Film und Verkündigung -  - E-Book

Film und Verkündigung E-Book

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Beschreibung

Filme erzählen Geschichten, die ihre Zuschauer berühren, weil es darin immer auch um deren Themen geht. Meist zeigen sich die wirklich wichtigen Themen erst in der Tiefe. Das ist die Herausforderung. Indem wir Filme und Verkündigung in der Jugendarbeit zusammenbringen, starten wir einen Dialog mit den jungen Menschen über ihr Leben und über die christliche Botschaft. Dieses Buch ist eine Brücke zwischen den Themen der Filme, der jungen Menschen und der Bibel. Die Andachten, Gottesdienste, Predigten und Entwürfe für die Arbeit mit Gruppen zeigen anhand von 58 Filmen unterschiedlicher Genres, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten sind und wie groß die Chance, junge Menschen ab 13 Jahren auf diesem Weg zu erreichen.

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Seitenzahl: 317

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Impressum

 

© 2. aktualisierte Auflage 2017buch+musik ejw-service gmbh, Stuttgart 2014All rights reserved.

buch+musik ejw-service gmbh, StuttgartISBN Buch 978-3-86687-102-1ISBN E-Book 978-3-86687-115-1

Verlag Haus Altenberg GmbH, DüsseldorfISBN Buch 978-3-7761-0316-8

Lektorat:

buch+musik – Claudia Siebert, Kassel

Gestaltung:

b3plus – Benjamin Funk und Alina Viereck, Alheim-Heinebach

Satz:

buch+musik – Claudia Siebert, Kassel

Bildrechte Umschlag und Seite 3, 25, 49, 79, 143, 185:

envato, Galyna_Andrushko, PhotoDuneenvato, peus80, PhotoDuneenvato, joshua_resnick, PhotoDune

Bildrechte Autorenfotos:

Die Fotos wurden von den Autoren zur Verfügung gestellt.

www.ejw-buch.de

Vorwort und Einleitung

Wenn sich Menschen zusammentun, die vom Evangelium und von Filmen begeistert sind, dann entsteht etwas Neues. Beides passt gut zusammen. Deshalb haben wir „Film+Verkündigung“ herausgebracht. Nicht als Buch, das man einmal durchliest und wieder in das Regal stellt, sondern als Praxisbuch für die Jugendarbeit, das immer wieder einen Impuls gibt, mit jungen Menschen tiefer in Themen einzusteigen.

Filme können richtig eingesetzt zur Brücke zwischen Glaube und Themen junger Menschen werden. Dies zeigt sich in der Vielfalt der Methoden. Andachten, Predigten, Gottesdienste oder Entwürfe für die Arbeit mit Gruppen sind hier genauso zu finden wie eine theologische Grundlegung, Hinweise zur Filminterpretation oder rechtliche Hinweise.

Damit man gut mit dem Buch arbeiten kann, gibt es zu Beginn jeder Einheit einen kurzen Überblick über passende Themen, Bibelstellen und benötigtes Material. Die FSK-Angaben machen deutlich, dass man die Filme bzw. angegebenen Filmsequenzen nur mit der geeigneten Altersgruppe anschauen sollte.

Die Zeitangaben der Filmsequenzen beziehen sich auf die DVDs der Filme. Es kann allerdings je nach DVD-Programm zu Abweichungen kommen.

Auch das beste Praxisbuch erspart einem nicht die eigene Arbeit. Deshalb ist es grundsätzlich wichtig, dass man sich den Film bzw. die Filmsequenzen zur Vorbereitung selbst anschaut. In den meisten Einheiten wird nicht der ganze Film angeschaut, sondern es werden nur kurze Szenen gezeigt. Dies erfordert in der Regel, dass man die Filmhandlung weitererzählt oder Sinnzusammenhänge darstellt. Dies sollte bei der Vorbereitung und der Zeitplanung berücksichtigt werden. Auch wenn oft nur kleine Filmszenen gezeigt werden, ist darauf zu achten, dass Ton- und Bildqualität stimmen – wie bei einem kompletten Film.

Wir freuen uns über alle, die Filme in der Jugendarbeit einsetzen. Man bewegt sich damit aber nicht in einem rechtsfreien Raum. Im Kapitel „Rechtliche Bedingungen für die öffentliche Vorführung von Filmen“ gehen wir deshalb auf die wichtigsten Punkte ein, die man beachten muss.

Wir sind begeistert von dem, was unsere Autorinnen und Autoren zusammengetragen haben. Wir wünschen uns, dass ihr bewegende Erfahrungen macht in der Arbeit mit Jugendlichen. Denn Filme und das Evangelium bewegen in ihrer eigenen Art und Weise. Deshalb: Film ab!

 

Inhaltsverzeichnis

Filmverzeichnis

Jesus goes to Hollywood – oder: Wie Gott auf die Leinwand kommt

Filme in der Jugendarbeit

Andachten

Titel

Film

Helden wie wir

Batman Begins

Mit dem Herzen sehen

Blind Side – Die große Chance

Das Abenteuer des Lebens

Der Hobbit: Eine unerwartete Reise

Eine Geschichte voll Hoffnung

Die Kinder des Monsieur Mathieu (Le Choristes)

Auf der Suche nach Heimat

Rambo (First Blood)

Mit Leidenschaft dabei

Sherlock Holmes – Spiel im Schatten

Die Sehnsucht nach mehr

Slumdog Millionär

Wer zuletzt lacht, lacht am besten

Sonnenallee

Lebensentscheidungen

Vaya con dios

Gottesdienste

Titel

Film

So sein wie Gott

Bruce allmächtig

Das Wertvolle der Identität

Die Bourne Identität (1. Teil der Trilogie)

Von der Ausgrenzung zur Umarmung

Invictus

Auf dem Weg mit Gott

Luther

Und er trägt doch!

Patch Adams

Am Anfang steht das Ende

Skyfall – James Bond 007

Weck den Spider-Man in dir

Spider-Man

Beziehungswaise

Walk the Line

Predigten

Titel

Film

Ein Mensch des Friedens

Avatar – Aufbruch nach Pandora

Jeder hat einen Auftrag

Blues Brothers

Was ist das Leben

Das Beste kommt zum Schluss

In der Tiefe hoch leben

Das Haus am Meer

Was glücklich macht

Das Streben nach Glück

Du bist dran

Der Plan

Ware Mensch

Die Tribute von Panem – The Hunger Games

Alles unter Kontrolle

Die Truman Show

Für dich tausendmal

Drachenläufer

Das Ende der Welt

Jesus liebt mich

Gemeinsam unterwegs

Little Miss Sunshine

Das Trotzdem des Glaubens

Lola rennt

Das Abenteuer wagen

Mavericks

Unvollkommene Schauspielerei

Rango

Runter vom Baum – rein ins Leben

Ziemlich beste Freunde

Arbeit mit Gruppen

Titel

Film

Der gute Kampf des Glaubens

Atemlos – Gefährliche Wahrheit

Alles ist verbunden

Cloud Atlas

Rache oder Menschlichkeit

Defiance – Unbeugsam

Liebe ist nicht gleich Liebe

Der Aufreißer (Kurzfilm)

Fairplayer Jesus

Der ganz große Traum

Vertrauen wagen

Erbsen auf halb 6

Lebensträume bauen

Inception

Autokino

Matrix

Neid

Neid

Mutig voran

Rapunzel – Neu verföhnt

Auf der Suche nach festem Halt

The life of Pi: Schiffbruch mit Tiger

Echte Freundschaft

The Social Network

Filmperspektiven

Film

Ab durch die Hecke

Der Teufel trägt Prada

Die fetten Jahre sind vorbei

Die vier Federn

Die Welle

Goodbye Bafana

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Last Samurai

Mitten ins Herz

Schindlers Liste

Sophie Scholl

Star Trek

Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith

Waltz with Bashir

Tipps aus der Praxis

Anleitung zur Filminterpretation

Rechtliche Bedingungen für die öffentliche Vorführung von Filmen

Links und Literatur

Dank der Herausgeber

Werbeseiten

Filmverzeichnis

Film

FSK

Art

Themen

 

 

Ab durch die Hecke

0

Filmperspektive

Ausnutzen, schlechtes Gewissen, Schuld, Verräter

Atemlos – Gefährliche Wahrheit

12

Arbeit mit Gruppen

Christsein, geistlicher Kampf, Herausforderungen meistern, Lebensweg

Avatar – Aufbruch nach Pandora

12

Predigt

Berührungsängste, Fremde(s), interkulturell leben, Toleranz, Verständnis

Batman Begins

12

Andacht

das eigene Schicksal annehmen, Fähigkeiten, Lebenserfahrungen, Menschsein, Niederlagen

Blind Side – Die große Chance

6

Andacht

Liebe, Toleranz, Zugehörigkeit, Zuhause

Blues Brothers

12

Predigt

Berufung, Lebensweg, Nachfolge

Bruce allmächtig

6

Gottesdienst

Gott, Güte Gottes, Verantwortung, Zweifel

Cloud Atlas

12

Arbeit mit Gruppen

Gemeinschaft, Verbindungen, Zukunft

Das Beste kommt zum Schluss

0

Predigt

Leben, Lebensweg, Sehnsucht, Lebenssinn, Tod, Worauf es im Leben ankommt

Das Haus am Meer

6

Predigt

Angst, Hoffnung, Krise, Leben, Veränderung, Zukunft

Das Streben nach Glück

0

Predigt

Glück, Gott, Lebensweg, Ziel

Defiance – Unbeugsam

12

Arbeit mit Gruppen

Freiheit, Freundschaft, Gemeinschaft, Gerechtigkeit, Glaube, Hilfe, Hoffnung, Menschlichkeit, Rache, Vertrauen

Der Aufreißer (Kurzfilm)

0

Arbeit mit Gruppen

Liebe, Sexualität

Der ganz große Traum

0

Arbeit mit Gruppen

Fairplay, Gemeinschaft, Respekt, Toleranz

Der Hobbit: Eine unerwartete Reise

12

Andacht

Berufung, Mut, Vertrauen

Der Plan

12

Predigt

Entscheidung, Gottes Plan, Lebensweg, Ziel

Der Teufel trägt Prada

0

Filmperspektive

Beeinflussung, Entscheidung, Kultur, Mode

Die Bourne Identität (1. Teil der Trilogie)

12

Gottesdienst

Identität, Menschsein, Wert

Die fetten Jahre sind vorbei

12

Filmperspektive

Glaube, Ideale, Konsum, Lebenssinn, Revolution

Die Kinder des Monsieur Mathieu (Le Choristes)

6

Andacht

Geduld, Güte Gottes, Hoffnung, Liebe, Vertrauen

Die Tribute von Panem – The Hunger Games

12

Predigt

Identität, Menschsein, Selbstfindung

Die Truman Show

12

Predigt

Freiheit, Gott, Sehnsucht, Vertrauen

Die vier Federn

12

Filmperspektive

Brief, Freundschaft, Gott, Reue, Verlust

Die Welle

12

Filmperspektive

Exklusivität, Fanatismus, Faschismus

Drachenläufer

12

Predigt

Entscheidung, Freundschaft, Gnade, Schuld, Vergebung

Erbsen auf halb 6

6

Arbeit mit Gruppen

Gemeinschaft, Liebe, Vertrauen

Goodbye Bafana

6

Filmperspektive

Apartheid, Gleichberechtigung, Leiden, Not, Unterdrückung, Verfolgung

Inception

12

Arbeit mit Gruppen

Gott, Lebensträume, Lebensweg

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

12

Filmperspektive

Bibel, Buch, Glauben, Praxis, Taten, Theorie

Invictus

6

Gottesdienst

Gemeinschaft, Liebe, Nächstenliebe, Toleranz

Jesus liebt mich

12

Predigt

Christsein, Ende der Welt, Hoffnung, Zukunft

Last Samurai

16

Filmperspektive

Buddhismus, Japan, Moderne, Philosophie, Postmoderne, Spiritualität, Weltanschauung

Little Miss Sunshine

6

Predigt

Gaben, Gemeinschaft

Lola rennt

12

Predigt

Beziehung, Entscheidung, Lebensweg, Liebe, Orientierung, Vertrauen, Zeit

Luther

12

Gottesdienst

Christsein, Glaube, Kirche, Vertrauen, Zweifel

Matrix

16

Arbeit mit Gruppen

Abhängigkeit, Glaube, Hilfe, Nachfolge, Verrat, Wirklichkeit

Mavericks

6

Predigt

Berufung, Gaben, Gott, Mut, Sehnsucht, Ziel, Zweifel

Mitten ins Herz

0

Filmperspektive

Angst, Einschüchterung, Gelähmtsein, Reden, Schweigen, Wut

Neid

0

Arbeit mit Gruppen

Dankbarkeit, Neid

Patch Adams

6

Gottesdienst

Glaube, Hoffnung, Selbstwert, Sorgen, Vertrauen, Wert

Rambo (First Blood)

16

Andacht

Heimat, Sehnsucht, Zugehörigkeit

Rango

6

Predigt

Christsein, Gemeinschaft, Identität, Menschsein, Vollkommenheit, worauf es im Leben ankommt

