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Zentrales Ziel des Unterrichts in der Schuleingangsstufe ist das Vermitteln der Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen. Verschiedenen Untersuchungen zufolge weisen inzwischen etwa 10% der Erstklässler während dieses Prozesses einen erheblichen Förderbedarf auf. Die Förderung zu Schulbeginn ist besonders wichtig, weil sich frühe Leistungsrückstände im Anfangsunterricht dramatisch auf die weiteren schulischen Lernprozesse auswirken. Das Buch informiert über Ursachen kindlicher Lernschwierigkeiten, Früherkennung und bewährte Konzepte einer wirksamen Förderung. Hierbei geht es auch um die Vermittlung psychologischen Wissens zur Verbesserung der Lernvoraussetzungen bei den Kindern (etwa im Bereich der Wahrnehmung, der Motivation und der Aufmerksamkeit). Zu jedem Bereich der Förderung werden Beispiele für sinnvolle Übungen mit den Kindern gegeben, wobei alle Übungsformen wissenschaftlich fundiert und in der Praxis erprobt sind.
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Seitenzahl: 524
Veröffentlichungsjahr: 2010
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Zentrales Ziel des Unterrichts in der Schuleingangsstufe ist das Vermitteln der Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen. Verschiedenen Untersuchungen zufolge weisen inzwischen etwa 10% der Erstklässler während dieses Prozesses einen erheblichen Förderbedarf auf. Die Förderung zu Schulbeginn ist besonders wichtig, weil sich frühe Leistungsrückstände im Anfangsunterricht dramatisch auf die weiteren schulischen Lernprozesse auswirken. Das Buch informiert über Ursachen kindlicher Lernschwierigkeiten, Früherkennung und bewährte Konzepte einer wirksamen Förderung. Hierbei geht es auch um die Vermittlung psychologischen Wissens zur Verbesserung der Lernvoraussetzungen bei den Kindern (etwa im Bereich der Wahrnehmung, der Motivation und der Aufmerksamkeit). Zu jedem Bereich der Förderung werden Beispiele für sinnvolle Übungen mit den Kindern gegeben, wobei alle Übungsformen wissenschaftlich fundiert und in der Praxis erprobt sind.
Prof. Dr. Bodo Hartke und Prof. Dr. Katja Koch lehren an der Universität Rostock mit den Schwerpunkten Lernbehindertenpädagogik bzw. Frühe Sonderpädagogische Entwicklungsförderung. Prof.Dr. Kirsten Diehl lehrt am Institut für Sonderpädagogik der Universität Flensburg.
Bodo Hartke/Katja Koch/ Kirsten Diehl (Hrsg.)
Förderung in der schulischen Eingangsstufe
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978-3-17-022862-7
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978-3-17-027784-7
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978-3-17-027785-4
Vorwort
I Zentrale Aspekte des Anfangsunterrichts
Lernen fördernBodo Hartke
1 Einführung
2 Lernen und Gedächtnis
3 Zur Entwicklung von Wissen
4 Erkennen von besonderem Förderbedarf beim schulischen Lernen
4.1 Verhaltensbeobachtung im Unterricht
4.2 Gespräche
4.3 Tests, standardisierte und normierte Fragebögen sowie Schätzskalen
5 Unterrichtsintegrierte und außerunterrichtliche Förderung
5.1 Unterrichtsintegrierte Förderung
5.2 Förderung außerhalb des Unterrichts
6 Schlussbemerkung
Lesen- und SchreibenlernenKirsten Diehl
1 Einleitung
2 Der Prozess des Schriftspracherwerbs
2.1 Entwicklung und Bedingungen des Schriftspracherwerbs
2.2 Zum Zusammenhang zwischen gesprochener und geschriebener Sprache
2.3 Theorien zum Wortlesen
2.4 Modelle zur Schriftsprachentwicklung
3 Leselehr- und Leselernkonzepte im Vergleich
3.1 Der Kieler Leseaufbau
3.2 Lesen durch Schreiben
3.3 Analytisch-synthetische Fibellehrgänge
3.4 Fazit
4 Diagnostische Verfahren
4.1 Das Inventar zur Erfassung der Lesekompetenzen von Erstklässlern (IEL-1) – Konzeption und Aufbau
4.2 Die Hamburger Schreibprobe (HSP 1–9)
5 Förderkonzepte
5.1 Wort, Silbe, Anfangslaut erkennen und Laut-Buchstabensicherheit erlangen
5.2 Wörter sammeln und einprägen, Wörter untersuchendie morphematische Strategie entfalten
6 Schlussfolgerungen
Mathematisches LernenKatja Koch & Eva Knopp
1 Einführung
2 Dyskalkulie, Rechenstörung oder Rechenschwäche?
3 Modelle und Annahmen zum Erwerb erster arithmetischer Kenntnisse
3.1 Das Entwicklungsmodell früher mathematischer Kompetenzen nach Krajewski und Schneider (2006)
3.2 Das Entwicklungsmodell nach Fritz, Ricken und Gerlach (2007)
4 Die Entstehung von Schwierigkeiten beim Erwerb mathematischer Kompetenzen
5 Erkennen von Schwierigkeiten beim Erlernen mathematischer Kompetenzen
5.1 Standardisierte Testinstrumente
5.2 Informelle Verfahren
5.3 Verfahren zur Dokumentation des Lernverlaufs
6 Förderung des Erwerbs mathematischer Kompetenzen
6.1 Spezifische Förderprogramme
6.2 Unterrichtsimmanente Förderung
7 Fazit
II Schülerzentrierte Förderung
Visuelle und auditive WahrnehmungMichaela Greisbach
1 Einführung und Begriffsbestimmungen
1.1 Wahrnehmung
1.2 Wahrnehmungsmodalitäten
1.3 Normaler Entwicklungsverlauf
2 Wahrnehmungsstörungen
2.1 Störungen der Wahrnehmung
2.2 Auswirkungen
2.3 Wahrnehmungsstörungen und die soziale Entwicklung
2.4 Ursachen
3 Diagnostik
3.1 Normierte Testverfahren
3.2 Informelle Testverfahren
4 Förderung
4.1 Trainingsprogramme
4.2 Integrierte Förderung im Unterricht
DenkenKatja Scheffler & Matthias Grünke
1 Einführung und Begriffsbestimmung
2 Entwicklung des Denkens bei Kindern
3 Entstehung von Schwierigkeiten im Denken
4 Erkennen von Schwierigkeiten im Denken
5 Förderung von Kindern mit Schwierigkeiten im Denken
6 Denkförderung und Motivationsförderung
Sprache und SprechenSusanne Nußbeck
1 Einführung
2 Sprachentwicklung
3 Ursachen für Auffälligkeiten in der Sprache
4 Erkennen von Auffälligkeiten in der Sprache
5 Sprachförderung in Kindergarten und Schule
6 Fazit
Phonologische Bewusstheit – eine notwendige Voraussetzung des SchriftspracherwerbsGerd Mannhaupt
1 Einführung
2 Anforderungen an den frühen Leser und Schreiber
3 Lernvoraussetzungen für den Schriftspracherwerb
4 Die Entwicklung von Lesen und Schreiben
5 Ursachen für – oder die Entwicklung von – Lese-Rechtschreibschwierigkeiten
6 Diagnostik der Lernvoraussetzungen und der Entwicklung des frühen Lesens und Schreibens
6.1 Nichtstandardisierte Verfahren und Vorgehensweisen
6.2 Rundgang durch Hörhausen
6.3 Gruppentest zur Früherkennung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten
6.4 Münsteraner Screening
6.5 Lese- und Schreibdiagnostik im ersten Grundschuljahr
7 Förderung der Lernvoraussetzungen und der Entwicklung des frühen Lesens und Schreibens
7.1 Hören, lauschen, lernen
7.2 Lesen und Schreiben lernen mit der Hexe Susi
7.3 Münsteraner Trainingsprogramm
7.4 Förderung im Unterricht
Motivation und InteresseJohann Borchert
1 Einführung und Begriffsbestimmungen
2 Entwicklung der (Leistungs-)Motivation bei Kindern
3 Erkennen von fehlender (Leistungs-)Motivation
4 Pädagogische und therapeutische Förderung der (Leistungs-)Motivation
4.1 Indirekte Förderung in der Schule
4.2 Direkte Förderung
4.3 Förderung im Elternhaus
AufmerksamkeitsförderungStephan Ellinger
1 Einführung und Begriffsbestimmung
2 Aufmerksamkeitsstörungen erkennen: Erscheinungsbild und Diagnose
3 Aufmerksamkeitsstörungen in der Schule: Formen und Ursachen
4 Aufmerksamkeitsförderung in der Schule: Möglichkeiten und Grenzen
4.1 Durchbrechen der Teufelskreise mithilfe von Trainingsprogrammen
4.2 Aufmerksamkeitsförderung durch Neurofeedback
4.3 Lehr- und Lerntipps für aufmerksamkeitsgestörte Kinder in der Schule
III Umfeldzentrierte Förderung
Klassenführung – Classroom ManagementThomas Hennemann & Clemens Hillenbrand
1 Einführung und Begriffsbestimmung
2 Empirische Befunde zur Wirksamkeit eines effektiven Classroom Management
3 Prinzipien eines effektiven Classroom Managements
3.1 Proaktive Kriterien eines effektiven Classroom Managements
3.2 Reaktive Kriterien eines effektiven Classroom Managements
4 Classroom Management bei Verhaltensstörungen
5 Einbettung des Classroom Managements in ein Gesamtkonzept „Präventive Schule“
Bindungsgeleitete schulische InterventionenHenri Julius
1 Einführung
2 Kurze Einführung in die Bindungstheorie
3 Eltern-Kind-Bindung und Lehrer-Schüler-Beziehung
4 Interventionen
5 Resumee
Gewalt gegen Kinder – wie Lehrer helfen könnenKatharina Ehlers & Bodo Hartke
1 Einführung
2 Formen der Gewalt gegen Kinder
2.1 Körperliche Misshandlung
2.2 Kindesvernachlässigung
2.3 Sexueller Missbrauch
3 Gewalt gegen Kinder – was kann ich für betroffene Schüler tun?
3.1 Vorschläge für das Vorgehen beim Verdacht auf Gewalt gegen Kinder
3.2 Hilfs- und Informationsangebote
4 Schlussbemerkung
Autorenverzeichnis
Sachregister
Das zentrale Ziel des Unterrichts in der Schuleingangsstufe ist das Vermitteln der Kulturtechniken. Um Kinder mit Lernschwierigkeiten beim Erlernen dieser effektiv zu unterstützen, benötigt man fundiertes didaktisch-methodisches Wissen. Kinder haben allerdings häufig nicht nur isolierte Schwierigkeiten beim Lesen-, Schreiben- und Rechnenlernen, sondern ihr Schulerfolg hängt ebenso von der Ausprägung individueller Personenmerkmale wie Intelligenz, Aufmerksamkeit, Motivation, Wahrnehmungsfähigkeit u.a. ab. In Situationen, in denen einzelne der genannten Merkmale bei Kindern ungünstig entwickelt sind und erste Lernrückstände vorliegen, sind Lernhilfen hilfreich, wenn es gelingt, Kinder in mehreren betroffenen Bereichen gleichzeitig zu fördern. So ist bei einem Kind, das Schwierigkeiten in der Zahlbegriffsbildung und eine geringe Aufmerksamkeit aufweist, eine Förderung sinnvoll, die Übungen zur Menge-Zahl-Zuordnung mit einer Aufmerksamkeitsförderung verbindet. Lernhilfen sollten also neben den konkreten Schwierigkeiten individuelle Bedingungen des Lernrückstandes eines Kindes berücksichtigen. Zudem müssen Lernhilfen eine möglichst hohe Effektivität aufweisen, das heißt, die Förderung muss, bezogen auf die zu fördernde Fähigkeit, wirksam sein.
