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Singperlen für einen Kanarienvogel - den er nicht hat; einen Kater für eine Katze - die er nicht hat. Frauen rennen Oliver Stone die Bude ein, weil sie auf seinem Pony reiten wollen - das er nicht hat! Aber was für ein Haustier hat der gutausehende Single Oliver Stone den nun? Eine verrückte Geschichte ist das!
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Seitenzahl: 94
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Dag Schuldig
Fire & Stone
Der komische Vogel bist Du
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Fire & Stone – der komische Vogel bist Du
Impressum neobooks
Einen freundlichen Dank meinen Vögeln, für die Inspiration
Es war Abend und ich saß gemütlich auf der Couch, im Fernsehen lief das frühe Abendprogramm, draußen dämmerte es, da klatschte etwas gegen mein Balkonfenster. Ich ärgerte mich schon wieder, weil ich die Nachbarsjungen in Verdacht hatte, dass sie wieder mal einen nassen Lappen gegen meine Scheibe geschmissen hätten. Wutentbrannt stand ich auf, riss die Balkontür auf, und konnte kaum glauben, was ich da sah! Es sah auf dem ersten Blick nach einem großen Vogel aus, doch stand es auf vier Füßen und hatte einen längeren Hals. Es war offensichtlich ein Drache, der gegen mein Fenster gestoßen war. Der Drache schien durch den Aufprall reichlich verstört zu sein. Vorsichtig trug ich das junge Tier mit gerade 40 cm Körperlänge ins Zimmer und stellte es auf den Tisch. Ich setzte mich erst mal und betrachtete es von allen Seiten. Ein junger Drache, tatsächlich! Ich überlegte, ob er vielleicht hungrig oder durstig sei und ging in die Küche. Ich suchte eine flache Schale und füllte sie mit Wasser. Das Geräusch von Flügelschlägen ließ mich übles Ahnen. Als ich mich umsah, blickte ich in zwei neugierige Augen. Ich zeigte ihm die Schale und stellte sie auf den Küchenschrank. Sofort flog 'Fire', so nannte ich den kleinen Drachen, zur Schale und trank. Ich sah noch mal in den Kühlschrank nach und schnitt einige Zentimeter Wurst mit dem Messer ab. Ich legte die Wurst neben seine Schale. Ich fand es merkwürdig, der Drache benahm sich eigentlich gar nicht wie ein wildes Tier, sondern eher wie ein Haustier. Ich sah mich nach einem geeigneten Schlafplatz um. Die Backröhre! Sie schließt nicht hermetisch, ist Hitze-resistent bis 500°C – perfekt! Ich stellte noch was zu trinken bereit und wollte gerade den Drachen nehmen, da begann er sich wie ein wildes Tier zu sträuben! Wie undankbar! Ich suchte- und fand Deckung – am Herd! Wer sagt, Kreativität sei was für Mädchen? Eilig riss ich den hitzebeständigen Backblechwagen aus dem Herd, schmiss die Backbleche auf den Boden und verkroch mich vor den Flammen hinter der feuerfesten Glasfront. Zwar war er nur ein sehr junger Drache und hatte nicht die Kraft um meterweit Feuer zu speien, aber man soll es ja nicht darauf ankommen lassen. Vorsichtig zog ich ein Backblech an mich heran und ging mit dem Blech-Schild als Deckung auf den Drachen zu. Dann schlug ich ihn trickreich K.O. und sperrte ihn in sein neues Zuhause, dem erneut eingeräumten Herd ein. Ich hatte mir ja vorgenommen, dass es nur für kurze Zeit sein würde. Und er würde sich schon nicht selber grillen! Etwas beunruhigt ging ich zu Bett. Der Drache in der Backröhre war zwar friedlich, aber nur weil er betäubt wurde.
Früh morgens stand ich auf, machte mich zur Arbeit bereit. Kurz bevor ich aus dem Haus ging, sah ich noch mal in die Backröhre: Das Monster schlief! Nach nur einer Stunde war Schluss mit Arbeiten! Ich nahm mir frei. Ich konnte es einfach nicht verantworten! Ich fuhr einen Umweg über den Supermarkt und kaufte etwas Aberwitziges zu Fressen: Ein rohes Hähnchen. 'Einen Vogel, für 'nen Vogel!' Als ich heim kam, machte ich mich auf das Schlimmste gefasst – Rambo mit Flammenwerfer in meiner Küche!
Ich machte also die Backröhre auf und nichts geschah! Rambo hatte Heimaturlaub. Leise quiekend sah mich der kleine Drache an. Ich öffnete die Hähnchenpackung, drehte ein Bein heraus und legte es auf das Backblech. Gierig begann er zu fressen. Zärtlich strich ich ihm mit der Fingerspitze durch das dichte rotblonde Gefieder. Es war so zart und so weich! Das Fressen war zum Glück Ablenkung genug; so ließ er es sich gefallen.
Später, während Fire ein Nickerchen machte, holte ich die Post herein. Meine Nachbarin sah etwas oranges in meiner Wohnung fliegen und empfahl mir Singperlen für meinen Kanarienvogel zu kaufen. Ich bedankte mich brav, aber instinktiv war mir klar, dass Singperlen bei Drachen nicht wirken würden und ging wieder rein. Gleich hinter der Tür stand Fire und sah mich fragend an. „Vogelfutter!“ lachte ich vergnügt, Ich überlegte, dass ich das Tier ja nicht jeden Tag bewusstlos schlagen könne, um es dann in die Backröhre zu sperren. Ich musste ihm ein Lager bereiten, wo es sich wohlfühlen konnte. Zu 'Drachen' fielen mir, wie den meisten Leuten, 3 Worte ein; „Fabelwesen; Nie gegeben!“ Nur, sag das mal der Kreatur in meiner Küche! 'Dich gibt’s ja gar nicht!', dann wird sie sauer und macht ein Grillfest! Und das wird dann gar nicht mehr lustig.
Ich hatte also keine Ahnung und opferte erst mal ein Federbett, das ich dekorativ ins Wohnzimmer drapierte. Neugierig beobachtete Fire mein Tun und flog übermütig einige Runden durch das Zimmer. Nun kam mir die Idee 'Er sei ein junger wilder Drache. Bestimmt vermissten ihn seine Eltern schon. Ich sollte ihn heute Abend aussetzen und mir nicht solche Mühe machen.'
Ich hatte das Lager so gut ich konnte zu ende gebaut und sah Fire noch eine Weile beim Fliegen zu. Es sah so wunderschön aus! Das rotblonde Gefieder schimmerte in der morgendlichen Sonne. Ich ging in die Küche, fülle seine Trinkschale mit Wasser und drehte noch ein Bein aus dem Hähnchen, das im Kühlschrank lag, heraus. Mit beidem ging ich zurück. Vom Schrank her hörte ich Klettergeräusche, die von scharfen Krallen stammten, die sich in billiges Holz eingruben. 'Na, ja! Ich habe ein Haustier!' Interessiert sah Fire mir zu, wie ich alles zubereitete. Doch dann waren wieder meine Lautsprecher auf dem Schrank von Interesse. Ich lass mir ja einiges gefallen, aber Kau-geräusche an meinen Lautsprechern? Entsetzt drehte ich mich um und erwischte Fire mit einer Ecke im Maul. „Das ist mein Lautsprecher, Dein Fressen steht da unten!“, schimpfte ich mit dem kleinen Drachen. Fauchend verteidigte er sein Recht. „Wenn Du das noch mal versuchst, dann hat das Folgen!