Rapunzel – Neu verföhnt

0

Arbeit mit Gruppen

Angst, Lebensträume, Lebensweg, Selbstbewusstsein, Vertrauen

Schindlers Liste

12

Filmperspektive

Leben, Opfer, Rettung, Verderben

Sherlock Holmes – Spiel im Schatten

12

Andacht

Gottes Treue, Lebensweg, Leidenschaft

Skyfall – James Bond 007

12

Gottesdienst

Begleitung, Krise, Neubeginn, Sorgen, Veränderung

Slumdog Millionär

12

Andacht

Lebensweg, Liebe, Sehnsucht, Zuhause

Sonnenallee

12

Andacht

Entscheidung, Freiheit, Identität, Veränderung, Vertrauen

Sophie Scholl

12

Filmperspektive

Angst, Gebet

Spider-Man

12

Gottesdienst

Fähigkeiten, Gaben, Identität, Veränderung

Star Trek

12

Filmperspektive

Berufung, Erbe, Herausforderung, Vorbild

Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith

12

Filmperspektive

Korruption, Macht, Niederlage, Versuchung

The life of Pi: Schiffbruch mit Tiger

12

Arbeit mit Gruppen

Glaube, Gott, Liebe, Religionen

The Social Network

12

Arbeit mit Gruppen

Freundschaft, Identität, Lebensweg

Vaya con dios

6

Andacht

Entscheidung, Veränderung, Vertrauen

Walk the Line

6

Gottesdienst

Beziehung, Vergebung, Verletzung, Vertrauen

Waltz with Bashir

12

Filmperspektive

Albtraum, Bewältigung, Krieg, Schuld, Verbrechen, Verdrängung, Vergangenheit

Ziemlich beste Freunde

6

Predigt

Entscheidung, Freundschaft, Gemeinschaft, Lebensweg, Veränderung

Jesus goes to Hollywood – oder: Wie Gott auf die Leinwand kommt

Ein Differenzierungsversuch

Ich gehe gern, wenn auch nicht sehr oft ins Kino. Ich sehe gern, wenn auch nicht sehr oft im Fernsehen komplette Spielfilme an. Ich lese regelmäßig die eine oder andere Filmzeitschrift, bin aber sicherlich kein Freak im eigentlichen Sinn des Wortes. Filmliebhaber bin ich gleichwohl, wenn auch mit einigen Einschränkungen, die ich meiner Einstellung zu meiner Seele verdanke. Dazu gehört, dass ich keine Horrorfilme mag, selbst dann nicht, wenn sie künstlerisch hochstehend sind. Ich vertrage es schlecht, mit dem Grauen umzugehen. Und wenn es zu grausam zugeht, verbleibe ich auch nicht lange im Filmsessel. Aber das ist eine persönliche Angelegenheit und besagt an dieser Stelle nur: ich liebe das Kino, aber nicht bedingungslos.

Und seit einem bestimmten Zeitpunkt ist ein tiefes theologisches und gemeindepraktisches Interesse hinzugetreten: Es ist eine ganze Weile her, dass ich zum ersten Mal Walt Disneys „König der Löwen“ gesehen habe; genauer: sehen musste. Ich hatte eine Wette mit meiner Frau verloren und musste mir deshalb einen – nach meiner Lesart – langen, zappeligen Comicstrip anschauen, ein Filmgenre, dem ich bis dahin wenig bis gar nichts abgewinnen konnte. Nach den auch für mich immer interessanten Werbeblöcken und Trailern zukünftiger Filmdarbietungen sah ich also diesen Film.

Was mich an diesem Film tief berührte und beunruhigte, war zweierlei: Zum einen wurde hier in einer klassischen Parabelform eine geschlossene Weltanschauung dargeboten, die im ökologischen Zeitalter natürlich eine imponierende Überzeugungskraft besaß und sicherlich den meisten meiner Mitbetrachter aus dem Herzen gesprochen war. Ich sah im Geiste schon manche meiner Konfirmanden mit dem Hinweis auf die Worte des Löwenkönigs Mufasa mit mir im Unterricht argumentieren: „Gibt es also doch den ewigen Kreislauf des Lebens?“ Darüber hinaus wurde mehr oder minder unverhohlen auf dem sogenannten „Königsfelsen“ eine Salbungs- oder Taufszene vorgestellt, der eigentlich nur noch das Wort „Siehe, das ist mein Sohn, den sollt ihr hören“ fehlte, um biblisch komplett zu sein. Zum anderen aber war mir in diesem Augenblick klar, dass kaum einer der Mitbetrachter diesen Bezug erkannt hatte oder auch nur erkennen konnte. So viel biblisches Wissen oder Reflexionswillen beim Filmeschauen stand ihnen vermutlich kaum zur Verfügung. Die Filmemacher wissen sehr genau, was sie tun und mit welchem Material sie spielen, aber die Betrachter wissen es natürlich nicht. Sie können manchmal die Hintergründe erkennen, einige Bezüge entschlüsseln oder sich einfach berieseln lassen. Für eine gute Unterhaltung oder auch eine echte Berührung langt es allemal; wenn allerdings ein Erkennen und Verstehen hinzukommt, vertieft sich das Erlebnis des Films deutlich.

Warum sollte man dieser Vertiefung nicht ein wenig aufhelfen? Seit dem Erlebnis mit dem „König der Löwen“ bin ich dabei, Religion im Spielfilm aufzusuchen und sie für mich, in gewisser Hinsicht auch für andere, kenntlich zu machen. Seit diesem Film steht für mich aber auch fest, dass das Kino bzw. der Film an sich einer der wichtigsten Orte der gesellschaftlichen Gegenwart ist, um Weltanschauungen im wahrsten Sinne des Wortes zu vermitteln oder allererst zu produzieren. Dies geschieht eben in weiten Teilen der Gesellschaft nicht mehr über Bücher und Texte, sondern über Sendungen im Fernsehen (das betrifft schon die älteren Semester), Playstations, Youtube und audiovisuelle Medien jedweder Natur. Kirche, Glauben, Priester, Mysterien – das entnehmen junge Menschen zum großen Teil aus dem filmischen Material, das sie gesehen haben, nicht mehr der eigenen Anschauung. Wer Jesus sein oder wie man ihn verstehen könnte, sagt uns Monty Pythons „Das Leben des Brian“ seit 30 Jahren, nicht etwa die Kinderbibel oder die Geschichten aus dem Kindergottesdienst. Und wie „Kirche tickt“, sagt uns Ron Howards „Da Vinci Code“ mit Tom Hanks und seiner Gespielin Audrey Tautou, nicht der Priester aus St. Joseph nebenan.

