Freibeuterin der Lüste - Cleo Cordell - E-Book

Freibeuterin der Lüste E-Book

Cleo Cordell

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Beschreibung

Diese Frau nimmt sich, was sie will. Die bildschöne junge Witwe Carlotta Mendoza rettet sich vor dem machthungrigen Don Felipe in ein Leben auf See. Schon bald kennen Seemänner von nah und fern sie als die furchtloseste Freibeuterin der Weltmeere – und als so leidenschaftliche wie grausame Geliebte. Nur einem einzigen Mann gelingt es, die stolze Seeräuberin aus der Reserve zu locken: dem attraktiven Piraten Manitas le Vasseur …

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EPUB

Seitenzahl: 406

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Cleo Cordell

Freibeuterin der Lüste

Erotischer Roman

Aus dem Englischen von Julia Peters

Ihr Verlagsname

Über dieses Buch

Diese Frau nimmt sich, was sie will.

 

Die bildschöne junge Witwe Carlotta Mendoza rettet sich vor dem machthungrigen Don Felipe in ein Leben auf See. Schon bald kennen Seemänner von nah und fern sie als die furchtloseste Freibeuterin der Weltmeere – und als so leidenschaftliche wie grausame Geliebte. Nur einem einzigen Mann gelingt es, die stolze Seeräuberin aus der Reserve zu locken: dem attraktiven Piraten Manitas le Vasseur …

Über Cleo Cordell

Cleo Cordell ist Autorin mehrerer erotischer Romane.

Inhaltsübersicht

Kapitel einsKapitel zweiKapitel dreiKapitel vierKapitel fünfKapitel sechsKapitel siebenKapitel achtKapitel neunKapitel zehnKapitel elfKapitel zwölfKapitel dreizehnKapitel vierzehnKapitel fünfzehnKapitel sechzehn

Kapitel eins

Carlotta Mendoza ließ sich in die bestickte Leinenbettwäsche zurücksinken und sah dem jungen Mann beim Anziehen zu. Die Morgensonne brachte die Wandvertäfelung aus Rosenholz zum Erglühen und funkelte in den bleigefassten Fensterscheiben.

Mit dem Rücken zu ihr zog sich Hernando das weite Hemd über und schnürte es am Hals zu. Hin und wieder warf er einen Blick über die Schulter, als erwarte er einen Kommentar bezüglich seiner herausragenden Fähigkeiten als Liebhaber.

Carlotta aber wollte ihm diese Genugtuung nicht gönnen. Er war auch so schon einigermaßen eingebildet und hatte bereits ausreichend Frauen um sich, die seiner Eitelkeit schmeichelten.

Sie gähnte und reckte sich und schob die Fülle ihres Haares vom Nacken weg, bis es wie ein dunkler Fächer auf dem Kissen ausgebreitet war. Eine angenehme Trägheit bemächtigte sich ihrer, wie sie so dalag und die Spannung langsam aus ihren Gliedern wich. Der Moschusduft ihres eigenen Körpers stieg ihr in die Nase, und doch beschloss sie, erst einmal nicht zu baden. Sie roch sie gerne, die Säfte leidenschaftlicher Begierde auf ihrer Haut.

Sie ließ den Blick über den Körper des jungen Mannes schweifen und bewunderte seine breiten Schultern und seine schmalen Hüften. Seine Beine waren lang und muskulös. Die wenigsten Männer wirkten sogar in einem nur knapp bis zu den Oberschenkeln reichenden sackartigen Hemd noch begehrenswert, doch Hernando war einer von ihnen.

«Stört es dich, wenn ich dich beobachte?», fragte sie ihn mit tiefer, rauer, ein klein wenig provozierender Stimme.

Sie kannte die Antwort bereits. Sie verriet sich in der Haltung seiner Schultern und in der Entschlossenheit, mit der er nun das Gesicht von ihr abgewandt hielt.

«Nein, ganz und gar nicht», log er.

Ein Lächeln spielte um Carlottas vollen roten Mund. Die meisten Männer verstörte ihre Direktheit. Doch im katholischen Spanien blieb einer Frau keine große Wahl. Sie konnte entweder zur Verkörperung der Heiligen Jungfrau werden, zu einer allseits respektierten gottesfürchtigen Witwe oder zu einer Hure. Carlotta war nichts dergleichen oder am ehesten eine Mischung aus allen dreien – eine Tatsache, die auf Männer ebenso anziehend wie abstoßend wirkte.

Carlotta war sich dessen sehr wohl bewusst und nahm es als unabänderlich hin. Sie lebte ohnehin nach ihren ganz persönlichen Moralvorstellungen. Als vermögende Witwe hatte sie die freie Wahl zwischen zahlreichen stattlichen jungen Männern, die sich allesamt Hoffnungen machten, ihr nächster Gemahl zu werden. Es amüsierte sie, wenn sie sie umtanzten wie Motten das Licht, wobei sie allerdings keinen Gedanken daran verschwendete, noch einmal in den heiligen Stand der Ehe zu treten. Eine arrangierte Ehe genügte ihr voll und ganz, und als Ignacio Mendoza – vierzig Jahre älter als sie und ebenso hartherzig wie habgierig – vor zwei Jahren an der roten Ruhr gestorben war und ihr seinen gesamten Besitz hinterlassen hatte, war das wahrhaftig kein Verlust für sie gewesen.

«Soll ich heute Nacht wiederkommen?», fragte Hernando, ein selbstgefälliges Lächeln auf den Lippen und mit einem Blick, der ihr sagen sollte: «Wie könntest du mich zurückweisen?»

«Ich lasse dich rechtzeitig wissen, wann du mir wieder zu Diensten sein darfst», erwiderte Carlotta kühl.

Sie hätte ihm natürlich auch erklären können, dass sie einem vielgerühmten, bei Hofe äußerst angesehenen Maler Modell sitzen musste, doch sie verzichtete darauf. Schließlich hätte sie mit einer Entschuldigung nur den Eindruck vermittelt, dass sie es bedauerte, die Nacht ohne ihn verbringen zu müssen. Dabei war Hernando ein durchaus angenehmer junger Mann, attraktiv und intelligent. Zudem erwies er sich als leidenschaftlicher, wenngleich etwas unerfahrener Liebhaber. Dennoch wollte sie sich nicht allzu sehr mit ihm einlassen, denn eine übergroße Nähe zwischen ihnen würde in ihm womöglich nur die Illusion nähren, dass er Ansprüche auf sie geltend machen könnte. Doch vier Jahre Ehe mit Ignacio hatten Carlotta gelehrt, ihre Freiheit über alles andere zu stellen.

Sie verschränkte die Arme hinter dem Kopf, hob das Kinn und betrachtete wieder eingehend den schönen Jüngling, der mit ihr das Bett geteilt hatte.

Hernandos scharfgeschnittenes, von der Morgensonne in ein silbriges Licht getauchtes Profil war so rein und unschuldig wie das eines Heiligen auf dem bunten Fenster einer Kathedrale. Als er sich ihr zuwandte, sah sie die Erregung in seinen Augen aufflammen, bevor er sie verbergen konnte.

Langsam schob sie die zerknitterten Laken bis zu ihrer Taille hinab, belustigt davon, dass er den Blick nicht von ihren hohen, vollen Brüsten und ihren großen, rosigen Brustwarzen lassen konnte. Trotz seiner Verärgerung über die Art und Weise, wie sie ihn davonschickte, reagierte Hernando unwillkürlich auf ihre Schönheit und die pure Sinnlichkeit, die sie ausstrahlte.

«Vielleicht könntest du mir doch noch einen Gefallen tun, falls dir danach zumute ist», hauchte sie. Beim Anblick seiner schmollenden Miene konnte sie sich nur mit Mühe ein Lächeln verkneifen.

