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Marlis’ Leben scheint perfekt zu sein: Sie ist glücklich mit ihrem Freund Thomas, hat eine erste eigene Wohnung in Aussicht und das Ende ihrer Ausbildung naht. Doch als sie Thomas nach einem schlimmen Streit mit einer anderen erwischt, fällt sie aus allen Wolken. In ihrer Stammkneipe versucht sie, ihr Unglück zu vergessen – und kann sich am nächsten Morgen an nichts mehr erinnern. Auch nicht daran, wer der junge Mann ist, neben dem sie nach ihrem Filmriss aufwacht …
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Seitenzahl: 137
Veröffentlichungsjahr: 2016
Lena Mayfeld
Kurzroman
Marlis Seitz war ganz konzentriert bei der Arbeit. Föhn und Bürste handhabte sie mit einer Geschicklichkeit, als wäre sie schon zehn Jahre in ihrem Beruf als Friseuse tätig und nicht erst im ersten Gesellenjahr.
Doch plötzlich, einer spontanen Eingebung folgend, blickte sie auf und sah im großen Spiegel, dass Erwin Wandt, ihr Chef, hinter sie getreten war. Er war von mittelgroßer, leicht korpulenter Figur, Mitte vierzig und stets wie aus dem Ei gepellt gekleidet. Bei ihm bewahrheitete sich das Sprichwort, dass Kleider Leute machen. Er war in seinen dezenten Nadelstreifenanzügen und mit dem grau melierten Haar ganz der Prototyp des erfolgreichen Geschäftsmannes. Sein Salon lief hervorragend, und die Kunden liebten seine charmante, zuvorkommende Art.
Marlis jedoch kannte ihren Chef von einer weniger angenehmen Seite und hatte allen Grund, vor ihm auf der Hut zu sein. Sie verabscheute ihn und bereute längst den Tag, an dem sie bei ihm einen Arbeitsvertrag unterschrieben hatte.
Unwillkürlich spannte sich ihr Körper, als sie ihn hinter sich bemerkte. Sie wollte sich seitlich wegdrehen, doch dafür war es schon zu spät.
»Wirklich nicht schlecht, wie Sie das machen, Marlis«, sagte er jovial und lächelte sie an. »Aber so geben Sie den Locken noch mehr Fülle.« Und im selben Augenblick schlossen sich seine Arme von hinten um ihren schlanken Körper, umfassten ihre Handgelenke und führten Föhn und Bürste. Es sah alles ganz harmlos und spontan aus. Doch Marlis wusste, und spürte vor allem, dass dem nicht so war, dass er mal wieder auf so eine Gelegenheit gewartet hatte.
Sie schluckte heftig, als sie seinen Körper spürte, der sich an ihr Gesäß und ihren Rücken presste. Es war ein fester, harter Druck, den er mit seinem Unterleib auf ihren Po ausübte. Und sie hatte das entsetzliche Gefühl, dass er ihr den Atem nahm. Doch bevor sie noch etwas sagen konnte, hatte er sie schon losgelassen und trat zurück.
»Machen Sie weiter so, Marlis. Sie haben sich schon prächtig bei uns eingearbeitet«, lobte er und legte seine Hand in einer scheinbar väterlichen Geste auf ihren nackten Arm.
Sie murmelte etwas mit hochrotem Kopf und mied die Blicke ihrer Kolleginnen, die spöttisch und wissend zu ihr herüberschauten. Sie war mit ihren neunzehn Jahren die jüngste Friseuse – und mit Abstand auch die hübscheste. Jetzt war sie an der Reihe, wie die anderen es nannten.
Marlis kochte innerlich vor ohnmächtiger Wut und Erniedrigung. Es war mit ihrem Chef immer dasselbe. Sowie seine schwangere Frau, die eine wirklich liebenswerte Person war, sich nicht im Laden aufhielt, was mit fortschreitender Schwangerschaft immer öfter der Fall war, nahm er die nächstbeste Gelegenheit wahr, um sie zu betatschen. Natürlich immer unter einem Vorwand, der es ihr so gut wie unmöglich machte, dagegen zu protestieren.
