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Kristen Callihan

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Beschreibung

Wenn ein einziger Blick reicht, deine Welt zu erschüttern

Für Quarterback Finn Mannus verläuft ein simples Kalender-Shooting anders als erwartet: Die toughe Fotografin Chess bringt ihn völlig aus der Fassung. Eigentlich hat Finn schon seine Erfahrungen mit Frauen gemacht, aber vom ersten Augenblick an spürt er in der Gegenwart von Chess eine nie gekannte, knisternde Anziehung. Für ihn steht fest: Er muss diese faszinierende Frau unbedingt für sich gewinnen - ist sie doch die erste, von der er mehr will als nur eine einzige Nacht. Aber dieses Vorhaben ist schwieriger als gedacht, denn ein Sportler mit dem Ruf eines Playboys ist das Letzte, was Chess gerade sucht ...

"Klug, scharfsinnig und wundervoll romantisch." Katy Evans

Band 4 der GAME-ON-Reihe von NEW-YORK-TIMES- und USA-TODAY-Bestseller-Autorin Kristen Callihan

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Seitenzahl: 563

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Inhalt

TitelZu diesem Buch123456789101112131415161718192021222324EpilogAnmerkung der AutorinDanksagungDie AutorinDie Romane von Kristen Callihan bei LYXImpressum

KRISTEN CALLIHAN

Game On

TROTZ ALLEM DU

Roman

Ins Deutsche übertragen von Wanda Martin

Zu diesem Buch

Wenn ein einziger Blick reicht, deine Welt zu erschüttern

Für Quarterback Finn Mannus verläuft ein simples Kalender-Shooting anders als erwartet: Die toughe Fotografin Chess bringt ihn völlig aus der Fassung. Eigentlich hat Finn schon seine Erfahrungen mit Frauen gemacht, aber vom ersten Augenblick an spürt er in der Gegenwart von Chess eine nie gekannte, knisternde Anziehung. Für ihn steht fest: Er muss diese faszinierende Frau unbedingt für sich gewinnen – ist sie doch die erste, von der er mehr will als nur eine einzige Nacht. Aber dieses Vorhaben ist schwieriger als gedacht, denn ein Sportler mit dem Ruf eines Playboy ist das Letzte, was Chess gerade sucht …

1

Chess

Wenn die Aussicht darauf, etliche Stunden zusammen mit heißen, durchtrainierten und berühmten nackten Männern zu verbringen, mich nicht in Begeisterung versetzt, habe ich wohl ein neues Maß an Gleichgültigkeit erreicht.

Letztes Jahr war ich in einer ähnlichen Situation – lauter nackte Männer, jede Menge Sexappeal, den es für die Ewigkeit in Bildern festzuhalten galt – und da bin ich vor lauter hibbeliger Vorfreude fast aus der Haut gefahren. Ziemlich genau so wie mein Freund James jetzt gerade.

»Ich glaube, du musst mir eine Ansage von wegen ›Bleib locker, Bitch‹ machen«, sagt James und bläst langsam einen dünnen Rauchfaden in die Luft.

Ich sitze zusammengerollt auf einem schmalen Rattansofa auf der gegenüberliegenden Seite meines Balkons, damit ich seinen Zigarettenqualm nicht voll ins Gesicht bekomme, und muss lachen. »Wieso das denn?«

James, eine strahlende Erscheinung in einem lindgrünen Anzug samt zitronengelber Fliege, verdreht die Augen. »Mach keinen auf unschuldig, Chess. Es steht dir nicht.«

Mich würde schon interessieren, wie »unschuldig« denn bei mir aussieht, aber ich gehe nicht darauf ein. Ich weiß ganz genau, warum James gerade dabei ist, durchzudrehen. Es ist irgendwie süß, doch ihm das zu sagen, würde ihm ganz und gar nicht gefallen.

Stattdessen zucke ich mit den Schultern und schnipse ein abgestorbenes Farnblatt vom Sitzkissen. »Bist du ernsthaft so aufgeregt, weil wir einen Haufen Footballspieler nackt fotografieren werden?« Ich schüttele den Kopf, als fehle mir dafür jegliches Verständnis. »Wir arbeiten mit einigen der schönsten Menschen der Welt. Was das angeht, besteht der Körper für mich in diesem Moment nur aus Formen und Schatten.«

Nicht dass das für James von Bedeutung wäre. In dem Moment, als ich ihm erzählte, dass wir ein Kalendershooting für das NFL-Team von New Orleans machen und dass nicht nur alle Topspieler teilnehmen, sondern sie auch noch nackt posieren würden, hat James in den Modus »Durchgedrehter Fan« umgeschaltet. Was bei ihm für gewöhnlich Kettenrauchen und pausenloses Reden bedeutet.

Im Moment ist er so aus dem Häuschen, dass er gar nicht zu merken scheint, dass ich ihn foppe. Er schnaubt, nimmt noch einen Zug und blinzelt mich durch den Rauch hindurch an. »Mit Nacktheit komme ich klar. Ich hab mich immerhin echt gut zusammengerissen, als ich Strasssteine auf Giannas Brüste kleben musste, während mich ihre Nippel dabei förmlich angestarrt haben.«

»Das waren fantastische Brüste«, gebe ich zu, als ich mich an das umwerfende Model erinnere und daran, wie James bis zum Ansatz seiner rotbraunen Haare knallrot angelaufen war.

James ist für das Styling und Make-up unserer Models zuständig. Er ist ein absoluter Profi, aber nicht gegen sämtliche Herausforderungen gefeit. Einige der Models, ob Frauen oder Männer, machen ihn an.

Ganz im Gegensatz zu mir; ich bin dieses Jahr so abgestumpft, dass sicherlich nicht einmal dann eine Reaktion von mir käme, wenn ein Typ bei einem Shooting mit seinem Ding vor meinem Gesicht herumwedeln würde. Professionalität hin oder her – das ist nicht gerade gut. Ehrlich gesagt ist es eher besorgniserregend.

Nach jahrelanger Erfahrung mit miesen Dates und ohne jede Aussicht auf eine feste Bindung komme ich mir unzulänglich vor und zermürbt. Das Positive ist, dass ich einen Job mache, den ich liebe, und ein Loft in New Orleans besitze, meiner Lieblingsstadt. Mein Leben ist erfüllend, und offen gesagt geht es gerade erst richtig los. Trotzdem kann ich diese Anfälle von Gleichgültigkeit irgendwie nicht abschütteln.

James, der nichts von meinem Gefühlsdurcheinander mitbekommt, nickt, als würde er gerade an Gianna denken, seufzt dann aber. »Brüste sind nichts im Vergleich zu dieser Folter, Chess. Wir reden hier von NFL-Spielern. Von meiner Heimmannschaft.« Er wedelt sich selbst Luft zu. »Gott, es könnte echt sein, dass ich rot werde oder wie blöd rumstottere oder irgendwas ähnlich Peinliches.«

»Ah ja.« Als hätte ich vergessen, was für ein eingefleischter Footballfan James ist. In der Spielsaison redet er ununterbrochen von Mannschaftsrekorden und den Chancen auf die Play-offs und wer welches Spiel verkackt hat oder wegen eines Siegs sein absoluter Held ist, dass ich mir am liebsten den Arm abreißen würde, nur um ihm damit eins überzubraten. »Es ist wirklich hart, hm?«

Etwas an meiner Miene muss mich verraten, denn er klappt den Mund zu und wirft mir einen langen bösen Blick zu. »Blöde Kuh.«

Da muss ich lachen. »Du wirst das schon machen, James. Eine Woche lang stolzieren nackte Footballspieler an dir vorbei, und danach ist alles nur noch Schall und Rauch.«

»Wer sagt denn, dass ich es hinter mir haben möchte?« Er rümpft die Nase. »Ich werde es genießen. Und das solltest du auch.«

Ich hatte dieses Shooting nicht machen wollen. James und ich arbeiten im Moment am Limit, und ich spüre bereits diesen verräterischen dumpfen Druck hinter den Augen, der ankündigt, dass ein Migräneanfall auf dem Vormarsch ist.

Ich sollte mich nicht beschweren. Der Erfolg ist mir in den letzten paar Jahren geradezu in den Schoß gefallen. Ich habe Design studiert. Cyn, meine Mitbewohnerin vom College, die inzwischen in New York lebt, hat einen Abschluss in Modedesign. Ich habe damit angefangen, Fotos von ihrer ersten Kollektion zu machen, und den Leuten gefiel unsere Arbeit. Damit kam alles ins Rollen, und seitdem ging es immer weiter bergauf.

Wäre ich nicht so erschöpft, würde es mir vielleicht nichts ausmachen, einen Haufen zu groß geratener, muskelbepackter Jungs im Zaum zu halten – denn so haben sich die Sportler, mit denen ich bisher zusammengearbeitet habe, meistens verhalten. Aber gerade möchte ich mich nicht mit so was herumschlagen. Ich möchte einfach nur in ein Bett krabbeln und eine Woche lang schlafen.

Leider hat James, der auch meine Aufträge bucht, darauf bestanden, dass ich diesen Auftrag annehme. Es sei für einen guten Zweck – um Häuser für Flutopfer in der Region, aber auch in anderen Bundesstaaten wieder aufzubauen. Und weil dabei die Footballhelden unserer Stadt im Adamskostüm gezeigt würden, werde es garantiert ein Riesenerfolg.

