Für Nikita - Polina Daschkowa - E-Book
Beschreibung

Nikita Rakitin, ein landesweit berühmter Krimiautor, hat den Auftrag, die Biographie des einflussreichen Politikers Grigori Russow zu schreiben. Doch offenbar stößt Nikita bei seinen Recherchen auf Fakten, die Russow in der Öffentlichkeit stark belasten könnten. Schon bald scheint Nikita nirgendwo mehr sicher zu sein. Als sein Tod bekannt wird, macht sich seine Jugendliebe, die Ärztin Nika, sofort auf den Weg nach Moskau zu seiner Beerdigung. Doch da sie seit Jahren mit Russow verheiratet ist, kann sie diese Reise nur heimlich unternehmen. Schon bald wird sie verfolgt: von Russows Bodygards und einem geheimnisvollen Fremden ... "Daschkowas Krimis machen süchtig." Sächsische Zeitung. "Ein lebendiges Panorama der sozialen und politischen Verhältnisse." taz.

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Seitenzahl:497

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Sammlungen



Polina Daschkowa

Für Nikita

Kriminalroman

Aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt

Impressum

Die Originalausgabe unter dem Titel

»Solotoi pessok«

erschien 1999 bei Eksmo-Press, Moskau.

ISBN E-Pub 978-3-8412-0292-5ISBN PDF 978-3-8412-2292-3ISBN Printausgabe 978-3-7466-2395-5

Aufbau Digital,veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, 2011© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, BerlinDie deutsche Erstausgabe erschien 2004 bei Aufbau;Aufbau ist eine Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG© by Polina Daschkowa 1999

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über das Internet.

Umschlaggestaltung gold, Anke Fesel und Kai Dieterich unter Verwendung eines Fotos von Carolin Seelinger / bobsairport

Konvertierung Koch, Neff & Volckmar GmbH,KN digital - die digitale Verlagsauslieferung, Stuttgart

www.aufbau-verlag.de

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Innentitel

Inhaltsübersicht

Informationen zum Buch

Informationen zur Autorin

Impressum

Inhaltsübersicht

Erstes Kapitel

Zweites Kapitel

Drittes Kapitel

Viertes Kapitel

Fünftes Kapitel

Sechstes Kapitel

Siebentes Kapitel

Achtes Kapitel

Neuntes Kapitel

Zehntes Kapitel

Elftes Kapitel

Zwölftes Kapitel

Dreizehntes Kapitel

Vierzehntes Kapitel

Fünfzehntes Kapitel

Sechzehntes Kapitel

Siebzehntes Kapitel

Achtzehntes Kapitel

Neunzehntes Kapitel

Zwanzigstes Kapitel

Einundzwanzigstes Kapitel

Zweiundzwanzigstes Kapitel

Dreiundzwanzigstes Kapitel

Vierundzwanzigstes Kapitel

Fünfundzwanzigstes Kapitel

Sechsundzwanzigstes Kapitel

Siebenundzwanzigstes Kapitel

Achtundzwanzigstes Kapitel

Neunundzwanzigstes Kapitel

Epilog

Die Autorin dankt dem Oberstleutnant der Miliz Kirill Iwanow für seine Hilfe und moralische Unterstützung bei der Arbeit an diesem Roman.

Nennt mich was für ein Instrument ihr wollt,

ihr könnt mich zwar verstimmen,

aber ihr könnt nicht auf mir spielen.

William Shakespeare, Hamlet

Erstes Kapitel

Fedja saß auf dem Fußboden, die Beine gekreuzt, die Füße nach oben gerichtet. Sein kahlgeschorener Kopf war weit in den Nacken gebeugt, seine wasserblauen Augen blickten starr an die Decke. Er wiegte sich sanft hin und her, und in ihm schien etwas zu summen und zu vibrieren.

»Omm, omm …« Seine Lippen bewegten sich kaum, der Laut drang aus seinem Bauch.

Vor einem Jahr hatte sein »Omm« noch kindlich dünn geklungen, nun kam er in den Stimmbruch. Fedja war gewachsen, über seiner Oberlippe schimmerte dunkler Flaum, auf seiner Stirn sprossen mehrere kleine Pickel.

»Guten Tag, mein Sohn«, sagte Jegorow und versuchte zu lächeln. Der Junge fuhr fort, sich zu wiegen.

»Fedja, guten Tag«, sagte der Vater etwas lauter und holte auf den abwartenden Blick des Arztes hin seine Brieftasche heraus.

