äußern
18
6; 7; 15
32
26
30
28; 36; 38
25
63
Kritik und Einwände annehmenZuhören/Unstimmigkeiten ansprechen
5
41
24; 28
Ressourcen nutzen/Aufgaben sinnvoll delegieren
11
73
17
6; 10; 15
32; 34
46
23
63
Kommunikationsfehler
Ungerichtete Kommunikation
11
5
2; 7; 11; 12
22
39
24; 36; 40
Unsichere Kommunikation
21
16
16
22; 27; 41
27; 46
44
40
Fehler in der Fachsprache
7
Gestörte Kommunikation (Geräusche, Lärm, Technik)
46
40
23
Allgemeine Reaktionen
Labor
ZNS
Regionalanästhesie
Medizintechnik
Läsionen
MH
Allergie/Anaphylaxie/
Blutverwechslung / Transfusions-reaktion
Medikamenten-verwechselung
Schmerzen nach Anästhesie/bei Übergabe/im AWR
Stoffwechsel
Säure-Basen-Haushalt
Wasser- und Elektrolythaushalt
Ischämie
Krampfanfall
ICP Anstieg
Fehlpunktion/ punktionsbedingte Läsionen
Akzidentelle Duraperforation
Schmerzen aufgrund unzur. Effekts
Hohe/totale RM-nahe Anästhesie
Monitoring
Narkose-/Beatmungsgerät
Intravasale Infusionstechnik
Punktions-bedingte Läsionen
Lagerungsfehler/Läsionen durch Lagerung
Patient falsch/falsche Seite
54; 20
43; 44; 51
57
65; 67
68
69
69; 73
71
80; 81
76
85
94
20; 63
45
44; 51; 60
65
68
73
70
75; 74; 82; 101
77
75; 79; 80; 82; 81
83
97; 99
84; 85; 4; 88; 93; 95; 98; 39
87; 90; 94
103; 104; 106; 108; 109; 110
100; 89; 107; 105
63
53; 45
43; 50; 52; 49; 55; 59; 60; 62; 66
64
66
71
75
77
75; 79
76; 78
22; 89
84; 4; 93; 98
87; 94
104; 110
100; 89; 107; 102; 105
111
53; 61
62; 66
65; 66
74
77
79; 80; 81
89
88; 95
104; 17
100; 89; 107
111
58
60; 66
65
69
69; 73
79
92; 96
84; 86; 93; 39
108; 17
45
50; 49; 59; 66
64
66
74
78
89
100; 89
111
58
51; 66
66; 67
72
71
82
79; 81
97
86
90
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111
56
45
67
68
71; 70
79
97
88; 93; 95; 98
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111
56
54; 20; 63
59
64
69
69
70
80
97; 99
91; 93
103; 108; 109
56
54; 20; 63
44; 62
57
68
69
69
82
75; 82; 81
78; 83
89; 96; 97; 99
85; 4; 39
87; 94
103; 104; 108
56
54; 20
45
52
72
73
71; 70
75
75; 80; 81
83
97
85; 93; 98
90; 94
103; 104; 109; 110
102
111
56
20
45
71
77
80
76
97
85; 95
90
103; 104; 109
44
64
75
96
91
108
105
56
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43; 51
67
72
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94
103; 104
107
111
51
82
80
78
85
105
56
63
60
66
75
79; 81
89; 92; 96; 99
86; 93
106; 108; 109; 17
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58; 20
53; 61
60
67
72
82
80
22; 92; 97
22; 85; 39
106
107; 102
111
45
43; 44; 62; 66
64
66
78
22; 96; 97
22
44
72
43; 66
64
66
Einführung: Systematische Fehleranalyse in der Anästhesie
Axel Fudickar
1.1 Fehler
Systematische Fehleranalyse bedeutet, bestimmte Fehlertypen bei der Analyse von kritischen Situationen und Komplikationen zu identifizieren und Strategien zu ihrer Vermeidung zu entwickeln. Die meisten anästhesiologischen Komplikationen beruhen auf menschlichen Fehlern, nicht auf Fehlern technischer Geräte. Menschliche Fehler können sich durch Handeln oder Unterlassen manifestieren, sie können nicht nur unbeabsichtigt, sondern in Form von Regelverstößen auch beabsichtigt sein.
1.1.1 Wahrnehmungsfehler
Einfache Wahrnehmungsfehler wie Verwechseln, Verlesen, Verhören oder Übersehen einzelner Wahrnehmungen sind jedem geläufig. Die allgemeine Einengung der Wahrnehmung durch Ausblenden sensorischer Reize ist als der durch Alkoholkonsum oder Stress geförderte „Tunnelblick“ bekannt. Darüber hinausgehende Desorientierung, Verlust von Realitätsbezug und fehlendes Situationsbewusstsein treten vor allem in komplexen Überforderungssituationen auf. Eine Delusion ist die Verkennung einer Wahrnehmung, während Illusion eine falsche Vorstellung von der Realität bezeichnet.
1.1.2 Gedächtnis- und Denkfehler
Fehlerhafte Gedächtnisleistung ist ebenso allgemein bekannt und alltäglich wie Wahrnehmungsfehler. Vergessen kann sowohl Grundlagenwissen reduzieren, das für die Bewältigung einer Aufgabe notwendig ist, oder aber zu kurzfristigem Verlust aktueller wichtiger Informationen in speziellen Situationen führen.
Das Spektrum der Denkfehler ist so vielfältig wie das Denken selbst. Neben den üblichen falschen logischen Verknüpfungen, etwa beim Rechnen von Dosierungen oder beim Zuordnen von Diagnosen und pathophysiologischen Annahmen zu Symptomen und Verläufen gibt es eine Reihe mehr allgemeiner strategischer Denkfehler. Für die Anästhesie besonders wichtige Denkfehler beruhen auf der Tendenz, stabile, aber falsche Vorstellungen von der Realität gegenüber schnell wechselnden, aber realitätsnahen Hypothesen zu bevorzugen. Der Begriff Fixierungsfehler beschreibt den Hang, einen einmal eingeschlagenen falschen Gedankengang nicht mehr zu verlassen, auch wenn Anzeichen gegen seine Richtigkeit sprechen.
1.1.3 Motorische Fehler
Motorische Fehler sind in der Anästhesie aufgrund ihrer vielen manuellen Anforderungen trotz richtiger Planung zu erwarten. Unspezifische motorische Fehler, wie Fehlpunktionen, sind falsche Ausführungen richtig geplanter Aktionen. Spezifische motorische Fehler sind richtige Ausführungen anderer als der geplanten Tätigkeiten, z. B. das Injizieren eines Medikaments an Stelle der Vorbereitung einer Kurzinfusion. Spontanes Handeln ohne adäquaten Plan und Kontrolle ist als Aktionismus bekannt.
1.1.4 Interaktionsfehler
Anästhesie ist Teamarbeit und Fehler in der Interaktion des Teams werden für 40–60% der Fehler in der Medizin verantwortlich gemacht. Individuelle Teamarbeitsfehler sind Rollenkonflikte, mangelndes Engagement für die gemeinsame Aufgabe und mangelnde Kritikfähigkeit. Erfolgreiche Teamarbeit setzt außerdem technisch und inhaltlich gute Kommunikation im Team voraus. Kommunikationsfehler entstehen hauptsächlich an interdisziplinären Schnittstellen und im Umgang mit Patienten. Kommunikation ist nicht nur der Austausch von Informationen, sondern beeinflusst auch die Beziehung zwischen den Kommunikationspartnern. Fehlerhafte Kommunikation bewirkt deshalb nicht nur schlechte Zusammenarbeit, sondern auch mangelnde Identifikation aller Teammitglieder mit der Arbeitsgruppe und ihrer Aufgabe.
1.2 Risikofaktoren
1.2.1 Mensch
Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale können in extremer Ausprägung Fehler wahrscheinlicher machen. Ein extrovertierter und instabiler Persönlichkeitstyp gilt als besonders riskant. Machoverhalten in Verbindung mit dem Gefühl der Unfehlbarkeit, Antiautorität und Impulsivität führen zu Risikounterschätzung und riskanter Arbeitsweise. Aber auch instabile introvertierte Persönlichkeiten gelten als fehleranfälliger, da sie aus einem Gefühl der erlernten Hilflosigkeit heraus unsicher agieren können.
Situationsbezogen erhöhen Zielkonflikte, Müdigkeit, Langeweile, niedriges Aufmerksamkeitsniveau, Stress, niedriger Ausbildungsstand, schlechte Motivation, gering ausgeprägte Gewissenhaftigkeit und fehlende Information die individuelle Fehlerrate. Emotionale Reaktionen können die Denkfähigkeit beeinträchtigen und Entscheidungen negativ beeinflussen. Außerdem hängt das Fehlerrisiko von der aktuellen Befindlichkeit und dem Gesundheitszustand ab.
1.2.2 System
Personenunabhängige Risikofaktoren können in der technischen Ausstattung verborgen sein. Schlechte Bedieneroberflächen und viele verschiedene Gerätetypen an einer Klinik können Bedienerfehler provozieren. Unzureichende materielle Ausstattung kann auch bei ordnungsgemäßer Funktion motorische Fehler begünstigen.