In vielen Humanwissenschaften, insbesondere in der Medizin und Psychologie, findet man recht genaue Angaben darüber, welche Therapien oder Behandlungen effektiv im Sinne von wirksam sind. Solcherart Daten werden empirisch ermittelt, d.h. mittels Versuchsreihen, in denen die Wirksamkeit von Behandlungen systematisch untersucht wird. Mittlerweile ordnet man beispielsweise in der Medizin jede Therapie anhand von Kriterien Qualitätsstufen zu. Nur Behandlungen, die sich in zahlreichen methodisch solide ausgeführten Studien als wirksam erwiesen, gelten als „bewährt“. Als Kriterium für den Bewährungsgrad einer Methode, für ihre Zuordnung zu einer Qualitätsstufe, gelten Anzahl und Qualität dieser Effektivitätsnachweise. Ziel ist es, in der Praxis nur Therapien und Behandlungen mit einem möglichst hohen Bewährungsgrad einzusetzen.
In der Pädagogik unterließ man es über viele Jahre, Konzepte, Verfahren und Methoden hinsichtlich ihrer Wirksamkeit vergleichend zu untersuchen, obwohl die Forderung, die Effekte unterschiedlicher Konzepte datenbasiert zu vergleichen, gerade auch für die Pädagogik gelten sollte. Weshalb es bisher weitgehend unterblieb, die Wirksamkeit von neuen pädagogischen Förderansätzen oder -materialien – möglichst bereits vor ihrem Einsatz in der Schule – im Vergleich mit bisher verwendeten Vorgehensweisen und Materialien zu untersuchen, erschließt sich eher aus der Tradition der Erstellung solcher Materialien und dem hohen Aufwand einer von Evaluationsprozessen begleiteten Entwicklung von Materialien als aus Vernunftgründen. Woran kann man nun aber als Lehrerin oder Lehrer erkennen, was besonders gute Förderkonzepte und -materialien sind, wenn keine oder nur wenige „harte Daten“ über die Effekte von Förderansätzen und -materialien vorliegen?
In diesem Buch stellen die Autorinnen und Autoren diejenigen Theorien, Modelle, Konzepte und Materialien vor, die aufgrund von empirischen Forschungsergebnissen als bewährt anzusehen sind. Teilweise muss es, aus den oben genannten Gründen, bei der Vorstellung von erfahrungswissenschaftlich basierten Theorien, Modellen oder Konzepten bleiben, ohne dass bereits in der Praxis erhältliche wissenschaftlich bewährte Fördermaterialien empfohlen werden können. Es wurden dann also „nur“ die erfahrungswissenschaftlich bewährtesten Modellvorstellungen dargestellt und dazu passende Methoden und Materialien beschrieben, die zudem als praxistauglich eingeschätzt wurden. Aussagen zur Organisation der Schuleingangsstufe kommen in dem Buch nicht vor, hierzu liegen gegenwärtig keine aussagekräftigen Forschungsergebnisse vor. Die Beiträge beziehen sich ausschließlich auf die Inhalte von Förderung.
Die Herausgeberinnen und der Herausgeber dieses Buches bitten die Leserin und den Leser, die in dem Buch zusammengetragenen Informationen bei der Planung ihrer praktischen Arbeit zu berücksichtigen, wohlwissend, dass praktische Förderentscheidungen letztlich Ermessensentscheidungen in Anbetracht von wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfordernissen sind.
Das in diesem Buch vermittelte praxisnahe Wissen soll Lehrkräfte als pädagogische Expertinnen und Experten mit den Informationen versorgen, die nach neuesten Erkenntnissen ein wirksames Handeln unterstützen. Aufgrund der Vielzahl von Bedingungen, die das Lernen und Verhalten von Kindern beeinflussen, gibt es in pädagogischen Problemsituationen meist nicht eine einzelne offensichtliche Lösung. Stattdessen verlangt die Praxis gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer mit Praxiserfahrungen, die
die jeweilige Ist-Lage, die pädagogische Situation beschreiben und analysieren,
Ziele aufstellen und in eine Abfolge bringen,
sich in Anbetracht der Ist-Lage und der avisierten Ziele für einen Förderansatz entscheiden und Verfahren und Materialien auswählen sowie deren Einsatz planen und
ihre Förderung evaluieren.