»Er hört und sieht Sie nicht«, erinnerte ihn der Arzt und steckte den Geldschein rasch in seine Kitteltasche. »Aber bitte nicht lange. Das letzte Mal habe ich nämlich Ärger bekommen.«

»Dürfte ich mit ihm allein bleiben?«

»Auf keinen Fall.«

»Mehr Geld habe ich nicht bei mir, entschuldigen Sie. Ich entschädige Sie das nächste Mal …«

»Darum geht es nicht.« Der Doktor verzog das Gesicht. »Hören Sie, Sie sind doch nicht etwa krank? Sie sehen schlecht aus. Sie haben abgenommen.«

Jegorow sah wirklich schlecht aus. Er hatte vor fünf Minuten einen flüchtigen Blick in den Spiegel der Krankenhaushalle geworfen und dabei festgestellt, daß die Schatten unter seinen Augen tiefer und dunkler geworden waren. Sein Kopf sah beinahe aus wie ein Totenschädel: vollkommen kahl, Augen und Wangen eingefallen.

»Ja, es geht mir nicht besonders.« Er nickte. »Zu hoher Blutdruck, die Magnetstürme.«

Der Arzt erbarmte sich. »Na schön, ich gehe kurz raus, eine rauchen.«

»Danke. Ich werde mich revanchieren«, flüsterte Jegorow dem weißen Kittel hinterher.

Die Tür wurde geschlossen.

»Na, wie geht es dir, mein Sohn?« Er hockte sich hin und strich mit der Hand über den warmen, kahlgeschorenen Kopf.

»Omm, omm …«

»Der Arzt sagt, du ißt nicht. Findest du es etwa angenehm, wenn sie dich mit Gewalt füttern? Du mußt essen, Fedja. Ich hab alles mitgebracht. Du wächst doch noch. Bald bist du ein Mann und mußt stark sein.«

Fedja hörte auf, sich zu wiegen. Langsam senkte er den Kopf, das Kinn fiel auf die Brust. Der Kragen des Krankenhaushemdes klaffte auf und entblößte eine schwarze Tätowierung unter der Halsgrube. Ein fünfzackiger Stern, der auf der Spitze steht, in einem Kreis. Um das Pentagramm herum war die Haut ständig gerötet und entzündet, obwohl die Tätowierung schon fast fünf Jahre alt war.

»Sag doch etwas, mein Sohn.«

Über die Augen des Jungen legte sich ein matter Schleier, wie bei einem schlafenden Vogel. Das Brummen war verstummt. Jegorow versuchte, die fest ineinander verflochtenen dünnen Beine seines Sohnes zu lösen, und erinnerte sich, wie Fedja der Lotossitz zum erstenmal gelungen war.

Der Junge drehte die Füße, vor Anstrengung ganz rot und verschwitzt. Ihm gegenüber, auf einem abgewetzten Teppich, saßen seine Mutter, sein älterer Bruder und noch zwei Dutzend Leute. Alle waren in Laken gehüllt, alle drehten die nackten Füße nach oben, wiegten sich und wiederholten einen unheimlichen, vibrierenden Laut: »Ommm!«

Jegorow erstarrte auf der Schwelle. Erst wollte er loslachen. Erwachsene Menschen in Bettlaken saßen im Kreis und muhten wie eine Herde Kühe – das erschien ihm einfach albern. Doch als er genauer hinsah, verging ihm das Lachen. Die Gesichter wirkten wie Gipsmasken, die Augen wie tot, erstarrt. Das vielstimmige Brummen von Männern, Frauen und Kindern breitete sich in einer ganz normalen Turnhalle einer ganz normalen Moskauer Schule aus wie schweres, giftiges Gas.

Der Direktor vermietete die Turnhalle abends an eine Gruppe, die sich »Gesunde Familie« nannte. Gymnastik, Yoga, vernünftige Ernährung, der Weg zu geistiger und körperlicher Vollkommenheit. Der Unterricht war kostenlos und fand dreimal wöchentlich statt, von sechs bis neun.

Jegorow erkannte seine Frau und seine Kinder in dem muhenden Kreis kaum. Als ersten entdeckte er Fedja. Auf dem kindlichen Gesicht spiegelte sich noch lebendige menschliche Mimik. Der Junge runzelte die Stirn, während er versuchte, die umgedrehten Füße auf den gebeugten Knien zu plazieren. Der kurze Schopf klebte ihm schweißnaß auf der Stirn.

»Fedja, mein Sohn!« rief Jegorow leise.

Genau in diesem Augenblick fügten sich die kindlichen Beine endlich zum erstrebten Kringel.

»Geschafft!« rief der Junge freudig und schloß sich dem Chor an.

In der Mitte des Kreises saß ein älterer, kahlgeschorener Asiat im Lendenschurz. Auf der unbehaarten nackten Brust prangte ein schwarzes Pentagramm, ein fünfzackiger Stern in einem Kreis. Die schmalen Augen starrten Jegorow an; der spürte, wie dieser Blick ihm die Haut versengte, mißtraute dieser Wahrnehmung allerdings – das gab es doch nicht, daß ein Blick aus zehn Metern Entfernung brannte wie starke Säure!

