Frauenklöster im Alpenraum -  - E-Book

Frauenklöster im Alpenraum E-Book

0,0

Beschreibung

Religiöse Frauengemeinschaften vom Mittelalter bis in die Gegenwart: Ein Einblick in spirituelle Ideale und realen Alltag des Klosterlebens im Alpenraum.Frauenklöster rücken zunehmend ins Interesse der Geschichtswissenschaft und insbesondere der Geschlechtergeschichte. Ein Leben als Nonne bedeutete nicht notwendigerweise, wie das Klischee häufig nahelegt, ein "von der Welt" zurückgezogenes Dasein. Blickt man ins klösterliche Leben, eröffnen sich je nach zeithistorischem Kontext unterschiedlich weite Handlungsspielräume, in denen Frauen sowohl politisch nach außen wirken als auch selbstbestimmt ihren Lebensalltag gestalten konnten. Dieser Sammelband nähert sich dem Thema Frauenklöster aus verschiedenen Perspektiven. Chroniken und erhaltene Kunstgegenstände geben "von innen" Einblick in das tägliche Leben von Nonnen vergangener Jahrhunderte. Der Blick "von außen" auf die Frauenklöster erfolgt durch amtliche Quellen, wenn es etwa um die Wiederbegründung von Klöstern im 19. Jahrhundert geht, wie aber auch durch Literatur und Film. Im Spannungsfeld dieser beiden Zugänge wird offensichtlich, wie geheimnisvoll das Leben innerhalb der Klostermauern auf die Außenwelt stets wirkte und daher zu Phantasien der verschiedensten Art anregte. Ein aktueller Ausblick auf die Zukunft klösterlichen Zusammenlebens rundet den Band ab.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 579

Veröffentlichungsjahr: 2014

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Frauenklöster imAlpenraum

Herausgegeben von

BRIGITTE MAZOHL und ELLINOR FORSTER

SCHLERN-SCHRIFTEN 355

Die Schlern-Schriften wurden 1923 von Raimund v. Klebelsberg (1886–1967) begründet und nach dessen Tod bis Band 289 von Franz Huter (1899–1997) betreut; mit Band 290 übernahmen 1992 Marjan Cescutti und Josef Riedmann die Herausgabe der Reihe.

Herausgegeben in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler KULTURinstitut.

© 2012 by Universitätsverlag Wagner Ges.m.b.H., Erlerstraße 10, A-6020 Innsbruck

E-Mail: [email protected]

Internet: www.uvw.at

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

ISBN 978-3-7030-0903-7

Umschlagbild: Oberin Maria Margaritha von Pfeiffersberg vom Ursulinenkloster Bruneck im Pustertal, im Vordergrund Kloster Säben ob Klausen im Eisacktal.

Umschlaggestaltung: Roland Kubanda

Dieses Buch erhalten Sie auch in gedruckter Form mit hochwertiger Ausstattung in Ihrer Buchhandlung oder direkt unter www.uvw.at.

Inhalt

Vorwort

Einleitung

Chronik und Geschichte

JULIA HÖRMANN-THURN UND TAXIS

Frauenklöster im mittelalterlichen Tirol und im Trentino – Ein Überblick

STEFAN BENZ

Geschichtsschreibung in Frauenklöstern des Alpenraums der frühen Neuzeit

CHRISTINE SCHNEIDER

„Zu Nuzen, Trost und Unterricht aller nachfolgenden […].“ Die österreichischen Ursulinenchroniken im 18. Jahrhundert

INGRID FACCHINELLI

Alltag und Ordnung in den Quellen des Klosters Säben

Innerhalb und außerhalb der Klausur

ERIKA KUSTATSCHER

Die Welt (in) der Klausur. Spirituelle Ideale und realer Alltag im Brixner Klarissenkloster im 17. und 18. Jahrhundert

EVA CESCUTTI

Mädchenschule und Frauenkongregation: Maria Hueber „revisited“

ELLINOR FORSTER

Zwischen Landtag und Huldigungsumritt. Politische Handlungsspielräume des Stifts Sonnenburg und des Klarissenklosters Meran in der Frühen Neuzeit

CHRISTINE ROILO

Vom Neubeginn in schwieriger Zeit. Das Kloster zum Hl. Kreuz auf Säben ober Klausen 1816–1825

Der Blick von außen

SIGURD PAUL SCHEICHL

Das Brigittchen von Trogen. Conrad Ferdinand Meyers „Plautus im Nonnenkloster“ – Klostersatire oder Humanistensatire?

