Beschreibung

Obwohl eines unserer beliebtesten Urlaubsländer, mutet uns der Alltag im sonnigen Süden oft ein wenig befremdlich an, kommt uns ziemlich "spanisch" vor. Das Buch ist ein unterhaltsam geschriebener kultureller Leitfaden, der die dortige Lebensart anschaulich erklärt und dazu beiträgt, den nächsten Urlaub, bzw. die anstehende Geschäftsreise, so angenehm und anregend wie möglich zu verbringen. Wichtige Informationen über das Land, die Medien, die Krise, die autonomen Provinzen sowie über die Menschen (Großfamilie, Frivolität, Katholizismus, Fiestas …) werden übersichtlich zusammengefasst. Interviews verdeutlichen die großen Zusammenhänge und lassen ein farbiges Bild der traditionsbewussten, spanischen Kultur entstehen. Der Schwerpunkt liegt auf der Bestandsaufnahme des spanischen Lebensgefühls, z.Zt. stark geprägt durch die Wirtschaftskrise. Und so geht es nicht nur um schöne, romantische Landschaften und ein angenehmes Klima, sondern auch darum, wie Familien zu Notzeiten wieder enger zusammenrücken und wie ideenreich versucht wird, an Geld zu gelangen. Das Erstaunliche ist, dass sich die Spanier angesichts aller derzeitigen Widrigkeiten ihre Lebensfreude nicht nehmen lassen, sondern versuchen, die schönen Seiten des Lebens zu genießen. Insgesamt also ein lebendiges, kritisches Bild der spanischen Gesellschaft und auch ein praktischer Ratgeber, aufgepeppt durch kleine Tricks, die den Alltag erleichtern sowie Verhaltenstipps, die kulturellen Missverständnissen vorbeugen.

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Seitenzahl: 313

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Sammlungen



Fit für Spanien

Alltagsfrust und Lebenslust

Sigrun Dahmer

interconnections

Zur Autorin

Jahrgang 1966, aufgewachsen in Bochum und schon als Schülerin reisefiebergeplagt. In den Schulferien ging´s als Au-Pair nach Paris und nach dem Abi ein Jahr als „Nanny“ in die USA. Es folgte ein Sprachstudium inkl. einem Semester als Spanischstudentin in Granada.

Eine Tätigkeit als Reiseleiterin schloss sich an. Ferner verantwortete sie die Konzeption und Durchführung mehrtägiger U.S. "Exchange Student Training Workshops" in ganz Deutschland.

Heute unterrichtet sie Spanisch, Englisch und Deutsch an einem Kölner Gymnasium und verbringt ihre Ferien immer wieder in Spanien und Lateinamerika. Sie ist engagiert bei kulturellen Veranstaltungen einer Reise-Event-Agentur und genießt z.Zt. das Leben im Rahmen eines Sabbatjahres mit ihrer Familie auf den Kanaren.

Impressum

Reihe »ReiseTops«, Band 17

Sigrun Dahmer

Fit für Spanien

Alltagsfrust und Lebenslust

ISBN: 978-3-86040-216-0, Zweite Ebook Auflage, 2016

ISBN: 978-3-86040-205-4, Buch

Umschlagentwurf: Sonja Münkner

Umschlagfoto vorne Fotolia, MasterLu - Fotolia.com, © daboost - Fotolia.com

copyright interconnections Freiburg

Verlag interconnections,

interconnections, Schillerstr. 44, 79102 Freiburg

Tel. +49 761 700 650, Fax +49 761 700 688

[email protected]

www.interconnections-verlag.de

www.reisetops.com

Vorwort

Spanien steht für Sonne, Meer und Strand, schattenspendende Palmen, fröhliches Straßenleben, leidenschaftliche Flamencomusik, den Duft von frischgebratenem Fisch und dem Geschmack süffiger Sangria. Aber das ist noch nicht alles. Unsere Faszination für den sonnigen Süden geht noch tiefer und hat wohl auch etwas mit dem spanischen Lebensgefühl zu tun. Die Spanier scheinen das Leben leichter zu nehmen als wir und sich trotz aller Alltagsprobleme nicht so schnell stressen zu lassen. Diese Kombination aus sinnlicher Lebenskunst, warmen Klima und faszinierender Kultur machen Spanien schon seit Langem zu einem der beliebtesten Urlaubsländer in Europa.

