Für ihr Land - Helmi Schausberger - E-Book

Für ihr Land E-Book

Helmi Schausberger

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Beschreibung

Dublin 1916. Eileen ist Mitglied einer nationalistischen Frauenorganisation, Josie entstammt einer unionistischen Familie. Als der Osteraufstand die Stadt in Atem hält, befinden sich die beiden jungen Frauen mittendrin und werden für wenige Stunden zu besten Freundinnen. Der Aufstand ist schnell niedergeschlagen, doch der Krieg, der das ganze Land und sie beide an ihre Grenzen bringen wird, hat gerade erst begonnen. Und für Freundschaft oder gar mehr scheint es während des Kampfes um Irlands Freiheit bald keinen Platz mehr zu geben. Zum ersten Mal wird die Geschichte der Frauenorganisation Cumann na mBan spannend und detailreich erzählt, in der Gefahren und Widersprüche mehr als deutlich werden.

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Seitenzahl: 491

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Die Handlung, die Figuren und manche Schauplätze dieses Romans sind fiktiv. Ähnlichkeiten mit lebenden und toten Personen sind unbeabsichtigt.

© Querverlag GmbH, Berlin 2021

Erste Auflage März 2021

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Umschlag und grafische Realisierung von Sergio Vitale unter Verwendung einer kolorierten Fotografie von May Gibney (© Matt Loughrey), with kind permission from the Gibney Estate and the Kilmainham Gaol Archives, Dublin, Ire land.

„Straßenplan Dublin 1906“ © mauritius images / Antiqua Print Gallery / Alamy

„The Proclamation of the Irish Republic, 1916“ © ansionnachfionn.com

ISBN 978-3-89656-672-0

Bitte fordern Sie unser Gesamtverzeichnis an:

Querverlag GmbH

Akazienstraße 25, 10823 Berlin

www.querverlag.de

Für Edith, eine Kämpferin(1928 – 2019)

„Neither King nor Kaiser“

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befindet sich das kleine gälische Irland bereits seit Hunderten von Jahren unter der Herrschaft der britischen Krone. Die Unterdrückung durch den mächtigen Nachbarn hat nicht nur zu zahlreichen chancenlosen Versuchen geführt, die unbarmherzigen Besatzer von der Insel zu vertreiben, sondern auch zu Hungerkatastrophen und Millionen von Auswandernden. Kurz vor Beginn des ersten Weltkriegs erreicht Irland schließlich, dass ihm zumindest wieder die Möglichkeit auf Selbstverwaltung in Aussicht gestellt wird, die sogenannte „Home Rule“.

Der privilegierte Norden der Insel hat damit aber ein Problem. Während große Teile des bäuerlich geprägten Südens in oftmals kargem Gebiet um ihr Überleben kämpfen, profitiert der Norden durch seine (nicht nur geografische) Nähe zu Großbritannien in hohem Ausmaß von der industriellen Revolution. Mit einer Selbstverwaltung könnte dieser Wohlstand gefährdet sein, doch es geht auch um Einfluss. Neben den Briten ist es bisher die protestantische Minderheit – die Nachfahren englischer und schottischer Siedler – gewesen, die die Insel politisch und gesellschaftlich dominiert hat. Dass jetzt plötzlich den hauptsächlich gälisch stämmigen Katholiken Macht übergeben werden soll, beunruhigt den mehrheitlich protestantischen Norden. Die Ulster Volunteer Force, eine eigens dafür gegründete bewaffnete Miliz, die sich dort schnell zahlreicher Mitglieder erfreut, soll dies notfalls verhindern.

Als Antwort auf diese Bedrohung wird im Süden der im 19. Jahrhundert gegründete radikale Geheimbund Irish Republican Brotherhood wieder aktiv und errichtet seinerseits ein Heer: die Irish Volunteers. Auch deren Mitglieder sind bereit, Gewalt anzuwenden, um die Freiheit aller in Irland zu verteidigen.

Nach einer blutigen Eskalation bei einem Streik gegen mächtige Arbeitgeber, die mit dem Aussperren von Arbeitern die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft verbieten wollen („Dublin Lockout“), formiert sich 1913 in Dublin eine weitere Bürgerwehr: Die Irish Citizen Army (ICA), die streikende Arbeiterinnen und Arbeiter vor der rücksichtslosen Polizei beschützen soll. In der ICA engagieren sich neben Mitgliedern der Arbeiterklasse auch gesellschaftlich höher gestellte, wohlhabende Sozialistinnen und Sozialisten.

1914 bricht schließlich der große Krieg aus und Tausende Iren begeben sich für Großbritannien an die Front: Idealistische Männer aus dem Norden, aber auch welche aus dem Süden, von denen viele hoffen, zu Kriegsende für ihre Loyalität endlich mit der ersehnten „Home Rule“ belohnt zu werden. Nicht wenige sind aber so arm, dass sie gar keine andere Wahl haben, als für den ungeliebten Nachbarn zu kämpfen, um ihre Familien unterstützen zu können. Viele werden nicht zurückkehren.

Zu Hause erfreuen sich zu dieser Zeit die zahlreichen Organisationen der nationalistischen Bewegung hohen Zulaufs, die seit der Jahrhundertwende stetig an Bedeutung gewinnt. Die irische Sprache soll gesprochen werden, irische Sportarten gespielt, irische Geschichte gelernt und irische Legenden erzählt. Irland soll sich trotz der Annexion durch die Briten, und nun mehr denn je zuvor, als eigenständige Nation verstehen, und sein Nachwuchs soll dabei gezielt darauf vorbereitet werden, zu einem geeigneten Zeitpunkt für Irland zur Waffe zu greifen.

Und 1916 ist es dann so weit. Während die Briten mit dem Weltkrieg beschäftigt sind, planen die irischen Nationalisten mit Unterstützung der Sozialisten einen Aufstand, der Irland zu einer unabhängigen Republik machen soll. Wie schon in den bewaffneten Konflikten zuvor ist aber auch diese Rebellion keine ausschließlich männliche Angelegenheit.

Frauen werden seit jeher zwar ausgeschlossen aus Politik und gesellschaftlicher Mitbestimmung, aber seit geraumer Zeit organisieren sie sich ebenfalls in nationalistischen, sozialistischen und/oder feministischen Organisationen wie zum Beispiel in der republikanischen Frauenvereinigung Cumann na mBan (ausgesprochen: Kammen na maan). Gut gestellte Frauen aus der Mittel- und Oberschicht treten nun für ihre Anliegen mit viel Mut, Idealismus und Aktionismus aus der erwarteten Passivität an die Öffentlichkeit. Aber auch die jungen, ungebildeten Arbeiterinnen, die in Armut leben, sind bereit, große Risiken einzugehen, um gemeinsam mit ihren privilegierten Geschlechtsgenossinnen Veränderung herbeizuführen.

So kommen in Dublin zu Ostern 1916 nicht nur eine Großzahl in Bürgerwehren politisierter Männer zusammen, sondern auch eine komplexe Gruppe von ungefähr zweihundert Frauen, um nun Seite an Seite und gemeinsam mit den Männern für ein freies Irland zu kämpfen, das ihnen allen gleiche Rechte verspricht.

Irland – und allen voran seine Frauen – hätten dabei viel zu gewinnen.

1916

Ostersonntag, 23. April 1916

Erhobenen Hauptes schritt Eileen Kelly mit ihrer Freundin die Straße hinab zum Treffpunkt. Sie straffte den Gurt ihrer Leinentasche, die sie quer über der Brust trug, und richtete sich ihren neuen Hut zurecht, der fast ein bisschen zu groß war. Die hübsche grüne Jacke war geliehen, die alte löchrige Bluse darunter glücklicherweise kaum zu sehen. Bis zur Hüfte sahen sie und Martha in ihren Uniformen wie richtige Soldaten aus. Nur der lange Rock, den ihre Mutter ihr aus einem billigen Stoff genäht hatte, war ein Zugeständnis an ihr Geschlecht.

Trotz ihrer Rückenschmerzen ging auch Martha neben ihr hoch aufgerichtet. Sie ließ sich ihre Qual nicht anmerken, fast so, als wäre heute einfach nicht der Tag für etwas, das an den Alltag in der Fabrik erinnerte. Dafür hatte sie aber wieder ihr stolzes Lächeln im Gesicht, das sie immer trug, wenn sie offiziell als Mitglied von Cumann na mBan unterwegs war.

„Martha, ehrlich, ich finde, du wirkst richtig erwachsen in deiner Uniform“, sagte Eileen anerkennend zu ihr.

„Und einen Kopf größer, meint mein Vater. Soll es nicht so sein? Und du siehst so aus, als wärst du heute am Tag deiner ersten Parade endlich bei uns angekommen. Die Uniform steht dir, Eileen!“

Martha schenkte ihr dabei ein aufrichtiges Lächeln, und Eileen erwiderte es unsicher. Tatsächlich trug sie zum ersten Mal die Uniform der Frauenorganisation, der sie seit wenigen Monaten angehörte. Als sie sie am Morgen anzog, hatte es sich aber so angefühlt, als würde sie sich aus ihrer Haut schälen und in eine andere hineinschlüpfen.

