Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
"Wenn ich morgens die Augen öffne, hat sich nichts verändert. Alles ist noch an seinem Platz: Die Ente aus Keramik im Flügelschlag, Ernas Porzellantierchen, das eingeschlossene Luftbläschen in der Mitte meines Fensters, fremde Menschen, die vom Fotokalender auf mich herabblicken, der Katheder in meinem Pimmel." So beginnt eine Geschichte. "An einem sonnigen Dienstagnachmittag im April, als sie gerade das "Sanctus" im Musikraum proben, sieht Tobias den Teufel zum ersten Mal. Er steht in der zweiten Reihe, mitten im Sopran, hat die Lippen geschlossen und schaut ihm bei Dirigieren zu." So eine andere. Und die übrigen? Lesen Sie selbst. Folgen Sie den 12 jungen Reporter:innen aus Reutlingen auf ihrer Expedition ins Reich der Möglichkeiten.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 131
Veröffentlichungsjahr: 2021
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Vorwort
Charlotte Köhler:
Das Portrait
Ljuba Naminova:
Demento mori
Yves Bellinghausen:
Bobiatovs letztes Spiel
Helena Weise:
Lorenz wartet schon
Paul Gäbler:
Wer ist dem Tier gleich und wer kann mit ihm kämpfen?
Anne Jeschke:
Klaus zieht nicht aus
Karl Grünberg:
Der Auftrag
Franziska Pröll:
Mona lädt aus
Pia Stendera:
Drüber
Sophie Laaß:
TikTokTot
Joshua Kocher:
Paderborn
Jannik Jürgens:
Der Polizist
Die Inspiration kommt über uns, wir setzen uns hin, schreiben los – und ping, da ist sie, die perfekte Short Story. Das ist der Traum vieler, die ans literarische Schreiben denken. Die Myriaden an Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, von der Ideenfindung über die Figurenentwicklung bis hin zu den Dialogen bekommen Schreibende dann zu spüren, wenn sie sich hinsetzen, um die ersten Seiten zu füllen. Oftmals endet der Versuch dann schnell.
Wo setzt meine Kurzgeschichte ein und wo endet sie? Woher weiß ich, was meine Figuren wollen? Wie sie sich fühlen? Wie und worüber sie sprechen? Und was sie zu tun bereit sind, um ihr Ziel zu erreichen? Wie erschaffe ich mit Worten jene sinnliche Welt, die meine Leserinnen und Leser vor sich sehen? Wie halte ich Spannung aufrecht? Und, last but not least, worin unterscheiden sich Short Story und Reportage? Was treibt uns an, wenn wir literarisch schreiben?
Schreiben kann gelingen. Mit den richtigen Tools. In meinen Workshops vermittele ich seit vielen Jahren die Grundlagen, auf denen Schreibende ein Leben lang aufbauen, die sie modifizieren und auch überwinden und transformieren können, indem sie das Handwerk mit ihrer eigenen Schreibweise verschmelzen, ihrer einzigartigen Sicht auf die Welt.
Im Short Story-Workshop im Sommer 2021 haben die Studierenden an der Reportageschule Reutlingen den Schritt von der Reportage zur Short Story gemacht und auf Anhieb wunderbare Kurzgeschichten geschrieben: Ein junger Fotograf folgt heimlich Menschen, ein Geburtstagskind sagt alles ab, ein Schachmeister zweifelt an seinem Verstand. Ein Demenzkranker erzählt aus der Innensicht, der Teufel singt im Chor und eine Wohnung löst sich in Schutt auf. Jede einzelne der Geschichten, die Sie in Händen halten, hat mich tief berührt, bewegt, überrascht und begeistert.
Ich bin sicher, Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, wird es genauso gehen. Und wer weiß? Vielleicht werden Sie sich, inspiriert von der Lektüre, eines Tages selbst hinsetzen und – schreiben.