Man kann sich diesen Sachverhalt nicht deutlich genug vor Augen führen. Binnen einer Generation ist zwischen die direkte Unterweisung in Religions- und Konfirmandenunterricht und Gottesdienst eine selbstständige Vermittlungsinstanz getreten, die wirklich ganze Arbeit leistet. Daher glaube ich, dass es uns als verantwortlich Mitarbeitenden in den Gemeinden gut ansteht, die Quellen der Vorstellungen, die in den Köpfen und Herzen vieler junger und erwachsener Menschen leitend sind, wenigstens ungefähr zu kennen und sich mit ihnen nicht nur oberflächlich zu beschäftigen oder sie gar abzuweisen.

Ich möchte im folgenden sechs Kategorien präsentieren, um die verschiedenen Formen religiöser Elemente im Film halbwegs übersichtlich zu gliedern. Mehr als eine erste Orientierung kann und soll das nicht sein. Gleichwohl ist mit diesen Kategorien auch ein erster Hinweis verbunden, wie man sich hermeneutisch (d. h. auslegend) einem Film mit erkennbar religiösen Elementen nähern kann.

1. Die historische Darstellung religiöser Gestalten

Sie versucht eine Art historisierenden Dokumentarbericht. Die biblischen und bisweilen auch kirchengeschichtlichen Figuren werden cineastisch nachgezeichnet und dabei natürlich interpretiert. Freilich ist diese Interpretation im Rahmen einer historischen Kulisse gehalten und als Interpretation gelegentlich schwerer erkennbar.

Es handelt sich methodisch um eine Exegese (Auslegung) mit anderen als den in der Theologie üblichen Mitteln. Dennoch ist natürlich offensichtlich, dass zwischen dem Film „Das Evangelium nach Matthäus“ von P.P. Pasolini und dem Hollywood-Historiendrama „König der Könige“ ein kategorialer Unterschied besteht. Beiden gemeinsam ist der Umstand, dass es sich um den Versuch einer im geschichtlichen Nahfeld beheimateten und am überlieferten Text orientierten Visualisierung handelt.

Die von der damaligen Kirch-Gruppe in Auftrag gegebene und im Privatfernsehen gesendete Bibelverfilmung nahm diese Präsentation biblischer Stoffe nach vielen Jahren in den 90ern wieder auf. In den 50er-Jahren hatten insbesondere fromme Sandalenfilme über die Patriarchen, Moses und andere Große des Alten Testaments in den Kinos ihre große Zeit gehabt. In jüngerer und jüngster Zeit findet dieses Thema nun eine interessante Fortsetzung. Den Auftakt bot wohl Mel Gibsons „Passion“ als eine Mischung aus ebenso bekenntnishafter wie blutrünstiger Hommage an Jesus als den Erlöser und bemühter Detailtreue in Sachen historischer Recherche. Gegenwärtig folgt vor allem das Alte Testament. „Noah“ als grandioses optisches Feuerwerk verwandelt den biblischen Archebauer in eine Mischung aus zornigem Ökofundamentalist und frommem Actionheld – Reinhold Meßmer meets Arnold Schwarzenegger. Ähnliches ist auch für die weiteren Remakes der „biblischen Filme“ zu erwarten, die in den nächsten Monaten in die Kinos kommen. Das Unterhaltungs- und Actionpotenzial des Alten Testaments wird genutzt, um Unterhaltung zu gewinnen, und nebenher ergibt sich ein aufschlussreicher Blick auf die derzeitigen Interpretationslinien der kreativen cineastischen Kunst.

Auch der legendäre „Ben Hur“ lässt sich als eine historische Jesusgeschichte sehen, immerhin – vom Oscar-Ertrag her gesehen – einer der beiden erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Solche Filme sind als Veranschaulichung wichtig, da oftmals unseren Zeitgenossen jede Vorstellung von der Lebenswelt alt- und neutestamentlicher Figuren abgeht. Auf diesem Hintergrund sind manche „Römer“-Filme von kirchengeschichtlichem Interesse: Ridley Scotts „Gladiator“ bietet zum Teil gut recherchierte Veranschaulichungen der römischen Lebenswelt, in die hinein das junge Christentum seinen Weg nahm.

Filmische Darstellungen von kirchengeschichtlich interessanten Gestalten sind mit ebensolchem Bedacht und Aufmerksamkeit zu genießen; „Franziskus“, „Hildegard“, „Luther“ oder die Verfilmung der letzten Tage Dietrich Bonhoeffers zeigen Interpretationen wichtiger religiöser Figuren und stellen interessante Gesprächsangebote an die Besucher dar.

2. Der Propagandafilm

Bei diesen Produktionen, meist aus der evangelikalen Tradition des Glaubens heraus entstanden, geht es um direkte Werbung für den christlichen Glauben. Sie wollen nicht eigentlich unterhalten, sondern überzeugen; nicht zeigen, sondern werben. Sie sind zum Teil von hoher handwerklicher Qualität, ihnen ist jedoch ein Kennzeichen zwangsläufig gemeinsam: sie unterwerfen die ästhetische und cineastische Eigendynamik einem von außen kommenden Eigenwillen, der nicht nur den Eindruck des Films prägt, sondern ihn damit auch auf eine Evangelisationsaussage reduziert. Das ist gewollt, genauso wie die Werbefilme jeder beliebigen Firma allen cineastischen und ästhetischen Scharfsinn allein dazu aufwenden, ihr Produkt und ihre Idee in Gestalt einer Story loszuwerden. In dem Maße, in dem der Film verzweckt wird, erleidet er das Schicksal aller verzweckten Kunst: sie gerät unter einen artfremden Druck und verliert an eigener kreativer Substanz. Das macht diese Art Film wie alle Propagandafilme nicht verwerflich, heißt auch nicht automatisch, dass sie deswegen schlecht sind (als programmatisches und berühmtes Gegenbeispiel „Panzerkreuzer Potemkin“ von Sergej Eisenstein), bringt aber eine andere Intention in die Produktion und die visuelle Ausgestaltung des Films hinein.

Möglicherweise ist dies aber ein Grund, warum missionarisch verzweckte Kunst in jeder Hinsicht selten qualitativ gute Kunst ist. Eines der ehernen Gesetze kreativer Tätigkeit ist ihre Eigengesetzlichkeit. Kreative Menschen sind selten dogmatisch.