»Was soll dieser faule Zauber?« fragte Jegorow laut und tat einen entschlossenen Schritt auf den muhenden Kreis zu, um seine Frau und seine Kinder herauszuholen.

Der Asiat sagte kein Wort, gab aber offenbar jemandem ein Zeichen, denn augenblicklich wurden Jegorow mit geübtem Griff die Arme zusammengepreßt und auf den Rücken gedreht, so daß er sich nicht mehr rühren konnte. Jegorow versuchte sich loszureißen.

»Was soll das? Lassen Sie mich los, sofort!«

Damals, vor fünf Jahren, war Jegorow noch sehr stark gewesen. Einsneunzig groß, neunzig Kilo schwer, kein Gramm Fett, alles schiere Muskeln. Doch die Person hinter ihm war wesentlich stärker.

»Oxana! Slawik! Fedja!« Jegorow rief die Namen seiner Frau und seiner Söhne, aber sie hörten ihn nicht. Sein Schreien ging im vielstimmigen Brummen der zwei Dutzend Leute unter. Jegorow wollte sich losreißen. Erst glaubte er, er habe es mit zwei Männern zu tun – einer hielt ihn fest, und der andere versetzte ihm einen Handkantenschlag ins Genick. Einen geübten, professionellen Schlag. Jegorow verlor vor Schmerz beinahe das Bewußtsein, riß sich mit aller Kraft los und sah endlich, wer ihn festhielt und schlug: Ein Riesenweib in schwarzen Jeans und schwarzem Rollkragenpullover. Sie roch unerträglich nach Schweiß. Ihr Gesicht konnte er nicht erkennen, lediglich ihren Ohrring: ein Kreuz. Ein ganz normales orthodoxes Kreuz, bloß verkehrt herum.

Nach ihrem dritten Schlag war Jegorow nur noch ein zusammengekrümmter Klumpen Schmerz. Vor seinen Augen tanzten Sterne, seine Trommelfelle hämmerten laut. Dann wurde es dunkel.

Als er die Augen öffnete, fand er sich auf einer Bank auf dem Schulhof sitzend wieder, unfähig, sich zu rühren. Sein blauer Fliegermantel war bis obenhin zugeknöpft, der weiße Uniformschal ordentlich umgebunden, auf dem Kopf saß seine Mütze. Er wußte genau, daß er beim Betreten der Turnhalle den Mantel aufgeknöpft und die Mütze abgenommen hatte.

Jegorow hob den Arm und hatte das Gefühl, daß er mindestens ein Pud wog. Er rieb sich mit einer Handvoll beißendem, schmutzigem Schnee das Gesicht ab und knirschte vor Schmerz mit den Zähnen. Sein Gesicht brannte, als habe man ihm die Haut mit einer Klinge abgeschabt. Die Wut half ihm, endgültig zu sich zu kommen und aufzustehen.

Die Schule war verschlossen. Die vergitterten Fenster der im Souterrain liegenden Turnhalle waren dunkel. Er umrundete das gesamte Gebäude. Totenstille. Keine Menschenseele. Er sah auf die Uhr: Es war Mitternacht.

Seine Frau und die Kinder lagen zu Hause im Bett und schliefen. Er blickte in den Spiegel und sah, daß sein Gesicht rot und entzündet war. Doch am Hals, unterm Ohr, fand er nicht die geringste Spur, nicht den kleinsten blauen Fleck.

»Ach, Iwan, du bist schon zurück?« fragte seine Oxana verschlafen, als er sich aufs Bett setzte und ihr übers Haar strich.

»Wo wart ihr heute abend?«

»Beim Unterricht, in der Gruppe. Das weißt du doch.«

»Ich war da. Ihr habt mich nicht gehört und nicht gesehen. Ihr wart alle wie blind und taub. Ihr wart wie tot. Oxana, wach endlich auf! Ich wurde zusammengeschlagen und rausgeworfen wie ein räudiger Hund.«

»Was redest du denn da, mein Lieber, mein Guter, mein Geliebter!« Ohne die Augen zu öffnen, lachte sie ein fremdes, tiefes Nixenlachen, umschlang seinen Hals, zog ihn zu sich herunter, verschloß ihm mit ihren weichen, warmen Lippen den Mund und knöpfte ihm geschickt das Hemd auf.

Jegorow lebte seit fünfzehn Jahren mit seiner Frau zusammen, er kannte an ihr jede Bewegung, den Klang ihrer Stimme, den Rhythmus ihres Atems – doch die Frau, die ihn jetzt auf den Mund küßte und ihn auszog, war eine andere, eine ihm völlig unbekannte Oxana.

