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Finnian Metzger, ein eher introvertierter Fünfzehnjähriger ist vieles, nur kein gewöhnlicher Teenager. Er sehnt sich so sehr nach der Aufmerksamkeit und Anerkennung seines Vaters, doch eines Tages entdeckt er das dunkle Geheimnis seiner Eltern und weiß nicht, wie er sich ihnen gegenüber verhalten soll. Die Loyalität innerhalb der Familie wird auf eine harte Probe gestellt, zumal auch sein Freund spurlos verschwunden ist.FINNIAN - NEUES JAGDREVIER ist der erste Band einer neuen Buchreihe, die aus gutem Grund veröffentlicht wird, um mit ein paar Personen abzurechnen, die den Autoren des Buches nicht nur in diesem Jahr einmal zu oft auf die Füße getreten sind. Höchste Zeit also, ein paar Morde zu begehen und Finnian der Weltöffentlichkeit vorzustellen, wie er mit sich hadert, das einzig richtige zu tun.Erstmals seit einer langen Zeit der Stille veröffentlichen Marvin Faraday und Emily Tabitha Frost eine Geschichte, die im Horror-Genre angesiedelt ist. Das neue Werk gibt es als exklusives Hardcover, Hörbuch und E-Book und kommt mit seinen 530 Buchseiten recht blutrünstig daher, so dass sie erstmals auch eine Altersempfehlung ab 18 Jahren für ihr Buch aussprechen, da es auch explizite Sexszenen in diesem Buch gibt. Vorbei ist die Zeit, wo sie sich vornehmlich zurückgehalten haben. Jetzt kommt Finnian, und er wird eine Spur des Grauens nach sich ziehen ...
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Seitenzahl: 831
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Impressum
Die Familie Metzger
Das rote Tuch
Na, du Würstchen!
Bücherwurm vs. Comicheld
Love me tender, love me sweet!
Papier ist geduldig
Blutige Finger. Rote Soße!
Hotdogs in aller Munde
Die Spezialität des Hauses
Mehr Schein als Sein
Gute Kundschaft pflegt man gern
Der Tollpatsch und der Mopp
Zu kurz gekommen!
Ich zieh dir dein Fell über die Ohren!
Mit gezinkten Karten spielen
BBQ samt BYO
Das Los hat entschieden!
Odyssee eines gebrochenen Mannes
Bohnen mit Speck
Cover
Contents
Start of Content
Marvin FaradayEmily Tabitha Frost
FINNIAN
NEUES
JAGDREVIER
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Deutsche Erstausgabe
Erste Ausgabe als E-Book
Copyright © 2024 Marvin Faraday & Emily Tabitha Frost
Publishing Rights © 2024 Marvin Faraday & Emily Tabitha Frost
Lektorat, Korrektorat & Buchcover: AutorenServices.de
Foto auf dem Buchcover: © 2024 Marvin Faraday
Das Foto zeigt die Lange Straße in Hannoversch Münden
Auch als Hardcover erhältlich
Independently published
ISBN-979-8868068119
Alle Rechte vorbehalten.
Weitere Informationen auf
WickedWorld.de
„Da rollt mächtig Speck an“, hätte man meinen können, wenn man damals schon gewusst hätte, was auf die kleine Stadt am untersten Zipfel Niedersachsens an jenem finsteren Abend im Oktober zugerollt kam. Zuerst war es nur ein stürmischer Tag gewesen, doch dann, am späteren Abend, waren dunkle mächtige Wolken aufgezogen. Wie ein undurchdringlicher Schleier legte sich das Schwarz der Nacht über die Häuserdächer; aus den Wolken prasselte es unaufhörlich auf die kalten, kopfsteingepflasterten Straßen nieder.
Die Personen, die jetzt noch unterwegs waren, suchten Schutz unter den Vordächern der kleinen Läden in den beiden wichtigsten Einkaufsstraßen von Hannoversch Münden, der Lange Straße oder Burgstraße, oder sie kehrten in eines der gemütlichen Restaurants am Marktplatz ein, wie dem griechischen Restaurant Kreta oder der eher bodenständigen Rathausschänke.
Keiner wollte bei diesem Mistwetter noch auf den Straßen sein. Nicht einmal Berthold Wellhausen, der bei Weitem erfolgreichste Makler der Stadt, wollte an diesem Abend noch länger vor dem alten Anwesen am Entenbusch warten, da es dort keinerlei Möglichkeit gab, sich unterzustellen. Die Markisen vor den Fenstern hatte längst ein Unwetter vor knapp einem halben Jahr mit sich gerissen.
Aber Berthold Wellhausen wollte noch heute das Geschäft seines Lebens unter Dach und Fach bringen. Viel zu lang hatte er schon versucht, einen Käufer für das alte Anwesen im Entenbusch zu finden. Und umso überraschter war er gewesen, als er vor wenigen Tagen einen Anruf erhalten hatte und ein Interessent sofort auf seine Forderungen eingegangen war, dass man dieses Anwesen nur cash kaufen könne – ohne jahrelange Finanzierungsmöglichkeit. Schon vor zwei Stunden hatte sich Berthold Wellhausen auf den Weg zum Anwesen gemacht, allerdings zu Fuß, weil es da noch nicht so erbärmlich aus vollen Eimern goss. Sein recht sporadisch eingerichtetes Büro in der Burgstraße lag nur wenige Hundert Meter entfernt; und da er gern zu Fuß unterwegs war, lief er auch heute wieder, so wie fast an jedem Tag, mit seinen Unterlagen, Papieren, Verträgen und Katalogen über den Marktplatz, um zu sehen, aber auch um gesehen zu werden, denn nichts war ihm wichtiger als die Meinung der Bürger dieses kleinen Städtchens, wo es so viel Klüngelei gab, dass es ihm oft zuwider war, hier noch länger tätig zu sein.
Berthold Wellhausen, der schon jenseits von Gut und Böse war – sprich, er war über Fünfzig – war ein Mann, der sehr genau wusste, was er wollte und was nicht. Jeden Tag putzte er sich heraus, kleisterte sein Gesicht mit Kosmetika voll, als würde er von der königlichen Familie höchstpersönlich empfangen werden. Doch auf eine Einladung der Queen wartete er vergebens, auch wenn er den Traum eines royalen Titels noch nicht ausgeträumt hatte.
Heute trug er einen Armani-Anzug im dezenten Anthrazit und darunter schimmerte ein blaues Hemd, dass er gern offen trug – jedenfalls zwei bis drei Knöpfe weit. Seine Handgelenke und den Hals zierten breite, goldfarbene Ketten, wobei man bei Berthold Wellhausen nie sicher sein konnte, ob es nun billiger Modeschmuck oder seine teuersten Schätze waren. Seine längst ergrauten Haare hatte er nach hinten gekämmt und seine Hände verbarg er unter Gummihandschuhen, mit denen man ihn aber niemals außerhalb eines zu verkaufenden Objekts gesehen hätte.
Er war schon so früh unterwegs, weil er das alte Anwesen, bestehend aus einem Wohnhaus und einem Ladengeschäft, gründlich durchlüften wollte. Und auch eine zumindest oberflächliche Reinigung tat den meisten Zimmern gut. Den zu erwartenden Käufer sollte nicht gleich der modrige Gestank in die Nasenflügel steigen, den bereits zig Firmen versucht hatten, aus dem alten Fachwerkgemäuer zu tilgen.
Woher dieser Gestank kam oder was sein Ursprung war, konnte niemand – selbst ein Experte auf dem Gebiet der Gebäudereinigung – genau sagen. Er war nur da!
Und Berthold Wellhausen gab nicht auf, den vielen Gerüchten, die um das alte Anwesen im Laufe der Zeit immer groteskere Formen angenommen hatten, entgegenzuwirken. Ihm selbst war es zwar nicht geheuer, allein in diesem Haus zu sein, um den Käufer gebührend in Empfang zu nehmen, ihn in Hannoversch Münden als einen Zugezogenen willkommen zu heißen und die Schlüssel zu übergeben; aber es musste schon weitaus mehr geschehen als zuschlagende Türen, quietschende Scharniere oder knarrende Treppen, um ihn aus der Fassung zu bringen. Berthold Wellhausen tat dies immer mit seinem „Ach, so ein Quatsch!“ ab; was übrigens einer seiner Lieblingsfloskeln war, wenn es darum ging, zähe Verhandlungen zu führen, wenn sein maskuliner Charme nicht mehr weiterhalf.
Entdeckten potenzielle Käufer eines Objektes beispielsweise Mängel, so folgte nicht selten sein „Ach, so ein Quatsch! Das lässt sich doch im Handumdrehen aus der Welt schaffen.“
Käufer, die erst gar nicht zu einer Besichtigung kamen, und stattdessen ein Objekt über das Internet erwarben, gehörten zu Berthold Wellhausens auserkorenen Lieblingskunden. Den sogenannten Blindkäufern bot er nicht selten jene Objekte an, die sich vor Ort nur schwer veräußern ließen. Und zu solch einem Objekt gehörte selbstverständlich auch das alte Anwesen an der Mühlenstraße.
Niemand aus Hannoversch Münden wollte es nach all den Skandalen haben, kaufen oder geschweige denn betreten. Selbst bis nach Kassel und Göttingen waren all die Gerüchte vorgedrungen und machten jetzt in ganz Südniedersachsen und Nordhessen ihre Runden. Dabei kam es immer wieder vor, dass einzelne Leute das Aufgegriffene mit ihrem ganz eigenen Gusto anreicherten, so dass aus den anfangs eher harmlosen Geschichten gar grauenvolle wurden.