3. Der philosophische Film

Ich möchte unter diesem Titel jene Filme einordnen, die sich ausdrücklich religiösen oder philosophischen Themen widmen, dies aber unter ebenso ausdrücklichem Verzicht auf eine weltanschauliche Festlegung, Behauptung und programmatische Position tun. Diese Produktionen reflektieren zum Teil auf sehr hohem Niveau theologische und religiöse Sachverhalte, erheben aber keinen Anspruch auf Darstellung der Wahrheit, Zugehörigkeit zur Schar der wirklich Weisen oder gar priesterliche Weihen, stellen sich vielmehr in eine bestimmte und verarbeitete Tradition und nehmen zu ihr zustimmend oder kritisch Stellung. Sie erzählen eine Geschichte, aber sie vertreten keine Wahrheit.

Ich beziehe mich auf Filme wie Robert Redfords inzwischen schon über 20 Jahre altem „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“, in der die Frage nach dem Ziel, Sinn und Maß des Lebens anhand zweier Söhne eines Presbyterianerpfarrers dargestellt wird; „Forrest Gump“ von Robert Zemeckis, der sich phasenweise wie eine Umschreibung der Bergpredigt verstehen lässt; oder auch Richard Attenboroughs Monumentalwerk „Gandhi“, der nicht nur die öffentlich bekannte Lebens- und Wirkungsgeschichte des Mahatma darstellt, sondern die Tragik von Politik, Moral und Gewalt in den verschiedenen Figuren präsentiert. Mit den religiösen Begriffen arbeitet in jüngerer Zeit Michael Haneke mit seiner beeindruckenden Trilogie über „Glauben“, „Hoffnung“ und „Liebe“.

Neben den epischen Formen des Spielfilms gehören aber auch die Versuche Krysztof Kieslowskis über den Dekalog oder seine berühmte Trilogie „Drei Farben …“ in diesen Kontext. Es ist nicht schwer, in diesen Filmen die religiöse Thematik aufzuspüren, weil sie unverdeckt dargeboten wird. Aber es handelt sich eben nicht um propagandistische oder historisierende Interessen, die die Inszenierung und Produktion leiten, sondern um Kommentare zu den großen Themen der Religion, der Philosophie und des menschlichen Glaubens.

Solchen Filmen ist selten eine lange Spieldauer in den Kinos beschieden, weil sie entweder an Unterhaltungsmomenten zu arm sind – man schaue sich diesbezüglich einmal den Trailer von einem Film wie „Die Legende von Bagger Vance“ an – oder aber den Zuschauer fast gewalttätig zu einer eigenen Betrachtung des Lebens auffordern, so etwa die Filme von Lars von Trier („Breaking the waves“, „Dogville“, „Antichrist“). Beides beansprucht Konzentration und Dauer – Tugenden, die nicht eben zu den Stareigenschaften des Kinopublikums gehören. Solche Werke sind aber für die theologische Arbeit äußerst interessant, weil sie thematisch klar sind und ihre theologischen Positionen nicht mit einem Berg von Action und Sensation tarnen.

Eine Ausnahme in dieser Reihe bietet gewiss die Geschichte der „Ziemlich beste Freunde“, die mit Recht eine großartige Erfolgsgeschichte geschrieben hat. Kaum je wird so spielerisch und unbekümmert mit den ernsten Fragen des Lebens und des Todes umgegangen. Skurril hingegen und mit ausdrücklichem Bezug auf die biblische Hiobs-Geschichte die dänische Produktion „Adams Äpfel“ aus 2006. Oscargekrönt und gleichwohl äußerst strittig die riskante Inszenierung des Holocaustgrauens als Komödie in „Das Leben ist schön“ (1997).

4. Verfremdungen

Diese Abteilung von Filmproduktionen beschäftigt sich wiederum ausdrücklich mit den Gestalten und Themen der überlieferten Traditionen, verfremdet sie aber in einem programmatischen Sinn und bleibt nicht innerhalb der geschichts- und textnahen Erklärung.

Natürlich könnten solche Filme auch den philosophischen Filmen zugerechnet werden, aber im Unterschied zu diesen handelt es sich hier um religiös aufgeladene Traktate, nicht um freie Erzählungen – wollte man es in literarischen Formen ausdrücken (ein Verfahren übrigens, das sich außerordentlich bewährt, um in der Vielfalt der Filmgenres Strukturen zu erkennen, vgl. dazu Langenhorst, Georg: Jesus ging nach Hollywood, Patmos, München, 1998). Wiederum ist nicht entscheidend, ob es sich dabei um zustimmende, kritische oder auch massiv polemische Stimmen handelt; wichtig ist lediglich, dass die biblischen Figuren und Szenen erkennbar und ebenso erkennbar verfremdet sind. Dazu rechne ich etwa Martin Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“, Denys Arcands „Jesus von Montreal“, Luc Bessons „Maria und Joseph“ oder Herbert Achternbuschs „Das Gespenst“. Auch das berühmte und berüchtigte „Leben des Brian“ aus der Komikschmiede der britischen Monty Python Gang gehört hierher.

Der theologische Umgang mit diesen Produktionen fällt deswegen relativ leicht, weil die in ihnen filmisch umgesetzten Behauptungen deutlich erkennbar und deswegen mit den überlieferten Positionen gut ins Gespräch gebracht werden können. Deswegen entzündet sich an diesen Filmen auch stets zuerst und am nachhaltigsten die konservative Kritik der christlichen Kirchen und Gemeinden. So ist etwa Martin Scorseses Werk 1988 Gegenstand heftigster Auseinandersetzungen bis hin zu Brand- und Bombenanschlägen gewesen, weil es vermeintlich oder tatsächlich den empfindlichsten Nerv vieler frommer Zeitgenossen getroffen hatte: das Verhältnis Christi zu den Frauen um ihn herum und zur Sexualität. Dass es vor allem amerikanische Gemeinden waren, die sich militant gebärdeten, deutet an, dass die Kulturunterschiede zwischen den einzelnen Vorführungsländern einen erheblichen Beitrag zu dem liefern, was als Verfremdung erkannt und als noch erträglich erfahren wird.

5. Die Kirche als filmisches Thema

Eine Reihe von Filmen beschäftigt sich ausdrücklich mit kirchlichen Figuren und Fragen. So etwa der Klassiker aus den 50er-Jahren „In den Schuhen des Fischers“ und natürlich die vielen Episoden über „Don Camillo“. Dazu gehören aber auch eine Reihe modernerer Produktionen, beispielsweise die ein wenig romantisch geratene Würdigung des legendären Jesuitenstaates in Paraguay „Mission“, die sehr eindrückliche Schilderung eines homosexuellen Priesters in „Der Priester“ oder die abenteuerliche Reise eines Kartäusermönches nach Indonesien in „Broken Silence“. Solche Filme sind zunehmend vor allem für kirchliche Insider interessant, weil sie ein Vorwissen voraussetzen, das immer weniger Menschen gegeben ist. Auf der anderen Seite wird durch so eigenwillige Produktionen wie „Die große Stille“, einer endlos langen Begleitung eines Klosteralltags in einem französischen Kartäuserkloster, sichtbar, dass gerade die Fremdheit kirchlicher Lebensformen auch außerkirchliches Interesse auf sich zieht. Filme, die so ausdrücklich kirchlichen Lebensformen nachgehen, zeigen, dass die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden und stärker noch als die sakramentale Gestalt des Leibes Christi stets eine ungeheure Anziehungskraft auf die Kulturschaffenden hat. Stärker wird dies noch, wenn man sich anschaut, in welcher Form Kirche als gelegentlicher Gegenstand in den Filmen auftaucht.

