Fugenkitt - Manfred Linke - E-Book

Fugenkitt E-Book

Manfred Linke

0,0

Beschreibung

Die Arbeit bewegt sich im Grenzbereich von Theologie und Fundamentalontologie. Sie zeigt, daß es Schnittstellen gibt: Wahrheit, Heiligkeit, Zukunft.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 261

Veröffentlichungsjahr: 2016

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Bisherige Veröffentlichungen:

Wert und Bewertung von Firmenanteilen (1981)

Unter der Hand der Lichts. Gedichte (2008)

Die Logik des Herwegs. Philalethische Bemerkungen (2008)

Ehe der Mond war. Gedichte (2009)

Sinn und Zeit (2009)

Mit-Sein (2010)

Oder nichts. Fußnoten zur Logik (2010)

Die Entdeckung des Seins (2011)

Sprache. Ursprung und Gestalten (2011)

Menge und Un-Menge (2012)

Wahn (2012)

Die Zukunft der Wahrheit (2013)

Das Heilige (2014)

Der freigelassne Trost. Gedichte (2015)

Dank an Gertraud, die trotz Krankheit die Arbeit in Form gebracht hat!

Inhaltsverzeichnis

Fragmente

Die Wurzel des Antisemitismus

Das Böse

Sein und Vergessen-Sein

Gnoseologie

Herrlichkeit

Gnoseologie (II)

Advent und Geschichte

Anmerkungen zur Menge

Sein und Da-Sein

Gemeinschaft und Zusammenbruch

Wahrheit und Freiheit

Psyche und Synantyche

Die Logik ewigen Lebens

Der unreine Geist

Spealität

Das Hauptproblem

Gottesbeweis?

Relativität

Physik und Ontologie

„Orzismus“

Der doppelte Fascismus

Levität

„Tripossibile“

Angst und Jubel

Feindesliebe

Gleiche Verschiedenheit

Existenz

Zusätze und Ergänzungen

Dieser Band enthält Anmerkungen zu Themen, die früher offengeblieben waren, und Nachbemerkungen zu Problemen, die eigentlich „polyblemischer“ Art sind, sich also einem Einmal-Approach widersetzen. Die Texte sprechen für sich. Stellen, die sie behandeln, zu kennen, kann nützlich sein; notwendig ist es nicht.

Fragmente

Demenz ist, sie nicht mehr wahrzunehmen, weil sie gesiegt hat.

Die Aura des Schlaganfalls ist der Zeitgeist als Dummheit, die Aura des Todes der Tod des vergessenen Seins.

Der Mensch erfährt sich als Faktum und Faktor. De facto endet er; de factore endet sein Ende, und er erlebt es, stirbt er.

Dieu: mes amis.

Der Mystiker weiß, er ist Zwei, der Paranoiker „sind“ es.

Ach, ich bin des Menschen müde… War das der Grund der Sintflut? Ach, ich bin Gottes müde – weil er mich urhob?

Der Selbstmörder ist der Totschläger seines Doubles. Deshalb sündigt er. Anders verhält sich die Sache mit Gott. Qua „nichts“ ist er frei zum Tod und steht auf.

La mort est l’amour de Dieu. S’il se tue, c’est la croix et fait vivre.

Fürst Myschkin: Guardini sieht in ihm eine Neugeburt Christi. Nicht realiter, sondern mariologisch, ex post. Wer das Sein nicht gebiert, den gebiert auch das Kreuz nicht. Wie soll der dann leben können? Als Embryo?

Ökologisch sei heilig, meint falsifixierte Ehrfurcht.

Eluminieren wir Gott, dann den Tod am Kreuz: metaphysischer Keim des Fascismus?

Im Traum erleben wir „nichts“, geseiht durch Unendlich, im Da-Sein Unendlich, geseiht durch „nichts“.

Hoffnung hofft nicht auf sich, sondern wartet auf den Besuch des Erhofften.

Weil wir beginnen, ehe die Zeit beginnt, langweilt sie uns unendlich.

Beten ist logisch; anders wäre das Sein nicht „jemand“. Wäre es aber „niemand“, wären Gebete Wahnsinn und fielen nur Gott ein. Poeten wissen das näherungsweise. Sie kennen nämlich die Furcht des Munds vor dem Ich der Worte und wissen um ihre Gefährdung durch Gott, den Besser-Wisser kraft ihres Gewissens. Das mag ja apart sein; aber die Liebe ersetzt es nur mittels Gottes Wahnsinns, Meier kreiert zu haben. Poemata bringen das, mehr oder weniger unbeholfen, ins Wort, doch die Worte folgen ihnen nur widerwillig, weil ihre und Meiers Freiheit nicht kongruieren. Ob da ein Baum steht, stürzt sie in Nöte, denn ihre Dunkelheiten sprechen von „Else“, doch ihre Helligkeiten verraten, daß wir verraten haben. Wem wir uns nun verpflichtet fühlen, wissen wir, wenn wir sterben: ob wir dann „aus“ sind oder, worauf wir aus sind, Mit-Sein mit Gott ist.

Das Sein ist billionenfach relativ zu Billionen, relativistisch billionenfach „nichts“.

Kann man den Tod erleben, wie ihn das Sein erlebt und doch sterben muß, will es mich leben lassen? Das Sein überlebt den Tod und steht auf. Kann ich das Gleiche tun, ohne mit ihm zu sterben? Bin ich dann immer noch „ich“ der Geduldete? Und der Schlaganfall: ist er mein Kreuz? Wäre nun dieses Fiktion, jener aber ein Faktum, gäbe es zwei Empirien und mich dazwischen. Was für ein Sein wäre „meines“ und wessen „ich“? Oder ist nur die Wette real – doch wessen auf wen?

Islam. Vermutlich ist er ein Trick: die Selbstsakralisierung der Dämonarchie. Daß er nicht ohnmächtig sein will, stellt ihn auf eine Stufe mit Nero und Stalin; daß es lebensgefährlich ist, das zu sagen, erst recht. Christus muß man da nicht bemühen; es ist die Onto-Logik, die den Islam verurteilt. Pascal hat gesagt: Wo er dunkel ist, borgt er; wo er offen ist, ist er lächerlich.

Muhammad wollte die Welt erobern, das Sein, daß der Himmel die Welt erobert. Wer nun des Seins ist, mißbilligt Muhammad, tritt aber Christus bei, der das Sein ist. Muhammad vertritt den Haß als Destruktor faktorischer Liebe. Das Sein ist das Paar-Sein der Ohnmacht Zweier, die alle Macht hat.

Demokratisch hat diese Allmacht Jeder, aber der Liebe ist es zuwider. Die Liebe ist nämlich, nach Zeitbegriff, das Ionenpaar, das durch den Kosmos rast; doch das Bild steht als Fälschung da: Das Ionenpaar hat den Kosmos erfunden!

Demokratie und Ekstasis: was für ein Widerspruch!

Erschöpft-Sein vom Ja zum Mit-Sein. „Danach“ ist nicht „nichts“, sondern Nahverwandtschaft mit Dem, der – statt meiner – „ist“.

Erkennt das Sein die Gefahr, Faktor zu sein, und läßt sie es zu? Wenn ja – kann es Liebe sein? Wenn nein – kann ich Faktum sein?

Kein Tier kann schwermütig sein, der Mensch vielleicht schlecht und recht. Selbst der Traurigste weiß – und das empört ihn vielleicht sogar –: Der Melancholie des Seins bin ich nicht gewachsen.

Ja, es ist furchtbar, nicht Gott zu sein; aber noch furchtbarer wäre, er wäre Fiktion.

Der Dichter verknüpft Zeit und Hoch-Zeit; wo nicht, Zeit und „nichts“.

Die Natur des „nichts“ ist, es „sei“ nicht; das „nichts“ der Natur, es bezaubere, weil es nicht vorkommt. „Else“ kommt vor und bezaubert. Sie muß also „sein“.

Was tue ich, wenn ich liebe? Nahezu nichts. Nichts, weil ich frei bin; nahezu nichts, weil ich treu bin.

Im Selbsthaß verurteilt mein (früheres) „nichts“ mein (späteres) Etwas, mein Etwas aber das „nichts“, das nicht ist wie Gott.

Gott ist die Quadratur des Kreises; der Kreis sind wir Alle.

Ver-Nichtung. „Nichts“ ist, ich hoffe nicht, daß ich sei. Allerdings wäre dann „nichts“ auch „keines“. Doch die Ver-Nichtung hätte dann ausgespielt, denn sie „wäre“, und das genügt nicht, denn „ich“ bin gleichwohl Delebile, also zunächst intakt. Verdun wäre nicht geschehen, Auschwitz erst recht nicht, hätte nicht „nichts“, das zuvor „nichts“ ist, die Gotteschance, daß es Gott, doch auch „nichts“ ist. Kann nun das „nichts“ nicht Gott sein, rührt es doch von der Ohnmacht her, nicht erschaffen zu können.

Kein Lärm: das Vergnügen (oder der Greuel?), zu hören, daß Gott spricht.

Recht? Weil der „Vater“ ein Narr und Christus, als der „geborene“ Narr, den Menschen vom „nichts“ befreit hat?

Oder ist alles ein andermal anders? So, daß möglicherweise das Dogma Recht hat, weil Zeit nicht zureicht, Verheißungen zu ermessen? Auch wenn sie Unsinn wäre wie Gott, tradiert sie doch das sakrale So-Sein, aus dem wir leben können, träten wir zu ihm über, quelle que soit sa „nature“ que nous ignorons.

Möglicherweise ist der Islam, was Christus gewesen wäre, hätte man ihn gewähren lassen: Revolte gegen die Ohnmacht. Muhammad hat vielleicht mißverstanden, wem Haß gilt. Christus sagt: Wer sein Leben haßt (sprich wer Christ ist), wird es gewinnen. Muhammad sagt (implizit): Wer Allah ignoriert, ist verloren.

Der Unterschied ist die Tragik. Christus hätte nicht notgetan, wäre der Mensch nicht zur Freiheit geschaffen. Allah generiert einen Sklaven. Er wagt nicht, daß er auch „nichts“ sein könnte, schüfe er einen von Gott „differenten“ Menschen, und schafft ihn dennoch. Der Muslim verwickelt den Faktor nicht in das Wagnis, ein Faktum zu generieren, das Einspruch einschließt und Gott zur Geburt zwingt, damit der Himmel geschehen könne. Muhammad setzt auf Dressur. Sein Himmel belohnt den dreschenden Ochsen, und sein Applaus bevorzugt den Duft unterlassener Freiheit.

Zum Tod sagt Muhammad nichts, außer er sei Gehorsamsfolge. Daß er vielleicht mit dem Ritus verwandt sei, entgeht dem Propheten.

Eigentlich ist der Tod der Ein-Fluß der Hoch-Zeit ins Da-Sein, denn deren Memorabilia sind, wir könnten hinter uns lassen, was uns zum Himmel querstellt. Daß dieser an eine Bedingung – das Kreuz – geknüpft ist, macht ihn der Hölle verdächtig. Daß Hölle an einen Verdacht geknüpft ist, macht sie verächtlich.

Das Sein, als geborenes, lebt sein Leben lang mit dem Tod vor Augen. Wollen wir dann ein Leben lang leben, als gäbe es keinen Tod und kein Sein, das ihn tötet.

Der Tod: Schindet mich Gott, oder werde ich sein Komplize?

Sterben als Kunstwerk (des Seins).

Ma mort: mon amour?

Else: War sie nicht meiner Taubheit Tod? Liebe ich sie, dann deshalb.

Daß ich auch „nichts“ bin wie Gott, wird deutlich, wenn meine Menge ermüdet, weil eine Un-Menge es ihr aufträgt.

Vielleicht muß der Gott noch geboren werden, der uns versichert, Gott zu verfluchen, sei Gottesdienst. Wirklich am Kreuz hängt das Sein, ignorieren wir es. Der Vorwurf, Zeit hätte nicht entstehen müssen, ist eine Liebeserklärung an ihren Erfinder, der so verrückt war, Israel auszulösen, damit es die Welt erlöse. Muß sie sich denn erlösen lassen, weil sie so frei war, frei zu sein contra spem, und zu hoffen, das sei der Himmel? Wäre es nicht die Liebe, er billige, daß ich das tadle? Und Judas: War er nicht ehrlicher als Johannes und alle Heiligen? Gewiß: Er verzweifelte; aber was tat er, was nicht Gott selbst tat, der Gott verfluchte, indem er gehorsam war und es vielleicht nicht gern war? Vielleicht wäre Jesus am liebsten Judas gewesen, hätte er doch den Kelch nicht trinken müssen, den er dem Allergeringsten nicht zumuten wollte.

Oder ist mitten im Sein alles anders? War, weil der „Vater“ auch „nichts“ sein konnte, der „Sohn“ ein gezeugter Irrtum?

Durfte er aber dann heilen, was nihilologisch „nichts“ war? Hätte er dann nicht den „Vater“ gerichtet und sich versündigt?

Stünde dann nicht die Welt auf dem Kopf, und mit welchem Recht? Weil der Vater ein Narr war und Christus, als der „geborene“ Narr, den Menschen vom „nichts“ befreit hat?

Oder ist alles ein andermal anders? So, daß möglicherweise das Dogma Recht hat, weil Zeit nicht zureicht, Verheißungen zu ermessen? Dann gälte tatsächlich: Kirche, auch wenn sie Unsinn wäre wie Gott, tradiert ein sakrales So-Sein, aus dem wir leben könnten, träten wir zu ihm über, qu’elle que soit sa nature (que nous ignorons).

Metanoia ist die Verwandlung des Ichs als Unterstandard in Explosion. Das Gemeinte dringt durch; die Liebe erweist sich als Konstituente des Da-Seins. Das Resultat: Zerknirschung oder die Tobsucht „keiner“ Zerknirschung.

Der Mythos als Blöd-Sinn. Die antiken Poiemata: Ehre, Geschlechtslust. Nirgends eine Vermutung – nicht einmal eine hilflose –, daß da Bedeutenderes sein könnte. Kommt aber das Bedeutendere, kommt es unter die Räder. George hat das beklagt, doch die Räder hat er nicht wahrgenommen.

Der Unwert der Psychologie. Sie weiß, was sie will: die Psyche ergründen, aber sie ignoriert, was der psychische Grund ist, und wird psychotisch.

Böses ist „nichts“ plus Entnichtung plus Undank.

Das Sein ist nicht dingfest zu machen als mittels Selbstaussage des Seins, der man beitritt. Die Juden taten das zwar des Gesetzes wegen, aber au fonds, weil die Hoffnung ihnen voraus war, daß die Tora nicht von Juden erfunden wurde: „Mittels Tora schuf Gott Himmel und Erde.“

Daß wir das Böse verwerfen, rührt vom Geschaffen-Sein her, daß wir es tun, von der faktischen Freiheit. Die Theologie sagt, das Faktum sei aus dem Ruder gelaufen; die Theo-logik, der Faktor habe das wissen müssen. Gibt es da kein Apart-Sein? Kein Seins-loses, sondern ein amicales? Was wäre das für ein Sein, das auf Knechte aus ist, oder was wäre das für ein Sein, das mit Feinden zurechtkommt, wiewohl es auch diesem Wagnis nicht ausweicht. Noblesse setzt auf Freundschaft, die glücken oder mißlingen kann.

Die Wut des Bösen hat mit den Juden zu tun – eigentlich schon mit dem Neid auf Abel, dem Freund des Faktors. Der Antisemit setzt Kain fort, Hitler beerbt Muhammad, Arabien Hitler. So gibt es zwei Da-Seins-Formen: der Heiligen und der Hassenden: Koinonia und „Kainonia“. Koinonisch entsteht der Himmel, kainonisch der „Fürst der Welt“, der den Himmel kreuzigt, aber von ihm durchkreuzt wird. So geht Geschichte. Lösungen gibt es nur transtemporal, apokalyptisch.

Haß ist, wie Liebe, „ewig“, außer er haßt sich selbst, denn das lehrt ihn die Liebe. Der Judenhaß haßt zwar Israel, aber als Stellvertreter der Ohnmacht Gottes (das lehrt ihn, ob er es will oder nicht, das Kreuz). „Vernunft“ hat da keine Chance; sie vernimmt ja Externes: Freude oder Empörung, und der Verstand begreift es entsprechend. Der närrische Funke Himmel zündet die Ober-Welt wie die Unter-Welt an: jene zwecks Eucharistie, diese zum Undank. Anti hat kainonale Wurzeln. Hölle ist das Erbarmen des Seins mit sich selbst, den Haß zu expatriieren.

Das weiß er und rächt sich an allem, was „recht“ ist. Die Schuld übermannt ihn und nötigt ihn, mittels der Schar der Verdammten zur kompensatorischen Endlösung aller Fragen: der jüdischen, des Besitzens, der Mystik. Der Kainonia ist alles recht, was den Tod bringt; sein Nichts-Sein ver-nichtet ab ovo und eo ipso.

Koino- und Kainonia sind Urverwandte. Macht hat nur diese, denn Koinonia steht für die Ohnmacht Gottes. Siegen wird diese.

Norm ist der Weltkrieg gegen den Standard Himmel alias Christus. Der Krieg tröstet „nichts“; aber „nichts“ ist untröstlich, und was wir Frieden nennen, ist ohne Christus „nichts“. Diesem nicht beizutreten ist zwar ein Freiheitsmerkmal, aber die Freiheit weiß nicht, worauf sie aus ist.

Die Wurzel des Antisemitismus

Die Sinnlosigkeit des Bösen führt strenggenommen zum Selbstmord. Dagegen spricht, daß das „nichts“ sich nicht töten kann, also ver-nichtet; namentlich Gott, den Sartre als Quell aller Frustrationen versteht („Überlegungen zur Judenfrage“, zitiert nach Minkmar, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Juli 2014). Gott, der Untötbare, liegt außer Reichweite – Israel, seine Geliebte, nicht. Deshalb (was Sartre vergißt oder unterschlägt) ist Israel die Erlösungshoffnung par excellence und der Massenmord an den Juden das einzig probate Mittel.

Dazu bedarf es der Botschaft: der autegorischen. Kainonia kopiert das Angelion Christi; herauskommt das Kainangelion Satans. Christi Angelion sagt: Im Himmel wird alles gut. Das Kainangelion hält dagegen: Himmel ist, wenn dem Haß Gerechtigkeit widerfährt. Botschaft berichtet von Wahrem, oder sie fälscht es; aber es reicht uns zum Zwischenzustand des Märchens. Kategorien vertilgt es.

Hitler war Heiland von unten her und sein „Kampf“ die Selbstauskunft Satans. Noch heute graust es den Demokraten, zu lesen, was sie verherrlicht haben. Angelia sunt tremenda et fascinosa.

Das Böse verbreitet vor allem die Botschaft der Freiheit von Gott, der sie ausrief, damit er Faktor sein könne. Daß sie auch frei von der Wahrheit sei, überführt sie der Lüge: Wahrheit ist keine Zeiterscheinung, sondern Erscheinung des Seins in der Zeit, als Eine und keine andere. Es gibt auch nur Einen und keinen anderen Tod.

Muhammad erschien, vielleicht, nicht als Sein in der Zeit; aber Christus, der das von sich behauptete, schloß nicht aus, daß es Christusse geben werde, die das behaupten, und warnte uns vor Muhammad et aliis. Kriterium ist nicht der Welt-Verstand, sondern ob der Islam sich von selbst versteht und „die Liebe“ ist oder sie haßt, weil sie gegen die (Macht der) Welt ist. Haßt er sie aber, lügt er, denn wer die Wahrheit haßt, kann nicht „sein“. Er ist Kain.

Möglicherweise ein Märchen; aber ein Märchen ist halber Himmel, jedenfalls nicht Maria. Nymphen sind freundliche Zauberinnen; charmant, aber lebensgefährlich. Sie anzuflehen hat keinen Zweck, denn ihr Mittel ist die Vernichtung der Ohnmacht Gottes. Muhammad hat davon keine Ahnung; wenn doch, um so schlimmer. So oder so: Zur Wahrheit begabt ihn nichts, zum Heiland erst recht nichts. Nicht einmal, daß er Jesus einen Propheten nennt, denn was verböte ihm dann, ihn zu akkreditieren? Daß der Islam die Mystik verunglimpft, heißt, daß der Mystiker frei ist: auch von Muhammads Allah. Schiebt sich nämlich die Hoch-Zeit in die veruntreute Zeit, wird der Tod der Meister des Da-Seins, auch wenn er im Sein nicht vorkommt. Dagegen spricht – gegen Allah –: Ein Entnichtetes stirbt nicht ins „nichts“; das behauptet nur „nichts“, sprich Allah. Es kommt auf die Treue an, doch die Treue ist keine Zeiterscheinung, sondern ein Hoch-Zeit-Ding.

Wovor hat dann Todesangst Angst? Daß „danach“ Unsinn geschieht? Aber was ist dann Sinn? Daß „nichts“ ist, was gar nicht möglich ist? Oder daß „Gott“ ist, den ich nicht wahrnahm?

Die Sache ist einfach und kompliziert: Es gibt keine Treue außer Marias Wahnsinn, Gott, den Verrückten, zur Welt zu bringen. Damit hat Welt einen Mittelpunkt und einen Trost, den auch Gott hat, stirbt er am Hochverrat, ihn zu vergessen. Religionen sind Todverbreiter, leben sie nicht von der Tat Marias, Leben zu diffundieren. Muhammads Allah kommt aus „nichts“ und vernichtet, was seiner Willkür nicht zusagt: vor allem die Logik. Wer das als christliches Brauchtum abtut, verdampft seiner Taubheit wegen. Gilt nämlich Mario-Logik, gilt Mari-Archie, und das Böse hat keine Zukunft, jedenfalls keine volksherrschaftliche. Volk ist nämlich ein marianisches Phänomen oder Untat. Ehrt es Maria, hat es die Chance, mit Maria zu herrschen. Ehrt es sie nicht, verdirbt es, denn seine Ehre ist „keine“. Ist es nun eine Schande, tröstet es auch der Tod nicht, den Christus tötete, als ihn Maria dazu gebar.

Sterben wir, sterben wir um Marias willen und leben wie sie, die nicht starb, weil sie – ihr – Leben proliferierte. Was schreckt uns dann unser Tod, der „nichts“ war, also ein Wahn ist?

Wahn ist nichts Eigenes, sondern Sinn, der abhandenkam oder verstümmelt wurde: das Subjektive als Krankheit, welche den Standard, als objektives Ereignis, relativiert. Im Ernstfall stiftet sie Schaden und wird zum Gegenstand richterlicher Entscheidung. Wird nämlich Wahnsinn öffentlich wahrgenommen, entsteht die Befugnis, ihn hoheitlich durchzusetzen; nicht zuzulassen, daß jemand „Gott“ sei. Auch kein ihm Treuer, denn Zeit ist kein Eigen-Sinn, sondern Gehilfin: des Wahnsinns oder des Sinns. So haben wir zwei Parteien: Zeit spricht vom Wahnsinn Ewigkeit, Hoffnung vom Wahnsinn Zeit. Das kann zum Gemeinwahn führen, Zeit sei Fälschung, oder zum Sonderwahn, Hoch-Zeit sei „ich“. Wenn Breivik, qua „Gott“, befindet, nur Massenmord könne die Welt in Ordnung bringen – ist er dann wahnsinnig, oder vertritt er, im Zeit-Raum, das Vorkommnis Apokalypse?

Größenwahn und Verfolgungswahn sind keine Zeitprodukte, tradieren doch beide, wenn auch verkehrtermaßen, das Typikon des gewaltigen und verfolgten Gottes. Wem dieser suspekt ist, verdächtigt sich selbst der Dummheit, Wahnsinn und Sinn zu verwechseln.

Wahn ist kein Zufall sondern der Aber-Glaube, ich sei das Sein, Massenwahn dessen Plural „Normalität“. Beide ereignen sich mangels Sinns, der nicht „innen“ entsteht, sondern „herkommt“. Tritt der Geist nicht „zur Tür herein“, kommt es zur Eigen-Welt, die nicht wahr-, sondern wahnnimmt. Alle sind, potentiell, Breivik und Gott am Kreuz. Nicht der Glaube ist Wahnsinn, sondern der Un-Sinn als Aber-Glaube, es sei, was nicht ist, und das „nichts“ als Vermutung, es sei das Sein.

Dazwischen liegt das „normale“ Ereignis Mensch: seiner Hoffnung nach Totum, Pars seiner Untreue wegen. Beides tradiert er. Wahnsinn entsteht als „Parsprototitis“. Meier erfährt, daß es Unrecht gebe, und wähnt, das sei Weltnorm. Er globalisiert ein Detailvorkommnis und rügt, daß das Totum dem nicht entspricht. Freud reduziert den Menschen auf Sexuelles. Zunächst war das Sonderwahn, aber vor hundert Jahren mutierte es zum Gemeinwahn, daß Ein Aspekt sich verselbständigt und die Welt unterjocht. Niemand schützt sie davor, daß morgen ein Krokodil zum Feldmarschall avanciert oder Friede „notwendig“ eintritt oder die Dummheit Heil bringt. Was soll die Psychologie denn tun, huldigt sie doch nicht selten dem gleichen Wahnsinn, den zu kurieren sie im Programm hat?

Parsprototisch verfährt auch Darwin. Den leiblichen Anteil des Menschen am Animalischen nimmt er zum Anlaß, den Menschen zum End-Tier zu proklamieren; zu wähnen, Adam sei der vollendete Affe. Daß er dabei auf Gott verzichtet, erweist ihn als Hegel-Schüler, und sein monistisches Denken entpuppt sich als Einspruch gegen die paargestaltige – sprich: erotische – Wahrheit. Diese drückt aus, was sie will, den Menschen; den Affen hat sie nur vorgesehen, weil er adhokzisch, auf Mensch zu vorkommt. Dies mißzuverstehen, ist dämonarchischen, nicht animalischen Ursprungs, denn Adam lebt nicht als Endergebnis von Beutezügen, sondern als Treuer oder Verräter. Kein Affe schreibt ein Gedicht, denn er hofft nicht. Auch kein Absurdes gelingt ihm. Absurd ist nämlich nur Gott, der zum Wagnis neigt, Adam zu generieren. Der Weltgeist führt Selbstgespräche; Gott ist auf Dialog aus. Der Parsprototist imitiert das All-Eine, das es nicht gibt. Der Gesunde – vulgo genauso Verrückte – plädiert für Gott, den verrückten, und sehnt sich nach dessen Herweg.

Die Schwierigkeit: Der Monismus hat keine Ethik, denn das All-Eine ist „sein“ Gesetz oder keines. Das macht die Beurteilung eines wahnhaften Mörders trostlos. Wird er die Tat wiederholen? Wenn nicht – wozu dann die psychiatrische Mühsal? Wenn ja, bleibt Heilung ergebnislos, Strafe aber belanglos. Sind nämlich meine Taten logische Emanate des Weltgeists, gilt kein externer Maßstab, geschweige denn ein juristischer. Hitler und Mutter Teresa sind gleichberechtigt, und kein Gerichtshof steht über beiden, die beide „Gott“ sind. Den Tod sterben beide; aber der Weltgeist stirbt eo ipso nicht und der Christ ins Leben. Was bleibt dann vom Tod noch übrig? Monistisch nichts, christlich erst recht nichts.

Gibt es nun eine Schnittstelle zwischen Maria und Irrsinn? Der Norm nach wäre sie Irrsinn par excellence, doch der Standard, der ja verrückt ist, bejaht das. Maria wurde von diesem Wahn überschattet, und sein Erbarmen proliferiert sich mario-logisch als Für-Bitte, dies oder jenes Elend sei ferne. Der Rosenkranz schafft meine Nähe zum Mit-Sein, denn wer das Sein gebiert, hat auch die Macht der Ohnmacht, mich freizusprechen vom Un-Sinn. Lourdes ist der Erz-Psychiater, er sei marianisch; wo nicht, mißlingt er. Maria hilft aus der Dummheit, das Sein zu vergessen. Reue gäbt es keine, gäbe es nicht Maria, und keine Seligkeit, wäre da nicht der Mut Marias, das Sein ins Da-Sein zu transferieren. Wir hängen also nicht nur von Gott ab, sondern vom marianischen Menschen, denn unterhalb dessen gibt es nur Trolle. Die Normalität begrüßt das, aber der „Mensch“ bedarf der Mario-Logik, die seinen Wahnsinn ausschließt.

Maria erlöst das Sein aus seiner Verlassenheit in der Selbstvorgabe, faktorisch zu sein. Gewiß: Auch Maria ist Faktum, aber sie wäre mißlungen, hätte sie sich geweigert, das Faktor-Sein zu gebären. Gottes Tragödie war an ihr Ende gekommen, kam er zur Welt, doch sein Herweg geschah durch faktische Wegbereitung.

Die Mystik hat das begriffen und spricht vom Patt zwischen Gott und Mensch, ja, wo sie nichts mehr begreift, vom Vorrang des Menschen, weil Gott verloren wäre, hülfe ihm nicht marianische Treue. Ob das auf Eckart zutrifft, weiß nur Maria, aber ihr Wahnsinn, Gott zu gebären, spricht für den Toll-Mut Eckarts, ja selbst für Nietzsche, denn jeder, der Gott nicht beitritt, ihn aber auch nicht verflucht, ist ein „Lauer“, mit dem Gottes Faktor-Sein nicht zurechtkommt. Entweder sage ich Herr! oder Schinder!; „als ob“ plappert „nichts“ nach, und meine Gegenliebe ist „nichts“.

Ist also Mystik „keine“, bürgt auch Maria nicht für das Sein, und Christus steht für Folklore, an die zu glauben uns niemand aufträgt. Wie gehen wir dann mit dem Tod um? Sterben wir, weil es der Brauch ist, oder empören wir uns, weil das Sein „ist“ und den Tod ignoriert? Was hindert uns dann daran, es ihm gleichzutun Daß wir Gott ignorieren, weil er uns vor- und für-starb? Sind wir denn heilig?

Aber warum geschah dann Geschichte? Der Historiker ist ein Vor-Urteiler: Entsprach, was geschah, meinem Glauben, es dürfe ihm nicht widersprechen, oder geschah da Un-Sinn?

Das Böse

Das „nichts“ geschieht in der Zeit als Ver-Nichtung faktorischen Seins: des Entnichters. Dem Sein ist es nicht gewachsen, doch dem Entnichteten schwört es Rache. Das tut der erboste Un-Dank, der ungern „wurde“.