Cumann na mBan war eine nationalistische Organisation, aber Eileen verachtete die Briten nicht halb so sehr wie Martha. Deren leidenschaftlicher Hass auf alles Britische machte Eileen sogar Angst. Martha würde jedem britischen Soldaten und jedem der Krone treu ergebenen Polizisten die Augen auskratzen, der es wagte, sie anzusprechen. So mancher hatte in der Vergangenheit gerade noch Glück gehabt. Viele Mädchen in Cumann na mBan empfanden ähnlich, aber Eileen wollte nicht auf Befehl hassen müssen. Ihr selbst waren die jungen Soldaten in der Stadt nie unfreundlich begegnet. Und die machten doch auch nur ihren Job.

Sympathie hatte sie für das mächtigste Reich der Welt trotzdem keine. Denn natürlich hatten die Briten kein Recht, so zu tun, als gehörte Irland ihnen. Vor Hunderten von Jahren waren sie in ihr Land gekommen und hatten sich einfach alles genommen, was sie haben wollten. Schließlich machten sie Irland ungefragt auch noch zu einem Teil ihres Königreiches, als gehörte zusammen, was unterschiedlicher nicht sein konnte. Natürlich war das nicht in Ordnung, zumal Irland und seine Bevölkerung, allen voran sie selbst und ihre Familie, nach all der Zeit noch immer unter der Fremdherrschaft leiden mussten. Selbstverständlich musste sich das ändern. Da war sie ganz der Meinung Marthas und aller anderen in ihrer Gruppe. Deshalb hatte Martha ja auch immer wieder versucht, sie zu den Treffen ihrer Frauengruppe mitzunehmen, obwohl sie ganz genau wusste, dass Eileen sich in Gruppen nicht wohlfühlte.

Auch ihr Großvater dachte so über die Briten. Der spuckte sogar jedes Mal in eine Ecke, wenn er welche sah oder von ihnen die Rede war. Ihre Mutter hatte ihm eigens dafür einen Spucknapf neben seinen Stuhl gestellt. Er wusste, dass Cumann na mBan die Jungs der Irish Volunteers unterstützte, und die wollten schließlich mit Waffengewalt für ein freies Irland kämpfen. Er war ganz begeistert gewesen, als Eileen ihm erzählt hatte, dass sie in ihrer Gruppe nicht nur Irisch lernten und in Erste Hilfe ausgebildet wurden, sondern vor allem auch Geld für die Bewaffnung der Männer sammelten, sollte es je zu einem Krieg gegen die Briten kommen, was ja nicht sehr realistisch war.

Aber selbst ihr Großvater war nicht der Grund gewesen, weshalb Eileen sich schließlich von Martha überreden ließ, der Organisation beizutreten. Die hatte nämlich irgendwann ganz nebenbei erwähnt, dass einige der Frauen, die beim großen Streik vor drei Jahren in der Suppenküche mitgeholfen hatten, heute Mitglieder von Cumann na mBan waren. Das war es gewesen, was Eileen schließlich überzeugt hatte, sich einer organisierten Gruppe anzuschließen, obwohl Gruppen sie immer einschüchterten, weil man sich dort stets anzupassen hatte. Denn diese Suppenküchen-Frauen hatten ihrer Familie damals das Leben gerettet und ihr selbst Hoffnung auf eine Zukunft geschenkt, für die es sich zu überleben überhaupt erst lohnte.

Ihre vier Brüder, der gebrechliche Großvater, ihre Mutter und sie selbst hatten damals mehr schlecht als recht vom geringen Einkommen ihrer Mutter gelebt, die zu Hause Nähaufträge erledigte. Ihr Vater, ein Hafenarbeiter, hatte sich schon vor Jahren zu Tode gesoffen, aber das war kein großer Verlust gewesen; sie hatten ihn selten zu Gesicht bekommen, und von seinem Lohn hatte er kaum jemals etwas nach Hause gebracht. Und so kam 1913 die Suppenküche für die Familien der Streikenden des Lockouts schließlich auch ihnen zugute. Eileen war mit ihren Brüdern täglich beim Gewerkschaftshaus gewesen. Sie hatten sich immer anstellen und lange warten müssen, weil es so viele hungernde Kinder gab, damals viel mehr als sonst. Aber es war stets etwas für sie da gewesen.

Doch sie bekamen nicht nur zu essen. Eileen lernte dort auch ein Mädchen kennen, das ihr später den Arbeitsplatz in der Kistenfabrik vermittelte, wo sie dann auch auf Martha traf, die zu ihrer besten Freundin wurde. Mit der Stelle in der Fabrik hatte ihre Familie endlich ein zweites Einkommen. Und von den feinen Damen beim Gewerkschaftshaus, die sich beim Suppenkochen nicht nur die Hände schmutzig machten, sondern die ihr außerdem auf Augenhöhe begegneten, war Eileen so unendlich beeindruckt gewesen, dass sie beschlossen hatte, eines Tages eine von ihnen zu werden: eine Frau, die Leben rettete, Hoffnung schenkte und die trotz der vielen Arbeit noch für all jene ein Lächeln übrig hatte, die zu ihr aufsahen.

Bei Cumann na mBan hatte sie schließlich auch tatsächlich viele solcher Frauen und Mädchen kennengelernt. Und sie trauten sich alle, den Mund aufzumachen, und ließen sich das Reden nicht verbieten. Gräfinnen, Ärztinnen, Schauspielerinnen sowie ganz normale Frauen, die einfach nur eine bessere Welt für alle wollten. Und neben all diesen wunderbaren Vorbildern hatte ein so gewöhnliches Mädchen, wie sie eines war, einen festen Platz. Plötzlich war sie Teil von etwas Wichtigem; das war eine neue Erfahrung. Außerdem war es wirklich schön, Neues zu lernen.

Ihre Mutter fand die Aufmerksamkeit, die Cumann na mBan Mädchen und Frauen schenkte, natürlich lächerlich. Sobald sie alle erst mal erwachsen waren, meinte sie, hätten sie sich ohnehin um Ehemänner und Kinder zu kümmern und keine Zeit mehr für verträumte Albernheiten. Dazu würde es in ihrem Fall aber niemals kommen, wusste Eileen. Und bei Cumann na mBan gab es viele Mädchen, die diesbezüglich ähnlich dachten. Wahrscheinlich war es ja sogar das, womit Cumann na mBan sie schließlich überzeugt hatte: Man wollte anders sein, und man durfte es auch.

„Sieh mal, die Jungs sind schon da!“, unterbrach Martha Eileens Gedanken. „Und du kannst sagen, was du willst, aber die Uniform macht selbst aus Dylan einen Mann.“

Eileen musste kichern. Als ob der je erwachsen würde!

Die beiden Irish Volunteers auf der anderen Straßenseite blickten ihnen schon erwartungsvoll entgegen.

Zusammen mit Dylan Marchant und Eddie Sutton, den beiden Guinness-Arbeitern, mit denen sie während eines Gruppentreffens einmal das Reinigen und Laden von Gewehren trainiert hatten und die seither zu ihren besten Freunden geworden waren, wollten sie zur Liberty Hall aufbrechen, dem Hauptquartier von Gewerkschaft und Irish Citizen Army, wo man vor drei Jahren Suppe für sie gekocht hatte. Von dort aus würden sie dann mit den Kameradinnen und Kameraden ihrer Gruppen losmarschieren.

Sie und Martha waren gerne mit Eddie und Dylan unterwegs. Nachdem sie damals gemeinsam Marthas Geburtstag gefeiert hatten, waren sie auch einmal mit dem Zug ans Meer gefahren, hatten an einem ersten schönen Sommertag im Phoenix Park gepicknickt, und einmal hatten die Jungs sie beide sogar mit einem Automobil von der Fabrik abgeholt, weil sie wussten, dass zumindest Eileen noch nie in einem gefahren war. Das war eine aufregende, aber auch nervenaufreibende Erfahrung für Eileen gewesen, denn diese Automobile fuhren schneller als jeder Pferdewagen.

Für Außenstehende mochte es vielleicht so aussehen, als wären sie zwei Pärchen, aber das war nicht der Fall. Dylan, der ein Jahr älter war, schon siebzehn, flirtete mit ihr und Martha zwar wie mit jedem Mädchen, aber das war nur ein harmloses Spiel. Martha war vorübergehend allerdings an Eddie interessiert gewesen, der schon Anfang zwanzig war und einen hübschen Schnauzbart hatte, aber der hatte das nie bemerkt. Und Eileen selbst mochte die Jungs nur als Freunde. In festen Beziehungen waren sie alle vier nicht.

Sie wünschte, sie hätte zu Hause nicht so viel zu tun, sie hätte gerne mehr Zeit mit den dreien verbracht. So war Martha viel öfter mit den Jungs alleine unterwegs. Das mochte nicht schicklich sein, aber Martha kümmerte so etwas nicht, das bewunderte sie an ihr.

„Selbst wenn ich ein Poet wäre“, begann Dylan nun schmunzelnd zur Begrüßung, als sie beide die Straße überquert und sich zu ihnen gesellt hatten, „ich wüsste nicht, wie ich den Anblick beschreiben sollte, der sich mir gerade bietet. Wie könnte man euch beiden je gerecht werden, frage ich mich? Aber es wäre irgendetwas mit Grazien, Anmut und Stolz. Und Schönheit, natürlich, unbedingt.“

Martha seufzte. „Auch dir einen wunderschönen guten Morgen, Dylan. Hallo, Eddie.“

„Ich sehe schon, ich kann dich wieder nicht beeindrucken, Martha.“

„Na ja, du bemühst dich.“

„Hast du sie?“, wollte Eddie dann von Martha wissen, warf dabei aber Eileen ein breites Grinsen zu.

