Idol - Gib mir alles von dir - Kristen Callihan - E-Book

Idol - Gib mir alles von dir E-Book

Kristen Callihan

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Beschreibung

Es sollte nur Sex sein - doch dann kommen Gefühle uns Spiel Schon lange knistert es gewaltig zwischen Rye Peterson, dem Bassisten von Kill John, und der PR-Agentin der Band, Brenna James. Doch beide verbergen ihre Anziehung hinter bissigen Kommentaren und hitzigen Wortgefechten. Als Rye zufällig mitbekommt, dass Brenna auf der Suche nach einem Mann ist, der ihr Intimität und körperliche Nähe schenkt, schlägt er ihr einen Deal vor, der alles verändert. Eigentlich lautet die Regel: nur Sex, keine Gefühle. Aber mit jeder Berührung und jedem Kuss beginnen ihre Schutzmauern zu bröckeln ... "Ein weiterer wunderbarer und emotionaler Roman von Kristen Callihan. Niemand versteht es wie sie, die Leser:innen zu verzaubern und gleichzeitig in Atem zu halten." NATASHA IS A BOOK JUNKIE Band 4 der VIP-Reihe um KILL JOHN, die heißeste Rockband der Welt, von SPIEGEL-Bestseller-Autorin Kristen Callihan

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Seitenzahl: 635

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Inhalt

Titel

Zu diesem Buch

Widmung

Anmerkung der Autorin

Motto

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

22. Kapitel

23. Kapitel

24. Kapitel

25. Kapitel

26. Kapitel

27. Kapitel

28. Kapitel

29. Kapitel

30. Kapitel

31. Kapitel

32. Kapitel

33. Kapitel

Epilog

Danke!

Danksagung

Die Autorin

Die Romane von Kristen Callihan bei LYX

Impressum

KRISTEN CALLIHAN

IDOL

GIB MIR ALLES VON DIR

Roman

Ins Deutsche übertragen von Anika Klüver

Zu diesem Buch

Für Brenna James könnte eigentlich alles perfekt sein. Sie befindet sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere als PR-Agentin der angesagten Rockband Kill John, lebt in einer Traumwohnung an der New Yorker Upper East Side und besitzt einen Schuhschrank, für den andere Frauen töten würden. Wäre da nicht das eine fehlende Puzzleteil, das sich einfach nicht finden lässt: ein Mann an ihrer Seite, dem sie bedingungslos vertrauen und der ihre Sehnsüchte nach Intimität und Nähe erfüllen kann. Als ausgerechnet Rye Peterson, der Bassist der Band, ein Gespräch darüber mit ihrer besten Freundin belauscht und ihr genau dies anbietet, ist klar: Sie lässt sich auf einen Pakt mit dem Teufel ein. Dass die beiden, obwohl sie sich ständig in den Haaren liegen, insgeheim Gefühle füreinander haben, macht ihre Vereinbarung nicht leichter. Denn eigentlich lautet die Regel: nur Sex, keine Gefühle. Aber mit jeder Berührung und jedem Kuss beginnen ihre Schutzmauern zu bröckeln …

Für alle Fans von Rye und Brenna, die so geduldig auf ihr Buch gewartet haben.

Anmerkung der Autorin

In diesem Buch wird ein in der Vergangenheit liegender Selbstmordversuch einer Nebenfigur erwähnt. Er wird nicht ausführlicher beschrieben.

Ich habe mein Bestes versucht, um dieses Thema so respektvoll und realistisch wie möglich zu behandeln. Und auch wenn ich einfühlsame Testleser:innen sowie Personen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, zu Rate gezogen habe, ist mir bewusst, dass nicht alle Aspekte bei jedem die gleichen Auswirkungen haben. Jegliche Fehler liegen bei mir.

Außerdem möchte ich noch Folgendes erwähnen: Wenn ihr leidet, wendet euch bitte an jemanden – einen Freund oder eine Freundin, ein Familienmitglied, einen Arzt oder eine Ärztin, oder einen Therapeuten oder eine Therapeutin. Sich Hilfe zu suchen, mag schwer sein, aber es kann den entscheidenden Unterschied ausmachen.

Alles Liebe,

Kristen

Alles, was es wert ist, getan zu werden, verlangt nach ein bisschen Chaos.

– Flea

1. Kapitel

Brenna

Im Leben einer Frau gibt es einen Zeitpunkt, an dem ihre Freundinnen nach und nach die wahre Liebe finden und sich plötzlich alles nur noch um Pärchen dreht. Sie tauschen private Blicke aus und teilen Scherze, die nur sie verstehen und an denen man nicht länger teilhaben kann. Uff! Jemand soll mir endlich einen Drink reichen, damit ich aus diesem Albtraum entkommen kann.

Mir ist klar, dass das nicht sehr wortgewandt ist, aber das ist momentan meine allgemeine Stimmung.

Ich meine, wir haben doch alle mit dem großartigen Adam Sandler in Eine Hochzeit zum Verlieben mitgelitten, als er »Love Hurts« zum Besten gibt, oder? Vielleicht geht das nur mir so. Gott, ich hoffe, dass es nicht nur mir so geht.

Nicht dass ich nicht an die Liebe glauben würde. Ich verweile fast jeden Tag unter dem blendenden Licht ihrer strahlenden Pracht. Ich sehe die Glückseligkeit, die die Liebe meinen Freunden beschert hat. Ich glaube wirklich daran. Aber nach Jahren voller Verabredungen und der endlosen Suche nach diesem Funken, die mir nur hier und da ein winziges Aufflackern eingebracht hat, habe ich es satt, zu warten.

Und was noch wichtiger ist: Ich habe zu tun.