So auch wenig später, als sie an der Kasse stand und der Kundin herausgeben wollte. »Lassen Sie nur, Marlis, das mach’ ich schon«, sagte er mit seinem entwaffnenden Berufslächeln und zwängte sich hinter sie in den engen Durchgang zwischen Kasse und Wandregal. Doch er beließ es nicht dabei, sondern schob sie auch noch sanft zur Seite, wobei seine Hände ihre Brüste berührten. »Räumen Sie schon mal auf. Es ist ja gleich Feierabend.«
Am liebsten wäre sie jäh herumgefahren, hätte ihm eine schallende Ohrfeige gegeben und sich dieses Betatschen vor allen Leuten verbeten. Doch sie schluckte ihre Wut hinunter und kehrte an ihren Arbeitsplatz zurück. Sie versuchte sich damit zu trösten, dass gleich Feierabend war.
Mit geschlossenen Augen, die Stirn gegen die Kacheln gepresst, stand Marlis unter der Dusche, während die Wasserstrahlen auf ihren Körper prasselten. Als sie von der Arbeit nach Hause gekommen war, hatte sie das Gefühl gehabt, beschmutzt zu sein und sich von Kopf bis Fuß waschen zu müssen. Doch die Erniedrigung und die Ohnmacht vermochte sie nicht mit Seife und Wasser fortzuspülen. Tränen rannen über ihr Gesicht. Tränen über die kaum verschleierten sexuellen Belästigungen ihres Chefs und ihre eigene Hilflosigkeit.
Sie kauerte sich auf die Sitzecke der Dusche und verbarg das Gesicht in ihren Händen. In das Prasseln der Dusche mischte sich ihr Schluchzen. Zum Glück waren ihre Eltern für zwei Wochen nach Südspanien gereist, so dass sie allein im Haus war und sich nicht zu verstellen brauchte.
Einmal hatte sie versucht, mit ihren Eltern über die sexuellen Nachstellungen ihres Chefs zu sprechen. Doch hinterher hatte sie es bereut. Denn sie war bei ihnen auf wenig Verständnis gestoßen. Männer wären nun mal so, und man müsse ihnen diese kleinen Freiheiten lassen, zumal wenn man von ihnen abhängig sei, hatte ihre Mutter sie wissen lassen. Und ihr Vater hatte ihr die Schuld gegeben, dass Erwin Wandt sie immer wieder belästigte. Er hatte ihr doch wahrlich den ›guten Rat‹ gegeben, sich weniger auffallend zu kleiden und ihren Chef nicht mit ihren zur Schau gestellten körperlichen Reizen in ›Versuchung zu führen‹!
Dass ausgerechnet ihre Eltern mehr oder minder Partei für Erwin Wandt ergriffen und ihr indirekt vorwarfen, sein Verhalten durch ihre Kleidung geradezu herauszufordern, hatte sie schwer getroffen. Ihr Ausschnitt, das luftige Kleid und der knappe Minirock waren also schuld – nicht Erwin Wandt, der seine Macht missbrauchte, um seine dreckigen Gelüste zu befriedigen!
Sie fühlte sich so elend wie nie zuvor, als sie schließlich den Hahn abdrehte, aus der Dusche trat und sich abtrocknete. Sie föhnte ihr sanft gelocktes kastanienbraunes Haar, das fast die Farbe ihrer Augen hatte und ihr bis auf die Schultern fiel. Die Natur hatte ihr eine makellose Haut, lange Wimpern und einen schön geschwungenen Mund gegeben.
Doch als sie nun in den Spiegel schaute, sah sie nicht die schlanke Gestalt einer hübschen jungen Frau, sondern ihr blasses Gesicht und die rot geweinten Augen. Sie legte ein wenig Rouge auf, weil sie nicht wollte, dass man ihr schon von weitem ansah, wie schlecht sie sich fühlte.