Seine stille, schüchterne Frau, die selbst in den intimsten Augenblicken vor allzu stürmischen Gefühlsäußerungen zurückscheute, aus Angst, die Kinder zu wecken, die immer fürchtete, das Bett könnte quietschen, wurde auf einmal zur unersättlichen, schamlosen, erfahrenen Nymphomanin.

Wo, wann und bei wem hatte sie das gelernt? Alles an ihr war anders: ihre Hände, ihr Körper, ihre Lippen. Sogar ihr Duft. Anstelle des gewohnten Apfelshampoos und leichten Eau de Cologne strömte sie nun einen schweren, würzigen Geruch nach Rosenöl oder Muskat aus.

»In mir erwachen Kräfte, die früher geschlummert haben«, erklärte sie ihm am nächsten Morgen gelassen. »Hat es dir etwa nicht gefallen?«

»Wer hat dir das beigebracht?« erkundigte sich Jegorow finster.

Sie antwortete mit ihrem fremden, tiefen, dumpfen Lachen.

»So etwas zu lernen braucht Jahre. Nein, nicht Jahre – Jahrtausende. Das genetische Gedächtnis. Eine besondere Energetik, die sich nur bei Auserwählten entfaltet, bei höheren Wesen. In mir ist der strahlende, freie Geist der großen Maya erwacht.«

»Maya? Was redest du da, Oxana?«

»Maya ist die große Shakti, die Mutter der Schöpfung. In ihrem Bauch ruht das Urei, welches das gesamte Universum umfaßt und damit den Geist des großen Vaters. Durch den Tanz des Lebens, durch seine Vibration erfüllt Mayas Energie die imaginäre Materie …«

»Ihr geht dort nicht mehr hin. Weder du noch die Kinder.«

»Sag bloß, dir hat es heute nacht nicht gefallen?« Sie schlug ihren Nylonsteppmantel auf, unter dem sie nackt war, und kam auf ihn zu. Ihr Atem ging schnell und heiser, und ihr Lächeln kam Jegorow aus der Nähe vor wie das Grinsen einer Toten.

Fünf Jahre war das her, doch er erinnerte sich noch immer ganz deutlich an jene Dezembernacht. Damals hatte alles angefangen. Für ihn jedenfalls. Für seine Frau und seine Kinder bereits früher.

Oxana und Slawik lebten vermutlich nicht mehr. Fedja hatte einen klinischen Tod hinter sich und alle Formen psychiatrischer Behandlung, von Psychopharmaka und Elektroschocks bis zu Hypnose. Die Ärzte konnten nichts versprechen, runzelten vielsagend die Stirn, wollten sich auf keine endgültige Diagnose festlegen. Jegorow hörte nicht mehr auf sie. Er vertraute ihnen nicht mehr. Er ließ Fedja nur deshalb im Krankenhaus, weil er bislang keine Möglichkeit hatte, den Jungen zu Hause zu pflegen.

»Fedja, erinnerst du dich an Sinedolsk? Wir sind mal hingeflogen, als du noch ganz klein warst. Erinnerst du dich an Oma?«

Der Junge zuckte mit dem Kopf, und Jegorow glaubte einen Augenblick, er habe genickt.

»Du warst gerade drei geworden. Wir haben dort deinen Geburtstag gefeiert, zusammen mit Oma. Sie hat dir einen Spielzeuglaster geschenkt, der war so groß, daß du dich selber reinsetzen konntest.«

Fedja erstarrte kurz, und wieder hatte Jegorow den Eindruck, daß sein Sohn ihn hörte und verstand.

»Hab noch ein bißchen Geduld, mein Sohn, bald wird alles gut.« Während er das sagte, versuchte er, die verschlungenen Beine des Jungen zu lösen. »Ich hole dich hier raus, wir ziehen ganz weit weg, irgendwohin, wo die Luft sauber ist, wo es Kiefernwälder gibt und einen Fluß mit klarem Wasser. Dann wird es dir besser gehen.«

Jedesmal murmelte Jegorow dieselben Worte von sauberer Luft und klarem Wasser, jedesmal versuchte er, die Beine des Jungen aufzuflechten, die verkrampften Muskeln zu lockern, und fürchtete, ihm weh zu tun, obgleich er wußte, daß Fedja keinen Schmerz spürte.

»Nicht doch, quälen Sie sich nicht«, hörte er hinter sich den Doktor sagen und zuckte zusammen. Der Arzt war ganz leise hereingekommen und beobachtete schon seit einigen Minuten schweigend Jegorows vergebliche Versuche.

»Da hilft nur eine Spritze, sie löst den Krampf. Die Schwester übernimmt das gleich. Aber Sie müssen jetzt gehen. Alles Gute.«

Jegorow verließ das Krankenhaus guten Mutes. Seit einigen Tagen war ihm wesentlich leichter ums Herz. Trotz des skeptischen Lächelns des behandelnden Arztes, trotz der leeren Augen seines Sohnes hegte er nun eine hartnäckige Hoffnung.

Das Klingeln kündete ein Ferngespräch an. Nikita Rakitin stieg ohne Hast aus der Wanne, zog den Bademantel über und ging zum Telefon, nahm aber nicht gleich ab. Er hatte nicht die geringste Lust dazu.

»Sei gegrüßt, Schriftsteller Viktor Godunow. Warum nimmst du nicht ab?« tönte ein befehlsgewohnter dumpfer Bariton.

»Ich war in der Badewanne.«

»Ach so! Wie geht die Arbeit voran?«

»Normal.«

»Ich hab gehört, du willst für eine Woche in die Türkei.«

»Stimmt. Und?«

»Warum hast du nicht Bescheid gesagt?«

»Muß ich das denn?«

»Jedenfalls wäre es nicht verkehrt gewesen, mich davon in Kenntnis zu setzen. Na, ich nehm’s dir nicht krumm. Erhol dich ruhig, wenn du erschöpft bist. Aber fährt deine Tochter nicht mit?«

»Sie hat noch keine Ferien.«

»Verstehe. Dann hättest du doch deine kleine Journalistin mitnehmen können. Tolles Mädchen übrigens. Ich hab sie neulich im Fernsehen gesehen, in einem Jugendprogramm. Ist das mit euch beiden was Ernstes?«

»Entschuldige, aber bin ich dir darüber auch Rechenschaft schuldig?« erkundigte sich Nikita lustlos.

»Schon gut, Alter, reg dich nicht auf. War ja nur eine Frage, rein freundschaftlich. Hauptsache, dein Privatleben behindert deine Arbeit nicht.«

Nikita sah auf einmal deutlich vor sich, wie sein Gesprächspartner ihm bei diesen Worten auf die Schulter geklopft hätte. Immer, wenn er jemanden mit »Alter« anredete, klopfte er ihm auf die Schulter, gönnerhaft, vertraulich. Gut, daß einige tausend Kilometer zwischen ihnen lagen.

»Keine Sorge, das tut es nicht.« Nikita gähnte deutlich in den Hörer.

»Freut mich zu hören.« Sein Gesprächspartner hüstelte. »Auf welcher Seite bist du jetzt?«

»Zweihundertfünfzehn. Zufrieden?«

»Durchaus. Mehr wollte ich eigentlich gar nicht wissen. Ich brenne vor Ungeduld, endlich alles zu lesen. Na schön, Alter, erhol dich gut, und dann mit frischen Kräften wieder an die Arbeit. Wann fliegst du?«

»Heute nacht.«

»Soll ich dir einen Wagen vorbeischicken?«

»Danke. Ich komme schon zurecht.«

»Ach ja, was ich noch fragen wollte – warum hast du so eine billige Reise gebucht? Ein schäbiges Reisebüro, ein Drei-Sterne-Hotel?«

»Drei-Sterne-Hotels sind manchmal ganz anständig.«

»So? Na, wie du meinst. Du mußt es ja wissen. Ruf an, wenn du wieder zurück bist.«

»Auf jeden Fall. Mach’s gut.«

Nikita legte auf, schaltete den Wasserkocher ein und rauchte am offenen Küchenfenster eine Zigarette. Diesem Anruf würde wohl keine weitere Kontrolle folgen. Jetzt war eine Woche Ruhe.

Er hatte noch zwei Stunden. Er goß sich Tee ein, legte eine Kassette in sein kleines Diktiergerät und setzte Kopfhörer auf.

»Ich wollte immer der erste sein«, verkündete derselbe befehlsgewohnte Bariton auf dem Band. »Von Kindheit an wollte ich mein Recht darauf beweisen, mir selbst und anderen. Das ist schwer, Alter, du kannst dir nicht vorstellen, wie schwer.«

Vor anderthalb Monaten, als die Aufnahme entstand, war jedem »Alter« wie auf Kommando ein Schulterklopfen gefolgt.

»Dein Recht worauf?« hörte Nikita sich selbst fragen.

»Auf Leben. Auf ein gutes, angemessenes Leben. Auf Macht, wenn du so willst.«

»Macht über wen?«

»Über andere. Verstehst du, das stand mir von Anfang an zu, aber eben nicht ganz. Ich bin ja unehelich geboren.«

»Spielt das denn heutzutage noch eine Rolle?«

»Kommt ganz drauf an. Mein Vater gehörte zur Parteielite. Ein hohes Tier.«

»Ja, ich weiß. Das hast du oft genug erzählt.«

»Ich habe immer mal was anderes erzählt. Ich war jung und dumm.«

»Du hast gelogen?« fragte Nikita verständnisvoll, ohne jeden Spott.

»Na ja, wer tut das nicht. Das mit meinem Vater, das ist die reine Wahrheit. Aber meine Mutter …«

»Du hast erzählt, sie war Ärztin, Orthopädin oder so, nicht?«

»Mann, hast du ein Gedächtnis, Alter! Das hätte ich nicht gedacht, ehrlich.« Die Stimme verriet Verwunderung, sogar ein wenig Enttäuschung. Oder Mißtrauen? Jedenfalls war unverkennbar, daß Nikitas gutes Gedächtnis ihm nicht behagte. Er schwieg eine ganze Weile; ein Feuerzeug klickte – offenbar zündete er sich eine Zigarette an –, dann sagte er nachdenklich: »Hätte ich etwa bei dir zu Hause, bei deinen intellektuellen Eltern und strengen Großmüttern erzählen sollen, daß meine Mutter Serviererin in der Sauna war?«

»Warum denn nicht?«

»Darum. Jetzt geniere ich mich nicht mehr, die Zeiten haben sich geändert, und wir beide haben die Rollen getauscht. Hätte ich mir etwa damals, vor zwanzig Jahren, vorstellen können, daß du, Rakitin, mal meine bescheidene Biographie für die Nachwelt festhalten würdest? Ich wollte ja schon immer ein Buch schreiben. Und das könnte ich auch, keine Frage.«

»Warum hast du dann mich darum gebeten?« fragte Nikita leise.

»Keine Zeit. Wie heißt es so schön? Jedem das Seine. Ich mache Politik, und du schreibst Bücher. Du brauchst im Moment dringend Geld, es geht sozusagen um Leben und Tod. Also gebe ich dir eine Möglichkeit, welches zu verdienen. Und ich brauche eine erstklassige Biographie und will nicht, daß die irgendein namenloser Journalist zusammenschmiert. Das Buch über mich soll ein Schriftsteller schreiben. Ich zahle anständig, also sei so gut und bediene mich anständig.« Ein gesundes, herzhaftes Lachen – dann sagte Nikitas Gesprächspartner, wieder ernst: »Nimm’s mir nicht übel, Alter. War nur ein Scherz.«

»Ich weiß deinen Humor zu schätzen. Hör mal, aber warum die Geheimhaltung? Warum darf niemand wissen, woran ich gerade arbeite?«

»Das Ganze soll eine Überraschung werden für die breite Öffentlichkeit.«

»Na schön«, sagte Nikita nachdenklich und dachte: Du lügst, Alter. Du würdest nur zu gern ausposaunen, daß der Schriftsteller Viktor Godunow sämtliche eigenen Pläne beiseite gelegt hat, um ein Buch zu schreiben über deine wertvolle Person, weil deine Biographie weit interessanter ist als die kühnsten Phantasien von Godunow. Aber du hältst unseren Bund geheim, und zwar aus Angst, daß eine bestimmte Person davon erfährt. Der Mensch, der dir wichtiger ist als jeder andere. Deine Frau. Ihr würde es ganz und gar nicht gefallen, daß ich dich, wie hast du gesagt – »bediene«; sie würde dir eine Menge überflüssiger Fragen stellen, die zu einem ernsthaften Ehekrach führen könnten. Irgendwann wird sie es natürlich sowieso erfahren. Doch dann ist das Buch schon fertig …

»Also, was ist mit deiner Mutter?«

»Meine Mutter? Sie war Serviererin. Du weißt schon, eine von denen, die mit Spitzenschürzchen und Tablett in den Ruheraum kommen. ›Einen Tee, Pjotr Iwanowitsch?‹ Und außer dem Spitzenschürzchen haben sie nichts weiter an. Höchstens noch eine Schleife im Haar. Ja, so wurde ich gezeugt, im Saunaschweiß, beim Samowar. Ein Nomenklatura-Halbblut.«

»Wäre das nicht ein schöner Titel?«

Kräftiges, herzhaftes Lachen. Nikita erinnerte sich noch genau, wie sein Gesprächspartner ihn anschließend mit bösen, glasigen Augen angestarrt hatte.

»Das ist kein Stoff für Scherze, Alter. Das ist mein Schmerz.«

Ein leises Klacken – er zündete seine erloschene Zigarette wieder an, dann lief er im Zimmer auf und ab.

»Unter Chruschtschow hatte mein Vater einen kleinen Posten im Gebietskomitee der Partei. Ich bin siebenundfünfzig geboren, wie du weißt. Vierundsechzig, nach Chruschtschows Sturz, wurde der gesamte Parteiapparat umgekrempelt. Mein Papa stieg auf, er sollte Erster Sekretär werden, doch da hat irgendein Schwein ihn bei Breshnew denunziert, von wegen, dieser Kommunist hat Probleme mit der Moral. Er hat ein außereheliches Kind mit einem Saunamädchen. Er dachte, Breshnew würde derart offenkundige Unzucht verurteilen, aber im Gegenteil, Breshnew hat gesagt: ›Der Mann hat ein großes Herz, fremdgehen tut jeder mal, aber viele verleugnen anschließend ihre Kinder, er dagegen hat seinen Sohn anerkannt. Ein guter Mensch.‹ Mein Vater wurde gleich an Ort und Stelle, am Bankettisch im Jagdhaus, als Erster Sekretär des Gebietskomitees von Sinedolsk bestätigt. Im Grunde hatte Papa seine Karriere also mir zu verdanken. Und das hat er bis zum letzten Tag nicht vergessen. Hinzu kam, daß mein Halbbruder, sein einziger legitimer Erbe, stark zu trinken anfing. Er war schon fünfundzwanzig, mochte weder arbeiten noch studieren, sorgte dauernd für Skandale: Mal zerschlug er im Restaurant eine Fensterscheibe, mal langte er vor aller Augen einer Provinzschauspielerin unter den Rock. Einmal hat er in Moskau im Haus der Kunstschaffenden einfach in den Flügel gepinkelt.«

»Und was ist aus ihm geworden?« unterbrach ihn Nikita.

»Aus wem? Aus dem Flügel?« Wieder lachte sein Gesprächspartner herzhaft.

»Was aus dem Flügel wurde, ist klar. Und dein Halbbruder?«

»Na, ist doch auch klar. Der hat sich um den Verstand getrunken. Sitzt in einer teuren Psychiatrie und sieht kleine grüne Krokodile.« Ein kurzes Lachen, dann wurde die Stimme ernst und nachdenklich. »Überhaupt, Alter, die Familiengeschichte muß genau überlegt sein. Das ist das allerschwierigste. Wer mein Papa war, weiß die ganze Region. Lügen ist also ausgeschlossen. Aber die ganze Wahrheit geht auch nicht. Die ist nämlich nicht besonders schön. Er war damals fast fünfzig, und Mama war gerade achtzehn. Er war natürlich ein guter Mensch, hat sich um uns gekümmert. Mama hat es an nichts gefehlt, ich ging in die beste Krippe, in den besten Kindergarten. Aber die richtigen Nomenklatura-Kinder kannten natürlich weder Krippe noch Kindergarten, die wuchsen zu Hause auf, mit Kindermädchen und Gouvernanten. Im Kindergarten war ich zusammen mit den Kindern der Gärtner, Chauffeure, Zimmermädchen und Leibwächter, obwohl ich mit denen eben nicht auf einer Stufe stand. In die Schule kam ich schon als der illegitime Sohn des Königs der Region. Von Geburt ein Prinz, aber qua Schicksal Gesinde. Da hast du mal ein echtes Lebensdrama, Schriftsteller Godunow! Das ist der Widerspruch, den ich in mir und bei anderen vom zartesten Alter an überwinden mußte.«

»Wirklich hochinteressant«, sagte Nikita langsam, »aber wie hast du denn diesen Widerspruch überwunden?«

»Du willst Beispiele? Na schön, laß mich nachdenken. Ja, in der vierten Klasse haben wir Jungs mal auf dem Schulhof geraucht, da kam die Direktorin vorbei. Die Schule war die beste in der Region, nur für Privilegierte. Fast alle Kinder wurden im schwarzen Wolga gebracht und abgeholt. Am Tor stand eine Wache. Zur Turnhalle gehörte ein Schwimmbecken mit Glaskuppel. Zum Frühstück gab’s Kaviar und Ananas. Aber es herrschte eine eiserne Disziplin, beinahe militärisch. Also, die Direktorin kommt auf uns zu, ein Dragonerweib, ein General im Rock. Wir konnten unsere Papirossy alle rechtzeitig ausdrücken, nur einer, ich weiß nicht mehr, wie er hieß, der hat sich die brennende Kippe vor Schreck in die Gesäßtasche gesteckt. Er hielt es nur eine Minute aus, dann hat er gebrüllt wie am Spieß. Danach haben wir gewettet, ob man solchen Schmerz aushalten kann, ohne zu schreien. Ich kam auf die Idee, Kippen auf der Hand auszudrücken. Wer am meisten aushält.«

»Und – wer hat gewonnen?«

»Ich natürlich.«

Nikita erinnerte sich, wie ihm sein Gesprächspartner bei diesen Worten seine linke Hand gezeigt hatte. Auf dem Handrücken prangten fünf kreisrunde Narben, etwa so groß wie alte Kopekenstücke.

»Ja, was könnte ich dir noch erzählen?« Er überlegte lange und murmelte schließlich: »Vielleicht die Geschichte mit der alten Goldmine.« Er stockte erschrocken. »Nein, das ist uninteressant.«

»Wieso? Eine Goldmine, das ist sehr interessant. Ich wollte dich gerade fragen, wie du dein Startkapital zusammengekriegt hast. Politik läuft doch nicht ohne Geld. Um diese Frage werden wir in dem Buch nicht rumkommen.«

»Stimmt, da kommen wir nicht drum herum. Geld, das ist immer interessant. Aber noch reden wir über meine Kindheit. Über Mama und Papa.«

»Und die Goldmine?«

»Ach was, das ist irgendwie zu romantisch. Klingt so nach Jack London. Außerdem hat es mit meinem Startkapital nicht das geringste zu tun.«

»Na, dann kannst du es doch erst recht erzählen. Was ich daraus mache, ist meine Sache.«

Deutlich sah Nikita das angespannte, konzentrierte Gesicht vor sich. Offenkundig hatte er gewichtige Gründe, sich für seine Schwatzhaftigkeit zu tadeln.

Damals, vor anderthalb Monaten, hatte Nikita noch nicht geahnt, wie gewichtig diese Gründe waren.

Eine Stunde später nahm er ein Taxi und fuhr zu Tanja. Er blieb eine knappe halbe Stunde bei ihr, trank eine Tasse starken Kaffee. Zum Flughafen brachte ihn Tanja mit ihrem alten Moskwitsch.

»Das Hotel ist bestimmt miserabel, unten dröhnt jeden Abend eine Diskothek, oder es ist gar ein Freudenhaus«, sagte sie und küßte ihn zum Abschied.

»Der Strand ist weit weg, und das Meer verdreckt«, ergänzte er.

»Aber was kümmert dich das?« Sie lächelte und bekreuzigte ihn rasch.

Es kümmerte ihn tatsächlich nicht, denn er flog nicht in die Türkei, sondern nach Westsibirien. Er wußte nicht, ob er richtig handelte, er zweifelte, ob diese aufwendige Reise einen Sinn haben würde. Aber eines wußte er genau: Wenn er recht hatte und nicht umsonst fuhr, dann war die Sache für ihn lebensgefährlich.

Zweites Kapitel

Die Schüsse waren kaum zu hören. Dabei hätten sie doch die Moskauer Mainacht zerreißen müssen wie Donnerschläge. Aber es machte nur ein paarmal trocken »plopp«. Glas zersplitterte, eine Alarmanlage heulte los, dann eine Milizsirene.

Eine Schaufensterpuppe in einem Adidas-Sportwarengeschäft schwankte und fiel um.

Der Streifenwagen der Miliz hängte sich an den schwarzen Jeep. Normalerweise hätte der Jeep auf jeden Fall noch einmal gebremst – für den Kontrollschuß. Doch der Miliz-Mercedes kam mit heulender Sirene um die Ecke gerast, und da war es zu spät.

Der Jeep jagte mit hundertzwanzig über den menschenleeren Leningrader Prospekt. Der Oberleutnant beorderte per Funk ein Einsatzkommando und einen Krankenwagen zum Sportgeschäft.

An der Metrostation Sokol bog der Jeep quietschend in eine Gasse ab, die sich in drei Richtungen gabelte. Als der Milizwagen ein paar Augenblicke später um die Ecke bog, war die Gasse bereits leer.

»Ein schwarzer Jeep ohne Kennzeichen«, meldete der Oberleutnant über Funk, »drei Personen.«

Fünf Minuten später hielten vorm zersplitterten Schaufenster des Sportgeschäfts zwei Kleinbusse. Aus dem einen sprangen ein Arzt und ein Sanitäter des Notdienstes, aus dem anderen Einsatzleute der Miliz. Alle eilten zu der Person, die reglos auf dem Asphalt lag, mit Glassplittern bedeckt. Der Arzt hockte sich hin, stand sogleich wieder auf, sah die Umstehenden an und fragte spöttisch:« Wo ist denn die Leiche, Jungs? Hier ist keine.«

Auf dem Asphalt lag eine Schaufensterpuppe.

Der Notarztwagen raste davon. Die Leute von der Miliz untersuchten den Tatort und fanden vier leere Patronenhülsen von einer ausländischen Maschinenpistole, eine frische Zigarettenkippe Marke Chesterfield und sonst nichts als den üblichen Straßendreck unter einem Berg Glasscherben.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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