Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Forschungsinstitut für Unternehmenssicherheit und Sicherheitswirtschaft (FORSI) Das Forschungsinstitut für Unternehmenssicherheit und Sicherheitswirtschaft (FORSI) hat seine Arbeit an der Hochschule der Akademie der Polizei Hamburg auch im Jahre 2022 kontinuierlich fortgesetzt. Diese Arbeit schlägt sich auch im Jahresband 2022 nieder. Im Fokus: Veranstaltungsschutz Teil 1 enthält die Ergebnisse der 2. FORSI-Sicherheitstagung 2022 zum Veranstaltungsschutz bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 und zur Neuausrichtung von Veranstaltungsordnungs- und Veranstaltungssicherheitsdiensten. Im Mittelpunkt: UEFA EURO 2024 Bei der UEFA EURO 2024 stellt sich nicht nur in den Fußballstadien, sondern auch im Rahmen der zahlreichen »Public Viewing Events« die Herausforderung einer effektiven Sicherheitsgewährleistung, zu der auch die Hygienegewährleistung zählt. Welche Anforderungen bestehen an ein Sicherheitskonzept und wie kann die Kooperation zwischen allen öffentlichen und privaten Beteiligten optimal ausgestaltet werden? Zusammenarbeit öffentlicher und privater Akteure Im Rahmen der Tagung wurden die Bedeutung der guten Zusammenarbeit öffentlicher und privater Akteure beim Veranstaltungsschutz sowie der Handlungsbedarf des Gesetzgebers hinsichtlich einer Neuordnung von Veranstaltungsordnungs- und Veranstaltungssicherheitsdiensten unter Berücksichtigung der praktischen Bedürfnisse und der Belange der öffentlichen wie privaten Sicherheit deutlich. Einige der Grußworte/Vorträge sind nun in diesem Tagungsband verfügbar. Sie fassen die verschiedenen Aspekte der Tagung zusammen und skizzieren Lösungsmöglichkeiten. Im Zentrum: Das neue Sicherheitswirtschaftsgesetz Der 2. Teil des Bandes befasst sich mit dem neuen Sicherheitswirtschaftsgesetz und dokumentiert die Ergebnisse des 2. FORSI-Expertenworkshops 2022. Die Regierungsparteien planen eine Neuregelung des Rechts der privaten Sicherheitsdienste. Auf dem 2. FORSI-Expertenworkshop am 30. März 2022 haben sich rund 20 Experten aus Wissenschaft und Praxis zu einem möglichen neuen Sicherheitswirtschaftsgesetz bzw. Sicherheitsgewerbegesetz oder auch Sicherheitsdienstleistungsgesetz ausgetauscht. Aktuelle Entwicklungen und FORSI-Gesetzentwurf Ein Beitrag fasst alle Aspekte des Workshops sowie die Lösungsmöglichkeiten und die Fortentwicklung des Sicherheitswirtschaftsgesetzentwurfs zusammen; ergänzt um die passgenaue aktuelle Fassung des FORSI-Entwurfs eines Sicherheitswirtschaftsgesetzes, der auch Erkenntnisse aller FORSI-Veranstaltungen aus 2022 berücksichtigt. Empfehlenswert für Private Sicherheitswirtschaft Polizeibehörden Innenministerien Beschäftigte im Bereich der inneren Sicherheit Politikerinnen und Politiker im Bereich der inneren Sicherheit
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 154
Veröffentlichungsjahr: 2023
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
FORSI-Jahresband 2022
Veranstaltungsschutz bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 und Neuausrichtung von Veranstaltungsordnungs- und Veranstaltungssicherheitsdiensten Neues Sicherheitswirtschaftsgesetz
herausgegeben von
Prof. Dr. Sven Eisenmenger
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek | Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.
Print ISBN 978-3-415-07380-7 E-ISBN 978-3-415-07382-1
© 2023 Richard Boorberg Verlag
E-Book-Umsetzung: Datagroup int. SRL, Timisoara
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung des Verlages. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Richard Boorberg Verlag GmbH & Co KG | Scharrstraße 2 | 70563 Stuttgart Stuttgart | München | Hannover | Berlin | Weimar | Dresdenwww.boorberg.de
Prof. Dr. Sven Eisenmenger
Das Forschungsinstitut für Unternehmenssicherheit und Sicherheitswirtschaft (FORSI) hat seine Arbeit an der Hochschule der Akademie der Polizei Hamburg auch im Jahre 2022 kontinuierlich fortgesetzt. Wir freuen uns, mit dem FORSI-Jahresband 2022 die Ergebnisse der FORSI-Veranstaltungen und der FORSI-Arbeit des Jahres 2022 der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen zu können. Ich danke Herrn Hans-Jörn Bury vom Boorberg Verlag sehr für seine Unterstützung.
Der FORSI-Jahresband enthält 2 Teile, zu denen nachfolgend der Hintergrund geschildert wird:
1. Teil: Veranstaltungsschutz bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 und Neuausrichtung von Veranstaltungsordnungs- und Veranstaltungssicherheitsdiensten – Ergebnisse der 2. FORSI-Sicherheitstagung 2022
Die 2. FORSI-Sicherheitstagung fand am 27. September 2022 im Großen Sitzungssaal des Polizeipräsidiums Hamburg statt. Gegenstand der Tagung war der Veranstaltungsschutz bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 (UEFA EURO 2024) und die zukünftige Neuausrichtung von Veranstaltungsordnungs- und Veranstaltungssicherheitsdiensten.
Bei der UEFA EURO 2024 stellt sich nicht nur in den Fußballstadien, sondern auch im Rahmen der zahlreichen „Public Viewing Events“ die Herausforderung einer effektiven Sicherheitsgewährleistung, zu der auch die Hygienegewährleistung zählt. Welche Anforderungen bestehen an ein Sicherheitskonzept und wie kann die Kooperation zwischen allen öffentlichen und privaten Beteiligten optimal ausgestaltet werden? Die aktuelle Thematik führt zugleich auch zu einer Grundlagenfrage, und zwar nach der Neuordnung von Veranstaltungsordnungs- und Veranstaltungssicherheitsdiensten. Abgrenzungsprobleme zwischen beiden Tätigkeitsformen in der Praxis und die diskutierte Frage nach gesetzlichen Anforderungen in diesem Bereich (Qualifikation, Zuverlässigkeit etc.) zeigen, dass der Veranstaltungsschutz auch grundlegend – über Fußballveranstaltungen hinaus – durchdacht werden sollte. Zu diesen Fragen tauschten sich Experten auf der Tagung aus.
Im Rahmen des 1. Teils der Tagung hielten Ralf Martin Meyer, Polizeipräsident Hamburg, sowie Florian Graf, Hauptgeschäftsführer des Bun[5|6]desverbandes der Sicherheitswirtschaft (BDSW), das Grußwort. Im Anschluss folgte eine Einführung von Prof. Dr. Sven Eisenmenger, Leiter des FORSI.
Im 2. Teil der Tagung „Veranstaltungsschutz bei der UEFA EURO 2024 – Kooperation öffentlicher und privater Akteure“ stellten Vertreter der öffentlichen und privaten Akteure ihre Sichtweise über ihre Rolle während der UEFA EURO 2024 dar. Boris Gehl, Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI), Fachstab des Inspekteurs der Bereitschaftspolizeien der Länder, trug die Sichtweise des BMI auf die UEFA EURO 2024 vor. Eduard Goldade, Sicherheitsbeauftragter der Freien und Hansestadt Hamburg für die UEFA EURO 2024, schilderte die Rolle des Staates – insbesondere der Polizei – bei der UEFA EURO 2024. Die Rolle des Veranstalters zeigte Timo Seibert, Head of Safety & Security and Medical der EURO 2024 GmbH, auf. Carsten Klauer, Vorstandsmitglied der Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft Norddeutschland e.V. – ASWN, Geschäftsführer der POWER PERSONEN-OBJEKT-WERKSCHUTZ GMBH, schloss den ersten Vortragsblock mit seinen Überlegungen über die Rolle der Veranstaltungsordnungs- und Veranstaltungssicherheitsdienste bei der UEFA EURO 2024 ab. Es folgte eine Diskussion unter der Leitung von Florian Graf.
Der 3. Teil der Tagung widmete sich der o.g. Grundlagenfrage nach der „Neuausrichtung von Veranstaltungsordnungs- und Veranstaltungssicherheitsdiensten“. Prof. Dr. Frank Fiedrich, Professur für Bevölkerungsschutz, Katastrophenhilfe und Objektsicherheit an der Bergischen Universität Wuppertal, Leiter des Forschungsprojektes „NORMALISE“ und „ProVOD“, trug seine wissenschaftliche Sichtweise auf die Neuordnungsfrage vor. Der Perspektive der Unternehmenspraxis widmete sich Martin Houbé, Vorsitzender des Arbeitskreises Veranstaltungsordnungsdienste (VOD) im BDSW. Zu guter Letzt stellte Ulrich Hofmann, Leiter DFB-Projektgruppe QuaSOD, das Praxisbeispiel QuaSOD vor und zeigte damit gleichzeitig, warum QuaSOD ein Leuchtturmmodell über den DFB hinaus sein könnte. Die Diskussion wurde von Florian Graf moderiert.
Im Rahmen der Tagung wurden die Bedeutung der guten Zusammenarbeit öffentlicher und privater Akteure beim Veranstaltungsschutz sowie der Handlungsbedarf des Gesetzgebers für eine Neuordnung von Veranstaltungsordnungs- und Veranstaltungssicherheitsdiensten unter Berücksichtigung der praktischen Bedürfnisse und der Belange der öffentlichen wie privaten Sicherheit deutlich.
Einige der o.g. Grußworte/Vorträge sind in diesem Tagungsband nun verfügbar. Der ebenso in diesem Band dazugehörige FORSI-Beitrag zur „Neuordnung von Veranstaltungssicherheits- und Veranstaltungsordnungsdiensten – Modelle unter Berücksichtigung der 2. FORSI-Sicherheitstagung“ [6|7]fasst die verschiedenen Aspekte der Tagung zusammen und skizziert Lösungsmöglichkeiten.
2. Teil: Neues Sicherheitswirtschaftsgesetz – Ergebnisse des 2. FORSI-Expertenworkshops 2022
Die Regierungsparteien planen eine Neuregelung des Rechts der privaten Sicherheitsdienste. In dem Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP aus dem Jahr 2021 heißt es: „Private Sicherheitsdienste werden wir mit verbindlichen Standards in einem eigenen Gesetz regulieren.“ Außerdem hat sich das Tätigkeitsspektrum der Sicherheitsbranche erheblich verändert. Auf dem 2. FORSI-Expertenworkshop am 30. März 2022 haben sich rund 20 Experten aus Wissenschaft und Praxis zu einem möglichen neuen Sicherheitswirtschaftsgesetz bzw. Sicherheitsgewerbegesetz oder auch Sicherheitsdienstleistungsgesetz ausgetauscht.
Nach dem Grußwort von Ralf Martin Meyer, Polizeipräsident Hamburg, und von Lucia Bunnemann, Bundesministerium des Innern und für Heimat, Referentin bei ÖS I 1, „Grundsatz Polizei und Strafverfolgung“, folgte ein Impulsvortrag mit einem Neuregelungsvorschlag für ein Sicherheitswirtschaftsgesetz durch Prof. Dr. Sven Eisenmenger, Leiter des FORSI.
Unter der Moderation von Christian Graf, Chefjustiziar der Handelskammer Hamburg, befassten sich die Teilnehmer im 1. Teil der Veranstaltung zunächst mit den Grundlagenfragen einer Neuregelung. Hierzu hielt Jens Müller, Chief Operating Officer der Securitas Deutschland und Vizepräsident des BDSW, das Impulsreferat. Im Anschluss standen die Qualifikationsanforderungen an Gewerbetreibende und Sicherheitspersonal im Mittelpunkt.
Im 2. Teil unter der Moderation von Dr. Harald Olschok, damaliger Hauptgeschäftsführer und geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des BDSW, diskutierten die Teilnehmer die Zuverlässigkeitsprüfung für Gewerbetreibende und Sicherheitspersonal, hier auf Basis eines Impulsreferates von Nora Rauch, Geschäftsführerin VSU Vereinigte Sicherheitsunternehmen GmbH. Um das behördliche Überprüfungsverfahren für das Sicherheitspersonal – vor allem um Beschleunigungspotenzial – ging es im Anschluss an das Impulsreferat von René Land, Gewerbeamt Cottbus. Martin C. von der Stein, Polizei Hamburg, zentraler Produktverantwortlicher Sicherheitsüberprüfung, nahm sich sodann des Bewacherregisters und dessen Modernisierung an, u.a. im Hinblick auf die Einbindung an und in die größere IT-Sicherheitsinfrastruktur von Bund und Ländern wie z.B. OSiP.
Einige der o.g. Grußworte/Vorträge liegen nun auch in schriftlicher Fassung mit diesem FORSI-Jahresband vor. Der ebenso dazugehörige FORSI-[7|8]Beitrag mit der Zusammenfassung des 2. FORSI-Expertenworkshops, den Lösungsmöglichkeiten und der Fortentwicklung des Sicherheitswirtschaftsgesetzentwurfs bringt alle Aspekte des Workshops mit Vorschlägen zusammen. Ergänzt wird dies um die dazu passgenaue aktuelle Fassung des FORSI-Entwurfs eines Sicherheitswirtschaftsgesetzes, der im Übrigen auch Erkenntnisse der 2. FORSI-Sicherheitstagung mit berücksichtigt.
Das FORSI wird als wissenschaftliche Einrichtung auch 2023 durch Veranstaltungen und die Erarbeitung neuer Lösungsansätze die rechtspolitische Diskussion rund um das private Sicherheitsgewerbe und die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Sicherheitsunternehmen flankieren. Die Ergebnisse werden im FORSI-Jahresband 2023 veröffentlicht.
Danken möchte ich Herrn Nils Pohl, dem die Redaktion des FORSI-Jahresbandes oblag. Er wurde von der studentischen Mitarbeiterin Lisa Branahl unterstützt.
Die Beiträge befinden sich auf dem Stand vom November 2022. Über Anregungen und Hinweise freuen wir uns ([email protected]).
Hamburg, im Januar 2023
Prof. Dr. Sven Eisenmenger
Prof. Dr. Sven Eisenmenger, Hochschule der Akademie der Polizei Hamburg, Leiter des Forschungsinstituts für Unternehmenssicherheit und Sicherheitswirtschaft (FORSI)
PD Eduard Goldade, Sicherheitsbeauftragter der Freien und Hansestadt Hamburg für die UEFA EURO 2024
Florian Graf, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft (BDSW)
Polizeipräsident Ralf Martin Meyer, Polizei Hamburg
Jens Müller, Chief Operating Officer der Securitas Deutschland und Vizepräsident des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft (BDSW)
Nils Pohl, Hochschule der Akademie der Polizei, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsinstituts für Unternehmenssicherheit und Sicherheitswirtschaft (FORSI)
VorwortProf. Dr. Sven Eisenmenger
Autorenverzeichnis
1. Teil: Veranstaltungsschutz bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 und Neuausrichtung von Veranstaltungsordnungs- und Veranstaltungssicherheitsdiensten – Ergebnisse der 2. FORSI-Sicherheitstagung 2022
Grußwort des Polizeipräsidenten anlässlich der 2. FORSI-SicherheitstagungPolizeipräsident Ralf Martin Meyer
Grußwort anlässlich der 2. FORSI-SicherheitstagungFlorian Graf
Grußwort und ImpulsreferatProf. Dr. Sven Eisenmenger
Veranstaltungsschutz bei der UEFA EURO 2024 – die Rolle des Staates, insbesondere der PolizeiPD Eduard Goldade
Neuordnung von Veranstaltungssicherheits- und Veranstaltungsordnungsdiensten – Modelle unter Berücksichtigung der 2. FORSI-SicherheitstagungProf. Dr. Sven Eisenmenger
2. Teil: Neues Sicherheitswirtschaftsgesetz – Ergebnisse des 2. FORSI-Expertenworkshops 2022
Grußwort des Polizeipräsidenten anlässlich des 2. FORSI-ExpertenworkshopsPolizeipräsident Ralf Martin Meyer
Impulsvortrag: Neuregelungsvorschlag für ein SicherheitswirtschaftsgesetzProf. Dr. Sven Eisenmenger
Grundlagenfragen im ÜberblickJens Müller
Zusammenfassung des 2. FORSI-Expertenworkshops, Lösungsmöglichkeiten und Fortentwicklung des SicherheitswirtschaftsgesetzentwurfsProf. Dr. Sven Eisenmenger / Nils Pohl
Neuregelungsvorschlag für ein SicherheitswirtschaftsgesetzProf. Dr. Sven Eisenmenger
Polizeipräsident Ralf Martin Meyer
„United by Football. Vereint im Herzen Europas.“ – so lautet das Motto der 17. Fußball-Europameisterschaft, die 2024 hier in Deutschland stattfinden wird. Dies ist ein sehr treffendes Motto in der heutigen Zeit – rückt Europa doch angesichts aktueller Krisen näher zusammen denn je. Nur ist eine Fußball-Europameisterschaft ein positiver Anlass – die steigende Inflation, die drohende Gasmangellage und besonders der Krieg in Europa sind das absolute Gegenteil.
Ist es erlaubt, diese Krisen und Konflikte für einen Moment außer Acht zu lassen? Sport und Politik sollten wir nicht trennen. Im Gegenteil: Unsere Werte wollen wir auch bei der EM vertreten sehen. Gegen Rassismus, Hass und Hetze. Gegen Gewalt. Fußball kann auch ein Katalysator für eine bessere Völkerverständigung innerhalb Europas sein. Es wird gemeinsam gefeiert, gelacht, geweint und Europa sollte als Kontinent (noch) weiter zusammenwachsen.
In diesem Sinne begrüße ich Sie herzlich zur 2. Sicherheitstagung des Forschungsinstitutes für Unternehmenssicherheit und Sicherheitswirtschaft (FORSI) hier im großen Sitzungssaal des Polizeipräsidiums. Heutiges Thema ist die Neuordnung von Veranstaltungsordnungs- und Veranstaltungssicherheitsdiensten im Kontext der Europameisterschaft 2024 in Deutschland.
Wir alle kennen das: Im Zuge eines großen Fußballturniers wie einer EM – eigentlich auch schon bei einem „normalen“ Bundesligaspiel – können die Emotionen schon einmal hochkochen. Dass diese Emotionen bis hin zu körperlichen Auseinandersetzungen führen können, zeigte sich in Hamburg zuletzt bei der Begegnung zwischen dem HSV und dem Karlsruher SC im April dieses Jahres. Nachdem während der Corona-Pandemie nur begrenzt, zeitweise sogar gar keine Zuschauer im Stadion erlaubt waren, wurden die Tore im Frühjahr wieder geöffnet. Die „KSC-Ultras“ riefen zu einem Treffen am Tag der Begegnung am Hans-Albers-Platz auf – eine Provokation für den dortigen „Platzhirsch“ HSV, der sogleich 300 Fans für ein Treffen am gleichen Standort mobilisierte. Die Folgen waren Vermummungen, Abbrennen von Pyrotechnik sowie mehrfaches Werfen von Flaschen, Steinen und Baustellenmaterial. Das aggressive Verhalten der Fans zog sich bis in das Spiel hinein. Es kam zu körperlichen Auseinanderset[15|16]zungen mit Einsatzkräften, die ein Aufeinandertreffen beider „Fanlager“ und somit weitere Eskalationen verhindern konnten. Es ist mal wieder gut gegangen – das Sicherheitskonzept ging auf.
Dass es auch anders laufen kann, konnte man vor drei Wochen in Nizza beobachten. Die Bilanz der Begegnung OGC Nizza – 1. FC Köln in der Conference League war 18 Verletzte, davon ein Schwerverletzter, der von der Tribüne 5 Meter in die Tiefe fiel, Anpfiff mit einer knappen Stunde Verspätung, fehlende Einlasskontrollen, zu wenig Sicherheitspersonal und allein 300 Hinweise auf Straftaten, denen die Polizei Köln jetzt nachgeht. Diese Bilanz zeigt im Ansatz, welches Konfliktpotenzial in den einzelnen Begegnungen herrscht und mit welchen Herausforderungen gerade das Sicherheitspersonal am Ausrichtungsort konfrontiert wird. Man hat derzeit das Gefühl, die „Problem-Fanszene“ glaubt, etwas nachholen zu müssen, was in den Corona-Jahren nicht mehr möglich war. Wer weiß, was uns in der nächsten Zeit noch erwartet.
Auch Hamburg ist 2024 für fünf EM-Spiele Ausrichter. 57.000 Zuschauer fasst unser Volksparkstadion. Dazu kommen zahlreiche „Public Viewing Events“, spontane „Autokorsos“ sowie die starke Frequentierung unserer „Partymeilen“ auf dem „Kiez“ und in der „Schanze“. Unser gemeinsamer Vorteil ist, dass wir von den gemeinsamen Erfahrungen im Zuge der WM 2006 zehren können, jedenfalls, was die Planungen betrifft und einige Praktiker, die in unseren Reihen sein werden. Auch wenn die Voraussetzungen in Teilen anders sind – so befanden sich die sozialen Medien zur WM 2006 noch in der Findungsphase – ähneln sich die Problemfelder, die es im Rahmen derartiger Großveranstaltungen zu bewältigen gilt und 2006 bereits zu bewältigen galt.
Die konzeptionelle Bewältigung aller Sicherheitsfragen bedeutet eine Mammutaufgabe für sämtliche Akteure in der öffentlichen und der privaten Sicherheit. Die höchste Priorität hat dabei die Sicherheit der Menschen in Hamburg, der Mannschaften und Delegationen, aber auch der Pressevertreter und vor allem der Fans. Dazu gehören Überprüfungen der Tickets und Akkreditierungen, Durchsuchungen der Zuschauer nach gefährlichen Gegenständen, aber auch die Auflage und Umsetzung eines Hygienekonzepts, das in den letzten Monaten immer mehr an Bedeutung gewonnen hat.
Einiges – wie z.B. die Lagebeurteilung – hängt natürlich auch von den Teilnehmer-Ländern, den Spielpaarungen und den Teams ab, die in Hamburg Quartier beziehen. Bei letzterer Frage haben wir bei der WM 2006 ja auch ins oberste Regal gegriffen, was die Sicherheitsanforderungen betrifft: die USA logierte im Hyatt mitten in der City!
Gleichzeitig befinden wir uns im Spagat zwischen Sicherheitsgewährleistung und Repräsentation einer weltoffenen Bundesrepublik, die Zuschauer [16|17]und Gäste mit offenen Armen empfängt, sodass ein Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht – „United by Football“.
Wie gelingt uns (in der Sicherheitsbranche) dieser gemeinsame Spagat? Am besten, indem die rechte Hand weiß, was die linke tut und anders herum. Das A und O ist die gute Kooperation. Die Zusammenarbeit zwischen privaten und öffentlichen Sicherheitsakteuren hat sich schon zur WM 2006 bewährt und bewährt sich bis heute bei jeder Großveranstaltung, vor allem im Fußball. Vor jeder Spielbegegnung der 2. und 3. Bundesliga tauscht sich der öffentliche Sektor, sprich die Polizei, mit dem privaten Sektor, sprich den Ordnungsdiensten sowie mit dem betreffenden Verein zu sicherheitsrelevanten Belangen aus. Darüber hinaus wird zu jeder Begegnung ein individuelles Sicherheitskonzept gefertigt und dem DFB vorgelegt. Diese Zusammenarbeit im Alltag des Profi-Fußballs hat sich als zuverlässig und erfolgreich erwiesen und sollte vertieft werden. Anlässlich der Europameisterschaft müssen und werden wir in diesem Bereich noch weiterdenken und handeln müssen.
„Störer“ oder besser gewaltbereite Fans sind schon lange nicht mehr nur national aktiv. Spätestens G20 hat uns noch einmal vor Augen geführt, wie gut internationale Vernetzung sein kann – z.B. in der Hooliganszene untereinander. Dabei sind die Anreisewege von sensationshungrigen und gleichzeitig gewaltbereiten Fans aus ganz Europa von besonderer Bedeutung für unsere vernetzte Maßnahmenplanung. Wir müssen dieser Vernetzung der Gewaltszenen unsere guten Kooperationen entgegenstellen, auch international. So wurde natürlich auch die eingangs erwähnte Fußballbegegnung in Nizza respektive die relevante Kölner Fanszene von szenekundigen Beamten der Polizei Köln begleitet, um Erkenntnisse über Teilnehmende, Strukturen und Vorhaben zu gewinnen. Diese Lageerkenntnisse unterstützen einerseits bei der Aufklärung der Straftaten und andererseits bei der Maßnahmenplanung. Unsere Vorbereitungen können so optimaler gestaltet werden, wir sind so in der Lage, frühzeitiger zu handeln und präventiv zu agieren. Unsere Vernetzung sollte im Hinblick auf die EM 2024 weiter ausgebaut werden. Zur Vernetzung gehört der Austausch der gegenseitigen Erfahrungen und damit das Lernen aus „Best-practice-Ergebnissen“. So entwickeln wir uns gemeinsam weiter im Sinne einer stetigen Verbesserung.
Zum Stichwort „verbessern“ möchte ich auch noch einmal bei den privaten Sicherheits- und Ordnungsdiensten ansetzen. Schon anlässlich des 2. FORSI-Expertenworkshops im März dieses Jahres habe ich betont, dass es für uns als Polizei unerlässlich ist, mit professionellen Mitarbeitenden der Sicherheits- und Ordnungsdienste zusammenzuarbeiten. Diese Zuverlässigkeit in der Zusammenarbeit kann vor allem durch eine Erhöhung der Qualitätsstandards in der Auswahl des Personals, aber auch in dessen Aus[17|18]und Fortbildung erreicht werden. Mir ist bewusst, dass wir uns aktuell in einem schwierigen Umfeld befinden – auf einem Arbeitsmarkt der Beschäftigten. Der Nachwuchs sucht sich den Arbeitgeber aus, nicht umgekehrt.
Auch wir als Polizei merken immer mehr den Strukturwandel. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist bundesweit so hoch wie nie. Viele Arbeitnehmende wechseln den Job, entscheiden sich um und orientieren sich neu. Infolge der Rente für immer mehr „Babyboomer“ fehlt es an geeigneten Bewerbenden. Dennoch ist es wichtig, die Standards nicht abzusenken. Im Gegenteil sind die Mitarbeitenden durch ein stetig wachsendes Aufgabenportfolio in der Sicherheitsbranche mehr denn je gefordert. Hier an der Qualität zu sparen, wäre fatal. Das Stichwort ist: Qualitätsgewinn bedeutet Imagegewinn. Beim Thema Image muss mit weiteren Maßnahmen gegengesteuert werden. Das Image des Sicherheitssektors als attraktiver Arbeitgeber muss weiter gestärkt werden. Zudem müssen wir als Arbeitgeber im Rahmen der Auswahl gezielter auf die jungen Menschen zugehen und unsere Verfahren optimieren, wo es möglich und sinnvoll (im Sinne zielführend) ist.
Wir befinden uns mitten im Generationswechsel und damit vor einem großen Umbruch. Diese gemeinsame Herausforderung von Polizei und privater Sicherheit gilt es anzunehmen und als Chance für gemeinsames Wachstum zu sehen. Dass sich das FORSI dieser Themen annimmt, ist sehr zu begrüßen. Die Forschungsarbeit stärkt die Zusammenarbeit und erweitert den Blick über den Tellerrand.
Florian Graf
Mit der 2. FORSI-Sicherheitstagung ist es gelungen, in Hamburg wieder eine FORSI-Sicherheitstagung in Präsenz mit hochkarätigen Referenten zu einem für die Polizei, die Sicherheitswirtschaft, die Veranstaltungswirtschaft und den deutschen und europäischen Fußball wichtigem zukünftigen Public-private-Partnership Projekt zu realisieren: Die sichere Durchführung der Fußball-EM 2024.
In meinen Ausführungen möchte ich kurz auf folgende Punkte eingehen:
– die aktuelle Situation der Sicherheitswirtschaft in Deutschland
– die vorgenommenen Tarifanpassungen in der Sicherheitswirtschaft
– die Umsetzung des Koalitionsvertrages durch Schaffung eines Sicherheitsgewerbegesetzes
– der wichtige Beitrag von FORSI bei der rechtlichen Neuordnung unserer Branche
Wir alle werden derzeit durch die Energiekostenexplosionen, den Krieg in der Ukraine, die rasant zunehmende Inflation und die extreme Steigerung der Lebenshaltungskosten im wahrsten Sinne des Wortes „durchgerüttelt.“ Dies betrifft auch die Sicherheitswirtschaft, aber mehr noch unsere industriellen Kunden aus Mittelstand und Großindustrie.
Allerdings sind wir verhältnismäßig gut aus der Corona-Krise gekommen. Erst jüngst ist die sogenannte Lünendonk-Studie 2022 „Sicherheitsdienstleister in Deutschland“ veröffentlicht worden. Laut dieser Studie sind die analysierten Unternehmen der Branche 2021 mit durchschnittlich 9,1 % noch einmal deutlich stärker als im bereits starken Jahr 2020 (6,8 %) gewachsen.
Knapp 49 % des Marktvolumens wird von den 44 Unternehmen generiert, die sich an der neuen Lünendonk-Studie zum Sicherheitsmarkt beteiligt haben. Besonders positiv entwickelten sich dabei die Einzelgewerkanbieter für Sicherheit mit 12 %. Die Studie liefert detaillierte Daten zur Umsatzentwicklung und Rentabilität der führenden Unternehmen und lässt insofern belastbare Rückschlüsse auf alle Unternehmen der Sicher[19|20]