Doch trotz all dieser positiven Gedanken muten uns an unserem Reiseziel gleich einige Situationen im Alltag oft ein wenig befremdlich an, kommen uns regelrecht „spanisch“ vor. Das hängt damit zusammen, dass sich der spanische Lebensstil deutlich von der uns vertrauten Mentalität unterscheidet. Vieles, was für uns selbstverständlich ist, funktioniert dort anders. Wer zur gewohnten Uhrzeit essen gehen will, wird die Restaurants zum Beispiel vermutlich noch geschlossen vorfinden, und schon die Frage, wie man die nette Dame an der Rezeption auf dem Weg zum Frühstücksbuffet grüßt, kann Schwierigkeiten bereiten.

Dieses Buch soll einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen, „fit für Spanien“ machen, damit Sie dort gut vorbereitet eine wunderbare Zeit genießen können. Landestypische „Merkwürdigkeiten“ werden anschaulich erklärt und Hintergrundinformationen übersichtlich in „Infoboxen“ zusammengefasst. Ferner helfen Tipps und Tricks dabei, etwaige kulturelle Fettnäpfchen, die im Urlaub oder auf der Geschäftsreise lauern, geschickt zu umschiffen.

Das Buch lässt sich auf zweierlei Arten nutzen. Entweder Kapitel für Kapitel, um so einen allgemeinen Überblick über Land und Leute und ein Verständnis für die großen Zusammenhänge zu gewinnen. Oder man verfährt nach dem Lust- und Laune-Prinzip und pickt sich das Kapitel heraus, das einen gerade am meisten anspricht. Vielleicht möchten Sie erfahren, was Spanier allgemein über Deutsche denken. Oder Sie sind frisch verliebt und benötigen dringend ein paar Redewendungen zum Thema? Eventuell hat es Ihnen aber auch die Königliche Familie angetan oder Sie interessieren sich ganz besonders für die spanischen Autonomien. Als Adept von Fachsimpeleien reizen Sie sicherlich die Interviews, u.a. mit einem deutschen Konsul, einem Tourismuspfarrer und einer Auswandererfamilie. Wie auch immer: Es liegt in Ihrer Hand, womit Sie sich zuerst beschäftigen.

Ich hoffe sehr, dass meine Begeisterung für Spanien auf Sie überspringt. Als Spanischstudentin habe ich ein Semester in Andalusien verbracht, kurze Zeit später den grünen Norden der Halbinsel erkundet. Anschließend war ich eine Zeit lang als „Couchsurfer“ kreuz und quer im ganzen Land unterwegs, später bin ich häufiger nach Barcelona geflogen. Im Moment lebe ich während eines Sabbatjahres mit meiner Familie auf den Kanaren. Doch ganz egal, wo auch immer ich mich in Spanien aufhalte: jedes Mal bin ich fasziniert von dem vielseitigen Land, von seinen liebenswürdigen Einwohnern, die sich ihre Lebensfreude auch durch die momentane Wirtschaftskrise, die vielen von ihnen wirklich große Opfer abverlangt, nicht nehmen lassen.

„Fit für Spanien“ widme ich Karsten, Julia, Malte und Finn. Danke für Eure großartige Unterstützung!

Ihnen, liebe Leser, wünsche ich viel Spaß bei der Lektüre und eine unvergessliche Reise.

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(Ausland)

Spanien

Den Stier bei den Hörnern packen

Kleiner Spanientest

1. Abends in einem Restaurant

Was sagt man zur Begrüßung?

a) Buenos días!

b) Buenas tardes!

c) Buenas noches!