Trotzdem bin ich gereizt, als ich zu meiner Lieblingsbar im Viertel gehe, um mir einen dringend benötigten Wodka Tonic zu gönnen.

Zum Glück wartet meine noch immer alleinstehende – und daher nicht verträumt vor sich hinstarrende – Freundin Jules in einer Sitznische im hinteren Bereich der Bar auf mich. Es ist Donnerstagabend, und der Laden ist voller junger berufstätiger Leute meines Schlags, die sich einfach ein bisschen amüsieren und vielleicht flachgelegt werden wollen, falls sich die Gelegenheit ergibt. Leider habe ich auch mit Affären abgeschlossen. Sie haben mir lediglich Verdruss und leichtes Bedauern eingebracht. Die Art von Bedauern, die man empfindet, wenn man zum Abendessen das Spezialmenü bestellt, weil es fantastisch klingt und davon dann fürchterliches Sodbrennen bekommt.

»Hey«, sagt Jules mit einem Lächeln. »Ich hab schon für uns bestellt.«

Wir arbeiten bereits seit drei Jahren zusammen, daher weiß sie genau, was ich gern trinke. Und jetzt gerade könnte ich sie dafür küssen, dass sie mir erspart hat, eine Bedienung herbeiwinken zu müssen. »Du bist eine absolute Göttin. Das weißt du, oder?«

»Natürlich weiß ich das. Du hast ziemlich schlechte Laune, nicht wahr?«, fragt Jules, als ich mich ihr gegenüber auf den freien Platz sacken lasse.

»Ich komme gerade von einem Abendessen mit Jax, Stella, Sophie, Scottie …« Ich hebe einen Finger, um ihren Kommentar abzuwehren. »Und Killian und Libby.«

Jules rümpft mitfühlend die Nase. »Umzingelt von Liebe und Romantik, was?«

»Du sagst es.« Jules weiß, wovon ich rede. Wir arbeiten beide für Kill John, die beste Rockband der Welt – das ist eine Tatsache, keine Meinung, falls jemand fragt. Ich bin für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, und Jules ist Scotties Assistentin.

Killian, der Sänger und Gitarrist der Band, ist mein Cousin. Er ist mit Libby verheiratet, die selbst eine außergewöhnlich gute Sängerin ist. Jax ist ebenfalls Sänger und Gitarrist. Er lebt nun mit seiner Freundin Stella zusammen, die sich um unsere Spendensammlungen für wohltätige Zwecke kümmert. Und Scottie, der Manager der Band, ist mit Sophie verheiratet, die als offizielle Fotografin der Jungs fungiert und außerdem ihre Social-Media-Kanäle betreut. Ich liebe meine Jungs. Ich liebe meine Mädels. Sie alle sind meine engsten Freunde. Aber das bedeutet nicht, dass sie mir nicht hin und wieder auf die Nerven gehen.

Eine Bedienung bringt unsere Getränke. Ich nehme einen großen, erfrischenden Schluck von meinem Wodka Tonic und seufze zufrieden.

Jules spielt mit dem kleinen Stäbchen mit den aufgespießten Cranberrys herum, das aus ihrem Pink Martini herausragt. »Wie kommt es, dass du dort die einzige Einzelkämpferin warst? Wo waren Whip und Rye?«

Whip und Rye sind die anderen beiden Mitglieder von Kill John. Whip, der Schlagzeuger, ist ein Schatz, aber er entfernt sich immer mehr von uns anderen. »Whip ist erkältet und wollte niemanden anstecken.«

Ich hätte ihn heute gern gesehen, aber ich habe das Gefühl, dass er der ganzen Pärchenliebe ebenso überdrüssig ist wie ich.

Jules zieht erwartungsvoll eine Augenbraue hoch. »Und Rye?«

Rye. Der Bassist. Der Idiot. Der ständige Dorn in meinem Auge.

Rye und ich können nicht mehr als zehn Minuten miteinander verbringen, bis wir einander an die Gurgel gehen wollen. Ich vermute, dass uns das beiden einen Kick verschafft. Es ist nicht produktiv, aber wir haben noch nicht herausgefunden, wie wir damit aufhören können.

»Der hat eine Verabredung«, presse ich hervor. »Falls man irgendeine seiner Begegnungen als ›Verabredung‹ bezeichnen kann.« Was ich nicht tue. Mir ist egal, mit wem oder mit wie vielen Personen er es treibt. Allerdings stört es mich, dass ihm Sex wichtiger zu sein scheint als unsere Familientreffen. Denn genau das sind wir alle: eine Familie, die wir selbst erschaffen haben. Nicht dass ich Rye unbedingt in meiner Familie haben will. Aber der Rest der Familie liebt ihn, also ist er wohl oder übel ein Teil davon. Das Mindeste, was er tun könnte, wäre, sich blicken zu lassen.

Ich setze eine finstere Miene auf und nehme einen weiteren Schluck von meinem Drink. Ich werde nicht zulassen, dass ich mich über ihn aufrege, wenn er nicht mal anwesend ist. Er bekommt nicht noch mehr Platz in meinem Kopf, als er bereits für sich beansprucht hat.

»Das Essen war wirklich schön.« Ich lasse die Schultern nach unten sacken. »Ich bin nur … neidisch.« Gott, das zuzugeben, tut weh.

Jules lehnt sich vor. In ihren hübschen grünbraunen Augen schimmert Mitgefühl. »Du willst dich verlieben.«

Es fühlt sich an, als würden alle in der Bar gleichzeitig den Atem anhalten, was seltsam ist, weil niemand auf uns achtet. Vielleicht entsteht dieser Eindruck aber auch nur aufgrund dieses durchdringenden Blicks, mit dem mich Jules mustert. Ich stoße ein Lachen aus. Es klingt abfällig.

»Gott, nein.« Als sie eine zweifelnde Miene aufsetzt, lache ich erneut. Dieses Mal klingt es unbeschwerter. »Nein wirklich. Das ist es nicht. Es ist …« Ich hole tief Luft. »Ich bin neidisch auf ihr Sexleben.«

Jules blinzelt, und ihre Lippen zucken. »Du bist neidisch darauf, dass sie Sex haben? Denn du solltest wissen, dass du hier ziemlich leicht Sex bekommen kannst, wenn du welchen haben willst.« Sie lässt eine schlanke Hand in Richtung der Theke schweifen. »Wir befinden uns hier an einem regelrechten Büfett aus attraktiven Singles. Du musst dir den großartigen Sex einfach nur nehmen.«

Das stimmt wohl. Wir sind beide attraktiv. Jules könnte mit ihrer sandbraunen Haut, den hohen Wangenknochen und den üppigen Lippen die Titelseite einer Zeitschrift zieren. Seit wir hier sind, zieht sie immer wieder interessierte Blicke auf sich.

Was mich betrifft: Ich weiß nicht, ob es an meiner stets ein wenig gelangweilten Miene liegt oder an der Tatsache, dass ich Kostüme mit Bleistiftröcken, Schuhe mit extrem hohen Absätzen und strenge Pferdeschwänze bevorzuge, aber ich neige dazu, Geschäftsleute anzuziehen. Künstlertypen scheinen nicht so recht zu wissen, was sie mit mir anfangen sollen, was ziemlich ironisch ist, da ich einen Großteil meines Lebens in der Gesellschaft von Musikern, Produzenten und anderen Künstlern verbringe. Trotzdem: Wenn ich einfach nur Sex haben will, kann ich ihn problemlos bekommen. Großartiger Sex ist allerdings eine andere Sache.

»Bitte sag mir, dass du das nicht wirklich glaubst, Ju-Ju.« Ich spieße eins der Zitronenstücke, die in meinem Drink schwimmen, mit einem Strohhalm auf. »Das mit dem großartigen Sex.«

»Du hattest noch nie großartigen Sex?«, fragt sie und steht eindeutig kurz davor, mich zu bemitleiden. Vielleicht sollte sie das.

»Du etwa?«, kontere ich. »Ich meine, wirklich großartigen, überwältigenden, ›das muss ich immer und immer wieder erleben, sonst werde ich vor Sehnsucht danach sterben‹-Sex?«

Daraufhin starrt Jules in ihr Glas. Dann seufzt sie und schaut wieder zu mir hoch. »Nein, verdammt. So war es nie. Ich hatte guten Sex, aber keinen überragenden.«

Ich nicke und lehne mich vor, bis wir beide halb über dem Tisch kauern. »Ich hatte auch guten Sex. Aber meistens hat der Kerl keine Ahnung, was er tut. Es ist immer nur stumpfsinniges Rammeln. Und ich komme nicht auf meine Kosten.«

Sie rümpft die Nase. »Vielleicht sollten wir uns auf Frauen einlassen.«

Ich schüttle den Kopf. »Man sollte meinen, dass Frauen in dieser Hinsicht einen Vorteil haben, weil sie sich mit dem weiblichen Körper auskennen. Aber meine Erfahrungen in der Hinsicht waren genauso frustrierend.«

Ich schwöre, dass ich höre, wie sich hinter mir jemand an seinem Drink verschluckt. Beinahe verdrehe ich die Augen. Das hier ist Manhattan, und wenn ein Kerl nicht damit zurechtkommt, eine ehrliche Unterhaltung mit anzuhören, wird er es in dieser Stadt nicht lange aushalten. Außerdem ist meine Sexualität etwas, wofür ich mich niemals schämen werde. Im Allgemeinen interessiere ich mich mehr für Männer. Aber ich bin der Meinung, dass Anziehung fließend ist und sich, zumindest für mich, nicht auf ein einziges Geschlecht beschränkt.

»Manche Frauen sind ebenso egoistisch und ahnungslos wie Männer«, sage ich. »Glaub mir, wenn es darum geht, großartigen Sex zu erleben, gibt es keine ultimative Lösung.«

Jules reißt die Augen auf. »Ich weiß nicht, ob ich in Bezug auf deine Erfahrungen neidisch sein soll oder doch eher dankbar, dass ich sie nicht habe, wenn man bedenkt, was du gerade gesagt hast.«

Ich lasse ein Grinsen aufblitzen, doch es verblasst schnell wieder. »Du solltest definitiv nicht neidisch sein.«

Ich bin immer noch allein und fühle mich nach wie vor unerfüllt. Tatsächlich schmerzt die Erkenntnis, dass ich es mit zwei Geschlechtern versucht habe und trotzdem erfolglos geblieben bin.

»Aber ich meine es ernst«, sage ich und habe nun die Stirn gerunzelt. »Egal welches Geschlecht, egal welche sexuelle Orientierung, wir alle haben auf der Suche nach dem Glück mit den gleichen Stolperfallen zu kämpfen und müssen uns mit dem gleichen Schwachsinn abgeben.«

»Tja.« Jules lehnt sich nach hinten gegen die Lehne der Sitzbank. »Ich schätze, dann sind wir verloren.«

Ich lehne mich ebenfalls zurück und lasse die Geräusche der Bar über mich hinwegspülen. Ich bin müde, und meine Füße sehnen sich danach, die Absatzschuhe loszuwerden, in die ich sie vor acht Stunden gezwängt habe. Nicht zum ersten Mal spiele ich mit dem Gedanken, sie nicht länger zu tragen. Aber sie sind auf sehr reale Weise Verteidigungswaffen, eine Rüstung gegen eine Branche, die absolut skrupellos ist.

Meine Tante Isabella, ein berühmtes Model, schenkte mir mein erstes Paar Absatzschuhe – Mary-Jane-Pumps von Manolo Blahnik aus schwarzem Lackleder. Sie erklärte mir, dass man Frauen in der Unterhaltungsindustrie immer nach ihrem Aussehen beurteilen würde, ob es uns nun gefällt oder nicht. Außerdem sagte sie, dass man Frauen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen immer unterschätzen würde. Aber wenn eine Frau ein paar umwerfende High Heels und ein schickes Kostüm trage, wären die Neinsager zu geblendet, um zu bemerken, dass man über sie hinwegsteigt. Damals nahm sie mich unter ihre Fittiche und brachte mir alles über Mode und Selbstvertrauen bei. Sie lehrte mich, wie man mit unerträglichen Arschlöchern umgeht und wie man Leute um den Finger wickelt. All ihre Lektionen erwiesen sich auf schmerzhafte Weise als wahr.

Im Laufe der Jahre musste ich mir einen Panzer aus eisiger Perfektion zulegen. Wenn diese harte Schale auch nur den winzigsten Riss aufweisen oder den geringsten Anflug von Verletzlichkeit zeigen würde, würden mich meine männlichen Kollegen als minderwertig betrachten. Meine Macht besteht darin, die Illusion aufrechtzuerhalten, dass mich nichts beinträchtigen kann, und ich akzeptiere das als Teil meines Berufs. Aber an manchen Tagen will ich einfach nur unter dem Druck zusammenbrechen. Ich will … Trost, Berührung, Erlösung.

Ich sollte nach Hause gehen und mich in mein Bett verkriechen. Aber ich kann dieses ruhelose Gefühl, das in mir anschwillt, einfach nicht abschütteln.

Ich schaue Jules in die Augen und lasse die Schultern nach unten sacken. »Ich weiß, dass wir das nicht zugeben sollen, weil es uns armselig wirken lassen könnte oder irgend so ein Schwachsinn, aber ich bin ruhelos, unbefriedigt. Nicht auf eine allgemeine ›Ich will jetzt Sex haben‹-Art, sondern auf eine tiefsitzende, nervtötende ›Ich kann nicht aufhören, darüber nachzudenken‹-Art. Ich habe Sehnsucht, verstehst du? Es fühlt sich an, als würde ich Tag für Tag regelrecht Schmerzen empfinden, weil ich mich so sehr nach Erlösung sehne.«

Jules betrachtet mich mit ernstem Blick, als wüsste sie zumindest ein bisschen, wie sich diese Schmerzen anfühlen.

Ich schüttle den Kopf und rede weiter. »Und ja, ich kann mich um mich selbst kümmern. Verdammt, ich bin mittlerweile so gut darin, dass ich nur ein oder zwei Minuten brauche, um zu kommen. Aber das ist nicht das Gleiche, wie die Hände einer anderen Person an meinem Körper zu spüren und nicht zu wissen, wo und wie genau mich diese andere Person als Nächstes berühren wird. Es ist nicht das Gleiche wie eine verschwitzte und wilde Begegnung – Mund an Mund, Haut an Haut.«

Mein Lächeln ist ironisch, aber mein Herz schmerzt. »Ich bin achtundzwanzig Jahre alt. Ich habe beruflich meinen Höhepunkt erreicht, ich habe tolle Freunde und wenn ich will, kann ich jeden Abend auf großartige Partys gehen. Ich besitze eine unfassbar schicke Eigentumswohnung auf der Upper East Side und habe einen Schuhschrank, für den die meisten Frauen töten würden.«

»Das stimmt«, sagt Jules mit einem Lachen.

»Die Welt liegt mir zu Füßen. Aber dieses eine Problem kann ich einfach nicht lösen.«

Das macht mich wütend – diese Schwäche, dieses verdammte Verlangen, das einfach nicht verschwinden will.

Jules leckt sich über die Lippen und summt. »Dann such dir heute Abend jemanden. Lass ein bisschen Dampf ab.«

»Das habe ich versucht. One-Night-Stands reichen dafür nicht.« Ich kralle die Finger ins Leder der Sitzbank unter mir. »Wirklich großartiger Sex braucht Zeit, zumindest geht es mir so. Dafür braucht es mehr als eine Nacht. Und was noch wichtiger ist: Es braucht Vertrauen. Auf beiden Seiten. Wir müssen einander genug vertrauen, um zu geben und zu nehmen und herauszufinden, was wirklich funktioniert.«

»Kurz gesagt: eine Beziehung«, fasst Jules es zusammen.

»Nur dass ich keine will.« Ich stoße ein humorloses Lachen aus. »Abgesehen vom Sex, meine ich.«

Das wirklich Gemeine daran ist, dass ich weiß, dass ich mein Problem nicht angemessen erklärt habe. Ja, ich verspüre dieses Bedürfnis nach sexueller Erlösung, aber da ist noch mehr. Ich will etwas Tiefgründigeres. Ich sehne mich nicht nach den täglichen Einzelheiten einer Beziehung, sondern nach der bloßen körperlichen Verbindung. Ich will gewollt werden. Ich will, dass sich jemand nach mir sehnt wie nach nichts anderem. Dass mich jemand mit atemloser Hingabe braucht.

Ich will gesehen werden, und zwar nicht nur als eine schnelle Nummer – sondern als etwas Unentbehrliches. Und ich will mich auch nach jemandem sehnen. Ich will den Körper einer anderen Person erforschen, herausfinden, was sie erregt und was sie in die Knie zwingt. Ich will besitzen und besessen werden. Aber wenn ich das zugebe, gebe ich zu viel von mir preis. Und der Schmerz dieser offenen Wunde würde sich nicht mehr ignorieren lassen. »Ich will die Entspanntheit und das Vertrauen einer Beziehung, aber ich weiß, dass ich momentan in einer echten Beziehung komplett versagen würde. Vielleicht kann ich eine führen, wenn sich mein Leben nicht mehr so sehr um die Band dreht … Was niemals passieren wird. Die Band ist mein Leben.«

Jules’ lilafarbene Locken hüpfen, als sie nickt. »Dann eben Freunde mit gewissen Vorzügen. Zu schade, dass ich nicht auf Frauen stehe, denn ich würde dir meine Dienste sofort anbieten. Und ich weiß durchaus, was ich tue.« Sie grinst ziemlich anzüglich und schelmisch.

»Zu schade«, necke ich sie, werde dann aber wieder ernst. »Vielleicht werde ich einfach jemanden engagieren.«

Wieder ertönt hinter mir das Geräusch von jemandem, der sich verschluckt. Vielleicht bin ich aber auch nur paranoid. Doch ich lehne mich ein wenig vor, um mich von der Person zu entfernen und mich zu Jules zu beugen. »Whip redet ständig davon. Er behauptet, dass es sicherer ist und man die Situation kontrollieren kann.«

Als ich das sage, errötet Jules, und in ihren Augen blitzt Ärger auf. »Whip wird noch mal auf den Titelseiten der Klatschzeitungen landen. Bitte sag mir, dass du nicht auf diesen Kerl hörst.«

»So weit werde ich nicht gehen. Alles in meinem Leben ist mit dem Geschäft verbunden. Ich werde nicht auch noch mein Sexleben zu einer Geschäftsbeziehung machen.« Mit einem Seufzen lasse ich mich nach hinten gegen die Lehne der Sitzbank sacken. »Aber wenn ich das täte, würde es eine Menge Probleme lösen.«

Bald leeren wir unsere Gläser, und Jules macht sich auf den Heimweg. »Ich habe morgen einen sehr frühen Termin mit dem großen Boss.«

Ich liebe Scottie wie einen Bruder, aber wenn es um die Arbeit geht, sehen Militärausbilder neben ihm wie Faulpelze aus. Bislang ist Jules die einzige seiner Assistentinnen, der es gelungen ist, mit seinen anspruchsvollen Anforderungen zurechtzukommen, ohne weinend davonzulaufen.

Bevor ich gehe, husche ich noch schnell in die Toilettenräume, um mir die Hände zu waschen. Als ich vor dem Waschbecken stehe und Wasser über meine Handgelenke laufen lasse, starre ich mein Spiegelbild an. Der Farbton meiner Haut hat sich von warmem Elfenbein in teigig verwandelt, sodass mein dunkles rotbraunes Haar nun einen zu starken Kontrast darstellt. Unter meinen Augen schimmern dunkle lilafarbene Ringe, obwohl ich Concealer aufgetragen habe. An irgendeinem Punkt hat sich die Politur, die ich so sorgfältig perfektioniert habe, zu einer Lackschicht verhärtet, in der sich nun langsam Risse zeigen.

Ich kann keine Spur mehr von der naiven Achtzehnjährigen entdecken, die einfach nur irgendwo dazugehören wollte. Diese junge Frau, die ihren Cousin anflehte, ein Teil der Band sein zu dürfen, zumindest am Rande – denn auch wenn sie nicht mal einen Hauch musikalischen Talents hatte, wollte sie dennoch die berauschende Aufregung spüren, die ihr diese Welt verschaffte.

Jules mein Gefühlsleben zu beichten, hat sich gut angefühlt – wie eine Reinigung. Aber es machte das Ganze auch schlimmer. Ich habe mein Problem laut ausgesprochen und es in die Nacht hinausgeschickt, und damit habe ich ihm auch mehr Kraft verliehen.

Ob es mir nun gefällt oder nicht, ich arbeite in einer Männerdomäne. Plattenfirmenbosse, Konzertveranstalter, Location-Manager, Journalisten – ein Großteil von ihnen ist männlich. Im Laufe der Jahre haben sie immer wieder dafür gesorgt, dass mir bewusst war, dass ich mich in ihrem Territorium befand. Sie versuchten mir einzureden, dass ich nicht wirklich dazugehörte. Um zu überleben, musste ich mir ein dickes Fell und ein gut geschütztes Herz zulegen. Ich musste perfekt sein, durfte mir nie einen Fehltritt erlauben und nie Schwäche, Verletzlichkeit oder sanftere Emotionen zeigen. Wenn man mich als bedürftig ansah, würde ich mich damit den Wölfen zum Fraß vorwerfen. Falls je herauskommen sollte, dass sich die besonnene, kompromisslose Brenna James danach sehnte, gehalten zu werden … ich könnte mich in der Branche nie mehr blicken lassen.

Zum Teufel damit. Ich weigere mich, mich für meine Bedürfnisse zu schämen. Ich richte mich auf, lege frischen Lippenstift auf und kehre in die Bar zurück.

Ich habe die Toilettenräume kaum drei Schritte hinter mir gelassen, als ich beinahe gegen eine harte, hoch aufragende Brust pralle. Es gelingt mir gerade noch so, den Zusammenstoß zu verhindern. »Verzeihung, ich habe Sie nicht …«

Ich verstumme entsetzt, als ich einen genaueren Blick auf den Kerl werfe.

Rye Peterson – mein persönlicher Erzfeind und allgemeine Nervensäge – lehnt mit einer seiner gewaltigen Schultern an der Wand, als hätte er auf mich gewartet. Er ist ein weltberühmter Rockstar, sieht aber nicht so aus. Er ist groß, und mit seinen breiten, muskulösen Schultern und seiner dunkelblonden Igelfrisur könnte man ihn leicht für einen Footballspieler halten.