Um halb acht wollte Thomas Gergs, ihr Freund, sie abholen kommen. Sie musste sich ein wenig beeilen, wenn sie rechtzeitig fertig sein wollte. Thomas wartete nicht gern. Er war in solchen Sachen ein bisschen eigen. Und Geduld zählte ganz sicher nicht zu seinen Stärken. Marlis ging in ihr Zimmer, und während sie in frische Unterwäsche schlüpfte, wünschte sie, sie hätte sich an diesem Tag nicht mit Thomas verabredet. Sie war nicht in der Stimmung, auszugehen und einen draufzumachen, wie er das so gerne tat. Ja, wenn er ein wenig häuslicher wäre und auch gern mal einen Abend mit ihr allein verbringen würde, dann hätten sie beide es sich jetzt richtig gemütlich machen können. Aber dafür war er nicht zu haben. Vielleicht änderte sich das noch. Vielleicht musste sie ihm nur mehr Zeit lassen. Er hatte sich zu Hause nie wohlgefühlt. Seine Eltern hatten ständig über Geld gestritten, und entsprechend trostlos war sein Elternhaus gewesen. Kein Wunder, dass er sich so wenig wie möglich bei ihnen aufgehalten und sich immer zu seinen Freunden in die Stammkneipe oder Disco geflüchtet hatte.
Aber Thomas hatte auch seine guten Seiten. Er war so ansteckend fröhlich, lebenslustig und großzügig, wenn auch manchmal verschwenderisch, dass man ihn liebhaben musste. Außerdem sah er hinreißend aus und tanzte ganz fantastisch.
Marlis fuhr aus ihren Gedanken auf.
Es hatte geklingelt.
Marlis zog schnell ihren dünnen Bademantel über und lief die Treppe hinunter in die Diele. Sie öffnete und war wieder einmal überrascht, als sie ihren Freund sah. Er war drei Jahre älter als sie, groß, schwarzhaarig und wirklich unverschämt attraktiv. Ein weißes T-Shirt spannte sich über seiner muskulösen Brust. Die Jeans, die er trug, hätten nicht enger sein dürfen. Und die dünne schwarze Lederjacke, die nur bis zur Taille reichte, unterstrich seine männliche Ausstrahlung.
»Thomas!« Sie war nun doch froh, ihn zu sehen. Sie würde sich bei ihm einmal alles von der Seele reden, und vielleicht wusste er, was sie gegen die versteckten Belästigungen ihres Chefs unternehmen konnte.
Er grinste, trat ein und gab ihr einen Kuss. »Ich weiß, ich bin eine gute halbe Stunde zu früh. Aber das Taxi musste in die Werkstatt, und da hab’ ich mir gedacht: Komme ich eben etwas eher zu meinem Goldschatz!«
Thomas Gergs hatte mit achtzehn seine Mechanikerlehre abgebrochen, weil er Geld verdienen und bei seinen Eltern ausziehen wollte, und in den Jahren danach viele verschiedene Jobs gehabt, wie er ihr erzählt hatte. Doch seit gut einem halben Jahr war er Taxifahrer für ein großes Unternehmen. Im Taxi hatten sie sich vor sechs Monaten auch kennengelernt.
»Du, ich bin aber noch nicht fertig«, sagte sie und schloss die Tür.
Er sah sie mit einem bewundernden Blick an. »Das macht doch nichts«, versicherte er, legte seine Arme um sie und zog sie an sich. »Du gefällst mir auch so sehr gut.« Er drückte sein Gesicht in ihre Halskuhle und küsste sie.
»Das hoffe ich doch auch!«, erwiderte sie, gab ihm einen Kuss auf das Ohr und löste sich sanft aus seiner Umarmung. »Ich geh’ schnell hoch, mich anziehen.«
Er folgte ihr nach oben. »Meinetwegen brauchst du gar nichts mehr anzuziehen«, sagte er gedehnt, die Daumen hinter die Gürtelschnalle seiner Jeans gehakt. »Du siehst in dem Bademantel zum Anknabbern süß aus, weißt du das? Und das, was da drunter steckt, ist noch süßer.«
»Mhm«, machte Marlis nur, lächelte verhalten und öffnete ihren Kleiderschrank. Sie zögerte einen Augenblick. Es wäre ihr lieber gewesen, wenn er unten auf sie gewartet hätte. Nicht, dass sie prüde war. Sie hatte keine Hemmungen, sich vor ihm auszuziehen, denn sie hielt Nacktheit für etwas Natürliches. Sie wussten beide sehr wohl, wie der andere nackt aussah und wie er sich anfühlte. Überall.