»Außerdem«, hatte er letzte Woche am Telefon gesagt, »wollen sie unbedingt dich haben. Dein Kalender mit den nackten Fischern hat sie beeindruckt.«

Ich bin mir ziemlich sicher, was sie wirklich beeindruckt hat, ist die Tatsache, dass die Fotos von den nackten Fischern viral gingen. Aber ich ertappte mich dabei, wie ich Ja sagte. Verdammt.

»Es ist bloß ein Job, James«, sage ich ihm jetzt. Denn ganz ehrlich, ich möchte mich nicht wegen Männern verrückt machen, die ich nicht haben kann. Berühmte Footballspieler fallen definitiv in diese Kategorie. Alles, was ich will, ist ein ehrlich arbeitender Durchschnittsmann, der was im Kopf und eine geschickte Zunge hat. Ein süßes Lächeln wäre auch nicht schlecht. Ist das denn zu viel verlangt?

»Genau«, sagt James gedehnt. »Und gelato ist bloß ein anderes Wort für gefrorene Sahne.«

Ich schnappe nach Luft. »Pass auf, was du sagst, Mister.«

Ein leises Wummern erregt meine Aufmerksamkeit. James springt auf, als hätte man ihn gezwickt. »Scheiße noch eins, sie sind da!«

Er steht da und wedelt einen Augenblick mit den Händen, bevor er seine Zigarette austritt und mich panisch ansieht.

Ich lächle, auch wenn es sich verkrampft in der Kieferpartie anfühlt. »Bleib locker, Bitch.«

»Hmm. Das hat jetzt echt enttäuschend wenig geholfen.« Sein Vollbart zieht sich zusammen, als er einen leichten Schmollmund macht.

»Wenn es dir damit besser geht, kann ich sie auch einölen.«

Entsetzt macht er große Augen. »Wenn du mir das wegnimmst, schütte ich dir eine Woche lang Salz in den Kaffee.«

»Das ist einfach nur grausam!«

»Sei gewarnt«, sagt er mit einem Schnauben.

»Schon gut, schon gut.« Ich kichere und stehe dann auf. »Ich geh zur Tür. Wenn du gehst, kommen wir wegen deines ganzen Rumgeschleimes womöglich nie dazu, anzufangen.«

»Ha-ha.« Er verdreht die Augen, streicht dann aber seinen Anzug glatt. »Ich mach Espresso. Glaubst du, sie trinken Espresso?« James ist süchtig nach Koffein. Der Vorteil daran ist, dass er megaleckere Kaffeegetränke zubereitet. Jeden Morgen werde ich mit einem cremigen café au lait verwöhnt. Jeden Abend mit einem bittersüßen macchiato. »Ich habe nicht die geringste Ahnung.« Meine Kenntnisse über die Vorlieben und Abneigungen von Footballspielern sind gleich null. »Bleib vielleicht erst mal bei Wasser.«

»Chess, das können wir besser.« Er zieht ein Tablett mit feinstem Aufschnitt aus dem Kühlschrank.

»Herrje, es ist ein Fotoshooting und keine Party.«

»Das eine schließt nicht notwendigerweise das andere aus.«

»Wenn du meinst.« Ich lasse ihn allein weiter mit dem Tablett herumhantieren. Das Treppenhaus zu meinem Loft ist ein riesiger Hallraum, deshalb kann ich die Jungs schon glockenklar hören, bevor ich auch nur den halben Weg zur Tür zurückgelegt habe.

»Vielleicht ist er auf’m Klo oder so«, sagt eine tiefe Stimme abfällig.

»Toll«, sagt eine andere gedehnt. »Wir müssen erst noch seinen Schiss abwarten? Das kann sicher ’ne gute halbe Stunde dauern.«

Ich muss mir ein Lachen verkneifen und werde langsamer, dann höre ich ein gequältes Seufzen. »Guter Gott«, sagt ein Typ mit einem breiten Südstaatenakzent, »diese Jungs betteln geradezu immer wieder um eine Watsche. Es ist fast schon zu einfach.«

Ich stimme ihm innerlich zu, zucke dann aber vor Schreck zusammen, als jemand so fest gegen die Tür wummert, dass ich Angst habe, sie könnte aus den Angeln fliegen. Echt mal, das geht jetzt zu weit.

»Alter!«, ruft ein wütender Kerl. »Drück’s raus und mach auf!«

Jemand murmelt was von ein bisschen Manieren zeigen, aber ich bin jetzt sauer und gehe mit großen Schritten zur Tür, im Begriff, meine ungeduldigen Gäste an gutes Benehmen zu erinnern.

Ich reiße die Tür auf und sehe mich vier enorm großen Typen gegenüber, die mich anstarren. Abgesehen von ihrer beeindruckenden Größe könnten sie unterschiedlicher nicht aussehen. Der Berg von Mann direkt vor mir mit seinem Vollbart, dem Man-Bun und den tätowierten Armen sieht aus, als wäre er in den Clubs zu Hause, in die ich gerne gehe. Außerdem macht er einen ziemlich verärgerten Eindruck, was mich vermuten lässt, dass er derjenige war, der die anderen zu mehr Manieren aufgerufen hat.

Neben ihm steht ein gutaussehender, drahtiger Typ, der amüsiert grinst. Kurze Dreadlocks stehen wie eine Dornenkrone von seinem Kopf ab. Er schüttelt denselben und wirft dem Goldjungen neben sich einen genervten Blick zu. Der Schadenfreude des Goldjungen tut das keinen Abbruch, seine hellbraunen Augen blitzen lausbübisch.

Sie sehen allesamt, jeder auf seine Weise, attraktiv aus und liefern somit tolle Motive für das, was wir vorhaben.

Aber wer mir ins Auge fällt und meinen Blick fesselt, ist der Typ hinter ihnen, der sich mit griesgrämiger Miene im Hintergrund hält. Dieser Kerl ist das Covermodel, mit seinen leuchtend blauen Augen und der gebräunten Haut. So umwerfend, dass es fast schon wehtut. Und er schaut an seiner perfekten Nase entlang zu mir herunter, als wäre ihm meine Anwesenheit ein Ärgernis.

Sein Gesicht kenne ich gut. In Werbespots und von Plakaten hat er mich angelächelt, um mir Sportkleidung, Fitnessdrinks und sogar Hypotheken zu verkaufen. Er ist der Quarterback, der auserwählte König des Footballteams, Finn Mannus oder ›Manny‹, wie ihn die Presse nennt. Ein seltsamer Spitzname, schließlich ist er verdammt hübsch.

Er bemerkt, wie ich ihn ansehe, und zieht eine Augenbraue hoch, als wollte er sagen: »Ja, ich weiß. Ich bin all das und noch ein Sahnehäubchen obendrauf, aber denk nicht mal dran, es bei mir zu versuchen; ich hab Besseres zu tun.«

Und ich genauso. Ich schaue weg und betrachte meine übrigen Kunden. Sie sehen mich alle unterschiedlich erwartungsvoll oder ungeduldig an. Sie strahlen Überlegenheit und Testosteron aus wie die Sonne das Licht. Wenn ich dem auch nur einen Millimeter Raum einräume, reißen sie das Shooting an sich. Sie würden es wahrscheinlich nicht einmal merken; sie sind schlicht und einfach daran gewöhnt, das Kommando zu übernehmen.

Ich nehme mich zusammen und überlege, was sie eben noch mal gesagt hatten. Ah, ja, sie hatten vom Scheißen geredet. Herzallerliebst. Zeit für mich, ebenfalls Überlegenheit zu demonstrieren.

Finn

Eine Lektion habe ich schon früh im Leben gelernt: Manchmal muss man eben leiden. Wappne dich dafür, und bring es so schnell wie möglich hinter dich. Als Footballspieler gibt es jede Menge Mist, den ich aushalten muss: körperliche Schmerzen, geistige Erschöpfung, stumpfe Fragen von Reportern, strenge Diäten, kaum Freizeit. Von außen betrachtet fragt man sich, warum zur Hölle irgendjemand tatsächlich Profi-Footballspieler sein will. Die Antwort: weil es das absolut beste Spiel der Welt ist und ich es voll draufhabe.

Aber an Tagen wie diesen, wenn ich vom Marketingleiter meines Teams gefragt – oder eher angewiesen – werde, für einen Kalender zu posieren, zweifle ich wirklich an meiner Hingabe für diesen Sport.

Der einzige Grund, warum ich mich überhaupt bereit erklärt habe, bei dieser Sache mitzumachen, ist der, dass es für wohltätige Zwecke sein soll. Auch wenn ich mich schon für wohltätige Zwecke engagiere. Ich gebe mein Gesicht und meinen Namen dafür her, um Organisationen zu fördern, die sich für Kinder sowie benachteiligte und missbrauchte Menschen einsetzen. Es ist mit das Beste an meiner Berühmtheit. Doch für einen Pin-up-Kalender zu posieren, gibt mir das Gefühl, der letzte Idiot zu sein.

Und als wäre das noch nicht genug, stehe ich mit noch drei Teamkollegen bei dem Fotografen vor der Tür, und er macht nicht auf. Als ich mit der Faustkante gegen die Metalltür klopfe, hallt das Geräusch in dem breiten Treppenhaus wider. Eigentlich ist heute mein freier Tag. Ich könnte im Bett liegen, in der Badewanne vor mich hin schrumpeln – niemand sollte das von der Hand weisen, bevor er es nicht selbst probiert hat – oder auf meiner PlayStation Call of Duty zocken.

Andererseits, wenn er nicht auftaucht, fällt das Fotoshooting ins Wasser. Nicht mein Problem. »Haben wir uns in der Zeit geirrt?«, frage ich über meine Schulter hinweg.