Kommunikationsfehler werden durch Hintergrundgeräusche und Ablenkungen wahrscheinlicher. Aber auch unterschiedlicher kultureller Hintergrund, unklare Ausdrucksweise und emotionale Probleme zwischen den Teammitgliedern können die Kommunikation behindern. Außerdem können Hierarchieprobleme und Konkurrenzsituationen negativen Einfluss auf die Kommunikation haben.
Aufgabenverteilung und Arbeitszeiten beeinflussen die Fehlerrate außerdem genauso wie die Qualität der Supervision und Richtlinien. Juristische und wirtschaftliche Vorgaben können medizinisches Fehlverhalten durch Zielkonflikte induzieren.
1.3 Fehlervermeidung
Die Häufigkeit von Fehlern kann durch konsequente, individuelle, technische und organisatorische Sicherheitsmaßnahmen beeinflusst werden.
Die individuelle Fehlerwahrscheinlichkeit wird durch gute Ausbildung und Training am Patienten und im Simulator, Motivation, Sorgfalt und die Berücksichtigung von Regeln reduziert. Metakognitives Training dient der Reduktion von Denkfehlern durch Reflexion. Bei jeder Aktion müssen Risiken vorher bedacht und Gegenmaßnahmen geplant werden (Plan A, Plan B). Notfallsituationen sind besonders fehlerträchtig oder selbst Folge eines Fehlers. Zur Schadensbegrenzung ist es daher wichtig, einen Notfall früh und deutlich bekannt zu geben und rechtzeitig Hilfe anzufordern. Um die Kommunikation zu verbessern, werden in sicherheitsrelevanten Bereichen systematische Briefings an Hand von Checklisten durchgeführt. Briefing ist ein kurzes Zusammentreffen aller an der Erfüllung einer Aufgabe beteiligten Personen, bei dem die nötigen Informationen überprüft und kommuniziert werden. Motivation und Identifikation aller Teammitglieder mit der Arbeit werden dadurch zusätzlich verbessert. Zum Briefing im OP wird die „Surgical Safety Checklist“ der World Health Organization (WHO) empfohlen.
Die Automatisierung und Standardisierung von Abläufen durch möglichst einfache Leit- und Richtlinien sowie Checklisten tragen zur organisatorischen Fehlerreduktion bei. Aufgaben müssen im Team ökonomisch verteilt werden, um Überlastungssituationen zu vermeiden. Um systematisch aus Fehlern lernen zu können, sind Fehlerdokumentation und -analyse durch möglichst anonyme und einfach zu verwendende Fehlerberichtssysteme sinnvoll. Für die Anästhesie bietet sich das Critical Incident Reporting System CIRS-AINS der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin an.
1.4 Konsequenzen für den Behandelnden
Fehler können für die beteiligten Behandler psychisch belastend werden und zu kontraproduktiven Reaktionen führen. Dazu zählen Verleugnung, unrealistische Erklärungsversuche, Vorwurfshaltung oder Verteidigung. Negative Emotionen können langfristig beeinträchtigen und zu somatoformen Erkrankungen, Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen (PTSD) führen.
Der Umgang von Außenstehenden mit Zwischenfällen kann durch fehlerhafte Analyse und Schuldzuweisung zu einer ungünstigen Verarbeitung beitragen. Zwischenfälle entstehen selten monokausal und die beitragenden Faktoren erzeugen oft eine komplexe Situation, die eine eindeutige Analyse nicht zulässt. Rückschaufehler entstehen, wenn eine Aktion retrospektiv nicht aus der Perspektive der zu diesem Zeitpunkt Handelnden bewertet wird. Framing bezeichnet die unterschiedliche Bewertung einer Situation je nach Darstellung und Zusammenhang.
Omission Bias bedeutet, die Unterlassung einer Aktion weniger schwerwiegend zu bewerten als eine falsche Aktion, und der Outcome Bias liegt vor, wenn eine Entscheidung oder Aktion nur nach ihrem Endergebnis bewertet wird.
Konstruktiv ist eine strukturierte Nachbesprechung (Debriefing) kritischer Ereignisse mit sachlicher Dokumentation des Ablaufs. Identifikation von positiven Aspekten und Fehlern unter Einbeziehung beitragender Rahmenbedingungen ermöglicht dann, aus Fehlern, aber auch aus positiver Rückmeldung zu lernen. Hilfreich für die Bewältigung der emotionalen Belastung der Beteiligten sind Lerneffekte, aber auch ablenkende Beschäftigung und körperliche Aktivität in der Freizeit und letztlich die Akzeptanz der menschlichen Fehlbarkeit.
1.5 Weiterführende Literatur
[1] Arnstein F. Catalogue of human error. Br J Anaesth 1997; 79: 645–656
[2] Cabrini L, Levati A. Risk management in anesthesia. Minerva Anestesiol 2009; 75: 638–643
[3] Dobelli R. Die Kunst des klaren Denkens. München: Carl Hanser; 2011
[4] Fudickar A et al. The effect of the WHO Surgical Safety Checklist on complication rate and communication. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(42): 695–701
[5] Grube C, Schaper N, Graf BM. Man at Risk – Aktuelle Strategien zum Risikomanagement in der Anästhesie. Anaesthesist 2002; 51: 239–247
[6] Hübler M, Koch T, Hrsg. Komplikationen in der Anästhesie. Heidelberg: Springer; 2012
[7] Hoffmann B, Rohe J. Patientensicherheit und Fehlermanagement – Ursachen unerwünschter Ereignisse und Maßnahmen zu ihrer Vermeidung. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(6): 92–99
[8] Krüger-Brand HE. Patientensicherheit – Risikomanagement wird vielerorts schon praktiziert. Dtsch Arztebl 2010; 107(41): 1716–1717
[9] Schleppers A, Bauer M. Critical incident reporting systems (CIRSs) in der Anästhesie – Fehler oder Kultur. Anaesthesist 2005; 54: 299–300
Vorwort
Fehlermatrix
Teil I Atmung, Lunge, Luftwege, Thorax
1 Beatmungsprobleme bei Kinderanästhesie
1.1 Klinischer Fall
1.2 Konsequenzen für den Patienten
1.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
1.4 Interpretation aus Sicht des Juristen
1.5 Weiterführende Gedanken 1
2 Nachblutung und schwieriger Atemweg
2.1 Klinischer Fall
2.2 Konsequenzen für den Patienten
2.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
2.4 Weiterführende Gedanken
3 Bedrohliche Hypoxie aufgrund eines zugebissenen Woodbridge-Tubus
3.1 Klinischer Fall
3.2 Konsequenzen für den Patienten
3.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
3.4 Weiterführende Gedanken
4 Hypoxie durch sterilen Handschuh
4.1 Klinischer Fall
4.2 Konsequenzen für den Patienten
4.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
4.4 Weiterführende Gedanken
5 Ignorierter Abfall der Hämoglobin-Sauerstoffsättigung
5.1 Klinischer Fall
5.2 Konsequenzen für den Patienten
5.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
5.4 Weiterführende Gedanken
6 Thorakotomie in der HNO
6.1 Klinischer Fall
6.2 Konsequenzen für den Patienten
6.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
6.4 Weiterführende Gedanken
7 Notintubation bei Morbus Madelung
7.1 Klinischer Fall
7.2 Konsequenzen für den Patienten
7.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
7.4 Weiterführende Gedanken
7.5 Weiterführende Literatur
8 Schwieriger Atemweg bei Adipositas und Minderwuchs
8.1 Klinischer Fall
8.2 Konsequenzen für den Patienten
8.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
8.4 Weiterführende Literatur
9 Hyperkapnie bei analgosediertem Kind
9.1 Klinischer Fall
9.2 Konsequenzen für den Patienten
9.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
9.4 Literatur
10 Intubationsschwierigkeiten bei einer Routine-OP trotz Anästhesieausweis
10.1 Klinischer Fall
10.2 Konsequenzen für den Patienten
10.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
11 „Verlorene“ Rachentamponade
11.1 Klinischer Fall
11.2 Konsequenzen für den Patienten
11.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
11.4 Analyse aus Sicht des Juristen
11.5 Weiterführende Gedanken
11.6 Literatur
12 Intraoperative Tubusdislokation nach fiberoptischer Intubation bei schwierigem Atemweg
12.1 Klinischer Fall
12.2 Konsequenzen für den Patienten
12.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
12.4 Weiterführende Gedanken
13 Akzidentelle Tubusdislokation während intrakraniellem Eingriff im MRT-OP
13.1 Klinischer Fall
13.2 Konsequenzen für den Patienten
13.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
13.4 Weiterführende Gedanken
14 Einlage eines Wendl-Tubus post extubationem führt zu einer akuten Atemwegsverlegung
14.1 Klinischer Fall
14.2 Konsequenzen für den Patienten
14.3 Weiterführende Gedanken
14.4 Literatur
15 Verlust des Atemweges durch den Operateur
15.1 Klinischer Fall
15.2 Konsequenzen für den Patienten
15.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
15.4 Weiterführende Gedanken
16 Kommandoatmung und Verlegung in den Aufwachraum
16.1 Klinischer Fall
16.2 Konsequenzen für den Patienten
16.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
16.4 Weiterführende Gedanken
17 Notsectio im Bereitschaftsdienst ohne Pflegekraft
17.1 Klinischer Fall
17.2 Konsequenzen für den Patienten
17.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
17.4 Analyse aus Sicht des Juristen
17.5 Weiterführende Literatur
18 Erwachendes Kind verliert intravenösen Zugang und Atemweg
18.1 Klinischer Fall
18.2 Konsequenzen für den Patienten
18.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
18.4 Weiterführende Literatur
19 Laryngospasmus im urologischen OP
19.1 Klinischer Fall
19.2 Konsequenzen für den Patienten
19.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
19.4 Weiterführende Gedanken
20 Schwerer Bronchospasmus – Anaphylaxie nach Antibiose
20.1 Klinischer Fall
20.2 Konsequenzen für den Patienten
20.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
21 Schwierige Persönlichkeit im OP
21.1 Klinischer Fall
21.2 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
21.3 Weiterführende Gedanken
21.4 Weiterführende Literatur
Teil II Herz, Kreislauf
22 Fehlende Blutdrucküberwachung
22.1 Klinischer Fall
22.2 Konsequenzen für den Patienten
22.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
22.4 Weiterführende Gedanken
23 Unerkannte Hypotonie bei Schrittmacher-EKG
23.1 Klinischer Fall
23.2 Konsequenzen für den Patienten