Wir könnten fast glauben, unter ihnen hätte es eine Art Wettstreit gegeben, wer sich die wohl übelste Geschichte über dieses alte Anwesen einfallen ließ. Wäre das Haus ein Mensch – dieser Mensch wäre fortan wie ein Aussätziger behandelt worden, der nicht einmal in die Nähe der anderen kommen dürfte; so sehr fürchteten sich die Leute der Stadt mittlerweile vor diesem heruntergekommenen Etwas, dessen Farbe und Glanz täglich mehr an Ansehen verlor.
Einst war dieses Haus der Mittelpunkt der Straße gewesen; ein Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen gleichermaßen, ein Treffpunkt für Jung und Alt. Aber diese Zeiten lagen schon weit zurück, und Berthold Wellhausen dachte im Traum nicht daran, dem neuen Eigentümer des Anwesens dessen gesamte Vorgeschichte zu offenbaren, obwohl er stets seiner Maklertätigkeit pflichtbewusst nachkam und bauliche Defizite offenlegte, ohne es jedoch zu übertreiben, wie die Mündner Bürger. Dafür war er viel zu sehr Geschäftsmann, als dass er einen solventen Kunden mit Horror- und Schauergeschichten vertreiben wollte, die für seinen Geschmack ohnehin an den Haaren herbeigezogen waren.
Die Leute in der kleinen Fachwerkstadt hatten schon immer zu Übertreibungen geneigt, die Berthold Wellhausen schon so manches Geschäft vermiest hatten. Und dabei waren die Leute der Stadt alles andere als zurückhaltend oder gar zugeknöpft, wenn es darum ging, einen Neuen in ihrem Kreis aufzunehmen. Das war schon damals so und sollte auch heute wieder so sein.
Kaum, dass Berthold Wellhausen auf der Straße vor dem Anwesen gesichtet wurde – jetzt natürlich ohne diese hässlichen Gummihandschuhe – streckten sich auch schon die ersten neugierigen Hälse aus den Fenstern der umliegenden Häuser. Sie wollten einen Blick auf jenen Käufer erhaschen, der es doch tatsächlich gewagt hatte, nicht nur nach Hannoversch Münden zu ziehen, sondern ausgerechnet in die Mühlenstraße mit der Hausnummer 13.
Aberglaube hatte sich hier im mittelalterlichen Fachwerkstädtchen lange behaupten können, was nicht zuletzt damit zu tun hatte, was bereits alles in dieser Stadt, aber vor allem in der Mühlenstraße mit der Hausnummer 13 vorgefallen war. Dieses Haus war gebrandmarkt, und viele glaubten, gar zu wissen, dass das alte Gemäuer voller grässlicher und unaussprechlicher Flüche steckte, die einst ihre Vorbesitzer ausgestoßen hatten, unmittelbar vor ihrer panischen Flucht in eine ungewisse Zukunft. Doch auch dies lag schon weit zurück, und so war Berthold Wellhausen erleichtert, als ein Ehepaar mit einem fünfzehnjährigen Jungen aus dem entfernten hohen Norden den Zuschlag für dieses Haus erhalten hatte.
Jetzt mussten sie nur noch angerollt kommen!
Die Warterei an diesem verregneten Abend trübte Berthold Wellhausens Stimmung ungemein, auch wenn es sonst eher schwierig war, ihn in eine Gemütslage zu bringen, die er mehr als alle anderen hasste. Doch Geschäft war nun einmal Geschäft, und das Warten auf einen Kunden gehörte zu den weniger schönen Aufgaben seines Maklergewerbes.
Unter dem Regenschirm stand jetzt ein Mann, der sich viel lieber vor dem heimischen Kamin sah oder, wenn es denn schönes Wetter gewesen wäre, wie es der Wetterbericht eigentlich vorhergesagt hatte, vor oder gar in seinem Pool im blumenüberwucherten Garten hinter dem unscheinbaren Haus in der Burgstraße, der von einem Nachbarsjungen umsorgt wurde, da ihm der grüne Daumen einfach nicht mit in die Wiege gelegt worden war.
Aber seit zwei Tagen brachen sich bereits die Wolken über der Region am Reinhardswald und den drei Flüssen, die Hannoversch Münden erst zudem gemacht hatten, was es heute war, und der Regen schien nach kurzen Pausen erneut alles unter Wasser zu spülen, was sich ihm in den Weg stellte. Die Rinnsale der Straßen füllten sich und rissen alte Zeitungen mit sich davon. Schlagzeilen der ortsansässigen HNA, die keiner mehr lesen wollte, da sie die schrecklichen Schlagzeilen aus dem hohen Norden des Landes derart satthatten, aus dem schon oft gar Schreckliches gekommen war. Die Stadt Hannover, die mit ihren 545.000 Einwohnern nicht nur die Hauptstadt Niedersachsens war, sondern auch ein Moloch, ein Brennpunkt, wo Schlagzeilen derart schnell untergehen konnten, wie ein Boot, das auf den Grund des Meeres sinkt, wenn man nur dafür sorgt, es auch richtig zu tun, war einst bei der Namensfindung Hannoversch Mündens der Namensgeber, was vor allem die alteingesessenen Mündner nicht guthießen, dass ihr kleines Münden einen Beinamen bekam.
Gestern noch die Schlagzeile schlechthin, waren die skandalösen Geschehnisse rund um Hannover nach weniger als zwei Tagen vergessen (oder verdrängt). Entweder sie wurden durch neue, womöglich noch viel grausamere Schlagzeilen abgelöst, oder das Volk ging einfach dazu über, sich wieder dem eigenen Treiben zu widmen. Die Gelassenheit der Leute spiegelte sich vor allem darin wider (und tut es noch heute), dass man viel zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt war, als sich allzu lang mit schlechten Schlagzeilen aufzuhalten.
Und so waren die schrecklichen Ereignisse, die Qualen und Morde rund um den „Gaststudenten-Skandal“ schneller Geschichte, als ein Hund bellen konnte, wenn er einen Feind witterte.
Doch nach einem Feind hielt Berthold Wellhausen nicht Ausschau, als er erneut die lang gezogene Straße hinunterblickte. Vereinbart worden war, dass er vor dem Haus stehen sollte, das die Familie aus Hannover erworben hatte. Denn die Hausnummer 13 war keineswegs das einzig leerstehende Gebäude in der Mühlenstraße. Aber die Hausnummer 13 war mit Abstand das Gebäude mit der längsten Vergangenheit und Geschichte der Stadt.
Erbaut worden war das dreistöckige Fachwerkhaus in suboptimaler Lage im fünfzehnten Jahrhundert, und schon während der Bauarbeiten war es zu ersten schrecklichen Schlagzeilen einer neugegründeten Zeitung gekommen. Es war die erste Schlagzeile einer langen Kette, die in Vergessenheit geraten war: Keiner wusste noch, dass einst ein Zimmermann sein Leben lassen musste, als der Dachfirst errichtet worden war.
„Ein Haus mit Vergangenheit“, hatte lediglich darauf hingewiesen, dass diese vier Wände vieles zu erzählen wussten – wenn man denn hingehört hätte!
Da der Käufer jedoch keinerlei Fragen über besagte Vergangenheit gestellt hatte, sondern vielmehr von den Möglichkeiten angetan war, die er dort realisieren konnte, hatte auch Berthold Wellhausen es vorgezogen, lieber zu schweigen – oder besser gesagt, zu verschweigen, was sich alles in diesem Haus zugetragen hatte.
Wie gewöhnlich hielt er alles vor dem Käufer fern, was zur Gefahr für den Geschäftsabschluss werden konnte. Nicht einmal seinen Assistenten hatte er zu diesem Termin mitgenommen, weil der, erst einmal ins Erzählen geraten, gar nicht mehr damit aufhören konnte, auszuplaudern, was einzelne Anwesen so alles zu erzählen wussten. Das war pures Gift in seinem Geschäft. Und dieses Geschäft wollte Berthold Wellhausen noch heute in trockene Tücher bringen, war der Kaufvertrag doch noch nicht unterzeichnet. Nachdem Berthold Wellhausen erneut einen Blick auf die Straße geworfen hatte, stellte er sich wieder direkt in die offenstehende Haustür, um nicht gänzlich nass zu werden.
Dann, als er erneut auf seine überteuerte Armbanduhr blickte, die für ihn mehr Statussymbol als Zeitmesser war, war es schon weit nach acht, bog ein betagtes Wohnmobil samt Anhänger in die Mühlenstraße ein, und Berthold Wellhausen stellte sich auf den Bürgersteig und winkte dem Fahrer mit einem aufgesetzten Lächeln zu. „Ruhig Blut, Berthold. Ruhig Blut. Jetzt sind sie endlich da“, sagte Berthold Wellhausen leise zu sich selbst und erfasste die drei Personen auf der Fahrerbank des mobilen Ungetüms.
Wo in alles in der Welt haben die nur dieses hässliche Wohnmobil her, dachte Berthold Wellhausen, bevor der Fahrer aus dem Führerhaus stieg und zu ihm eilte. Der Mann in einem schlabbrigen und verschlissenen, blauen Overall fragte Berthold Wellhausen keuchend:
„Sind wir hier richtig? Ist das die Mühlenstraße mit der Hausnummer 13?“
„Ja, das ist es! Und Sie sind – ähm – Herr Metzger, nehme ich an?“, sagte der Makler und reichte dem Kerl die Hand zur Begrüßung, obwohl er einen besser gekleideten Mann erwartet hätte. Keinen mit einem Dreitagebart und ungepflegten, fettigen Haaren, langen, dreckigen Fingernägeln und ausgelatschten Turnschuhen.