»Nee«, meint Dex, mein Center. »Wir sind sogar ein paar Minuten zu spät.«

Super. Wir stehen also hier rum und schaukeln uns die Eier. »Ich hoffe für den Fotografen, dass er nicht irgend so einen Künstler-Wutanfall hat.«

Dex zuckt gelangweilt mit den Schultern. »Vielleicht ist er auf’m Klo oder so.«

Mein erster Wideout, Jake Ryder, scheint lieber Witze zu reißen.

Jake schreit noch mal in Richtung der Tür und wummert mit der Faust dagegen. »Alter! Drück’s raus und mach auf!«

Wenn ich nicht so mit anderen Gedanken beschäftigt wäre, würde ich mich schämen. Ich gehe auf und ab und schiele zur Treppe. Es ist noch nicht zu spät, um abzuhauen.

Leider fliegt in dem Moment die Tür auf. Eine Frau steht im Türrahmen, sie sieht stinksauer aus und irgendwie furchteinflößend. Sie ist dünn und groß, vielleicht eins achtundsiebzig, womit sie immer noch fünfzehn Zentimeter kleiner wäre als ich. Ihre Augenbrauen sind pfeilgerade, das würde mir normalerweise bei einer Frau nicht auffallen, aber es verleiht ihr so einen entschlossenen Gesichtsausdruck – wie eine kampfbereite Amazone –, dass man es schwer ignorieren kann. Oder vielleicht liegt’s auch daran, dass sie uns wütend anstarrt, als überlegte sie, wen von uns sie als Erstes zerstückeln sollte.

Als könnte sie meine Gedanken hören, schnellt ihr düsterer Blick zu mir. Und ungelogen, ich spüre ihn bis in meine Eier. Sie ist nicht hübsch. Ihr schmales Gesicht mit dem hohen Nasenrücken wirkt zu ernst, um hübsch zu sein. Das lange glatte Haar, tintenschwarz an den Ansätzen und violett in den Spitzen, verleiht ihr was von einem Gothic Girl. Genauso wie ihr schwarzes Tanktop und die Jeans. Ein Hornstrauch-Tattoo aus schwarzen Linien zieht sich über ihren linken Oberarm.

Kurzum, sie ist die Sorte Frau, die mich schon mein ganzes postpubertäres Leben lang meidet. So wie ich sie meide. Nennt es Klischee, ist mir egal. Die simple Wahrheit lautet: Frauen, die aussehen wie sie, hatten noch nie Interesse an Kerlen wie mir, und ich hab ihren Typ noch nie eines zweiten Blicks gewürdigt.

Trotzdem beschleunigt mein Puls. Ihr intensiver Blick ist voller Stärke. Und Stärke ist etwas, wovor ich Respekt habe.

Sie schwingt in ihrer rauchigen Stimme mit, als sie endlich etwas sagt. »Was rausdrücken, bitte?«

Diese Stimme ist sexy – von der Art, die sich um deinen Schwanz legt und dran zieht. Dass ich auf eine sexy Stimme reagiere, kann ich jetzt absolut nicht gebrauchen. Besonders nicht, da sie uns eindeutig bloß für einen Haufen ungezogener Jungs hält.

Übernimm das Kommando. Kontrolliere die Lage. Genau das mache ich. Immer. Ich lenke ihre Aufmerksamkeit wieder auf mich, indem ich einen Schritt vortrete. »Wir sind wegen des Kalendershootings hier.«

Ihre Oberlippe kräuselt sich. »Ach was, ich hab sicher nicht geglaubt, dass ihr für das Gruppenfoto der Kinder-Baseballmannschaft hier seid, das nachher noch ansteht.«

Putzig. Echt putzig. Moment mal. Wie war das jetzt?

»Du bist die Fotografin?« Der Schock ist wie ein Schlag in die Magengrube.

Offensichtlich verärgert funkelt sie mich spöttisch an. »Mal nicht so klischeehaft, ja, Hübscher?«

Ein heißes Kribbeln geht durch meinen Bauch. So werde ich schon mein ganzes Leben genannt. Ich bin dran gewöhnt, und es juckt mich nicht wirklich, wenn die Jungs mich wegen meines Aussehens aufziehen. Aber es macht mich sauer, das von dieser Frau zu hören, als wäre ich niemand.

Ryder kichert. »Sie hat dich durchschaut, Apfelbäckchen.«

Nein, hat sie nicht. Nicht mal ansatzweise. Aber dass sie das meint, nervt mich total. »Moment mal, uns wurde gesagt, dass der Fotograf Chester Copper heißt. Entschuldigung, wenn ich da angenommen habe, dass es sich um einen Mann handelt.«

Sie zuckt zusammen, als wäre sie geschlagen worden, und zwischen ihren Augenbrauen erscheint eine kleine Furche. »Ich nenne mich Chess. Keine Ahnung, wie euer PR-Management auf meinen vollen Namen gekommen ist.« Es hört sich ganz so an, als hätte sie vor, das herauszukriegen.

Ich möchte nicht mit dem armen Trottel tauschen, der ihren vollen Namen hat durchsickern lassen. Aber es ist mir eine Genugtuung, dass ich sie auch treffen kann. Es mit gleicher Münze heimzuzahlen ist nur fair, Süße. »Wahrscheinlich liegt’s daran, dass sie die Leute gründlich durchleuchten, um die Freaks auszusortieren.«

Chess verdreht zur Antwort gelangweilt die Augen. Jetzt, wo ich nah genug vor ihr stehe, kann ich sehen, dass sie flaschengrün sind, von einer tiefen, aber kristallklaren Farbe. Ich glaube nicht, dass ich schon mal ein Paar Augen in dieser Farbe gesehen habe, und ich möchte länger in sie hineinsehen.

Ich habe keine Ahnung, warum mir das überhaupt auffällt. Ihr Aussehen sagt nichts darüber, wie sie ihre Arbeit machen wird. Und die ist der einzige Grund, warum ich hier bin.

Neben mir regt sich Jake, er zieht die Augenbrauen zusammen. »Chester Copper … Das ist so ähnlich wie Chester Copperpot aus Die Goonies«, fügt Jake hilfreicherweise hinzu und sieht uns der Reihe nach an. »Erinnert ihr euch noch an den Film?«

Unsere Fotografin stößt einen obszönen Fluch aus, bei dem ich mir ein Grinsen verkneifen muss.

»Ja, ist ein cooler Streifen«, sagt Rolondo zu Jake. »Der kleine Junge, der darin die Hauptrolle hatte, spielte später Samweis Gamdschie. Mann, was für ein armer Trottel. Wer wirft sich bitte freiwillig ins Feuer des Schicksalsbergs, weil ihm wegen eines Hobbits einer abgeht.«

Dex, der bis jetzt geschwiegen hat, schüttelt sichtlich empört den Kopf. »Er hatte die Mission, Mittelerde von Sauron zu erlösen, du Idiot.«

»Falsch«, beharrt Rolondo. »Er stand voll auf Frodo.«

Mein Grinsen wird noch breiter. Wenn man diese Jungs über Filme reden lässt, finden sie einfach kein Ende mehr. Das weiß Jake genauso gut wie ich. Er gibt einen ungeduldigen Laut von sich. »Hallo? Können wir bitte wieder über Die Goonies und Chester Copperpot reden? Ihr wisst schon, den Alten, den sie ganz verschrumpelt von einem Felsbrocken erschlagen vorfinden, weil er in eine Falle vom Einäugigen Willie getappt ist?«

Chess läuft dunkelrot an. »Ja, ich weiß schon«, presst sie hervor. »Meine Eltern haben sich bei einer Kinovorführung des Films kennengelernt. Sie rechneten damit, dass sie einen Jungen bekommen, und weil meine Oma schon alle meine Babydecken mit dem Namen bestickt hatte …« Sie zuckt mit den Schultern, als würde das Ganze sie langweilen, aber mir entgeht die Anspannung in ihren schmalen Schultern nicht. Sie ist genervt.

»Sie haben dich tatsächlich nach der Figur aus Die Goonies benannt?«, fragt Dex entsetzt.

»Ja«, bestätigt sie in einem knappen, gequälten Tonfall.

Ich bin hin- und hergerissen, ob ich ihre Eltern dafür lieben oder eher finden soll, dass sie einen an der Klatsche haben. Einerseits gibt’s Pluspunkte für Originalität. Andererseits, wer tut einem Mädchen so was an?

Rolondo murmelt etwas über verrückte weiße Leute vor sich hin, eindeutig nicht leise genug, denn Miss Chester dreht sich abrupt um und schreitet mit ihren langen Beinen ins Studio voraus.

Nachdem wir einige vielsagende Blicke getauscht haben, folgen wir ihr.

Das Loft nimmt die halbe Etage ein. Es ist riesig, mit freigelegten Backsteinwänden, abgetretenen Holzdielen und fabrikmäßigen schwarzen Gitterfenstern. Es gibt einen Wohnbereich mit braunen Ledersofas und einem von diesen Couchtischen, die aus einem knorrigen Baumstamm gefertigt sind. Ein alter Bauernesstisch steht einer Luxusküche gegenüber.

Es erinnert mich an meine Wohnung, und ich habe das seltsame Gefühl, nach Hause zu kommen. Einigen der Jungs ist es egal, wie ihre Bude aussieht, solange es darin einen riesigen Fernseher und eine gute Couch zum Langmachen gibt. Bei mir ist das anders. Das Zuhause ist wie ein Hafen, und man ist weiß Gott selten genug da, also sollte es einen Ort geben, an dem man sich wohlfühlt.

Chess bleibt an einem großen Tisch stehen, auf dem jede Menge Footballausrüstung liegt: Schulterpolster, Footballs, die Helme unseres Teams, sogar Schienbeinschoner und Tape.