2. Ein Spanier wohnt mit dreißig Jahren noch bei seinen Eltern

Was denken Sie?

a) Komischer Typ, der sein Leben nicht geregelt bekommt.

b) Vermutlich sind die Mieten in Spanien ganz schön hoch.

c) Der Mann versteht sich außergewöhnlich gut mit seinen Eltern.

3. Welche Sprache spricht man in Spanien?

a) Spanisch, ist doch klar.

b) Eine Sprache, das Castellano, und viele Dialekte.

c) Vier Sprachen und deren Dialekte.

4. Sie schnappen auf, dass ein Spanier Sie im Beisein eines Landsmanns mit einem „cangrejo“, einem Krebs, vergleicht. Was halten Sie davon?

a) Hört sich nett an, irgendwie exotisch, fast frivol.

b) Diese Bemerkung hat etwas mit meinem nordischen Aussehen zu tun.

c) Die unterhalten sich vermutlich über etwas ganz anderes, vielleicht über Fische.

5. Sie haben sich mit einem netten spanischen Ehepaar angefreundetWo trifft man sich?

a) Man geht üblicherweise zusammen aus.

b) Man trifft sich in der gemütlichen Wohnküche.

c) Wie bei uns, man setzt sich im Wohnzimmer gesellig mit einem Bier zusammen auf die Couch und plaudert ein wenig.

6. Die Jugend...

a) ist eher ungebildet.

b) ist vergleichbar so dran wie bei uns.

c) ist durchaus qualifiziert, findet aber kaum Arbeit.

7. Sie verlieben sich in eine Spanierin

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

a) Da wird nichts laufen, Spanien ist viel zu katholisch.

b) Aufregend, schließlich spielt das Leidenschaftliche in Spanien eine wichtige Rolle, man denke nur an die Oper „Carmen“.

c) Halbe, halbe, es kommt da auf viele Dinge an – man kann da nichts erzwingen.

8. An der Spitze des Staates steht:

a) der spanische König.

b) der Ministerpräsident.

c) weiß ich nicht.

9. Die „Tapas“ schmecken nicht nur gut, sondern haben auch einen praktischen Nutzen.

a) Man benutzte sie früher dazu, die Getränke abzudecken und somit vor Insekten zu schützen.

b) Man isst sie, um schnell satt zu werden.

c) Sie sind prinzipiell kostenlos, eine Aufmerksamkeit des Hauses.

10. In Spanien können Sie damit rechnen:

a) dort hauptsächlich Flamenco zu hören.

b) wie fast überall in Europa englischen Pop und Rock geboten zu bekommen.

c) sowohl viel spanischer populärer Musik, als auch internationalen Songs lauschen zu können.

Die Lösungen finden sich im Anhang.

Bienvenidos – Survival im Alltag

Erste Begegnungen: Gehauchte Küsschen …

Ich erinnere mich noch genau an meine allererste Begegnung mit Spanien. Sie hieß Sol und stammte aus Lanzerote. Sie hatte langes braunes Haar, temperamentvoll funkelnde grüne Augen, zarte Sommersprossen und lachte gerne. Ich lernte sie vor vielen Jahren zufällig zu Hause kennen. Da ich damals noch nicht Spanisch sprach, versuchte ich die Bedeutung ihres Namens zu erraten. Wenn sie „Sonne“ hieße, würde das durchaus zu ihr passen, fand ich. Ich mochte Sol, aber vieles an ihr fand ich auch komisch, regelrecht befremdlich. Unser erstes Treffen, z.B., kam mir von Anfang an ziemlich spanisch vor.

Kaum, dass ich Fuß in ihr Appartement gesetzt hatte, drückte sie mir zur Begrüßung Küsschen auf beide Wangen.

