Fliegengewicht - Anna-Elisabeth Mayer - E-Book

Fliegengewicht E-Book

Anna-Elisabeth Mayer

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Beschreibung

"Drei Augenpaare starrten mich an, als ich das Zimmer betrat. Und? Die Therapie wird nicht geändert, sagte ich. Und sonst? Sonst? Ja, sonst, die Frauen ungeduldig. Sonst nichts, antwortete ich wie letztes Mal. Nichts? Ich nickte und legte mich ins Bett."Ein Roman außerhalb der Welt: eine junge Frau kommt ins Krankenhaus zu drei älteren Damen ins Zimmer. Man weiß nur: Alle haben"s am Herz, der Tod ist nah - und alle reden dagegen an.Der Arzt der Station ist Dr. Winter. Er zieht die Damen samt Stationsschwester in seinen Bann. Eine Wette schickt die junge Frau ins Rennen um seine Gunst. Mitfiebern als Lebenselixier? Voller Rhythmus und Tragikomik überbieten sich die Stimmen, halb Schwanengesang, halb Operettenträllern, seziert von feinen Spitzen der Erzählerin. Ein Kammerstück mit doppeltem Boden, bei dem die Figuren mit ihren Liebes- und Leidensgeschichten dem Leser ans Herz wachsen."

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Seitenzahl: 268

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Inhalt

[Cover]

Titel

Zitat

Damenzimmer N°5

Die Wette

Flattern

Zerflattern

Schalen

Gut, dass wir uns haben

Autorenporträt

Über das Buch

Impressum

[Leseprobe – DIE HUNDE VON MONTPELLIER]

Nun lass uns gehen, du und ich, Wenn der Abend ausgebreitet vor dem Himmel liegtWie ein Patient auf dem OP-Tisch in Narkose.

T.S. Eliot

Damenzimmer N°5

Alle liebten Dr. Winter. Sein Lächeln brachte den Frühling von draußen ins Damenzimmer N°5. Frau Ott verriet mir, dass sie sich beim Einschlafen vorstellte, mit ihm auf einer Hollywoodschaukel zu schaukeln und Bowle zu trinken. Dr. Winter schaukelte ohne Kleider. Nachdem mich Frau Ott über ihre Gedanken bezüglich Dr. Winter und die Hollywoodschaukel ins Vertrauen gezogen hatte, weihte mich Frau Blaser wenig später ebenfalls ein. Sie sagte: Dr. Winter hätte auch das Zeug zum Minister gehabt. Zum Minister?, fragte ich. Ich stelle mir Dr. Winter als Minister für interne Angelegenheiten vor, meinte Frau Blaser. Interne Angelegenheiten? Genau, antwortete Frau Blaser, der russische Minister ist ja in Russland. Fangen Sie nicht wieder damit an!, rief Frau Ferdinand von gegenüber. Bowle mit Dr. Winter, seufzte Frau Ott – da ging die Tür auf und er kam herein. Dr. Winters Kleider waren weiß wie seine Zähne, die er zeigte, wenn er für uns das Lächeln lächelte. Betrat Dr. Winter in seinen weißen Kleidern den Raum, warf mir Frau Ott einen Blick zu, der sagte: Ein Engel geht durchs Zimmer. Dr. Winter ging an das Bett von Frau Ott. Wie ist das Befinden heute? Frau Ott kniff die Augen zusammen, als ob ein Licht sie blenden würde. Man tut, was man kann, Herr Doktor. Er nickte und strich sich eine Strähne aus der Stirn. Sein Gesicht war ungetrübt, aber in seinen Augen mit der ungewöhnlich hellen Iris hing eine Wolke. Dr. Winter erkundigte sich weiter: Und die Nacht? Haben Sie die Nacht gut verbracht? Hinter mich gebracht, antwortete Frau Ott. Dr. Winter sah sie aufmerksam an. Ich weiß, sagte er, doch Sie wissen auch, eine Besserung tritt nicht von heute auf morgen ein. Ja, stimmte Frau Ott bereitwillig zu. Aber die Medizin schreitet voran, Dr. Winter aufmunternd – und er sah dabei uns alle an. Die Krankheiten auch, krächzte Frau Ferdinand herüber. Ich tue alles, was in meiner Macht steht, sagte Dr. Winter. Dr. Winter hat das Zeug zum Minister, nickte mir Frau Blaser zu. Er kam an mein Bett. Frau Ott drehte den Kopf zu mir: Ein Engel geht durchs Zimmer, sagten ihre Augen abermals. Und wie fühlt sich das Nesthäkchen heute? Gut, antwortete ich und fragte mich, für wie jung mich Dr. Winter halten wollte. Er sah etwas in der Patientenmappe nach. Wird er mich wieder abhören?