Ich schätze, wir werden in voller Montur posieren, nur sehe ich keine Trikots. In meinem Nacken fängt es an zu kribbeln, wie sonst immer, kurz bevor ich auf dem Spielfeld umgenietet werde.

Ein dünner Kerl mit einem buschigen roten Bart kommt aus dem Bad geeilt. Er trägt einen gelben Filzhut und einen schmal geschnittenen lindgrünen Anzug mit braunen Nadelstreifen. Nichts Ungewöhnliches in New Orleans. Komischerweise bewirkt der Anblick, dass ich mich ein bisschen entspanne.

»Ich bin James. Chess’ Assistent. Sorry wegen der Verspätung. Wir haben gerade auf dem Balkon eine geraucht.« Er grinst und mustert Jake ausführlich. »Besser gesagt, ich habe geraucht. Chess hat mir nur Gesellschaft geleistet.«

Jake runzelt sichtlich verwirrt die Stirn, als wäre er sich nicht sicher, ob er gerade abgecheckt wird.

»So genau wollen sie das gar nicht wissen, James.« Chess schaut nicht zu uns rüber, sondern inspiziert die Requisiten. »Die Umkleide ist linker Hand. Wenn ihr euch ausgezogen habt, reibt James euch mit Öl ein.«

Sämtliche Luft entweicht aus dem Raum, und ich höre ein lautes Ploppen in meinem Ohr. Meine Jungs sind ebenfalls erstarrt, sie machen große Augen und sind sichtlich geschockt.

»Mit Öl einreiben?« Ich kriege die Worte kaum zwischen meinen zusammengepressten Zähnen hervor. Na super. Die PR-Abteilung hat nichts von nackt machen gesagt. »Du willst es uns richtig geben, was?«

Ihre Miene bleibt ungerührt. »Wenn ich es jemandem gebe, dann merkt derjenige das schon, Mr Mannus.«

Darauf möcht ich wetten. Es würde mich nicht wundern, wenn sie schon mal Kratzspuren auf den Eiern von irgend so einem armen Trottel hinterlassen hat. Meine eigenen ziehen sich vor Mitgefühl zusammen.

Jake, der noch nie sonderlich viel Selbsterhaltungstrieb bewiesen hat, lacht. »Das Mädchen gefällt mir.«

Grüne Augen blitzen unter ernsten, anklagenden Brauen auf. »Ich bin kein Mädchen, Mr Ryder, ich bin eine Frau.«

Rolondo kann sich ein spöttisches Johlen nicht verkneifen, und Dex stößt ihm einen Ellbogen in die Seite, damit er ruhig ist.

»Die einen Auftrag zu erledigen hat«, fügt sie so verächtlich hinzu, dass ich nicht die Klappe halten kann.

»Lass mich raten«, sage ich gedehnt. »Du bist besessen davon, endlich den Einäugigen Willie zu finden.«

Jake verschluckt sich an einem unterdrückten Lachen, und Dex fährt sich mit einer Hand über den Bart, um ein Grinsen zu verbergen.

»Mann«, murmelt Rolondo. »Da hast du dir jetzt vielleicht was eingebrockt.«

Daran hab ich keinen Zweifel. Als leises Zeichen der Warnung läuft ein Kribbeln meine Wirbelsäule hinunter, aber ich bin zu gereizt, um es zu beachten. Wir wurden reingelegt und sollen jetzt brave kleine Jungs sein und uns ausziehen? Das sehe ich jetzt mal anders.

Chess kommt langsam auf mich zu. Ich hatte schon Offensive-Trainer, die mich mit weniger intensiven Blicken niedergezwungen haben. Doch bei denen hat mein Herz nie angefangen, schneller zu schlagen, und mir wurde auch nicht heiß in meiner Haut. Es macht mich nervös, aber das werde ich mir auf keinen Fall anmerken lassen. Ich stütze die Hände tief in die Hüften und warte auf die unausweichliche Explosion.

Sie bleibt vor mir stehen, so dicht, dass ich einen schwachen Duft nach Sonne und Erde wahrnehme, so als hätte sie in einem Garten gesessen und das Licht in sich aufgesogen. Unsere Blicke verhaken sich ineinander. Ich rechne damit, dass sie auf mich losgeht, und vielleicht hat sie das auch vor. Aber sie sagt nichts. Sie steht bloß da wie festgefroren.

Ein merkwürdiger Ruck geht durch den Raum. Ich weiß nicht, was verdammt noch mal hier abgeht. Mein Blickfeld fokussiert sich auf sie, nichts sonst. Ihre Körperwärme strahlt von ihr ab und trifft mich mit voller Wucht. Es ist, als würde sie eine heiße Hand auf meine Bauchmuskeln legen. Das Gefühl ist so stark, dass meine Eier sich straffen und mein Schwanz schwer und dick wird.

Was zur Hölle …?

Ich kann mich nicht rühren. Mein gesamtes Denkvermögen ist gen Süden gewandert, um Anweisungen von meinem munter werdenden Schwanz entgegenzunehmen. Und besagter Schwanz besteht darauf, dass wir uns näherkommen. Er möchte offiziell vorgestellt werden.

Nein, nein, nein. Das kommt gar nicht infrage.

Als ich tief Luft hole, wird mein Hirn nur noch mehr von ihrem Duft benebelt. Ich stecke ernsthaft in Schwierigkeiten.

Als sie endlich redet, bin ich fast dankbar dafür, aber ihre Schlafzimmerstimme hilft gerade nicht besonders. »Stellen wir mal eins klar, Mr Mannus. Du bist hier in meinem Haus. Wir haben einen Job zu erledigen. Ich werde meinen Part erfüllen und du deinen.« Mit ihren dunklen Augen schaut sie eindringlich in meine. »Mach so viele Schwanzwitze, wie du willst. Die werden dich nicht retten.«

Nein, vermutlich nicht. Wie bei einem unausweichlichen Zusammenprall mit einem Linebacker wird mich Miss Chess Copper vermutlich umhauen und es mich spüren lassen. Das Fiese daran ist, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich die Vorstellung hasse oder sie mir irgendwie gefällt.

2

Chess

Die Arbeit läuft wie immer. Ich rede Dex, dem schüchternen, ruhigen Kerl, gut zu, damit er sich entspannt. Vom Angeber Rolondo schieße ich einfach so viele Bilder, wie ich kann, während er so viele Posen macht, wie er kann. Und dem zum Flirten aufgelegten Typen, Jake, gebe ich Anweisungen, bis er sich eingewöhnt hat. Es macht Spaß, durchweg.

Und ja, James ist die ganze Zeit über ein stammelndes, rot anlaufendes chaotisches Etwas. Die Jungs nehmen es locker. Es ist offensichtlich, dass sie daran gewöhnt sind, nackt herumzulaufen, und sie betrachten ihre Körper – zum größten Teil – als Maschinen.

Sich auszuziehen scheint sie kein bisschen zu stören. Schwänze allerdings bleiben ein sensibles Thema. Überraschenderweise ist der Flirttyp, Jake Ryder, besonders besorgt.

»Scheiße«, murmelt er, als er seinen Bademantel fallen lässt, und seine Wangen verfärben sich leicht. »Was, wenn ich eine Latte kriege? Ich meine, ich bin nicht angetörnt oder so. Nicht, dass du nicht echt süß wärst … Mist. So hab ich das nicht gemeint.« Er scharrt mit den Füßen und will sich schon die Hände vor den Penis halten, als er es sich in letzter Sekunde anders zu überlegen scheint, so als wollte er sich auch nicht verstecken. »Ich sag’s nur. Ich bin nackt, und du wirst gucken. Das lässt ihn meistens strammstehen.«

Allein die Tatsache, dass er mit seiner Sorge nicht hinterm Berg hält, bringt ihm meine Sympathie ein. Ich behalte einen neutralen Gesichtsausdruck bei und mache ein Foto, um die Belichtung zu prüfen. »Wenn er beschließt, uns zuzuwinken, ignorieren wir ihn. So wie ich das immer mache, wenn das passiert.«

»Passiert das oft?«, fragt er, und seine Miene hellt sich auf.

»Ich brauche dir, Mr Ryder, doch sicher nicht zu sagen, dass Penisse dafür bekannt sind, ihren eigenen Willen zu haben.«

»Oder eben gerade keinen«, stimmt er mit einem kurzen Lachen zu.

Daraufhin entspannt er sich, und wir kommen gut miteinander klar. Aber die ganze Zeit über ist da so ein Pochen unter meiner Haut, das nervige Wummern meines Herzens, das gegen meine Rippe schlägt. Denn anders als Jake bin ich nicht locker. Kein bisschen. Und ich weiß, wem ich das zu verdanken habe.

Der Arschgeige. Mannus.

Ich könnte so tun, als ob ich nicht wüsste, warum er diese Wirkung auf mich hat und die anderen nicht. Aber das wäre gelogen. Ich fühle mich zu ihm hingezogen. Und das ist mehr als beunruhigend.

Normalerweise muss ich einen Mann mögen, um da ein Knistern zu spüren. Arschgeigen, die sich für absolut unwiderstehlich halten, kriegen nicht mehr als einen beiläufigen Blick von mir. Und warum sollten sie auch? Ich bin ständig von gutaussehenden Männern umgeben. Ein schöner Körper ist nicht mehr als eine attraktive Verpackung zum Angucken. Was unter der Oberfläche steckt, ist so viel interessanter.