Strenggenommen geschieht da Selbstmord, doch das Entnichtete, als ererbter Faktor, kann sich nicht rückabwickeln, so daß ihm, als weiland „nichts“, nur der Mord bleibt. Nicht der nach Strafrecht zu ahndende, sondern der Gottesmord als Vergeltungstat faktischer Freiheit. Gott riskiert Abel, den Heiligen, aber auch Kain, den verweigernden Gott-Usurpator: Muhammads Allah, les Sansculottes, Hitler… Erst die Geburt des faktorischen Seins als Heiland hebt diese Tragik auf, und Himmel wird möglich: die Upright Position der Treue Abels.

Im Täglichen kommt das Böse als Freiheit daher, der niemand böse sein könne. Daß es damit den Terror wachruft, entgeht der postchristlichen Torheit, Weisheit zu nennen, was Schrecken duldet. Der Tolerante ist konsequenter. Er hält zum Verdammten, weil ihn das Liebesgebot irritiert. Toleranz steht für Crimen gegen die Onto-Logik der Ohnmacht Christi, die nicht zum Untergang aufruft, sondern den Himmel proliferiert. Wie können wir mit dem Fürsten der Welt paktieren, ist er des Todes Hauptmann? Wir müssen uns wehren: Jedes Gedicht ist ein Messer gegen die Langsamkeit meiner Liebe zu Gott. Hölderlin hat das gewußt und wurde verrückt, weil die Welt kein Gedicht war.

Der Dualismus ist doppelköpfig. Er weiß um den Schrecken des Bösen, doch Zarathustra sagt dessen Ende voraus, bemüht aber eine Ethik, die keinen Grund hat. Was hindert ihn, Christus vorwegzunehmen, der keine Ethik predigt, sondern sie inkarniert? Daß er „später“ kommt, heißt ja nicht, Wahrheit habe sich erst „entwickelt“, sondern es habe ihr transtemporal gefallen, „so“ und nicht „früher“ zur Welt zu kommen, weil sie die Zeit erfand, aber den Himmel meinte. Wäre das Böse gleichberechtigt, gäbe es keinen Himmel; aber die Reue zermalmt den Schrecken. Hätte die Liebe Satan gefragt, ob er sie nicht mehr liebe – hätte er, ob er standhielt, gewußt? Vielleicht ist das Christi, oder Marias, Geheimnis, ohnmächtig alle Macht zu haben. Die Reue tradiert den verlorenen Urzustand: daß Zwei einig waren; und es zerreißt des All-Einen Mitte, selbst wenn es, böse zu werden, nicht abwies, weil seine Freiheit dazu befugt war. Der Dualismus kopiert das divine Paar-Sein, scheitert aber an dessen Eintracht, ist also Nichts-Geburt, mißt man ihn am geborenen Sein namens Christus.

Die Reue vereitelt ja auch den Selbstmord, aber der Preis ist die Schwermut, die selbst den Traum lähmt.

Die Frage ist: Wer träumt was? Kann das Böse ein Traum sein, oder kann Böses träumen. Stammt es aber von „nichts“ her, war Stalingrad „nichts“ und die Liebe „keine“. Was bleibt dann?

Die Frage ist also nicht, wer da träumt, sondern: Gibt es zum Traum eine Alternative? Gott? Doch wer ist das? „Jemand“ oder nur jemandes Traum. Träumt der Traum von sich selbst? Gibt es dann einen Gottesbegriff, und, wenn nein, einen Menschenbegriff? Gibt es aber auch diesen nicht – bliebe dann nicht der Alb-Traum? Doch wessen? Gilt nämlich nur der Traum, gilt realiter nichts, doch der Traum erst recht nicht. Gilt aber „nichts“ schon gar nicht, bleibt Christus, der Un-Traum Gottes, der an den Menschen glaubt und an den Gott glaubt, weil er sonst scheitern müßte.

Die Schwierigkeit ist also nicht, ob es Christus „gibt“, sondern ob es den „Menschen“ gibt, der ihn nicht wahrnimmt. Ist nämlich Gott kein Traum, ist der Traum, er sei möglicherweise Fiktion, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Wer der Hoffnung – die es doch „gibt“ – nicht zutraut, ihr Gegenstand sei das Leben jenseits der Zeit, ist ein Meuchelmörder.

Was wissen wir denn von uns: was der Tod uns – vielleicht – berichtet, dem wir jedoch – so berichtet uns Gott – überlegen sind, treten wir aus uns aus und zur Wahrheit über, die uns zum Leben freispricht. Möglicherweise ist die Erfahrung, zu leiden, verknüpft mit dem Zweifel, ob Gott, qua Christus, ein heilender sei, unangenehmer als Golgotha. Andererseits: Die im Da-Sein unerfahrbare Aussicht auf Mit-Sein lädt, war Christi Tod Frei-Tod, zum Selbstmord als Bohémien-Ereignis ein.

Leitsterne: Jesus, Muhammad, Libertas… Choisissez: Einer davon führt zum Himmel; doch was der Himmel ist, wissen wir nur vom Hörensagen, und der Gehorsam folgt einer Sehnsucht, die nicht zum Tod paßt.