Wenn ich das Hemd auszog, dann konnte man sehen, wie Dr. Winter den Blick senkte. Wenn Dr. Winter mich abhörte, sah Frau Ott genau zu. Sie sagte: Dr. Winter soll auch mich so lange abhören. Aber Frau Ott, sagte ich, er hört uns doch alle gleich ab. Nein, sagte Frau Ott, das tut er nicht. Frau Blaser bestätigte das sofort. Einmal rief ich zu Frau Ferdinand hinüber: Frau Ferdinand, das stimmt doch gar nicht? Frau Ferdinand, die sich kaum aufrichten konnte, sagte: Doch, Dr. Winter hört am liebsten Sie ab.

Wenn Sie sich bitte freimachen, sagte Dr. Winter, nachdem er die Patientenmappe geschlossen hatte. Ich zog das Hemd über den Kopf. Er senkte den Blick und hörte mich ab.

Sie können sich wieder anziehen, meinte er und notierte etwas. Während ich mich anzog, blickte ich auf die silbernen Fäden in seinem dunklen Haar. Erst als ich vollständig bekleidet war, hob er den Kopf. In seinen Huskyaugen lag plötzlich die Erschöpfung einer langen Schlittenfahrt. Dr. Winter ging ans Nachbarbett: Und Ihnen, Frau Blaser, wie geht es Ihnen? Frau Blaser sah ihn nur an. Dr. Winter beugte sich zu ihrem Ohr: Haben Sie gut geschlafen, Frau Blaser? Sie lächelte jetzt und nickte. Und unsere Frau Ferdinand?, Dr. Winter drehte sich zum gegenüberliegenden Bett. Herr Doktor, warum soll ich noch aufwachen! Aber Frau Ferdinand, Sie würden uns fehlen, antwortete Dr. Winter. Für einen Augenblick erhellte sich sogar Frau Ferdinands Gesicht. Doch nachdem Dr. Winter gegangen war, erlosch es wieder: Ich will gar nicht mehr leben. Ich schon, sagte Frau Ott, ich denke an das Leben und die Liebe! Frau Ferdinand winkte ab. Dafür ist man nie zu alt, beharrte Frau Ott. Na ja, sagte Frau Blaser. Da richtete sich Frau Ferdinand mühsam auf und rief: Bei mir wird es hoffentlich nicht mehr dazu kommen!