Dass Finn Mannus, der mich höllisch nervt, mir im Hinterkopf rumschwirrt, seit ich ihn gesehen habe, ist keine Erfahrung, die ich gern mache. Dass er als Nächster dran ist und ich ihn nackt sehen werde, dass ich die Fassung bewahren und ihn fotografieren muss, bringt mich durcheinander. Und zwar gewaltig.

Ich habe ein albernes flaues, flatteriges Gefühl im Bauch. Ich habe kalte Finger, aber meine Haut ist heiß. Ich bin so genervt von mir selbst, dass ich eine Pause machen und mir selbst eine runterhauen möchte. Wenn das so weitergeht, werde ich James bitten müssen, mir eine Ansage von wegen »Cool bleiben, Bitch« zu machen.

Ich muss einfach nur den Tag überstehen, dann wird das alles bald nur eine verschwommene Erinnerung sein. Ich werde ein Glas gekühlten Weißwein trinken – oder vielleicht auch ein Schnapsglas eiskalten Wodka, wenn das so weitergeht – und mich fertig machen für mein Date mit … Scheiße, wie hieß der Typ noch gleich? Ich blinzle, unfähig, mich an seinen Namen zu erinnern.

Adam? Marvin? Melvin? »Evan!«

»Was?« Jake Ryder guckt verwirrt zu mir herüber. Ich räuspere mich und hebe meine Kamera hoch. »Nichts. Mach weiter.« Die Anweisung gilt genauso für mich. Auf keinen Fall werde ich mich von einem großmäuligen Quarterback ablenken lassen. Auf gar keinen Fall.

Finn

»Du wirkst … angespannt.«

Ich halte mitten im Gehen an und werfe Dex einen Blick zu, bei dem die meisten Jungs Leine ziehen würden. Doch der Mann lehnt sich bloß auf seinem Stuhl zurück, verschränkt die Arme vor der Brust und zieht eine Augenbraue hoch. Da ich versucht habe, dafür zu sorgen, dass er sich mehr ins Team einbringt, sollte ich froh darüber sein, dass er überhaupt Interesse hat, sich zu unterhalten. Denn das hat Dex selten. Nur passt es gerade nicht.

Es fühlt sich an, als würden Ameisen über meine Magenschleimhaut krabbeln, und ich kann mich gerade so zusammenreißen, sie nicht rauszukratzen. So nervös war ich seit meinem letzten Collegemeisterschaftsspiel nicht mehr. Ein Spiel, das ich beschissenerweise gegen Dex’ Team verloren habe, besten Dank auch. Deshalb habe ich keine Lust, mitzuspielen.

»Du bist doch fertig mit deinem Shooting«, sage ich zu ihm. »Heißt das nicht, du kannst jetzt gehen?«

Er lächelt dünn und wissend. »Ich hab uns hergefahren, erinnerst du dich?«

Und ob. Verdammt.

»Und selbst wenn nicht«, fährt er ausdruckslos fort, »das würde ich nicht verpassen wollen.«

»Was verpassen?«, frage ich, obwohl ich es nur zu genau weiß.

»Dich, am Rande des Zusammenbruchs. Geradezu faszinierend. Mit jeder Runde, die du durch den Raum drehst, wirst du noch angespannter.«

Ich lasse die Hände zu den Seiten herabsinken und befehle meinen Schultern, sich zu entspannen. Mein Körper ignoriert die Anweisung. »Such dir was Besseres zu tun.«

»Geht nicht. Das hier sind elementare Studien«, sagt er. »Jetzt weiß ich, wie die Anzeichen aussehen, wenn du auf dem Spielfeld kurz davor bist, am Rad zu drehen.« Je mehr er als mein Center über meine Körpersprache weiß, umso besser. Das sage ich mir zwar, aber ich möchte ihm am liebsten die Stuhlbeine unterm Hintern wegtreten. »Dexter, wenn ich auf dem Feld kurz davor bin, am Rad zu drehen, werd ich’s dir sagen. Ich hab nicht das geringste Problem damit, es zuzugeben, wenn ich während eines Spiels Hilfe brauche.« Einige QBs würden lieber ihr linkes Ei verschlucken, als irgendwie Schwäche zu zeigen. Aber wir sind da draußen ein Team. Und da punkten wir nur durch Teamwork, nicht dadurch, dass man Scheiße baut, nur um das Gesicht zu wahren.

Dex legt den Kopf schief und betrachtet mich prüfend, als wäre ich irgendein exotischer Käfer, der zum Fenster hereingeflogen ist. Verdammt, ich darf jetzt nicht an Käfer denken. Das lenkt meine Aufmerksamkeit nur wieder auf dieses unangenehme Kribbeln in meinem Bauch.

»Und jetzt?«, fragt er. »Verrätst du, was dir gerade so zusetzt?« Fältchen legen sich um seine Augenwinkel. »Ich mein, ich weiß, was es ist, aber gibst du es auch zu?«

Fluchend lehne ich mich gegen die raue Backsteinwand des Lofts und lasse meinen Blick durch Chester Coppers Wohnbereich wandern.

Chester Copper. Obwohl ich mich unwohl fühle, muss ich lächeln. Gott, sie ist vielleicht krass – eine von der Sorte, die sofort zugreift. Das ist irgendwie sexy, auf eine zornige, düster-schwermütige Art. Ich schätze, ich wäre ziemlich angefressen, wenn ich ein Mädchen wäre und meine Eltern mich Chester genannt hätten.

Das Lächeln vergeht mir. Sie hält mich eindeutig für ein Arschloch. Normalerweise bin ich charmanter zu Frauen. Heute bin ich neben der Spur. Aber ich hab auch mit einem Kerl namens Chester gerechnet, jemand, mit dem ich vielleicht über Football reden und den ich hätte überzeugen können, nur schnell ein paar Fotos zu machen, bevor ich abhaue. Nicht mit einer schroffen Frau, die mir mit ihren dunkelgrünen Augen die Haut abzieht und geradewegs darunter zu sehen scheint.

Sie hat mich mit einem Blick abgeschätzt und gleich abgehakt. Zwar bin ich daran gewöhnt, nach meinem Aussehen beurteilt zu werden – meistens werde ich aber nicht für unzulänglich befunden. Es sollte mir einfach nur scheißegal sein. Ist es mir eigentlich auch, bloß soll ich mich jetzt nackt ausziehen und vor ihrer unerbittlich scharfen Linse posieren.

Das Fotostudio ist durch massive rollbare Stellwände abgetrennt, sodass ich die gerade ablaufende Fotosession dahinter nicht beobachten kann. Ich starre fest auf diese Stellwände. Das grelle Blitzlicht, das sie benutzt, beleuchtet die Decke – ein Signalfeuer für mein bevorstehendes Verderben. Musik wummert durch das Loft, irgendein Technobeat, zu dem eine sinnliche Frauenstimme singt. Das ging los, als Jake mit seinem Shooting anfing.

»Was zur Hölle ist das für Musik?«, murmele ich.

»Goldfrapp«, sagt Dex gelassen. »›Strict Machine‹, um genau zu sein. Ich hätte allerdings erwartet, dass Jake sich AC/DC oder so was aussucht.«

»Das ist Musik zum Tanzen.« Ich massiere meinen steifen Nacken. »Ich stelle mir vor, dass Jake jetzt auf einem Laufsteg herumstolziert.«

Dex grinst. »Eine gruselige Vorstellung.«

»Deswegen wollte ich sie auch loswerden.« Ich lasse die Schultern kreisen. »Gott, wieso denn überhaupt Musik?«

»Du kannst sie dir aussuchen. Hauptsache, du fühlst dich wohl.« Er zuckt erneut mit den Schultern. »Es ging erstaunlich einfach.«

»Ich komme mir vor, als würde ich gleich angeboten wie ein Stück Fleisch.«

»Eins-a-Quarterback-Hintern bester Qualität.« Das kommt von Rolondo, der gerade das Bad verlässt, wo wir uns das Öl abduschen können, mit dem sie uns am ganzen Körper einreiben. Du meine Güte.

Er lacht schnaubend. »Du siehst aus, als würdest du gleich dein Frühstück auskotzen. Wo ist das Problem, Manny? Verdammt, du hast doch schon so oft nackt, wie Gott dich schuf, Interviews gegeben.«

Ja, hab ich. Nackt sein ist nicht das Problem.

»Geht’s um dein Gemächt?« Rolondo setzt ein Grinsen auf. »Hast du Angst, es kann nicht mithalten?«

»Dir ist doch klar, dass ich dein Gemächt gesehen hab, Ro’. Angst, nicht mithalten zu können, ist nicht mein Problem.«

Sein Grinsen wird nur noch breiter. »Also hast du hingeguckt.«

Dex guckt mich kopfschüttelnd an. »Du bist geradewegs in die Falle getappt, Kumpel.«

In jeder anderen Situation hätte ich wohl gegrinst. Jetzt winke ich nur ab. »Spielt eure Spielchen mit jemand anderem, Jungs.«

»Mhm«, sagt Rolondo gedehnt. »Dir muss es echt scheiße gehen, wenn ich dich nicht mal verarschen kann.«

Von der gegenüberliegenden Seite des Lofts höre ich, wie Miss Copper Jake sagt, er habe einen klasse Job gemacht. Was bedeutet, dass James mich jeden Moment holen kommt. Mein Herz fängt an zu pochen, und ich fahre mir mit einer kalten Hand über mein erhitztes Gesicht. »Ich fühl mich unwohl bei dieser ganzen Sache, okay?«, erkläre ich meinen Freunden. »Und mir ist eigentlich scheißegal, was das jetzt über mich sagt.«

Stille schlägt mir entgegen. Dex und Rolondo ziehen trübe Gesichter.

»Alter«, sagt Dex schließlich. »Wenn du das hier nicht machen willst, dann lass es. Wir sind keine Maschinen. Sag einfach Nein.«

Ich schaue zu der Trennwand und verlagere das Gewicht, der Drang, auf der Stelle kehrtzumachen und die Flucht zu ergreifen, kriecht die Rückseiten meiner Oberschenkel hinauf. »Das Team war einverstanden, also war ich es auch.«

»Woodson macht nicht mit«, wirft Rolondo ein. »Seine Frau hat sich quergestellt.«

»Woodson ist Kicker. Ich bin der Quarterback. Wenn ich nicht mitmache, sind die Fans enttäuscht. Außerdem hab ich mich schon bereit erklärt. Jetzt einen Rückzieher zu machen wär nicht in Ordnung.«

Dafür ist es sowieso zu spät. James kommt bereits hinter der Trennwand hervorspaziert. »Mr Mannus«, sagt er jetzt ganz geschäftsmäßig. »Dann wollen wir Sie mal vorbereiten.«

»Na toll«, murmele ich.

Ich folge ihm in den Umkleidebereich, wo er auf einen Tisch mit Stofffetzen in den Farben von Hellbeige bis Dunkelbraun zeigt. »Wenn Sie sich damit wohler fühlen, können Sie einen davon tragen.«

Ich blicke stirnrunzelnd hinunter auf die Fetzen. »Die?«

James nimmt ein hellbraunes Stück Stoff hoch und zeigt es mir. Zu meinem absoluten Entsetzen ist es ein Tanga. Ein Männertanga. »Oh, scheiße, nein.«

»Warum sagt ihr alle genau das Gleiche?«

»Zweimal darfst du raten.« Ich mag mir nicht mal vorstellen, was für Sprüche die Jungs für den armen Dödel auf Lager hätten, der dabei ertappt wird, wie er dieses Horrording trägt.

»Wir würden ihn wegretuschieren«, versichert er mir und seine Lippen zucken.

»Und du glaubst, ich würde deswegen ablehnen?« Ich starre finster auf den Tanga in seiner Hand.

Er wirft das Teil wieder zu den anderen. »Ehrlich gesagt verstehe ich’s. Ich hab einen anprobiert. Ich habe keine Ahnung, wie Frauen das aushalten. So ein Teil fühlt sich an, als würde dir einer rabiat die Unterhose hochziehen.« Er schaut erst auf die Tangas und dann zu mir. »Andererseits sieht’s an einem knackigen Arsch super aus.«

Ich weiß nicht, ob er mich angräbt oder nicht. Etwas in seinem Blick sagt mir, dass er nichts dagegen einzuwenden hätte, wenn ich anbieten würde, ihm einen vorzuführen. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Typ versucht, mit mir zu flirten. Und wahrscheinlich auch nicht das letzte Mal. Sportler und Sex gehören zusammen.

»Solange es nicht mein Arsch ist«, erkläre ich ihm schulterzuckend.

Er schenkt mir ein schiefes Lächeln. »Na gut. Wir haben Bademäntel oder Handtücher da, die du nehmen kannst. Geh einfach rüber ins Studio, wenn du fertig bist.«

Er lässt mich zum Ausziehen allein. Die Stille in dem kleinen Umkleidebereich bedrückt mich. Das Gelächter der Jungs ist zu hören, aber es schafft nur noch mehr Distanz zwischen ihnen und mir. Ich ziehe mein Shirt aus und versuche das Gefühl abzuschütteln, entblößt zu sein.

Es ist Schwachsinn. Rolondo hat recht, ich hatte noch nie ein Problem damit, wenn Leute mich nackt sehen. Ich bin stolz auf meinen Körper. Ich habe hart daran gearbeitet, ihn zu perfektionieren, und er leistet harte Arbeit für mich. Aber hier und jetzt verlange ich ihm nicht ab, eine Aufgabe zu erfüllen. Hier und jetzt wird von mir erwartet, dass ich ihn zur Schau stelle.

Vor einem Jahr hätte mir das nichts ausgemacht. Zum Teufel, ich hätte mich wahrscheinlich stolz präsentiert wie ein verdammter Gockel. Ruhm und Bewunderung können einen Menschen voll und ganz einnehmen, bis man an nichts anderes mehr denkt. Bis man diesen Schwachsinn glaubt.

Komisch, wie eine persönliche Tragödie einem diesen Schleier so schnell wegreißen kann, dass einem schwindlig wird. Ich glaube den Schwachsinn nicht mehr blind, und offen gestanden wäre ein Teil von mir lieber ahnungslos geblieben. Denn jetzt fühle ich mich leer, und das klaffende Loch in mir wird immer größer.

»Meine Fresse«, murmele ich vor mich hin. »Reiß dich verdammt noch mal zusammen und mach deinen Job.«

Ich knöpfe meine Jeans auf und sage mir, dass das alles hier nicht weiter von Bedeutung ist. Dann taucht James auf, um meine Haut einzuölen, »damit die Kamera jede Wölbung und Vertiefung einfängt«.

Ich hasse diesen Tag wirklich.

Chess

Es gibt ein altes Sprichwort: Die Kamera lügt nie.

Fotografen wissen, dass das nicht stimmt. Die Kamera – und folglich ein Foto – lügt immer. Wir lassen sie lügen, indem wir sie manipulieren. Was im echten Leben so und so aussieht, kann auf einem Foto komplett anders wirken. Licht und Schatten, Negativräume und Aufnahmewinkel … so vieles spielt da mit rein.

Das Konzept von Schönheit ändert sich durch die Kamera. Manche Durchschnittsmenschen werden vor der Linse lebendig. Je nachdem, wie sie ausgeleuchtet werden, sind sie plötzlich absolut schön. Verhärmte, zerfurchte Gesichter können großartig aussehen. Und absolut atemberaubende Gesichter können merkwürdig verlieren.

Es ist meine Aufgabe, die Geschichte eines Gesichts, eines Körpers in Szene zu setzen.

Das rufe ich mir selbst in Erinnerung, als James einen verdrießlichen Finn Mannus ins Studio führt.

Mit gesenktem Blick beobachte ich, wie Mannus sich bewegt. Kein Zweifel, der Mann ist gut gebaut. So richtig gut. Mit perfekt proportionierten, markanten Gesichtszügen: ein gerader, hoher Nasenrücken, eine klar umrissene Kinnpartie und wohlgeformte Lippen.

Und dieser Mund. Es ist die Art von Mund, die einen ans Küssen denken lässt. An gemächliche, träge, innige Küsse. Wildes Rummachen mit der Zunge.

Dieser Mund nervt mich so was von, ständig zuckt er, als würde gleich ein selbstgefälliges Lächeln kommen oder eine höhnische Bemerkung. Außer jetzt gerade.

Jetzt gerade sind seine Lippen so fest zusammengepresst, dass sie fast nicht zu sehen sind. Als er in meine Richtung schaut, treffen sich unsere Blicke. Es ist total ätzend, wie mein Herz als Reaktion darauf einen Hüpfer macht. Und absolut kontraproduktiv. Es sollte mir nicht den Atem rauben, wenn ich in seine blöden Augen schaue.

Ich kann mir selbst einreden, es läge daran, dass Mannus schöne Augen hat. Hat er auch. Tiefliegende, krass himmelblaue Augen, die von langen, dunklen Wimpern eingerahmt werden. Die Farbe ist so intensiv, dass es fast unwirklich scheint.

Aber ich habe schon andere schöne Augen gesehen.

Nein, es liegt an etwas anderem. An der Art, wie er einen ansieht. Sein stechender Blick hat eine immense Kraft. Angesichts der Tatsache, dass nur selbstgefällige Sprüche und belanglose Schmeicheleien herauskommen, wenn er den Mund aufmacht, scheint die Intensität seines Blicks nicht dazu zu passen.

Ich schaue als Erste weg. Er ist für meinen Geschmack zu hübsch. Ich mag ungewöhnliche Gesichter mit eigenwilligen Zügen. Glatte Perfektion reizt mich nicht. Doch ich werde etwas in Finn Mannus’ Gesicht finden müssen, das etwas über ihn aussagt.

Oder vielleicht werde ich den Fokus einfach auf seinen Körper richten.

Der Großteil dieses beeindruckenden Körpers ist zur Schau gestellt, mit einem tief um die schlanken Hüften geschlungenen weißen Handtuch und vom Babyöl glatt glänzender Haut, um das Licht einzufangen.

Mannus ist nicht so überaus schlank wie ein Model. Er ist eher von kräftiger und robuster Statur. Irgendwie ist er sowohl feingliedrig als auch kräftig – wohldefiniert an den einen Stellen und mit Muskelbergen an den anderen. Mit seinen eins dreiundneunzig überragt er James und mich, seine Schultern sind breit genug, um die Sonne zu verdecken.

Seine Brustmuskeln zucken, als wollten sie meine Aufmerksamkeit. Die haben sie. Anders als die meisten Models, mit denen ich arbeite, hat er einen faszinierenden Flaum Haare auf der Brust. Nachdem ich in meinem Beruf so viele glatte Oberkörper gesehen habe, fühlt es sich fast verboten an, ihn anzuschauen, so als wäre er irgendwie noch ausgezogener. Es juckt mir in den Fingern, über seinen Torso zu streichen und herauszufinden, wie es sich anfühlt.

Ich verpasse mir innerlich eine Ohrfeige. Hier ist Objektivität gefragt. Betrachte ihn als Kunstwerk – genauso wie du es bei jedem anderen Kunden machen würdest, du Luder.

Er hat ein Tattoo unten an der rechten Seite. Aber weil er mit Blick zu mir vor mir steht, kann ich es aus diesem Winkel nicht richtig sehen. Sein rechter Ellbogen hat Kratzer, und ein paar blaue Flecken ziehen sich über seinen Unterarm.

Mit steifen, schleppenden Schritten schreitet er noch weiter in den Raum. Nach seinem finsteren Gesichtsausdruck zu urteilen, liegt es wohl eher daran, dass er nicht hier sein möchte, als dass er Schmerzen hätte. Aber wer weiß?

»Die Haare sind zu ordentlich«, erkläre ich James. »Ich kann die Kammspuren sehen. Kannst du das bitte ändern?«

»Der Mann, zu dem die Haare gehören, kann das selber ändern«, sagt Mannus und wirft mir einen eindeutig gereizten Blick zu.

»Ohne Zweifel«, erwidere ich. »Allerdings ist James der Stylist, also lassen wir ihn doch seinen Job machen.«

Mannus löst den Blick nicht von mir. »Gehst du den Leuten generell gern auf die Eier oder ist das nur bei mir der Fall?«

»Da du gleich nackt bis auf die Eier vor mir stehen wirst, wäre ich vorsichtig, Mr Mannus.«

Sein Mundwinkel wandert nach oben, aber das Lächeln erreicht seine Augen nicht. Und als er redet, klingt seine Stimme angespannt. »Du kannst es kaum erwarten, was, Miss Copper?«

»Nicht wirklich. Ich hab heute schon drei Paar gesehen, da hab ich im Moment ein bisschen den Kopf voll.«

Der selbstgefällige Ausdruck rutscht ihm aus dem Gesicht.

Neben ihm gluckst James. »Ich glaube, sie hat gerade gesagt, dass sie nur noch Eier im Kopf hat«, flüstert er Mannus leise zu. »Ich kann’s ihr allerdings nicht verdenken. Richten wir dein Haar, dann kannst du ihr noch welche zu gucken geben, was?«

Mannus wird blass. »Jetzt schon?«

Er klingt überrascht, was merkwürdig ist, schließlich hat er nur ein Handtuch um.

»Äh … Das ist die Idee dahinter.« James setzt an, Mannus’ honigbraune Locken zu verwuscheln, woraufhin der Quarterback zurückscheut wie ein schreckhaftes Pferd. James hält inne und wirft mir mit großen Augen einen Blick zu, der sagt: »Was zum Kuckuck …?«

Ich denke das Gleiche. »Gibt’s ein Problem, Mr Mannus?«

Er zuckt zusammen, sein Blick huscht zwischen mir und James hin und her, und sein Kiefer verspannt sich noch mehr.

Heiße Wut steigt in mir hoch. »Hast du was dagegen, wenn James dich anfasst?«

Kaum dass ich es gesagt habe, tut es mir auch schon leid. Ich führe James sonst nie so vor. Und es ist total mies von mir, es jetzt zu tun. Aber verdammt, dieser Typ macht mich ganz kirre.

Mannus runzelt so heftig die Stirn, dass sich seine Augenbrauen fast berühren. »Was? Mein Masseur fast mich auch ständig an. Wieso zum Teufel sollte mir das was ausmachen, solange er seinen Job macht?« Er sieht James an. »Warum fragt sie mich das?«

James muss sich eindeutig ein Grinsen verkneifen. »Ich schätze, es liegt daran, dass du zurückgezuckt bist, als hättest du dich heftig erschrocken.«

Mannus bekommt rote Wangen. »Was?«

Er sieht so aufrichtig verwirrt und nervös aus, dass ich innehalte und ihn genauer betrachte. Schweißperlen haben sich an seinen Schläfen gebildet, und am Ansatz seines breiten Halses schlägt sein Puls wie wild. Die Hände hat er tief in die schmalen Hüften gestemmt, wobei er die Finger so fest im Handtuch vergräbt, dass die Knöchel weiß hervortreten.

Mein Herz macht einen schuldbewussten Satz, und seine harte Schale wird prompt weich. Er mag vorhin ein Arschloch gewesen sein mit seinem Einäugiger-Willie-Kommentar, aber er ist immer noch mein Kunde, und wenn er so verunsichert ist, heißt das, dass ich meinen Job nicht gut mache.

Ich fange James’ Blick auf. »Kannst du mir einen Kaffee holen?« Ich brauche gar keinen; es ist das zwischen uns vereinbarte Signal, dass James rausgehen soll, wenn wir einen panischen Kunden haben.

»Klar«, sagt er lässig. »Möchtest du auch was, Mannus?«

Finn schüttelt ein Mal den Kopf. »Nein, danke.«

James geht leise hinaus und wird nicht zurückkommen, ehe ich ihn rufe. Allein mit Finn wird es im Studio unnatürlich still, und ich kann hören, wie die Gespräche in der Küche aufbranden und abflauen. Ich muss dafür sorgen, dass sich der Kunde entspannt. Normalerweise schaffe ich das problemlos. Aber diesmal ist es anders. Finn Mannus ist ausgesprochen schwer einzuschätzen.

Ich lege die Kamera zur Seite und gehe zu dem iPad, auf dem meine Musik gespeichert ist.

Finn beobachtet mich mit wachsamer Miene. »Bitte, nicht diese Musik. Ich raste aus, wenn du erwartest, dass ich hier den Zoolander gebe.«

Er hört sich zutiefst resigniert an, deshalb lächle ich ihm leicht zu. »Ich erwarte keinen Blue Steel von dir, keine Sorge. Und ich lege keine schnelle Musik auf, versprochen.«

Ich werfe einen Blick in Richtung Küche und neige dann den Kopf, als würde ich ein Geheimnis eingestehen. »Es ist nur, weil ich Kopfschmerzen habe.« Was auch stimmt; der hat sich den ganzen Tag lang angekündigt und ist jetzt schlussendlich da, um mich fertigzumachen. »Leise, entspannte Musik hilft, die ganzen Hintergrundgeräusche auszublenden.«

Auch das stimmt. Aber hoffentlich wird sich Finn dabei auch entspannen. Ich wähle ein langsames Lied von Lana Del Rey.

Die Anspannung in seinen breiten Schultern lässt ein wenig nach und er nickt knapp. »Mein halbes Leben kämpfe ich mit Kopfschmerzen. Du hast mein volles Mitgefühl.« Wenn man sich Mannus anschaut, vergisst man leicht, dass er mehr ist als nur ein hübsches Gesicht, dass er seinen Körper als Werkzeug einsetzt und sein Geld damit verdient, ihn bis an seine Grenzen zu fordern und zu schinden. Ich könnte mit dieser Art von Schmerzen nicht umgehen. Er schon. Sie alle machen das. Genau diese Stärke und Verletzlichkeit möchte ich einfangen.

Er dreht sich ein Stück weit mehr in meine Richtung. »Ist es schlimm? Ich habe Ibuprofen in meiner Tasche.«

Natürlich hat er das. Ich weiß nicht, wie ich mit dem netten Finn umgehen soll. Aber ich versuche es. »Ich habe eine Tablette genommen, bevor du reingekommen bist. Aber danke.«

Er nickt wieder, ihm ist immer noch unbehaglich, aber wenigstens konzentriert er sich jetzt auf mich. »Sollen wir einen Ersatztermin ausmachen?«

Er klingt ganz hoffnungsvoll.

Nein sagen zu müssen ist, als würde man einen Welpen treten. »Ich glaube, es wäre das Beste für uns beide, wenn wir es einfach hinter uns bringen, meinst du nicht?«

Sein blauäugiger Blick huscht über mein Gesicht, er spannt jeden Muskel in seinem Körper so fest an, dass sie hervortreten und ein perfektes, prachtvolles Relief ergeben. Dann seufzt er, gibt sich geschlagen und sackt aus seiner festen, aufrechten Haltung in sich zusammen. »Ja, wäre es.«

Doch er rührt sich nicht.

»Du kannst das Handtuch umlassen«, sage ich in die peinliche Stille hinein. »Wir können eine Aufnahme vom Oberkörper machen.«

Das weckt seine Aufmerksamkeit. Seine Brauen ziehen sich zusammen, und ich bekomme einen laserscharfen Blick ab. Bei diesem Kerl kann ich mir vorstellen, wie er ein Team auf dem Feld führt. Der Kerl schüchtert einen ein, ohne es überhaupt drauf anzulegen.

»Darum geht’s nicht«, sagt er jetzt leiser. Bestimmter.

»Hör zu, ich weiß, wir hatten keinen guten Start, aber …«

»Ich hasse Fotoshootings«, unterbricht er mich, und seine hohen Wangenknochen bekommen Farbe. »Okay? Ich weiß nicht, warum. Es ist einfach so. Mir ist klar, dass das zu meinem Job dazugehört, aber das macht es nicht leichter. Ich bekomme dabei irgendwie das Gefühl …« Er zieht hilflos die Schultern hoch.

Doch sein Blick ist trotzig, als könnte ich ihn ruhig deswegen aufziehen. Okay, ich schätze, das habe ich nicht anders verdient. Ich habe meine Abneigung nicht besonders gut verborgen. Aber Abneigung empfinde ich jetzt nicht. »Ich hasse es auch, fotografiert zu werden«, sage ich ihm ehrlich.

Als er mich mit hochgezogener Augenbraue anschaut, halte ich mit einem matten Lächeln meine Kamera hoch. »Warum, glaubst du, stehe ich hinter diesem Teil?«

»Sollen wir den Platz tauschen?«, fragt er und wackelt leicht mit den Augenbrauen.