„Natürlich habe ich sie!“, entgegnete Martha, mit den Augen rollend.

Eileen hatte keine Ahnung, worum es ging, aber Martha drehte sie plötzlich zu sich herum, blickte ihr in die Augen und sagte feierlich: „Eileen Kelly, als Mitglied von Cumann na mBan, das nun endlich auch eine Uniform stolz ausführen kann, geht dir jetzt nur noch eines ab.“

„Was ich mir aber niemals leisten kann. Darf ich heute trotzdem mit?“

„Unterbrich mich nicht!“ Martha griff in ihre Jackentasche und förderte eine glänzende Brosche daraus hervor. Sogleich heftete sie sie ihr an die linke Brusttasche. Dabei lächelte sie so breit, dass ihre hübschen Wangengrübchen zum Vorschein kamen.

„Martha, bitte nicht!“, sagte Eileen entsetzt. „Ich weiß doch nicht, wie ich das jemals zurückzahlen könnte. Ich kann nichts dafür zur Seite legen. Ich kann mir das nicht leisten, Martha, das weißt du doch!“

Dylan kicherte. Eddie lächelte und tätschelte ihr beruhigend den Arm.

„Magst du sie nicht?“, fragte Martha.

„Doch, natürlich, aber …“

„Dann gehört sie dir“, entgegnete sie trocken. „Das ist ein Geschenk.“

„Du kannst es ruhig annehmen“, meinte Eddie freundlich zu ihr. „So teuer war sie nicht. Schon gar nicht durch drei geteilt.“

„Und wir hatten ja auch deinen Geburtstag vergessen“, sagte Dylan. „Also, ich hatte deinen Geburtstag vergessen.“

„Ich … ich weiß nicht, was ich sagen soll.“ Eileen war so gerührt, dass sie den dreien schließlich der Reihe nach um den Hals fiel. Die Brosche hatte nicht annähernd eine so große Bedeutung für sie wie die überraschende Geste ihrer Freunde. „Ich danke euch!“

„Das ist doch keine schlechte Antwort“, meinte Martha nüchtern. „Und jetzt lasst uns gehen!“ Damit ging sie voran, schließlich hatten sie keine Zeit zu verlieren. Eileen folgte ihr sogleich, während sie noch einen näheren Blick auf ihre neue Brosche warf, die den Cumann-na-mBan-Schriftzug über einem Gewehr zeigte, aber die Jungs rührten sich nicht von der Stelle. „Was ist? Kommt ihr nun?“, wollte Martha wissen.

„Die Paraden wurden kurzfristig abgesagt“, erklärte Dylan ruhig.

„Ja, natürlich. Sicher.“

„Ehrlich, Martha. Wir haben es gerade erfahren.“

„Veralberst du mich wieder?“ Sie beäugte ihn misstrauisch.

Dylan schüttelte ernst den Kopf. „Bis auf Weiteres gibt es heute keine Aufmärsche“, entgegnete er. „Weder von uns Irish Volunteers noch von der Irish Citizen Army noch von euch Cumann-na-mBan-Mädchen.“

Sie blickten beide zu Eddie, der das nickend bestätigte. Der ruhige Eddie beteiligte sich selten an Dylans Albernheiten, dafür war er schon viel zu erwachsen. Es musste also wahr sein.

„Und wieso wissen wir das nicht?“, schimpfte Martha.

„Ich sage es euch doch gerade. Außerdem steht es in der Zeitung.“

„Das darf doch wohl nicht wahr sein!“

Dylan wandte sich an seinen Freund. „Eddie, laden wir die Mädchen doch auf eine Tasse Tee ein, dann ist das kein verlorener Sonntag! Was meinst du? Wenn wir hier den Fluss überqueren und dann die Straße hochgehen, könnte ich euch ein nettes kleines Kaffeehaus zeigen, das hoffentlich geöffnet hat.“

„Wir laden die Mädchen ein? Hast du überhaupt Geld dabei?“ Eddie gab ihm einen freundschaftlichen Klaps auf den Hinterkopf – das machte man mit Dylan so –, aber er nickte wohlwollend.

„Großartig! Und ich schlage vor, wir marschieren bis dorthin“, sagte Dylan grinsend. „So richtig, meine ich. Halten wir doch unsere eigene Parade ab! Eileen soll heute gebührend Uniform und Brosche zur Schau stellen können. Und ich zahle dir den Tee zurück, mein Freund.“

Ein Kaffeehausbesuch mit ihren Freunden war eine perfekte Alternative zu einer Parade, sagte sich Eileen erfreut. Das war sogar besser als eine Parade. Es würde schön sein, den Tag trotz allem mit den dreien verbringen zu dürfen. Und vielleicht gab es sogar Milch und Zucker für den Tee.

Martha seufzte, nahm aber nach Eileen ebenfalls Haltung ein, und Eddie übernahm augenblicklich die Führung. Martha und sie stellten sich hinter ihm auf, und Dylan bildete die Nachhut.

Sie schafften den Gleichschritt sogar auf Anhieb. Eileen freute sich darüber, denn das sah sicher beeindruckend aus. So überquerten sie stolz den Liffey, während ihnen die Leute auf der Straße neugierige Blicke zuwarfen.

Sie bewegten sich eine Straße hoch, als plötzlich ihrer kleinen Parade ein schmerzhaftes Ende gesetzt wurde. Zwar hatte Eileen etwas gehört, aber noch bevor sie auch sehen konnte, was da auf sie zugerollt kam, prallte es schon gegen ihr Bein, und sie verlor das Gleichgewicht und stürzte mit einem gequälten Aufschrei zu Boden.

Eddie und Martha halfen ihr sofort hoch und wollten wissen, ob sie in Ordnung war. Aber sie blickte Dylan nach, der einem kleinen Bierfass hinterhereilte und es schließlich schaffte, es hochzustellen, bevor es gegen eine Mauer krachen und zerbersten konnte.

„Eileen, sag schon! Ist alles gut?“, fragte Martha ungeduldig.

Sie blickte auf sich hinab. Die geliehene Jacke war glücklicherweise unversehrt geblieben. Und auch der Rock war in Ordnung, wenngleich nun eindeutig verschmutzt. Sie begann sofort damit, sich sauber zu klopfen.

„Tut etwas weh?“, wollte auch Eddie wissen.

„Aber nein, alles gut!“, versicherte sie.

„Es ist noch ein bisschen zu früh für Alkohol“, sagte Dylan grinsend, als er angestrengt das Fass zu ihnen zurückrollte. Er blickte die Straße hoch zu dem Pub an der Ecke, vor dem ein Pferdewagen mit Bierfässern stand. Dann drehte er sich zu ihr. „Bist du in Ordnung, Eileen?“

„Nur angekratzter Stolz.“

Schon kam jemand auf sie zugelaufen: ein blondes Mädchen, vielleicht in ihrem Alter, das schließlich atemlos vor ihr stehen blieb. „Es tut mir so unendlich leid!“, sagte es zu ihr. „Der Lieferant wollte die Tür damit aufhalten, um die größeren Fässer hineinrollen zu können. Er hätte es wohl aufstellen müssen. Ist dir etwas passiert?“

Es war wirklich schön, wenn man sich um sie Sorgen machte, vor allem, wenn das Fremde taten, aber es war ihr auch sehr unangenehm. Eileen schüttelte den Kopf. „Es ist alles in Ordnung. So etwas kann passieren.“

Das Mädchen blickte sie aus nachdenklichen braunen Augen an, als würde es noch herausfinden wollen, ob sie auch die Wahrheit sagte. Aber dann entdeckte es Dylan neben dem Bierfass. „Dylan? Bist du das? Wie lange ist das jetzt her? Geht es dir gut?“

„Klar, geht es mir gut. Hallo, Josie.“

Das Mädchen lächelte und schien sich zu freuen. „Ich bin sehr froh darüber. Wirklich, Dylan. Wir haben uns lange gefragt, was wohl aus dir geworden ist. Sag, würde es dir etwas ausmachen …“

„Kein Problem. Ich rolle es dir wieder zurück.“

Sie folgten Dylan und dem Mädchen über die Straße. Vor dem Pub mit der Aufschrift The Barn stellte Dylan das Fass auf. Wie eine Scheune, so wie der Name vermuten ließ, sah das Pub allerdings nicht aus. Es war ein ganz normales Gasthaus am Ende eines ganz normalen Häuserblocks.

Die Tür ging auf, und der Lieferant blickte von ihnen zu der Tür, zu dem Mädchen, zu dem Fass. Er schob die Münzen, die er in der Hand hielt, in die Tasche seiner Latzhose, bückte sich, drehte das Fass um und rollte es in das Pub. Das alles machte er, ohne ein Wort zu sagen.

Das Mädchen hielt ihnen die Tür auf und blickte sie alle entschlossen an. „Na, kommt! Ich habe Tee und Kuchen für euch. Lasst mich das wiedergutmachen!“

Dylan schüttelte aber sofort den Kopf. „Danke, Josie, aber das ist nicht nötig.“ Er drehte sich zu ihnen um. „Gehen wir?“

Tee und Kuchen. Kuchen! Dafür würde sie sich jederzeit wieder von einem Bierfass zu Fall bringen lassen, sagte sich Eileen. Sie rührte sich nicht von der Stelle, als Dylan gehen wollte. Glücklicherweise nickte Eddie dem Mädchen dankbar zu und deutete ihnen stumm, einfach hineinzugehen. Martha hatte auch kein Problem damit, und so gingen sie beide schließlich voran.