Sie merkte, wie er mit der Versuchung kämpfte. Seine Augen waren schon ganz glasig vor Begierde, seine Hand aber vor Anspannung zur Faust geballt. Sie warf den Kopf in den Nacken und lachte ihr volles, an das Glucksen eines Baches erinnerndes ansteckendes Lachen. Es war immer dasselbe. Ihre Liebhaber wussten in solchen Augenblicken nie recht, ob sie sie mit Küssen überhäufen, um ihre Gunst werben oder voller Zorn aus ihrem Schlafgemach stürmen sollten.

Hernando aber war viel zu fasziniert und zu unerfahren, um Letzteres zu tun und zu riskieren, sie damit womöglich zu kränken.

«Na, was ist?», lockte sie. «Oder hast du dein Pulver schon verschossen?»

Hernandos Mund verzog sich zu einem schiefen Grinsen, als er sich geschlagen gab.

«Du Hexe», murmelte er. «Mit welcher schwarzen Kunst hast du es bloß geschafft, mich in deinen Bann zu schlagen?»

Er beugte sich zu ihr herab und bedeckte ihren nackten Leib mit seinem halbbekleideten Körper. Dann griff er mit den Fingern in ihr ungebändigtes schwarzes Haar und zog sie ganz nah an sein Gesicht heran. Er presste seine hungrigen Lippen auf die ihren und drang entschlossen in ihren Mund ein, bis ihre Zungen aufeinandertrafen. Carlotta ging wollüstig darauf ein, packte ihn an den breiten Schultern und sog begierig seinen frischen, animalischen Duft ein.

Ihre jähe Begierde verblüffte sie selbst. Eigentlich hatte es nur ein Spiel sein sollen; sie hatte ihn nur ein wenig necken wollen, doch mit einem Mal quälte sie das Verlangen, ihn in sich zu spüren. Manchmal glaubte sie, nur beim Liebesakt wirklich zu leben.

«Besorg es mir auf der Stelle», befahl sie, rutschte zur Seite und schob die zerwühlten Laken beiseite. Dann hob sie die Beine an und spreizte die Schenkel. «Ich bin bereit.»

Ihre Scheide war nass und angeschwollen nach der leidenschaftlichen Nacht, die prallen Schamlippen glitschig von seinem und ihrem eigenen Saft. Ihre Unverblümtheit erschreckte ihn, wie sie unschwer erkennen konnte, doch sein prächtiger junger Schwanz schoss machtvoll in die Höhe.

Vor ihr kauernd, starrte Hernando auf ihr sich ihm offen darbietendes Organ, das sich lustrot und glänzend gegen das seidig schwarze Haar auf ihrem Venushügel absetzte. Als er seine Finger über die Innenseite ihres festen weißen Schenkels gleiten ließ, erschauderte Carlotta. Behutsam näherte er sich ihrem pulsierenden Mittelpunkt, während sein Blick den Weg seiner Finger über ihre Haut verfolgte.

«Was ist los? Hast du noch nie eine nackte Frau vor dir liegen sehen?»

Er schüttelte den Kopf. «Nicht vor der gestrigen Nacht. Es ziemt sich nicht. Meine Gattin hat sich noch nie vor mir entblößt. Sie ist eine gottesfürchtige, tugendhafte Frau und lässt sogar zum Baden den Unterrock an.»

«Und was ist mit deinen Geliebten?»

«Die verlangen, die Kerze zu löschen, bevor sie auch nur den Rock heben. Keine von ihnen würde es je wagen, sich mir so darzubieten, selbst wenn ich sie darum bäte.»

Carlotta lachte leise in sich hinein. Ihr war sehr wohl bewusst, dass die meisten Frauen sich so verhielten. Schließlich predigte die Kirche, dass der weibliche Körper bedeckt bleiben müsse, um zu verhindern, dass die Begierden der Männer durch den freien Blick auf den Quell ihrer Lüsternheit auf ungehörige Weise entflammt würden. Doch die Vorstellung, der weibliche Körper sei von vornherein sündig, hatte sie noch nie zu überzeugen vermocht. Ihrer Ansicht nach lag das Problem eher in den Köpfen der Männer.

«Armer Hernando», sagte sie, ohne die Belustigung in ihrer Stimme zu verbergen, «deshalb bist du also von der Spalte zwischen meinen Beinen so fasziniert? Dann weide dich meinetwegen daran. Und schmeck mich ruhig noch einmal, wenn du möchtest. Du hast meine Fut gestern Nacht ja anscheinend sehr genossen.»

Er fluchte leise, und ein Hauch von Röte legte sich auf seine Wangen. «Ihr solltet so etwas nicht sagen. Das … das ist nicht richtig. Ich habe noch nie eine Frau wie Euch gekannt. Ihr seid so schön, so bezaubernd. Aber Ihr seid eine schlechte Frau.»

Carlotta zuckte mit den Achseln, und ihre Brüste bebten. «Ich habe ja versucht, gut zu sein, aber es ist so langweilig. Ich kann einfach nicht glauben, dass es schlecht sein soll, ein derartiges Vergnügen miteinander zu teilen. Ist es falsch, wenn ich nach dem verlange, wonach ich mich sehne? Nur weil ich eine Frau bin?»

Hernando schüttelte den Kopf. «Ich weiß es nicht. Ich denke eben, dass es falsch ist. Aber wenn ich mit Euch zusammen bin, scheint das keine Rolle mehr zu spielen. Ich weiß sehr wohl, dass Ihr mich nicht liebt, aber ich kann Euch einfach nicht widerstehen.»

«Dann versuch es doch gar nicht erst.»

Mit einem Stöhnen ließ er seine Hände unter ihre Hinterbacken gleiten und hob sie zu sich hinauf. In einer einzigen geschmeidigen Bewegung drang er tief in sie ein.

Carlotta wand sich unter ihm, berauscht davon, wie sehr sein dicker Schaft sie erfüllte und wie kräftig er sie stieß. Das pralle Fleisch rieb sich an ihrem und löste in ihr kleine Wellen der Lust aus. Sie umschlang ihn mit ihren inneren Muskeln, hob das Schambein an und presste ihre geschwollene, schmerzende Knospe gegen seinen Unterleib.

«Mein Gott, Jungfrau Maria», keuchte Hernando, während er sie nahm und seine strammen Hinterbacken sich bei jedem Stoß mehr anspannten.

Er brauchte lange, bis er kam, denn sie hatte ihn die Nacht über hart rangenommen. Carlotta umfasste ihre Brüste und rieb ihre Brustwarzen. Sie wusste, dass es ihn schier um den Verstand brachte, wenn er sah, wie sie sich selbst liebkoste. Als er zum ersten Mal gesehen hatte, wie sie ihre Brüste streichelte, hatte ihn das so erregt, dass es ihm auf der Stelle gekommen war und sein Samen sich in ihre hochgeschobenen Röcke ergossen hatte.

Hernando schob sich noch tiefer in sie, und seine Hoden schlugen sanft gegen den unteren Teil ihrer hochgereckten Hinterbacken. Carlotta stöhnte und packte seine schmalen Hüften, um Stärke und Tiefe seiner Stöße zu bestimmen.

«Du wunderbare Hure!», stöhnte er, als Carlotta den Rücken durchbog und auf seiner Rute vor und zurück glitt.

Die feuchten blonden Locken auf Hernandos Lenden kitzelten die pralle, rosige Perle im Zentrum ihrer Lust, und sie spürte das starke innere Pulsieren, als sie sich dem Höhepunkt näherte. Sie schrie auf, und ihre Nägel bohrten sich in seine muskulösen Backen und schrammten über seine warme goldene Haut. Er stöhnte, zog sich aus ihr zurück und verspritzte seinen Samen über ihren lilienweißen Bauch, bevor er erschöpft auf sie fiel.

Carlotta strich ihm das verschwitzte blonde Haar aus der hohen Stirn. Sie hielt ihn fest, bis sein Atem sich beruhigt hatte. Nach einer Weile wälzte sich Hernando von ihr herunter. Langsam setzte er sich auf.

Er streichelte über die feuchten Locken auf ihrer Scham und fuhr anschließend mit einer Fingerspitze über ihren glitschigen Spalt. Seine Berührung war voller Zärtlichkeit und Erstaunen.

«Ich könnte noch ein wenig bleiben», murmelte er.

Sie schüttelte den Kopf und schob ihn sanft beiseite.

«Besser nicht.»

Hernando sank auf die Knie und nahm die Hand, die sie ihm entgegenstreckte. Seine Finger wärmten ihre Haut, und sein Mund war weich, als er jeden ihrer langen blassen Finger küsste.

«Deine Nägel sind wie Mandeln», erklärte er. «Weißt du eigentlich, dass ich dich anbete?»

«Du schöner Jüngling», flüsterte sie. «Geh jetzt. Ich habe heute noch zu tun. Ich werde bald nach dir schicken lassen.»

Hätte sie nicht einen Besuch von Don Felipe Escada erwartet, sie wäre womöglich der Versuchung erlegen, den ganzen Vormittag mit Hernando zu verbringen. Er war so unersättlich und voller Energie – und so ergötzlich leicht zu schockieren.

Als er seine Hose anzog, musste sie ein Gähnen unterdrücken; die dunkle Glut ihres letzten Orgasmus kühlte bereits ab. Ihre Gedanken schweiften schon wieder zu anderen Dingen. In einer Stunde würde der französische Fechtmeister eintreffen, um ihr ihre tägliche Lektion zu erteilen. Dafür musste die Zeit noch reichen, bevor Don Felipe eintraf und sie ihr schönstes Kleid anlegte, um ihren Gast zu empfangen.

«Daṅn empfehle ich mich jetzt und erwarte mit Ungeduld Eure Botschaft», unterbrach Hernando ihre Gedanken. Er trug nun ein gestepptes ledernes Wams und Kniehosen. Als er sich verbeugte, zitterte sein einzelner Perlenohrring. «Möge Gott Euch einen guten Tag schenken, Doña Carlotta.»

Carlottas Mundwinkel zuckten angesichts seiner formellen Verabschiedung. «Auch dir einen guten Tag, Hernando.»

Sobald er das Schlafzimmer durch die getäfelte Tür verlassen hatte, ergriff sie eine Glocke und läutete nach Juanita. Im nächsten Augenblick war ihre Dienstmagd auch schon da, ein Tablett in der Hand.

«Ich bringe Euch Euren morgendlichen Hippokras, frisches Brot und Honig», erklärte Juanita. «Als ich hörte, dass Euer Gast im Gehen begriffen war, dachte ich, Ihr könntet … eine kleine Stärkung vertragen.»

«Zügle deine Unverschämtheit», erwiderte Carlotta sanft und ohne jeden Groll. «Stell einfach nur das Tablett neben mir ab.»

Juanita war schon seit ihrer Kindheit mit ihr zusammen, und Carlotta hatte keine Geheimnisse vor ihrer Gefährtin. Doch es war gelegentlich nötig, sie daran zu erinnern, wer von beiden die Herrin war.

«Lass mir ein Bad ein, Juanita, und leg für später das pflaumenblaue Samtkleid und den silbernen Unterrock zurecht. Ich ziehe mich nach meiner Fechtstunde um. Ich möchte so schön wie möglich sein; Don Felipe ist schließlich eine bedeutende Persönlichkeit.»

Juanita machte einen Knicks, und ein Lächeln huschte über ihr hübsches ovales Gesicht. Die Aussicht auf den Besuch eines solchen Mannes war aufregend. Vielleicht sah ihre Herrin in ihm ja einen möglichen Freier. Aus Juanitas Sicht war es allerhöchste Zeit, dass Carlotta wieder den Bund der Ehe einging.

«Sieht Don Felipe gut aus?», fragte Juanita mit Unschuldsmiene.

Carlotta antwortete ihr mit einem Grinsen. «Keine Ahnung. Ich kann mich kaum an ihn erinnern. Wir haben uns vielleicht dreimal gesehen, und beim letzten Mal war ich dreizehn. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was er von mir will.»

Ich schon, dachte Juanita. Bestimmt das, was sie alle wollen. All ihrer Selbständigkeit und Weitläufigkeit zum Trotz konnte Carlotta manchmal ganz schön naiv sein.

«In ganz Kastilien gibt es garantiert nicht einen einzigen halbwegs vitalen Mann, der von Euch noch nicht gehört hat», sagte sie. «Ihr seid schließlich die schönste und begehrenswerteste Frau weit und breit.»

Als Carlotta nicht darauf einging, fühlte Juanita sich ermutigt fortzufahren. «Sich Liebhaber zu halten ist das eine, aber wenn Ihr nicht bald wieder heiratet, kommt Ihr schnell ins Gerede. Es ist jetzt bereits zwei Jahre her, und seit einem Jahr schon seid Ihr nicht mehr in Trauer. Es … es ziemt sich einfach nicht, weiterhin so …»

Unter Carlottas funkelndem Blick verstummte Juanita.

«Meinst du, ich sollte mich nicht wie ein Mann benehmen und mir Liebhaber halten, wann immer mir der Sinn danach steht? Aber unter dem Schutz eines Ehemannes wäre das geduldet? Eines Mannes, der von mir erwarten würde, ihn zu bedienen, der mein Geld zum Fenster hinauswerfen und mich zwingen würde, darüber kein Wort zu verlieren? Meinst du das?»

Juanita nickte, sagte aber nichts. Sie wusste, wann sie verloren hatte. Carlotta verfügte über ein ungewöhnliches Talent, die Konventionen der Gesellschaft ins Lächerliche zu ziehen. Innerlich zuckte Juanita nur mit den Achseln, denn seit sie Carlotta kannte, hatte diese ihre eigenen Regeln aufgestellt. Sie liebte ihre Freundin und Herrin wie eine Schwester, machte sich aber auch Sorgen um sie. Carlotta nahm kein Blatt vor den Mund und scheute sich nicht, diejenigen zu brüskieren, die ihre Ansichten nicht teilten.

«Möchtet Ihr Eure Amethyst-Ohrringe tragen?», fragte sie resigniert.

«Ende der Belehrung?», sagte Carlotta mit einem gutmütigen Funkeln in den Augen. «Ja, bitte, die Amethyste und die Perlenketten. Danke, Juanita. Das ist alles.»

Als Juanita das Schlafzimmer verlassen hatte, goss Carlotta sich etwas Hippokras ein. In kleinen Schlucken aus dem Becher aus getriebenem Gold genoss sie die süße Würze des mit Kräutern versetzten Weines, aus dem sie neben den Trauben auch Zimt und eine Spur Nelken herausschmeckte. Dann griff sie nach einem Kästchen aus Eichenholz und holte den Brief heraus, der am Vortag angekommen war.

Sie war stolz darauf, des Lesens mächtig zu sein, und auch Ignacio hatte trotz seiner sonstigen Mängel die Fähigkeiten seiner Gattin durchaus zu schätzen gewusst. Die wenigsten unter seinesgleichen konnten sich einer Ehefrau rühmen, die in klassischer Literatur bewandert war und sich über die dichterischen Werke etwa eines Homer verbreiten konnte. Er hatte wohl gehofft, dass der Glanz ihrer Bildung auch auf ihn abstrahlte.

Als Carlotta das Papier entfaltete, fiel ihr Blick auf das Band und das schwere Wachssiegel, bevor sie Don Felipes krakelige Handschrift überflog. Dem kurzen Brief war keinerlei Hinweis auf den Anlass seines Besuchs zu entnehmen. Er informierte sie lediglich darüber, dass Don Felipe sie gegen Mittag aufsuchen werde, weil er mit ihr etwas Dringliches zu besprechen habe.

