Frauenspuren in Mödling II -  - E-Book

Frauenspuren in Mödling II E-Book

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Beschreibung

Wiederum wurden sechs Frauen vor den Vorhang geholt, weitere Frauen, deren Lebenslinien unterschiedlicher nicht sein könnten, die Mut bewiesen haben und Durchhaltevermögen, sich engagierten und Wichtiges leisteten, gestalterisch, künstlerisch oder sozial. Ihre Geschichten zeigen deutlich, wie schwierig das zwanzigste Jahrhundert mit seinen Brüchen für einige, für manche mehr als für andere, war.

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EPUB

Seitenzahl: 40

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Wir danken der Stadtgemeinde Mödling für die Unterstützung

Herausgegeben von Gabriele Schätzle-Edelbauer, Sylvia Unterrader,

Raphaela Edelbauer, Lena Treitler

Inhaltsverzeichnis

Editorial

Schwester Maria Restituta

Waltraut Eschelmüller

Mitsuko Coudenhove-Kalergi

Paula Schwamberger

Ruth Roschanz

Maria von Schmedes

Anhang

Editorial

Sechs Frauen waren es, die wir im letzten Jahr in unserer ersten Publikation „Frauenspuren“ wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit bringen konnten.

Frauen, die in Mödling gewirkt und oftmals Außergewöhnliches geleistet hatten, ob in der Politik, ob in der Kunst, ob mit ihrem sozialen Engagement - mit ihrem Mut und ihrer Kreativität haben sie immer wieder zum Wohle ihrer Umgebung und ihrer Mitmenschen beigetragen.

Zahlreiche Interessierte begleiteten uns bei Spaziergängen zu den Wirkstätten der beschriebenen Persönlichkeiten, andere machten uns Vorschläge, denn hier kannte man die eine besondere Frau, dort nannte uns jemand einen weiteren Namen.

Besonders erfreulich ist, dass wir erreichen konnten, dass das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Bezeichnungen der Straßen oder Plätze ein klein wenig verschoben wurde: Seit September 2017 führt die Lisl-Engels-Brücke über den Mödlingbach, benannt nach der in Mödling geborenen Künstlerin, deren Geschichte Sie in unserer vorigen Publikation nachlesen können.

Dies war jedoch nur der Anfang, der erste Schritt.

Doch vorerst begaben wir uns erneut auf Spurensuche, gingen Hinweisen nach, recherchierten Hintergründe, besuchten Museen, fragten bei Institutionen an, suchten nach Originalmaterialien und sprachen mit

Familienangehörigen, Weggefährtinnen und -gefährten sowie zahlreichen Personen, die uns unterstützten und denen wir an dieser Stelle besonders danken möchten.

Und so haben wir weitere sechs Frauen vor den Vorhang geholt, deren Lebenslinien unterschiedlicher nicht sein könnten, jedoch zeigen ihre Geschichten deutlich, wie schwierig das zwanzigste Jahrhundert mit seinen Brüchen für einige, für manche mehr als für andere, war.

Es waren für uns Monate voller interessanter Begegnungen und Gespräche, die uns bereichert und vieles uns Unbekanntes ans Licht gebracht haben.

Schwester Maria Restituta

„Nun, wie lange ich noch in diesen Mauern bleiben muss? Wohl um keine Sekunde länger, als es mein himmlischer Vater bestimmt, und dies genügt. Den Berg hinan gehe ich gern, denn von dort ist es nicht mehr weit in die ewige Heimat.“1

Als Schwester Restituta, geborene Helene Kafka, Mitglied des Franziskanerordens und ausgebildete Krankenschwester, im Jahr 1942 des Hochverrats angeklagt im Wiener Landesgefängnis saß, durfte sie nur alle 30 Tage einen Brief schreiben. Dieser monatliche Brief musste einen weiten Weg zurücklegen: Um der Zensur zu entsprechen, wurde er von Wien erst nach Berlin zur zuständigen Behörde geliefert, um schließlich, oft erst vier Wochen später, wieder in Wien oder Mödling bei dessen Adressaten anzukommen.

Denn Schwester Restituta war als Feindin des Reiches inhaftiert und es erwartete sie die Exekution – hätte sie sich so kritisch geäußert, wie sie es gewollt hatte, so kritisch wie in dem Text, der zu ihrem Todesurteil geworden war, wäre ihr auch dieser letzte Weg, mit ihren Vertrauten zu kommunizieren, verwehrt geblieben.

„Ich warte jeden Tag, ob mein Kreuzweg bald die Höhe Kalvarias erreicht oder ob der liebe Gott es anders beschlossen hat. Doch ob so oder so, sein heiliger Wille geschehe. In diesem seinem heiligen Willen liegt mein ganzer Trost, und täglich sage ich aufs neue „ja, Vater“, und es geht alles gut.“2

Maria Restituta ist eine der wenigen Frauen, denen heutzutage in Mödling eine Straße gewidmet ist, und das mehr als zurecht: Als Widerstandskämpferin während des Nationalsozialismus´ wurden ihr posthum zahlreiche Ehrungen zuteil. Man mag freilich argumentieren, dass diese Ehrungen für die Frau, die 1894 in Brünn geboren wurde, zu spät kamen – wer ihre Biografie studiert, begreift aber, dass es ihr selbst zeitlebens nie um Äußerlichkeiten oder Ruhm ging.

Die als Schuhmachertochter im Alter von zwei Jahren nach Wien gekommene Helene Kafka zeigte schon in jungem Alter nicht nur die Tendenz, in jeder Lage ihrem Gewissen zu folgen, sondern auch jene Starrköpfigkeit, die ihr später an ihren Arbeitsplätzen den Spitznamen "Schwester Resoluta" einbrachte.

Als sie sich mit 19 Jahren dem Franziskanerorden angeschlossen hatte, beeilte sich die frischgebackene Ordensfrau auch eine Krankenschwester zu werden. Zunächst Krankenpflegerin in Lainz, kam sie schließlich nach Mödling in das örtliche Krankenhaus.

Nachdem sie vorerst ab 1919 als Operationsschwester den nach dem Ersten Weltkrieg dringend benötigten Chirurgen zur Hand ging, arbeitete sie sich zur Oberschwester hoch. Nicht nur ihre Kompetenz, sondern auch ihr lockerer Umgang mit schwierigen Situationen machten Restituta beliebt – und das auch außerhalb des Krankenhauses.

Josefine Zimmerl, Mitglied der Widerstandsgruppe Scholz, mit der sie später in Haft sitzen sollte, berichtete in einem Brief, der dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands vorliegt, vom Eindruck, den die resolute Frau auf sie machte: