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Studienarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Soziologie - Politik, Majoritäten, Minoritäten, Note: 1,3, Leuphana Universität Lüneburg (Fakultät I - Bildungs-, Kultur- und Sozialwissenschaften), Veranstaltung: Organisation, Steuerung und Finanzierung gemeinnütziger Aufgaben durch Einrichtungen in privater Trägerschaft (Seminar im Hauptstudium) , Sprache: Deutsch, Abstract: Die vorliegende Arbeit zum Thema „Finanzierung aus dem Dritten Sektor: Private Mittel für den gemeinnützigen Zweck“ beschäftigt sich mit dem Dritten Sektor im Kontext von bürgerschaftlichem Engagement und seinen vielfachen Ausprägungen. Im Zentrum der Beobachtung soll dabei insbesondere die Rolle des Bürgers als Wohltäter und Förderer gemeinnütziger Aktivitäten stehen. Des Weiteren soll die Frage geklärt werden, wie das wechselseitige Verhältnis von Staat und Bürger innerhalb des Dritten Sektors strukturiert ist und welche Auswirkungen diese Struktur auf die einzelnen Bereiche des Nonprofit-Sektors hat. Neben dem in diesem Kontext wichtigen Bereich Umwelt- und Naturschutz sowie dem Bereich Kultur, werden auch andere Tätigkeitsfelder des Dritten Sektors in die Analyse mit einbezogen. Gemäß der aktuellen Debatte über die Zukunft der modernen Gesellschaft konzentriert sich der erste Teil der Ausarbeitung auf einen Überblick über den deutschen Dritten Sektor sowie auf eine nähere Analyse seiner Leistungsträger. In diesem Zusammenhang gilt es den deutschen Dritten Sektor speziell als Schaffensraum für bürgerschaftliches Engagement zu betrachten. Vor diesem Hintergrund lässt sich auch die Frage stellen, inwiefern sich Bürgerengagement im Zeitalter von Globalisierungs- und Individualisierungstendenzen verändert und durch welche Funktionen des Dritten Sektors diesen Veränderungen entgegengewirkt werden könnte. Gleichzeitig wird die Finanzierungsstruktur des Sektors unter der Berücksichtigung staatlicher sowie privater Akteure dargelegt. Während auf der einen Seite die wirtschaftlichen Vorteile des Gemeinnützigkeitsstatus aus der Sicht von Dritte-Sektor-Organisationen betrachtet werden, soll auf der anderen Seite der Blick speziell auf die privaten Förderer des Sektors sowie ihre finanziellen Fördermöglichkeiten bezüglich dieser Organisationen gerichtet werden. In diesem Zusammenhang ist es Ziel der Arbeit, die beiden Formen des bürgerschaftlichen Engagements, Ehrenamt und Spenden, samt ihrer einzelnen Elemente und Charakteristika zu untersuchen. Insbesondere gilt es an dieser Stelle heraus zuarbeiten, von welcher ideellen und monetären Bedeutung Ehrenamt und Spende für den gemeinnützigen Sektor und den darin agierenden Institutionen sind. Zuletzt werden in einer abschließenden Betrachtung die Perspektiven des Gemeinwohls beziehungsweise Bürgerengagement in Hinblick auf Staat und Gesellschaftspolitik diskutiert.
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Veröffentlichungsjahr: 2009
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Finanzierung aus dem Dritten Sektor: Private Mittel für den gemeinnützigen Zweck 1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit zum Thema„Finanzierung aus dem Dritten Sektor: Private Mittel für den gemeinnützigen Zweck“beschäftigt sich mit dem Dritten Sektor im Kontext von bürgerschaftlichem Engagement und seinen vielfachen Ausprägungen. Im Zentrum der Beobachtung soll dabei insbesondere die Rolle des Bürgers als Wohltäter und Förderer gemeinnütziger Aktivitäten stehen. Des weiteren soll die Frage geklärt werden, wie das wechselseitige Verhältnis von Staat und Bürger innerhalb des Dritten Sektors strukturiert ist und welche Auswirkungen diese Struktur auf die einzelnen Bereiche des Nonprofit-Sektors hat. Neben dem in diesem Kontext wichtigen Bereich Umwelt- und Naturschutz sowie dem Bereich Kultur, werden auch andere Tätigkeitsfelder des Dritten Sektors in die Analyse mit einbezogen.