Ja, den Blicken Bertholds konnte sich keiner so schnell entziehen, wenn es darum ging, einen Kunden zu mustern und ihn in die vorgesehene Schublade zu packen. Zwar hatte er schon viele sonderbare Typen kennengelernt, aber der Mann aus Hannover wollte einfach nicht zu dem Bild passen, das er sich von ihm zurechtgelegt hatte, als er am Dienstagmorgen wegen des Kaufvertrags noch einmal angerufen hatte, um sicherzugehen, dass er auch den Zuschlag erhalten hatte. Diese charmante Stimme wollte nicht zu diesem untersetzten, leicht speckigen Kerl passen, der nun heftig seinen Arm schüttelte. Seine liederliche Pranke hatte gleich Besitz von seinem Arm genommen, als er ihm die Hand entgegenstreckte.
„Es tut uns leid, dass es so lange gedauert hat. Aber wir sind in Göttingen aufgehalten worden“, sagte der Mann und drängte sich sogleich mit unter den Regenschirm, den Berthold Wellhausen gegen den stürmischen Wind stemmte.
„Was für ein Sauwetter, meinen Sie nicht auch?“, keuchte Berthold Wellhausen und deutete an, dass sie doch lieber ins Haus gehen sollten.
„Ja! Seitdem wir auf der A7 unterwegs waren, hat es nicht mehr aufgehört zu regnen. Dabei wollten wir die Fahrt hierher auch als gelegenen Ausflug nutzen, bevor der ganze Trubel wieder losgeht. Doch daraus wurde nichts. Unser Sohn ist deswegen ziemlich enttäuscht. Er wollte in Göttingen mit Delfinen schwimmen. Sie wissen schon, so eine typische Ausflugssache eben! Aber die Delfine wollten sich bei diesem Wetter einfach nicht zeigen“, sagte Herr Metzger und forderte seine Frau und Jungen auf, ihnen ins Haus zu folgen. Berthold Wellhausen ging voran und drückte Herrn Metzger zugleich ein Glas in die Hand, um auf den Kauf des Hauses anzustoßen. Schließlich verkaufte er ein Anwesen dieser Größenordnung nicht alle Tage. Dafür hatte Berthold Wellhausen unmittelbar im Eingangsbereich einen kleinen Tisch positioniert, auf dem ein Sektkühler samt einer Flasche Moet Chandon stand, sowie vier Gläser. Noch bevor die neue Frau des Hauses ein Veto einlegen konnte, bekam auch sie ein Glas Champagner in die Hand gedrückt; und nach einem kurzen Nicken – was in diesem Zusammenhang einem Einverständnis glich –, hatte auch der Junge eines erhalten.
Berthold Wellhausen lachte und meinte: „Ein Gläschen Champagner wird Ihren Jungen sicher nicht gleich umbringen. Wann trinkt man schon mal Champagner?“ Und damit war Berthold Wellhausen alles andere als ehrlich zu sich selbst. Denn er trank Champagner beinahe jeden Tag wie andere Leute Leitungswasser. Doch das behielt er besser für sich. Seine erste Ehe war wegen seiner vielen Arbeitsstunden und vor allem den Überstunden zerbrochen. Zwar schwor er beinahe täglich Besserung, aber er schwor nie, wann nun der Tag eintreten sollte, an dem er damit aufhören wollte.
Jetzt stand Familie Metzger in dem langen Flur, der auf eine große Tür hinauslief; und der Junge stürmte gleich drauflos – da gab es kein Halten mehr.
„Ihr habt es mir versprochen“, rief der Junge noch, bevor er einen ersten Schritt auf die Treppe tat, die nach oben führte.
„Na, da kann es aber jemand kaum noch erwarten, hier einzuziehen“, lachte Berthold Wellhausen und gönnte sich ein weiteres Glas dieser prickelnden Brause. Doch er hätte stattdessen den Jungen mal lieber davor warnen sollen, dass die fünfte Stufe nur lose aufgelegt und eine wahre Stolperfalle war. Schon war es geschehen. Der Junge stolperte und rannte fluchend nach oben.
„Du sollst doch nicht immer fluchen“, rief ihm Frau Metzger hinterher, aber ihre Stimme verpuffte in dem großen, leerstehenden Haus. Nur das Öffnen und Schließen von Zimmertüren war gelegentlich zu hören, und dann und wann knallte auch eine von ihnen zu. BANG! „Das war ich nicht. Das war ich nicht“, fauchte die Stimme des Jungen.
„Ach, unser Junge!“, seufzte Herr Metzger. „Wenn er doch auch nur in der Schule solch ein Temperament an den Tag legen würde. In der Schule ist er ganz anders. Aber egal, lassen wir ihm die Freude, sich sein neues Zimmer auszusuchen. Das mussten wir ihm nämlich versprechen, müssen Sie wissen. Er wäre sonst nie zu bewegen gewesen, mit uns ausgerechnet nach Hannoversch Münden zu ziehen.“
„Planen Sie hier einen Neuanfang? Ihr Mann sagte etwas davon, dass sie hier gern ein Restaurant eröffnen wollen.“ Berthold Wellhausen wandte sich nun direkt an Frau Metzger, die seinem vorgefertigten Bild einer gestandenen Frau schon eher entsprach.
Frau Metzger – „Ach, nennen Sie mich doch Helen, dass macht vieles einfacher!“ – war wesentlich jünger als ihr Mann. Das war dem Makler zuallererst aufgefallen, als sie aus dem Wagen stiegen. Er vermutete, dass Helen etwa Mitte dreißig war, womit er goldrichtig lag. Helen trug ein rosafarbenes Sommerkleid mit einem breiten, weißen Gürtel und mächtiger Schnalle, so dass man dazu geneigt war zu glauben, dass Helen geradewegs aus einem Modeprospekt der 1950er-Jahre entsprungen wäre. Ihr feuerrotes Haar wehte im Wind, der durch das Haus pfiff, und das sie mit Vorliebe offen trug. Auch ihr Gesicht war stark geschminkt, was Berthold Wellhausen denken ließ: Willkommen im Klub der einsamen Herzen!
Berthold Wellhausen schreckte jedoch jählings zusammen, als gleich zwei Türen auf einmal zuschlugen, und ihm sein Glas beiseitestellen ließ.
„Pass doch bitte ein wenig auf!“, rief jetzt Herr Metzger recht lautstark durchs Haus. Aber von dem Jungen schallte es erneut in den Flur: „Das war ich nicht! Das war ich nicht!“
Dem Makler blieb nichts anderes übrig, als das ständige Zufallen der Türen auf den Wind zu schieben, und schloss zugleich die Haustür. Er hatte noch immer keine Unterschrift unter dem Kaufvertrag. Sobald dies vollzogen war, wollte er schnellstmöglich diesen unheimlichen Ort verlassen.
„Sagen Sie, waren unsere Handwerker schon hier? Sind sie vielleicht schon mit den Umbauten fertig geworden, die wir in Auftrag gegeben haben?“, wollte Herr Metzger in Erfahrung bringen, bevor er irgendeinen Wisch unterschreiben wollte, der ihn zum rechtmäßigen Eigentümer dieses Anwesens machen würde. Denn allmählich sorgte er sich auch um seine fragile Fracht, die er eigens im separaten Anhänger mitgebracht hatte.
„Aber ja! Gewiss doch! Auf Ihre Handwerker war Verlass“, sagte Berthold Wellhausen mit leicht anschwellender Brust. Über irgendwelche Sonderwünsche seiner Kunden wunderte er sich längst nicht mehr, auch wenn es ihm komisch vorgekommen war, was die Handwerker an diesem Haus veränderten. Was genau Herr Metzger jedoch in Auftrag gegeben hatte, sah er erst, als sie gemeinsam in ein Zimmer traten, das zwischen dem Ladenbereich und dem Wohnhaus lag. Es verschlug ihm die Sprache, als er einen weiß gekachelten Raum vorfand, der vom Fußboden bis an die Decke mit weißen Kacheln ausgelegt worden war. Der einzige Blickfang war ein dunkler Fleck auf dem Fußboden, der ein Abfluss war, wie Herr Metzger zu berichten wusste.
„Die Vorschriften sind strenger geworden“, pflichtete Helen Metzger bei und lief geradewegs auf eine andere schmale Tür zu, die in diesem Raum rechts lag, und die nur durch diesen weißen Raum betreten werden konnte. „Wenn wir einen solchen Raum nicht vorweisen, lässt man uns nicht unser Gewerbe ausüben.“
„Aja! Ich verstehe“, murmelte Berthold Wellhausen leicht verunsichert, da ihm natürlich keinerlei bauliche Maßnahmen bekannt waren, die es vorsahen, einen solchen Raum zu haben, wenn man ein Restaurant eröffnen wollte. „Ach, sagen Sie! Was genau wollen Sie hier eröffnen? Wird es ein Restaurant werden, in denen Sie auch ausländische Spezialitäten anbieten, denn wir haben bereits eine große Auswahl Restaurants, die Döner, Asia-Food und Gyros anbieten?“
Was die einzig logische Schlussfolgerung gewesen wäre, auch wenn er schon schlechte Erfahrungen mit sogenannten ausländischen Spezialitäten gemacht hatte. Da gab es beispielsweise den Vietnamesen auf der Lange Straße, der sich nicht einmal einen freien Tag im Jahr gönnte und der sein Restaurant als One-Man-Show betrieb, da er sich, ob der horrenden Kosten, keine Aushilfe leisten konnte und selbst die Auslieferungen eigenständig erledigte, auch wenn Gäste in seinem Gastraum saßen.