Gerade der letztgenannte Aspekt wird in der heutigen Fachdiskussion als immer bedeutsamer in Förderprozessen angesehen. Denn sollte sich bei der Evaluation der Förderung zeigen, dass keine oder nur nicht ausreichende Lern- oder Verhaltensfortschritte erzielt wurden, führt diese Information zu einer kritischen Reflektion der bisherigen Förderung mit der Chance, besser geeignete Methoden zu finden.
Wie es nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen am besten gelingt, Lernfortschritte zu erkennen, wird in den Kapiteln über Lese-, Rechtschreib- und Rechenförderung dargestellt. Lernfortschritte gelten mittlerweile aber auch als gute Indikatoren für Fördererfolge in Bereichen wie Motivation, Aufmerksamkeit oder im Umfeld des Kindes. Gelingt es beispielsweise, die Hausaufgabensituation eines Kindes deutlich zu verbessern, wird sich dies vermutlich nach einigen Wochen in den Schulleistungen des Kindes niederschlagen.
Beim Schreiben der Texte orientieren sich die Autorinnen und Autoren an folgenden Kriterien:
Praxisrelevanz des Inhalts und praxisnahe Darstellung mit möglichst prägnanten Beispielen,
wissenschaftliche Bewährung der Inhalte (die vermittelten Inhalte beruhen auf empirischen Forschungsergebnissen mit Beweiskraft, Ausschluss von Konzepten, die vorwiegend auf Behauptungen – so plausibel sie auch klingen – beruhen),
Verständlichkeit der Darstellung,
logische Struktur des Inhalts, klare Begriffsbestimmungen und Aussagen über Modellannahmen und inhaltlich darauf aufbauende Vorschläge für die Arbeit in der Schule.
Zudem wurde versucht, das Buch durch wiederkehrende Strukturmerkmale der Texte (wie Kästen mit Praxisbeispielen sowie Angaben zu weiteren, die Inhalte vertiefenden Informationsquellen) sowie ein Sachwortregister möglichst handhabbar zu gestalten.
In diesem Buch geht es neben der Lese-, Schreib- und Rechenförderung in der Schuleingangsphase ebenso um Möglichkeiten zur Verbesserung von allgemeinen Lernvoraussetzungen bei Kindern. Zu diesen zählen u. a. Wahrnehmung, Denken, Motivation, Aufmerksamkeit, Gedächtnis sowie Sprache und Sprechen. Darüber hinaus sollen auch Möglichkeiten zur Beeinflussung von Umfeldmerkmalen wie z. B. der Lehrer-Schüler-Beziehung betrachtet werden. Dem entsprechend gliedert sich das Buch in drei Bereiche:
Zentrale Aspekte des Anfangsunterrichts,
Schülerzentrierte Förderung,
Umfeldzentrierte Förderung.
Ausgehend von förderungsrelevanten Modellvorstellungen über Lernen und Gedächtnis sowie die Entwicklung von Wissenssystemen informiert Bodo Hartke in seinem Beitrag Lernen fördern über Möglichkeiten des Erkennens von besonderem Förderbedarf sowie unterrichtsintegrierte und außerunterrichtliche Förderung.
Kirsten Diehl setzt sich mit dem Prozess des Lesen- und Schreibenlernens auseinander. In ihrem Beitrag werden Theorien und Modelle zum Schriftspracherwerb vorgestellt, eine vergleichende Analyse von drei Leselehrgängen vorgenommen sowie diagnostische Verfahren und wirksame Förderkonzepte für den Schriftspracherwerb vorgestellt.
Neben dem Lesen- und Schreibenlernen kommt gerade dem Erwerb mathematischer Kompetenzen im Anfangsunterricht ein hoher Stellenwert zu. Mit Modellen und Annahmen über den Erwerb erster arithmetischer Kenntnisse sowie mit darauf basierenden diagnostischen Verfahren setzen sich Katja Koch und Eva Knopp auseinander. Auf dieser Grundlage stellen sie ausgewählte Förderprogramme und deren Evidenz vor.
Ausgehend von einer begrifflichen Klärung informiert Michaela Greisbach in ihrem Beitrag über Wahrnehmungsmodalitäten, Störungen der Wahrnehmung und deren Auswirkungen für Kinder. Bei Störungen der Wahrnehmung ist von multifaktoriellen Erklärungsansätzen auszugehen. In prägnanter Weise erläutert die Autorin einzelne Bedingungsfaktoren und informiert über eine Reihe diagnostischer Verfahren, Trainingprogramme und Möglichkeiten der integrierten Förderung im Unterricht.
Der Beitrag von Johann Borchert fasst in prägnanter Form die umfassenden Forschungsergebnisse über die Entwicklung und Förderung von Motivation und von Interessen zusammen. Ihm gelingt es zudem sehr überzeugend, die entscheidenden Ansatzpunkte zur Förderung von Motivation und Interessen in der Schule zu benennen.
Mit der Entwicklung von Aufmerksamkeit sowie Aufmerksamkeitsstörungen beschäftigt sich Stephan Ellinger. Er beschreibt mittels anschaulicher Beispiele die Formen und Ursachen von Aufmerksamkeitsstörungen in der Schule und zeigt, unter Einbeziehung der neuesten Förderkonzepte und -programme, Möglichkeiten und Grenzen der Aufmerksamkeitsförderung im Schulalltag auf.
Kinder mit Sprachentwicklungsrückständen tragen ein großes Risiko für vielfältige Störungen ihrer kognitiven, sozial-emotionalen und schulischen Entwicklung. Der Beitrag von Susanne Nußbeck thematisiert dieses Problem und stellt zunächst die Sprachentwicklung sowie Ursachen für Auffälligkeiten im Sprachgebrauch dar. Danach werden exemplarisch diagnostische Verfahren sowie eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Sprachförderung beschrieben. Insbesondere wird dabei auf Kinder mit Migrationshintergrund eingegangen.
Mit Voraussetzungen des Schriftsprachserwerbs, insbesondere der Förderung der phonologischen Bewussheit setzt sich Gerd Mannhaupt auseinander. Er stellt neben diagnostischen Methoden auch die gerade in den letzten Jahren entstandenen Förderprogramme zur Verbesserung der Lernvoraussetzungen für den Schriftspracherwerb vor.
Wenn Lehrerinnen und Lehrer neben Wissen und Fertigkeiten auch die Denkfähigkeit von Kindern weiter entwickeln wollen, helfen ihnen dabei Forschungsergebnisse über logisches Schließen, Problemlösen und kreatives Denken. Katja Scheffler und Matthias Grünke berichten in ihrem Beitrag über Denken sehr differenziert und unterrichtsnah über pädagogische Handlungsmöglichkeiten zur Unterstützung von Denkprozessen.
Thomas Hennemann und Clemens Hillenbrand zeigen in ihrem Aufsatz über Classroom Management sehr überzeugend die Relevanz einer planvoll gestalteten Klassenführung als günstige Entwicklungsbedingung für alle Schülerinnen und Schüler und insbesondere für Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten auf. Sie machen deutlich, was letztlich ein gutes Classroom Management ausmacht und benennen sehr klar die entscheidenden Prinzipien einer erfolgreichen Klassenführung.
Dass es kein Handeln ohne eine zugrunde gelegte Theorie geben kann, wird sehr überzeugend von Henri Julius herausgestellt. Auf der Grundlage der Bindungstheorie geht er Fragen zur Lehrer-Schüler-Beziehung nach. Er skizziert pädagogische Strategien, die aus der Bindungstheorie abgeleitet wurden und bietet damit konkrete Hinweise, wie die Lehrer-Schüler-Beziehung trotz ungünstiger Bindungserfahrungen der Kinder gestaltet werden kann, um erfolgreiches pädagogisches Handeln zu ermöglichen.
In dem Beitrag Gewalt gegen Kinder – wie Lehrer helfen können sprechen Katharina Ehlers und Bodo Hartke oft eher sprachlos machende Probleme an: Körperliche Misshandlung, Kindesvernachlässigung und sexuellen Missbrauch. Sie berichten über Probleme des Erkennens von Gewalt gegen Kinder und beschreiben die genannten Formen der Kindesmisshandlung sowie deren Auswirken. Abschließend wird ein Handlungskonzept vorgestellt, welches beim Verdacht auf Kindesmisshandlung zum Einsatz kommen soll.