Aber gerade weil sie Thomas schon so gut kannte, wäre sie jetzt lieber allein gewesen. Doch hinausschicken konnte sie ihn nicht mehr. Also zog sie rasch den Bademantel aus, warf ihn neben sich über den Stuhl und stand in ihrer reizenden Unterwäsche vor ihm, die sie sich erst vor ein paar Tagen selbst spendiert hatte. Es war ein BH aus weißem Satin mit Spitzeneinsatz. Das Höschen war aus demselben glänzenden Stoff, mit Spitzeneinsatz vorn, hohem Taillenbund und hoch angeschnittenem Bein. Slip und BH waren nicht gerade billig gewesen, und sie wusste, dass sie darin sehr sexy aussah. Deshalb griff sie schnell zu einem ihrer sommerlichen Kleider und hielt es sich vor die Brust.
»Was meinst du, soll ich das heute anziehen? Oder möchtest du mich lieber in Jeans und T-Shirt?«, fragte sie und wollte sich zu ihm herumdrehen. Doch er vereitelte das. »Am liebsten möchte ich dich in gar nichts sehen, mein Engel«, antwortete er, während seine Hände von hinten unter ihren Armen hindurchfuhren und ihre Brüste umfassten.
Unwillkürlich musste sie an ihren Chef denken. Er hatte auch so hinter ihr gestanden. Nur seine Hände auf ihre Brüste zu legen, das hatte er nicht gewagt. Aber eines Tages, irgendwann in einem unbeobachteten Moment, würde er es vielleicht doch wagen. Sie traute ihm alles zu.
»Thomas, bitte!« Marlis hängte das Kleid an den Haken neben dem Kleiderschrank, legte ihre Hände auf die seinen und wollte sie wegschieben.
Doch er hielt sie fest, streichelte sie leicht. »Was ist denn? Wir sind doch völlig unter uns«, sagte er mit einer etwas belegten Stimme, die ihr verriet, dass er erregt war. Aber nicht nur seine Stimme verriet ihr das, sondern auch sein Körper, der sich an sie presste und seine eigene Sprache sprach. »Deine Eltern sind doch ein paar Wochen in Spanien, oder?«
»Ja, aber …«
»Ich glaube, du weißt gar nicht, wie sehr du mich anmachst, Liebes«, flüsterte er ihr ins Ohr, während seine rechte Hand nun über ihren flachen Bauch glitt und sich dann in ihr Höschen schob. »Wenn ich dich so sehe, kann ich einfach nicht anders, als mit dir zu schmusen. Du magst es doch auch, oder?«
»Natürlich«, erwiderte sie etwas gequält. Sie wollte ihn nicht verletzen und zurückstoßen, aber er hatte sich einfach den falschen Moment dafür ausgesucht. »Nur, ich bin jetzt nicht so recht in der Stimmung dazu. Weißt du, ich hatte heute einen ganz beschissenen Tag.«
Er lachte. »Ich bring’ dich schon in Stimmung, du wirst schon sehen«, schob er ihren Einwand unbekümmert beiseite, und seine Hand streichelte sie unter dem Höschen. »Gerade wenn man so einen beschissenen Tag gehabt hat, muss man abschalten und sich verwöhnen lassen.«
»Wir können doch später …«
»Später?«, fiel er ihr ins Wort, und seine Stimme verriet, dass er sich durch ihre ablehnende Haltung verletzt fühlte. »Spürst du denn nicht, wie irre scharf du mich schon gemacht hast? Ich kann es gar nicht erwarten, dich richtig zu spüren, Marlis. Ich möchte mit dir schlafen. Jetzt. Und nicht später.« Er lachte leise. »Vielleicht dann noch mal, wer weiß … Aber jetzt hast du mich richtig heiß gemacht. Es ist einfach irre, wie du das kannst. Manchmal brauche ich dich nur kurz zu berühren oder auch nur anzusehen, und schon …«
Marlis stand im Widerstreit ihrer Gefühle. Ihr stand der Sinn ganz und gar nicht nach Sex. Zu viel ging ihr noch durch den Kopf und belastete sie, um sich entspannt der körperlichen Liebe hinzugeben und Lust an seinen intimen Zärtlichkeiten haben zu können. Aber sie glaubte, ihm den Wunsch nicht abschlagen zu dürfen. Außerdem ging er wie selbstverständlich davon aus, dass sie mit ihm ins Bett ging, wann immer er Lust dazu hatte – und dass er unter Potenzschwierigkeiten litt, konnte sie nun wahrlich nicht behaupten.