Aber das nur am Rande.
„Es wird wohl vielmehr ein Diner werden. Ja, wir haben vor, ein Diner zu eröffnen. Ein amerikanisches Diner, wo wir Hotdogs, Hamburger, Spareribs und dergleichen anbieten wollen. Rund um Hannover waren die Leute verrückt nach unseren Spezialitäten. Sie haben sich ihre Finger danach geleckt“, sagte Frau Metzger und warf nun einen prüfenden Blick in den angrenzenden Raum – ein ziemlich kleines, aber äußerst sonderbares Zimmer.
Doch was auch immer der Makler unternahm, selbst einen Blick dort hineinzuwerfen, wurde von Herrn Metzger vereitelt. Er stellte sich ihm immer wieder in den Weg, ohne jedoch unhöflich oder gar grob zu werden. Stattdessen versuchte er, Berthold Wellhausen mit Fragen abzulenken, während seine Frau das Zimmer inspizierte und ihm anschließend ein Okay zuwarf, dass alles in bester Ordnung war.
„Glauben Sie, dass wir in Hannoversch Münden Erfolg mit einem Diner haben könnten?“ Und erneut fielen Türen wie von selbst ins Schloss. Herr Metzger knurrte und wollte schon nach oben brüllen, doch Berthold Wellhausens Antwort hinderte ihn daran.
„Sicher nur der Wind, Herr Metzger. Ein Diner hat unsere Stadt noch nicht. Es gibt zwar ein paar Dönerbuden sowie einen Bratwurststand in unmittelbarer Nähe zum Marktplatz, aber die dürften für Sie keine nennenswerte Konkurrenz sein. Werden Sie ihren American Diner so aufziehen, wie man sie aus Filmen her kennt? Mit diesen typischen Sitzbänken, dem 50er-Jahre-Flair und den bunten Leuchtstoffröhren? Und werden Sie auch Muffins und Brownies im Sortiment haben?“
Allmählich stellte Berthold Wellhausen für Herrn Metzgers Geschmack die eindeutig falschen aber vor allem auch zu viele Fragen. Am liebsten hätte er ihm … Aber er zwang sich zu einem müden Lächeln, als seine Frau aus dem Zimmer kam und leicht fröstelte.
„Genau so haben wir uns unsere neue Wirkungsstätte vorgestellt“, sagte Helen Metzger und rieb sich die Oberarme – ein kläglicher Versuch, Wärme in ihren Körper zu bringen. „Unseren American Diner, mit allem, was das Herz begehrt!“
„Dann sollte Ihr Laden schon bald Gewinn abwerfen. Ich weiß rein zufällig (ach, Berthold, sag doch lieber gleich, dass du überall deine Finger im Spiel hast und deine Fühler ausgestreckt hältst), dass unser Fußballteam der Schule nach einer Örtlichkeit sucht, wo sie sich nach den Siegen treffen können, um zu feiern. Wenn Sie dieses Team für sich gewinnen können, wird Ihr Laden im Nu der Renner sein. Warten Sie … ich habe eine Visitenkarte bei mir von einem der Väter. Der ist auch gleich unser Hauptkommissar, warten Sie, hier ist sie ja! Sein Name ist Michael Mayer, aber sprechen sie ihn bloß nie auf Halloween an, wenn Sie wissen, was ich meine.“
Sekundenspäter schallte ein lautes Lachen durch den weiß gekachelten Raum. Wieder fielen Türen wie von selbst ins Schloss. Diesmal war es auch die Tür zum weiß gekachelten Raum. Und dem Lachen folgte ein gellender Schrei.
„Ich denke, ich habe mein neues Zimmer gefunden“, sagte der Junge, als er seine Eltern an diesem unwirklichen Ort vorfand, und die gerade damit beschäftigt waren, ihre heikle Fracht aus dem Anhänger in das Kühlhaus zu schaffen. Denn genau das verbarg sich hinter der schmalen Tür, in die sie den Makler partout nicht hatten blicken lassen wollen.
„Ihr habt mir gesagt, ich könnte jedes Zimmer bekommen, das mir gefällt. Am Ende des oberen Korridors ist genau das Zimmer, das ich schon immer haben wollte. Paps, du hast doch nichts dagegen, dass ich mir dieses Zimmer nehme? Das Zimmer, das an den Turm angrenzt.“
Das alte Haus verfügte über einen Turm auf der rechten Seite, so wie man sie früher noch gern angebaut hatte. Das war genau das richtige Zimmer für diesen Jungen. Dort hätte er genügend Platz für seine ausgefallenen Hobbys, mit denen er zwar nie andere begeistern konnte, aber das war ihm egal. Viel wichtiger war es ihm, in klaren Nächten in den Himmel blicken zu können. Und dass runde Turmzimmer war wie geschaffen für seine ausladende Steine- und Mineraliensammlung.
Oft schon hatte er in ihrem alten Zuhause stundenlang damit zugebracht, den Himmel nach Kometen oder Sternschnuppen abzusuchen, während seine Eltern im Haus ihren Geschäften nachgingen. Was seine Eltern ausgerechnet hierher nach Hannoversch Münden verschlagen hatte, erfuhr auch er erst heute.
Den ganzen langen Weg über hatten sie sich in Schweigen gehüllt. Und es war ein entbehrungsreicher und kräftezehrender Weg gewesen. Eine Abwechslung tat ihm daher gut. Dadurch, dass er nicht die gleichen Interessen teilte, wie die meisten Jugendlichen in seinem Alter, war er schon oft zum Gespött der Klasse geworden; sie hatten ihn ausgegrenzt und schlichtweg ignoriert. Und das bezog sich nicht nur allein auf das Klassenzimmer. Selbst im Schulsport, wo Leistung alles für seine Altersgenossen war, zog er stets den Kürzeren.
Obwohl sein Vater Metzger und ein Koloss von einem Mann war, sah der Junge mager und für sein Alter viel zu klein aus. Zudem musste er eine hässliche Brille tragen, die ihm eigentlich nichts ausgemacht hätte, wenn er sie nicht auch noch in der Schule tragen musste, wenn er beispielsweise aus einem Buch vorzulesen hatte. Aber alles in allem war Finnian Metzger, oder wie ihn seine Eltern riefen – „Finn“ –, ein aufgeweckter Junge, der leidenschaftlich gern Detektivgeschichten oder Kriminalromane las. Am liebsten die, in denen Hauptkommissar Nathan David ermittelte. Freunde hatte er allerdings so gut wie noch nie gehabt, so dass er darauf hoffte, dass sich hier in Hannoversch Münden das Blatt wenden würde – auch für seine Eltern.
„Was ist jetzt mit dem Zimmer? Bekomme ich es, oder wollt ihr gleich zu Beginn euer Versprechen widerrufen?“, fragte Finnian, weil seine Eltern alle Hände voll zu tun hatten.
„Was? Was hast du gesagt, mein Junge? Ich habe nicht zugehört.“ Herr Metzger stellte gerade einen schweren Karton ab und lehnte die Tür zum Kühlhaus an, als seine Frau mit einem weiteren Karton den Raum betrat. Sie schreckte kurz zurück, da sie ihren Sohn am allerwenigsten hier erwartete.
„Das Zimmer, Paps. Das Zimmer. Ich habe oben ein Zimmer gefunden, das mir gefällt.“ Der Junge stand mit beiden Händen in den Hosentaschen vor seinem Vater, und es machte nicht den Anschein, als ob er mit anpacken wollte, um die leicht verderbliche Ware ins Kühlhaus zu schaffen. „Das Zimmer ganz hinten, Paps! Das mit dem Turm verbunden ist. Das ist genial. Genau das, was ich schon immer haben wollte.“
„Was meinst du Helen? Sollen wir Finn seinen Willen lassen und ihm das Zimmer geben? Das Haus hat genug Zimmer.“
Herr Metzger wischte sich über seine verschwitzte Stirn mit einem Tuch, das er beinahe alle fünf Minuten dazu verwendete, um sich den Schweiß von Stirn und unter den Achseln wegzuwischen. Und genauso roch es auch! Es war ein strenger, beißender Geruch, den Finnian aber nicht länger abstoßen fand. Es war der ach so typische Geruch seines Erzeugers.
„Das geht in Ordnung. Finn soll dieses Zimmer bekommen, wenn er will. Auch er hat Opfer bringen müssen. Das sind wir ihm schuldig.“ Und obwohl dieses Zimmer mit Abstand das schönste im ganzen Haus war und es Helen eigentlich einem anderen Verwendungszweck zuführen wollte, willigte sie letztendlich ein, um kein böses Blut zu schüren.
„Danke, Mama. Vielen Dank!“ Finnian wandte sich seinem Vater zu. „Vielen Dank, Paps. Das werde ich euch nie vergessen. Dieses Städtchen fängt an, mir zu gefallen. Braucht ihr meine Hilfe mit den Kartons oder kommt ihr allein klar?“
Was lag jetzt näher, als seinen Eltern Hilfe anzubieten? Erstmals seit Tagen fühlte sich Finnian wieder so richtig wohl in seiner Haut, und auch seine Eltern sah er zum ersten Mal wieder lachen nach einer langen Zeit der Stille und des Schweigens.
„Nein, das ist nicht nötig“, sagte Helen recht betont und gönnte ihrem Sohn ein weiteres Lächeln.
„Aber ich … ich könnte doch …“ Schlagartig verstummte der Junge, als er einen dunklen Fleck auf dem strahlend weißen Fußboden erspähte. „Paps, da ist ein Fleck!“
„Ein Fleck? Welcher Fleck? Aber nein, das ist nur der Abfluss“, meinte Herr Metzger und wollte schon den schweren Karton anheben, als ihn Finnian auf eine andere Stelle im Raum aufmerksam machte als jene, die Herr Metzger ins Auge gefasst hatte. Aufgeregt suchten seine Eltern den Fußboden ab, und Helen wurde zunehmend nervöser, als auch sie den Fleck erfasste, den Finnian meinte und jetzt sehr deutlich und unmissverständlich mit den Fingern darauf zeigte.
„Oh, wo kommt der denn her?“, tat Herr Metzger unschuldig und kniete sich direkt vor den dunklen Fleck. Mit seinem rechten Zeigefinger tauchte er in die Lache, und eine dunkle, klebrige Flüssigkeit tropfte ihn vom Finger. Worte suchend schaute er in das ernste und schweißüberströmte Gesicht seiner jungen Frau.
Danach kramte er erneut sein Tuch aus der Hosentasche. Er wischte sich den Finger trocken und Finnian konnte dank des hellen Stoffes erkennen, dass die Flüssigkeit am Boden dunkelrot war – blutrot! Ein kalter Schauer überzog seinen Rücken und stellte ihm jedes noch so kleinste Nackenhärchen auf.
Just in diesem Augenblick kam eine längst verdrängte Kindheitserinnerung in ihm hoch, die seinen Atem gefrieren ließ. Er erinnerte sich an ein Erlebnis, das schon viele Jahre zurücklag. Als kleiner Junge war er oft in ein Laufgitter gesperrt worden, in dem er die Nachmittage zubringen musste.
Seine Mutter saß an dem viel zu großen Tisch, vor sich einen duftenden Braten, und in den Händen wetzte sie ein Messer, und fremde Leute gierten nach dem weißen Fleisch …
Zur Zimmertür kam sein Vater herein, mit weit ausgebreiteten Armen und wollte ihn aus dem Laufgitter nehmen – seinem Gefängnis aus jenen Tagen, in denen er nichts weiter für seinen Vater gewesen war, als ein Hosenscheißer und ein weiteres Maul, das zu stopfen war.
Seine Hände waren schmierig und voller Blut. Und als er nach dem Jungen packte, schimpfte Helen, er solle sich doch erst die Hände waschen. Doch statt ins Badezimmer zu gehen, kramte sein Vater mal wieder in seiner Hosentasche und zückte ein blutverschmiertes Tuch hervor. Es war nicht das erste Mal, dass sich Finnian daran erinnerte, wenn er seinen Vater mit dem Tuch oder blutigen Fingern sah. Allzu oft tat er es als eine Erinnerung ab, die wohl jedes Kind hervorkramte, wenn er einen Metzger zum Vater hatte, der seine Arbeiten im Kellergewölbe des Hauses verrichtete.
Seine Erinnerungen verblassten, als er die Hand seines Vaters auf der linken Wange spürte. Herr Metzger mühte sich redlich, seinen Jungen wieder zurück zu den Lebenden zu holen, als er vor wenigen Augenblicken in Ohnmacht gefallen war. Nur sehr langsam kam der Junge wieder zu sich. Das erste Wort, das er über seine trockenen Lippen brachte, war: „Blut!“
„Da hast du uns aber einen schönen Schrecken eingejagt, mein Junge“, sagte Helen und streichelte Finnian durchs feuchte Haar.
„Bin ich etwa wieder in Ohnmacht gefallen?“, fragte der Junge, als er realisierte, dass er inmitten des Raums auf dem kalten Fußboden lag und zitterte.
„Ja, mein Junge!“ Helen gab ihrem Mann zu verstehen, dass er doch endlich dieses verflixte Tuch verstecken möge, dass er noch immer in seiner Hand hielt.
„Wann gewöhnst du dich daran, Blut sehen zu können?“, knurrte Herr Metzger und half seinem Jungen auf die Beine. Doch dem Knurren folgte kurz darauf ein Lachen. „Wenn du jemals in meine Fußstapfen treten willst, solltest du dich an dessen Anblick gewöhnen.“
Jetzt, wo wieder die Rede davon war, suchte Finnian nach dem Fleck, den er seinen Eltern hatte zeigen wollen. Er stellte sich auf seine Zehenspitzen, um über die Schultern seines Vaters zu blicken, der ihm jedoch die Sicht nahm. „Der Blutfleck auf dem Boden“, stammelte er und drehte sich seiner Mutter zu.
„Der ist längst aufgewischt, mein Junge. Es wird wohl einer unserer Kartons leck gewesen sein“, beruhigte ihn Helen und machte Anstalten, mit ihm vor die Tür gehen zu wollen.
„Warum trägst du nicht schon mal deine Sachen rauf in dein neues Zimmer? Die wenigen Kartons im Anhänger schaffen auch dein Vater und ich allein. Sobald wir hier fertig sind, werde ich dir eine Tasse Tee raufbringen. Dann kannst du mir mal dein Zimmer zeigen.“ Und während Herr Metzger die abgestellten Kartons wieder aufnahm und ins Nebenzimmer brachte, rannte Finnian erneut die Treppe rauf.
„Vorsicht! Lose Stufe!“, hörte Finnian eine Stimme wie aus einer anderen Welt. Doch er nahm jeweils drei Stufen auf einmal, so dass er die Fünfte erst gar nicht berührte. Aber auch die Stimme beachtete er nicht weiter.
Nachdem der Junge sein neues Zimmer feierlich in Besitz genommen hatte, rannte er zum Wohnmobil und zerrte die vollgestopften Koffer nach oben. Zu guter Letzt waren zwei Kisten hochzutragen, bei denen er sich von seinem Vater helfen ließ. In diesen Kisten waren sein Fernrohr und seine Steinsammlung verstaut, und Herr Metzger schwitzte erneut und suchte hektisch nach seinem Tuch in der Hosentasche. Der Junge zuckte zusammen, als Herr Metzger fand, wonach er suchte. Doch es war nicht länger das Tuch, das er die letzten beiden Wochen verwendet hatte; sondern ein frisches – und siehe da, blütenweißes – Taschentuch kam zum Vorschein.
Wortlos verließ Herr Metzger das Zimmer seines Sohnes, und Finnian hörte die knarrende Stufe, die er soeben durchbrochen hatte. Dann schlug seine Zimmertür mit einem lauten Schlag zu. Er hörte, wie sein Vater bitterböse zu fluchen begann, und zwar über die Stufe, sich selbst und dem lauten Knall, der das gesamte Haus durchpeitschte, so dass selbst Helen einen Schreck bekam.
Doch statt die Tür zu öffnen, presste Finnian sein rechtes Ohr gegen das Holz und hörte noch eine ganze Weile lang, wie sein Vater die derbsten Flüche ausstieß. Danach ließ er sich auf das alte, quietschende Bett fallen (einige Möbel waren bereits am Vortag durch ein paar Freunde angeliefert und aufgestellt worden), und begann, seine Blicke im Zimmer schweifen zu lassen. Solch ein großes Zimmer hatte er noch nie besessen, weder in Hannover noch in irgendeiner anderen Stadt, in denen er und seine Eltern Zwischenstationen eingelegt hatten.
Sie waren wochenlang unterwegs gewesen.
Und auch wenn Finnian nicht verstand, weshalb sie derart schnell Hannover hatten verlassen müssen, so war er doch froh, dass sie ihre Reise hierhergeführt hatte in ein Städtchen, das gleich mit drei Flüssen aufwartete, was eine neue Leidenschaft in ihm wecken könnte. Das neue Zimmer war fantastisch, und soweit er das sagen konnte, auch das Haus. Schnell waren all die anderen Zimmer dieses Hauses vergessen.
Es klopfte an seiner Zimmertür.
Er sprang vom Bett auf und öffnete sie.
Vor ihm stand seine Mutter beladen mit einem Tablett.
Darauf standen eine Tasse Tee sowie ein Tellerchen mit belegten Broten. Helen trat ins Zimmer und war angenehm überrascht. Sie stellte das Tablett auf eine der Kisten ab, die die Aufschrift trugen:
„VORSICHT! Schwere Kost!“
Der Junge hatte darin all seine Lieblingsbücher aufbewahrt, die er zwar schon zigmal gelesen hatte, aber immer wieder aufs Neue gern las.
„Trink den Tee, solange er noch heiß ist. Lass ihn nicht erst kalt werden, der wird dir guttun.“ Helen setzte sich auf das Bett und strich ihren Rock glatt. Dann atmete sie tief durch und legte ein verführerisches Lächeln auf, die Finnian so sehr an ihr liebte.
„Du wirst schon sehen. Im Nu hast du dich hier eingelebt.“ Sie stand auf und schaute aus dem Fenster. „Sieh doch nur, von hier aus kannst du zum Nebenfluss der Fulda runter sehen.“
Finnian eilte zu ihr.
