Feuer hinterm Haus - Klaus Nasilowski - E-Book

Feuer hinterm Haus E-Book

Klaus Nasilowski

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Beschreibung

In dem Band Feuer hinterm Haus befinden sich 6 spannende und bewegende Kurzgeschichten. Scheinbar direkt aus dem Alltag erscheinen diese fantastischen, manchmal absurd anmutenden Geschichten, immer gewürzt mit einer Prise Humor. In allen Kurzgeschichten geht es um Transformation. Die Helden des Alltags machen erstaunliche Entwicklungen durch, sei es der einkaufende Student, die einsame Briefmarkensammlerin im Erdgeschoss des Hochhauses, der Banker auf der Suche nach seiner Heimat oder die vernachlässigte Katze Friederike in ihrer 2-Zimmerwohnung.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 137

Veröffentlichungsjahr: 2022

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© 2023 Klaus Nasilowski

Druck und Distribution im Auftrag des Autors:

tredition GmbH, An der Strusbek 10, 22926 Ahrensburg, Germany

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", An der Strusbek 10, 22926 Ahrensburg, Deutschland.

Inhalt

Cover

Urheberrechte

Der verrückte Einkauf

Feuer hinterm Haus

Aufguss heiss - kalt

Das verflixte 7. Jahr

Alles für die Katz

Sehnsucht Hannover

Feuer hinterm Haus

Cover

Urheberrechte

Der verrückte Einkauf

Sehnsucht Hannover

Feuer hinterm Haus

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Der verrückte Einkauf

Es war schon spät, als Karl seine Wohnungstür aufschloss. 19:30 Uhr. Er hatte heute länger gearbeitet. Andere Leute hatten schon längst frei, ärgerte sich Karl und warf seine Schuhe unter die Garderobe.

Für ihn war es ein ganz normaler Mittwoch. Manchmal ging es an einem Mittwoch sogar bis 20 oder 21 Uhr, überlegte er, während er sich ein Glas Wasser aus der Leitung einschenkte. So ist es eben, wenn man für eine Wochenzeitschrift arbeitet: Drei Tage vor Redaktionsschluss kommt Zeitdruck auf, und die Arbeit scheint immer mehr zu werden. Montag, Dienstag, Mittwoch. Ein Dreiklang der Wochentage, aber einer mit Steigerung.

Karl schloss die Augen. Morgen würde Donnerstag sein, er würde ganz gechillt aufstehen, seine Gleitzeit auskosten und erst um 9 Uhr anfangen, würde erstmal ganz in Ruhe seinen Schreibtisch aufräumen.

Da meldete sich sein Magen mit einem tiefen Knurren zu Wort. Hunger. Ja, er hatte noch nicht viel gegessen heute, irgendwas Kleines schon, heute Mittag, dazwischen mehrere Kaffees. Gesunde Ernährung geht anders, dachte Karl und warf einen Blick in seinen Kühlschrank.

Gähnende Leere. Eingekauft hatte er schon länger nicht mehr. Im Tiefkühlfach fristeten einige Eiswürfel ihr karges Dasein. Brot? Ebenfalls Fehlanzeige. Den harten Kanten von letzter Woche beförderte er gleich in den Restmüll.

Ok. Einkaufen musste er, und zwar jetzt gleich. Denn es war schon 15 Minuten vor 19 Uhr, eine Zeit, in der in diesem Viertel viele Geschäfte schlossen.

Er schaute in seine Geldbörse und zählte. 7,30 €. Fülle fühlt sich anders an. Aber immerhin: Für etwas zum Abendessen würde es schon reichen.

Karl griff nach seinen Satteltaschen, lief die vier Etagen durch das Treppenhaus nach unten und radelte los.

Da vorne hatte der Obst- und Gemüseladen noch Stellagen auf der Straße stehen. Karl stoppte und sah sich die Auslagen an.

Paprika - rote, vollreife Paprika. Ein Gemüse, das immer schmeckt, auch ohne Kochen. Er nahm sich eine Schote und betrat das Geschäft, das seit Jahren von einer türkischen Familie betrieben wurde. An der Kasse stand niemand, alle waren anscheinend beschäftigt.

Er wollte – mit Blick auf die Uhr – die Frucht schon wieder in die Auslage zurücklegen, da erschien eine Frau mit Kopftuch aus dem hinteren Teil des Ladens. „Guten Tag“, brachte sie auf Deutsch über ihre Lippen „Was Sie wollen?“

„Eine Paprika.“

Die Frau sah ihn mit ausdruckslosem Gesicht an. Ob sie das verstanden hatte? Da drang eine laute Männerstimme aus dem hinteren Teil des Ladens zu ihnen nach vorne. Die Frau erwiderte etwas auf Türkisch.