Dabei gilt: Filmische Präsenz der Kirche ist fast immer identisch mit katholischer Kirche. Die gesamte liturgische und symbolische Ausstattung der römischen Tradition ist sinnenfällig; das sakramentale Verständnis der geschichtlichen Institution erlaubt es, Kirche, Gott und Religion als visuelle Größe fassbar zu machen. Man kann es sich am Tabernakel (Aufbewahrungsort des Allerheiligsten) und dem eucharistischen Gebet deutlich machen: wo die rote Kerze brennt, da ist Gott – nicht nur symbolisch, sondern wirklich, anfass- und damit auch anschaubar. Also ist die Kirche, die um das Tabernakel gebaut ist, selbst ein Wohnort Gottes und als dieses eine „ansehnliche“, darstellbare Größe. In Ableitung dessen erklärt es sich leicht, dass die farbigen liturgischen Gewänder, der sicht- und riechbare Weihrauch, die prachtvollen Ausschmückungen der Kirchenräume, die Wallfahrten und Prozessionen, das ganze Inventar praktischer katholischer Frömmigkeit willkommene und hochgeschätzte Filmmotive sind. Was natürlich nicht heißt, dass sie deswegen von Haus aus geehrt oder befürwortet werden – oftmals ganz im Gegenteil. Aber als Filmgegenstand sind sie schier unverzichtbar, weil sie im christlichen Kulturraum Repräsentant der Religion schlechthin sind. Von dieser Mischung aus Attraktion und gleichzeitigem Verdacht nähren sich zahllose Spielfilme vom ersten „Exorzist“ über behutsamere Darstellungen wie „Lourdes“ bis hin zu den verschwurbelten Fantasien der „Illuminati“ und dem „Da Vinci Code“.

Vollkommen anders liegen die Dinge im Blick auf die evangelische Kirche. Die protestantischen Kirchen haben ihren cineastisch eindrücklichsten Auftritt vor allem im Western, und zwar in der Gestalt des einzelnen Pfarrers, der zwischen Gutmensch und Trunkenbold alle möglichen Schattierungen menschlichen Daseins widerspiegeln kann. Überhaupt sind es vermutlich vor allem die amerikanischen Produktionen, die den evangelischen Geistlichen in der Wahrnehmung behalten, weil es in erster Linie Protestanten waren, die das weiße Nordamerika geprägt haben. Die protestantischen Traditionen sind von Haus aus nicht so sinnenfällig, was visuelle Kommunikation angeht. Sie haben ihren Schwerpunkt auf dem Hören und zwar als gesprochenes und gesungenes Wort. Es ist bekannt, dass die eigentlichen Heiligen der deutschen evangelischen Kirche Johann Sebastian Bach, Heinrich Schütz und Paul Gerhardt sind. Die aber sind nicht zu sehen, sondern nur zu hören. Dem entsprechen auch die ästhetischen Leitideen beim Bau und der Ausgestaltung der protestantischen Gotteshäuser, die schlichten geistlichen Gewänder, die wenigen religiösen Gesten im Glaubensleben und das Fehlen von religiösen Massenveranstaltungen, von den in dieser Hinsicht kaum verwertbaren evangelischen Kirchentagen einmal abgesehen. Diese Konzentration auf das Wort macht die evangelische Kirche als Institution filmisch praktisch unbrauchbar, lediglich den einzelnen Pfarrer als Filmfigur interessant. Nicht umsonst ist die Fernsehserie „Oh Gott, Herr Pfarrer“ von Felix Huby die einzige intensive filmische Darstellung eines evangelischen Pfarrers und seiner Familien- und Gemeindesituation gewesen (1988/1989). Just deswegen wird sie auch unter die für das allgemeine Kirchenbild maßgebenden Impulse der letzten Jahrzehnte gerechnet. Die Episode, in der der Pfarrer unmittelbar nach einer Beerdigung wieder zu seiner Frau ins eheliche Bett steigt, ist geradezu legendär und hat einer Unzahl von Fernsehzuschauern vermutlich erstmalig eröffnet, dass Pfarrer „ganz normale“ Menschen sind.

Aber für die praktische Arbeit sind diese Darstellungen der Kirche unbezahlbar. An ihnen lässt sich erkennen, wie die Kirche derzeit gesehen und welches Bild folglich den Betrachtern vermittelt wird. Ich erinnere daran, dass immer weniger Menschen kirchliches Leben aus eigener Erfahrung kennen. Das ist im Übrigen ein wesentlicher Unterschied zu den Verhältnissen in den USA, wo immer noch über 60% der Menschen am Sonntagmorgen in einer Kirche sitzen und es zum selbstverständlichen Programm politischer Prominenz gehört, sich kirchlich und geistlich zu artikulieren.

6. Verarbeitungen

Mit Ausnahme von Splatter- und Pornofilmen, die sich darauf beschränken „shocking effects“ zu erzielen, gibt es keine Produktion, die ohne das auskommt, was ich an dieser Stelle eine religiöse Grundierung nennen möchte. Denn wenn menschliches Leben dargestellt wird, müssen die religiösen Themen dargestellt werden – sei es offen, verfremdet, verdeckt, unbewusst. Es geht stets um ein relativ beschränktes Reservoir an Fragen und Problemen: Liebe, Vergänglichkeit, Macht, Aggression, die unsichtbare Welt, Generationenkonflikte, Angst usw. Genau diese Fragen und Probleme stehen auch im Zentrum aller religiösen Überlegungen und werden dort einer Lösung oder einer Bearbeitung zugeführt, die sich in den existierenden Kirchen und religiösen Gemeinschaften herauskristallisiert. Wenn also jeder Film auf den gleichen Fragen- und Problemkanon zugreift, wird er Lösungen und Bearbeitungsformen präsentieren, die mit dem religiösen Angebot ins Gespräch gebracht, verglichen und beurteilt werden können. Dies ist die Ausgangsthese, von der aus ich die Berechtigung auf der einen, aber auch die Nötigung auf der anderen Seite sehe, die Religion im Film namhaft, erkennbar und dialogfähig zu machen. Natürlich muss man nicht gerade die dümmsten Produktionen und die flachsten Inszenierungen zu diesem Gespräch wählen: Jean-Claude van Dammes oder Stephen Segals Gewaltakte sind zwar biblisch durchaus verkraftbar – immerhin hat auch die Heilige Schrift so eine schräge Figur wie den Schürzenjäger Simson als Richter des erwählten Volkes anzubieten, aber sie geben an inhaltlicher Substanz und Lösungsintelligenz nicht viel her. Dennoch: mit den oben genannten Ausnahmen lässt sich prinzipiell mit allen Filmen arbeiten.

Hier liegt denn auch der zentrale Unterschied zu den bisher behandelten Kategorien. In den anderen Abteilungen werden die religiösen und philosophischen Themen und Figuren direkt inszeniert, bilden also das offensichtliche Thema des Films. Sie lassen sich daher auch sofort aus einer religiösen Perspektive wahrnehmen und beurteilen. In dem Bereich, der hier „Verarbeitungen“ genannt wird, bleibt dagegen das religiöse Thema im Hintergrund, ist nicht ausdrücklich genannt und wird auch nur selten dramaturgisch vorgestellt. Das kirchliche oder religiöse Gespräch entzündet sich hier entweder an den gelegentlichen offenkundigen Anspielungen an religiöse Zusammenhänge oder aber an der ethischen Problematik, die sich nicht selten mit den sattsam bekannten Freizügigkeitsdebatten verbindet.

Beispiel für die erste Variante ist der Gefängnisfilm „The Green Mile“. Ein anderes Beispiel ist „The Sixth Sense“, jene subtile Horrorgeschichte eines kleinen Jungen, der die übersinnliche Fähigkeit hat, die Toten sehen zu können, die sozusagen einen unvollendeten Tod gefunden haben. Abgehandelt wird dabei theologisch die Frage nach der Versöhnung und dem Gericht, übrigens sehr ähnlich zu dem vor allem als Video geradezu kultig gewordenen, aber schon etwas in die Jahre gekommenen Film „Flatliners“ (1990), ein Film, der interessanterweise erst als Video richtig erfolgreich geworden ist.

Beispiel für die zweite Variante ist das Beziehungsdrama „Ein unmoralisches Angebot“, das wegen der mehr oder minder deutlich empfundenen Kommerzialisierung der Institution Ehe kritisiert wurde. Aber dies sind schon die auffälligen religiösen Anspielungen. Interessanter für das zu führende Gespräch sind die anderen, unscheinbaren Impulse, die dem normalen Kinopublikum als Gefühl zwar präsent, aber als Erkenntnis nicht bewusst werden – allein die vergossenen Tränen in einem normalen Kinosaal nach „Schindlers Liste“ oder „Brücken am Fluss“ zeigen, wie viel emotionale Kraft in der Wahrnehmung der bewegten Bilder liegt. Die Trilogie „Glaube, Hoffnung, Liebe“ von Michael Haneke hingegen bietet in kammerspielartiger Form eine direkte Auseinandersetzung mit den Kernthemen des Glaubens als praktischen Lebensfragen.

Zusammenfassung

Beim Thema „Religion im Film“ geht es also nicht, wie man anfangs denken möchte, um die Ausgliederung einer bestimmten Art von Film und Inszenierung oder Segmentierung der Filmlandschaft, sondern um eine Interpretation des Filmschaffens überhaupt. Das setzt natürlich einen weiten Religionsbegriff voraus. Den möchte ich der Klarheit halber auch nennen: Religion ist in diesem Verständnis nicht mehr und nicht weniger als jener Aspekt des menschlichen Lebens, der sich mit einer Welt jenseits unserer empirischen Welt auseinandersetzt und aus dieser Auseinandersetzung die existenziellen Fragen menschlichen Lebens zu bearbeiten und zu beantworten sucht. Alle Bemühungen, das menschliche Leben als mehr und anderes zu verstehen denn als evolutionsgeschichtlichen Großversuch mit letztlich irrelevanter ethischer Ausstattung, sind in diesem bestimmten Sinne von Haus aus religiös.

„Religion im Film“ hat folglich nichts gemein mit einer Abteilung „religiöser Film“. Dies dürften meistens propagandistische Werke sein. Es ist vielmehr die Bemühung, im Leitmedium unserer Gesellschaft die Gegenwart der Religion in ihren offensichtlichen und verdeckten Formen aufzusuchen und ins Gespräch zu bringen. Das wiederum bedeutet zweierlei: Bewusstmachung und Gesprächshilfe.

Bewusstmachung ist in erster Linie Aufklärungsarbeit, weil sowohl die Glaubens- als auch die Bibel- und Kirchenkenntnis der Zuschauer nach den Traditionsabbrüchen der vergangenen Jahrzehnte auf ein Minimum zurückgegangen und daher nicht mehr in der Lage ist, die verborgenen Verarbeitungen religiöser Stoffe zu erkennen. Bisweilen werden selbst die offensichtlichsten Anspielungen nicht mehr verstanden.

Neben der Aufklärungsarbeit geht es in der Bewusstmachung aber noch um etwas anderes, nämlich um Hoffnung. Nach all den Abbrüchen und Niedergängen der kirchlichen Welt in Deutschland hat sich an manchen Stellen eine Bunkermentalität herausgebildet, die sich vor der vermeintlich unchristlicher und gottloser werdenden Welt zurück- und deren vermeintliche Protagonisten mit dem Verdacht überzieht, Agenten des Bösen zu sein. Filme und die in ihnen vorhandenen Möglichkeiten zudringlicher Fiktion sind da besonderer Wachsamkeit ausgesetzt. Das führt etwa bei Filmbesprechungen in manchen evangelikalen Presseorganen zu bisweilen absurden Urteilen. Es werden Produkte, in denen eine Ehe gerettet wird, als empfehlenswert deklariert, und wo es um moralisch verwerfliche Vorgänge geht, wird der Daumen nach unten gerichtet, ohne dass die Gesamtgeschichte gewürdigt wird. Eine Art Symptomjagd wird veranstaltet, um sich gegen die anflutenden Mächte der Finsternis zu wehren.