“, argumentierte ich. Aber dieser Schuss ging ins Leere. Gleichgültig schnaufend wendete sich Fire wieder der leckeren Lautsprecher-Ecke aus 'Knack-Kaputtbar' zu. Also blieb mir nichts anderes übrig: Ich nahm die Hähnchenkeule von seinem Teller, hielt sie ihm vor das Gesicht, so dass ich seine Aufmerksamkeit bekam und tat anschließend so, als wolle ich sie essen. Mit lautem Gebrüll stürzte sich Fire vom Schrank in sein 'Nest'. Ohne was zu sagen, legte ich die Keule dazu. Als er sich davon vergewissert hatte, das alles in Ordnung sei, begann er zu fressen. „Mann gut, dass ich gerade Single war! Noch eine Frau, in der Situation...? Einfach zu viel!“ Amüsiert sah ich Fire beim Fressen zu und vernahm die gurgelnden Geräusche, die ein wenig an Baby-Laute erinnerten. Ich schaltete das Radio ein. Fire war sehr musikalisch und wie ein Vogel, musste auch er immer der lauteste sein. Das war sehr lustig. Die Musik war auch sehr schön und ich tanzte ein wenig. Währenddessen verfolgte Fire jede meiner Bewegungen, gurgelte oder brüllte übermütig zur Musik. Da, plötzlich klingelte es an der Tür. Die Nachbarin braucht ihren Dornröschen-Schlaf – als wenn das nützte – ich solle das Radio leiser machen, oder zumindest den Sender klarer einstellen. Offenbar gäbe es bei mir Interferenzen! Ich entschuldigte mich, ging schmunzelnd ins Wohnzimmer zurück und lachte Fire an „Na du Interferenz?“ Fragend sah er mich aus seinen gelben Augen an. Trotzdem machte ich für Dornröschen das Radio ein Stück leiser. Ich wollte Fire weder bedrängen noch domestizieren, sondern ihn heute Abend wieder aussetzen, wenn es nicht schon zu spät war. Wenn er nicht schon zivilisationsgeschädigt wäre? Er hat Fensterscheiben kennengelernt, Tiefkühl-Hähnchen gefressen, war in einem Zimmer geflogen, hat in einer Backröhre geschlafen, hat sich von einem Menschen berühren lassen, auf einem Federbett gelegen, auf einem Lautsprecher gekaut, Musik gehört. Kann man so einen Drachen wieder guten Gewissens freilassen? Interessiert beobachtete ich Fire wie er sich putzte, neugierig Löcher in mein Federbett biss und erst dann zufrieden war, wenn seine Schnauze in einer Wolke aus weißen Daunen verschwand. Amüsiert schmunzelnd beobachtete ich meinen jungen Drachen in seiner Sorglosigkeit. Und heute Nacht sollte all das vorbei sein? Ich vermisste ihn jetzt schon!
Der Abend nahte und man spürte, wie es dämmerte. Die Amseln sangen ihre Abendlieder und bald schon würden sie verstummen, denn diese Zeit bis zum Morgen gehörte den Katzen! Entschlossen öffnete ich die Balkontür. Eine frische Brise Abendwind trat in das Zimmer. Ich hängte die lange Gardine über den weit geöffneten Türflügel und setzte mich wieder auf mein Sofa.
Neugierig verließ Fire sein Nest und trat vor die offene Tür. Verwirrt flog er im Zimmer umher, ohne die offene Tür weiter zu beachten. Doch nach einigen Minuten durch das Zimmer Kreuzens, verließ Fire durch die offene Balkontür den Raum und flog in die Dämmerung hinaus. Traurig stand ich auf und schloss die Balkontür. Sorgfältig schob ich die Gardine zurück. „Das war's!“, dachte ich mir. „Einst hatte ich für einen kurzen Augenblick einen jungen Drachen zu Gast!“, sinnierte ein-wenig traurig.
Es verging nicht mal eine Stunde, da hörte ich, wie gestern, ein klatschendes Geräusch am Balkonfenster. Ich dachte mir „Das kann doch nicht möglich sein!“ Erwartungsvoll schob ich die Gardine zur Seite und da saß 'mein' Fire auf dem Balkon und krächzte mich an.
So hatten wir einen neuen Vertrag: Ich hatte ein neues Haustier und abends durfte es draußen fliegen, bis es dunkel wurde.