Dann wandte sie sich wieder an Karl und machte eine resolute Handbewegung. „Laden zu!“

Karl wollte schon gehen. Da kam der Mann nach vorne, um die Auslagen auf der Straße einzuräumen. „Feierabend“, sagte er zu ihm.

„Ich will doch nur eine Paprika.“

„Die Kasse ist schon zu“, erwiderte der Verkäufer unwirsch. „Und die Paprika ist weich. Ich schmeiße alle weg heute.“

„Darf ich eine … “, versuchte es Karl noch einmal.

„Nimm, was du willst. Und dann fertig,“ sagte der Verkäufer, ohne sich umzudrehen.

Karl zögerte nicht und packte gleich drei der roten Früchte in seine Tasche.

„Danke“, rief er noch und legte ein 50-Cent-Stück auf die Theke. Dann stieg er wieder auf sein Rad und fuhr zügig los.

Jetzt ein Brot. Die Bäcker machen um 19 Uhr zu, dachte Karl. In einer Minute bremste er vor seinem Lieblingsbäcker.

Mit dynamischen Schritten betrat er den Laden. Drinnen räumte eine Frau die fast leeren Regale auf. Von hinten sah er ihr wallendes, kastanienbraunes Haar. Sein Atem beruhigte sich. Als sie sich ihm zuwandte, erkannte er, dass es seine Lieblingsbäckerin war.

„Ach“, sagte sie mit einem verschmitzten Lächeln. „Was wollen Sie denn noch hier? Wir haben schon Feierabend.“

„Feierabend habe ich auch. Deswegen brauche ich noch ein Brot.“

„Sehen Sie!“ Mit unschuldiger Miene wies sie auf die leeren Regale.

„War wohl ein guter Tag für Sie?“, konterte er, ohne nachzudenken.

„Genau. Das schöne, frische Brot ist weg. Alles verkauft.“

„Und Sie haben gar nichts mehr für mich?“, fragte er. „Was ist mit dem halben Laib, da oben rechts?“

„Da ganz oben?“ Als ob sie es nicht glauben konnte, sah sie lange in die Ecke auf das einsame Stück, dass den Tag dort überdauert hatte. „Keine Ahnung, wie lange das da schon liegt.“

„Egal, ich will es haben!“

„Bei uns ist der Kunde König“, murmelte sie und stieg auf einen Tritt, um an das Brot heranzukommen. Karl hatte nur noch Augen für ihre langen braunen Haare, die sich wie ein Wasserfall bis auf ihren Rücken ergossen, gebändigt nur durch einen roten Stoffring.

Darunter füllte ein so praller, fester Po den dunkelbraunen Rock, als sei sie in einem Fitness-Center geboren worden.

Die Bäckerin packte das Brot in eine Papiertüte und schob es ihm über die Theke. „Auf ihre Gefahr.“

„Gefahr?“

„Haftungsausschluss“, erklärte sie mit wichtiger Miene. „Ich muss sie darauf hinweisen. Das Brot ist nämlich bereits gestern abgelaufen.“

„Aber man kann es bestimmt noch essen“, wandte Karl ein.

„Natürlich. Mit genug Hunger schon“, räumte sie ein. „Normalerweise lassen wir uns das schriftlich geben.“

Jetzt wurde es Zeit, etwas dagegenzusetzen, dachte Karl. „Kann ich das Brot zurückgeben, wenn es zu hart ist?“

„Theoretisch ja, aber praktisch hat der Laden dann zu.“

„Wo kann ich mich beschweren, wenn zum Beispiel mein Zahn abbricht? Sie haben doch sicher eine Beschwerdestelle?“

„Natürlich. Die Beschwerdestelle bin ich, heute Abend zumindest“, lachte die Bäckerin. „Aber jetzt verlassen Sie den Laden!“

„Vielleicht haben sie ja dafür eine Telefonnummer?“

Sie kritzelte einige Ziffern auf ein Prospekt der Bäckerei und schob es Karl über den Tresen. „Bitte sehr“.

„Danke, Sie haben mein Leben vor dem Hungertod bewahrt.“ Karl war von seiner eigenen Geste beeindruckt, sein Herz schlug schneller. „Die Beschwerde wird hoffentlich nicht nötig sein. Ich komme ja gern wieder.“

„Aber heute nicht mehr.“ Sie blickte unverhohlen auf die Uhr, die bereits 19 Uhr 10 zeigte.

Draußen verstaute Karl das Brot in der Packtasche. Es war gar nicht so klein, dachte er und schätzte es auf drei Pfund.

Wieder auf dem Sattel, trat Karl in die Pedale. Er nahm Kurs auf den nächsten TEWE, denn diese Läden haben bekanntlich lange auf.

Schon von weitem sah er, dass der Laden heute besonders geschmückt war. Warum auch immer, dachte Karl. Hauptsache, er hat noch auf und er konnte noch was zu essen holen. Geld hatte er ja noch, denn beim Türken hatte er nur 50 Cent ausgegeben und die süße Bäckerin hatte ihm den alten Brotlaib sogar umsonst überlassen.

„20 Jahre TEWE“, stand auf einem Band über dem Eingang geschrieben. Rechts und links schwebten gasgefüllte, bunte Luftballons, von dünnen Fäden gehalten. Mit schnellen Schritten und einem roten Plastik-Einkaufskorb stürmte Karl in den Laden.

„He, Sie!“, stoppte ihn ein Mann in TEWE-Ladenuniform. „Machen sie langsam, wir haben noch lange auf.“

„Das beruhigt mich ja“, Karl sah den Verkäufer an und ließ seine gemütliche Ausstrahlung wirken.

„Nehmen sie doch lieber einen Einkaufswagen“, schlug er vor. „Das machen heute alle.“

„Warum?“, fragte er zurück. „Ich brauche doch nicht so viel.“

„Jubiläum! Das haben wir nicht jeden Tag.“

Vielleicht bekomme ich heute noch einen Luftballon, dachte Karl schmunzelnd. Den will ich aber gar nicht, ich will was zu essen!

Wenige Minuten später war der Korb gefüllt, mit einem Stück Butter, Käse und harter Mettwurst. Karl rechnete. Das musste reichen, mehr Geld hatte er nicht.

„Sie sind ja bescheiden“, sagte die rundliche Frau an der Kasse.

„Wieso?“, entgegnete Karl. „Für heute Abend reicht es. Ich bin ja allein.“

„Dann sind sie selbst schuld!“, sagte die Verkäuferin mit einem schnippischen Ton und scannte die drei Lebensmittel ein. „Wissen Sie denn nicht, das heute Mal-3-Tag ist?“

„Mal-3-Tag? Was ist das denn?“

„Alles, was sie jetzt kaufen, bekommen sie dreifach!“ Die Kassiererin sah in sein ungläubiges Gesicht. „Unsere Jubiläumsaktion.“

„Dreifach?“

„Genau. Ich gebe ihnen diesen Bon und sie können sich alles noch zweimal holen und dann zur Kasse gehen, mit dem Bon natürlich.“

„Ja, wenn ich das gewusst hätte!“ Er bezahlte die drei Sachen. Sein Geld war jetzt bis auf wenige Cent verbraucht.

„Dann hätten sie auch den großen Einkaufswagen genommen, so wie die anderen“, sagte die Frau triumphierend.

„Das hätte mir aber auch nichts genützt“, entfuhr es ihm. Sogleich bereute er, diese Diskussion in dem abendlichen TEWE angefangen zu haben. „Das Geld hätte für mehr nicht gereicht.“

Mit den Bons ging Karl zurück in den Laden und verdreifachte seinen Einkauf.

Zurück an seinem Fahrrad, hatte er Probleme, alles in den Packtaschen zu verstauen. Schließlich hatte er jetzt wesentlich mehr eingekauft, als er geplant hatte. Was er nicht in sie hineinbekam, wanderte in eine Plastiktüte, die er auf dem Gepäckträger befestigte.

Zufrieden radelte er nach Hause. Seine Taschen waren voll, viel voller, als er zu hoffen gewagt hätte. Gleich würde er sich ein ausgiebiges Abendessen gönnen.

In wenigen Minuten erreichte er das vertraute, mehrstöckige Haus, in dem er wohnte. Karl stellte sein Rad vor der Hauswand ab.

Da fiel sein Blick auf seinen Nachbarn, einem schmal gebauten, alten Mann. Er stand vor einem Taxi, dessen Kofferraum weit offenstand. Darin waren mehrere randvolle Einkaufstaschen, dazu ein Kasten Wasser und ein Kasten Bier. Der kleine, gebeugte Mann, packte die Sachen in zahlreichen Schachteln und Tüten hin und her. Derweil saß der stämmige, schwarzbärtige Taxifahrer gemütlich in seinem Sitz und spielte an seinem Handy.

„Hallo Herr Schneider“, sprach Karl ihn an. „Sie haben heute aber kräftig eingekauft.“

„Aber ja!“ Der alte Nachbar schien vor Freude zu strahlen. So hatte Karl ihn noch nie gesehen. „Sehr viel. Heute war ja Mal-3-Tag bei TEWE.“

„Da war ich auch gerade“, sagte Karl und deutete auf seine vollen Packtaschen.