23.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
24 Unerwarteter Blutverlust bei mittlerem allgemeinchirurgischem Eingriff
24.1 Klinischer Fall
24.2 Konsequenzen für den Patienten
24.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
24.4 Weiterführende Gedanken
24.5 Literatur
25 Fehlende Bereitstellung von Erythrozytenkonzentraten
25.1 Klinischer Fall
25.2 Konsequenzen für den Patienten
25.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
25.4 Interpretation aus Sicht des Juristen
25.5 Literatur
26 Hypertonus mit akutem Koronarsyndrom
26.1 Klinischer Fall
26.2 Konsequenzen für den Patienten
26.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
27 Verheimlichte Clonidinapplikation
27.1 Klinischer Fall
27.2 Konsequenzen für den Patienten
27.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
27.4 Weiterführende Gedanken
28 Nachblutung bei einer Trichterbrust-OP
28.1 Klinischer Fall
28.2 Konsequenzen für den Patienten
28.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
28.4 Weiterführende Literatur
29 Aortenstenose – Dekompensation aufgrund von nicht beachteten Befunden
29.1 Klinischer Fall
29.2 Konsequenzen für den Patienten
29.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
29.4 Weiterführende Gedanken
29.5 Literatur
30 AV-Block 3. Grades bei Verapamil-Therapie wegen Clusterkopfschmerz
30.1 Klinischer Fall
30.2 Konsequenzen für den Patienten
30.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
30.4 Literatur
31 Tachykarde Rhythmusstörung
31.1 Klinischer Fall
31.2 Konsequenzen für den Patienten
31.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
32 Flache Anästhesie und Awareness nach Übergabe an einen ablösenden Kollegen
32.1 Klinischer Fall
32.2 Konsequenzen für den Patienten
32.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
32.4 Literatur
33 Hypotension und Tachykardie – nicht immer ein Volumenmangel
33.1 Klinischer Fall
33.2 Konsequenzen für den Patienten
33.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
33.4 Weiterführende Gedanken
34 Luftembolie im Rahmen der Resektion einer zerebellären Metastase
34.1 Klinischer Fall
34.2 Konsequenzen für die Patientin
34.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
34.4 Weiterführende Gedanken
34.5 Literatur
35 Spannungspneumothorax bei Darmischämie nach Mesenterialarterienverschluss
35.1 Klinischer Fall
35.2 Konsequenzen für den Patienten
35.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
35.4 Weiterführende Gedanken
36 Pulslose Tachykardie im Rahmen der Therapie einer atonen Nachblutung
36.1 Klinischer Fall
36.2 Konsequenzen für den Patienten
36.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
36.4 Weiterführende Gedanken
37 Ausgeprägte hämodynamische Instabilität durch partielle intratracheale Fehllage eines Doppellumentubus
37.1 Klinischer Fall
37.2 Konsequenzen für den Patienten
37.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
37.4 Literatur
38 Hämodynamische Instabilität nach Narkoseeinleitung bei übersehenem Perikarderguss
38.1 Klinischer Fall
38.2 Konsequenzen für den Patienten
38.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
39 Unmögliche Defibrillation mit Klebepaddels
39.1 Klinischer Fall
39.2 Konsequenzen für den Patienten
39.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
40 Spannungspneumothorax aufgrund einer Fehlbedienung der Thoraxdrainage
40.1 Klinischer Fall
40.2 Konsequenzen für den Patienten
40.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
41 Polytrauma-Management mit Kommunikations- und Führungsproblemen
41.1 Klinischer Fall
41.2 Konsequenzen für den Patienten
41.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
41.4 Literatur
42 Myokardinfarkt während kieferchirurgischer Tumorresektion
42.1 Klinischer Fall
42.2 Konsequenzen für den Patienten
42.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
42.4 Weiterführende Gedanken
Teil III Allgemeine Reaktionen
43 Akzidentelle Propofol-Überdosierung
43.1 Klinischer Fall
43.1.1 Konsequenzen für den Patienten
43.1.2 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
43.1.3 Weiterführende Gedanken
43.1.4 Literatur
44 Versehentliche Injektion von 20 mmol Kalium
44.1 Klinischer Fall
44.2 Konsequenzen für den Patienten
44.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
44.4 Weiterführende Gedanken
44.5 Literatur
45 Verwechselung von Blutkonserven
45.1 Klinischer Fall
45.2 Konsequenzen für den Patienten
45.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
45.4 Weiterführende Gedanken
46 Asystolie während eines Intubationsversuchs bei unzureichender Narkosetiefe
46.1 Klinischer Fall
46.2 Konsequenzen für den Patienten
46.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
46.4 Weiterführende Gedanken
47 Hypertensive Entgleisung durch Noradrenalin-Bolus
47.1 Klinischer Fall
47.2 Konsequenzen für den Patienten
47.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
47.4 Weiterführende Gedanken
47.5 Literatur
48 Stimulation des Siphonaptera anaesthesia (Narkosefloh) beim Kleinkind
48.1 Klinischer Fall
48.2 Konsequenzen für den Patienten
48.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
49 Massive Muskelrigidität durch Verwechslung von Remifentanil und Propofol
49.1 Klinischer Fall
49.2 Konsequenzen für den Patienten
49.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
49.4 Literatur
50 Ablenkungsbedingte Medikamentenverwechslung
50.1 Klinischer Fall
50.2 Konsequenzen für den Patienten
50.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
50.4 Literatur
51 Cell-Saver-Blut enthält Adrenalin
51.1 Klinischer Fall
51.2 Konsequenzen für den Patienten
51.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
51.4 Literatur
52 Reanimation mit Lipidinfusion nach Bupivacain-Toxikation
52.1 Klinischer Fall
52.2 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
52.3 Literatur
53 Verwechslung von Blutkonserven bei Übergabe an Aufwachraum
53.1 Klinischer Fall
53.2 Konsequenzen für den Patienten
53.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
53.4 Literatur
54 Lokalanästhesie-Intoxikation bei Hernioplastie
54.1 Klinischer Fall
54.2 Konsequenzen für den Patienten
54.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
54.4 Weiterführende Gedanken
54.5 Literatur
55 Medikamentenverwechslung aufgrund ISO-Etiketten: Akrinor versus Arterenol
55.1 Klinischer Fall
55.2 Konsequenzen für den Patienten
55.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
55.4 Literatur
56 Maligne Hyperthermie im Aufwachraum nach unauffälliger Anästhesie
56.1 Klinischer Fall
56.2 Konsequenzen für den Patienten
56.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
56.4 Literatur
57 Tachykardie und Hypertonie aufgrund von Opiat-Unwirksamkeit
57.1 Klinischer Fall
57.2 Konsequenzen für den Patienten
57.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
57.4 Interpretation aus Sicht des Juristen
57.5 Literatur
58 Überdosierung von Paracetamol bei einem Kind
58.1 Klinischer Fall
58.2 Konsequenzen für den Patienten
58.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
58.4 Literatur
59 Medikamentenverwechslung bei Spinalanästhesie
59.1 Klinischer Fall
59.2 Konsequenzen für die Patientin
59.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
59.4 Weiterführende Gedanken
60 Medikamentenunterdosierung – Standardisierung der Medikamente
60.1 Klinischer Fall
60.2 Konsequenzen für die Patientin
60.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
60.4 Weiterführende Gedanken
61 Unabsichtliche Bluttransfusion im Rahmen einer Notfall-ACB-OP bei einem Zeugen Jehovas
61.1 Klinischer Fall
61.2 Konsequenzen für den Patienten
61.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
61.4 Interpretation aus Sicht des Juristen
61.5 Literatur
62 Kommunikationsproblem führt zur Narkoseeinleitung
62.1 Klinischer Fall
62.2 Konsequenzen für den Patienten
62.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
62.4 Literatur
63 Anaphylaxie bei Latexkontakt
63.1 Klinischer Fall
63.2 Konsequenzen für den Patienten
63.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
64 Intervention von Angehörigen
64.1 Klinischer Fall
64.2 Konsequenzen für den Patienten
64.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
64.4 Weiterführende Gedanken
Teil IV Labor
65 Persistierende Bewusstlosigkeit nach Narkoseende
65.1 Klinischer Fall
65.2 Konsequenzen für den Patienten
65.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
65.4 Weiterführende Gedanken
66 Nächtliche Verwechslung von Heparin- und Insulin-Spritzenpumpen
66.1 Klinischer Fall
66.2 Konsequenzen für den Patienten
66.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
67 Erfolgreiche Reanimation nach Kortison-Gabe zur Verbesserung der Katecholaminwirkung
67.1 Klinischer Fall
67.2 Konsequenzen für den Patienten
67.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
67.4 Weiterführende Gedanken
67.5 Literatur
68 Schwerer neurologischer Schaden nach Hyperventilation bei vorbestehender metabolischer Alkalose
68.1 Klinischer Fall
68.2 Konsequenzen für den Patienten
68.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
Teil V ZNS
69 Gynäkologischer Notfall – peripartale Blutung
69.1 Klinischer Fall
69.2 Konsequenzen für den Patienten
69.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
69.4 Weiterführende Gedanken
70 Relaxansüberhang, der keiner war – Neurochirurgie
70.1 Klinischer Fall
70.2 Konsequenzen für den Patienten
70.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
70.4 Weiterführende Gedanken
70.5 Literatur
71 Akuter ICP-Anstieg bei einer unfallchirurgischen OP
71.1 Klinischer Fall
71.2 Konsequenzen für den Patienten
71.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
71.4 Literatur
72 Verzögerung der zerebralen Perfusion durch ein Missverständnis
72.1 Klinischer Fall
72.2 Konsequenzen für den Patienten
72.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
72.4 Weiterführende Gedanken
73 Aspiration während Eingriff in Lokalanästhesie
73.1 Klinischer Fall
73.2 Konsequenzen für den Patienten
73.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
73.4 Interpretation aus Sicht des Juristen
73.5 Weiterführende Gedanken
73.6 Literatur
Teil VI Regionalanästhesie
74 Abgescherte Spitze eines Stimulationskatheters wandert in Richtung Scapula
74.1 Klinischer Fall
74.2 Konsequenzen für den Patienten
74.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
74.4 Literatur
75 Awareness während Sectio caesarea
75.1 Klinischer Fall
75.2 Konsequenz für den Patienten
75.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
75.4 Literatur
76 Asystolie während Spinalanästhesie
76.1 Klinischer Fall
76.2 Konsequenzen für den Patienten
76.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
76.4 Weiterführende Gedanken
76.5 Literatur
77 Akzidentelle Duraperforation in der Geburtshilfe
77.1 Klinischer Fall
77.2 Konsequenzen für den Patienten
77.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
77.4 Literatur
78 „Ober sticht Unter“-Konflikt zwischen Facharzt und Oberarzt
78.1 Klinischer Fall
78.2 Konsequenzen für den Patienten
78.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
78.4 Literatur
79 Inkomplette Spinalanästhesie bei unauffälliger Punktion
79.1 Klinischer Fall
79.2 Konsequenzen für den Patienten
79.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
79.4 Weiterführende Gedanken
80 Unzureichende Analgesie bei Epiduralanästhesie zur Sectio caesarea
80.1 Klinischer Fall
80.2 Konsequenzen für den Patienten
80.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
80.4 Weiterführende Gedanken
81 Apnoe im Aufwachraum nach Regionalanästhesie
81.1 Klinischer Fall
81.2 Konsequenzen für den Patienten
81.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
82 Hyposensibilität am lateralen Oberschenkel nach geburtshilflicher Epiduralanästhesie
82.1 Klinischer Fall
82.2 Konsequenzen für den Patienten
82.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
82.4 Weiterführende Gedanken
83 Akzidentelle Spinalanästhesie nach initialer Duraperforation bei geburtshilflicher Epiduralanästhesie
83.1 Klinischer Fall
83.2 Konsequenzen für den Patienten
83.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
83.4 Weiterführende Gedanken
83.5 Literatur
Teil VII Medizintechnik
84 Kritischer Sättigungsabfall bei einem Oxylog-Kombistecker
84.1 Klinischer Fall
84.2 Konsequenzen für den Patienten
84.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
84.4 Weiterführende Gedanken
85 Steigender Beatmungsdruck während Operation im Hals-Nasen-Ohren-Bereich
85.1 Klinischer Fall
85.2 Konsequenzen für den Patienten
85.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
85.4 Weiterführende Gedanken
85.5 Literatur
86 Defibrillator ohne Elektrodenverbindungskabel
86.1 Klinischer Fall
86.2 Konsequenzen für den Patienten
86.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
87 Anstieg des Bispektral-Index bei Diskonnektion
87.1 Klinischer Fall
87.2 Konsequenzen für den Patienten
87.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
87.4 Weiterführende Gedanken
88 Beatmung mit Lachgas und ohne Oxygen Ratio Control
88.1 Klinischer Fall
88.2 Konsequenzen für den Patienten
88.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
88.4 Literatur
89 Patient erwacht unbeobachtet während Parallelnarkose
89.1 Klinischer Fall
89.2 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
89.3 Interpretation aus Sicht des Juristen
89.4 Literatur
90 Rhythmusstörung bei Not-Rethorakotomie durch Katecholaminüberdosierung
90.1 Klinischer Fall
90.2 Konsequenzen für den Patienten
90.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
91 Hypoxie während der Narkose, Gasversorgungsproblem
91.1 Klinischer Fall
91.2 Konsequenzen für den Patienten
91.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
92 Monitorausfall bei Sectio caesarea – Anästhesiepflegekraft verlässt den Saal
92.1 Klinischer Fall
92.2 Konsequenzen für den Patienten
92.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
92.4 Literatur
93 Mangelnde Präoxygenierung aufgrund fehlender Geräteaktivierung
93.1 Klinischer Fall
93.2 Konsequenzen für den Patienten
93.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
93.4 Weiterführende Gedanken
94 Fragliche Awareness nach unbemerkter Infusionsdiskonnektion während neurochirurgischer OP
94.1 Klinischer Fall
94.2 Konsequenzen für den Patienten
94.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
94.4 Weiterführende Gedanken
95 Fehlfunktion des Exspirationsventils am Beatmungsschlauch
95.1 Klinischer Fall
95.2 Konsequenzen für den Patienten
95.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
95.4 Weiterführende Gedanken
96 Einleitung ohne Assistenz durch Pflegekraft
96.1 Klinischer Fall
96.2 Konsequenzen für den Patienten
96.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
96.4 Interpretation aus Sicht des Juristen
96.5 Literatur
97 Funktionsausfall eines Pulsoxymeters
97.1 Klinischer Fall
97.2 Konsequenzen für den Patienten
97.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
97.4 Weiterführende Gedanken
98 Lachgasintoxikation
98.1 Klinischer Fall
98.2 Konsequenzen für den Patienten
98.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
98.4 Weiterführende Gedanken
99 Analgosedierung eines Kindes ohne Pulsoxymetrie
99.1 Klinischer Fall
99.2 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
99.3 Literatur
Teil VIII Läsionen
100 Sturz vom Operationstisch
100.1 Klinischer Fall
100.2 Konsequenzen für den Patienten
100.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
100.4 Weiterführende Gedanken
100.5 Literatur
101 Ungewöhnliche Position eines Periduralkatheters
101.1 Klinischer Fall
101.2 Konsequenzen für den Patienten
101.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
101.4 Weiterführende Gedanken
101.5 Literatur
102 Kompartmentsyndrom nach langer Operationsdauer
102.1 Klinischer Fall
102.2 Konsequenzen für den Patienten
102.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
102.4 Weiterführende Gedanken
103 Infusionsthorax
103.1 Klinischer Fall
103.2 Konsequenzen für den Patienten
103.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
103.4 Literatur
104 Intraarterielle Fehllage einer peripheren Venenverweilkanüle
104.1 Klinischer Fall
104.2 Konsequenzen für den Patienten
104.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
104.4 Literatur
105 Fraglich ungenügende Narkosetiefe bei NTX mit Präparateschaden
105.1 Klinischer Fall
105.2 Konsequenzen für die Patientin
105.3 Interpretation des Anästhesisten
105.4 Weiterführende Gedanken
105.5 Literatur
106 Zahnschaden bei vorgeschädigtem Gebiss und desolatem Zahnstatus
106.1 Klinischer Fall
106.2 Konsequenzen für den Patienten
106.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
106.4 Interpretation aus Sicht des Juristen
106.5 Weiterführende Gedanken
107 Patientenverletzung durch ferromagnetisches Material im MRT
107.1 Klinischer Fall
107.2 Konsequenzen für den Patienten
107.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
107.4 Weiterführende Gedanken
108 Hämatopneumothorax nach mehrfacher Punktion
108.1 Klinischer Fall
108.2 Konsequenzen für den Patienten
108.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
108.4 Weiterführende Gedanken
109 Fehllage eines zentralen Venenkatheters bei Neugeborenenanästhesie in Bauchlage
109.1 Klinischer Fall
109.2 Konsequenzen für den Patienten
109.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
109.4 Interpretation aus Sicht des Juristen
109.5 Weiterführende Gedanken
109.6 Literatur
110 Druckinfusion und Drucktransfusion paravenös über einen peripheren Venenweg bei anliegendem Arm
110.1 Klinischer Fall
110.2 Konsequenzen für den Patienten
110.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
110.4 Literatur
111 Verwechslung der OP-Seite
111.1 Klinischer Fall
111.2 Konsequenzen für den Patienten
111.3 Interpretation aus Sicht des Anästhesisten
111.4 Weiterführende Gedanken
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum
1 Beatmungsprobleme bei Kinderanästhesie
2 Nachblutung und schwieriger Atemweg
3 Bedrohliche Hypoxie aufgrund eines zugebissenen Woodbridge-Tubus
4 Hypoxie durch sterilen Handschuh
5 Ignorierter Abfall der Hämoglobin-Sauerstoffsättigung
6 Thorakotomie in der HNO
7 Notintubation bei Morbus Madelung
8 Schwieriger Atemweg bei Adipositas und Minderwuchs
9 Hyperkapnie bei analgosediertem Kind
10 Intubationsschwierigkeiten bei einer Routine-OP trotz Anästhesieausweis
11 „Verlorene“ Rachentamponade
12 Intraoperative Tubusdislokation nach fiberoptischer Intubation bei schwierigem Atemweg
13 Akzidentelle Tubusdislokation während intrakraniellem Eingriff im MRT-OP
14 Einlage eines Wendl-Tubus post extubationem führt zu einer akuten Atemwegsverlegung
15 Verlust des Atemweges durch den Operateur
16 Kommandoatmung und Verlegung in den Aufwachraum
17 Notsectio im Bereitschaftsdienst ohne Pflegekraft
18 Erwachendes Kind verliert intravenösen Zugang und Atemweg
19 Laryngospasmus im urologischen OP
20 Schwerer Bronchospasmus – Anaphylaxie nach Antibiose
21 Schwierige Persönlichkeit im OP
Patrick Meybohm, Elmar Biermann
Ein 3-jähriges Kleinkind hat seit ca. 6 Monaten rezidivierend bronchopulmonale Infekte. Aktuell steht eine Adenotomie in einem ambulanten OP-Zentrum an. 3 Tage vor dem geplanten OP-Tag stellt sich das Kind dem Anästhesisten zum Prämedikationsgespräch vor. Das Kind hat eine „laufende Nase“ mit klarem Sekret, ist aber fieberfrei und vom Allgemeinzustand nicht weiter eingeschränkt. Es liegen keine besonderen Vorerkrankungen vor. Die letzte Impfung liegt mehr als einen Monat zurück.
Am OP-Tag zeigt sich unverändert ein leichter Schnupfen, der Allgemeinzustand ist aber unauffällig, kein Fieber. Im OP-Bereich finden zeitgleich in 3 benachbarten OP-Sälen kinderchirurgische Eingriffe statt. Im aktuellen Fall betreuen ein Weiterbildungsassistent im 5. Weiterbildungsjahr und eine Anästhesiepflegekraft das Kind zusammen.
Die Wirkung der medikamentösen Prämedikation mit Midazolam 5 mg rektal ist bei Ankunft im OP-Bereich noch unzureichend. Bei guter Vorbereitung mit einem EMLA-Pflaster gelingt dem Anästhesisten jedoch das problemlose Anlegen eines periphervenösen Venenweges, sodass die Narkose mit der intravenösen Gabe von Propofol und Alfentanil induziert wird. Die Platzierung einer Larynxmaske gelingt problemlos. Danach steigt plötzlich der Beatmungsdruck an, SpO2 fällt und beträgt aktuell 92% und die endexspiratorische CO2-Kurve zeigt eine unzureichende Ventilation an. Der zuständige Oberarzt wird hinzugerufen, dieser betreut zu dieser Zeit jedoch selbst einen größeren kinderchirurgischen Eingriff bei einem Neugeborenen im Nachbarsaal.
Bei der beschriebenen unklaren Notfallsituation entschließt sich der Oberarzt, dass die Überwachung der Narkose in seinem Saal eine erfahrene Anästhesiepflegekraft kurzzeitig übernehmen soll, sodass er persönlich zu dem jüngeren Assistenten gehen kann. Als er im Nachbarsaal ankommt, lässt er sich kurz die Situation schildern, vertieft die Narkose mit zusätzlicher Propofol-Injektion und intubiert das Kind endotracheal. Eine deutliche Verbesserung der Beatmungssituation ist zu beobachten.
Die Operation startet und das Kind kann 45 Minuten später problemlos extubiert und in den Aufwachraum verlegt werden. Nachmittags wird das Kind vom Weiterbildungsanästhesisten nochmals visitiert. Das Kind ist unauffällig und wird nach Hause entlassen.
Als der Oberarzt 15 Minuten später wieder in seinen eigenen Saal zurückkommt, erfährt er von der Pflegekraft, dass „alles in Ordnung“ sei. Zeitnah bemerkt er jedoch, dass die Pulsoxymetriekurve eine schlechtere Qualität aufzeigt und der invasiv gemessene arterielle Mitteldruck in der Zwischenzeit von 40 auf 25 mmHg abgefallen und die Herzfrequenz von 130 auf 155/Minute angestiegen ist. Nach einem kurzen Blick über die OP-Tücher entdeckt er 3 blutige Bauchtücher neben dem OP-Situs, sodass am ehesten eine relevante Hypovolämie vorliegt. Er verabreicht unverzüglich jeweils 15 ml Erythrozytenkonzentrat und Frischplasma. Daraufhin steigt der Blutdruck wieder auf 38 mmHg an.
Das Beatmungsproblem beim 3-jährigen Kind wurde rechtzeitig behandelt, sodass sich keine klinischen Konsequenzen ergeben haben.
Beim Neugeborenen kam es zu einer stärkeren chirurgischen Blutung bzw. zu einer relevanten Hypovolämie, die erst mit einer 15-minütigen Zeitverzögerung therapiert wurde. Klinisch ergaben sich hier keine Konsequenzen.
Während der Narkoseeinleitung erfordern schmerzhafte Maßnahmen (wie z. B. die Punktion eines periphervenösen Venenweges, die endotracheale Intubation aber auch die Platzierung einer Larynxmaske) eine ausreichende Narkosetiefe. Falls der maximale Wirkeintritt von Anästhetika aber nicht lange genug abgewartet wird, die medikamentöse Prämedikation unzureichend ist oder die Anästhetika nicht in ausreichender Dosierung appliziert werden, kann es bei unzureichender Narkosetiefe während der Stimulation zu einem Laryngospasmus, Bronchospasmus, Würgen und Erbrechen mit Aspiration kommen. Die Folgen sind dann ein steigender Beatmungsdruck, eine unzureichende Ventilation mit der Gefahr von Hypoxie und Hyperkapnie bis hin zu Bradykardie und Herz-Kreislauf-Stillstand.
Das Kind mit der Beatmungsproblematik wurde von einem noch nicht fertig weitergebildeten Facharzt narkotisiert. Falls keine permanente Supervision durch einen oberärztlichen „Libero“ möglich ist, muss bei der Übertragung einer eigenverantwortlichen Tätigkeit an einen in der Weiterbildung zum Facharzt stehenden Arzt dessen persönliche Kenntnisse und Fähigkeiten berücksichtigt werden. Verfügt der Weiterbildungsassistent über ausreichende Kenntnisse und Fertigkeiten, ist der Facharztstandard gewährleistet. Ist dies nicht der Fall, muss eine adäquate Überwachung durch einen Facharzt sichergestellt sein, um die Defizite des Weiterbildungsassistenten auszugleichen.
Das Neugeborene im Nachbarsaal stellt mit dem größeren chirurgischen Eingriff sicherlich die größere anästhesiologische Herausforderung dar, sodass der Oberarzt hier primär die Betreuung übernommen hat. Während seiner Abwesenheit kam es jedoch zu einer stärkeren chirurgischen Blutung und Hypovolämie, die aufgrund seiner Abwesenheit erst mit einer 15-minütigen Zeitverzögerung therapiert wurde.
Nach der Rechtsprechung haben Patienten innerhalb und außerhalb der Regeldienstzeit Anspruch auf eine Versorgung nach Facharztstandard. Da es sich beim Facharztstandard um ein Qualitätskriterium handelt, kann dieser aber auch ohne ständige Aufsicht und Anwesenheit eines Facharztes gewährleistet sein, wenn der Weiterbildungsassistent über einen Kenntnis- und Erfahrungsstand verfügt, der gewährleistet, dass das in der Situation medizinisch Gebotene theoretisch und praktisch genauso beherrscht wird wie von einem erfahrenen Facharzt. Ist dies nicht der Fall, muss eine adäquate Überwachung durch einen Facharzt sichergestellt sein, d. h. es muss sicher gewährleistet sein, dass im Komplikationsfall sofort Beistand durch den Facharzt erfolgen kann – bei gleichzeitig an beiden Operationstischen auftretenden Komplikationen wäre dies dem Oberarzt im beschriebenen Fall jedoch unmöglich gewesen. Im Schadensfall wäre zu befürchten, dass sich alle Beteiligten (Krankenhausträger, leitender Arzt, Weiterbildungsassistent) dem Vorwurf eines Organisations- und Übernahmeverschuldens mit allen zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen aussetzen müssten.
Generell gilt bei allen Narkosen der Anspruch auf Facharztstandard. Insbesondere bei Kindern muss aber ein in der Kinderanästhesie erfahrener Kollege diesen Standard absichern.Stimulationen während der Narkoseeinleitung dürfen erst bei einer ausreichenden Narkosetiefe erfolgen.