Sie konnte sich nur dunkel an einen großgewachsenen, eher streng dreinblickenden dunkelhaarigen Mann erinnern. Allerdings war aus der Sicht eines Kindes jeder Erwachsene groß. Don Felipe hatte als Kaufmann mit Wolle ein Vermögen verdient. Gelegentlich hatte er das Haus ihrer Familie besucht, um mit ihrem Vater geschäftliche Angelegenheiten zu erörtern. Er war ihr reichlich steif und humorlos und ausgesprochen förmlich erschienen, und sie hatte ihn nie sonderlich gemocht.

Beim Gedanken an diesen Mann lief es ihr – trotz des sonnigen, warmen Morgens – eiskalt den Rücken herunter.

Sie trank den Becher aus, schenkte sich noch einmal ein und glitt wieder unter die Bettdecke. Wann kam Juanita endlich mit dem Badewasser? Sie konnte es kaum erwarten, im duftenden, mit Rosenblättern versetzten Nass zu liegen, während Juanita ihr das Haar mit Orangenblütenwasser spülte.

Sie ließ sich in die Kissen fallen und schloss die Augen. Die Bettwäsche roch nach Hernando, und sie musste lächeln, als sie an ihre Liebesnacht dachte. In ein oder zwei Tagen würde sie ihm eine Botschaft zukommen lassen.

 

Don Felipe Escada machte es sich im Sattel so bequem wie möglich. Er war nun schon seit Sonnenaufgang unterwegs und sah Carlottas Gastfreundschaft in freudiger Erwartung entgegen.

Carlotta war in seiner Erinnerung ein zierliches kleines Mädchen mit großen dunklen Augen, olivfarbener Haut und einer gewaltigen, ungebändigten Masse dunkler Haare, die den Eindruck erweckte, als wollte sie sich mit aller Macht aus ihrer Kopfbedeckung befreien. Als er das letzte Mal ihren Vater besucht hatte, war ihm ihre Selbstsicherheit und ihre ungestüme, mitunter auch etwas vorlaute Art aufgefallen. Sie war damals zwölf oder dreizehn gewesen, und ihre sich rundenden Hüften sowie ihre knospenden Brüste hatten in ihm eine gänzlich unerwartete Reaktion ausgelöst.

Schon in jenem zarten Alter hatte Carlotta über viele der teuflischen Tricks einer erwachsenen Frau verfügt. Seine Männlichkeit hatte sich zu einer schmerzenden Rute versteift und ein pulsierendes Eigenleben zu führen begonnen. Die bloße Erinnerung daran, wie er nach Hause geeilt war, um in Eiswasser zu baden und anschließend nackt auf dem kalten Fußboden seiner privaten Kapelle zu knien, trieb ihm die Schamröte ins Gesicht. Erst stundenlange Gebete hatten das Bild des hübschen Kindes in ihm verblassen lassen.

Um seinen wohlgeformten Mund spielte ein grimmiges Lächeln. Unkeusches Begehren hatte ihn noch nie zu versklaven vermocht. Felipe war sich gewiss, dass die Antwort auf menschliche Schwäche in der konsequenten Abtötung fleischlicher Gelüste bestand. Denn kein Mann konnte sich geschützt wähnen vor der grenzenlosen Gier einer Frau, die als Angehörige des schwachen Geschlechts eine Gefangene des zügellosen Verlangens ihrer intimsten Bereiche war.

Schon der bloße Gedanke an solche Dinge erhitzte ihn und erweckte in ihm das Böse. Wie gut, dass er unter seinem mit Nieten verzierten samtenen Wams ein härenes Hemd trug. Das kratzige Gewebe scheuerte gegen die alten Striemen und frischen Schrammen auf seinem Rücken, doch er ignorierte den Schmerz. In einer Welt des Bösen, in der überall die Gefahren der Gottlosigkeit lauerten, fühlte Felipe sich geborgen in der Gewissheit, dass er sich selbst im Griff hatte.

Als er durchs Dorf ritt und sein Pferd auf den Weg zum Herrenhaus lenkte, dachte er erneut über Carlotta nach. Ich habe ihr unrecht getan, sagte er sich; zweifellos hat sie sich mittlerweile geändert. Schließlich tat die Ehe einer Frau gut, denn sie lehrte sie die Tugenden der Bescheidenheit und der Geduld. Zudem trug die Erfüllung der ehelichen Pflichten zur Mäßigung der jugendlichen Leidenschaften bei.

Ignacio Mendoza war in jeder Hinsicht ein harter Mann gewesen, der seinen Haushalt mit eiserner Faust geführt hatte. Felipe erwartete deshalb, eine gesetzte, achtbare Witwe vorzufinden – eine Frau, die ihm keinerlei Schwierigkeiten bereiten und seinem Angebot zweifellos aufgeschlossen gegenüberstehen würde.

Vielleicht war es ja bedauernswert, dass ihre Lebensumstände sich in Kürze so dramatisch verändern würden, doch das bereitete ihm kein Kopfzerbrechen. Doña Carlotta Mendoza war nichts als ein Bauernopfer im Spiel derer, die mächtiger waren als sie. Solange sie ihm nicht im Weg stand, würde er dafür sorgen, dass sie auch in Zukunft ein angemessenes Auskommen hatte. Aus dem Verkauf des Anwesens sollte genug übrig bleiben, um sie mit einer großzügigen Mitgift auszustatten. Für sie war es ohnehin am besten, wenn sie sich wieder in den Schutz der Ehe begab.

Er gestattete sich ein trockenes Lächeln. Für den Fall, dass sie attraktiv und fügsam genug war, konnte er sich sogar vorstellen, sie höchstpersönlich zu ehelichen. Seit längerem schon spielte er mit dem Gedanken, sich selbst eine Frau zu nehmen. Eine gehorsame Frau, die seinen Haushalt führte und in kalten Winternächten sein Bett wärmte, würde ihm sehr willkommen sein.

Am Ende der Pappelallee kam das aus hellem Stein gemauerte Haus in Sicht. Der schrille Schrei eines Pfaus durchschnitt die Morgenluft. Felipe gab seinem Pferd die Sporen und trabte die breite Einfahrt entlang, die durch einen kunstvoll angelegten Garten führte. Aus den steinernen Krügen zwischen den Bäumen drangen die Aromen von Rosmarin, Thymian und Lavendel zu ihm.

Nicht ganz ohne Hintergedanken traf er früher als angekündigt ein. Das Überraschungsmoment würde für unverfälschte Reaktionen von Seiten Carlottas sorgen.

Felipe saß ab und übergab sein Pferd dem Stallknecht. Mit einem gutgelaunten Grinsen glättete er seinen Umhang und rückte seinen Hut zurecht. Es gefiel ihm, anderen gegenüber im Vorteil zu sein.

Kapitel zwei

Carlotta warf ihr dichtes dunkles Haar über die Schulter und bereitete sich darauf vor, den Angriff von Monsieur Draycot abzuwehren.

Ihre mit Stiefeln bekleideten Füße schienen fest auf den Eichenplanken verankert, und sie wich keinen Schritt zurück, während sie abwechselnd zustieß und jeden Stoß des Fechtmeisters parierte. In einem dünnen Rinnsal lief ihr der Schweiß über den Nacken in ihr Hemd, doch sie achtete nicht darauf.

Plötzlich kreuzten sich ihre Klingen, und die Augen des Meisters funkelten schon triumphierend. Noch einen Augenblick, und er würde sie besiegt haben. Dann aber verlagerte sie das Gewicht und verdrehte das Handgelenk auf eine überraschende, von ihr selbst erdachte Weise, um anschließend seinen Arm mit aller Kraft nach oben zu zwingen.

«Touché, Monsieur!», rief sie, während sein Säbel in einem hohen silbrigen Bogen davonflog.

Draycot verbeugte sich mit einem aufgeräumten Grinsen.

«Es ist wahrhaftig keine Schande, von Euch besiegt zu werden, Doña Carlotta. Was könnte einem Meister mehr schmeicheln, als wenn sein Schüler ihn übertrifft?» Dann durchquerte er die Scheune und holte seinen Säbel zurück.

Die Hände in die Hüften gestützt, stand Carlotta da und wartete auf die Fortsetzung ihrer Fechtstunde. Draycots Blick aber ging an ihrer Schulter vorbei, und ihm folgend drehte sie sich um.

Ein großgewachsener, in schwarzgemustertem Samt gekleideter Mann mit einem kurzen Umhang betrat die Scheune, begleitet von einer aufgeregt wirkenden Juanita.

«Vergebt mir, Herrin», stammelte Juanita, «aber Don Felipe bestand darauf, Euch auf der Stelle zu sehen. Ich habe ihm natürlich erklärt, dass Ihr noch nicht bereit wärt, Gäste zu empfangen …»

«Möge Gott Euch einen guten Tag schenken», grüßte Felipe, zog den Hut und versuchte vergeblich, seine Erschütterung angesichts ihrer Garderobe zu verbergen.

«Dasselbe wünsche ich Euch, mein Herr», erwiderte Carlotta, während sie in das strenge Gesicht ihres Besuchers blickte.

«Es hat den Anschein, als wärt Ihr indisponiert», bemerkte er steif.

«Ganz und gar nicht, mein Herr. Ich bin durchaus passend gekleidet für meine momentane Beschäftigung. Wärt Ihr zur angekündigten Zeit gekommen, hättet Ihr mich in einer Kleidung angetroffen, die Eurem Besuch angemessen gewesen wäre.»

Mit einiger Belustigung registrierte sie, wie ihm das Blut in die blassen Wangen schoss, als er ihr weites Hemd, ihre lederne Reithose und die hohen Lederstiefel musterte. Ihr war bewusst, dass er durch das verschwitzte Hemd ihr Korsett erkennen konnte, und zweifellos sah er auch, wie sich ihre Brüste auf geradezu provozierende Weise in den weiten, von einem Zugband zusammengehaltenen Ausschnitt reckten.

Sie hatte sich nicht mehr an Einzelheiten von Felipe Escadas Gesicht erinnern können. Jetzt sah sie, dass er hohe Wangenknochen und tiefliegende dunkle Augen hatte. Sein ebenfalls dunkles Haar war nur von wenigen grauen Strähnen durchzogen, sein Mund fest und sinnlich. Ohne diesen Ausdruck äußersten Missfallens im Gesicht hätte er ein durchaus attraktiver Mann sein können. Er sieht aus, als wehten ihm die Gerüche einer Abtrittgrube direkt in die Nase, dachte Carlotta.

«Wünscht Ihr … wünscht Ihr, dass ich Don Felipe ins Empfangszimmer geleite und ihm eine Erfrischung anbiete?», fragte Juanita, der die Verunsicherung an einem leichten Zittern in der Stimme anzuhören war.

«Das wäre äußerst zuvorkommend. Wollt Ihr mich nicht begleiten, Doña Carlotta?» In Felipes Stimme schwang eine natürliche Autorität mit – so als käme er gar nicht erst auf den Gedanken, dass sie seinen Vorschlag zurückweisen könnte.

Juanita warf ihm einen nervösen Blick zu, und Carlotta verspürte einen Anflug von Verärgerung. Für wen hielt dieser Felipe sich eigentlich? Erst kommt er ungebeten in die Scheune, dann bringt er ihre Dienerschaft durcheinander, und jetzt will er auch noch sie, Carlotta, herumkommandieren!

«Nicht nötig, Juanita», erwiderte sie kühl. «Wenn Don Felipe warten möchte, bis ich mit meiner Fechtstunde fertig bin, stehe ich ihm anschließend gern zur Verfügung.»

Aus Felipes dunklen Augen blitzte die Verärgerung, und Carlotta musste ein Lachen unterdrücken. Das hast du wohl nicht erwartet, was?, dachte sie und beobachtete amüsiert, wie Juanita angesichts ihrer Kühnheit die Augen aufriss.

«Wie Ihr wünscht», sagte Felipe, der allmählich die Fassung wiedererlangte.

Er schlenderte durch die Scheune, wobei seine Sporen über die Eichendielen klirrten. Als er sich an eine der gemauerten Säulen lehnte, die die hölzernen Strebepfeiler stützten, empfahl sich Juanita mit einem Knicks erleichtert aus der Scheune.

Carlotta wandte sich wieder Draycot zu, der geduldig auf sie gewartet hatte. In Fechtstellung bereitete sie sich auf die Fortsetzung des Unterrichts vor.

«Komm schon, Draycot», forderte sie ihren Lehrer grinsend heraus.

Für weitere zehn Minuten konzentrierte sie sich darauf, ihre Fechtkunst zu vervollkommnen. Draycot schonte sie nicht, und als die Stunde vorüber war, klebte ihr das Haar in feuchten Strähnen an der Stirn, und unter dem schweißnassen weiten Batisthemd zeichnete sich jede Rundung ihres Körpers ab.

Sie merkte, dass Felipes Blick die ganze Zeit über auf ihrer schlanken Taille und ihren wohlgeformten Hüften ruhte. Die Missbilligung stand ihm ins Gesicht geschrieben, als er mit angespanntem Mund jeden Zoll ihrer in Leder gehüllten Hinterbacken und Oberschenkel musterte, während seine Blicke vor unterdrückter Begierde loderten. Sie verspürte den boshaften Drang, ihn zu provozieren. Er war sogar noch leichter zu schockieren als Hernando.

Monsieur Draycot verabschiedete sich, und Carlotta beugte sich vor, um am oberen Ende ihres Stiefels zu nesteln, wobei sie Felipe einen tiefen Einblick in den weiten Ausschnitt ihres Hemds bis hinunter zu ihrem Korsett gewährte.

Sie hörte, wie er zischend Atem holte.

Beide Hände zu Fäusten geballt, schien Felipe mühsam um Fassung zu ringen. Er presste die Lippen aufeinander, und die Erregung ließ seine Augen noch dunkler erscheinen. Die Spannung, die in der Luft lag, schien fast mit Händen zu greifen.

Carlotta verkniff sich ein Lächeln und sagte ruhig: «Wollen wir nicht ins Haus gehen, Don Felipe? Ich brauche jetzt dringend eine Erfrischung. Außerdem kann ich es kaum erwarten zu erfahren, was mir die Ehre Eures Besuchs verschafft.»

Felipe verbeugte sich ungelenk und folgte ihr. Er schien schwer zu schlucken. Ihr fiel auf, dass er seinen kurzen Umhang so weit über die Schulter hinuntergezogen hatte, dass er seine Leistengegend verdeckte. Sie empfand den Gedanken an seine unfreiwillige Erektion als ausgesprochen anregend und fragte sich im Geheimen, wie er wohl nackt aussehen mochte. Immerhin hatte er breite Schultern, eine schlanke Taille und – im Gegensatz zu vielen Männern seines Alters – offenbar noch keine erschlaffte Bauchmuskulatur.

Im Empfangszimmer servierte Juanita ihnen Wein, bevor sie sich in die Küche zurückzog. Carlotta beschloss, nun doch nicht das Kleid anzuziehen, das Juanita ihr zurechtgelegt hatte. Felipe jetzt noch mit ihrem Charme und ihrer Anmut beeindrucken zu wollen hätte wohl keinen großen Sinn mehr gehabt. Zudem hegte sie den Verdacht, dass ihr maskuliner Aufzug ihn weit mehr aufwühlte, was ihr gar nicht mal so sehr missfiel.

Sie nahm Platz und bot Felipe einen Stuhl an, der auf der anderen Seite der Feuerstelle stand. Sie schlug die Beine übereinander, ließ einen bestiefelten Fuß vor und zurück schwingen und gönnte sich einen großen Schluck Wein. Felipe dagegen nippte nur ein wenig an seinem, bevor er zu sprechen begann. Er wandte den Blick von ihr ab, und sie gewann den Eindruck, dass er versuchte, möglichst würdevoll zu wirken.

«Ich bringe Neuigkeiten, die Euch schwer treffen werden, Doña Carlotta, sehe aber keine andere Möglichkeit, als ganz offen zu Euch zu sein.»

Sie lächelte. «Dann tut Euch keinen Zwang an. Ich weiß Offenheit sehr zu schätzen.»

«Ausgezeichnet. Ich bin gekommen, um Euch diese Papiere zu zeigen und Euch aufzufordern, innerhalb von vier Monaten dieses Haus und den dazugehörigen Grund und Boden zu verlassen.»

Carlotta blickte ihn verständnislos an. «Ihr beliebt zu scherzen.»

Felipe schüttelte den Kopf. «Leider nicht. Wollt Ihr nicht lieber Euren Sekretär rufen, damit er Euch diese Dokumente vorlesen kann?»

Sie streckte die Hand aus. «Ich kann selber lesen und schreiben, mein Herr, und werde den Inhalt dieser Papiere zu beurteilen wissen.»

Unter anderen Umständen hätte sein verblüffter Blick sie wohl köstlich amüsiert. Als er ihr die Papiere überreichte, erklärte er: «Ich kann diese Art von Bildung bei Frauen nicht befürworten. Sie führt nur zur Zügellosigkeit der Gedanken und zur Schwächung des Urteilsvermögens.»

Ohne auf seinen Einwurf zu reagieren, überflog sie die Seiten. Ihr Herzschlag beschleunigte sich, als sie merkte, worum es ging. Den Papieren zufolge war Felipe der rechtmäßige Eigentümer ihres Hauses, ihrer Ländereien und ihres gesamten sonstigen Besitzes.

«Was sind denn das für Machenschaften?», fragte sie gereizt. «Mein Mann hat doch alles mir hinterlassen. Somit könnt Ihr keinerlei Anspruch auf mein Hab und Gut erheben.»

«Ihr irrt Euch. Dieses Dokument, das Ihr da in Händen haltet, berechtigt mich, Schulden einzutreiben, die Euer Vater angehäuft hat. Und als seine einzige lebende Verwandte seid Ihr dafür verantwortlich, dass diese Schulden beglichen werden.»

Carlotta schleuderte ihm die Papiere ins Gesicht. «Das kann unmöglich rechtens sein. Von irgendwelchen Schulden meines Vaters ist mir nichts bekannt. Ich muss schon sagen, mein Herr, Ihr habt Nerven! Kommt einfach so hierher und fordert mich auf, meinen eigenen Grund und Boden zu verlassen! Eher treffen wir uns in der Hölle wieder, bevor ich auch nur einen einzigen Fuß Landes an Euch abtrete!»

Felipe stand auf, Zornesröte im Gesicht.

«Ich werde Euch liebend gern um dieses Land erleichtern. Ihr seid ein unverschämtes Weib mit einer zügellosen Zunge und eines solchen Besitzes nicht würdig! Ich habe doch mit eigenen Augen gesehen, wie Ihr Euch aufführt. Statt Euch um Euren Haushalt zu kümmern, tragt ihr Männerkleider und übt Euch im Fechten.» Er hielt inne, bevor er mit belegter Stimme fortfuhr. «Ich weiß ganz genau, dass Ihr mir Eure Brüste gezeigt habt, um meine Leidenschaft zu entflammen, aber ich bin durch meinen Glauben gegen Weiber wie Euch gewappnet. Auch wenn Gott Euch geschaffen hat, seid Ihr doch nicht besser als eine gemeine Hure!»

Carlotta wurde allmählich wütend. Sie warf den Kopf in den Nacken.

«Und Ihr, mein Herr, seid ein Scheinheiliger! Ich habe genau gesehen, wir Ihr mich in der Scheune angestarrt habt. Ihr hättet mir doch am liebsten die Kleider vom Leibe gerissen und Euch an meinen Brüsten gerieben. O ihr Männer – immer macht ihr uns Frauen für das verantwortlich, was in Wahrheit von euch selbst ausgeht!»

Einen Augenblick lang sah es aus, als würde er an ihren Worten ersticken.

«Genug jetzt», stieß er hervor. «Haltet endlich Euer Schandmaul. Es bringt Euch keinen Vorteil, über mich den Stab zu brechen. Stattdessen solltet Ihr mich lieber um Gnade anflehen. Ich hatte nie die Absicht, Euch zu vertreiben und in Armut zu stürzen, doch wenn Ihr so weitermacht, bleibt mir wohl keine andere Wahl.»

Schwer atmend und mit Schweißperlen auf der Oberlippe trat er einen Schritt näher. «Für Euch muss sich nicht zwangsläufig etwas ändern, sofern Ihr Euch mäßigt und unter den Schutz eines Mannes stellt, wie Gott der Herr es für Frauen vorgesehen hat. Falls Ihr Euch in meine Obhut begebt, habt Ihr noch immer die Möglichkeit, wieder zu einer ehrbaren Frau zu werden.»

Carlotta bebte nun vor Zorn. Dieser selbstgerechte Gauner wollte ihr doch tatsächlich die Heirat nahelegen. Glaubte er vielleicht, er könne sie erpressen? Hatte er das ernsthaft vor? Sie war mittlerweile überzeugt, dass es sich bei den Dokumenten nur um Fälschungen handeln konnte, angefertigt allein mit dem Ziel, ihr zu drohen.

«Nun, was habt Ihr dazu zu sagen?», fragte er.

Sie sah, wie Wut und Begierde in seinen Zügen um die Herrschaft kämpften. Triumphierend verzerrten sich seine Lippen, als er die Verunsicherung in ihrem Blick erkannte und merkte, dass sie die Beherrschung zu verlieren drohte. Sie hatte einen roten Dunstschleier vor Augen.

«Hier habt Ihr meine Antwort!», rief sie, packte den Weinkrug und schleuderte seinen Inhalt Felipe ins Gesicht.

Spuckend und hustend wischte er sich das Gesicht mit dem samtenen Ärmel seines Rockes ab.

«Das wirst du noch bereuen, du Teufelsweib», stieß er hervor, bevor er eiskalt fortfuhr. «Wenn Ihr meine Frau wärt, würde ich Euch auspeitschen. Wir sehen uns vor Gericht wieder. Ich habe Euch eine Chance gegeben, aber Ihr habt mich verschmäht. Ihr habt es nicht anders gewollt. Ich werde Euch alles nehmen, bis hin zu Eurem letzten Hemd, und dann zusehen, wie Ihr barfuß und nackt durchs Dorf kriecht.»

«Raus hier! Verschwindet, bevor ich meine Diener rufe und Euch hinauswerfen lasse!»

Noch immer rannen Weintropfen über Felipes samtene Kniehose, als er sich auf den Weg zur Tür machte, wo er sich mit einem schmallippigen Lächeln noch einmal umdrehte.

«Ihr glaubt wohl nicht, dass ich Euch alles wegnehmen kann? Aber da liegt Ihr falsch. Ich habe mächtige Freunde und das Gesetz auf meiner Seite. Wenn ich mit Beweisen für meine Ansprüche wiederkomme, habe ich genügend Männer dabei, um Euch aus diesem Haus zu vertreiben! Denkt darüber nach, dann seht Ihr sicher ein, dass es klüger ist, mein Angebot anzunehmen. Ich freue mich schon auf unsere nächste Begegnung. Dann singt Ihr ein anderes Lied, das schwöre ich bei unserer Heiligen Jungfrau!»

Kaum war die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen, begann Carlotta zu zittern. Sie konnte kaum glauben, dass dieses Gespräch tatsächlich stattgefunden hatte. Sie ließ sich auf den Stuhl sinken und starrte auf das im Kamin aufgeschichtete Feuerholz, ohne zu hören, wie Juanita das Zimmer betrat.