Ich werde das jetzt nicht süß finden. Auf gar keinen Fall. Ich muss mich konzentrieren. »Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht als du durchgehen werde.«

Seine Mundwinkel biegen sich zu einem zögerlichen Lächeln nach oben, und sein Blick wird weicher. »Nie und nimmer, Chester.«

Und da ist er, der Flirt, von dem ich wusste, dass er unter der Oberfläche gelauert hat. Ich bekomme ein flattriges Gefühl in der Bauchgegend und möchte mich am liebsten selber treten.

Er fährt sich so heftig mit einer Hand über das Gesicht, dass ich höre, wie seine Bartstoppeln über seine Handfläche kratzen. »Scheiß drauf. Machen wir’s.«

»Großartig. Möchtest du warten, bis James wieder da ist, oder sollen wir sofort anfangen?«

Ich vermute Letzteres. Und er enttäuscht mich nicht.

»Nein, passt schon.« Er räuspert sich. Fast wie in Zeitlupe bewegt er eine Hand zu dem Knoten im Handtuch und zupft daran. Und obwohl ich Musik angemacht habe, ist es genau in dem Moment so leise, dass ich ungelogen hören kann, wie das Handtuch zu Boden gleitet.

Du meine Güte.

Plötzlich pocht mein Herz gegen meinen engen Brustkorb, und ich möchte mich hinsetzen, um wieder zu Atem zu kommen, bevor er mich völlig im Stich lässt. Hitze keimt zwischen meinen Beinen auf, und heiße Schauer laufen die Rückseiten meiner Oberschenkel hinab.

Profi. Du bist verdammt noch mal ein Profi.

Die Stimme in meinem Kopf ist dünn und schwach, erstickt von dem Rauschen in meinen Ohren.

Mit trockenem Mund starre ich den Mann vor mir an. Unsere Blicke treffen sich, die Stille ist so erdrückend, dass man sie förmlich auf der Zunge schmecken kann. Ich sehe alles von ihm, vollkommen entblößt steht er da, verletzlich und doch so kraftvoll, dass ich nicht mehr geradeaus denken kann.

Seine Haut ist glatt und goldbraun, aber auch einen Tick gerötet, wie bei einem Mann, der ein bisschen zu lange in der Sonne war oder möglicherweise gerade rot angelaufen ist.

Er ist der vierte nackte Mann, den ich heute zu sehen bekomme, und dennoch bin ich diejenige, der es peinlich ist, so als wäre er der erste nackte Mann, den ich jemals gesehen habe.

Er ist einfach zu viel.

Eine definierte Brust, kräftige Oberschenkel und schöne Füße; ich erfasse das alles mit einem Blick. Aber das ist es nicht, wo ich wirklich hinschauen möchte. Ich kann nicht anders, mein Blick wandert zu einer bestimmten Stelle.

Ich habe gelernt, bei der Arbeit nicht auf den Penis eines Mannes zu stieren. Es ist unhöflich, unprofessionell und macht ihn zu einem Sexobjekt.

Dennoch stehe ich da und starre.

Meine Wangen brennen, mein Herz puckert unkontrolliert. Ich halte meine Kamera fester als nötig.

Er ist großartig. Aus einem Nest dunkelbrauner, sorgsam getrimmter Haare hängt sein Penis breit, lang und dunkelrosa über einem Paar gewichtiger Eier.

Das reicht jetzt, Mädel. Schluss mit dem Geglotze.

Ich hole tief Luft und reiße mich von dem verbotenen Anblick los, bevor ich mir noch vorstelle, wie sein Schwanz dicker und härter wird, sich vor Lust und Verlangen aufrichtet …

Ein Schauer läuft über meine Haut, und ich sehe Finn in die Augen. Schuldgefühle überkommen mich, denn er scheint nicht gemerkt zu haben, dass ich ihn lüstern angegafft habe. Sein Blick ist intensiv, aber gequält.

»Rede mit mir.« Es ist fast ein Flüstern, heiser und verzweifelt.

Es stellt Sachen mit mir an. Schwindelig machende, pulsierende, unpassende Sachen. Ich starre ihn an, unfähig, mich zu rühren. Meine Glieder sind schwer, und mein Magen zieht sich vor lauter Erwartung und Unentschlossenheit zusammen. Was er braucht, ist eine Ablenkung, und mir fällt beim besten Willen nichts ein, was ich sagen könnte. Seine Augen weiten sich flehentlich. Ich schlucke schwer.

»Was war dein bestes Football-Erlebnis?« Das ist eine Standardfrage. Bring den Kunden dazu, über etwas zu reden, was er liebt, und er öffnet sich dir. Allerdings interessiert mich seine Antwort wirklich.

Er atmet einmal durch, und sein Blick wird abwesend. »Im ersten Jahr an der Highschool habe ich es in die Schulmannschaft geschafft. Es war kurz nach unserem ersten Training …«

Ich mache ein Foto. Aber er scheint es nicht zu merken. Er sieht nicht in die Kamera, sondern daran vorbei, als hätte er jenen Tag vor Augen.

»Der Trainer hatte uns wieder und wieder Leiterläufe machen lassen. Ich war erschöpft. Meine Beine fühlten sich an wie Wackelpudding. Meine Oberschenkel brannten höllisch.«

Seine Oberschenkel – diese kräftigen, wunderschön muskulösen Oberschenkel – zucken, als würden sie sich an diesen lange zurückliegenden Schmerz erinnern.

»Da war ich also«, fährt er mit leiser, weicher Stimme fort, »und humpelte mit meinen Teamkameraden vom Spielfeld. Die Sonne stand so tief am Himmel, dass sie die Baumkronen berührte. Ich blieb irgendwie am Spielfeldrand stehen, hörte zu, wie die Jungs Witze rissen und lachten, und da überkam mich dieses Gefühl.« Er unterbricht sich und lächelt. »Dass es genau das ist, weißt du? Ich wusste in dem Moment, dass Football mein Ding ist. Es hat einfach Klick gemacht.«

Er steht im Licht, breitbeinig, die Füße fest auf dem Boden, vollkommen nackt. Er müsste lächerlich aussehen. Tut er aber nicht. Er sieht aus wie ein Krieger, ein Mann, der sich absolut wohl in seiner Haut fühlt.

»Und jetzt stehst du hier«, krächze ich, bevor ich mich räuspere. »Du hast die höchstmögliche Position im Football erreicht.«

Langsam breitet sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus. »Ja, das habe ich.« Stolz erfüllt seine Stimme, macht sie fester. Aber es liegt auch Freude darin.

Ich spüre, wie sie in meinem Herzen widerhallt. »Dieser Moment«, sage ich zu ihm, »ist genau das, was ich einfangen möchte.«

Er blinzelt, sein Körper zuckt. Und dann steht er mit einem Mal irgendwie noch aufrechter da. »Du möchtest dieses Hochgefühl einfangen?«

Ohne den Blickkontakt mit ihm zu lösen, mache ich noch ein Foto. »Ich möchte, dass du dich an dieses Hochgefühl erinnerst. Es wird durchschimmern.« Noch ein Foto. »Auch wenn du es vielleicht nicht denkst, ist es das, was die Leute anspricht. Dein großartiger Körper ist Ausdruck dessen, was du machst, wer du bist.«

Als er mich jetzt ansieht, glimmt Feuer in seinem Blick. »Du findest meinen Körper großartig, Chess?«

Mein Herz pocht gegen meine Rippen. Ich könnte ihn anlügen, eine abfällige Bemerkung machen, aber das würde den Moment zerstören. Ich werde Finn Mannus nicht wiedersehen, nachdem dieser Auftrag erledigt ist. Wir werden niemals Freunde sein. Und auch wenn ich mich körperlich zu ihm hingezogen fühle, werden wir niemals ein Liebespaar sein. Aber jetzt gerade, hier in diesen vier Wänden, existert etwas Reines, Unverfälschtes zwischen uns. Er zeigt sich mir, wie er wirklich ist, ohne etwas vorzutäuschen. Angesichts von so viel Ehrlichkeit kann ich mich nicht verstellen.

Ich lasse meine Kamera sinken. »Ja, Finn, das tue ich.«

Einen Moment lang habe ich das Gefühl, dass er gleich die Arme nach mir ausstreckt. Aber er zieht nur die Luft ein, sodass seine Nasenflügel leicht beben. Dabei lässt er die ganze Zeit meinen Blick nicht los. »Ich stehe Ihnen ganz und gar zur Verfügung, Miss Copper. Was soll ich machen?«

Darauf gäbe es jede Menge Antworten. Doch ich bin jetzt gefasster. Er begibt sich in meine Hände, und ich werde ihn nicht enttäuschen.

»Würdest du dich auf den Boden legen?«, frage ich.

Er zieht eine Augenbraue hoch.

»Die Leute werden eine hübsche Aufnahme von deinem Oberkörper erwarten«, erkläre ich. »Vielleicht, wie du einen Football vor dein …«

»Gemächt«, wirft er mit einem schiefen Lächeln ein.

Ich schaue ausdrücklich nicht auf besagtes »Gemächt«, nicke aber. »Mir ist klar, dass das ein Nacktkalender sein soll. Aber ich möchte dich nicht zum Sexobjekt machen.« Die Tatsache, dass du ihn angegafft hast wie eine Perverse, wollen wir jetzt mal außen vor lassen. »Dein Körper ist dein Werkzeug. Wenn du eine ungewöhnliche Pose einnimmst, betrachten die Leute dich mit anderen Augen.«