Tatsächlich aber und leider wird damit das in der ganzen Breite der Filmproduktion angelegte Bemühen übersehen, dem modernen Leben einen lebenswerten Ausdruck zu verschaffen, sich in einer unübersichtlicher gewordenen Welt zurechtzufinden, neue Werteprioritäten zu schaffen und bessere Formen des Lebens auszukundschaften. Das berühmte Happy End aus der Hollywood-Fabrik ist ja keineswegs nur eine schnulzige und pomadige amerikanische Attitüde, die im modernen Popcorn-Kino befriedigt werden will, sondern dokumentiert das Verlangen des normalen Menschen, auch unter modernen Bedingungen in irgendeiner Form zur Erfüllung des Lebens zu kommen. Der weithin hochgelobte und ungeheuer konsequente Film „Funny games“ von Michael Haneke, in dem zwei junge Männer eine harmlose Familie grausam quälen und am Ende töten, ohne irgendeinen Anflug von Happy End, ist nicht anschaubar. Er ist binnen zweier Wochen aus den Kinos verschwunden, weil diese Sicht der Dinge unerträglich ist. Das heißt im Umkehrschluss, dass in den zweifellos bisweilen geschmacklosen Produktionen der Filmindustrie vor allem eines am Werk ist: die Suche nach dem Guten, Wahren und Schönen, und zwar unter den Bedingungen der Neuzeit, die zwar dieSuche nach dem Guten, Wahren und Schönen als aussichtslos abgebrochen hat, mit dieser Auskunft aber auch nicht leben kann.

Gesprächshilfe will „Religion im Film“ sein, um mit den durch die Bewusstmachung gewonnen Einsichten wieder in ein ernst zu nehmendes Gespräch mit dem Film, der Kinokultur und den Zuschauern einzutreten. Dabei sind wir sowohl Zuschauer als auch Interpretatoren.

 

Helmut Aßmann,Superintendent, Hildesheim

Filme in der Jugendarbeit

Herausforderungen und Chancen

Filme erzählen Geschichten. Wenn es gute Filme sind, dann sind es Geschichten, die die Zuschauer ansprechen, berühren oder begeistern. Filme können es schaffen, dass wir für einige Zeit in ihre Welt eintauchen. Wir stehen an der Seite der Helden, fiebern mit, wenn es brenzlig wird, lachen oder weinen. Wir werden an andere Zeiten und Orte transportiert und erleben Abenteuer, ohne dabei den bequemen Sessel verlassen zu müssen.

„Ein Film ist wie ein Kuchen mit 700 Schichten“ hat es Regisseur Ridley Scott einmal treffend auf den Punkt gebracht. Als Zuschauer nehmen wir nur die oberen Schichten bewusst war. Was darunter liegt, erschließt sich oft nur auf den zweiten Blick. Unser Buch soll daher eine Brücke sein zwischen den Filmen, den Themen, die wir in der Bibel entdecken, und den Themen junger Menschen.

Dies stellt eine Herausforderung für alle dar, die Filme in der Jugendarbeit einsetzen. Wenn wir Filme und Verkündigung zusammenbringen, dann graben wir ein paar Schichten tiefer. Wir fragen nach Themen, die die Menschen ansprechen und bringen sie in einen Dialog mit der christlichen Botschaft. Dazu gehört, dass wir sowohl die Filme als auch die biblischen Texte und die Themen junger Menschen ernst nehmen. Dirk Blothner, seit 1997 Drehbuchanalytiker und -berater sowie als Stoffentwickler tätig, empfiehlt Drehbuchautoren in seinem Buch „Erlebniswelt Kino – Über die unbewusste Wirkung des Films“ wirksame Filmthemen und bedeutsame Inhalte, die ein breites Publikum ansprechen, z. B. den Wunsch nach Veränderung, die Suche nach neuen Grenzen, die Sehnsucht nach Verbindlichkeit oder das Interesse an starken Figuren.

Filme beinhalten die großen Themen, die die Menschen beschäftigen. Wir möchten dazu ermutigen, inhaltliche Tiefenbohrungen zu machen und sich diesen Themen zu stellen. Filme sind dabei nie Mittel zum Zweck. Die vielfältigen Formen, die wir in diesem Buch beschreiben, zeigen, dass es lohnend ist, sich intensiver mit den Filmen auseinanderzusetzen und danach zu fragen, wann man wie welchen Film einsetzen will.

Allein die Tatsache, dass wir in der Jugendarbeit mit Filmen arbeiten, garantiert allerdings nicht, dass mehr Jugendliche in unsere Gruppenangebote oder Jugendgottesdienste kommen. Formen der Jugendarbeit sind aber sehr gut dazu geeignet, dass wir durch die Filme die Themen der Jugendlichen mit den Anliegen, die wir vermitteln wollen, zusammenbringen.

Aber Achtung: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!“ Bei Filmen haben wir es nicht nur mit einem Bild zu tun, sondern mit einer Vielzahl von Eindrücken, die den Zuschauer in ihre Welt mit hineinnehmen. Das Gesehene setzt sich besser fest als das gehörte Wort. Wenn wir mit Filmen arbeiten, dann sollten wir uns dessen immer bewusst sein.

„Film+Verkündigung“ führt deshalb auch einige Beispiele auf, wie Filme mit unterschiedlichen Aktionen, z. B. einem Gottesdienst, verbunden werden können. Dadurch können sich Jugendliche noch intensiver mit bestimmten Themen beschäftigen.

„Gute Filme beziehen sich auf die Alltagserfahrungen ihrer Besucher, die Sehnsüchte und Schwierigkeiten, die die Menschen betrüben und beglücken“, so Dirk Blothner in seinem Buch (Blothner, S. 10). Dieser Satz lässt sich mit Blick auf Verkündigung folgendermaßen formulieren: „Gute Verkündigung bezieht sich auf die Alltagserfahrungen der Menschen, die Sehnsüchte und Schwierigkeiten, die sie betrüben und beglücken.“

Wenn wir beides zusammenbringen, werden wir Teil der großen Geschichte von Gott und seinen Menschen. Eine Geschichte, die nie verstaubt, sondern immer wieder neu entdeckt und erzählt werden will.

 

Martin BurgerPfarrer in der Ev. Kirchengemeinde Bönnigheim, Bönnigheim

Andachten

Die folgenden Andachten beziehen sich in der Regel nicht auf den ganzen Film, sondern auf einzelne Filmsequenzen. Sie sind zeitlich so gestaltet, dass man sie z. B. im Rahmen eines Gruppenprogramms oder auf einer Freizeit einsetzen kann.

Auch wenn die Filme in der Regel ab 6 oder 12 Jahren von der FSK freigegeben sind, empfehlen wir sie für die Arbeit mit Jugendlichen ab dem Konfirmandenalter.

Helden wie wir

 

Filmtitel: Batman Begins (2005)

FSK: ab 12 Jahren

Thema: das eigene Schicksal annehmen, Fähigkeiten, Lebenserfahrungen, Menschsein, Niederlagen

Passende Bibelstelle: