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Mit einer Feier im Burggymnasium Friedberg begingen die ehemaligen Aufbauschüler 2019 das 60-jährige Abitur-Jubiläum. Schon in den Jahrzehnten zuvor hatten sie bei zahlreichen Klassentreffen in und um Friedberg ihre Freundschaften gepflegt. Sie waren 1952 und 1953 in die damalige Realgymnasiale Aufbauschule, dem späteren Aufbaugymnasium, eingetreten. Eine Reihe von Schülerinnen und Schülern verließ Friedberg mit der Mittleren Reife, wechselte in der Oberstufe die Schule oder suchte andere Berufswege.
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Seitenzahl: 90
Veröffentlichungsjahr: 2020
Vorwort
Die Jubiläumsfeier
Ingo Baumgarten: Zur Feier des 60jährigen Abiturs
Ernst Köstler: Begrüßung
Helmut G. Schütz: Auf der pädagogischen Talsohle
Biografien
Renate Balluff, geb. Witt
Maria Blumenthal, geb. Mayer
Walter Boss
Siegbert Brückner
Willi Dittrich
Dieter Grumpe
Theo Hess
Edgar Hoffmann
Hans Reiner Holle
Günther Kisters
Ernst Köstler
Erhard Lerch
Gunther Lindenthal
Artur Momberger
Rolf Pausch
Arno Reuning
Manfred Richter
Henner Rößner
Hans Schäfer
Dieter Schmidt
Reinhard Schneider
Axel Schönfeld
Helmut Schütz
Ursula Sommer, geb. Kreis
Wolfgang Widemann
Manfred Wolf
Horst Wolfheimer
Fünfzehn Klassentreffen
Erstes Klassentreffen 1964
Zweites Klassentreffen 1969
Drittes Klassentreffen 1972
Viertes Klassentreffen 1979
Fünftes Klassentreffen 1984
Sechstes Klassentreffen 1989
Siebtes Klassentreffen 1999
Achtes Klassentreffen 2004
Neuntes Klassentreffen 2009
Zehntes Klassentreffen 2011
Elftes Klassentreffen 2014
Zwölftes Klassentreffen 2015
Dreizehntes Klassentreffen 2017
Vierzehntes Klassentreffen 2018
Ernst Köstler: Feierstunde im Burggymnasium Friedberg
Fünfzehntes Klassentreffen 2019
Auch bei den folgenden Klassentreffen
Alte Mahnung
Dank
Nachdem unser ganz internes Klassenbuch 2015 in erster und 2017 in zweiter Auflage erschienen war, hatte ich versichert, dass es keine weitere uns selbst bespiegelnde Publikation mehr geben werde. Doch als wir gegen Ende der sehr schönen Jubiläumsfeier, die das Burggymnasium uns bereitet hatte, bei Kaffee und Kuchen beieinandersaßen, wurden unterschiedliche Kommentare abgegeben. Einerseits äußerte man Genugtuung und Dankbarkeit über die von Herrn Edinger geplante und in jeder Hinsicht sehr gelungene Jubiläumsfeier, andererseits wurde bedauert, dass keine Schüler hatten teilnehmen können, dass ein Teil des Kollegiums durch anderweitige Verpflichtungen von der Teilnahme abgehalten worden war und dass auch von uns einige verhindert gewesen waren. So lag der Gedanke nicht fern, die Veranstaltung für alle Interessierten zu dokumentieren.
Da sinnierte jemand: Das ist ein wichtiger Tag, denn ein 70jähriges wird es mit Sicherheit nicht geben. Und ein ganz Mutiger hielt dagegen: Wenn ich noch lebe, komme ich – notfalls alleine. Es war nicht zu überhören: Wir Ruheständler begannen, uns ein wenig wichtiger zu nehmen als bisher. Wir wollten dem Vergessen und dem Vergessen-Werden widerstehen. Deshalb schlug ich vor, eine Festschrift zu machen, in der alle von uns vorkommen, und auch an unsere 15 Klassentreffen sollte noch einmal erinnert werden.