Take Home Message
In diesem Fall wäre ein frei verfügbarer Facharzt mit Erfahrung in der Kinderanästhesie gut gewesen, dann wäre auch für das Kind mit den Beatmungsproblemen zumindest Facharztstandard gewährleistet gewesen.
1 Leitlinien, wichtige Referenzen zum Thema, Fehlervermeidungsstrategien
Patrick Meybohm
Ein 61-jähriger Patient stellt sich in der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie zu einer offenen Operation eines Mundboden-Tumors vor. Anhand von klinischen Prädiktoren und dem HNO-Spiegelbefund ergibt sich bereits präoperativ der Hinweis auf einen potenziell schwierigen Atemweg. Der Patient wird elektiv fiberoptisch wach intubiert. Der operative Verlauf gestaltet sich unauffällig. Der Patient wird noch im OP-Saal mit Hilfe eines Cook-Stabes problemlos extubiert und anschließend in den Aufwachraum spontan atmend verbracht. Nach ca. 2 Stunden kann der Patient wach, schmerzfrei und kardiopulmonal stabil aus dem Aufwachraum auf die periphere Station verlegt werden.
Etwa 3 Stunden später wird über eine zentrale Notfallrufnummer ein „Reanimationsteam“ von der Intensivstation auf die Normalstation gerufen. Bei Eintreffen des Teams ist der Patient wach, aber zyanotisch und dyspnoisch. Mittels Gesichtsmaske erhält der Patient bereits eine Sauerstoffinsufflation von 12 l/min. Anamnestisch ergeben sich keine Hinweise auf Vorerkrankungen im kardiopulmonalen Bereich. Der Patient sei zufällig beim Nachmittagsrundgang plötzlich im Bett liegend mit Atemnot vorgefunden worden. Nach Befragung des Station-Pflegeteams sei die Operation am Vormittag problemlos verlaufen. Die Patientenakte liegt am Patientenbett, auf dem Narkoseprotokoll sind keine Besonderheiten dokumentiert. Bei einer erneuten, aber jetzt differenzierteren klinischen Untersuchung des Patienten fällt eine Schwellung im Halsbereich auf, sodass der Verdacht auf eine chirurgische Nachblutung mit Einengung des Atemweges als potenzielle Ursache der akuten Dyspnoe im Raum steht. Nach Narkoseeinleitung mit Etomidat und Succinylcholin ist die Maskenbeatmung nicht möglich. Der Versuch einer endotrachealen Intubation misslingt 2-mal. Der Anästhesist legt sodann eine Larynxmaske an. Hierüber lässt sich der Patient mäßig eingeschränkt ventilieren und oxygenieren. Noch während des Versuchs, über die liegende Larynxmaske mit Hilfe eines Bronchoskops den Tubus endotracheal einzubringen, kommt der Operateur auf die Station, löst den Verband und öffnet die OP-Naht – ca. 1500 ml frisch-blutiges Hämatom entleert sich. Es werden zusätzlich 250 mg Solu-Decortin zur Schleimhautabschwellung gegeben und die sofortige Überstellung in den OP-Bereich zur chirurgischen Wundversorgung veranlasst.
Durch die sofortige Alarmierung des Reanimationsteams und das umgehende Handeln (alternatives Atemwegsmanagement sichert Oxygenierung und Ventilation) treten keine hypoxischen Schäden ein. Mit Ausnahme der Revisions-OP und unerwarteten Blutverlust hat der Patient keine nachhaltigen negativen Folgen.
Im vorliegenden Bericht wird die Re-Intubation eines kurz zuvor operierten Patienten geschildert, dessen Atemwege durch das Hämatom einer Nachblutung erheblich komprimiert werden. Erschwert wird die Versorgung auf der peripheren Station durch den Umstand, dass Informationen über den bereits initial schwierigen Atemweg nicht sofort verfügbar sind.
Die alleinige postoperative Betreuung eines solchen Risikopatienten auf der peripheren Station muss als unzureichend eingeschätzt werden. Der „schwierige Atemweg“ und das operationsbedingte Trauma mit erhöhtem Nachblutungsrisiko stellen 2 unabhängige Risikofaktoren dar. Bei diesen Risikopatienten ist zumindest am Operationstag eine engmaschige klinische Beobachtung sowie eine regelmäßige Überwachung der vitalen Parameter (SpO2, Herzfrequenz, Blutdruck) zu fordern.
Hinsichtlich der Ursache zielführend und vermutlich für den weiteren positiven Verlauf entscheidend war die frühzeitige Eröffnung der Nähte und die schnelle Hämatomentlastung noch auf der Station. Insofern unterstreicht diese Fallbeschreibung, dass für das Management einer Ateminsuffizienz im postoperativen Verlauf die Hämatomentlastung bei Verdacht auf eine raumfordernde Nachblutung eine lebensrettende Sofortmaßnahme darstellt.
Die Information „schwieriger Atemweg“ wird häufig unmittelbar für den operativen Eingriff als relevant angesehen und verliert ihre Bedeutung, sobald ein Patient den Aufwachraum verlässt und auf die Normalstation verlegt wird. Der vorliegende Fall macht aber sehr eindrücklich deutlich, dass sich diese Grundannahme als falsch erweist: Es sind durchaus Situationen denkbar, in denen diese Informationen auch auf der Normalstation schnell verfügbar sein müssen. Ein Mitführen der Information „schwieriger Atemweg“ in der Patientenakte ist dringend zu empfehlen.
Jedoch reicht die Information alleine nicht aus, vielmehr müssen dem Anästhesisten auch während einer Notfallsituation Möglichkeiten zur Verfügung stehen, einen schwierigen Atemweg sicher zu meistern. Da die normale Notfallausstattung auf einer peripheren Station in der Regel nur einfache Laryngoskope beinhaltet, muss für den Fall des „schwierigen Atemweges“ das weitere Vorgehen in dieser Notfallsituation im Vorfeld geklärt sein. Wo ist die nächste (transportable) Ausrüstung für den schwierigen Atemweg deponiert? Oder soll diese spezielle Patientengruppe nicht vor Ort intubiert, sondern stattdessen oxygeniert und so rasch wie möglich in den Anästhesie- bzw. Operationsbereich transportiert werden, um sie dort mit allem zur Verfügung stehenden Equipment versorgen zu können?
Take Home Message
Eine postoperative intensive Überwachung ist nicht nur bei kardiopulmonalen Risikopatienten indiziert, sondern muss auch die Art und Weise des chirurgischen Eingriffs berücksichtigen. Insbesondere Patienten aus den Kliniken für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie sowie Hals-Nasen-Ohren haben perioperativ ein erhöhtes Risiko für einen unerwartet schwierigen Atemweg aufgrund der Pathologie aber auch aufgrund des operativen Traumas mit ausgeprägtem Nachblutungsrisiko. Eine intensive Überwachung kann zur frühzeitigen Detektion von Komplikationen beitragen. Relevante Informationen, wie z. B. „schwieriger Atemweg“, müssen in der Patientenakte dokumentiert werden, sodass sie im Notfall für alle Beteiligten direkt verfügbar sind. Bereits im Vorfeld sollte für das Vorgehen in derartigen Notfallsituationen eine Standardarbeitsanweisung (SOP) erstellt und verbindlich kommuniziert werden.
Patrick Meybohm
In der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie soll bei einem 21-jährigen Patienten nach Faustschlag ins Gesicht eine komplizierte Oberkieferfraktur versorgt werden. Die Narkose erfolgt als totalintravenöse Anästhesie mit 5 mg/kg/h Propofol und 0,4 µg/kg/min Remifentanil. Zunächst wird die Intubation nasal mit einem Woodbridge-Tubus Größe ID 7,0 angestrebt. Die Passage durch die Nasengänge gelingt jedoch nicht, sodass der Patient oral intubiert werden muss. Hierfür wird der bereits benutzte Woodbridge-Tubus anstatt eines herkömmlichen Mallinckrodt-Tubus eingesetzt. Ursächlich für die frustrane nasale Passage waren am ehesten die Frakturen im Mittelgesichtsbereich, die die Nasengänge einengten.
Nach ca. 2 Stunden Operationsdauer ruft der Operateur über die Tücher, dass die Operation in ca. 5 Minuten fertig sei und nur noch „3 Stiche“ anstehen würden. Beide Perfusoren werden daraufhin gestoppt. 5 Minuten später sind zwar alle Nähte fertig, doch müssen noch die Steri-Strips geklebt werden. Zeitgleich wird der Patient wach und bewegt sich bereits unter den noch liegenden OP-Tüchern. Der Patient beißt im Rahmen der Ausleitung auf den Woodbridge-Tubus. Daraufhin reißt der Assistenzarzt die Tücher vom Kopf des Patienten und legt einen Guedel-Tubus als „Beißschutz“ ein. Die Sättigung fällt auf Werte um die 90%. Diese Werte werden zunächst als Fehlmessung interpretiert, da sich der Patient bewegt und die Pulsoxymetriekurve Bewegungsartefakte aufweist. Im weiteren Verlauf entsättigt der Patient jedoch weiter bis auf Werte um die 70%. Nun wird der zuständige Oberarzt durch eine anwesende OP-Pflegekraft hinzugerufen. Der Assistenzarzt entscheidet sich beim Verdacht auf einen Bronchospasmus, erneut rasch eine Narkose einzuleiten und injiziert den Rest des in der Perfusorspritze vorhandenen Propofols (ca. 80 mg). Die manuelle Beatmung ist allerdings erschwert. Das APL-Ventil wird auf 70 mbar gestellt. Die Beatmung verbessert sich jedoch nicht nennenswert. Der Oberarzt trifft ein und wird informiert, dass eine manuelle Beatmung über den Tubus nicht optimal möglich ist. Ohne direkte Kommunikation zum Assistenzarzt extubiert dieser den Patienten sofort (zu diesem Zeitpunkt liegt die SpO2 bei ca. 50%), beatmet ihn mit Maske und injiziert erneut 200 mg Propofol. In den folgenden Minuten erholt sich die Sättigung auf Werte > 90%. Danach wird der Patient in den Aufwachraum verlegt. Der Patient ist wach, kooperativ und orientiert.