Tobias Hülswitt
Reutlingen im Juli 2021
Sie sah ihm direkt in die Augen, als er abdrückte. Er war ihr ab der Bushaltestelle am Park gefolgt. Dort, wo der Geruch von Narzissen mit dem von Urin ringt und den Kampf nach drei Atemzügen verliert. Sie lächelte die ganze Zeit über. Als sie sich einen Kaffee an dem kleinen Wagen holte, als sie mit ihrem Mann telefonierte, als sie „Ich liebe dich auch“ sagte und auflegte, selbst beim Trinken schien sie zu lächeln. Er war sich nicht sicher, ob das überhaupt möglich war. Er lief ihr nach, als sie im Blumenladen einen Strauß abholte, den sie bestellt haben musste, denn sie kam nach wenigen Augenblicken aus dem Laden, roch an den Blumen und blinzelte in die Sonne. Sie ging noch etwa fünf Minuten, bis sie den Strauß einer Frau mit silbernen Haaren überreichte, die sie küsste und fest an sich drückte.
Die Frau trug, wie sie auch, Perlenschmuck, in ihren weißen Blusen sahen sie wichtig aus. So wurden sie auch behandelt, von dem stolpernden Kellner und den Passanten, die im Vorübergehen immer wieder zu ihnen herüber schielten und so taten, als würden sie es nicht tun. Er setzte sich auf die Bank gegenüber von dem italienischen Restaurant und wartete. Mit dem linken Auge schaute er durch den Sucher, das rechte kniff er zu. Dann traf ihn ihr Blick. Durch den Sucher schauten ihre glasigen Augen direkt in seines. Er drückte ab.
Einen zweiten Versuch gab es nicht. Sie hatte ihn gesehen, seine Kamera. Mit zitternden Fingern hing er sich das Band um, auf dem rote Lettern prangten, zog den Schirm der schwarzen Mütze tiefer ins Gesicht und rannte los. Er hörte nicht auf, auch nicht, als die Haustür hinter ihm ins Schloss fiel. Er rannte die Treppe hinauf. Nahm mit jedem Schritt drei Stufen auf einmal. So schaffte er die fünf Stockwerke mit dreiundfünfzig Schritten.
Mit jedem Mal wurde er schneller. Beim ersten Versuch, drei Stufen in einem Schritt zu nehmen, war er abgerutscht und mit dem Kinn auf die hölzerne Kante geknallt. Aus seinem Gesicht floss ein rotes Rinnsal auf die Treppenstufe. In seiner Panik war er weiter gerannt und hatte gelogen, als Frau Domanski von unten fragte, ob es sein Blut war, das ihr Rauhaardackel Rudi aufgeleckt hatte. Als er verneinte, hatte sie nur lange auf das durchsuppte Pflaster an seinem Kinn gestarrt, den Kopf geschüttelt, hatte Rudi auf den Arm genommen und war schimpfend die Stufen zurück in ihre Wohnung im zweiten Stock gestampft.
Die Narbe, die bleib, nahm wie ein unfruchtbarer Boden jeder Haarwurzel die Lebensgrundlage. Seinen armseligen Bart durchschnitt seitdem ein weißer Strich, der sich durch die schwarzen Borsten bahnte, die den Abstand zueinander unbestechlich einhielten. Wenn er nicht schlafen konnte, was oft vorkam, fuhr er stundenlang mit dem Zeigefinger über die glatte Stelle.
Die Stunden nach dem Auslöser war er wie im Rausch. Seine Hände arbeiteten von allein, er hörte die Klingel nicht, aß nicht und trank nicht. Er dunkelte die zweiundeinviertel Zimmer ab und begann zu arbeiten. Er hörte erst auf, als ihn der Blick der Frau – in drei Größen und glänzend – traf. 10×15. 13×18. 30×45 Zentimeter. Dann hängte er sie zu den anderen und legte sich auf die Matratze ohne Laken. In der schwarzen Wohnung bemerkte er nicht, dass es Nacht und wieder Tag wurde.
Ein anderes Mal sah er einen Mann. Er stand am Zaun einer Grundschule. Es war offensichtlich. Er blieb stehen, als die Klingel verklang und das Kinderlachen nur noch gedämpft durch die geschlossenen Fenster drang. Linus lehnte an einem Baum, zündete sich eine Zigarette an und wartete. Als der Mann seine Hand vom Zaun löste und in Richtung Hauptstraße ging, ließ Linus die Zigarette fallen, spannte den Auslöser, strich sich die eine Locke, die ein wenig zu lang war, aus dem Gesicht und lief ihm nach. Er traf ihn am S-Bahn-Gleis. Dieses Mal musste er nur bis zum Bus auf der anderen Straßenseite rennen. Der fuhr bis zur Wäscherei in seinem Viertel. Der Mann würde ihm nicht nachrennen, da war er sicher. Er selbst rannte dieses Mal mehr aus Reflex als aus Angst. Als er die Abzüge des Mannes an die Kordel hing, empfand er etwas wie Stolz. Es war nicht leicht gewesen, den Blick unter den vielen, die auf die Bahn warteten, zu treffen. In der schwarzen Wohnung schlief er zum ersten Mal seit Wochen eine Nacht durch.
Er hatte nicht gedacht, dass er hier ein Foto machen würde. Zu naheliegend, schon zu oft gemacht. Doch als er den Jungen sah, konnte er nicht anders. Er kratzte schnell die letzten Reste vom Risotto auf seinem Teller zusammen, stopfte sich die Gabel zu schnell nacheinander in den Mund, verschluckte sich, bekam keine Luft, spülte mit dem lauwarmen Wasser aus dem orangenen Plastikbecher nach. Er musste husten. Der braune Risotto-Matsch landete auf seinem ausgewaschenen Hemd. Hastig versuchte er mit einer Servierte, das Gröbste abzuwischen und wieder zu Luft zu kommen. „Jung, wat ist denn mit dir los? Ein Happen nachm anderen. Hier ist doch genuch für alle da, kein Grund zur Eile“, sagte der haarige Mann neben ihm. Aber Linus hörte ihn schon nicht mehr. Seine Augen hatten den Jungen fixiert. An der Hand einer Frau verließ er den Speisesaal, in dem sich all jene tummelten, die sich kein eigenes Essen leisten konnten.
Carlos hatte ihm die blaue Karte mit seinem Namen besorgt. „Das bleibt unter uns, ich komm sonst in Teufels Küche“, hatte er zu Linus gesagt. Sie tauschten Joint gegen Karte und saßen noch Stunden am Hafen. Die Karte ließ Linus jetzt in der Hosentasche seiner Cordhose verschwinden. Er hasste diese Hose, sie kratzte. Überall. Aber auch das spürte er jetzt nicht.
Vor den Stufen des Speisesaals blieb die Frau an der Hand des Jungen stehen. Sie telefonierte. Linus blieb wie versteinert hinter ihnen. Er wartete, doch der Junge drehte sich nicht um. Durch den Sucher sah er nur die braunen Haare auf dem kleinen Kopf. Die Frau begann sich zu verabschieden, gleich würden sie weitergehen. Er musste jetzt etwas tun. Etwas, was er noch nie zuvor getan hatte.
„Hey!“, rief er laut. Der Junge und die Frau drehten sich zu ihm um. Er drückte ab und rannte los. Die Stufen hinunter, an den beiden vorbei, rannte weiter, an der Schule und der Wäscherei vorbei, durch die Haustür, die Stufen hinauf. Drei mit einem Schritt. Und hörte nicht auf, bis ihn der Blick des Jungen wieder traf.