Ob und inwieweit es gelungen ist, ein gleichzeitig wissenschaftliches und praxisnahes sowie verständliches Buch über Fördermöglichkeiten in der Schuleingangsphase zu schreiben und herauszugeben, müssen letztlich Sie als Leserin und Leser entscheiden.
Bodo Hartke
Katja Koch
Kirsten Diehl
Bodo Hartke
In der Schuleingangsstufe bewältigen Kinder eine umfangreiche Anzahl von schwierigen Entwicklungsaufgaben sowie komplexen Lernprozessen. Innerhalb der ersten Schuljahre entstehen bzw. vervollständigen sich in beeindruckender Weise Umweltwissen, Fertigkeiten im Umgang mit Materialien, Sprachverständnis, soziale Kompetenzen, Lese-, Schreib- und Rechenkompetenz. Empirische Forschungsergebnisse – insbesondere Erkenntnisse aus Längsschnittstudien – sprechen dafür, sich in Theorie und Praxis besonders intensiv mit Lernprozessen innerhalb der Schuleingangsphase auseinanderzusetzen. Es zeigte sich in vielfältigen Untersuchungen, dass Lücken in den primär schulisch vermittelten Wissens- und Fertigkeitssystemen leider oft nicht in den weiteren Schuljahren geschlossen werden, sondern Kinder, die deutliche Schwierigkeiten bei der Bewältigung von Anforderungen der ersten beiden Schuljahre aufweisen, noch schwerwiegendere Schulleistungsrückstände in darauf folgenden Klassenstufen entwickeln (s. hierzu insbesondere die Beiträge von Diehl und von Koch und Knopp in diesem Buch). Klassenwiederholungen helfen diesen Kindern meist nur kurzfristig (Bless, Schüpbach & Bonvin, 2005), was relativ einfach zu erklären ist. Analysiert man die Lernschwierigkeiten von Kindern genauer, die in dritten, fünften oder sechsten Klassen scheitern, stößt man meist auf Lücken, die Lerninhalte der ersten beiden Schuljahre betreffen. Eine Wiederholung beispielsweise der dritten Klassenstufe führt dann also nicht dazu, dass ein Kind in den Bereichen gefördert wird, in denen Lücken bestehen, sondern das Kind wird erneut überfordert, meist mit dramatischen Folgen für die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten, die Motivation, das Selbstwertgefühl und oft auch das Sozialverhalten des Kindes.
Im Fokus einer aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigenden Förderpädagogik – hier verstanden als eine gemeinsame Aufgabe von Grundschullehrkräften und Sonderpädagogen sowie weiteren Spezialisten – stehen folglich
ein Anfangsunterricht, der darauf ausgerichtet ist, Lernrückstände zu vermeiden,
Verfahren der Früherkennung von ungünstigen Lernvoraussetzungen, von Leistungsrückständen und damit von besonderem Förderbedarf,
unterrichtsergänzende Förderprogramme, welche im Anfangsunterricht vorkommende Kompetenzdefizite deutlich mindern und bestenfalls beseitigen sowie
Möglichkeiten der Förderung betroffener Kinder in Kooperation mit dem Elternhaus.
In diesem Beitrag über Grundsätze der Förderung in der Schuleingangsphase geht es vorrangig darum, wie gegenwärtig Lernen und gestörte Lernprozesse wissenschaftlich beschrieben und erklärt werden. Spezifische Erkenntnisse über Möglichkeiten der Vermittlung und Steigerung von Lese-, Rechtschreib- und Rechenkompetenz sowie der Förderung von lernrelevanten Personenmerkmalen wie beispielsweise Aufmerksamkeit, Motivation oder phonologische Bewusstheit sind in der Praxis in Zusammenhang mit allgemeinen Erkenntnissen über Lernen und Lehren zu bringen, um den Lernbedürfnissen von Kindern mit besonderen Entwicklungsrisiken gerecht zu werden. Um dies zu erleichtern, werden im Folgenden
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