Die meisten Leute finden ihn lässig – ein Kerl, der einem ein Bier reicht und einen dann mit einem schmutzigen Witz zum Lachen bringt. Und dieser Kerl ist er auch – für alle anderen. Für mich ist er jedoch der Teufel, der darauf lauert, jegliches Anzeichen von Schwäche auszunutzen. Meine Reaktion auf Rye mag nicht immer logisch sein, aber sie ist eindeutig instinktiv und tief in mir verwurzelt.

Mir weicht sämtliches Blut aus dem Gesicht, als er mir dieses Lächeln zuwirft – dieses arrogante, breite Lächeln, das er immer dann aufsetzt, wenn er sich mir gegenüber im Vorteil sieht. Dieses Lächeln, das besagt, dass er mich leiden lassen und jede verdammte Minute davon genießen wird.

Doch seine Stimme ist ausnahmsweise mal nicht neckend. Sie ist dunkel und tief und beinahe hart, als er sagt: »Lass uns reden.«

Rye

Jeder Mann hat eine Schwäche. Und auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Diese beiden Wahrheiten prallten auf spektakuläre Weise zusammen, als ich erfahren habe, dass Brenna James – meine eine wahre Schwäche – dringend großartigen Sex braucht. Sie sehnt sich danach. Jede Nacht.

Gottverdammt, dieser Gedanke hat dafür gesorgt, dass ich immer noch hart bin. Nicht nur hart – heiß, so verflucht heiß, dass ich überrascht bin, dass meine Haut nicht sichtbar qualmt. Ich muss mich wirklich anstrengen, um eine lässige Pose einzunehmen und die Rolle zu spielen, die Brenna von mir erwartet – den neckischen Quälgeist und Narren.

Ich bereue fast, dass ich nun weiß, dass sie ihre Tage damit verbringt, sich nach Händen auf ihrer Haut und einem Mund zwischen ihren Beinen zu sehnen. Dass sie das braucht. Herrgott, das ist beinahe zu viel für mich. Beinahe.

Aber ich bin eben auch nur ein Mann, und das hier fühlt sich wie eine bedeutende Veränderung an. Ihr Geheimnis ist nicht länger geheim, und ich werde es auf keinen Fall ignorieren. Ich habe nicht aktiv versucht, sie zu belauschen. Okay, das ist gelogen. Sobald ich Brennas Stimme hinter mir erkannt hatte, belauschte ich sie. Ich bin nicht stolz darauf, aber die Frau hat etwas an sich, das den Teenager in mir zum Vorschein bringt. Als ich ihre Sehnsüchte und das Verlangen in ihrer Stimme hörte, löste das jedoch auch noch eine andere Emotion in mir aus, die ich in Bezug auf Brenna zuvor noch nicht erlebt hatte: Mitgefühl.

Nicht dass Bren mir glauben würde. Wenn es um Frauen geht, hält sie mich für einen paarungswilligen Köter. Und in gewisser Weise bin ich tatsächlich wie ein Hund – einfache Dinge machen mich glücklich, und ich bin den Leuten, die ich liebe, gegenüber treu. Allerdings nutze ich Frauen nicht aus. Ich liebe einfach nur ihre Gesellschaft. So sehr, dass ich sie so oft suche, wie es mir möglich ist. Aber dieser großartige, umwerfende, süchtig machende Sex, von dem sie träumt? Der entzieht sich mir ebenso wie ihr.

Also ja, ich kann das nachempfinden.

Aber als sie sagte, dass sie mit dem Gedanken spiele, jemanden für Sex zu engagieren?

Verdammt. Nein. Auf keinen Fall. Dieses Wissen kann ich nicht einfach ignorieren.

Die Frage ist: Was tue ich jetzt, da ich Brenna in die Ecke gedrängt habe? Jeder von uns hat seinen Stolz, also drehte sich bei unseren Begegnungen mit der Zeit alles nur noch darum, dem anderen um eine Nasenlänge voraus zu sein. Aus Gründen, mit denen ich mich nie näher beschäftigen wollte, versuchen wir ständig, dem anderen zu beweisen, dass wir unverwundbar sind und dass uns nicht kümmert, was der andere denkt. Kurz gesagt: Wir belügen einander auf spektakuläre Weise. Die Tatsache, dass ich ihr Geständnis mit angehört habe, muss sie total fertigmachen.

Sie starrt mich mit hasserfülltem Feuer in den Augen an, aber ich weiß, dass das nur eine Verteidigungsmaßnahme ist. Wenn wir aufeinandertreffen, schlagen wir beide um uns, weil wir unbedingt jeden Hauch von Schwäche verbergen wollen. Der Himmel weiß, was für böse Taten hinter ihren bernsteinfarbenen Augen lauern. Oh, sie denkt definitiv darüber nach, mich auf kreative Weise zu verstümmeln. Darüber denkt sie immer nach. Der einzige Unterschied zu sonst besteht darin, dass nun ein Anflug von Demütigung ihre wohlgeformten Mundwinkel umspielt und sie den Blick kurz zu Boden senkt, als hoffe sie darauf, dass er sich auftut und sie verschlingt.

Doch was sie auch denken mag, ich genieße ihre Befangenheit nicht. Momentan mag ich sie nicht einmal. Ich stoße mich von der Wand ab und mache einen Schritt auf sie zu. »Ich meine es ernst, Bren. Ich habe gehört, was du gesagt hast …« Das sorgt dafür, dass sie die Nasenflügel bläht und ein beschämter Ausdruck über ihr Gesicht huscht. Ich lasse mich davon nicht abschrecken. »Wir müssen reden.«

»Nein, das müssen wir wirklich nicht.«

Im Gang ist es düster. Das rote Licht des AUSGANG-Schilds über uns verleiht ihrer Haut ein magentafarbenes Glühen und lässt ihr rotbraunes Haar blutrot schimmern. Ich kann mir beinahe vorstellen, wie sie in Flammen aufgeht und mich mit ihrem Zorn zerschmettert.

»Doch, das müssen wir. Komm schon, Bren. Du kannst nicht erwarten …«

»Halt einfach die Klappe.« Sie drängt sich an mir vorbei. »Ich werde das nicht ausgerechnet mit dir erörtern.«

»Aber wenn du mir einfach nur mal zuhören … Mist! Warte.«

Sie ist in diesen High Heels echt schnell – wie eine geschmeidige Klinge aus Geschwindigkeit und Präzision. Sie schlängelt sich durch eine Gruppe aus Kerlen in Anzügen. Einer von ihnen pfeift und lässt einen zu lauten Kommentar über ihren kecken Hintern vernehmen. Ich stoße ihn mit der Schulter beiseite, als ich in dem Versuch, mit Brenna Schritt zu halten, an ihm vorbeieile.

Draußen wirft sie einen Blick über ihre Schulter und setzt eine finstere Miene auf, als sie mich erblickt. Ihr wütender Fluch und ihr beschleunigtes Tempo entlocken mir ein Grinsen. Glaubt sie wirklich, dass sie mich abschütteln kann?

»Du kannst ebenso gut langsamer laufen«, sage ich. »Ich werde dich nach Hause begleiten.«

Sie hebt das Kinn an und behält ihr straffes Tempo bei. »Verschwinde, du Quälgeist.«

»Das kannst du vergessen. Sicherheit geht vor, Bren.«

»Pfft. Ich brauche keinen Leibwächter. Ich könnte dich fertigmachen, wenn ich es wollte.«

Das sollte ich nicht heiß finden. Aber natürlich finde ich es heiß. »Ich bezweifle nicht, dass du ein wirklich zäher Brocken bist, Babe. Aber tu mir den Gefallen, ja?«

Etwas in meiner Stimme muss zu ihr durchgedrungen sein, denn sie gibt mit einem beleidigten Schniefen nach und verlangsamt ihre Schritte. Hier draußen ist es kalt und frostig. Unser Atem ist in der Nachtluft sichtbar. Brennas dünne Bluse kann sie unmöglich warmhalten. Aber da ich weiß, dass sie meinen Pullover nur auf die Straße werfen würde, wenn ich ihn ihr anböte, schiebe ich die Hände in die Hosentaschen und begebe mich an ihre Seite.

Nun, da wir hier draußen nebeneinander hergehen, kann sie mich nicht mehr abhängen. In diesen unfassbar hohen Absatzschuhen ist Brenna fast eins achtzig groß. Aber ich überrage sie trotzdem noch um einige Zentimeter. Außerdem gestattet ihr enger, absolut unanständiger Rock es ihr nicht, größere Schritte zu machen.

Das muss ihr ebenfalls klar sein, denn sie wird langsamer – nur ein wenig –, nicht genug, um eine Niederlage einzugestehen. Aber wenigstens legt sie jetzt nicht mehr diesen zackigen Laufschritt an den Tag. Ihre Absätze klappern auf dem Asphalt. Manchmal höre ich diesen Rhythmus in meinen Träumen. Sie wird es nie erfahren, aber dieser Rhythmus ist die Basslinie für »Forget You«. Das wird außer mir jedoch nie jemand wissen. Ein paar Dinge muss ein Mann für sich behalten.

»Ich dachte, dass du eine Verabredung hättest«, presst sie nach einer Minute hervor.

Meine Lippen zucken angesichts der Verbitterung, mit der sie das Wort »Verabredung« ausspricht. Doch ich halte meinen Ton ausdruckslos. »Die hatte ich auch. Sie fand an der Theke statt und endete früh.«

Das ist eine Lüge. Ich hatte keine Verabredung. Ich hatte schon länger keine mehr. Aber ich werde ihr auf keinen Fall erzählen, warum ich heute Abend nicht zum Familienessen kommen konnte.

»Hör zu«, sagt sie ganz geschäftsmäßig. »Was auch immer du gehört zu haben glaubst …«

»Oh, ich weiß, was ich gehört habe.«

»… geht dich nichts an.«

»Das weiß ich ebenfalls.«

Das sorgt dafür, dass sie kurz schockiert nach Luft schnappt. Sie reißt die bernsteinfarbenen Augen weit auf. Dann schnaubt sie, als würde sie sich daran erinnern, dass sie wütend bleiben muss, um sich zu schützen. »Ich kann nicht fassen, dass du mich belauscht hast. Du hättest dich bemerkbar machen sollen.«

Ich werfe ihr einen prüfenden Blick zu. »Sag mir hier und jetzt, dass du nicht gelauscht hättest, wenn du mitbekommen hättest, wie ich eine ähnliche Unterhaltung führe. Denn das ist Schwachsinn.«

Sie schweigt einen Augenblick lang und stapft einfach nur weiter. Dann flucht sie laut und hebt kapitulierend die Hände. »Meinetwegen. Ich hätte dich auch belauscht. Aber das bedeutet nicht, dass es richtig ist.«

»Wir sind beide keine Engel.«

»Vor allem du nicht.«

Mein Lächeln erinnert vermutlich an das eines Hais. Ich kann nicht anders. Momentan habe ich seltsame Fantasien, die davon handeln, dass ich sie mit Haut und Haaren verspeise. »Was für ein Glück.«

»Und es bedeutet auch nicht, dass du das, was du gehört hast, zur Sprache bringen musst«, argumentiert sie schroff.

»Nein. Aber ich will immer noch mit dir reden.« Bitte, bitte, bitte lass mich mit dir reden.