Vor vier Tagen hatte ich meine Tasche gepackt. Ich hatte meinen Pyjama zusammengelegt, das Necessaire genommen und das Handtuch vom Wäscheständer. Ich hatte auf den Zettel gesehen – Information 1, Patienten und Angehörige: Kleidung für Untersuchungen außerhalb des Pavillons. Ihr Krankenhausteam, hatte in der Ecke darüber gestanden. Ich hatte nach einer Jacke gegriffen. Dann hatte ich mein Heft vom Schreibtisch genommen, obenauf gelegt und den Reißverschluss der Tasche zugezogen. Die Mappe mit den Befunden für die Operationsfreigabe hatte ich unter den Arm geklemmt. In der Untergrundbahn hatte ich im Fenster das Spiegelbild nicht aus den Augen gelassen. Ich war in die Straßenbahn gewechselt, einige Stationen später ausgestiegen, hatte das Pförtnerhäuschen passiert und war zur Aufnahme gegangen. Nachdem meine Daten aufgenommen worden waren, hatte ich den Park durchquert. Ich war an der geriatrischen Abteilung vorbeigekommen, an der neurologischen und an der Augenabteilung. Pavillon VIII lag gegenüber, neben der Abteilung für Atmungs- und Lungenerkrankungen. Ich hatte Pavillon VIII betreten und auf den Lift gewartet. Die Aufzugstür war aufgegangen: Ein Aluminiumsarg hatte auf einem Rollwagen gestanden. Ich hatte gezögert. Bitte schön!, hatten die Männer gesagt. Die Tür hatte sich hinter mir geschlossen. Ich hatte von den Griffen zu den Rollen gestarrt, von den Rollen zu den Schließscharnieren, von den Schließscharnieren zu den abgerundeten Kanten. Die Tür hatte sich geöffnet. Auf Wiedersehen!, hatten die Männer gesagt. Ich war zur Anmeldung gegangen. Bei der Anmeldung hatte ich die Befunde für die Operationsfreigabe abgegeben. Sie haben Glück, hatte die Schwester gesagt, Sie sind jetzt nur noch zu viert. Ihr Bett muss aber erst frisch überzogen werden. Und sie hatte hinzugefügt: Doch bis Sie vom EKG zurückkommen, ist sowieso schon der Nachmittag um. Aha, hatte ich gesagt. Ja, hatte die Schwester geantwortet. Es ist Hochbetrieb und wir haben chronischen Personalmangel. Erst gegen Abend hatte ich mein zugewiesenes Bett im dritten Stock bezogen. Das Heft hatte ich als Erstes auf den Nachttisch gelegt.