Dylan fluchte aber. „Das ist ein Protestanten-Pub, Eddie“, presste er zwischen den Zähnen hervor. „Das sind Unionisten!“

„Es wäre aber unhöflich, das freundliche Angebot abzulehnen“, flüsterte ihm Eddie zu, legte einen Arm um seinen Freund und zog ihn gutgelaunt mit sich hinein. „Und außerdem dumm, seien wir doch ehrlich!“

Der nicht sehr große Gastraum des offiziell noch geschlossenen Pubs war dunkel. Trotz eines geöffneten Fensters roch es nach Rauch und abgestandenem Bier. Neben dem Tresen schien sich ganz hinten rechts ein weiterer Raum zu befinden, aus dem Geräusche drangen. Jemand hantierte mit Geschirr, außerdem entströmte ihm ein süßlicher Duft, der sich im Gastraum nun mit dem Geruch der vergangenen Abende mischte.

Das blonde Mädchen betätigte einen Lichtschalter und lächelte ihnen fast schüchtern zu. Sie zeigte auf einen sauberen Tisch neben der Tür, und sie setzten sich hin. Was durchaus wehtat, erkannte Eileen. Ihr Hintern war bei dem Sturz doch in Mitleidenschaft gezogen worden, aber das würde sie niemandem sagen.

„Ist Tee in Ordnung? Oder mögt ihr vielleicht Kaffee?“

„Tee ist wunderbar“, antwortete Eddie und schenkte ihr ein freundliches Lächeln. „Danke für deine Gastfreundschaft.“

„Das ist das Mindeste, was ich tun kann.“

Eileen beobachtete ihre junge Gastgeberin. Das lange Haar trug sie offen. Schlank war sie, aber sie hatte wohl regelmäßig zu essen. Vielleicht war sie doch ein wenig älter als sie. Sie wirkte sehr verantwortungsbewusst und fast so, als wäre dies ihr Pub. Kurz sprach sie mit dem Lieferanten, der ein Fass nach dem anderen an ihnen vorbeirollte, das er dann neben einer Treppe aufstellte, die in einen Keller führte. Danach eilte sie in den Raum hinter der Treppe, dem neben dem Tresen, und kam wenig später mit dem Tee daraus hervor. Den Krug stellte sie mit vier Tassen, vier Löffeln, einem Kännchen Milch und einer Schale Zucker auf ein Tablett und kam damit dann an ihren Tisch. Sie lächelte sie der Reihe nach an, als freute sie sich, sie bedienen zu dürfen. Eileen beschloss, sie nett zu finden, obwohl sie offenbar Protestantin war, aber die Stimmung am Tisch war komisch. Dylan schien sich unwohl zu fühlen, auch Martha wirkte nicht entspannt. Eddie lächelte die junge Bedienung zwar an, wohl um zu überspielen, dass ihre Gastfreundschaft offenbar nicht so wertgeschätzt wurde, wie sie es sollte, aber auch sein Lächeln wirkte aufgesetzt.

Und dann stand das Mädchen mit vier Stück Kuchen vor ihnen.

Seit Jahren hatte Eileen keinen Kuchen mehr gehabt. Sollte sie davon etwas für ihre Brüder übrig lassen? Ein Stück durch fünf geteilt? Und auch für Mutter und Großvater? Also geteilt durch sieben?

Das kam überhaupt nicht infrage!

Die junge Bedienung hoffte, dass ihnen der noch warme Kuchen schmeckte, musste sich dann aber entschuldigen, um die Lebensmittel wegzuräumen, die vor dem Tresen aufgestapelt waren und die sie gerade dabei gewesen war umzuschlichten: Tee, Gewürze, Zündhölzer, Mehl. Dies war anscheinend eines der Pubs, die auch Waren für den alltäglichen Gebrauch verkauften.

Eileen hatte schließlich große Mühe, sich zurückzuhalten. Am liebsten wäre sie gierig über das kleine Stück Kuchen hergefallen, aber sie wollte versuchen, sich an Marthas Tempo zu orientieren, um keinen schlechten Eindruck zu hinterlassen. Die hatte im Gegensatz zu ihr offenbar aber bereits gefrühstückt.

„Also? Wisst ihr Jungs mehr?“, unterbrach Martha schließlich die Stille und beugte sich verschwörerisch über den Tisch. „Seit einer Weile bereiten wir bei jedem Gruppentreffen Erste-Hilfe-Ausrüstungen vor und fragen uns, wofür eigentlich? Dann heißt es plötzlich, demnächst wird es gemeinsam mit euch Volunteers und der ICA ein großes Manöver geben, auf das wir uns einstellen sollen. Oder eine so große Parade wie am St. Patrick’s Day, mit Tausenden in Uniform. Dafür hätten wir uns bereitzuhalten, sagen sie, und wir hätten auf weitere Instruktionen zu warten. Plötzlich ist es tatsächlich so weit, aber jetzt heißt es, alles wieder nach Hause, alles ist abgesagt?“ Martha blickte ernst von Dylan zu Eddie. „Also, was ist los?“

„Wieso halten wir eigentlich Paraden ab und führen Manöver durch?“, wollte Eileen mit vollem Mund wissen. „Ich frage mich das eigentlich schon länger, um ehrlich zu sein.“ Nicht, dass eine Antwort darauf jetzt wirklich von Bedeutung gewesen wäre. Was für ein großartiges Stück Kuchen das doch war! Eileen dachte nicht mehr daran, es so langsam zu essen wie Martha, die immer lieber redete und diskutierte, wenn man bereit war, ihr zuzuhören. Bei ihr zu Hause hatten aber auch mehrere Personen Arbeit, sie hatten immer ein bisschen Vorrat. Sie hatten sicher auch öfter Kuchen.

„Die Briten sollen uns ernst nehmen“, erklärte ihr die Freundin. „Sie sollen sehen, dass es uns gibt und dass wir schwer bewaffnet sind. Aber sie nehmen uns nicht ernst, die Briten. Sie unterschätzen uns, trauen uns nichts zu.“ Jetzt blickte Martha wieder die Jungs an. „Das soll sich aber ändern, nicht wahr? Ich habe ein Gerücht gehört, ist an dem was dran?“

Eddie und Dylan blickten sich überrascht an.

„Was?“, fragte Eileen, jetzt doch neugierig. „Was für ein Gerücht?“

„Wir wissen auch nichts Näheres“, antwortete Eddie. „Aber wir glauben, dass man tatsächlich etwas Größeres vorhatte als nur eine hübsche Parade oder ein harmloses Manöver.“

„Wie, zum Beispiel, was?“, wollte Eileen wissen.

„Vielleicht einen Aufstand“, erklärte Dylan und senkte dabei die Stimme. Nervös blickte er zu dem Mädchen hinter dem Ausschank, das sich aber an ihrer Konversation nicht interessiert zeigte, während es Seifenstücke zur Seite räumte, um Platz für Dosen zu schaffen. „Gegen die Briten in der Stadt. Oder generell, keine Ahnung.“

„Also tatsächlich ein Aufstand?“, entgegnete Martha nachdenklich.

Eileen war überrascht. Durchaus beunruhigt schob sie sich das ganze restliche Stück Kuchen in den Mund. Ein Aufstand? Mit Waffen?

„Wie gesagt, wir wissen es nicht“, sagte Eddie leise. „Aber seit Freitag gibt es Gerüchte. Und es gibt Leute, die wissen mehr, sagen aber nichts. Wir glauben, dass für heute etwas Ernstes geplant war, das aus irgendwelchen Gründen, die wir nicht kennen, nun aber abgesagt wurde.“

„Und deshalb ist es auch nicht gut, wenn wir uns in einem Pub wie diesem hier aufhalten und dann auch noch über so etwas reden“, flüsterte Dylan. Erneut schaute er zu der jungen Bedienung hinter dem Ausschank, die nun aufmerksam zu ihnen herüberblickte.

Martha folgte seinem Blick. „Wer ist sie?“, fragte sie Dylan dann plötzlich auf Irisch, ohne weiterhin die Stimme zu senken. „Woher kennst du sie?“

„Wir sind zusammen in die Schule gegangen“, antwortete Dylan, ebenfalls auf Irisch. „Das Pub gehört ihrem Vater und dessen Schwager. Ich habe Josie und ihre Familie eigentlich immer gemocht, aber dann sind ihr Vater und der Mann ihrer Tante für die Briten in den Krieg gezogen. Ein Kollege musste das auch, damit seine Familie wenigstens Trennungsgeld erhält, aber die beiden haben sich die britische Uniform mit Überzeugung übergezogen, machten das sozusagen aus Pflichtbewusstsein für England, wie man hört. So etwas vergebe ich nicht. Ein guter Ire tut so etwas nicht.“

„Dafür kann sie doch nichts“, meinte Eileen.

Sie hatte kein Problem, mit ihren Freunden mitzuhalten, aber es fühlte sich immer fremd an, wenn sie Irisch sprach. Zu Hause unterhielten sie sich in der Regel auf Englisch, so war sie aufgewachsen. Aber ihr Großvater hatte dafür gesorgt, dass sie und ihre Brüder Irisch lernten, und sie hatte ja auch Sprachunterricht in ihrer Cumann-na-mBan-Gruppe.