„Oh, Mann, wie ist die denn drauf?“, schoss es mir durch den Kopf, während ich schnell einen großen Schritt nach hinten nahm. Ich fand Sol merkwürdig und fühlte mich ziemlich bedrängt. Erst später wurde mir klar, dass das Ganze ein kulturelles Missverständnis gewesen war. Sols Verhalten war durch und durch normal und hatte nichts Anrüchiges. So begrüßt man sich in Spanien, zumindest unter Frauen. Unter Männern gibt es, wir befinden uns schließlich im Heimatland des Machismo, statt Küsschen ein kräftiges Klopfen auf die Schultern oder Ähnliches. Am üblichsten sind zwei Küsschen: Eins links, eins rechts. Ganz wichtig ist dabei, nicht feucht zu küssen. Speichel ist, mit Ausnahme von den Großeltern, den "abuelos", die das vielleicht nicht mehr anders können, strikt verboten. Die Kunst besteht darin, an der Wange vorbeizuhauchen, ohne sie zu berühren.

Begrüßung: Ungeschriebene Regeln

Machen:

Körperliche Berührungen und Umarmungen sind im Alltag und insbesondere bei der Begrüßung völlig normal und gewollt. Ist das Gegenüber eine Frau, können Sie ohne Hintergedanken den Eskimo in sich ausleben, indem Sie zwar nicht die Nasen, dafür aber die Wangen aneinander reiben. Will ein Mann einen Geschlechtsgenossen begrüßen, ist eher Schulterklopfen oder Armdrücken angesagt. Am besten lassen Sie die "locals" den ersten Schritt tun und imitieren ihre Gesten. So schaffen Sie schnell eine Vertrauensbasis, und das Eis ist gebrochen.

Straßenszene

Unterlassen:

Den Arm ausstrecken, die Hand geben, auf Distanz gehen. So ein Verhalten ist einem Vorgesetzten gegenüber vielleicht okay, aber in ihrem Privatleben empfinden Spanier das als rüde Ablehnung. Also, egal, wie viel Knoblauch und Bier intus ist: Bei der Begrüßung heißt es „rangehen“. Aber nichts übertreiben! Küsse werden nur dezent angedeutet und sollten nicht wirklich feucht sein. Vermeiden Sie aufdringliche Schmatzer genauso wie uncharmante Zweideutigkeiten.

Diese Begrüßungsregeln gelten vorwiegend für den Freizeitbereich, im Geschäftsleben sind Sie mit einem neutralen Händedruck auf der sicheren Seite. Wer viel beruflich im Ausland unterwegs ist, dem sei die Lektüre von Kai Oppels „Business Knigge international“ empfohlen. In diesem Ratgeber wird z.B. erläutert, dass spanische Geschäftsleute zwar durchaus einmal zu spät zu einem Termin kommen, aber gerade von einem deutschen Gegenüber trotzdem Pünktlichkeit erwarten.

Wer weiß, dass Körpersprache eine große Rolle bei der Begrüßung spielt, ist auch bereit für die ersten Brocken spanischer Konversation. Erste Lektion: Beim Küsschen links sage man etwa „hola“, hallo. Das „h“ wird dabei wie im Französischen nicht ausgesprochen. Beim Küsschen rechts murmelt man dann z.B. „¿qué tal?“, wie geht`s. Nicht selten wird die Frage gar nicht oder mit der gleichlautenden – bloß nicht zu viele Worte machen – Gegenfrage „¿qué tal?“ beantwortet. Oder man sagt kurz „bien“ oder „regular“. Ein Fauxpas wäre es, langwierige, ernsthafte Ausführungen über die Details des momentanen Seelenzustandes auf den Gesprächspartner loszulassen. Solch eine Gründlichkeit verrät sofort einen Langweiler.

Wer sich unsicher fühlt, nicht recht weiß, was er sagen soll, dessen Wort ist „hola“. Es passt immer: morgens, mittags und abends. Nur zum Abschied sollten Sie sich etwas einfallen lassen. Denn da benutzt man, auch leicht zu merken, „adiós“, den Zwillingsbruder des französischen „adieu“. Mit „hasta luego“ (bis bald) kann man ebenfalls nichts falsch machen. Das wörtlich übersetzte „Auf Wiedersehen“, das sich fast reimende „hasta la vista“, gibt es zwar im Spanischen auch, wird aber weniger inflationär gebraucht, als das deutsche Touristen gerne tun, die zu viel Schwarzenegger gesehen haben.