Sie nahm ihren Sohn in den Arm. „Von jetzt an wird alles besser werden, mein Junge.“
„Bleiben wir denn auch hier? Oder werde ich auch diesmal keine Zeit haben, Freunde zu finden?“
Helen seufzte, da sie wusste, wie schwer sich Finnian damit tat, Freunde zu finden. Und auch eine Freundin hätte sie sich für ihren Sohn gewünscht, der jetzt in einem Alter war, das so schnell verflog, dass sie sich wünschte, sie könne die Zeit anhalten – wenn nicht sogar zurückdrehen. Allerdings kam in ihr auch der Verdacht auf, den sie sich aber nicht auszusprechen wagte. Sie wusste sehr genau, wie ihr Mann darauf reagieren würde.
„Hannoversch Münden wird unser neues Zuhause werden. Gleich morgen werde ich dich für das neue Schuljahr anmelden. Ich habe gehört, dass die Schule am Forstbotanischen Garten ganz hervorragend sein soll. Aber noch kannst du den Rest deiner Sommerferien genießen. Und Freunde … Freunde kommen und gehen, mein Junge. Du wirst aber schon bald welche finden.“
„Ist Herr Wellhausen schon gegangen? Ich habe ihn gar nicht weggehen sehen (von seinem Fenster aus konnte er nicht nur auf die Flüsse sehen, sondern auch auf die Haustür, die seiner Meinung nach noch nicht wieder geöffnet worden war, seitdem…). Er hat mir nicht einmal Auf Wiedersehen gesagt.“ Finnian nahm die Teetasse auf und nippte vorsichtig an ihr. Entsetzt blickte er auf die belegten Brote. Zwar wollte er seine Mutter nicht verärgern, aber dennoch gab es Grund zur Rüge.
„Du weißt doch, dass ich keine Blutwurst mag.“
„Oh, das tut mir leid, Junge. Ich habe wohl nicht aufgepasst, als ich für uns die Brote belegt habe. Dann esse aber wenigstens das Brot mit dem Schinken. Das ist ein Schwarzwälder. Von dem haben wir nur noch einen kleinen Rest. Er ist eine wahre Delikatesse!“ Helen nahm sich das Brot mit der Blutwurst vom Teller und biss genüsslich hinein, nicht zuletzt, um ihrem Sohn zu zeigen, dass auch Blutwurst eine Delikatesse sein konnte; gab es doch auch einen Metzger in dieser Stadt, der sich der Ritter der Rotwurst nannte, dem sie mal auf den Zahn fühlen wollte, inwieweit er ihre Pläne durchkreuzen könnte, hier der Platzhirsch in Sachen Fast Food zu werden.
Sie wollte bereits das Zimmer verlassen, als sie sich zu ihrem Sohn nochmals umdrehte und sagte: „Herr Wellhausen ist definitiv gegangen. Er hat den Hinterausgang genommen, als du in Ohnmacht gefallen bist. Du hast ihm einen schönen Schrecken eingejagt. Einfach so umzufallen. Richte dich erst einmal ein. Um acht mache ich uns dann noch eine Kleinigkeit zum Abendessen. Komm dann bitte zu uns runter in die Küche.“
„Aber welches Zimmer ist die Küche? Bisher habe ich nur die Zimmer hier oben gesehen“, fragte Finnian, der tatsächlich noch nicht allzu viel von dem Haus gesehen hatte.
„Immer der Nase nach würde ich sagen. Du wirst schon riechen, in welchem Zimmer ich koche“, sagte Helen und leckte sich ihre Fingerkuppen ab, nachdem sie das Brot aufgegessen hatte. „Das war köstlich! Heute ist es dafür zwar schon zu spät, aber wusstest du, dass unser neues Zuhause auch über einen Pool verfügt? Morgen kannst du dort schwimmen gehen. Das ist bestimmt ein Bonus für dich, wenn du Freunde finden willst. Vielleicht auch eine Freundin?“
Finnian verzog sein Gesicht, als wollte er eine Grimasse schneiden und war peinlich berührt. Das waren Themen, bei dem er stets Herzklopfen bekam, schweißnasse Hände und weiche Knie. „Mama!“, keuchte er und schaute verlegen auf den Holzfußboden.
Sekundenspäter griff er nach seinem Kopfkissen und warf es in die Richtung, wo er noch immer glaubte, dass seine Mutter stand. Aber das Kissen prallte von der geschlossenen Tür ab, als wäre sie nie geöffnet worden.
Ob sie wohl endlich mehr Zeit für mich haben werden, dachte der Junge und warf sich, nachdem er das Kopfkissen aufgehoben hatte, erneut aufs Bett. Jetzt, wo sie ein eigenes Geschäft eröffnen wollten, wäre es bestimmt möglich, mehr Zeit mit ihnen zu verbringen. Auch wenn er wusste, dass ein eigenes Diner auch mit viel Arbeit verbunden war. Zumal das Restaurant noch nicht einmal fertig eingerichtet war. Seine Eltern hatten zwar die sonderbarsten Einrichtungsgegenstände von überallher organisiert, doch noch waren sie nicht in Hannoversch Münden angekommen, geschweige denn aufgebaut.
Und das riesige Haus erst!
Allein das obere Stockwerk verfügte über fünf Zimmer und das untere bestimmt noch mal über genauso viele. Finnian fragte sich, wozu das Haus in der Vergangenheit genutzt worden war. Sicherlich würde es eine perfekte Jugendherberge abgeben – die mehr denn je gebraucht wurden, um alternative Übernachtungsmöglichkeiten zu haben, wenn man sich die Pensionen nicht leisten konnte, die auch hier in Hannoversch Münden bereits sechzig bis achtzig Euro für einen Alleinreisenden aufriefen. Eine Tür knallte zu!
Was waren das bloß andauernd für Marotten, dass ständig irgendwelche Türen zuknallten? Das fragte sich in diesem Augenblick nicht nur der Junge, sondern auch seine Eltern. Vorsichtig öffnete Finnian seine Zimmertür und blickte auf den langen, dunklen Korridor. Er sah gerade noch, wie ein Schatten die Treppe hinuntereilte. Zuerst dachte er daran, dem Schatten zu folgen oder bestenfalls hinterherzurufen.
Doch dann zuckte er mit den Schultern, schloss seine Zimmertür und widmete sich wieder seinen beiden Kisten, die er begonnen hatte, auszupacken. Wenn es heute Abend doch nur aufhören würde zu regnen!
Er wäre sehr gern auf das Vordach hinausgeklettert, um den Sternenhimmel auszuspähen. Aber das scheußliche Wetter hielt an. Es war also nur ein frommer Wunsch, dass sich daran etwas ändern sollte.
Diesen einzigartigen Augenblick, der jetzt auch schon wieder Minuten lang zurücklag, erlebten seine Eltern ähnlich wie er. Auch Helen schaute auf den langen Flur in Richtung der verschlossenen Haustür, und auch sie sah einen Schatten vorbeihuschen. Sie tat es jedoch damit ab, dass ihr Sohn bestimmt auf der Suche war nach dem Badezimmer oder dem Pool. Und als sie die Küchentür wieder schloss, erfasste sie die offenstehende Tür zum weiß gekachelten Raum.
Sie dachte sich nichts weiter dabei, vielleicht nur so viel:
„Männer! Können nie allein auf Toilette gehen!“
Dass ihre Männer allerdings gar nicht auf Toilette waren, insbesondere nicht ihr Mann, erfuhr sie erst sehr viel später. Herr Metzger jedenfalls schloss die Tür zum Raum und beendete das, womit er in der letzten halben Stunde beschäftigt war; wortlos und mit solch großer Hingabe, dass er alles um sich herum ausblendete.
Und auch Finnian war mit Hingabe und Leidenschaft dabei, sein neues Zimmer einzurichten, auch wenn noch nicht alle Möbel angekommen waren. Es fehlte zwar noch so einiges, aber seine Bücher und das Fernrohr standen bereits auf ihren angedachten Plätzen. Das runde Turmzimmer gab eine hervorragende Leseecke ab mit viel Tageslicht und dem gemütlichen alten Sessel, den sein Vater beinahe entsorgt hätte, als sie ihre Sachen für die Reise zusammenpackten. Seine Steinsammlung musste sich aber noch ein klein wenig in Geduld üben. Sie waren für die Hängeregale einfach zu schwer. Und da Finnian in jedem Fall vermeiden wollte, dass ein Unglück geschah, könnte er darauf warten, bis auch noch der Rest der Möbel kam. Laut seines Vaters sollten sie innerhalb der nächsten Tage eintreffen.
Nachdem die Bücher ordentlich nach Genre sortiert waren, baute Finnian das Gestell für sein Monstrum auf, wie es Helen immer nannte. Das Fernrohr wog weit über fünf Kilo und war ganze achtzig Zentimeter lang. Ein wahres Prachtstück!
In der Vergangenheit hatte er damit vieles entdecken können; und nicht nur am Horizont oder in einer sternenklaren Nacht. Auch wenn es seine Mutter nie gern sah, so nutzte er das Fernrohr aber gelegentlich auch dazu, in der Nachbarschaft spionieren zu gehen.
Er war jetzt in einem Alter, wo auch offenstehende Fenster sein Interesse weckten. Das hätte er aber nie freiwillig zugegeben. Stattdessen rechtfertigte er sich stets damit, dass er etwas hochgradig Wichtigem auf der Spur war. Ja, sein besonderes Interesse galt nicht zuletzt den vielen Detektivgeschichten. Und wenn er es nicht besser wüsste, dass er eines Tages eben doch in die viel zu großen Fußstapfen seines Vaters treten würde, würde er am liebsten Kriminalpolizist werden wie sein großes Vorbild, Hauptkommissar Nathan David und nicht Metzger wie sein Vater.