Wir freuen uns über die Jugend, sagte die Frau links im Bett von mir, unterbrach ihr Kämmen und streckte mir die Hand entgegen: Ott mein Name. Ich sah auf die Altersflecken. Hier sieht man die Jugend nie. Mein Gesicht in ihrem Spiegel. Es ist halt so, sagte Frau Ott – Nehmen Sie doch mein Ananaskompott! –, man wird nicht mehr jung. Man wird operiert, aber nicht mehr jung. Ich sah auf ihr strahlendes Gebiss. Die Frau rechts im Bett von mir schüttelte den Kopf und sagte: So ein Küken – und schon im Altersheim, dachte ich. Und schon auf der Herzstation, sagte sie. Ich wusste nicht, was ich antworten sollte. Ich antwortete: Ich bin schon dreißig. Was? Frau Blaser hört schlecht, flüsterte Frau Ott. Ich bin schon dreißig!, sagte ich lauter. Was? Frau Blaser hob eine Hand ans Ohr und formte sie zu einem Trichter. Ich schrie: Schon dreißig! Frau Blaser winkte ab: Ein Küken! Frau Ott meinte zu Frau Blaser: Sie brauchen endlich ein anständiges Hörgerät! Und an mich gewandt in normaler Lautstärke: Hören ist so wichtig wie Sehen, hat die Mutti immer gesagt. Mein Mann, begann mir nun die schwerhörige Frau Blaser zu erzählen, der hat das Hörgerät vom russischen Minister getragen. Ach?, rief ich. Wenn mein Mann geschlafen hat – und er hat ja viel, weil er war ja krank –, dann hab auch ich das Hörgerät vom russischen Minister tragen dürfen. Mein Mann hat immer gesagt, ein Hörgerät ist teuer. Sicher!, schrie ich. Der russische Minister war ja bestimmt kein armer Mann. Sicher nicht!, schrie ich. Vor einem Jahr, begann im anderen Bett Frau Ott zu erzählen, bin ich im Pavillon vis-à-vis gelegen. Hinüberwinken könnte ich jetzt. Frau Ott zeigte zu den hell erleuchteten Fenstern gegenüber. Die winken nicht herüber. Die wissen, dass wir bald die Fliege machen. Da winkt man nicht. Winken Sie doch einmal! Ich? Frau Ott sah mich auffordernd an. Ich hob meine Hand und machte eine Bewegung, wie um die Fliege zu verscheuchen. Die winken nicht zurück, habe ich es nicht gesagt!, Frau Ott triumphierend. Die sehen uns doch gar nicht, murmelte ich. Die fürchten sich, meinte Frau Ott und rückte ihr Kissen zurecht. Am grauen Star, daran stirbt man nicht. Oder haben Sie schon einmal gehört, dass jemand am grauen Star? Nein, sagte ich. Ich bin ja auch nicht gestorben. Ja, sagte ich. Mit dem Hörgerät vom russischen Minister – ich drehte meinen Kopf zum anderen Bett – bin ich zum Fleischer. Zum Supermarkt bin ich auch mit dem Hörgerät. Auch zum Supermarkt?, fragte ich laut. Als sie mich aus der Augenstation entlassen haben, sagte Frau Ott von links, da bin ich zu Hause gleich ans Fenster. Mit dem Gucker und dem Autonummernheft. Im Supermarkt, Frau Blaser wieder, gibt es auch Fleisch. Mein Mann wollte aber nur Frischfleisch. Nur Frischfleisch? Alle Autonummern konnte ich wieder lesen, alle!, freute sich Frau Ott. Schön, sagte ich. Und raten Sie, woher das erste Auto gekommen ist, das vorbeigefahren ist? Woher?, fragte ich. Aus meinem Geburtsort! Das gibt es ja nicht, erwiderte ich. Koteletts habe ich immer gekauft. Ich drehte den Kopf. Und Wurstanschnitt. Wurstanschnitt ist billiger. Stellen Sie sich das vor – meinem Geburtsort! Kaum aus dem Pavillon IX entlassen, schon ein Auto aus meinem Geburtsort! Das gibt es ja nicht, wiederholte ich. Frau Blaser zupfte von der anderen Seite an meinem Ärmel: Mit den Semmeln, der Milch, den Koteletts, dem Wurstanschnitt und dem Hörgerät des russischen Ministers bin ich dann zu meinem Mann. Fast gelaufen bin ich, auf dem Weg zurück. Denn wenn mein Mann aufgewacht ist und das Hörgerät nicht da gewesen ist, dann – Nach der Operation am grauen Star, sagte Frau Ott, und weil ich ein Auto aus meinem Geburtsort gesehen habe, bin ich zur Feier des Tages zum Optiker gegangen und habe mir eine neue Sonnenbrille gekauft! Da haben Sie Recht gehabt, sagte ich schwach. Mit der neuen Sonnenbrille und einem Tuch – Frau Ott tat so, als würde sie sich ein Tuch umbinden und eine Brille aufsetzen: Wie die Sophia Loren. Das glaube ich, murmelte ich. Wenn ich zu spät gewesen bin und mein Mann schon wach gewesen ist, Frau Blaser im anderen Bett, dann hab ich ihm schnell das Hörgerät aus meinem Ohr gegeben und gesagt: Entschuldigung. Entschuldigung, hab ich gesagt und da – Frau Blaser machte eine Handbewegung –, da ist das Hörgerät vom russischen Minister durch den Raum geflogen! Ich hob die Augenbrauen. Mein Mann, der war nicht mehr ganz richtig im Kopf, sagte Frau Blaser.