Begrüßungsfloskeln und Kalorienzufuhr

Buenos días benutzt man morgens vom nüchternen Zustand des Aufwachens an, über das eher karge Frühstück (desayuno) hinaus bis um 12 Uhr mittags. Danach verwendet man die Grußformel „buenas tardes“. Das Mittagessen (almuerzo) lässt man sich übrigens später als bei uns, so gegen 14/15 Uhr, schmecken.

„Buenas noches“ wünscht man sich, wenn es dunkel wird. Das warme Abendessen wird in Spanien etwa zwei, drei Stunden später als bei uns, so gegen 21/22, Uhr eingenommen.

Die Restaurants haben in der Regel mittags zwischen 13-16 Uhr und abends zwischen 20-23 Uhr geöffnet.

Oft hört man auch nur eine verkürzte Begrüßung: „muy buenos“ – ohne das Nachwort „días“ oder „muy buenas“ ohne das anschließende „tardes“, bzw. „noches“.

Obwohl die spanische Gesellschaft insgesamt vielleicht sogar eher konservativer ist als die unsrige, zeigen sich die meisten Spanier auf den ersten Blick im kommunikativen Umgang miteinander regelrecht anarchistisch. Gerne entziehen sie sich den gesellschaftlichen Hierarchien und duzen sich. Auch in Situationen, in denen das „du“ in Deutschland verpönt ist, geben sich die Spanier erstaunlich unprätentiös. So kommt uns das „du“ z.B. in der Kneipe noch recht leicht über die Lippen. Aber weder in der Post, in einem Geschäft, noch in der Schule beim Gespräch mit dem Lehrer würden wir es benutzen. In Spanien kann das aber durchaus der Fall sein. Die Spanier sehen das ganz unverkrampft. Das fängt schon bei der ersten Begegnung an. Wenn man sich privat kennenlernt, stellt man sich üblicherweise nur mit dem Vornamen vor. Im Geschäftsleben jedoch können unter Geschäftspartnern der Titel, die Position und die förmliche Anrede durchaus eine bedeutsame Rolle spielen.

Doch auch, wenn insgesamt beim Duzen im Alltag keine großen Unterschiede gemacht werden, gilt es bei der richtigen Anrede gleich einige Fettnäpfchen zu umschiffen. Denn, wenn man jemanden richtig ansprechen möchte, sind einige Feinheit zu bedenken. So empfindet manche großstädtische junge Frau die Anrede „Señorita“ als unzeitgemäß, wohingegen viele andere junge Frauen weiterhin so angesprochen werden möchten, da sie sich andernfalls als zu alt betituliert fühlen. Bei älteren Leuten gibt es sanfte Untertöne, mit denen ihrem Alter Respekt gezollt wird. So ist die ehemals einem Adligen oder einem wichtigen Familienoberhaupt vorbehaltene Anrede „Don“ oder „Doña“ in Kombination mit dem Vornamen – „Don Pedro“ oder „Doña Pilar“ –zwar gern gehört, wird in Spanien aber weniger häufig als früher benutzt. Mit „Señor“, „Señora“ und ggf. “Señorita“ ist man auf der sicheren Seite.

Der Ton macht die Musik: Wer heißt wie?

Machen:

Also nicht beleidigt sein, wenn man Sie mit „du“ und Vornamen anspricht, sondern freuen Sie sich über die Gastfreundschaft: Sie sind gerade zum neuen Mitglied der „Familie“ ernannt worden.

Unterlassen:

Bleiben Sie selbst aber vorsichtig mit dem Duzen anderer, vor allem im Arbeitsleben. Schauen Sie am besten, was Ihre colegas machen.