Auch wenn Herr Metzger bereits alles versucht hatte, ihm dieses Handwerk schmackhaft zu machen, aber da war ja noch immer die Sache mit dem Blut, dass der Junge nicht sehen konnte. Sobald er auch nur einen Tropfen Blut sah, kippte er ohne Vorwarnung einfach um.
Und diese Tatsache war mit dafür verantwortlich, dass er es bisher auf der Schule nicht leicht gehabt hatte. Einmal war ein Mitschüler mit Nasenbluten auf ihn zugelaufen, und er fiel um – schockgefroren!
Doch das lag weit zurück. Jegliche Erinnerungen an die Zeit davor verdrängte Finnian in die tiefsten Windungen seines Hirns. Es gab auch viel Wichtigeres zu tun: das Justieren des Fernrohrs beispielsweise. Nachdem das Monstrum mit dem Gestell verschraubt war, blickte Finnian durch das Visier, um das Okular an einem der Häuserdächer scharf zu stellen.
Wenn es doch nur nicht so dermaßen schütten würde!
Er schwenkte über ein paar beleuchtete Zimmer, die ihn wie Katzenaugen aus dem Dunkel ansahen.
Äußerst verlockend zwar, aber heute besser nicht.
Es gab noch jede Menge anderer Dinge, die erledigt werden mussten. Aber bevor er seine Blicke endgültig vom Fernrohr lassen konnte, entdeckte er eine dunkle Gestalt in einer Nische zwischen zwei Häuserfronten. Dort saß doch tatsächlich ein offensichtlich obdachloser Mensch, der vom Regen völlig durchgeweicht war. Einige Pappkartons dienten der Person als Lager für die Nacht.
„Armer Kerl!“, hauchte Finnian, der nie auf die Idee käme, dieser Obdachlose könne gar ein Trunkenbold sein. Jeder andere gewiss, aber nicht er. Finnian Metzger stempelte die Leute nicht gleich ab, so wie es Berthold Wellhausen beispielsweise gerne tat, um sie in irgendwelche Schubladen zu pressen, denen sie niemals gerecht werden konnten.
Finnian war noch nie ein Freund von Klischees oder Vorurteilen gewesen. Er gab jedem die Chance, die er verdiente. Er verspürte sogar ein wenig Mitleid mit dem Kerl, den er am liebsten auf der Stelle zu sich nach Hause geholt hätte, wären da nicht seine Eltern, die vor Entsetzen Amok gelaufen wären.
„Bloß nicht! Das fehlt uns gerade noch!“ Und zeitgleich dachte er daran, was für eine hervorragende Unterkunft ihr Haus doch wäre, für all seine Leidensgenossen da draußen und ihm. Für eine einzige Familie war dieses Haus jedenfalls viel zu groß und verschwenderisch. Doch das war nicht seine Angelegenheit, irgendwelche Personen von der Straße aufzulesen, als seien sie Freiwild oder ein begossener Pudel oder was auch immer! Was er allerdings tun wollte, lag klar auf der Hand, er wollte sich schlaumachen, ob er irgendwo in dieser Stadt gebraucht werden konnte. Schon in Hannover hatte er sich bereits sozial engagiert, was für Jungs wie ihn, die keine Freunde hatten, keine Seltenheit war. Jungs wie er engagierten sich sehr für ihre Gemeinde, wenn es zumeist auch nur darum ging, sie sauber zu halten. Und bestimmt gab es auch hier in dieser pittoresken Stadt eine Armenküche, in der er helfen könnte, unbedingt sogar!
Finnian wurde jählings aus seinen Gedanken gerissen, als die Stimme seiner Mutter die Treppe hinaufschallte: „Kommt! Das Essen ist fertig!“ Und das ließ sich keiner der Metzger-Männer zweimal sagen.
Auch wenn Finnian kein allzu großer Esser war, so liebte er aber die gute Hausmannskost, die seine Mutter jeden Abend pünktlich und vor allem frisch auf den Tisch brachte. Eilig rannte er die Treppe hinunter und stoppte kurz vor der fünften Stufe, wo sein Vater ein Band samt Warnhinweis angebracht hatte.
„Vorsicht! Oder du brichst dir dein Genick!“
Mit einem lässigen Schwung war auch dieses Hindernis gemeistert. Jetzt stellte er sich jedoch die Frage, wo die Küche war. Er blieb im Flur stehen und streckte seine Nase in die Luft. Er versuchte, den verlockenden Gerüchen zu folgen. Dabei kam er auch an dem Raum vorbei, deren Tür nur leicht angelehnt war. Durch den schmalen Spalt erkannte er seinen Vater, der noch immer damit beschäftigt war, irgendwelche Dinge aus der Welt zu schaffen.
Finnian wagte es erst gar nicht, tiefer in den Raum zu blicken, als es nötig war. Jedenfalls wollte er außer seinem Vater nichts sehen, was sich in diesem Raum befand. Er sah das verschwitzte Gesicht, die düsteren, dunklen Augen, den starren Blick und das Funkeln darin.
„Paps? Kommst du? Mama hat bereits zum Essen gerufen“, flüsterte Finnian, weil er glaubte, mit einer lauteren Stimme Tote zum Leben zu erwecken. Er lehnte sich gegen die Wand des Flurs vor der Tür. Alles, was er sah, war ein Schatten, ein Licht, weiter nichts.
Dann, nachdem ein paar wortlose Augenblicke verstrichen waren, in denen er sich selbst schnaufen hörte, erlosch das Licht im Raum und sein Vater kam heraus.
„Dann wollen wir sie auch gar nicht länger warten lassen, wie?“ Herr Metzger deutete an, dass er zuvor aber noch das Badezimmer aufsuchen müsste. Seine Hände hielt er, wohlwissend, wie sein Junge darauf reagieren würde, hinter dem Rücken versteckt.
„Geh du schon mal vor, Junge. Ich komme gleich nach.“
Und Finnian lief in die Richtung, die sein Vater mit einem Kopfnicken angedeutet hatte.
Als er die Küche betrat, war er sichtlich erstaunt darüber, wie gut sie ausgestattet war. Das liegt wohl an der Vergangenheit des Hauses und an deren Vorbesitzer (die ein Restaurant in den Sand gesetzt hatten, aber das wusste noch keiner der Familie Metzger zu diesem Zeitpunkt), dachte Finnian und setzte sich an den viel zu großen Esstisch, an dem gut und gern ein Dutzend Leute Platz finden würden.
„Hast du deinen Vater nicht gleich mitgebracht? Der vergisst vor lauter Arbeit noch unser Essen.“
Obwohl so etwas nur schwer vorstellbar und noch nie vorgekommen war. Finnian überlegte ernsthaft, ob es je einen Abend gegeben hatte, an dem sie nicht alle zusammensaßen, von den Tagen einmal abgesehen, an denen sein Vater zu Kunden unterwegs war, um ihnen bei den Hausschlachtungen zu helfen. Solange er zurückdenken konnte, jedenfalls nicht.
„Er ist noch Hände waschen.“
„Na, das tut aber auch Not nach dem Missgeschick von vorhin“, sagte Helen – ging jedoch nicht näher darauf ein, was sie damit meinte: „Ein Missgeschick!“ Finnian dachte, sie meinte vielleicht den Karton, der durch die lange Fahrt kaputtgegangen war.
Was Helen unter einer Kleinigkeit zum Abendessen verstand, offenbarte sich, als auch Herr Metzger in die Küche kam und sich die Hände rieb. „Na, mein Junge. Hunger mitgebracht?“ Helen öffnete den Ofen und sofort wurde die Küche von einem Wohlgeruch eingenommen, dass selbst Finnian das Wasser im Mund zusammenlief.
„Geht so!“, murmelte er und schaute zu, wie sein Vater die Beilagen auf den Tisch stellte – ein Wunder, dass es überhaupt welche gab. Es gab Süßkartoffeln mit Rosmarin und Rosenkohl, der mit etwas Speck angedünstet worden war. Sekundenspäter stand dann auch schon der Braten auf dem Tisch, der dem Ganzen die Krone aufsetzte.
„Der Hunger kommt bekanntlich mit dem Essen, nicht wahr, mein Junge? Du willst doch nicht ewig so rappeldürr bleiben, wie du momentan bist?“, sagte Herr Metzger und kniff Finn in den rechten Oberarm. Ein leises „Autsch!“ war zu hören, ging aber in den Ankündigungen unter, die Helen daraufhin machte: „Zur Feier des Tages habe ich uns ein Beef Wellhau… – ähm – Beef Wellington, meine ich natürlich, gemacht. Du magst es doch, wenn es innen noch rosig ist“, sagte Helen und kicherte wie ein junges Ding, die ihrem Verehrer eine Mahlzeit auftischte.
Die falsche Bezeichnung für das Beef Wellington war Helen aber nur so rausgerutscht, da ihr Sohn, als er noch kleiner gewesen war, partout keinen Braten essen wollte, und so hatten sie damals damit begonnen, den Dingen andere Namen zu geben. So wurde beispielsweise aus einem Roastbeef ein Biest und aus einem blutigen Steak im Handumdrehen ein erbärmlicher Jammerlappen – und die Liste konnte unendlich fortgesetzt werden.