Während der Arbeitsplatzreinigung und Vorbereitungen für den nächsten Patienten inspiziert die Anästhesiepflegekraft „neugierig“ den entsorgten Tubus noch einmal. Hierbei zeigt sich ein nahezu komplett zugebissener Tubus!
Zwar lag eine bedrohliche Hypoxie für einen 1- bis 2-minütigen Zeitraum vor, doch konnte diese durch die Extubation und manuelle Maskenbeatmung relativ schnell behoben werden. Anhaltende Folgeschäden aufgrund der Hypoxiephase wurden beim Patienten nicht beobachtet.
Insbesondere bei jüngeren erwachsenen Patienten können ausgeprägte Exzitationserscheinungen im Rahmen der Narkoseausleitung des Öfteren beobachtet werden. Im vorliegenden Fall führte die Exzitation zu einem plötzlichen Zusammenbeißen der Zähne mit konsekutiver Einklemmung des Tubus zwischen den Zähnen. Um der eingeschränkten Mundöffnung und Tubuseinklemmung entgegenzuwirken, versuchte der Assistenzarzt einen Guedel-Tubus zu legen. Unbemerkt blieb jedoch, dass die in den Woodbridge-Tubus eingearbeitete Metallspirale aufgrund des Bisses bereits stark deformiert wurde und anhaltend das innere Tubuslumen einengte. Aufgrund der frühzeitigen Narkoseausleitung bei noch klebenden OP-Tüchern und damit schwer zugänglichen Lagerung des Kopfes hatte das Anästhesieteam das Beißen auf den Tubus zu spät bemerkt. Hilfreich wäre gewesen, die Narkose etwas später bei einem sicheren Kopfzugang zu beenden bzw. nach dem Lösen der „Kieferklemme“ im Rahmen der Exzitation den Tubus äußerlich zu inspizieren und zu prüfen.
Alternativ hätte der Anästhesist nach erfolgter Tubusdeformierung und Einengung des Lumens in der Notsituation noch den endotracheal liegenden Tubus entblocken können, sodass der Patient zumindest anteilig über eine „iatrogene“ Leckage noch etwas hätte mitatmen, respektive oxygenieren können.
Positiv zu bewerten sind zum einen die sofortige und suffiziente Benachrichtigung des Oberarztes durch eine OP-Pflegekraft sowie das schnelle und unverzügliche Vertiefen bzw. dann erneute Einleiten der Narkose bei akuten Beatmungsproblemen.
Kritisch zu hinterfragen ist, ob 80 mg Propofol für einen jungen kräftigen Mann zur Narkosevertiefung ausreichend sind und eine höhere Propofoldosis die „Kieferklemme“ frühzeitiger gelöst und die Exzitation schneller durchbrochen hätte. Zudem ist kritisch zu hinterfragen, ob die Fehlinterpretation der niedrigen SpO2-Werte als „Artefakte“, als die Situation eigentlich noch nicht bedrohlich war, ein früheres Erkennen der Notsituation verhindert hat.
Der Assistenzarzt hat mit dem Ziel von Sparmaßnahmen nach dem frustranen nasalen Intubationsversuch anstatt eines herkömmlichen flexiblen PVC-Tubus den bereits ausgepackten Woodbridge-Tubus für die orale endotracheale Intubation genutzt. Damit verbunden ist allerdings ein erhöhtes Risiko einer anhaltenden Tubusdeformierung beim Zusammenbeißen der Zähne, was dem Assistenzarzt bis dahin nicht bewusst war.
Take Home Message
Die orale Intubation mit einem Woodbridge-Tubus ist insbesondere im Rahmen des Exzitationsstadiums aufgrund des Zusammenbeißens der Zähne und dem fehlendem Schutz mit einem erhöhten Risiko einer anhaltenden Tubuseinengung und nachfolgender Hypoxie assoziiert. Bei plötzlichen intraoperativen Beatmungsproblemen ist neben patientenbezogenen Faktoren insofern auch an defektes Material zu denken. Therapeutisch muss frühzeitig eine Vertiefung der Narkose sowie ggf. ein Wechsel des Materials bzw. der (Beatmungs-)Geräte in Erwägung gezogen werden.
Felix Jäger, Patrick Meybohm
Ein 71-jähriger Patient war häuslich gestürzt und hatte sich eine Schenkelhalsfraktur links zugezogen. An Vorerkrankungen ist ein nicht insulinpflichtiger Diabetes mellitus und eine leichte COPD vorbeschrieben. Nach Einlieferung ins Krankenhaus und Vorbereitung des Patienten kann die operative Versorgung in Vollnarkose problemlos durchgeführt werden. Auch aus anästhesiologischer Sicht gibt es keine Probleme, der Patient kann über den Aufwachraum auf die Normalstation verlegt werden. Am 4. postoperativen Tag muss der Patient mit dem Verdacht auf eine Bronchopneumonie und konsekutiver respiratorischer Globalinsuffizienz auf die Intensivstation aufgenommen werden. Neben dem Versuch der Erregerbestimmung und einer antibiotischen Therapie wird dort mit intensiver Atemgymnastik und intermittierender nicht invasiver CPAP-Beatmung über eine Gesichtsmaske begonnen. Darunter kommt es zunächst zu einer deutlichen Besserung des Gasaustauschs. Die Compliance des Patienten gegenüber der NIV-Therapie ist jedoch deutlich eingeschränkt.
Während der NIV-Pausen wird zur Vermeidung einer Kontamination des Beatmungsschlauchsystems ein einzeln abgepackter steriler Handschuh, der normalerweise für ein steriles endotracheales Absaugen verwendet wird, über das Ende des HME-Filters gezogen. Als sich der Gasaustausch des Patienten wieder etwas verschlechtert, wird dem Patienten die NIV-Maske erneut angelegt und nach Herunterziehen des Handschuhs die Beatmungsschläuche über eine „Gänsegurgel“ wieder mit der Maske verbunden. Unter der NIV-Therapie kommt es nun zu einer akuten weiteren Verschlechterung mit ausgeprägter Hypoxämie (SpO2 < 85%), sodass von der betreuenden Pflegekraft notfallmäßig der Stationsarzt der Intensivstation hinzugerufen wird. Bei inzwischen nicht nur respiratorischer sondern auch beginnender hämodynamischer Dekompensation des Patienten und vollkommen fehlender Vigilanz wird der Patient sofort intubiert. Unter manueller Beatmung mittels Ambu-Beutel über den Endotrachealtubus kommt es zu einer schnellen Rekompensation. Beim Anschluss des Intensiv-Beatmungsgeräts wird die Fehlermeldung „niedriges Atemminutenvolumen“ angezeigt. Im BIPAP-Modus kommt es selbst unter invasiven Beatmungseinstellungen mit einem Spitzendruck von 35 mbar nur zu Atemzugvolumina um die 200 ml. Die Oxygenierung des Patienten verschlechtert sich massiv. Der Stationsarzt wechselt wieder auf den Handbeatmungsbeutel, um das Problem des Beatmungsgeräts in Ruhe angehen zu können. Bei genauer Betrachtung der Beatmungsschläuche fällt dann auf, dass zwischen dem HME-Filter und der „Gänsegurgel“ noch winzige Reste des sterilen Handschuhs herausragen. Nach Diskonnektion der beiden Teile zeigt sich eine wie „ausgestanzt“ wirkende Membran mit mehreren kleineren Löchern, die beim Abziehen des Handschuhs am HME-Filter hängen geblieben war. Nach Entfernung dieser Handschuhreste kann der Patient problemlos über das Intensiv-Beatmungsgerät ventiliert werden.
Nach 6 Stunden wird der Patient problemlos extubiert und kann 2 Tage später auf die Normalstation verlegt werden.
Glücklicherweise kam es in diesem Fall trotz der ca. 3 Minuten andauernden Hypoxiephase zu keinen neurologischen Folgeschäden, sodass der Patient in stabilem kardiopulmonalen Status und komplett unauffälliger Neurologie 2 Tage später wieder auf die Normalstation verlegt werden konnte.
Beatmungsprobleme eines Patienten aufgrund von technischen Fehlern treten in der Anästhesie und der Intensivmedizin nicht sehr häufig auf, kommen gelegentlich aber vor. Deshalb ist im Medizinproduktegesetz unter anderem gefordert, dass der Anwender die vorgeschriebene Funktionsprüfung des Geräts kennt und diese auch vor jeder Anwendung durchführt.
Eine vorschriftsmäßig durchgeführte Funktionsprüfung vor der Anwendung des Geräts hätte die partielle Verlegung des Beatmungsschlauchsystems erkannt und somit die gefährliche Situation höchstwahrscheinlich verhindert.