Der Vollständigkeit halber muss angemerkt werden, dass es im Zuge der Globalisierung mittlerweile die Tendenz gibt, sich vor allem im Wirtschaftsleben den geschliffenen europäischen Siez-Standards anzupassen. Und damit schließt sich der Kreis. Denn, wenn man im Spanischen siezen will, macht man das ganz oder gar nicht. Zusammen mit dem Siezen wird auch das fast schon royalistisch anmutende Wort „usted“ benutzt, das seine Wurzeln in dem herkömmlichen Begriff „Euer Gnaden“ – hat. „Vuestra Merced“ wird dementsprechend auch gerne ehrfurchtsvoll mit Großbuchstaben (Ud. oder Vd.) abgekürzt. Dementsprechend heißt:„Könnten Sie wohl bitte das Fenster öffnen?“ auf Spanisch:“¿PodríaUd. abrir la ventana, por favor?“

Nomen est Omen: Namensgebung

Ein Kind namens „Jesús“ …

Man stelle sich vor, gerade in Spanien angekommen zu sein. Also auf ins Leben und in einem der vielen Straßencafés auf der nächstbesten größeren Plaza ein Cortado bestellt, einen Espresso mit einem Schluck Milch. Während der Kellner sich durch die eng gestellten Tische schiebt, spüren Sie die Sonne auf ihrer Haut und lehnen sich entspannt zurück. Vielleicht schließen Sie sogar die Augen, weil Sie noch ein wenig müde von der Anreise sind. Duft von Olivenöl, irgendwo wird Fisch angebraten. Sie hören ein paar Fetzen gedämpfter Gitarrenmusik und lauschen dann Stimmen von Leuten, die temperamentvoll miteinander reden. Ein Mädchen ruft ihrer Schulfreundin hinterher, der Kellner begrüßt einen Kumpel, und immer wieder hören Sie spanische Namen. Das Ehepaar nebenan stellt sich einem Passanten vor, der Geschäftsmann, der sich an der Theke von seinem Businesspartner verabschiedet, übergibt diesem seine Visitenkarte. Sie schlagen die Zeitung auf, auch hier lange, blumig klingende Namen. Und noch bevor Sie überhaupt ein erstes Gespräch mit einem Spanier anfangen, wird klar, dass die Spanier schon allein, was die Namensgebung angeht, offensichtlich anders ticken als wir.

Eigentlich seltsam dieser Unterschied. Sollte man doch meinen, dass hier universelle Prinzipien am Werk sind. Denn im Grunde genommen, wollen doch alle bei der Namensgebung dasselbe. Wird ein Kind geboren, möchte man ihm etwas Gutes mit auf den Lebensweg geben. Das gilt bei uns genauso wie in Spanien. Je nach Zeitgeist sind unsere Babys mit anglisierenden Namen wir Kevin und Marvin geschlagen oder mit auf der ersten Silbe und damit häufig falschbetonten französischen Vornamen. Zwischendurch erleben dann ganz plötzlich alt hergebrachte Namen eine Renaissance. Auf einmal sind die Vornamen Emma und Otto wieder im Schwange. Dann gibt es natürlich auch noch die zeitlosen Klassiker wie Julia und Maximilian. Namen, die anscheinend nie aus der Mode kommen. In Spanien gibt es diese Geschmacksschwankungen ebenfalls, aber insgesamt ist die Namensgebung konservativer als bei uns.

Die allermeisten Vornamen entstammen der spanischen Sprache und hängen mit katholischen Heiligen zusammen. Oder das Kind wird zu Ehren eines Verwandten – etwa nach diesem Onkel in Madrid, der so gut im Geschäft ist, oder dieser sagenhaften Tante aus Barcelona – oder einfach nach den Eltern bzw. Großeltern benannt. Onkel und Tante oder Mutter und Vater tragen ihrerseits ebenfalls einen katholischen Namen, so dass die Tradition aufrechterhalten wird.