„Habe ich ja nicht gesagt“, entgegnete ihr Dylan. „Aber man kann davon ausgehen, dass ihre Familie die falschen Freunde und die falschen Gäste hat. Und dass die sich in einem Pub, in dem irisch gesungen, auf Irisch von irischen Legenden erzählt und von einer irischen Republik geträumt wird, also in einem Pub voller Fenier, nicht wohlfühlen würden.“

Eileen blickte zu dem Mädchen hinter dem Tresen. Ihr entging nicht, dass es kopfschüttelnd seufzte. Dann begegneten sich ihre Blicke. Sie schenkte dem Mädchen ein aufrichtiges Lächeln. Niemand konnte etwas für seine Familie. Der Blick der jungen Bedienung war aber ernst. Dann ging sie in die Küche und kam schließlich mit zwei weiteren Stück Kuchen an ihren Tisch zurück.

„Geht aufs Haus“, sagte sie und setzte den Teller vor Eileen. „Der ist nicht mehr ganz so frisch. Aber ich möchte ihn nicht später wegwerfen müssen, und wegen uns bist du gestürzt. Bitte nimm ihn an!“, sagte sie zu ihr. Dann blickte sie zu Dylan. „Und ich habe dich auch immer gemocht, Dylan Marchant“, meinte sie nun in perfektem Irisch. „Als du noch nicht so fanatisch und noch ein lieber Kerl warst.“

Dylan wurde ganz rot im Gesicht.

„In etwa einer halben Stunde wird ein Sergeant der Dublin Metropolitan Police vorbeikommen, der sich seine zwei Äpfel holt“, sagte das Mädchen nun wieder auf Englisch. „Er ist zwar nicht euer Feind, aber ich nehme an, es wäre euch unangenehm, wenn er eure Uniformen belächelt. Vielleicht wollt ihr bis dahin also lieber fertig sein.“

Martha funkelte das Mädchen unfreundlich an. „Oh, die DMP sind Feinde!“, stellte sie verächtlich klar. „Genauso wie die verdammte Royal Irish Constabulary! Meinen Bruder hat die Polizei vor drei Jahren beim Streik derart verprügelt, dass er heute noch Schmerzen hat und hinkt“, entgegnete sie. „Eine freundliche, den Iren wohlwollende Polizei würde so etwas nicht tun“, stellte sie klar.

„Das tut mir leid“, antwortete das Mädchen ruhig. „Aber dann hätte dein Bruder vielleicht nicht streiken sollen.“

Erbost stand Martha auf. „Du sei froh, dass du Arbeit hast!“, schimpfte sie. „Und dass du nicht gezwungen bist, bis spät in die Nacht für ausbeuterische Arbeitgeber zu schuften, um deine Frau und deine beiden kleinen Töchter ernähren zu können. Und dass du nicht gezwungen bist, deine nun wieder schwangere Frau arbeiten zu schicken, weil du mittlerweile auf der schwarzen Liste stehst. Dir geht es hier doch gut!“ Sie zog Eileen zu sich hoch und mit zur Tür. Auch die Jungs standen auf. Eileen nahm die zwei Stück Kuchen flink an sich, bevor man sie ihr wegnehmen konnte.

„Danke für Tee und Kuchen“, sagte Eileen zu dem Mädchen, gleich nachdem auch Eddie sich im Namen der Gruppe bedankt hatte. „Und für diesen Kuchen hier. Der ist sicher fabelhaft! Das war sehr nett von dir.“

Dylan drehte sich dem Mädchen verwirrt zu. „Du sprichst Irisch?“

„Meine katholische Mutter kam aus einem kleinen Gaeltacht-Dorf in Connaught“, antwortete das Mädchen selbstbewusst. „Sie hatte sich in einen protestantischen Mann verliebt, dessen Familie aus dem Norden stammt und der Krone treu ergeben ist. Weißt du, Dylan: Manchmal sind Uniformen, Religionen oder Sprachen gar nicht so wichtig.“

„Diese Krone unterdrückt aber den Gott und die Sprache deiner Mutter.“

„Der Gott ist derselbe, und glücklicherweise gibt es ja auch noch die Sprache der Liebe.“ Sie zwinkerte ihm tatsächlich zu. Eileen musste kichern.

Dylan seufzte. „Ich verstehe euch Protestanten einfach nicht. Aber der Kuchen war lecker. Und es war sehr anständig von dir, dass du uns eingeladen hast. Es wäre nicht nötig gewesen.“

„Doch, das war es.“

„Wie auch immer. Danke und alles Gute, Josie.“

„Du weißt, dass wir hier keine jungen Mädchen haben wollen“, schimpfte ihre Tante Fiona, als sie aus dem Hinterzimmer trat und sah, wie die Gruppe junger Leute gerade das Pub verließ. „Wir sind nicht so ein Wirtshaus, Josie!“ Sie wischte sich die Hände mit einem Tuch trocken. Schweiß stand ihr auf der Stirn. Sie wirkte erschöpft und viel älter als Anfang dreißig.

„Das waren auch nicht solche Mädchen, Fi“, entgegnete Josie ruhig.

„Wieso lässt du sie überhaupt herein?“

„Weil dem Lieferanten ein Bierfass entwischt und in eines der Mädchen gekracht ist. Und sie haben das Fass zurückgebracht. Also habe ich sie auf Tee und Kuchen eingeladen.“

„Wurde sie verletzt?“

„Sie sagt nein.“

„Gut. Und wieso schenkst du auch noch den Kuchen von gestern her?“

„Weil das Mädchen Hunger hatte. Die anderen hatten ihres noch nicht angerührt, da hatte sie ihr Stück schon gegessen. Du hättest es auch getan, Fi. Außerdem ist sie es gewesen, die wegen unseres Fasses hingefallen ist.“

„Das waren Nationalisten, Josie.“

„Ich weiß. Und Dylan war einer von ihnen.“

„Dylan?“

„Der kleine Dürre.“

„Und wer ist das?“

„Der Kleine, der mich nach der Schule immer nach Hause begleitet hat. Mama hat ihn manchmal mitessen lassen, weißt du nicht mehr? Du bist mal dazwischen gegangen, als sein Onkel hier reingestürmt ist, ihn am Ohr hochgezerrt und angeschrien hat, gefälligst nicht mit Unionisten zu verkehren.“

„Oh! Das war der Junge?“

„Und danach war er verschwunden. Sein Onkel kam bald darauf wegen irgendetwas ins Gefängnis. Dylan hat in Dublin keine Familie mehr, nur irgendwo im Süden eine Großmutter, die er kaum kennt. Wir dachten, zu der ist er gezogen, als er dann die Schule verlassen hat. Aber angeblich hat er stattdessen eine Weile auf der Straße gelebt und nach Arbeit gesucht. Ich hatte oft nach ihm Ausschau gehalten, aber immer vergebens.“

„Er scheint glücklicherweise Hilfe bekommen zu haben. Ich hätte ihn niemals wiedererkannt.“

„Seit damals hat sich viel verändert, Fi“, sagte Josie bitter.

Josies Mutter sowie ihre große Schwester Lesley lebten nicht mehr, ihr Vater war mit dem Onkel an der Front, und sie musste mit Fiona, der Schwester ihres Vaters, versuchen, das Pub so lange am Leben zu halten, bis die beiden Männer zurückkamen. So viel hatte sich verändert. Alles, wovon Josie damals, als sie noch zur Schule gegangen war, einmal geträumt hatte, war bedeutungslos geworden. Dass sie sich eines Tages verlieben, viele Freunde und eine beste Freundin haben würde, dass sie irgendwann nicht mehr in einem Pub wohnen müsste, dass sie mit ihrer Schwester in einem wunderschönen Automobil regelmäßig Ausflüge ans Meer machen würde … diese Träume gab es nicht mehr, weil es das Damals nicht mehr gab. Jetzt ging es nur mehr darum, das Heute zu meistern, jeden Tag aufs Neue. Erst, wenn ihr Vater zurück war, würde sie es wieder wagen zu träumen. Aber bis dahin hatte das keinen Sinn. Vielleicht träumte man als Erwachsene aber ohnehin nicht mehr, weil man wusste, dass sich zu schnell zu viel verändern konnte.

Der Lieferant, der ihnen außerplanmäßig den Rest der bestellten Lieferung der vergangenen Woche vorbeigebracht hatte, kam keuchend aus dem Keller, nachdem er jedes einzelne Fass hinuntergetragen hatte. Fiona trat hinter den Tresen und zapfte ihm ein Glas, das er stumm entgegennahm und mit dem er sich an den Tisch neben der Tür setzte, wo gerade noch die vier jungen Leute gesessen hatten. Josie servierte ihm den Rest des frischen Kuchens.

„Die Rechnungen sind fertig“, sagte Fiona dann müde zu ihr. „Hast du eigentlich die Limonade in den Keller geräumt, Josie? Sonst wäre hinten noch Platz.“ Das Hinterzimmer war ein kleiner Raum, der als Lager, Büro und private Küche diente.

Sie nickte. „Schon erledigt. Und wenn ich mit dem Umschlichten fertig bin, gebe ich dir einen Überblick über die nächsten Bestellungen, und danach könnten wir doch ein bisschen spazieren gehen, bevor wir kochen. Genießen wir doch den freien Tag ein wenig, was meinst du?“

Die jüngere Schwester ihres Vaters war schnell überfordert. Vor wenigen Monaten, als es Josies Mutter und Schwester noch gegeben hatte, war im Pub alles einfacher gewesen. Da hatte Fiona noch durchschlafen können, da war sie in Abwesenheit der Männer noch nicht hauptverantwortlich für das Pub gewesen. Aber Fi war nicht die Einzige, die sich die ganze Familie zurückwünschte.