Im Nachhinein hat das sorglose Abziehen des sterilen Handschuhs kombiniert mit der unterlassenen Funktionsprüfung des Geräts zu einer unnötigen Gefährdung des Patienten geführt. Die möglichen Konsequenzen dieser Komplikation wären äußerst schwerwiegend und hätten bis hin zum schweren hypoxischen Hirnschaden oder Tod des Patienten führen können.
Wie bei allen Krisensituationen in der Anästhesie und Intensivmedizin ist es ratsam, sich gewisse Algorithmen zurechtzulegen, auf die man in solchen Stresssituationen zurückgreifen kann. Bei dem beschriebenen Fall gibt es eine ganze Reihe von möglichen Ursachen für die trotz hoher Beatmungsdrücke nur insuffiziente Ventilation und Oxygenierung des Patienten. Neben einer einseitigen Intubation oder ösophagealen Fehlintubation wäre unter anderem auch ein unter der Überdruckbeatmung aufgrund geplatzter Lungenbullae neu aufgetretener (Spannungs-) Pneumothorax, ein Abknicken des Tubus oder des Beatmungsschlauchs oder eine Schleimverlegung denkbar gewesen. Diese potenziellen Komplikationen müssen anhand der üblichen Diagnostikverfahren (Inspektion, Auskultation, endexspiratorische CO2-Messung etc.) differenzialdiagnostisch zügig abgearbeitet und ausgeschlossen werden.
Positiv in oben aufgeführtem Fall ist, dass die ersten Beatmungen über den Handbeatmungsbeutel erfolgten. Somit konnte der Stationsarzt ein manuelles „Gefühl“ für die Compliance und Resistance der Lunge gewinnen, ein Vorgehen, das auch die nachfolgende Fehlersuche erleichterte. Da die Handbeatmung problemlos durchzuführen war, lag es nahe, dass das Problem mit dem Intensiv-Beatmungsgerät und/oder dem zugehörigen Schlauchsystem verbunden war. Unter wieder aufgenommener Handbeatmung hatte der Stationsarzt schließlich genug Zeit, sich mit der Problemlösung zu befassen. Dabei dauerte es zugegebenermaßen relativ lange, bis er den Rest des Handschuhs, der zwischen dem HME-Filter und der Gänsegurgel herausragte, entdeckt hatte.
Take Home Message
Vor der Inbetriebnahme eines Geräts sollte man sich von einem fehlerfreien Funktionieren des Geräts überzeugen. Gerade in Notfallsituationen sollte man einen Routinealgorithmus zur Fehlersuche und Fehlerbehebung zur Hand haben, der einem hilft, auch in kritischen Situationen einen ruhigen Kopf zu bewahren.
Axel Fudickar, Patrick Meybohm
Ein 3 Monate alter, bis auf den zur OP-Indikation führenden Befund gesunder männlicher Säugling (Größe 58 cm, Gewicht 4,342 kg) wird zur geplanten operativen Versorgung einer Leistenhernie rechts im Routineprogramm ohne medikamentöse Prämedikation und ohne intravenöse Verweilkanüle in den OP-Saal gebracht. An der Schleuse wird der kleine Patient von einer Fachärztin in Empfang genommen, die über knapp 20 Berufsjahre Erfahrung in der Durchführung von Säuglingsnarkosen verfügt und durchaus sehr selbstsicher auftritt, aber leicht gekränkt auf Kritik reagiert. Ihr steht ein gut motivierter Anästhesiepfleger, der im Rahmen seiner Einarbeitung nach dem Pflegerexamen seit einigen Monaten in der Anästhesie arbeitet, zur Seite. Die Fachärztin entscheidet sich für eine Maskeneinleitung mit Sevofluran, um dann anschließend in Ruhe die venöse Kanüle in Narkose anzulegen. Nach Anlegen von EKG, Pulsoxymetrie und nicht invasiver Blutdruckmessung erhält der Säugling reinen Sauerstoff (100%) mit Sevofluran (Konzentration: 8% inspiratorisch) unter Spontanatmung ohne assistierende Zwischenbeatmung fast bis zum Atemstillstand über die Beatmungsmaske. Danach beginnt die Anästhesistin mit der vorsichtigen assistierenden Maskenbeatmung, wobei sich der Thorax gerade hebt. Die Vitalparameter sind zu diesem Zeitpunkt weitgehend unauffällig. Die Herzfrequenz beträgt 155/min, die Sauerstoffsättigung ist zunächst 96% und die nicht invasive Blutdruckmessung ergibt 70/40 mmHg. Der Säugling wird über 2 Minuten assistierend beatmet, die Spontanatmung sistiert jedoch trotz der hohen inspiratorischen Sevoflurankonzentration nicht (Konzentration weiterhin: 8% inspiratorisch). Währenddessen fällt die Sauerstoffsättigung kontinuierlich bis unter 90%. Diesbezügliche Hinweise der Pflegekraft beantwortet die Fachärztin mit beruhigenden Worten. Die Sauerstoffsättigung könne nicht schlecht sein, da die Hautfarbe unauffällig sei und das Kind nicht bradykard werde. Wenig später kommt ihre seit Jahrzehnten erfahrene Oberärztin hinzu und bemerkt nun eine Sauerstoffsättigung von 85% bei unauffälliger Pulsoxymetriekurve. Die Fachärztin beruhigt auch sie unter Hinweis auf eine Fehlmessung bei unveränderter Hautfarbe, guter Maskenbeatmung und stabiler Herz-Kreislauf-Situation mit einer Herzfrequenz von inzwischen 175/min. Die Oberärztin beginnt darauf mit der Punktion zur Anlage einer Venenverweilkanüle auf dem linken Handrücken. Der erste Versuch schlägt fehl, beim 2. Versuch in der rechten Ellenbeuge gelingt die Anlage nach insgesamt 90 Sekunden. Zeitgleich steigt die Herzfrequenz auf 194/min und die Sauerstoffsättigung fällt auf 65%, welches die Fachärztin mit erneutem Verweis auf eine Fehlmessung bei funktionierender Maskenbeatmung kommentiert. Wegen livide werdender Hautfarbe übernimmt die Oberärztin jedoch die Maskenbeatmung, erhöht das Tidalvolumen und erreicht einen Sauerstoffsättigungsanstieg auf 97% innerhalb einer Minute. Das Kind kann danach von der Fachärztin problemlos intubiert werden. Nach Lagerung und Abdecken erfolgt die komplikationslose Operation der Leistenhernie. Die restliche Narkose verläuft störungsfrei und das Kind kann postoperativ problemlos extubiert und verlegt werden.
Durch Ignorieren oder Fehldeutung des Sauerstoffsättigungsabfalls wurde eine kurzfristige Hypoxämie des Säuglings herbeigeführt. Diese hätte bei längerer Dauer ischämische Schäden hervorrufen können. Im aktuellen Fall waren Konsequenzen für den Patienten im Aufwachraum und während der stationären Behandlung klinisch nicht erkennbar.
Der Abfall der Sauerstoffsättigung war wahrscheinlich kein Messfehler. Dennoch wurde der kontinuierliche Abfall der Hämoglobinsauerstoffsättigung als technisches Artefakt bzw. als Messfehler falsch interpretiert. Die Fehlinterpretation wurde auch dann noch aufrechterhalten, als auch die Hautfarbe livide wurde. Nach der Narkoseeinleitung reagierte der Säugling auf den initialen Hypoxämiereiz mit einem Anstieg der Herzfrequenz auf 175 Schläge pro Minute, im weiteren Verlauf sogar bis 194/min. Unter Berücksichtigung einer adäquaten Narkosetiefe ist diese zunächst paradox erscheinende Tachykardie aber als pathophysiologische Stressreaktion als Antwort auf den globalen Hypoxämiereiz zu werten. Dieser Zusammenhang wurde von der Fachärztin nur unzureichend erkannt und der Oberärztin gegenüber nicht kommuniziert.
Der Abfall der Sauerstoffsättigung war wahrscheinlich auf Atelektasenbildung unter während der Narkoseeinleitung zunehmend flacher werdender Spontanatmung zurückzuführen. Dafür spricht auch, dass die Sauerstoffsättigung nach einigen Beatmungszyklen mit höheren Tidalvolumina wieder anstieg.
Mehrere Fehler führten hier zu einem Beinahe-Unfall oder kritischen Ereignis. Zunächst hätte die Fachärztin die Maskeneinleitung ohne liegende Verweilkanüle nicht allein und schon gar nicht mit einer unerfahrenen Pflegekraft einleiten dürfen. Die Einleitung unter Spontanatmung ohne assistierende Beatmung kann außerdem zu Atelektasen führen, die insbesondere beim Säugling schnell zu kritischer Beeinträchtigung des Gasaustauschs führen. Das Weglassen von Sicherheitsvorkehrungen, der Verzicht von auch im Notfall ausreichender personeller Ausstattung, der Verzicht auf eine ausreichende Präoxygenierung sowie eine fehlende Atelektasenprophylaxe durch assistierende Beatmung sind „typische“ Fehler erfahrener Anästhesisten, die aufgrund langer Routine mit seltenen Zwischenfällen daran glauben, immer wieder mal darauf verzichten zu können. Die Fehlinterpretation der fallenden Sauerstoffsättigung