Gemäß der aktuellen Debatte über die Zukunft der modernen Gesellschaft konzentriert sich der erste Teil der Ausarbeitung auf einen Überblick über den deutschen Dritten Sektor sowie auf eine nähere Analyse seiner Leistungsträger. In diesem Zusammenhang gilt es den deutschen Dritten Sektor speziell als Schaffensraum für bürgerschaftliches Engagement zu betrachten. Vor diesem Hintergrund lässt sich auch die Frage stellen, inwiefern sich Bürgerengagement im Zeitalter von Globalisierungs- und Individualisierungstendenzen verändert und durch welche Funktionen des Dritten Sektors diesen Veränderungen entgegengewirkt werden könnte. Gleichzeitig wird die Finanzierungsstruktur des Sektors unter der Berücksichtigung staatlicher sowie privater Akteure dargelegt. Während auf der einen Seite die wirtschaftlichen Vorteile des Gemeinnützigkeitsstatus aus der Sicht von Dritte-Sektor-Organisationen betrachtet werden, soll auf der anderen Seite der Blick speziell auf die privaten Förderer des Sektors sowie ihre finanziellen Fördermöglichkeiten bezüglich dieser Organisationen gerichtet werden. In diesem Zusammenhang ist es Ziel der Arbeit, die beiden Formen des bürgerschaftlichen Engagements, Ehrenamt und Spenden, samt ihrer einzelnen Elemente und Charakteristika zu untersuchen. Insbesondere gilt es an dieser Stelle heraus zuarbeiten, von welcher ideellen und monetären Bedeutung Ehrenamt und Spende für den gemeinnützigen Sektor und den darin agierenden Institutionen sind. Zuletzt werden in einer abschließenden Betrachtung die Perspektiven des Gemeinwohls beziehungsweise Bürgerengagement in Hinblick auf Staat und Gesellschaftspolitik diskutiert.
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Finanzierung aus dem Dritten Sektor: Private Mittel für den gemeinnützigen Zweck 2. Der deutsche Dritte Sektor - Überblick und Analyse
Der erste Gliederungspunkt der vorliegenden Arbeit soll einen Überblick über den deutschen Dritten Sektor sowie seine Organisationen verschaffen. Hierfür werden zunächst die Entstehung und Entwicklung des BegriffsDritter Sektorangeführt. In einem zweiten Schritt sollen die Funktionen des deutschen Dritten Sektors erklärt sowie ihre Bedeutung für die beiden anderen Sektoren, Staat und Markt, herausgestellt werden. An dieser Stelle beschäftigt sich die Arbeit auch mit einer Darstellung differenzierter Diskurszusammenhänge, die den Dritten Sektor aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Perspektiven betrachten und seine Leistungen gegenüber den übrigen Sektoren herausstellen. Weiterhin wird der Dritte Sektor als Arbeitsmarkt von Nonprofit-Organisationen (im Folgenden auch als NPO abgekürzt) vorgestellt, indem diese Organisationen als Schaffensraum für allgemeines sowie privates bürgerschaftliches Engagement untersucht werden. Zuletzt findet eine Darstellung der Finanzierung des Dritten Sektors statt, wobei auch auf die Rolle von privaten Mitteln als Einnahmequelle von Dritte-Sektor-Organisationen verwiesen wird.