«Das kann er doch nicht tun, oder?»

Carlotta ergriff die Hand ihrer Dienstmagd.

«Nein. Er hat nur versucht, mir so viel Angst einzujagen, dass ich ihn heirate. Was für ein abscheulicher Mann.»

Juanita warf ihr besorgte Blicke zu. «Er ist reich und mächtig. Vielleicht solltet Ihr ihn besser etwas respektvoller behandeln.»

Carlotta fluchte leise vor sich hin.

«Eher gehe ich ins Kloster, als dass ich mir von einem wie ihm Angst einjagen lasse!»

Das war so unwahrscheinlich, dass beide unwillkürlich in Gelächter ausbrachen. Doch obgleich Carlotta nicht weniger laut lachte als Juanita, konnte sie doch die Schatten der Angst, die mit eisigen Fingern nach ihr griffen, nicht ganz vertreiben.

 

Felipe ging auf kürzestem Weg in sein Schlafgemach und öffnete die Tür zu seiner privaten Kapelle.

Er streifte seine Kleider ab und schleuderte sie auf die kalten Steinplatten. Mit zittrigen Händen zog er Stiefel und Kniehose aus. Vor dem Altar, auf dem zu beiden Seiten der Jungfrau Maria je eine Kerze brannte, fiel er auf die Knie.

Die Kälte des Steinbodens kroch in seine Schenkel, doch das minderte seine Begierde nicht im Geringsten. Sein erigiertes Glied ragte in seiner ganzen Pracht vor ihm auf. Es war so prall, dass es schmerzte, die Eichel purpurrot und leuchtend wie eine reife Pflaume. Er hatte die Erektion schon seit dem Augenblick, als er sie in der Scheune gesehen hatte.

Ihre unzüchtige Bekleidung hatte ihn zutiefst erschüttert. Nie zuvor hatte er eine Frau in lederner Kniehose gesehen. Ihr Hinterteil war so provozierend! Es schien zu beben, wenn sie ging. Zudem zeichneten sich durch das dünne Männerhemd, das sie trug, die Rundungen ihrer Taille und ihrer Brüste überdeutlich ab. Und was das für Brüste waren: voll und rund und gekrönt von Nippeln, rot wie Beeren. Einen von ihnen hatte er zu Gesicht bekommen, als sie sich vorgebeugt und vor ihm zur Schau gestellt hatte.

Diese geile Dirne. Nur zu gern hätte er seine Drohung wahr gemacht. Er stellte sich vor, wie sich ihre weiße Haut unter dem Riemen rötete und ihr üppiger junger Körper sich hin und her warf, während sein Arm auf- und niederging. Er sah die Striemen auf ihrem schlanken Rücken hervortreten und fühlte sie, heiß und köstlich, unter seinen Fingerspitzen.

Sein Glied zuckte und pulsierte, während er betend die Lippen bewegte. Er krümmte den Rücken und griff sich an die steinharten Hoden. Seine Lippen bewegten sich immer schneller im Gebet, während er verzweifelt versuchte, Carlottas Bild aus seinen Gedanken zu verbannen.

Ihre Schönheit war sündiger Natur, war die Schönheit des Teufels. Sie war die Verkörperung der Ursünde, wie alle Frauen, die schon mit der Schuld für Evas Verbrechen zur Welt kamen. Selbst im Zorn, mit ihren feurigen Wangen und ihren funkensprühenden schwarzen Augen, war sie noch ein Prachtweib. Er nahm es sich nicht übel, dass er auf sie so reagierte. Schließlich war er nur ein Mann, und die Kirche lehrte, dass das Fleisch schwach war.

Hätte er gewusst, wie betörend Carlotta war, hätte er einen Boten zu ihr geschickt, doch dafür war es nun zu spät. Er war in ihrem Netz gefangen. Vielleicht hatte sie ja seinen Wein mit einem Liebestrank versetzt, denn er sah nur noch ihr Gesicht, ihre Augen, ihren Mund vor sich.

O Gott, ihr Mund. So voll und doch so weich und frisch wie eine Blume.

Auf dem Altar lag ein Stück grobes Seil mit Knoten darin. Er kroch auf dem Bauch zum Altar und griff nach dem Strick. Stöhnend schlug er mit ihm auf seine steife Männlichkeit ein. Der Schmerz schien ihn ganz zu durchdringen, und er wand sich, während sein Unterleib sich verkrampfte, als sei er mit glühenden Splittern gefüllt.

Wieder und wieder ging sein Arm unter brennenden Schmerzen nieder, bis Felipe zu schreien begann und die Namen sämtlicher Märtyrer herausbrüllte, während er mit dem Strick auf sein bebendes rotes Glied eindrosch.

«Herr, erlöse mich von der Versuchung», stöhnte er, warf das Seil beiseite und ließ sich auf Hände und Knie fallen, während sich sein Samen in cremefarbenen Fontänen auf den Steinboden ergoss.

Als der letzte Nachhall seines Orgasmus verklungen war, sah er vor seinem inneren Auge Carlotta durch ihr Dorf gehen. Ihr Hemd war fleckig und zerfetzt, und das Haar fiel ihr als filzige schwarze Masse über den Rücken. Ihre Beine waren zerschunden, ihre bloßen Füße setzten sich schmal und weiß gegen den Straßenstaub ab. Sie sah aus wie eine reuige Sünderin.

Er streckte ihr die Arme entgegen, als wolle er sie packen und an seine Brust drücken.

«Carlotta», flüsterte er. «Heirate und erlöse mich.»

Dann kippte er zur Seite und begann zu schluchzen.

Kapitel drei

Carlotta schaute aus dem Fenster ihres Schlafzimmers. Sie hatte freien Blick auf den Garten mit dem Hof, den von Blumenbeeten gesäumten Rasenflächen und den baumbestandenen Wegen. Der Duft von Nelken und Levkojen erfüllte die Luft.

Hinter einer Reihe von Obstbäumen lag der Gemüsegarten und dahinter die Rebflächen, die sich bis hinunter zum Fluss erstreckten. Ihr Blick schweifte weiter in die Ferne, dorthin, wo Rehe im Park ästen. Durch die Bäume konnte sie die Giebel der Häuser des Dorfes erkennen sowie das große Gebäude der Mühle.

Normalerweise hob der Anblick ihres blühenden, gepflegten Gartens und ihrer fruchtbaren Felder ihre Stimmung, doch an diesem Tag verkrampfte sich ihr Magen vor Unbehagen und Anspannung. Es war nun schon acht Wochen her, seit Don Felipe ihr die Dokumente gezeigt hatte, die angeblich seinen Anspruch auf ihren gesamten Besitz bewiesen, und wie es schien, waren seine Drohungen nicht nur leere Worte gewesen.

Sie zerknüllte den Brief, den sie gerade erhalten hatte, und ließ ihn zu Boden fallen.

«Er wird mich nicht berauben. Das lasse ich nicht zu», erklärte sie, doch ihre Stimme bebte und klang in ihren Ohren so verzagt, dass sie selber darüber erschrak.

Der Brief kam von Díaz de Cerdagne, ihrem Rechtsvertreter.

Er bedauerte, nichts mehr für sie tun zu können, nachdem er wochenlang Don Felipes Rechtsansprüche überprüft hatte. Carlotta hatte vergeblich gehofft, dass Felipe sich als Papiertiger erweisen würde.

Aus Díaz’ Schreiben ging hervor, dass Felipes Ansprüche vor Gericht bestätigt worden waren. Er riet Carlotta, sich auf den Umzug in ein kleines Haus auf ihrem Landgut einzustellen.

«Don Felipe gibt sich großzügig», schrieb Díaz. «Ihr dürft sämtliche Möbel mitnehmen, auf die Ihr Wert legt, und auch alle Bediensteten, die Ihr für Euer Wohlergehen benötigt. Zudem stellt man Euch jährlich eine kleine Geldsumme zur Verfügung. Ihr werdet also keineswegs völlig mittellos dastehen.»