„Ich bin froh, dass ich dich habe, Josephine Barns“, sagte sie plötzlich und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.

„Weil ich eine billige Arbeitskraft bin und du sonst alles alleine machen müsstest“, erwiderte Josie, war aber gerührt.

„So ist es. Außerdem putzt du besser als ich.“

„Weil ich will, dass es sauber ist, wenn sie zurückkommen.“

Fi schenkte ihr ein verständnisvolles Lächeln. „Es kann noch dauern, bis dein Vater und Dominic zurückkommen, Josie. Der große Krieg könnte noch Jahre wüten.“

„Dann soll ich also mit dem Putzen aufhören?“

„Untersteh dich!“

Ostermontag, 24. April 1916

An diesem Vormittag saß Eileen neben ihrer Mutter auf der dünnen Matratze, die sie beide sich teilten, und putzte gerade dem kleinen Brian die Nase. Sein Zwillingsbruder Jamie raufte mit dem zwölfjährigen Ernie auf der Matratze der drei Jungs daneben, und der Großvater, der mit der alten Zeitung in der Hand in seinem Stuhl in der Ecke saß, schimpfte, weil sie ihm dabei gefährlich nahe an sein krankes Bein herankamen. Theo, Eileens um zwei Jahre älterer, zurückgebliebener Bruder, schlief noch auf dem Bett, das nachts auch der Großvater beanspruchte, und schnarchte unbedarft vor sich hin.

Als es laut klopfte, unterbrach ihre Mutter ihre Näharbeit, um aufzustehen und die Tür zu öffnen. Davor stand eine äußerst aufgeregte Martha, die augenblicklich in das kleine Zimmer und sofort auf Eileen zueilte.

„Es beginnt!“, sagte Martha mit einem Strahlen im Gesicht, griff nach ihr und zog sie zu sich hoch. Brian begann sofort zu weinen, als ihm so abrupt die Aufmerksamkeit entzogen wurde. Davon unbeeindruckt drängte Martha sie in die Ecke neben der Tür und senkte verschwörerisch ihre Stimme. „Heute ist es wirklich so weit, Eileen. Du musst dich sofort fertig machen!“ Martha drehte sich zu ihrer Mutter. „Ich muss Ihnen jetzt leider Ihre Tochter wegnehmen, Mrs Kelly“, verkündete sie entschlossen. „Das ist wichtig. Guten Morgen, übrigens.“

„Es ist doch Ostern“, wunderte sich ihre Mutter. „Ihr müsst doch heute nicht arbeiten, oder doch?“ Eileen schüttelte den Kopf. „Und wann machst du dann die Wäsche?“

Martha drehte Eileen wieder zu sich herum und legte ihr vereinnahmend beide Hände auf die Schultern. „Sämtliche Gruppen wurden mobilisiert“, sagte sie mit einem Funkeln in den Augen. „Wir müssen uns augenblicklich auf den Weg zu Katie machen und dort all die Erste-Hilfe-Sachen einsammeln, die wir vorbereitet haben. Aber ohne Uniform. Und wir sollen Lebensmittel für vierundzwanzig Stunden mitnehmen.“

Woher sollte sie so viel Essen nehmen? Und was für einen Sinn machte eine Mobilisierung, wenn sie in zivil zu erscheinen hatten? Dann begriff sie. „Glaubst du, das wird wirklich ein Aufstand? Und dass der so lange dauern wird?“

„Wir werden sehen. Jedenfalls ist das heute keine gewöhnliche Parade. Zieh dir deine Schuhe an und nimm eine Jacke mit!“

„Eileen! Die Wäsche!“

„Wenn ich zurückkomme, Mama.“

„Wohin gehst du?“

„Lass sie zu ihrer Frauengruppe, Jane! Dann ist sie wenigstens nicht mit Männern zusammen“, sagte ihr Großvater und deutete Eileen, zu ihm zu kommen. „Heute ist es so weit?“, flüsterte er verschwörerisch.

„Sieht so aus!“, sagte sie etwas überfordert. Dann wandte sie sich auch an ihre Mutter. „Wenn ich heute Nacht nicht zurückkomme, macht euch keine Sorgen bitte! Aber es kann wohl bis morgen dauern.“

Ihr Großvater blickte sie verklärt an, zog sie zu sich herunter und küsste ihre Stirn. „Wie lange es auch dauert, ich weiß, du wirst in guten Händen sein und das Richtige tun. Ich bin sehr stolz auf dich, Mädchen!“ Dann wandte er sich an ihren Bruder. „Ernie, hilf deiner Mutter mit der Wäsche, du Jammergestalt! Deine Schwester hat Wichtigeres zu tun!“

Ihr Bruder nickte brav, aber ihre Mutter schaute sie beide alarmiert an.

„Ich kann auf mich aufpassen“, versuchte Eileen sie zu beruhigen und umarmte sie. Dann zog sie sich schnell ihr graues Kleid an, das wärmer war als das braune, und schlüpfte in ihre alte Jacke. Sie nahm ihre Mütze zur Hand, auf der Brian vor Kurzem noch geschlafen hatte, und rieb mit ihrem Jackenärmel den Sabber ihres kleinen Bruders ab. Sie atmete tief durch, als ihr bewusst wurde, dass ihr heute wohl etwas sehr Ungewöhnliches, vielleicht sogar tatsächlich Gefährliches bevorstand.

Martha hingegen war geradezu enthusiastisch, als sie schließlich gemeinsam das dunkle Treppenhaus hinunterliefen. Eileen wollte sich von ihr anstecken lassen, aber stattdessen bekam sie es mit der Angst zu tun.

„Dein Proviant?“, fiel es Martha dann auf der Straße ein.

„Ich werde schon nicht verhungern. Ich hoffe nur, dass wir die Arbeit nicht verlieren, sollten wir morgen nicht rechtzeitig in der Fabrik sein.“

„Es geht um Irland, Eileen! Vergiss doch die Fabrik!“

„Aber wir brauchen mein Geld.“

Martha seufzte ungeduldig. „Was wir alle wirklich brauchen, sind Freiheit und Gerechtigkeit!“

„Wieso weinst du nicht, Josie?“, fragte ihre Tante Fiona und blickte sie aufgelöst an. Die Tränen auf ihrem Gesicht vermischten sich mit dem Schmutz aus dem Lager. Fionas Augen waren blutunterlaufen, ihr ganzer Körper zitterte. Josie selbst rührte sich hingegen gar nicht. Sie war zu einer leeren Hülle aus Stahl geworden. Nichts würde in sie eindringen können, nichts würde seinen Weg nach außen finden.

Als sie am Vorabend nach oben ins Bett gegangen waren, hatte Fi einmal wieder das Bedürfnis verspürt, sie aufzuheitern, obwohl sie eigentlich keinen schlechten Tag gehabt hatten. Seit der Tragödie zu Weihnachten, bei der Josie Mutter und Schwester verloren hatte, hatte sie sich immer besser im Griff, wie sie fand. Eigentlich funktionierte sie mittlerweile ganz gut. Aber vielleicht musste Fi vor allem sich selbst Mut machen, und so hatte sie sich darauf eingelassen, sich mit ihr darüber zu unterhalten, wie die Willkommensfeier wohl aussehen würde, die sie veranstalten wollten, sobald Dominic und ihr Vater aus dem Krieg zurück waren. Von Musik war die Rede gewesen und von mindestens drei großen Fässern Freibier.

Doch jetzt saßen ihnen zwei nervöse Soldaten im Gastraum gegenüber, die ihnen gerade mitgeteilt hatten, dass zumindest einer ihrer Liebsten nicht mehr zurückkehren würde.

„Josie, weine doch!“, ermutigte sie ihre Tante schluchzend, als hielte sie es nicht aus, ganz alleine mit ihrer Trauer sein zu müssen.

Doch Josie antwortete nicht. War sie überrascht? Sie hatte doch eigentlich jeden Tag damit gerechnet. Schon, als er sich das erste Mal in den Krieg verabschiedet hatte – damals waren sie noch eine richtige Familie gewesen –, hatte sie gewusst, dass er vielleicht eines Tages nicht mehr zurückkommen würde. Als er es das letzte Mal getan hatte – das war nach Weihnachten gewesen –, meinte er noch, er würde schon dafür sorgen, sie jetzt nicht allzu lange alleine zu lassen. Nein, überrascht war sie nicht. Sie hatte gewusst, dass er irgendwann sein Versprechen nicht mehr würde halten können. Es hatte nie in seiner Macht gelegen.

„Und Onkel Dominic?“, wollte sie stattdessen von den Soldaten wissen. Kühl, emotionslos hörte sie sich fragen. Es fühlte sich auf einmal so an, als gäbe es keinen Anker mehr, der sie mit der Welt verband. Die Hand ihrer Tante, die über den Tisch hinweg nach ihrer griff, hatte keine Bedeutung. Vielleicht war das schlimm, aber es war auch eine Erleichterung. Vielleicht war sie jetzt erwachsen. Vielleicht musste das so sein.

Der Soldat schüttelte den Kopf. „Die Explosion hat nur die Einheit deines Vaters erwischt.“ Er versuchte ein ermutigendes Lächeln, was in diesem Zusammenhang nicht angebracht war.