Die Frau Ferdinand, Frau Ott deutete mit dem Kinn auf das gegenüberliegende Bett, die Frau Ferdinand ist über der Schüssel eingeschlafen. Da war aller Wurstanschnitt umsonst. Alle frischen Semmeln: umsonst. Quer durch den Raum geflogen ist es, das Hörgerät!, rief Frau Blaser quer durch den Raum. Frau Ott drückte auf den roten Knopf. Die Tür ging auf. Eine Stimme wie die Gummisohlen auf dem Linoleum: Bitte? Frau Ott wies auf Frau Ferdinand. Die Schwester ging an das gegenüberliegende Bett und sagte: Nichts gekommen, Frau Ferdinand? Sie zog die Plastikpfanne unter Frau Ferdinands Knochen weg – ich sah auf die alte Scham – und ging hinaus. Wir sind doch unter uns!, rief mir Frau Ott nach. Ich lehnte mich gegen die Toilettentür. Achtung! Diese Toilette benützen auch Kranke! stand auf einem Schild.

Und es ist oft durch den Raum geflogen, das Hörgerät. Aber kaputtgegangen: nie, sagte Frau Blaser, als ich zurückkam. War ja schließlich vom russischen Minister. Ein russisches Kennzeichen ist auch einmal dabei gewesen, sagte Frau Ott. Das war ein schmutziges Auto. Gestochen scharf habe ich mit dem Gucker gesehen, wie schmutzig das war! Ein Winderl für die Nacht, meinte die Schwester zu Frau Ferdinand. Blaue Adern unter weißen Windeln. Weiße Windeln in der blauen Nacht. Jetzt bin ich wach, beschwerte sich Frau Ferdinand. Ich gebe Ihnen Passedan zum Einschlafen, sagte die Schwester und zählte Tropfen in ein Glas. Für mich auch ein Partisan!, drängte Frau Blaser. Ich will nichts mehr, der Teufel soll mich endlich holen, sagte Frau Ferdinand. Jetzt haben Sie doch gerade einen Bypass bekommen!, meinte die Schwester und reichte ihr das Glas. Ich brauche keinen Pass, erwiderte Frau Ferdinand, ich will sterben gehen. Sterben kommt von selbst, sagte die Schwester und schraubte das Fläschchen zu. Für mich auch ein Partisan!, bat Frau Blaser noch einmal. Passedan, Frau Blaser, Passedan, sagte die Schwester, verdrehte die Augen und schraubte das Fläschchen wieder auf.

Mein Mann, meinte Frau Blaser, nachdem die Schwester gegangen war, mein Mann war ein guter Mann. Nur schnell bös geworden ist er halt. Ich habe es satt, sagte Frau Ferdinand, und ihre Augen füllten sich, Tränen tropften aufs Bett – das Leben und das Warten. Denken Sie doch an Ihren Sohn, Frau Ferdinand!, meinte Frau Ott. Mein Sohn, sagte Frau Ferdinand und wischte sich über das Gesicht, der frühstückt nur noch eine Banane, seit er verlassen worden ist. Der Arme, meinte Frau Ott, verlassen und hungrig. Die junge Frau, weswegen ihn die alte verlassen hat, die will nicht, dass er so viel isst. Verlassen und hungrig, das wünsche ich keinem, Frau Ott voller Mitleid. Mein Mann, der war kein schlechter Mann, wiederholte Frau Blaser. Bös geworden ist er halt schnell.

Die Gummistrümpfe werde ich nicht mehr anziehen, dann sterbe ich wenigstens an einer Lungenembolie, sagte Frau Ferdinand. Wenn ich meine ausziehe – Frau Ott wandte sich an mich –, dann rieseln die Hautschuppen nur so herunter!, und sie machte sich gleich an den Gummistrümpfen zu schaffen. Schauen Sie! Unglaublich, sagte ich. Ich sah auf die Krampfadern. Aber die Lotionen heutzutage sind ja fantastisch. Ja, fantastisch, murmelte ich. Ziehen ruckzuck ein. Ruckzuck, ich tonlos. Frau Ott, wieder in den Strümpfen, begann sich erneut das schwarz gefärbte Haar zu kämmen. Mein Mann, der war kein schlechter Mann, Frau Blaser von vorn. Über den Spiegelrand machte mir Frau Ott ein Zeichen mit den Augen und flüsterte: Da ist sie wieder eingeschlafen, die Frau Ferdinand. Den Schlaf möchte ich haben! Frau Ferdinands Lider zuckten. Über Nacht ist der nicht mehr bös geworden, mein Mann, sagte Frau Blaser. Über Nacht hat der nicht mehr geredet. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, hat die Mutti auch immer gesagt, und Frau Ott klappte den Taschenspiegel zu. Ich nickte stumm. Und als mein Mann, rief Frau Blaser, und ihre Augen leuchteten, als der über Nacht nicht mehr aufgewacht ist, da hab ich das Hörgerät vom russischen Minister tragen können – ohne mich beeilen zu müssen! Heute haben wir gar nicht ferngesehen, so was!, sagte Frau Ott. Endlich, rief Frau Blaser mit geröteten Wangen, endlich hab ich das Hörgerät vom russischen Minister nicht mehr zurückgeben müssen! So was, gar nicht ferngesehen haben wir heute. Über Nacht ist mein Mann nicht mehr aufgewacht. Über Nacht hat es mir gehört! Weil wir uns so gut unterhalten haben, meinte Frau Ott. Ja, erwiderte ich. Ja. Aber gehört, sagte Frau Blaser rechts von mir, hab ich noch nie gut mit dem Hörgerät vom russischen Minister. Wir freuen uns sehr über die Jugend, sagte Frau Ott links von mir. Da denkt man sich, man selbst ist wenigstens alt geworden.

Vor dem Einschlafen hatte sich Frau Ott eingecremt und noch einmal einen Blick in den Taschenspiegel geworfen. Wer weiß, wer heute Nacht noch kommt, hatte sie gesagt. Kommt noch jemand?, hatte Frau Blaser gefragt und ihre Lampe kurz angeknipst. Frau Ferdinand hatte vor sich hin gesprochen: Ich brauche niemanden mehr. Nur für zwei Tage, hatte ich gedacht und meine Lampe ausgeschaltet. Im Notlicht hatte ich Frau Ott mit Kopfhörern gesehen und die Kassette leise surren gehört – Italienisch, hatte sie erklärt. Frau Blaser hatte von der letzten oder nächsten Quizsendung gesprochen. Frau Ferdinand mit sich selbst, ihre Stimme aufgebracht. Nur für zwei Tage. Buona notte.

Am Morgen darauf hatte mich die Schwester mit der Linoleum-Stimme geweckt: Sie müssen das -Hemd anziehen, hatte sie gesagt und es auf den Stuhl neben meinem Bett gelegt. Eine andere hatte gesagt: Für die elektrophysiologische Untersuchung müssen Sie auch die Unterhose ausziehen, und hinzugefügt: Wir kommen in zehn Minuten wieder. Zehn Minuten für das Anlegen eines offenen Hemdes und das Hinaussteigen aus einer Unterhose, dachte ich und schlüpfte aus ihr so langsam wie ich nur konnte. Frau Ott, Frau Blaser und Frau Ferdinand sahen mir zu. Erwarten Sie einen Sprintrekord?, dachte ich und starrte zurück. Frau Ott lächelte mich an: Gut geschlafen? Ich habe Sie schnarchen gehört, rief Frau Blaser. Sie mich? Was? Frau Blaser hört doch schlecht, sagte Frau Ott. Fünf Minuten sind schon längst vorbei, dachte ich und sah zur Tür. Er ist auf den Boden gefallen, sagte Frau Ott. Ich sah sie verständnislos an. Wie bitte? Ihr Schlüpfer– und sie wollte schon mit dem Stock meine Unterhose fischen. Frau Blaser schaute gebannt auf den Stock. Ich habe von Dr.Winter geträumt, sagte da Frau Ferdinand, so laut, dass es Frau Blaser auch hören konnte. Frau Ott und Frau Blaser ließen augenblicklich von meiner Unterhose ab. Na also, sagten sie, es interessiert Sie doch nicht nur der Teufel!

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