Namen haben oft einen katholischen Ursprung

Die Einheitlichkeit der Namensgebung und -schreibung wird durch die Regionalsprachen jedoch etwas aufgeweicht. Man ist stolz auf die Region, aus der man stammt, auf die Stadt, in der man lebt. Aus diesem Grund werden die Kinder gerne auch nach den lokalen Schutzpatronen benannt. In Barcelona etwa sind die Vornamen „Montse“ und „Jordi“ schon seit Jahren die Renner. Der ausgeprägte Stolz auf die eigene Regionalsprache zeigt sich auch an der Schreibung. Im Baskenland nennt sich heutzutage manch einer lieber „Mikel“ als „Miguel“(kastilisch). Genauso wie das im Kastilischen recht ungebräuchliche „k“, hat auch das „x“ einen leicht subversiven Anflug. Und so ist beispielsweise neben dem spanischen Javier auch der katalanische Xavier sehr populär.

Um die insgesamt auf Besucher bisweilen etwas ausufernd wirkenden Verrenkungen des Lokalpatriotismus auf die eigene Autonomie zu verstehen, muss man wissen, dass der Diktator Franco fast vierzig Jahre lang den Gebrauch der eigenen Muttersprache – sollte sie nicht das kastilische Spanisch sein – unter Strafe gestellt hat.

Trotz aller heute möglichen Spielarten ist die Bandbreite der Namen in Spanien geringer als bei uns. Um spanische Namen internationaler aussehen zu lassen, erfolgt neuerdings manchmal eine Anpassung der Schreibweise. So wird aus dem ursprünglich spanischem „Ana“ mit einem „n“ ein „Anna“ mit Doppelkonsonant. Aus „Emilia“ wird „Emily“ mit einem amerikanischen Ypsilon oder aus „Lucas“ „Lukas“. Insgesamt haben es aber Lehnwörter aus anderen Sprachen schwer. „Elisabeth“ oder „Michelle“ kommen zwar als Namensvorschläge vor, erreichen aber nie die oberen Plätze in den Hitlisten der modischen Babynamen.

Für spanische Ohren hören sich die klassischen Namen wie „Jesús“, „José“ oder „María“ einfach besser als Wegbegleiter des kleinen Wonneproppens an. Gerade der Jungenname „Jesús“ mit seiner heiligen Aura führt dabei zu skurrilen Situationen. Wir können ein Schmunzeln nicht unterdrücken, wenn spanische Eltern mit ihrem kleinen Sohn schimpfen: „Komm schon, Jesús, schmatz nicht so.“ Vielleicht wird der Name dann zusätzlich sogar auch noch verniedlicht. Das würde sich dann so anhören: „mein kleines Jesusleinchen, jetzt mach mal deine Schularbeiten.“

Spitznamen und Abkürzungen:

Um ihre Zuneigung auszudrücken, lieben es die Spanier, Namen (und nicht nur die) mit der Endung „-ito/-ita“ zu verniedlichen. So wird aus Theresa schnell ein „Teresita“, kleines Thereschen. Ein etwas dicklicher Junge wird dementsprechend liebevoll – oder boshaft – „gordito“ (Dickerchen) genannt.

Aber das ist nicht alles, viele Namen haben ihre ganz eigenen Abkürzungen:

Enrique wird zu Quique

(María)Dolores zu Lola oder noch kürzer zu Lo

(María) Trinidad zu Trini

Fernando zu Nacho

José María zu Chema

Mercedes zu Merche

Santiago zu Santi

Aber auch die entsprechenden katholischen Mädchennamen empfinden wir nicht unbedingt als nachahmenswert. Oder würde jemand gerne „die Schmerzensvolle“ (Dolores) heißen oder von Freunden „Einsamkeit“ gerufen werden wollen (Soledad)? Die beliebte Kurzform für diesen traurigen Vornamen heißt übrigens „Sole“. Der Rückbezug auf Maria (María de Soledad) ist natürlich positiv als Verehrung gemeint, dennoch hört sich der Name im Alltag außerhalb des religiösen Kontextes für uns erst einmal befremdlich an. Andere Vornamen klingen auf Anhieb positiver. Z.B.:„Marisol“, was übersetzt viel versprechend „Meer und Sonne“ bedeutet. Doch nicht nur die spanischen Vornamen folgen ihren eigenen Gesetzen, auch die spanischen Nachnamen haben ihre ganz eigene Logik. Die besondere spanische Namensgebung bewirkt z.B., dass man bei der Vorstellung normalerweise nicht am Namen ersehen kann, ob ein Paar miteinander verheiratet ist oder nicht.