Thomas wartete ihre Antwort erst gar nicht ab. Er hakte ihr den BH auf, ließ ihn achtlos zu Boden fallen und streifte ihr das Höschen ab. Dann drehte er sie zu sich herum.
»Allein schon deine Brüste bringen mich um den Verstand«, murmelte er, streichelte über ihren Busen und hatte es nun sehr eilig, aus seinen Sachen und mit ihr zum Bett zu kommen.
Jacke, T-Shirt und Jeans landeten vor dem Bett. Nur noch mit seinem superknappen schwarzen Slip bekleidet, der seine Männlichkeit kaum verdeckte, zog er sie zum Bett.
Marlis unterdrückte einen Seufzer und hoffte, dass er sich diesmal etwas mehr Zeit für sie nahm und nicht sofort zur Sache kam. Sie verspürte nicht die geringste Erregung und wünschte, dass er sie küsste und lange streichelte, wenn er schon so darauf versessen war, unbedingt jetzt mit ihr zu schlafen.
»Lass uns richtig ausgiebig schmusen«, sagte sie deshalb, während sie die Decke zurückschlug.
»Klar doch«, sagte er und legte sich zu ihr, nachdem er sich auch noch seines Slips entledigt hatte.
Sie schlang die Arme um ihn, kuschelte sich an und küsste ihn. Leidenschaftlich erwiderte er ihren Kuss, während seine Hände ihre Brüste drückten und dann hinunter zu ihren Schenkeln wanderten.
Marlis streichelte ihn und zog ihn auf die Seite, damit sie sich gegenseitig anschauen und liebkosen konnten.
Doch Thomas beschränkte sich darauf, ihre Brüste kurz einmal zu küssen.
»Du machst mich regelrecht verrückt!«, stieß er hervor.
»Bitte, lass es uns nicht so schnell machen. Ich möchte dich noch streicheln und dich küssen«, verlangte sie.
»Aber das können wir doch alles zusammen tun«, erwiderte er wenig einfühlsam und verschloss ihren Mund mit seinen Lippen.
Sie war noch nicht bereit, und es tat ein wenig weh, als er nun so schnell in sie eindrang. Doch dann begann die Erregung allmählich auch ihren Körper zu ergreifen und sich stärker in ihr auszubreiten.
»Langsam, langsam … nicht so schnell, Thomas!«, bat sie, als sie merkte, dass er wieder mal nur an sich dachte. »Wir haben doch alle Zeit der Welt.«
»Gott, ja …«, murmelte er, dachte jedoch nicht daran, sich zu beherrschen und auf ihre Wünsche Rücksicht zu nehmen.
Augenblicke später erreichte er den Höhepunkt. Er stöhnte auf, den Mund auf ihrer Brust, und überließ sich ganz seinen lustvollen Gefühlen. Danach rollte er auf die Seite, gab einen langgezogenen Seufzer der Befriedigung von sich und streichelte ihre Schulter.
»Das war ganz wunderbar, Marlis. Aber das ist es ja immer mit dir«, sagte er atemlos. »War es auch schön für dich?«
Der erwartungsvolle und gleichzeitig selbstzufriedene Tonfall seiner Stimme schmerzte sie in diesem Moment mehr als die Tatsache, dass er sich nicht hatte zusammenreißen können oder wollen. Merkte er denn nicht selber, dass es alles andere als wunderbar für sie gewesen sein konnte? Nannte er dieses bisschen Streicheln und die paar Küsse ein zärtliches Vorspiel, das sie in Stimmung versetzen konnte? Spürte er denn nicht, dass er sie mit seiner egoistischen Art völlig unbefriedigt ließ, ohne die körperliche und seelische Erfüllung eines Orgasmus?
Marlis hätte am liebsten geheult und ihm gesagt, dass es einfach nicht reichte, im Bett den großen Mann zu spielen. Als richtiger Freund musste er auf ihre Wünsche und Bedürfnisse eingehen. Und das nicht nur beim Sex.