„Hallo, mein Name ist Linus Gehrmann. Ich bin Fotograf. Ich habe kürzlich mein neuestes Projekt abgeschlossen und wollte fragen, ob in Ihrer kommenden Ausstellung noch ein Platz frei wäre. Nein, das geht nicht“, sagte Linus und knüllte auch diesen Zettel zusammen, warf ihn in die Ecke zu den anderen und begann von vorn: „Guten Tag“, sagte er leise, als der Bleistift die Buchstaben im Gleichschritt auf das Papier malte. „Ich bin Fotograf. Ich würde Ihnen gerne mein neuestes Projekt für Ihre Ausstellung im August anbieten. Sie würde sich hervorragend in den Stil Ihres Hauses einfügen.“ Wenn er das Telefon in die Hand nahm, schüttelte er sich, atmete tief durch. Dann sagte er den Satz auf, war mehr Theaterspieler als Fotograf. Dabei ging er von der Matratze zum Tisch unter dem Fenster, in die Küche, zum Klo und zurück.
„Nein, das verstehe ich natürlich“, hörte er sich sagen. „Natürlich, ja klar. Einen schönen Ta“ – der Mann am anderen Ende hatte aufgelegt.
„Prätentiöses Arschloch!“, schrie Linus und warf das tutende Telefon gegen die Wand. Er strich den Namen des Arschlochs auf seiner Liste durch. Es blieben nur noch fünf. Er musste sich ein neues Telefon kaufen.
Sie lernten sich an der Bushaltestelle kennen. Der erste Bus kam nicht, wegen des Unwetters, der zweite wegen des Staus durch das Unwetter und beim Dritten machte sich der Verkehrsverband erst gar nicht die Mühe, den Grund zu nennen. Also saßen sie fest unter dem gläsernen Dach der Haltestelle. Auf der Straße wurde der Regen zu einem Fluss, der leere Trinkbecher, Zigarettenstummel und Papiertüten mit sich riss. Linus war gleichermaßen froh wie enttäuscht, seine Kamera zuhause gelassen zu haben. Er hatte sein Gesicht zwischen Schirmmütze und dem Kragen der Lederjacke, die er sonst nie geschlossen trug, versteckt. Doch dem Mann im Mantel war das egal. Linus hatte ihn erst für einen Spinner gehalten, war ganz an den Rand der Bank aus Metall gerutscht. In dieser Stadt tummelten sie sich, die Menschen, die einfach zu reden begannen und bei denen man nicht wusste, ob sie die Person vor sich oder die Stimmen in ihrem Kopf meinten, wenn sie plötzlich lachten oder schrien oder anfingen zu weinen. Doch er hatte ihn gemeint. Linus.
„Dieses Wetter macht depressiv“, sagte der Mann. Sein schwarzer Mantel hing ihm bis in die Kniekehlen, den Kragen hatte er aufgestellt.
Linus wusste nicht, was er sagen sollte, also sagte er nichts.
„Du siehst blass aus. Hast du Hunger?“, fragte der Mann und zog ein Karamellbonbon aus der Innentasche seines Mantels.
„Hab keinen Hunger“, sagte Linus leise. Er suchte auf dem Boden nach einem Punkt, an dem sich seine Augen festhalten konnten. Zahnstocher, Strohhalm, Kaugummi. Er entschied sich für das Kaugummi.
„Dann nicht“, sagte der Mann, drehte die goldene Folie gekonnt zwischen Daumen und Zeigefinger und schob sich das Bonbon in den Mund, ohne es zu berühren. „Was machst du so?“, fragte der Mann, und Linus war überfordert, denn außer mit Carlos sprach er mit niemandem. Von Frau Domanski ließ er sich in regelmäßigen Abständen im Hausflur anschreien, aber ansonsten beschränkte sich seine Kommunikation mit der Außenwelt auf die mit seinem Vermieter. Und die verlief ausschließlich schriftlich und ausschließlich in eine Richtung.
Der Mann hatte sich jetzt neben ihn gesetzt.
„Ich bin Fotograf“, sagte Linus so leise, dass seine Worte nicht gegen den Regen ankamen. „Was?“, fragte der Mann.
„Ich bin Fotograf“, sagte Linus.