„Kann mein Mann jetzt nach Hause kommen?“, fragte Fi hoffnungsvoll. „Wir brauchen ihn hier.“

„Wir wissen gar nicht, wo Dominic sich aufhält, Fiona.“

Josie stand auf. Sie bedankte sich bei den Soldaten und nahm die zu große Jacke ihrer Mutter von der Garderobe, die sie seit Weihnachten täglich trug. Fiona erhob sich ebenfalls und kam auf sie zu, um sie zu umarmen, aber Josie wich zurück. Sie wollte nicht getröstet werden, und sie wollte auch selbst nicht trösten müssen. Sie suchte nach dem Hut ihrer Schwester, den ihr Fiona schließlich reichte.

„Wohin gehst du?“, wollte sie von ihr wissen.

Josie zuckte mit den Achseln. Sie wollte nur hinaus. Vielleicht würde sie ja in dem Moment, in dem sie kein Dach mehr über dem Kopf hatte, ankerlos in den Himmel schweben. Das wäre tatsächlich wünschenswert, sagte sie sich. Es würde das Leben – oder den Tod – einfacher machen. Aber sie war eine Hülle aus Stahl, das funktionierte wohl nicht.

„Wann wirst du wieder hier sein?“

Sie gab keine Antwort. Ohne einen Blick zurück verließ sie das Pub.

Am Himmel waren kaum Wolken zu sehen; die Sonne strahlte an diesem späten Vormittag bereits warm auf sie hinab. Es war ruhig auf den Straßen. Ein Großteil der feinen Leute mit ihren lauten Automobilen befand sich wohl bereits auf dem Weg zum großen Pferderennen: all die stattlichen britischen Offiziere, die heute frei hatten, und all die hübschen jungen Dubliner Damen aus gutem Hause, die die wichtigste Sportveranstaltung des Jahres besuchten, um gesehen zu werden. Und das gemeine Volk genoss unterdessen den Feiertag zu Hause oder bei einem Spaziergang in einem der Parks oder am Strand.

Josie machte sich auf den Weg zum nächsten Park. Sie wollte sich auf eine Bank setzen, den Vögeln zuhören und vielleicht Eichhörnchen beobachten. Glückliche Familien würde sie ignorieren. Und wenn sie es schaffte, nicht irgendwann doch in Tränen auszubrechen, dann würde sie auch die nächsten Tage überleben. Sie hatte gelernt, dass man Gefühle ignorieren konnte, die damit drohten, ihr das Herz aus der Brust zu reißen. Man hatte einfach so zu tun, als gäbe es sie nicht oder als wären sie nicht so wichtig. Irgendwann ließen sie sich dann wegsperren und waren keine Gefahr mehr, solange man es nicht zuließ, dass sie sich durch nachlässige Gitterstäbe ihres Gefängnisses einen Weg nach draußen bahnen konnten.

Sie überquerte die Straße, als ein junger Bursche, der unglaublich schnell mit seinem Fahrrad unterwegs war, um die Ecke gerast kam und sie dabei fast umfuhr. Er schimpfte, aber sie hörte nicht hin. In der Ferne sah sie dann eine größere Gruppe Irish Volunteers, wie sie im Gleichschritt eine ihrer lächerlichen Paraden abhielten. Mit den richtigen Soldaten beim Pferderennen trauten sich heute offenbar mehrere Volunteers in ihren hellgrünen Uniformen vor die Tür als üblich. Das waren sicher zwei, drei Dutzend. Wie kleine Jungs, die Krieg spielten. Sie wollten Soldaten sein, aber an die Front wagten sie sich nicht, dort wurde immerhin getötet.

Sie kam bei Nutsy vorbei, der an der nächsten Querstraße auf seiner Kiste saß und mit der umgedrehten Mütze vor sich um Almosen bat. Er war vor einem Jahr von seinem Einsatz in Frankreich zurückgekommen. Zwar als Krüppel und deshalb mittlerweile arbeits- und obdachlos, aber er hatte den großen Krieg überlebt. Er kicherte amüsiert, als er ihrem Blick folgte und die Volunteers erblickte. „Ich habe mal einen von denen gesehen, wie er sich mit seinem Holzgewehr fast ein Auge ausgestochen hatte. Das war kein schöner Anblick, Miss, aber gelacht habe ich lange. Sieht so aus, als hätten die Narren jetzt richtige Gewehre.“

In seiner Zeit als Soldat hatte er sicher Schrecklicheres gesehen, aber sie war froh, dass er nie darüber sprach. Sie warf ihm einen Penny in die Mütze, wie immer, wenn sie an ihm vorbeikam, und er wünschte ihr Gottes Segen.

Als sie um die Ecke bog, kam sie an fünf jungen Frauen vorbei, die zum Teil ebenfalls uniformiert waren. Drei hatten grüne Filzhüte auf, trugen graue und grünliche Tweed-Jacken mit großen Taschen, grüne Leinenblusen darunter und lange Röcke. An ihren Ledergürteln hingen vereinzelt Messer in Scheiden, und quer über der Brust trugen sie helle Leinentaschen. Sie sahen durchaus schick aus, fand Josie. Die Broschen an den Brusttaschen bestätigten, dass sie von dieser nationalistischen Frauenorganisation Cumann na mBan waren. Aber anstatt selbstbewusst entlang der Straße zu paradieren, standen sie unschlüssig in einem Hauseingang und debattierten aufgeregt, was sie machen sollten. Offenbar wussten sie nicht, wo sie hinmussten und ob sie mit oder ohne Uniform dort zu erscheinen hätten.

Josie erreichte schließlich St. Stephen’s Green, einen der Stadtparks, und war überrascht, als sie in unmittelbarer Nähe davon Dylan Marchant erblickte, erneut als Volunteer, der eifrig zwei uniformierte Freunde zu sich winkte, die laut keuchend angelaufen kamen. Wussten sie wirklich nicht, wie lächerlich sie sich damit machten, wenn sie so taten, als wären sie richtige Soldaten? Männer wie Frauen? Was war nur so attraktiv an Uniformen oder daran, zu einer Gruppe zu gehören, in der alle gleich aussahen und Befehle irgendwelcher Leute befolgten, die sich für etwas Besseres hielten? Und wer befolgte schon gerne Befehle? Diesbezüglich hatte Josie auch ihren Vater und ihren Onkel nie verstanden. Man hatte ihr immer nur gesagt, dass es wichtig war zu tun, was sie taten. Als sie es wagte, Soldaten und Kriege zu hinterfragen, hatte man mit ihr einfach nicht mehr darüber gesprochen. Das könne sie nicht verstehen, hatte es nur geheißen.

Sie nickte Dylan grüßend zu, als sie an ihm vorbeiging.

„Du solltest nach Hause gehen, Josie!“, rief er ihr nach. „Es wird heute wohl gefährlich werden. Geh lieber wieder heim!“

Sie nickte, um ihm zu zeigen, dass sie ihn gehört hatte, ging aber weiter. Wieder raste ein Junge auf einem Fahrrad an ihr vorbei, dieses Mal in die andere Richtung. Wieso hatten es die Leute an einem Feiertag so eilig? Und was sollte ihr gefährlich werden können?

Sie betrat den Green und entdeckte gleich eine leere Bank. Die glücklichen Familien, die sie nicht sehen wollte, ließen sie in Ruhe, wagten sich offenbar auch nicht in ihre Nähe. Bis auf das viel zu fröhliche Vogelgezwitscher war es aber ruhig. Und das war fast schlimmer als eine Ablenkung durch Menschen, die noch hatten, was sie nun endgültig verloren wusste. Jetzt war ihre Familie also wieder vereint, wurde ihr bewusst. Nur eine fehlte noch, um sie vollständig zu machen. Und die war gefangen in einer Welt voller Dummköpfe und Wahnsinniger.

Sie spürte eine Träne die Wange herunterkullern, aber sie weigerte sich stolz zu weinen. Mit zusammengebissenen Zähnen blickte sie stur geradeaus, bis sie es geschafft hatte, jede weitere Träne zu unterdrücken. Die beiden Alten, die an ihr vorbeispazierten, schauten zwar herüber, bemerkten wohl ihren Kampf, sagten glücklicherweise aber nichts. Und der junge Mann, der mit einem Rad an ihr vorbeifuhr, ignorierte sie anfangs ebenfalls, aber dann machte er kehrt, kam vor ihr zu stehen und reichte ihr ein weißes Taschentuch.

„Es ist sauber“, sagte er. „Und du kannst es behalten, wir werden es nicht brauchen. Du musst jetzt aber tapfer sein, Mädchen!“

Die Stimme hatte einen leichten schottischen Akzent und gehörte zu einer Frau, aber als Josie hochblickte, sah sie trotzdem einen jungen Mann vor sich. Das Gesicht war eindeutig weiblich, mit einer runden Brille auf der Nase und müden, aber aufmerksamen Augen. Doch sie trug Männerkleidung: dunkle Reiterhosen und eine dunkle Männerjacke, darunter ein helles Hemd mit grauem Schlips. Und die Mütze, die keine Frau je aufsetzen würde, hatte sie tief ins Gesicht gezogen. Josie starrte sie viel zu lange einfach nur an. Doch dann nahm sie dankbar das Taschentuch entgegen und schnäuzte sich lautstark.