Carlotta presste die Lippen zusammen, und hinter ihren Lidern sammelten sich Tränen der Wut. So war das also.

Das von Díaz erwähnte Haus war winzig und reichte gerade für Juanita und sie selbst. Was sollte nur aus ihr werden? Ihr Leben war zerstört. Sobald die Leute von ihren geänderten Verhältnissen Wind bekämen, würden diejenigen, die sie zu ihren Freunden gezählt hatte, ihr aus dem Weg gehen. Oder sie würden ihr Almosen anbieten. Schon der Gedanke an ihre mitleidigen Blicke war ihr unerträglich.

Das Angebot, ihr das Häuschen und das bisschen Geld zu überlassen, ließ ihr, wie Don Felipe sehr wohl wusste, keine echte Wahl. Es war nicht mehr als eine Geste der Großzügigkeit. Wollte sie ihren gesellschaftlichen Status behalten, musste sie sich bereit erklären, ihn zu heiraten. Sie erschauderte, als sie an seine kalten, harten Augen und seinen wollüstigen Mund dachte. Nein, es war ihr unmöglich, sich diesem Menschen auszuliefern. Als ihr Gatte würde er das Recht haben, sie nach seinem Gutdünken zu formen und sie zu einer jener unterwürfigen Ehefrauen zu machen, die jeden Mann grenzenlos bewunderten – nur weil er ein Mann war.

Ihre Wut nahm zu, bis sie sie förmlich zu schmecken glaubte, heiß und sauer. Dennoch ging es ihr schon ein wenig besser. Wenn sie zornig war, fühlte sie sich immer stärker. Es war Zeit, die Angst abzuschütteln. Sie brauchte einen Plan. Schließlich hatte es keinen Sinn, einfach nur herumzusitzen, bis das Unglück eintrat.

Sie ging zu ihrem Sekretär hinüber, setzte sich und nahm ein Blatt Papier. Sie tauchte den Federkiel in die Tinte und setzte einen Brief an Díaz auf.

«Wir müssen uns unbedingt treffen. Könnt Ihr genau eine Woche nach Erhalt dieses Schreibens in mein Haus kommen? Und bitte bringt jedes Dokument und jede noch so kleine Information mit, die Ihr über Don Felipe Escada auftreiben könnt. Ich möchte meinen Gegner einschätzen können und muss deshalb so viel wie möglich über seine Geschäfte und seine Freunde wissen sowie darüber, welche Beamten bei Hofe von ihm bestochen werden. Darüber hinaus müsst Ihr verschiedene Transaktionen für mich tätigen …»

Eine Zeit lang schrieb sie hastig, bevor sie zufrieden aufseufzte. Sie streute Sand über die Tinte, schüttelte den Brief ab, faltete ihn zusammen und versiegelte ihn.

Mit etwas Glück würde sie in der Lage sein, aus dieser misslichen Lage halbwegs unbeschadet zu entkommen. Sie hoffte nur, dass sie Díaz trauen konnte. Er war ein integrer Mann, und sie hatte ihn für seine Dienste immer gut entlohnt, aber sie musste trotzdem jederzeit damit rechnen, dass auch er sie im Stich lassen würde. Sobald die Wölfe erst einmal merkten, dass ihre Beute zu schwächeln begann, fielen sie alle über sie her.

 

«Sie sind da, Herrin. Don Felipe reitet an der Spitze eines großen Trupps von Männern. Was wollt Ihr jetzt unternehmen?»

Nervös spähte Juanita durch die bleigefassten Fenster des Empfangszimmers. Vom Straßenpflaster hallte der Klang von Pferdehufen wider.

Carlotta stand auf und strich ihren Rock glatt. Der Augenblick der Wahrheit war gekommen.

«Ich muss ihnen entgegentreten», sagte sie mit einer Selbstsicherheit, die sie in Wahrheit nicht besaß.

Sie wusste, dass sie blass und mitgenommen aussah. Sie hatte nicht mehr gut geschlafen, seit die Beamten des Hofes ihr vor drei Tagen die Nachricht hatten zukommen lassen. Auch wenn das Wissen darum, dass ihre geheimen Vorkehrungen getroffen worden waren, sie ein wenig beruhigte, ließ der Gedanke an das, was sie zu tun im Begriff war, ihr Herz schneller schlagen.

Juanita wirbelte herum und eilte zu ihrer Herrin hinüber. Tränen standen ihr in den Augen.

«Wartet doch, Herrin», flehte sie und packte Carlotta beim Arm. «Noch ist nicht alles verloren. Sagt Don Felipe, dass Ihr Euch mit allen seinen Bedingungen einverstanden erklärt. Dann wird er Gnade walten lassen, und wir können in dem kleinen Haus ein glückliches Leben führen.»

Carlotta tätschelte Juanitas Hand und schob sie dann sanft beiseite. Sie lächelte nachsichtig.

«Glaubst du vielleicht, dass er mich je in Ruhe lassen würde? Er will mich haben, Juanita, und zwar um jeden Preis.»

«Dann geht Ihr also tatsächlich fort? Aber wohin denn … ist ja auch egal. Wohin auch immer Ihr geht, ich folge Euch. Ihr seid alles, was ich an Familie habe.»

«Bei allem Respekt vor deiner Treue – ich fürchte, sie könnte auf eine zu harte Probe gestellt werden, wenn du erst einmal weißt, was ich vorhabe.»

«Das ist mir egal. Ich werde Euch nie verlassen», schluchzte Juanita und wischte sich das Gesicht an ihrem Rock ab.

Aus Wut darüber, dass sie selbst den Tränen nahe war, ließ sich Carlotta zu einer schroffen Antwort hinreißen. «Falls du das wirklich ernst meinst, dann hör auf zu heulen und pack deine Sachen. Nimm aber nur so viel mit, wie du tragen kannst.» Sie hob abwehrend die Hand, als Juanita Anstalten machte, weitere Fragen zu stellen. «Du wirst mir wohl vertrauen müssen. Sattle zwei Pferde und führe sie vor das Haus. Kann ich mich auf dich verlassen?»

Nach kurzem Zögern nickte Juanita und eilte hinaus.

Als Carlotta ein letztes Mal durchs Haus ging, kämpfte sie innerlich gegen die Versuchung, bei all den vertrauten Dingen um sie herum zu verweilen. Das alles kann nicht wahr sein, sagte sie sich wieder und wieder. Es kam ihr vor wie ein Albtraum, doch die Gegenwart Don Felipes, seiner Schergen und der Hofbeamten überzeugte sie vom Gegenteil.

Sie holte tief Luft, öffnete die Haustür und trat vor die versammelten Männer. Don Felipe zog seinen Hut und trat stirnrunzelnd vor. Er trug ein granatrotes Wams und Kniehosen, und seine Halskrause setzte sich schneeweiß gegen sein Kinn ab. Der ist ja richtig feierlich gekleidet, dachte Carlotta sarkastisch.

«Ich hätte nicht gedacht, Euch noch immer im Haupthaus anzutreffen, Doña Carlotta. Habt Ihr meine Nachricht nicht erhalten?»

Sie hob das Kinn und begegnete seinem Blick mit herausfordernden dunklen Augen. «Ich habe sie erhalten», erklärte sie kühl. «Aber bis Ihr über diese Schwelle tretet, gehört das Haus noch immer mir.»

Unter ihrem unnachgiebigen Blick senkte Don Felipe die Augen. Mit einiger Befriedigung registrierte sie, dass er entlang der Wangenknochen rot anlief. Er gab einem neben ihm stehenden Mann ein Zeichen. Carlotta sah einen stämmigen Burschen mit langem braunem Haar, bevor der sie grob zur Seite stieß und im Haus verschwand. Wenige Augenblicke später kam er wieder heraus.