„Sie sind ja bescheiden, junger Mann…“, lachte der Alte und wandte sich dann wieder seinen vielen Einkaufstaschen zu.

„Sind sie bald fertig?“, brummte der bärtige Taxifahrer aus dem Inneren des Wagens.

Nun erkannte er das Dilemma seines Nachbarn. Er wohnte im 4. Stock. „Kann ich ihnen vielleicht helfen beim Hochtragen?“, bot sich Karl an.

„Oh, das wäre eine große Hilfe, junger Mann. Sie wissen ja, ich wohne im 4. Stock und mein Rücken…“ Der Mann sah ihn dankbar an.

Karl sperrte die Haustür auf und trug alles zunächst in den Hausflur. Herr Schneider bezahlte den Taxifahrer, während Karl die Getränkekisten hinauftrug. In jeder Hand trug er einen Kasten. Nach zwei Stockwerken taten ihm die Arme weh. Da war er wohl etwas zu forsch vorgegangen. Was soll’s, dachte er und trug die Kästen nacheinander hoch. Danach folgten die Kisten und Taschen mit den restlichen Einkäufen.

Herr Schneider hatte ganz schön zugeschlagen, überlegte Karl. Davon würde er noch Wochen zehren.

Nach der letzten Tasche bot ihm der Nachbar ein Glas Wasser an. Auch er war außer Atem, hatte er doch einiges selbst hochgeschleppt. „Danke“, sagte er. „Vielen Dank! Allein hätte ich Stunden dafür gebraucht.“

„Kein Thema“, winkte Karl ab. Irgendwann wird er selbst auch mal so alt sein und sich über Hilfe freuen. „Das habe ich gerne gemacht für sie“.

„Hier eine kleine Anerkennung. Gönnen sie sich was Nettes. Wer weiß, was sich noch ergibt?“ Herr Schneider schob ihm einen 20 € Schein zu.

„Das ist aber nicht nötig. Das habe ich nicht für Geld gemacht.“

„Nehmen sie es einfach. Ich habe heute viel gespart.“

„Gut“ sagte Karl. „Ich freue mich darüber. Jetzt muss ich aber fix runter, meine Einkäufe stehen ja noch unten.“

Er verabschiedete sich und flitzte mit großen Schritten die vier Treppen hinunter. „Heute ist mein Glückstag“, frohlockte er. Einen dicken Einkauf hatte er gemacht, viel mehr als geplant und dann noch 20 € einfach so!

Unten sah er sein Fahrrad an der Hauswand stehen. Aber da fehlte was.

Der Einkauf! Alle Taschen waren weg. Karl sah sich in der Nähe um. Keine Spur von den Taschen, keine von den Einkäufen. Jemand hatte die Sachen geklaut, als er im Haus gewesen war.

Wut kam in ihm auf. Das war ja das Letzte! So fies, so hinterhältig! Da hatte ihn jemand dreist bestohlen, während er seinem alten Nachbarn die Sachen hochgetragen hatte! Unglaublich!

Nach einigen saftigen Flüchen schloss er sein Fahrrad ab. Immerhin haben sie das nicht mitgenommen. Es war noch nicht einmal angeschlossen. Glück im Unglück, so tröstete man sich in einer solchen Situation, dachte er.

Fünf Minuten später saß er in seiner Küche vor dem leeren Tisch. Alles weg, alles gestohlen. Die schönen Einkäufe! Heute würde es wohl nichts zu essen geben, grübelte er missmutig.

Nochmal losfahren hatte keinen Sinn. Es war jetzt 20 Uhr, da hatte alles zu.

Das alte Brot, dachte er. Vielleicht könnte er das tatsächlich reklamieren. Immerhin hatte die Bäckerin ihm ihre Nummer dagelassen.

Karl fischte in seiner Hosentasche nach dem Prospekt. Das stand mit Kugelschreiber geschrieben: „Cornelia“ und eine Handynummer.

Cornelia hieß sie also. Karl mochte sie. Sie war fast immer gut gelaunt, und wenn nicht, pflegte er sie mit einigen witzigen Bemerkungen oder Fragen aus der Reserve zu locken. Sollte er sie jetzt wirklich anrufen wegen eines alten Brotes? Das ist doch lächerlich, dachte er.

Egal, sagte er sich dann. Was hatte er denn zu verlieren an diesem Abend? An Lebensmitteln zumindest nichts mehr. Wild entschlossen nahm er sein Telefon und wählte ihre Nummer.

„Hier Conni“, kam es aus dem Gerät.