„Du bist nicht alleine, wir sind viele“, sagte die Frau und blickte ernst auf sie hinab. „Und unsere Zeit ist nun gekommen. Melde dich bei Sergeant ffrench-Mullen! Sag ihr, Margaret Skinnider schickt dich. Du kannst helfen, die Zivilisten aus dem Park zu entfernen, oder bereitest die Erste-Hilfe-Stationen mit vor. Aber alles wird gut, keine Sorge!“ Sie schenkte ihr noch ein Lächeln, dann stieg sie auf ihr Fahrrad und fuhr eilig weiter.

Josie blickte ihr eine Sekunde lang nach, aber dann sah sie sich verwirrt um. Der Park füllte sich mit Dublinern, die den schönen Tag genießen wollten. Sie entdeckte sogar ihre Nachbarn, die Campbell-Hills, mit Nadine und Liesbeth, den Zwillingen, die Tauben hinterherliefen, wie sie und ihre Schwester das auch immer gemacht hatten. Unweit von ihnen lief ein Schwan ängstlichen Kindern nach, und die ersten Familien breiteten Decken für ein Picknick auf der Wiese neben dem Teich aus. Wieso sollten sie alle wieder gehen müssen? Die kamen doch gerade erst an. Es versprach, ein fantastischer Tag zu werden, wenn man in den wolkenlosen Himmel blickte, perfekt für einen erholsamen Tag im Green.

Doch da ertönten plötzlich Schüsse am nordwestlichen Eingang, gefolgt von entsetzten Schreien.

Josie zuckte zusammen und blickte sich alarmiert um. Ihre Nachbarn riefen zwar aufgeschreckt die Zwillinge zu sich, auch andere schienen sich zu wundern, was denn los war, aber selbst, als plötzlich ungefähr zwei Dutzend Bewaffneter in dunkelgrüner Uniform in Zweier- und Dreierreihen in den Park einmarschierten, war das offenbar noch lange kein Grund, ein Picknick ab- und in Panik auszubrechen. Die Männer waren nicht die in einem helleren Grün gekleideten Irish Volunteers, sondern offenbar die Möchtegern-Soldaten der Arbeiterbewegung, die Irish Citizen Army.

Dylan und seine zwei Kameraden rannten an den ICA-Soldaten und an ihr vorbei, einem kleineren Trupp Volunteers entgegen, der von der anderen Seite einmarschierte. Dylan nahm Josie gar nicht wahr, schien aufgelöst zu sein. „Um Gottes willen, das war doch nicht nötig! Michael war nicht bewaffnet!“, brüllte er entsetzt zu seinen beiden Freunden. „Er war nicht bewaffnet!“

„Das waren die Streikenden vor drei Jahren auch nicht, als seine Leute auf sie einschlugen. Beruhige dich, Dylan!“

„Aber ich kannte Michael! Und jetzt ist er tot! Da will ich mich nicht beruhigen! Das ist nicht richtig! Er ist tot!“

„Dylan, es ist Krieg! Der Polizist hatte eine Wahl. Er hätte nur seinen Posten aufgeben und gehen müssen, als er dazu aufgefordert wurde!“

„Aber sie haben ihn erschossen! Wir haben ihn erschossen!“

Ein Toter? Was für eine glückliche Fügung, dachte Josie und stand auf, um sich auf den Weg zu der Tragödie zu machen. Wie das wohl aussah, wenn jemand, der nur seine Arbeit machte, getötet wurde? Vielleicht würde sie verstehen, wenn sie das Furchtbare mit eigenen Augen sehen könnte. Vielleicht würde sie dann nur von dem Fremden träumen, dann müsste es nicht ihr Vater sein, wenn sie das erste Mal in dem Wissen, dass nun auch er nicht mehr da war, die Augen schloss. Vielleicht war das seltsam, ganz sicher war es nicht richtig, aber Josie sehnte sich nach einer Leiche.

Die Möchtegern-Soldaten waren dabei, die Leute aus dem Green zu vertreiben, die sich nur ungern einen Tag im Park verbieten lassen wollten, vor allem an einem Feiertag und bei einem derart perfekten Wetter. Angesichts der Anzahl und Entschlossenheit der bewaffneten Uniformierten blieb ihnen aber bald gar nichts anderes übrig. Die, die den Schuss gehört hatten, mussten nicht lange überredet werden. Einige rannten sogar aus dem Park, eine Frau und ein paar Kinder weinten, Männer schimpften.

Josie ließ sich aber nicht ablenken. Und als sie das Tor erreichte, sah sie den jungen Polizisten mit blutdurchtränkter Jacke auf dem Boden liegen. Erschossen. Wie Tote wohl aussahen, die in die Luft gesprengt wurden? Der vermeintliche Tote bewegte sich aber plötzlich, und sie schämte sich nicht einmal, als sie Enttäuschung darüber verspürte.

Sie könnte jetzt einfach weitergehen, zurück zu ihrer Tante, die sie bald vermissen würde und die sie jetzt brauchte; immerhin hatte die gerade ihren älteren Bruder verloren. Aber Josie musste Tote sehen, wenn sie verstehen wollte, was ihrem Vater passiert war. Und in Gesellschaft entschlossener Uniformierter mit Gewehren waren die Chancen dazu groß. Wenn sie schon erneut dazu gezwungen war, sich mit Tod und Verlust auseinanderzusetzen, dann würde sie das hier und jetzt tun, nach ihren eigenen Regeln. Nicht nach den Regeln der Briten, die ihren Vater in den Tod geschickt hatten, oder nach den Regeln der Deutschen, die ihren Vater töteten.

„Ich suche Sergeant Mullen“, sagte Josie deshalb zu dem blassen jungen Uniformierten, der zitternd neben ihr stand und seinen Blick nicht von dem verwundeten Polizisten nahm.

„Ffrench-Mullen“, korrigierte er abwesend. „Vorne bei den Pavillons. Sie richtet mit den Mädchen Erste-Hilfe-Stationen ein. Für uns.“

Die Irish Citizen Army und die Irish Volunteers wollten also tatsächlich länger im Park bleiben. Sie würden vielleicht jemanden brauchen, der sich um die Leichen kümmerte, die es zweifellos bald geben würde. Josie ging auf die Pavillons zu, wo eine Handvoll junger Frauen und Mädchen damit beschäftigt war, Verbandsmaterialien auszupacken und Schlafplätze herzurichten. Einige hatten rote Kreuze vor der Brust und an Schleifen, die sie um die Oberarme gebunden hatten, andere trugen ganz normale Kleidung.

Die Frau, die hier offenbar das Sagen hatte, hatte helles Haar und war vielleicht Mitte dreißig. Auch sie war in Zivil, aber ein Mädchen nannte sie Sergeant. Konzentriert und in einer Sprache, die auf gute Bildung und eine dementsprechende Herkunft schließen ließ, befahl sie zwei ihrer Kameradinnen, die vorhandenen Lebensmittel zusammenzutragen. Einem Volunteer und einem jungen Mädchen trug sie auf, die Gewehre und die Munition, die gerade bei ihnen abgelegt worden waren, an die Kollegen im Park zu verteilen. Der Mann schien sich noch zu fragen, ob er dem Befehl der Frau Folge leisten wollte, aber er sah wohl schließlich ein, dass es in diesem Fall Sinn ergab.

Als die Frau sich umdrehte, entdeckte sie sie. Graue Augen blickten sie fragend an. „Cumann na mBan? Fairview Gruppe?“, wollte sie von Josie wissen. „Bist du alleine hier?“

„Ich bin alleine. Margaret hat mich geschickt.“

„Wo sind deine Kameradinnen? Wir sind hier noch viel zu wenige.“ Josie zuckte mit den Achseln. „Und wie heißt du?“

„Josie. Barns.“

„Freut mich, Josie Barns, ich bin Madeleine ffrench-Mullen, Irish Citizen Army. Du kannst dich hier gleich nützlich machen.“ Sie rief eines der Mädchen mit den roten Kreuzen herbei. „Rosie Hackett, das ist Josie Barns. Ihre Gruppe ist noch nicht hier. Bitte nimm sie unter deine Fittiche! Und jetzt entschuldigt mich, Rosie und Josie, aber eine Revolution ist viel Arbeit.“

Eileen hatte sich mit Martha und vier Kameradinnen auf den Weg zum Merrion Square gemacht, von wo aus sie mit dem Rest ihrer Gruppe sowie einer größeren Einheit Volunteers zur Garnison in Boland’s Mill marschieren sollten. Am Treffpunkt angekommen, war bis auf ihre etwas verloren wirkende Kameradin Bridie jedoch niemand mehr da.

„Die Volunteers für Boland’s Mill sind alleine aufgebrochen“, erklärte Bridie nervös. „Sie wollten niemanden von uns bei sich haben.“ Sie deutete auf die Gruppe junger Frauen am Ende der Straße, die in Richtung Fluss eilten. „Die Mädchen machen sich gerade auf zu einer anderen Garnison.“

Ihre Kameradinnen überlegten kurz, was sie machen sollten, dann liefen sie los, um sich den anderen anzuschließen. Eileen blickte zu Martha, doch die rührte sich nicht von der Stelle.

„Ich nehme an, du willst wieder nach Hause, Bridie?“, fragte Martha das Mädchen, als sie dann nur noch zu dritt waren. Bridie zuckte mit den Schultern.

„Und du willst wohl zu Boland’s Mill?“, wusste Eileen.

„Wenn sie mich nicht dabei haben wollen, müssen sie mir das ins Gesicht sagen“, schnaubte Martha erwartungsgemäß. „Kommst du mit?“