SELMA MAHLKNECHT

Jenseits der Mauer – der filmische Blick auf die Nonne. Versuch einer Verallgemeinerung

Was bleibt?

HERTA ARNOLD

Gesammelt, bewahrt: Handwerk und Kunst im „Klösterle“ der Dominikanerinnen in Lienz. Themenspaziergänge durch Kloster und Inventar

SR. KLARA RIEDER

Hemmschuh Tradition im Sprung nach vorne. Von der Schwierigkeit, Orte der Sehnsucht lebendig zu halten

Autorinnen und Autoren

Vorwort

Die Beschäftigung mit dem Lebensmodell Kloster ist in den letzten 20 Jahren zu einem wichtigen Thema in der historischen Forschung geworden; besonders die Frauenklöster haben dabei ein immer größeres Interesse gefunden und Fachleute aus den verschiedensten Disziplinen (Geschichte, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft, Theologie, Mentalitätsgeschichte, Gender-Forschung) an einen Tisch gebracht. Obwohl beispielsweise der Tiroler Raum bis heute über eine vielfältige Landschaft von Frauengemeinschaften verfügt, stand der Alpenraum bisher etwas im Schatten der Forschung. So galt in dem vor wenigen Jahren erschienenen Sammelband „Dom- und Kollegiatstifte in der Region Tirol – Südtirol – Trentino in Mittelalter und Neuzeit“ (= Schlern-Schriften 329) lediglich einer von insgesamt 21 Beiträgen den Damenstiften in Tirol. Es war daher ebenso begrüßenswert wie wissenschaftlich notwendig, dass das Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck und das Südtiroler Kulturinstitut auf Anregung der zuständigen Landesrätin und in Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde Klausen eine Tagung über Frauenklöster im Alpenraum veranstalteten, die den Bogen vom Mittelalter zur Gegenwart zu spannen versuchte. Nunmehr, da die Ergebnisse vorliegen, ist es den veranstaltenden Institutionen zwar bewusst, dass nicht alle wichtigen Themen und auch nicht alle Ordensgemeinschaften behandelt werden konnten; dennoch kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Tagung in Klausen bzw. der vorliegende Band gute Ansätze und wichtige Impulse für weitere Forschungen vermitteln. Vor allem wird deutlich, dass ein ganz neues Bild der Frauenklöster entsteht, das althergebrachte Gemeinplätze entlarvt und eine Lebensform aufleuchten lässt, die bis heute Gültigkeit besitzt. Unser aufrichtiger Dank gilt den Autorinnen und Autoren, vor allem der Tagungsleiterin Frau Univ.-Prof. Dr. Brigitte Mazohl und der Koordinatorin Frau Dr. Ellinor Forster, sowie Frau Dr. Mercedes Blaas vom Universitätsverlag Wagner in Innsbruck.

DR. SABINA KASSLATTER MUR

Landesrätin für Bildung und deutsche Kultur

MARIA GASSER FINK

Bürgermeisterin der Stadtgemeinde Klausen

DR. MARJAN CESCUTTI

Vorsitzender des Südtiroler Kulturinstituts

Einleitung

Die vorliegende Publikation präsentiert die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Tagung, die im September 2008 – auf Initiative der Südtiroler Landesrätin für Kultur, Dr. Sabina Kasslatter Mur – vom Südtiroler Kulturinstitut (Dr. Marjan Cescutti) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie an der Universität Innsbruck und der Stadtgemeinde Klausen veranstaltet wurde. Der Tagungsort am Fuße von Kloster Säben in Klausen wurde bewusst gewählt, um die Zusammenkunft in den Rahmen eines kongenialen Genius Loci zu stellen. Die räumliche Nähe zu diesem traditionsreichen Südtiroler Frauenkloster bereicherte sowohl das Tagungsprogramm selbst als auch das Rahmenprogramm, das den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine fachkundige Führung zur jahrhundertealten Geschichte Säbens bot.

Eine ausdrücklich weiblichen Ordensgemeinschaften gewidmete wissenschaftliche Veranstaltung hat in dieser Form in Südtirol bislang nicht stattgefunden, trotz oder vielleicht gerade wegen des breiten Interesses, das hierzulande von der Historiographie der Klostergeschichte insgesamt entgegengebracht wurde, wobei die feineren Differenzierungen zwischen Männer- und Frauenklöstern vielfach aus dem Blickfeld geraten sind.

Auch die Frauen- und Geschlechterforschung hat sich der Geschichte von Frauenorden relativ spät zugewandt. In den Anfangsphasen der feministischen Geschichtswissenschaft, als es darum gegangen war, His-story generell durch Her-story zu erweitern, als das wichtigste Anliegen darin bestanden hatte, nicht nur den Frauen ihre Geschichte, sondern auch der Geschichte insgesamt ihre Frauen zurückzugeben, stand das – in der damaligen Wahrnehmung – zurückgezogene und gottgeweihte Leben von Ordensfrauen nicht gerade im Fokus des Interesses feministisch orientierter Historikerinnen. Dabei spielte zweifellos das Naheverhältnis zur „Männerinstitution“ Kirche, die infolge der ihr anhaftenden „frauenfeindlichen“ Tradition zu den bevorzugten Feindbildern vieler Frauenforscherinnen zählte, eine nicht zu unterschätzende Rolle. Es schien sehr viel verlockender, bedeutende und vielfach vergessene Frauen, insbesondere aus dem politischen Widerstand, in Kunst, Literatur und Wissenschaft, wieder zu entdecken, den Beitrag von traditioneller und industrieller Frauenarbeit für die Volkswirtschaft und deren Bedingungen zu erforschen, den Diskurs über männliche und weibliche Geschlechterrollen zu dekonstruieren oder die gegenwärtige Welt und ihr Denken als männergemacht zu entlarven, als sich mit der ohnehin beinahe aussterbenden Spezies von Ordensfrauen zu befassen, deren „Angepasstheit“ an männliche Vorgaben und Vorbilder geradezu konstitutiv für ihre Existenz zu sein schien. Seit Anne Conrads Anfang der neunziger Jahre vorgelegter Pionierarbeit „Zwischen Kloster und Welt“, in der sie die Rolle von Ursulinen und Jesuitinnen in der katholischen Reformbewegung des 16. und 17. Jahrhunderts untersucht, hat sich dies erfreulicherweise geändert und das Leben von Frauen hinter (und vor) Klostermauern hat zunehmend mehr Aufmerksamkeit der feministisch orientierten Geschichtswissenschaft gefunden. Dass gerade die Geschichte von Ordensfrauen einen wichtigen Beitrag nicht nur zu alternativen weiblichen Lebensentwürfen, sondern auch zur Frage der scheinbar natur- und gottgewollten weiblichen Geschlechtsrollen bieten kann, zeigt etwa das Beispiel einiger von der italienischen Frauenforschung ausgegrabener frühneuzeitlicher Texte aus der Feder venezianischer Nonnen. Diese Schreiberinnen aus Venedig, die sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts an der damals intensiv geführten „Querelle des femmes“ beteiligten, erweisen sich als kämpferische Befürworterinnen selbstbestimmten weiblichen Lebens und Denkens. Sie sprachen von der Überlegenheit des weiblichen über das männliche Geschlecht und riefen hierfür keinen geringeren als Gott selbst als Zeugen auf: Nach der Erschaffung Adams habe sich Gott nämlich nicht, so die Nonne Arcangela Tarabotti, wie an den anderen Schöpfungstagen zurückgelehnt und gesehen, dass es gut war – stattdessen ahnte er in seiner göttlichen Weisheit, dass der Mann ein unvollkommenes Wesen sei. „Non est bonum hominem esse solum“, sprach er und schuf Eva, die dem Mann erst die eigentliche Menschlichkeit verlieh. Auch der Drang zu höherer Erkenntnis sei der Frau, nicht dem Manne zu danken: Es sei Eva, nicht Adam gewesen, die nach der Frucht der Erkenntnis gestrebt habe – sein Part war der des taten- und willenlosen Mitläufers. Nun wird man vergleichbar radikale Zeugnisse frühfeministischen Aufbegehrens in anderen Frauenklöstern, zumal des Alpenraums, wohl kaum finden. Dennoch sind sie ein eindrucksvoller Nachweis einer insgesamt bisher lange Zeit marginalisierten Schreib- und Denkkultur weiblicher Ordensgemeinschaften, die es verdient, vermehrt in Erinnerung gerufen zu werden.

An die Stelle der frühen Marginalisierung von Klosterfrauen als „zurückgezogene Ordensfrauen“ und/oder deren „Heroisierung“ als frühe „Feministinnen“ sind in der gegenwärtigen Genderforschung neue Fragestellungen getreten. Die Klostergeschichte öffnete sich auf diese Weise breiteren Ansätzen und Blickwinkeln. So war es auch das besondere Anliegen der Tagung und dieses Bandes, eine Vielzahl von Perspektiven auf weibliches Klosterleben zuzulassen und fruchtbar zu machen. Die geografischen Koordinaten umspannen den Alpenraum, wenn sich auch häufig der Fokus auf das Tiroler Gebiet in seinen sich historisch laufend verändernden Grenzen richtet, um einzelne Aspekte konturenschärfer herauszuarbeiten.

Die erwähnte Exkursion auf den Säbener Berg im Rahmen der Tagung, die die ungewöhnliche Möglichkeit bot, ein Stück hinter die Klostermauern eines beschaulichen Ordens vorzudringen, erwies sich als programmatisch für den roten Faden, der sich durch die Tagung zog, nämlich das reale und symbolische Bild der Klostermauern, um die sich die Beiträge gruppieren – manchmal den Fokus auf das „Innerhalb“ richtend, manchmal die Perspektive der Ordensfrauen auf das „Außerhalb“ nachzeichnend.

Julia Hörmann-Thurn und Taxis geht den Anfängen der Errichtung von Klostermauern in Tirol und dem Trentino nach. Es ist eine Geschichte von bischöflichen und adeligen, später landesfürstlichen Initiativen, eingebunden in das Reichskirchensystem des Heiligen Römischen Reichs. Zahlreiche Dotationen verschafften den Klöstern die Grundlage, ihrer Aufgabe des Gedenkens und Betens für das Seelenheil, der Vermittlung von Bildung nachzukommen. Zugleich ließ sich mit ihnen auch Politik machen, und von einem abgeschiedenen Verweilen hinter Klostermauern konnte in manchen Fällen ganz und gar nicht die Rede sein, zu eng waren die Klöster in den Prozess der Landwerdung eingebunden.

Um sich ihrer in dieser Entwicklung zugestandenen Rechte zu versichern, begannen die Ordensfrauen – wie auch in Männerklöstern – nicht nur, Urkunden zu sammeln, neu bestätigen zu lassen oder gegebenenfalls auch zu fälschen, sondern sie hielten in frühneuzeitlichen Chroniken ihre Geschichte fest, protokollierten alle besonderen Ereignisse und gaben damit indirekt auch Auskunft über ihr Alltagsleben. Auf diesen reichhaltigen Quellen bauen gleich vier Beiträge des Bandes auf. Während Stefan Benz die Geschichtsschreibung als solche in Frauenklöstern untersucht, dringen Christine Schneider, Ingrid Facchinelli und Erika Kustatscher tief in das Innere der Klostermauern vor und nähern sich dem alltäglichen Leben der Ursulinen in Innsbruck, Bruneck und Graz, der Benediktinerinnen von Säben und der Klarissen von Brixen. Herta Arnolds Quellen über den Alltag des Klosterlebens sind hingegen nicht schriftlicher Art, sondern sie erzählt die Geschichte der Dominikanerinnen in Lienz anhand noch erhaltener Kunstgegenstände meist religiöser Art.

Wie durchlässig die Mauern jedoch waren und ein ständiges „Diesseits“ und „Jenseits“ ermöglichten oder sogar bedingten, zeigt nicht nur Eva Cescuttis Beitrag, der Maria Hueber, einer Pionierin der Mädchenerziehung, nachspürt und dabei die grundsätzliche Frage nach Bildung und Geschlecht stellt, sondern auch Ellinor Forsters Untersuchung der politischen Handlungsspielräume von Sonnenburger Stiftsdamen und Meraner Klarissen, die als Mitglieder des Prälatenstandes enger an die Landesherrschaft gebunden waren. Das Trauma der Klosteraufhebung wird im Beitrag von Christine Roilo als Nachhall und in „gebrochener“ Perspektive zum Thema, nämlich aus der Sicht der zuständigen politischen Behörden, als es um den mühsamen Neubeginn der Benediktinerinnen auf Säben im frühen 19. Jahrhundert ging.

Wie sehr das Hineinschauen in die Frauengemeinschaften über die Klostermauern hinweg stets die außerhalb Stehenden fasziniert hat, machen die Beiträge von Sigurd Paul Scheichl und Selma Mahlknecht deutlich – sei es in Form einer Satire von Conrad Ferdinand Meyer aus dem 19. oder in einer Reihe von Spielfilmen aus dem 20. Jahrhundert.

Ob der Fokus auf das Innen oder Außen oder das Changieren zwischen den beiden Sphären gelegt wird: Letztlich bleibt es doch der Blick der Forschenden, der sich von außen auf das Klosterleben richtet. Erst im abschließenden Beitrag von Sr. Klara Rieder dreht sich diese Perspektive um. Sie berichtet über ihren Werdegang als Ordensfrau und über das Leben zwischen Tradition und Zukunft. Dieses Spannungsfeld der unterschiedlichen vergangenen und gegenwärtigen, in verschiedene Richtungen weisenden Blickwinkel spiegelt sich auch am Buchcover. Hinter der steilen, fast abweisenden Front von Säben wird – zugegebenerweise durch ein Stück Geschichtsklitterung – eine Oberin der Ursulinen von Bruneck sichtbar – mit einem Buch, vielleicht einer Chronik, in der Hand, die zur historischen Forschung aus der Binnenperspektive auffordert.

Abschließend möchten wir danken – für die Initiative und das Interesse Frau Landesrätin Dr. Sabina Kasslatter Mur, für die materielle und ideelle Unterstützung Herrn Dr. Marjan Cescutti sowie Herrn Dr. Günther Kaufmann für die tatkräftige Hilfe bei der Bildausstattung der einzelnen Beiträge. Ein besonderer Dank gebührt Frau Dr. Mercedes Blaas für die Betreuung des Bandes.

DIE HERAUSGEBERINNEN

Chronik und Geschichte

Frauenklöster im mittelalterlichen Tirolund im Trentino – Ein Überblick

JULIA HÖRMANN-THURN UND TAXIS

Die erstgereihten Beiträge von Sammelbänden haben in der Regel eines gemeinsam – sie dienen als Einleitung in das Rahmenthema, geben zusammenfassende Überblicke und/oder umreißen die Forschungssituation. Wie schon der Titel meines Beitrages klar macht, wird es auch diesmal so sein, wenn auch in erster Linie die Tiroler Frauenklöster im Fokus stehen, der gesamte Alpenraum, den der Buchtitel vorgibt, hingegen nur zu Vergleichszwecken herangezogen werden kann. Es wäre nicht möglich gewesen, sämtliche Gründungen entsprechend gleichwertig zu erfassen. Außerdem fehlt bislang eine Überblicksdarstellung der Tiroler Frauenklöster im Mittelalter, weshalb es schon deshalb sinnvoll schien, sich darauf zu konzentrieren.1

Sehr viele Gründungen hat es – das sei gleich vorweggenommen – im Land an der Etsch und im Gebirge nicht gegeben, auch sind nicht alle weiblichen Ordenszweige vertreten – es fehlen beispielsweise die Zisterzienserinnen – und ebenso haben nicht alle Gemeinschaften lange Bestand gehabt. Jene Klöster jedoch, die sich mit entsprechender weltlicher Unterstützung etablieren konnten, haben deutliche Spuren in der Landesgeschichte hinterlassen und neben ihrer zentralen Aufgabe als religiöser Rückzugsort, Versorgungsinstitution, Kulturträger und Gebetsgemeinschaft auch wirtschaftlich eine Rolle gespielt. Sie sind in der Regel mehr oder weniger gründlich wissenschaftlich bearbeitet, wobei dankenswerterweise stets das Mittelalter mehr Zuwendung erfahren hat als die neuzeitliche Entwicklung. Freilich handelt es sich um spezifische Einzeluntersuchungen, die wichtige Fragen (Verwaltungsorganisation, Sozialstruktur der Konvente, wirtschaftliche Situation, kulturelle Leistungen usw.) für eine vergleichende Studie nicht immer gleichermaßen erschöpfend beantworten. Einer vor allem auf Literaturbasis aufbauenden Überblicksdarstellung sind damit Grenzen gesetzt, weshalb sich meine Ausführungen auf eine Sichtung der zur Verfügung stehenden Informationen konzentrieren; das hat den Vorteil, dass die Forschungslücken transparenter werden und sich offene Fragen deutlicher fassen lassen. Damit verknüpft ist auch der Wunsch nach einer künftigen fundierten komparativen Studie der mittelalterlichen Tiroler Klosterlandschaft.

Allgemeines

Natürlich lassen sich die Frauenklöster nicht über einen Kamm scheren. Allein die unterschiedliche Ordenszugehörigkeit bedeutet eine jeweils andere Schwerpunktsetzung im gemeinsamen Leben der Nonnen: Die aus einem Kanonissenstift hervorgegangenen Benediktinerinnen von Sonnenburg lebten ein relativ freies und selbstbewusstes Leben ohne Klausur, währenddessen sich beispielsweise die Brixner Klarissen zumindest in ihren Anfängen als ein geschlossenes Kloster verstanden. Absolute Abkehr von der Welt, Armut und Gebet waren die Maxime ihrer Lebensweise, die in dieser radikalen Form aber auf Dauer auch in Brixen nicht beizubehalten war.

Fanden bei den Benediktinerinnen vor allem adelige Frauen Aufnahme, war die soziale Zusammensetzung bei den weiblichen Bettelorden heterogener. Allerdings wurden auch dort, das gilt im Besonderen für die landesfürstlichen Gründungen, Eintretende aus höheren sozialen Schichten – also dem Adel oder Bürgertum – bevorzugt. Eine prosopografische Untersuchung der sozialen Zusammensetzung der Tiroler Frauen- wie auch der Männerklöster steht noch aus und wäre eine sicherlich lohnende Forschungsaufgabe. Ein Hindernis zumindest für das Mittelalter ist allerdings das Fehlen genauer Namenslisten, was eine Zuordnung und verbindliche Aussagen natürlich erschwert. Auch die Größe der jeweiligen Konvente ist daher nur schwer rekonstruierbar.

Insgesamt gab es im heutigen Bundesland Tirol, in Südtirol und im Trentino bis um 1500 neun – Müstair eingerechnet zehn – historisch dokumentierte Frauenklöster. Im Trentino lassen sich bis auf das 1229 gegründete Trienter Klarissenkloster San Michele und das Ende des 13. Jahrhunderts ebenfalls in Trient belegte und bereits 1449 wieder aufgegebene Kloster der Dominikanerinnen Santa Margherita di Sorbano religiöse Frauengemeinschaften vor allem im Verbund mit Männerklöstern bzw. in Zusammenhang mit den zahlreichen Pass- und Weghospitälern festhalten. Allerdings haben diese gemischten Gemeinschaften kaum Spuren hinterlassen. Die wenigen Erwähnungen von „fratres et sorores“ datieren zum Großteil ins 13. Jahrhundert, nach dem 14. Jahrhundert gibt es sie überhaupt nicht mehr. „Fratres et sorores“ bzw. „monache et converse“ sind in folgenden Klöstern und Hospitälern – die meist ordensähnlich strukturiert waren und nach der Augustinerregel lebten – des Trentino gemeinsam nachweisbar2: San Biagio di Revó, San Tommaso di Romeno/Nonsberg, San Bartolomeo del Tonale, Santa Maria/Madonna di Campiglio, Sant’Anna di Sopramonte, San Martino di Castrozza in der Diözese Feltre. In Trient selbst finden wir solche weiblichen und männlichen religiösen Lebensgemeinschaften im Leprosenhaus San Nicoló3 und auch bei den Klarissen von San Michele.4 Diese kurzlebigen und schwer einordenbaren Mischformen klösterlichen Lebens können hier nur am Rande erwähnt werden; lediglich Sant’Anna di Sopramonte, das zu den bedeutenderen und besser dokumentierten gemischten Klostergemeinschaften gehörte, soll beispielhaft ausführlicher behandelt werden, ist jedoch ebenfalls nicht in der Liste der neun Frauenklöster enthalten, da eine offizielle Ordenszugehörigkeit auch bei dieser Gemeinschaft nicht der Fall war.

Zu den religiösen Frauengemeinschaften außerhalb der regulierten Orden zählen neben den „sorores“ von Sant’Anna di Sopramonte die Waldschwestern im Halltal und die Beginen in Bruneck – eine vor allem in Deutschland und Belgien verbreitete Form des religiösen Zusammenlebens für Frauen, die sich keinem Ordensgelübde unterwerfen wollten bzw. dies aufgrund ihrer niederen sozialen Herkunft und ihres mangelnden finanziellen Backgrounds nicht konnten.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!