Ratespiel:

Der Vater heißt: Herr Rodríguez Ángeles

Die Mutter heißt: Frau Perales Galeano

Wie heißt das Kind ?

Das Kind heißt: María Rodríguez Perales. Die Spanier haben in der Regel einen oder mehrere Vornamen („nombre“) und zwei Nachnamen („apellidos“). Normalerweise stammt der erste Nachname vom ersten Nachnamen des Vaters und der zweite Nachname vom ersten Nachnamen der Mutter. Nach dem Namensrecht von 1999 kann das aber auch umgedreht werden. Das Mädchen hieße dann María Perales Rodríguez.

Die Vergabe der spanischen Nachnamen verläuft somit erstaunlich emanzipiert, denn jedes Kind bekommt sowohl den Nachnamen der Mutter als auch den des Vaters. Die praktische Umsetzung, diese Namensmonster auch im Alltag anzuwenden, scheitert manchmal jedoch. Aufgrund der Länge dieser Buchstaben-Ungetüme fällt dann meistens gerade der zweite Nachname, also bis zu dem neuen Namensrecht der Nachname der Mutter, unter den Tisch. Das ist jetzt ausgeglichener, da man nun wählen kann, welcher Nachname an erster Stelle steht.

Jetzt, wo die spanischen Namen nicht mehr erschrecken, bleibt noch eine Frage offen: wie wollen Sie sich selbst vorstellen? Mit dem Vor- oder mit dem Nachnamen? Bleiben Sie bei der bei uns üblichen Betonung Ihres Namens oder versuchen Sie ihn der spanischen Zunge etwas näherzubringen? Mein Tipp: Machen Sie das lieber bei der ersten Begrüßung gleich selbst, bevor die Spanier automatisch Ihren Namen hispanisieren.

Wie heißen Sie auf Spanisch?

Hier einige gebräuchliche deutsche Vornamen auf Spanisch. Elisabeth ist auf Spanisch Isabel. Jakob wird zu Santiago, Wilhelm zu Guillermo und Georg zu Jorge. Philipp ist Felipe und Hans oder Johannes kann mit Juan, Franz mit Francisco (Kurzform Paco) und Paul mit Pablo übersetzt werden.

Ist Ihr Name auch dabei? Wenn nicht, versuchen Sie am besten, ihn mit einer spanischen Endung zu versehen, so dass Ihr Gegenüber ihn sich besser merken kann. Wer Marianne heißt, könnte sich z.B. als Mariana vorstellen.

Die spanische Mentalität macht dem interessierten Touristen nicht nur, was die Namen und Anredeformen angeht, den Blick hinter die Kulissen nicht gerade leicht. Und doch vermeinen viele Deutsche das typisch Spanische zu kennen, was natürlich auch umgekehrt gilt. Oder doch nicht? „Típico tópico“ heißen Stereotype in Spanien. Und genau um die geht es im nächsten Kapitel.

Deutschland-Connection Teil I

Typisch deutsch, typisch spanisch

Eine Szene in Deutschland:

Ein Gymnasium in Deutschland. Oberstufe. Fortgeschrittener Grundkurs Spanisch.

Eine Zeit lang obligatorische Pflichtlektüre für das Zentralabitur: „Das Haus der Bernarda Alba“ von García Lorca, einem liberalen Schriftsteller aus Andalusien, der 1936 von Faschisten ermordet wurde. In dem Buch geht es um einen Frauenhaushalt im ländlichen Spanien in der Zeit vor dem spanischen Bürgerkrieg. Drei Generationen von Frauen werden im Rahmen einer acht Jahre andauernden Trauerzeit um den verstorbenen Vater im Hause eingeschlossen, um so den moralisch einwandfreien Ruf der Familie zu bewahren.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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