Mit einem Lächeln holte Helen jedoch alle Aufmerksamkeit zurück und reichte ihrem Sohn die Schüssel mit den Süßkartoffeln.
„Bist du bitte so lieb und schneidest den Braten an, Liebling?“, sagte Helen und reichte ihrem Mann das lange und scharfe Messer über den Tisch. Lag es nun an dem Festbraten, dem besonderen Tag oder dem neuen Haus, dass seine Eltern so gut gelaunt waren? Jedenfalls hatte er das Wort Liebling zum letzten Mal gehört … Nun, es war schon viel zu lange her, als dass er sich daran erinnern konnte. Aber es war ein gutes Gefühl, seine Eltern derart glücklich zu sehen, und so zwang er sich selbst zu einem breiten Grinsen.
„Aber natürlich“, alberte Herr Metzger und griff nach dem Messer, das es schon gar nicht mehr erwarten konnte, in das saftige Biest zu schneiden. Herr Metzger schnitt für jeden zwei gut gemeinte, fingerdicke Scheiben ab (was bei seinen Wurstfingern recht mächtige Scheiben waren) und verteilte sie auf die Teller.
Finnian drückte mit seiner Gabel nur äußerst zaghaft auf sein Fleischstück, da er glaubte, es könne ihm jederzeit von seinem Teller springen. Zum Glück vermischte sich aber der blutige Fleischsaft sofort mit der kräftigen Burgundersoße und bewahrte so den Jungen vor einem erneuten Ohnmachtsanfall.
Vor ein paar Jahren wäre Finn am liebsten Vegetarier geworden, als er mit seiner Schulklasse einen Ausflug in einen dieser abseitsgelegenen Schlachthöfe gemacht hatte. Alle hatten geglaubt, dass es ihm, Finnian Metzger, dem Metzgersjungen, wohl am wenigsten ausmachte, mit anzusehen, wie Schweine in zwei Hälften zerteilt wurden, und wie dann eine ganze Armada flinker Hände dafür Sorge trug, dass auch ja kein Fetzen Fleisch an den Knochen übrigblieb. Aber das war nicht das erste Mal gewesen, dass man sich in Finnian täuschte.
Seitdem hatte er jedenfalls eine Menge Spitznamen weggehabt, die ich mir hier jedoch ersparen möchte, sie wiederzugeben, da sie Finnian schon längst aus seinem Gedächtnis gestrichen hatte. Schon als sie die Stadtgrenzen Hannovers weit hinter sich gelassen hatten, war er einfach nur noch Finn. Aber ein Vegetarier war dennoch nie aus ihm geworden.
„Das fehlt uns gerade noch“, hatte Herr Metzger lautstark auf den Boden der Tatsachen gestampft, als Finnian damals von diesem Schulausflug kreidebleich nach Hause gekommen war.
„Der Sohn eines Metzgers will also Vegetarier werden. Dass ich nicht lache!“ Und damit war die ganze Sache, Finn wolle kein Fleisch mehr essen, vom Tisch gewesen. Zur Belohnung legten sie ihm auch gleich einen erbärmlichen Jammerlappen auf den Teller, der kaum noch Platz für irgendwelche Beilagen ließ. Ein ähnliches Gefühl wie damals kam in ihm auf, als er seine Eltern dabei beobachtete, wie sie sich gierig das Fleisch in ihre Münder schoben. Er hatte nie eine Wahl gehabt, und da musste er jetzt durch – komme, was wolle!
Nachdem Herr Metzger die zweite Bratenscheibe aufgegessen hatte und auch Helen so weit war, einen Nachschlag zu bekommen, stand Herr Metzger auf, griff nach dem Messer und schnitt erneut einige Scheiben des Beef Wellingtons ab. Der blanke Schweiß stand ihm auf der Stirn. Sein gesamtes Gesicht glänzte und funkelte im diffusen Licht, das die Küchenlampe spendete.
Dann geschah es!
Ein Schweißtropfen rann ihm von der Stirn, geradewegs auf seine Nasenspitze zu, sammelte sich dort und verschmolz regelrecht mit weiteren Schweißperlen zu einem dicken, fetten Tropfen, der jederzeit drohte, sich in die Tiefe zu stürzen; geradewegs auf den Rest des elenden Biests.
Helen rief zwar noch: „Liebling! Dein Schweiß! Wisch dir doch bitte deinen Schweiß von der Stirn!“
Doch es war zu spät!
Fast wie in Zeitlupe verfolgten Helen und Finnian den dicken Tropfen, der auf eine Bratenscheibe plätscherte, die er sich gerade selbst auf den Teller legen wollte. Und zum Glück war es nur seine eigene Scheibe und nicht die eines anderen. Aber Finnian war dennoch angewidert von dem Anblick und versuchte Ausflüchte zu finden, um vom Tisch aufstehen zu dürfen.
„Ich glaube, ich habe den Wasserhahn im Badezimmer laufen lassen.“ Und Finnian hätte es bei diesem einen Versuch belassen sollen. Denn spätestens bei dem Versuch, sein offenstehendes Fenster als Ausrede vorzuschieben, machte ihn jeder weitere Versuch nur noch unglaubwürdiger.
„Aber du hast doch noch gar nicht aufgegessen“, sagte Helen und hielt ihren Sohn am Ärmel fest; zwar nicht zu fest, aber dennoch bestimmt. „Na los! Diese kleine Portion wirst du wohl noch schaffen.“
Dabei hatte Finnian gar nicht so viel von seinem Teller gegessen, wie es den Anschein erweckte. Er hatte nur – und zwar schon vor sehr langer Zeit – eine Möglichkeit gefunden, alles auf dem Teller so umherzuschieben, dass es so aussah, als hätte er bereits weit über die Hälfte gegessen. Doch so an seinen Stuhl gefesselt, wurde er auch noch Zeuge der nächsten Ekelattacke. Es dauerte nicht lang, da kramte sein Vater auch schon nach dem Tuch in seiner Hosentasche, um weitere Tropfen davon abzuhalten, den süßen und liebreizenden Geschmack des Bratens nicht unnötig zu versalzen. Zum Vorschein kam ein Tuch, das durch und durch Rot war – blutrot, um genau zu sein!
Und noch bevor Finnian darüber nachdenken konnte, warum das blütenweiße Tuch erneut in Mitleidenschaft gezogen worden war, gingen bei ihm auch schon wieder alle Lichter aus.
Sekundenspäter fand er sich auf dem kalten Fußboden der Küche liegen; aber diesmal hatte sein Vater nicht versucht, ihn mit leichten Backpfeifen ins Leben zurückzuholen. Stattdessen sah er seine Eltern heftig miteinander streiten. Das erste Mal seit einer sehr langen Zeit. Als sie jedoch sahen, dass es Finnian schon wieder besser ging, beendeten sie abrupt ihren Streit, setzten sich zurück an den Tisch und schaufelten sich die Reste des Essens rein, ohne viel zu sagen. Finn musste an diesem Abend sein Essen jedenfalls nicht mehr aufessen.
Auch eine hervorragende Methode, dem Ganzen zu entkommen, dachte Finnian und nahm wieder auf seinem Stuhl Platz.
Helen stellte sofort seinen Teller beiseite und fragte, ob er vielleicht noch eine Portion Pudding mochte.
„Jetzt verwöhn den Bengel nicht auch noch. Er soll gefälligst essen, was auf den Tisch kommt.“
Und wäre Finnian hier in einem schlechten Film, hätte er sich bestimmt auch noch den Spruch anhören müssen: „Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst, isst du das, was ich dir vorsetze!“
Stattdessen bekam er aber eine Standpauke zu hören, dass es nicht allen Menschen so gut gehen würde wie ihnen, und genau das war sein Stichwort, auf das er so lange gewartet hatte.
„Ob es wohl auch hier eine Armenküche gibt, so wie in Hannover, in der ich helfen kann? Ich würde jedenfalls sehr gern wieder mithelfen wollen“, sagte Finnian und richtete seine Blicke an Helen. Aber Herr Metzger kam ihr mit seiner Antwort zuvor.
„Da siehst du ja, was aus unserem Jungen geworden ist. Den Bettlern und Obdachlosen will er helfen, aber Blut sehen und im Angesicht seines Schweißes dafür Sorge tragen, dass wir was zum Fressen auf dem Tisch haben, will er nicht.“
Herr Metzger schwoll vor lauter Zorn der Hals an, als Finnian seinen Wunsch geäußert hatte, in Hannoversch Münden erneut sozial tätig werden zu wollen. Dann fuhr er fort: „Wenn du so weitermachst, wirst du noch so enden wie die. Die sollten lieber mal was Gescheites lernen.“
„Etwa Metzger? So wie du?“ Jetzt forderte Finnian seinen Vater heraus. Der Junge konnte es gar nicht leiden, wenn man so abfällig über jene Leute sprach, die in den letzten Jahren seine besten Freunde waren. Doch das wusste Herr Metzger nicht. Wie auch?
Er verbrachte kaum noch Zeit mit seinem Sohn. Und vor den Wünschen seines Sohnes verschloss er geradezu seine Augen und Ohren. Fast hätte sich Finnian eine weitere Ohrfeige eingefangen, wenn Helen nicht dazwischen gegangen wäre; und diesmal wäre es keine leichte, gut gemeinte Backpfeife gewesen, sondern es hätte einen ordentlichen Schlag gegeben.
Keine Frage!
