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Die vielfältigen Lebens- und Arbeitsverhältnisse, die Frauen in ländlichen Regionen heutzutage zugänglich sind, bieten ihnen Möglichkeiten einer selbstbestimmten Lebensführung und der Verwirklichung individueller Potentiale. Immer wieder sind Frauen am Land aber mit gesellschaftlichen Erwartungen und strukturellen Barrieren konfrontiert, die nach politischen und sozialen Lösungen verlangen, sei es in Regionalentwicklung und Kommunalpolitik, in der Landwirtschaft oder in Bezug auf Bildung, Mobilität, Migration und Ehrenamt. Die Beiträge aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dokumentieren sowohl die Brisanz als auch die Bedeutung, die den Potentialen und Perspektiven von Frauen sowie den Geschlechterverhältnissen in ländlichen Regionen zukommen. Sie weisen auf Basis wissenschaftlicher Analysen auf Problemlagen hin und fordern zu lösungsorientiertem Handeln auf. Mit Beiträgen von Katrin Baumgartner, Julia Bock-Schappelwein, Doris Damyanovic, Reinhard Engelhart, Anna Faustmann, Eva Favry, Renate Fuxjäger, Thomas Hader, Isabel Häberli, Christine Jurt, Bente Knoll, Kathleen Kreßmann, Manuela Larcher, Tim Leibert, Jutta Obertegger, Theresia Oedl-Wieser, Elisabeth Prügl, Florian Reinwald, Lydia Rössl, Ruth Rossier, Mathilde Schmitt, Gertraud Seiser, Isabella Skrivanek, Tina Uhlmann, Wiebke Unbehaun, Stefan Vogel, Anna Wanka, Heidrun Wankiewicz, Friederike Weber, Karin Wiest, Brigitte Wotha, Nana Zarnekow.
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Seitenzahl: 344
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Manuela Larcher / Theresia Oedl-Wieser / Mathilde Schmitt / Gertraud Seiser (Hrsg.)
Manuela Larcher / Theresia Oedl-Wieser /Mathilde Schmitt / Gertraud Seiser (Hrsg.)
Potentiale und Perspektiven
StudienVerlag
Innsbruck
Wien
Bozen
© 2014 by Studienverlag Ges.m.b.H., Erlerstraße 10, A-6020 Innsbruck
E-Mail: [email protected]
Internet: www.studienverlag.at
Die Veröffentlichung dieses Buches wurde freundlicherweise unterstützt durch die Kulturabteilung der Tiroler Landesregierung; die Tagung „Frauen am Land. Potentiale und Perspektiven“ durch die Bundesministerin für Frauen und öffentlichen Dienst – Bundeskanzleramt österreich, das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt? und Wasserwirtschaft (A), das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (A), die Fakultät für Sozialwissenschaften und das Institut für Sozial- und Kulturanthropologie der Universität Wien (A) und durch das Netzwerk Land (A).
Dank gebührt außerdem den zahlreichen KollegInnen für die geleistete fachliche, kreative und sehr praktische Unterstützung sowie den beteiligten Institutionen Bundesanstalt für Bergbauernfragen, Wien, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Innsbruck, Universität für Bodenkultur Wien und Universität Wien.
Satz: Kati Heinrich, Fides Braun, Valerie Braun (Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Innsbruck)
Endlektorat: Valerie Braun, Mathilde Schmitt (Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung, österreichische Akademie der Wissenschaften, Innsbruck)
Umschlag: Studienverlag / Maria Strobl, [email protected]
Umschlagabbildungen: alle Fotolia, Hintergrundbild: © Iakov Kalinin; Cover: © wildman (links), © contrastwerkstatt (Mitte), © Sandor Kacso (rechts)
Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.
ISBN 978-3-7065-5748-1
Dieses Buch erhalten Sie auch in gedruckter Form mit hochwertiger Ausstattung in Ihrer Buchhandlung oder direkt unter www.studienverlag.at
Mathilde Schmitt, Gertraud Seiser, Theresia Oedl-Wieser & Manuela Larcher
Land_Frauen_Leben – Vielfalt im Fokus
Tim Leibert & Karin Wiest
Abwandern, Zurückkehren, Bleiben? Wanderungsentscheidungen junger Frauen in strukturschwachen ländlichen Räumen: Sachsen-Anhalt im Fokus
Nana Zarnekow
Charakteristika und Bedeutung sozialer Netzwerke von Frauen in ländlichen Regionen Polens und der Slowakei
Julia Bock-Schappelwein
Genderindex auf regionaler Ebene in Österreich
Brigitte Wotha & Kathleen Kreßmann
Teilhabe von Frauen und Männern in Beteiligungs- und Entscheidungsgremien der ländlichen Regionalentwicklung
Florian Reinwald, Doris Damyanovic & Friederike Weber
Die Beteiligung von Frauen in der burgenländischen Kommunalpolitik – Situation, Erklärungsansätze und Strategien
Jutta Obertegger & Theresia Oedl-Wieser
Mehr Frauen in die Kommunalpolitik durch Politiklehrgänge in Tirol – Vision oder Wirklichkeit?
Heidrun Wankiewicz
Gender Planning als Schlüssel für zukunftsfähige Dörfer und Städte – Handlungsansätze aus der Planungspraxis
Renate Fuxjäger
Gleichstellungsorientierte Beratung in der Ländlichen Entwicklung
Katrin Baumgartner & Anna Wanka
Unruhestand am Land – Selbstbestimmtheit und Teilhabe älterer Frauen durch ehrenamtliches Engagement
Eva Favry, Thomas Hader, Bente Knoll, Tina Uhlmann & Wiebke Unbehaun
Gendergerechte Teilhabe am Erwerbsleben – welche Rolle spielt die Mobilität?
Anna Faustmann, Lydia Rössl & Isabella Skrivanek
Die Erwerbssituation von Migrantinnen in der ländlichen Steiermark aus intersektionaler Perspektive
Ruth Rossier
Die Stellung der Frauen auf bäuerlichen Familienbetrieben in der Schweiz
Stefan Vogel, Manuela Larcher & Reinhard Engelhart
Sozialkapital und Ehrenamt landwirtschaftlicher Betriebsleiterinnen im Bezirk St. Pölten, Niederösterreich
Christine Jurt, Isabel Häberli & Ruth Rossier
Eine Frage der Organisation! Chancen und Risiken auf Schweizer Stufenbetrieben aus Sicht der Frauen
Elisabeth Prügl
Formen männlicher Dominanz in der deutschen Landwirtschaft: Ein Ost-West-Vergleich
Conclusio der Tagung Frauen am Land – Potentiale und Perspektiven
Kurzbiografien der AutorInnen
In der vorliegenden Edition wird den Potentialen und Perspektiven von Frauen_Leben am Land in interdisziplinärer und thematischer Vielfalt nachgegangen. Ihre Sichtbarmachung gelingt nur auf der Basis genauer Analysen des Status quo und damit der Benachteiligungen und Einschränkungen, mit denen Frauen und Mädchen in ländlichen Räumen konfrontiert sind. Diese erweisen sich als sehr ausdauernd. Die Auseinandersetzung mit geschlechterspezifischen Problemlagen erfordert daher neben empirischen Studien weitreichende Überlegungen, etwa zur Definition ‚ländlicher Räume‘, zur ruralen Frauen- und Geschlechterforschung, zum Verhältnis zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis, aber auch zu den notwendigen Übersetzungsleistungen zwischen Disziplinen und Wissenskulturen. Zudem verlangt eine Ausrichtung auf (zukünftige) Perspektiven, sich bewusst zu machen, dass die Ausführungen in eine Gegenwart einzubetten sind, die von weltweiten beschleunigten Veränderungsprozessen gekennzeichnet ist.
Seit den 1980er Jahren und verstärkt seit der Jahrtausendwende sind in Folge der Informationstechnologie-unterstützten Globalisierung, der einschneidenden politischen Veränderungen in Mittel- und Osteuropa und des neoliberalen Umbaus der Volkswirtschaften rasante gesellschaftliche und wirtschaftliche Transformationen sowie wachsende soziale Ungleichheiten festzustellen. So eindeutig die Diagnosen für diese weitreichenden Entwicklungen sind, so vielfältig ist das Spektrum ihrer Interpretationen.1 Die Auswirkungen sind bis in unseren Alltag hinein deutlich zu spüren und werden auch in unserer Sprache sichtbar. Viele neue Begriffe wie Hedge-Fonds, Outsourcing, Turbo- oder Kasinokapitalismus werden immer selbstverständlicher. Gleichzeitig bestimmen demografische Veränderungen wie die Überalterung der Gesellschaft sowie Prozesse der Individualisierung, Pluralisierung und Entsolidarisierung die medialen, politischen und wissenschaftlichen Diskurse.
Die ländlichen Räume in Europa erscheinen demgegenüber aus Sicht der Medien und des Marketings in Traditionen verwurzelt, homogen, friedlich und abseits der großen Veränderungsprozesse. Diese dualistischen Imaginationen und Konstruktionen werden unter der Geschlechterperspektive nicht selten verstärkt: Frauen in der Stadt werden als modern, emanzipiert und weltgewandt ins Bild gesetzt, Frauen am Land als familien- und traditionsverbunden, als bescheiden und religiös verwurzelt angesehen. Tatsache ist jedoch, dass die Globalisierung nie am Land vorbeiging, sondern oft sogar von dort ausging oder unterstützt wurde. Die Industrialisierung wäre nicht ohne die vielen Arbeitskräfte, die vom Land in die Städte zogen, möglich gewesen. Großstädte waren damals und sind bis zu den Megacitys von heute Produkte der andauernden Migration und Landflucht (Mills 2003; Sassen 1996). Entdeckungen und Entwicklungen in der Landwirtschaft waren es, welche die Ernährung der ab Mitte des 19. Jahrhunderts rasch ansteigenden Weltbevölkerung ermöglichten (Bruckmüller 2008; Langthaler 2010). Historisch betrachtet war einer der ersten ,Weltmärkte‘ jener für Getreide und an der Börse zu Chicago wurden zunächst Butter und Eier gehandelt, die auf dem Land produziert wurden. Nicht zufällig gehört die Agrarpolitik zu den ersten und wichtigsten gemeinsamen Politikfeldern der Europäischen Union und ihrer Vorläuferorganisationen.
Die ländlichen Räume waren und sind massiv von vergangenen wie aktuellen weltweiten Umstrukturierungen betroffen. Diese sind die Folge von Konzentrationsprozessen im landwirtschaftlichen Sektor, der Abwanderung oder des Rückbaus von Industrien, die bedeutende Funktionen für die sie umgebenden ländlichen Räume hatten (vgl. Solbrig et al. 2001; McIntyre et al. 2009). Innerhalb der Europäischen Union wird seit Anfang der 1990er Jahre durch die zunehmende Forcierung der Regionalentwicklung und einer Spezialisierung der Regionen sowie ab dem Jahr 2000 durch die stärkere Betonung der Ländlichen Entwicklung im Rahmen der zweiten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) versucht, diesen weitreichenden Veränderungen entgegenzuwirken (Copus & Dax 2010; Hancvencl 2002). Auf der Ebene der Regionen führte dies zwar zu größeren politischen und wirtschaftlichen Gestaltungsspielräumen, gleichzeitig aber durch die Etablierung neuer intermediärer Verwaltungs-, Projekt- und Managementstrukturen zu einer Ausweitung der Bürokratie mit einer spezifischen Projektkultur und -sprache, die den Bedürfnissen der BürgerInnen vor Ort nicht immer gerecht werden (Hoppichler 2007; Kröger 2006). Aufkommende zivilgesellschaftliche Bewegungen, zurückgehende berufsständische Interessenpolitiken und die Auflösung der Parteienbindung führten weltweit einerseits zu neuen Allianzen, andererseits aber auch zum Rückzug aus gemeinschaftlichem Engagement – in Stadt und Land gleichermaßen. Jean und John Comaroff (2001: 40ff.) sprechen von einer „Beschwörung der Zivilgesellschaft“, die das Vakuum füllen soll, das durch das neoliberale Bestreben, staatliche Politik und Leistungen durch Markt zu ersetzen, entstand.
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