2.1 Definition und Ansatz des Dritten Sektors
Ihren Ursprung haben Begriff und Ansatz des Dritten Sektors in den Vereinigten Staaten. Der Soziologe Amitai Etzioni macht zu Beginn der 1970er Jahre auf die Existenz des Dritten Sektors als einer dritten Alternative aufmerksam. In diesem Sinne bezeichnet der Amerikaner den Dritten Sektor als„a third alternative, indeed sector (...) between the state and the market“und veröffentlicht dieses neue Konzept in seinem Aufsatz„The Third Sector and Domestic Mission“.1Die Beschreibung Etzionis von einem Dritten Sektor verdeutlicht, dass sich dieser Bereich zwischen die bekannten Sektoren stellt und dabei selbst zu einem Sektor wird. Mit seinem Hinweis auf einen zusätzlichen, neuen Sektor steuert Etzioni im doppelten Sinne gegen den Trend der damaligen Zeit. So weist er die Europäer auf die Notwendigkeit eines Dritten Sektors hin, indem er ihnen erklärt, dass der Staat aufgrund von Überlastungsgefahren nicht in allen Bereichen Regelungen vornehmen kann und einer weiteren Instanz bedarf. Gegenüber den Amerikanern spricht Etzioni die
1Vgl. Zimmer, A; Priller. E. (2004): Gemeinnützige Organisationen im gesellschaftlichen Wandel. Ergebnisse der Dritte-Sektor-Forschung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S.18.Seite | 2
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Finanzierung aus dem Dritten Sektor: Private Mittel für den gemeinnützigen Zweck
2. Der deutsche Dritte Sektor - Überblick und Analyse
Warnung aus, zuviel vom Markt zu verlangen.2Die Zielsetzung von Etzionis Artikel„The Third Sector and Domestic Mission“besteht zusammenfassend darin, neue Wege der Leistungserstellung im öffentlichen Interesse und für das allgemeine Wohl aufzuzeigen. In diesem Kontext werden Dritte-Sektor-Organisationen von ihm alsorganizations for the futureidentifiziert, welche sich der positiven Seiten des Marktes und des Staates bedienen und diese miteinander zu verbinden versuchen.3Etzionis Theorie vom Dritten Sektor bleibt nicht ohne Auswirkungen in den USA, speziell in den Bereichen der Verwaltungswissenschaften und der Wissenschaftstheorie. So begründet die Reagan-Administration ihre Kürzungen der Sozialausgaben mit der Erklärung, dass die Dritte-Sektor-Organisationen durch Spendenleistungen entstandene Finanzierungslücken schließen könnten.4Parallel stellen sich Wissenschaftstheoretiker und namhafte Ökonomen wie Avner Ben-Ner (1986), Henry Hansmann (1987), Estelle James und Susan Rose-Ackerman (1986) sowie Bert A, Weisbrod (1988) die zentrale Frage, inwiefern die Existenz desThird Sectorals Reaktion auf Markt- und Staatsversagen zurückführbar ist.5Im Gegensatz zu den USA etabliert sich eine Dritte-Sektor- Forschung in Europa eher zögerlich. Auch stehen hier hauptsächlich Aspekte der speziellen Handlungslogik des Dritten Sektors, wie Solidarität, Gemeinwohlorientierung und gesellschaftliche Nützlichkeit im Vordergrund.6Speziell in Deutschland wird der Dritte Sektor samt seiner Ausprägungen ab Mitte der 1980er Jahre stark diskutiert. So spricht Ronge im Jahre 1992 vom Phänomen einer zunehmenden„Ausfransung des Staates durch Auslagerung und Verselbstständigung von Aufgaben und Organisationen, einer Tendenz zur Halbstaatlichkeit und Privatisierung.“7
Gemäß der aktuellen Literaturquellen handelt es sich beim Dritten Sektor um eine Bereichsbezeichnung oder genauer um ein heuristisches Modell, welches sich vorrangig auf die Meso-Ebene seiner gemeinnützigen Organisationen bezieht. Auf diese Weise scheint sich der Dritte Sektor auf den ersten Blick vom bürgerschaftlichen Engagement abzugrenzen. Letzteres wird als individuelle, gemeinwohlorientierte, freiwillige und unentgeltliche Aktivität definiert und zielt damit
2Vgl. Zimmer; Priller (2004), S.18.
3Vgl. ebd.
4Vgl. ebd.
5Vgl. ebd.
6Vgl. Zimmer; Priller (2004), S.19.
7Ronge, V. (1992): Zur Transformation der „DDR“ - aus der Perspektive des Dritten Sektors. In: Eichener [u.a] (1992): Organisierte Interessen in Ostdeutschland. Probleme der Einheit. Marburg: o.V.,S.52. Zit. nach Zimmer; Priller (2004), S.19.Seite | 3