Wenn heutzutage allzu vieles abgeräumt, als gestrig abgetan und verdrängt wird, dann wollen wir nicht als eitel gewordene Dinosaurier nur für uns, sondern vor allem für die Schule, für unsere alte Penne in Friedberg, und auch für unsere Kinder und Enkel ein Minimum an historischem Bewusstsein manifestieren. In diesem Sinne wünsche ich unserem Jubiläums-Klassenbuch viele interessierte Leserinnen und Leser.
Helmut G. Schütz
Liebe Schüler des Abiturjahrgangs 1959, liebe Ehefrauen bzw. Partnerinnen, es kommt nicht oft vor, dass wir in den Gemäuern des Burggymnasiums ehemalige Schüler des Aufbaugymnasiums begrüßen können, die sage und schreibe 60 Jahre bestandene Abiturprüfung gemeinsam feiern. Es freut mich daher sehr, dass Sie sich der Schule immer noch verbunden fühlen und heute so zahlreich erschienen sind. Wie mir berichtet wurde, stehen Sie in regem Kontakt miteinander und treffen sich regelmäßig.
Als aktuellem Schulleiter des Burggymnasiums kommt mir nun die Ehre zu, Sie am heutigen Tag begleiten zu dürfen. Seit den Zeiten Ihrer jeweiligen Schulleiter Herrn Dr. Nicolai bzw. Herrn Dr. Wolf, die das Aufbaugymnasium in den Jahren 1949 – 1955 bzw. 1956 – 1967 geleitet haben, hat sich im Bereich Schule und Bildung vieles verändert.
Unser Grundsatz von einer modernen Schule in historischen Mauern hat in den letzten Jahren immer mehr seine Berechtigung gewonnen. Modern meint in diesem Zusammenhang nicht nur die technischen und auch baulichen Erneuerungen der Schule, sondern v. a. unsere Zielsetzungen und Lehrmethoden.
Herr Prof. Dr. Schütz, der sich dankenswerterweise zu einem Redebeitrag bereit erklärt hat, wird im Laufe des Nachmittags sicherlich noch einige Veränderungen in der Bildungslandschaft am Beispiel des damaligen Aufbaugymnasiums und heutigen Burggymnasiums aufzeigen.
Unsere Schule trägt weiterhin dafür Sorge, auf die jungen, fast erwachsenen Schülerinnen und Schüler sozialintegrativ einzuwirken hinsichtlich ihrer späteren beruflichen Laufbahn, aber auch im Hinblick auf ihre Sozialkompetenz als Mitglieder einer offenen, aufgeklärten und liberalen Gesellschaft. Besonderen Wert legen wir dabei auf unsere Schülerinnen und Schüler ausländischer Herkunft, die einen festen Bestandteil unserer Schülerschaft ausmachen. Dies scheint mir in heutigen Zeiten durchaus der Hervorhebung wert.
Abschließend möchte ich noch Herrn Eckardt und der kleinen Big Band für die musikalische Begleitung danken. Zudem gilt mein Dank dem stellvertretenden Schulleiter Herrn Edinger, ohne dessen Organisation dieser Nachmittag so nicht möglich wäre.
Ich wünsche uns nun allen einen schönen Nachmittag mit anregenden Gesprächen und viel Freude.
Ingo Baumgarten, Oberstudiendirektor
Sehr geehrter Herr Oberstudiendirektor Baumgarten!
Sehr geehrte Mitglieder des Kollegiums!
Verehrte Schülerinnen und Schüler!
Liebe Schulkameraden mit Euren Partnerinnen!
Wir sind versammelt, um unser 60-jähriges Abitur zu feiern, am Tag, an dem die Bundesrepublik siebzig Jahre Grundgesetz begeht. Beide Ereignisse haben unser Leben stark geprägt. Zu unserer Schulzeit versammelte sich an besonderen Gedenktagen die ganze Schulgemeinde zu einer Feier mit einem Vortrag in der Turnhalle. Naturgegeben sind nicht mehr alle unsere Kameraden unter uns. Einige sind verstorben, andere durch Krankheit oder andere Termine verhindert. Wir werden ihrer heute Abend besonders gedenken.
Wir treffen uns hier zum 15. Mal nach dem Abitur, immer in Friedberg und Umgebung. Dazwischen fanden auch immer wieder sogenannte bilaterale Treffen statt, in Nürnberg, Berlin, Bombay, Ockstadt und anderswo. Einbezogen waren auch immer die Partnerinnen, sodass wir heute in größerer Zahl versammelt sind. Man kann nun spekulieren, ob die Partnerinnen die entsprechende Wahl für uns sympathische Aufbauschüler getroffen haben oder ob wir das glückliche Händchen hatten, unsere Wahl so zu treffen, dass unsere Frauen gern an unseren Treffen teilnehmen. Auf jeden Fall bereichern sie unsere Treffen in jeder Hinsicht. Herzlichen Dank dafür. Dazu kommen einige, die die Schule früher verlassen haben und ihre Karriere an anderen Schulstätten fortgesetzt haben. Sie haben den Kontakt zu uns aber aufrechterhalten.
Wir waren Schüler der Aufbauschule, des späteren Aufbaugymnasiums, die in sieben Jahren zum Abitur führte. Einige von uns besuchten die Schule nach dem 6., 7. oder 8. Jahr Volksschule. Ich selbst nach dem 8. Volksschuljahr. Einer von uns hatte sogar vor dem Schuleintritt die Gesellenprüfung als Schreiner absolviert. Prägend für unsere Klassengemeinschaft war, dass ein Großteil von uns im angeschlossenen Internat wohnte.
Wir freuen uns und danken der Schule ganz besonders, dass sie uns Gelegenheit gibt, unsere Jubiläumsfeier in der bekannten Umgebung zu begehen, wenn auch manche Gebäude sich verändert haben und vor allem auch die Schulsituation anders geworden ist. Aus zwei Gymnasien wurde das Burggymnasium als eine reine Oberstufenschule.
Herzlichen Dank auch an die anwesenden Schülerinnen und Schüler, sich mit der Generation ihrer Großeltern oder sogar ihrer Urgroßeltern zu treffen. Herzlichen Dank an diejenigen, die im Hintergrund diese Feier vorbereitet haben. Vielleicht ergibt sich noch die Gelegenheit, persönlich zu danken.
Wir als Ehemalige freuen uns auf die Feier mit Ihnen, nachdem uns Herr Edinger bei einem früheren Treffen die Schule gezeigt hatte.
Ernst Köstler
Seit unserem Abitur im Jahre 1959 haben wir uns alle fünf Jahre in Friedberg getroffen. Als sich im letzten Jahrzehnt unsere Reihen ein wenig zu lichten begannen, schien uns dieser Rhythmus doch zu riskant, und wir einigten uns schließlich darauf, uns jährlich wiederzusehen. Die Treffen fanden sozusagen stillschweigend statt, das heißt, ohne dass wir einen Kontakt mit unserer alten Schule aufgenommen hätten. Als dann der Termin des 60-jährigen Jubiläums näher rückte, kam der Vorschlag auf, dieses Ereignis gemeinsam mit der Schule, mit Ihnen, zu begehen. Genau genommen hatten wir uns bereits vor zwei Jahren hier gemeldet. Herr Edinger hatte uns freundlicherweise durch die einzelnen Gebäude geführt, und wir hatten auch das bevorstehende Jubiläum angesprochen. Lassen Sie mich also gleich eingangs der Schulleitung und dem gesamten Kollegium ganz herzlich dafür danken, dass Sie unseren Vorschlag positiv aufgenommen haben.
Was aber war unsere Motivation für diese Veranstaltung? Nun, uns war zunehmend bewusstgeworden, wie viel sich in diesen sechs Jahrzehnten verändert hat, und dass auch einiges gleichgeblieben ist. Und deshalb ging unser Wunsch nicht etwa dahin, uns feiern zu lassen, sondern wir wünschten uns diesen Generationen-Clash, um ein kleines Stück Schulgeschichte lebendig werden zu lassen, für Sie und für uns. Denn für uns, die 80-Jährigen, gehört das Lehrerkollegium im Wesentlichen zu den Generationen unserer Kinder und Enkel, und die Schülerschaft entspricht demnach der Generation unserer Urenkel. Kehren wir die Perspektive um, dann besichtigen Sie in uns die Zeugen einer Epoche, die Sie nicht mehr erlebt haben: die letzten Kriegsjahre, Flucht und Vertreibung, das Wirtschaftswunder und die Anfänge der Pop-Kultur.
Aber unsere Schule, die Realgymnasiale Aufbauschule, die dann in Aufbaugymnasium umbenannt wurde, war keineswegs eine moderne Schule. Es war eine Vielzahl von Initiativen des ausgehenden 19. Jahrhunderts, die Arbeiterbewegung, die Frauenbewegung, die Jugendbewegung, die Kulturkritik und viele andere, die um die Jahrhundertwende eine äußerst fruchtbare pädagogische Reformbewegung hervorgebracht und die auch das dreigliedrige Schulsystem mit Volksschule, Mittelschule und Gymnasium in Frage gestellt hatte. In der Folge dieser Bestrebungen kam es 1922 zur Gründung der Aufbauschule in Friedberg, die sich zunächst verstand als Blut- und Bodenschule für Söhne von Landwirten und Bauern, und die bald danach als Gymnasium weiterentwickelt wurde. Durch den Beginn mit der Quarta nach der 6. oder 7. Volksschulklasse sollte vor allem Dorfkindern und Schülern aus schwierigen familiären Verhältnissen eine zweite Bildungschance geboten werden.
39 Schüler (davon nur vier Mädchen!) traten 1959 in die Quarta ein. Im darauffolgenden Jahr kamen noch einmal 19 Schüler von anderen Schulen bzw. aus der DDR hinzu, sodass aus 48 Schülern zwei Klassen gebildet wurden: die UIIIa und die UIIIb. Am Ende der Untertertia wurden in der „A“ von 28 Schülern 14 nicht versetzt. Was war passiert? Es gab in dieser Klasse viele Repetenten sowie Landkinder, die sich bereits mit der deutschen Hochsprache schwertaten. In der Quarta war mit Englisch als erster, in der Untertertia mit Latein als zweiter Fremdsprache begonnen worden. Unsere Lehrerinnen und Lehrer verstanden sich als Fachleute und nicht als Pädagogen; es wurden weder Beratungen noch Fördermaßnahmen angeboten. Vielmehr hörten wir ein über das andere Mal den Spruch: Du kannst ja gehen. Wer nicht hierhergehört, sollte einen nützlichen Beruf ergreifen. – Es gehörte damals zum Elitebewusstsein der Gymnasien, in den ersten Jahrgängen stark zu selektieren. Zu Beginn der Oberstufe, also in der Obersekunda, waren wir noch 27 Schüler, von denen im Jahr 1959 schließlich 17 das Abitur ablegten.
Von jener der Reformpädagogik entliehenen Grundidee der Anfänge, vor allem dem ursprünglichen kompensatorischen und sozialpädagogischen Impetus war zu unserer Schulzeit so gut wie nichts mehr übriggeblieben.
Auch in den 1950er Jahren kamen immer wieder Schüler aus der DDR zu uns, die Russisch als erste Fremdsprache gelernt hatten. Ihnen fiel es schwer, den Anschluss an die Klasse zu finden. Wenn sich nicht die Eltern um Nachhilfe kümmerten, gelang es nur wenigen, den Lernrückstand ganz aufzuholen.