Vielleicht ist Gott ja ein Schinder; aber was hilft mir dann wer? Jesu oder Muhammads Jünger? Oder die Freiheit? Ist sie denn frei vom Tod? Wenn nein – wozu brauchen wir sie? Wenn ja – wozu brauchen wir Religionen? Ist „Herz“ eine Pumpe von Mengen oder Begegnungsort mit der Un-Menge Sein? Ärzte plädieren für Freiheit; aber was tun sie, ist Christus „freier“ und lebt in Ewigkeit? Wiegt dann nicht eine Sekunde Treue schwerer als hundert Jahre Gesundheit?

Also entscheidet, worauf ich wette, und meine Wette kann nicht der Sklave einer Verzagtheit sein, die nicht „sein“ kann, ist Gott kein Schinder. Ist er aber die Liebe, empfiehlt sich die Upright Position: Hat Gott mich als tragischer Gott erschaffen, erschuf er mich nicht als Randerscheinung der Menge. Mit Siebzig meldet sich nämlich die Un-Menge Sein. und der Einspruch der – nihilogenen – Menge wird lächerlich, auch wenn sie Kunst war. Kunst ist auch Sterbens-Kunst wie Dom- oder Brückenbau: gegen die Menge, die früher „nichts“ war. Die Menge wirft keine Menge zum Kehricht, weil sie die Angst nicht aushält.

Oder sie überwindet sie, indem sie sie dienstbar macht wie der Arzt, der Herzinfarkt konstatiert, um Herzkatheter verkaufen zu können. Schäbig? Ja, aber es befreit auch: Hätte denn jemand Worte geschrieben, die ihn verdampfen konnten, wäre ihm nicht bekannt gewesen, Gott stirbt nicht?

Stirbt nicht auch Meier nicht, traut er dem Sein zu, es sei Person? Glaube geschieht nicht innerhalb eines Kosmos; er löst ihn, mit dem Geglaubten, aus. Glaube ist Liebeserklärung an Gott, also Gott. „Wir sind nichts; was wir suchen, ist alles.“ Der Glaube setzt mich in ein Verhältnis ein, mittels dessen die Hoffnung vorwegnimmt, was vor oder nach der Zeit gilt: Paar-Sein, kraft dessen „nichts“ nicht mehr möglich war, half ihm der Mut des Seins. Was zerrissen war, doch erkannte, das sei nicht gerecht – das wird Kompaß zum Himmel: Freiheit zum Tod der Zwei.

Löst der Glaube, mit dem Geglaubten, den Kosmos aus, steht er über der Zeit und verkörpert die Gegenwart ihrer Zukunft: nicht innerhalb ihres Selbst, das geliehen war, sondern preisgekrönt durch den Mut zur Wahrheit. Diese jedoch ist getötet worden und lebt als Mutter aller Verrückten: derer, die nicht mehr glauben, was der Verrat verkündet, weil sie, was Gott verkündet, mitwisserlich bejubeln. Heilig ist nur noch Eine Sprache: des Lebens und Todes Christi. Glaube ist Nichtfiktion, sondern das Faktum, Gott sei im Faktum lebendiger als das Faktische.

Glaube chiffriert, zudem, den Innen- und Außenbezirk des Seins, das Fanum: nicht die Befindlichkeit eines Stifters von „Religionen“, sondern das Heilige, dessen Reich mit der Welt nichts zu tun hat. Muhammad ist da vorbeigeglitten, denn sein Prophet-Sein tradiert beduinische Über-Macht. Daß Gott Tragisches tut, bleibt ihm fern; Ohnmacht steht nicht in seinem Kalender: „Sohn“ war er nicht. So kam es, daß der Islam ein „fanatischer“ Glaube wurde, „nichts“ wieder introduzierte und im Extremfall, aus dem er – der Intention nach – hervorging, vernichtet. Fanatisch entspricht der Glaube der Wut des Bösen, daß da ein Faktor sei. Fanatische Freiheit ist keine zur Apokalypse, denn diese stammt aus der Mitte des Fanums und richtet auch faktische Freiheit. Diese nämlich war das Talent zum Glauben.

Wer es vergeudet, glaubt „alles“. Selbst das Verruchte bindet ihn im Gewissen, denn die Begabung zum Himmel befähigt, zur Not, auch zur Mordlust. Ausrottbar ist sie, ex tempore, nicht mehr – ihr Tempus war ein Geschenk des Eros.

Umkehrschlüssig heißt der vergeudete Glaube Wahnsinn. Nicht als Erfindung Meiers, sondern als dessen There is no way out of faith. Wahnsinn ist Passiv-Erlebnis aktiven Ursprungs: das Sein sei ich. Daß kein Gott sei, mutiert zur Behauptung, Alpha sei Beta, und vice versa. Zunächst ist das Jedermanns Trugschluß; doch der Gemeinwahn – weil Wahn – hat kein Vorrecht, sondern der Sonderwahn, Gott sei Dieser oder auch Jener, beficht ihn. Deshalb baut der Gemeinwahn Kliniken gegen den Sonderwahn, Gott sei kein Wahnsinn. Wo da der Sinn sei, weiß weder der Sonder- noch der Gemeinwahn, denn beider Glaube hat keinen Grund mehr als Gottes Wagnis, Adam könne auch scheitern.