„Eine vergessene Kunst. Es ist eine Schande“, sagte der Mann.
„Ja“, sagte Linus. „Ja, das finde ich auch.“
„Was fotografierst du?“, fragte der Mann und folgte Linus Blick bis zum Kaugummi.
„Das lässt sich nicht beschreiben.“
Sie starrten nun beide auf die weiß-rosafarbene Masse, die sich mit jedem Tritt weiter in den Asphalt gefressen hatte. „Sowas?“, fragte der Mann und bewegte sein Kinn in Richtung Kaugummi. Linus hob ruckartig den Kopf. Sein Sitznachbar war gar nicht so viel älter als er, vielleicht dreißig. Er hatte eine Narbe in der Augenbraue. Die braunen Haare waren wie zweigeteilt.
„Nein“, sagte Linus etwas zu laut.
Der Mann lächelte. „Was denn dann?“
„Komm mit“, sagte Linus und war von sich selbst überrascht. Am liebsten hätte er die Worte eingefangen oder wäre durch den Regen weggerannt. Aber der Mann war schon aufgestanden, hatte seinen Mantel ausgezogen, ihn mit ausgestreckten Armen über sich gehalten und Linus mit einer Kopfbewegung angeboten, den Platz neben ihm einzunehmen.
In ihren Schuhen waren jetzt kleine Seen, jeder Schritt klang wie der Sprung in eine Pfütze. Frau Domanski würde sie bestimmt gerade durch den Türspion beobachten und nachher fluchend die Treppen trocken schrubben. Vor seiner Wohnung legte sich die Panik wie ein Strick um Linus Hals. Aber es war zu spät, er war hier und er wollte sie sehen.
„Nett hast du´s hier“, sagte der Mann, als er seinen tropfenden Mantel über den Stuhl in der Küche hing.
„Ist ok“, sagte Linus und tat, als würde er das Lachen des Mannes überhören.
„Also, wo sind sie?“, fragte der Mann und der Strick um Linus Hals wurde enger.
„Hier“, sagte Linus und sein Finger zeigte auf die Tür der Abstellkammer neben dem vergilbten Kühlschrank. Der Mann legte seine Hand auf den Türgriff, und als Linus nicht protestierte, drückte er ihn hinunter und trat in den schmalen Raum voller Gesichter.
„Sowas habe ich noch nie gesehen.“
Linus zog den Kragen seiner Lederjacke nach unten, als sei er der Strick, der ihm die Luft nahm.
„Du erkennst Leid, wenn du es siehst, oder?“
Linus antwortete nicht, seine Hand rutschte vom Kragen.
„Was sind ihre Geschichten?“
Der Strick war verschwunden. Er hatte es verstanden, er sah, was er gesehen hatte. Linus suchte nach Worten, versuchte sie zu sortieren, er wollte es nicht kaputt machen.
„Also, die hier, die Frau mit dem Perlenschmuck? Ich glaube, sie hatte eine Fehlgeburt, aber spricht mit keinem darüber. Und er hier, der kleine Junge, siehst du den blauen Fleck an seiner Schläfe und die Narbe am Hals? Ich denke seine Eltern misshandeln ihn. Ich habe ihn bei der Tafel entdeckt. Und er, der Mann an der Haltestelle hier, ich glaube, er ist pädophil. Jeden Tag steht er an der Schule. Immer beobachtet er ein anderes Kind.“
Der Mann ohne Mantel nickte, sah jedem einzelnen, der hier hing, in die Augen. „Gibt es noch mehr?“
„Ja, ich habe Kisten voll, ich fotografiere sie seit vier Jahren, ich kann sie dir zeigen.“
Der Mann winkte ab, ging wieder in die Küche und streifte sich seinen nassen Mantel wie eine schwere Rüstung über. Aus der Tasche holte er eine Karte aus Papier, sie war eingerissen und durchnässt, aber die Buchstaben noch erkennbar. Dann war er verschwunden.