»Nein.«

»Komm schon, Bren«, sage ich nun sanfter. »Ich werde mich nicht über dich lustig machen …« Ihr Schnauben hallt laut und lang in die Nacht hinaus. Okay, das habe ich verdient. Ich habe mich schon auf zu viele verschiedene Arten über sie lustig gemacht. Bedauern erfüllt mich. »Ich schwöre, dass ich es nicht tun werde. Aber ich werde auch keine Ruhe geben. Also kannst du dir ebenso gut anhören, was ich zu sagen habe, bevor du mir einen Schlag auf den Kopf verpasst.«

Brenna verdreht die Augen. »Ich verabscheue körperliche Gewalt.«

»Klar.«

»Aber für dich werde ich eine Ausnahme machen.«

Ich muss grinsen. »Du wirst dafür sorgen, dass es ein süßer Schmerz ist, nicht wahr, Beerchen?«

»Argh!« Trotz ihres verärgerten Ausrufs sehe ich das kleine Lächeln, das versucht, aus ihr herauszubrechen. Es ihr zu entlocken, fühlt sich wie ein kleiner Sieg an.

Ich kichere immer noch, als wir ihr Wohnhaus erreichen und der Portier die Tür für uns öffnet.

»Ms James. Mr Peterson.« Er nickt uns zu.

»Wie geht’s, Tommy? Haben Sie irgendwas zu dem Spiel von gestern Abend zu sagen?«

Tommy verzieht keine Miene. »Nichts, was ich Ihnen gern mitteilen würde, Sir.«

Ich salutiere vor ihm und betrete die Lobby, wo ich bemerke, dass Brenna die Brauen zusammengezogen hat.

»Woher kennst du den Namen meines Portiers?«

Ich kann praktisch hören, wie die Gedanken hektisch durch ihren Kopf rasen. Ich war hier schon oft zu Besuch – nicht allein, sondern wenn sie Zusammenkünfte und Abendessen veranstaltete. Aber ich war sicher nicht oft genug in ihrem Haus, um ihren Nachtportier zu kennen.

Ich lehne mich an ihr vorbei und drücke auf den Knopf für ihr Stockwerk. »Ich hab Tommy mal bei einem Spiel der Knicks im Madison Square Garden getroffen und ihn eingeladen, sich zu mir zu setzen.«

Killian, Whip, Jax und ich haben Saisonkarten für die Spiele im Garden. Aber wir gehen nicht immer alle zu jedem Spiel, und die leeren Plätze sind eine Verschwendung. Stella, Jax’ Freundin, hat schon bei Wohltätigkeitstombolas Karten an die Gewinner verlost. Einmal im Monat nehmen wir außerdem Kinder, die in ihrem Leben ein wenig mehr Freude gebrauchen können, mit ins Stadion. Sie sind entweder krank, haben psychische Probleme oder kommen aus zerrütteten oder sozial benachteiligten Familien. Ich liebe diese Abende und lerne von diesen Kindern jedes Mal etwas Neues.

Brenna gibt tief in ihrer Kehle einen Laut von sich, kommentiert meine Äußerung aber nicht. Wir betreten den Aufzug und fahren schweigend zu ihrem Stockwerk hinauf. Nicht zu sprechen, ist gerade keine gute Sache. Ich bin schon zuvor allein mit Brenna in einem Aufzug gewesen, aber es hat sich noch nie so erdrückend angefühlt. Die Luft zwischen uns ist zum Schneiden dick und von unterdrückter Anspannung erfüllt. Sie kriecht über meine Haut und zupft an meinen Innereien.

Sie braucht »wirklich großartigen, überwältigenden, ›das muss ich immer und immer wieder erleben, sonst werde ich vor Sehnsucht danach sterben‹-Sex«.

Meine Haut zieht sich zusammen. Verdammt, das will ich auch. Mir war nur nicht klar, wie sehr ich es brauchte, bis Brenna diese Worte aussprach. Überhitzt hole ich tief Luft. Das war ein Fehler. Brennas Parfüm kitzelt in meiner Nase. Sie hat keinen bestimmten Duft, sondern trägt je nach Laune ganz unterschiedliche. Leider kenne ich sie alle. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, anhand des Dufts, den sie auswählt, herauszufinden, in was für einer Stimmung sie ist.

Der heutige Duft riecht nach reifen, in Honig getränkten Pfirsichen, dunklem Rum und gutem Tabak. Theoretisch sollte diese Mischung nicht funktionieren, aber in Wahrheit ist sie purer Sex. Ich kann nur noch an dekadente Tage denken, an denen ich unter der Karibiksonne zwischen zwei Schenkeln liege, während ich den köstlichen Geschmack ihrer feuchten und geschwollenen …

Ich huste und richte mich kerzengerade auf. Ganz ruhig, Junge.

Brenna wirft mir einen strengen Blick zu. »Hast du dich gerade an deiner eigenen Spucke verschluckt?«

Sabber. Ich habe vor Lust gesabbert. Und danke dafür.

»Nein. Das war nur ein zufälliges Husten.«

»Hmm.« Sie runzelt die Stirn und starrt zu mir hoch. »Du wirst doch nicht krank, oder?«

»Warum?« Ich lehne mich vor – wie ein Trottel, weil es für mich nie eine gute Idee ist, Brenna James zu nah zu kommen. »Würdest du meine fiebrige Stirn mit einem kühlen Tuch abtupfen, wenn ich es wäre?«

»Ich würde dir sagen, dass du nach Hause gehen sollst, bevor du mich ansteckst. Ich kann es mir nicht leisten, krank zu werden.«

»Also wirklich, Beerchen«, sage ich, als sich die Türen des Aufzugs in ihrem Stockwerk öffnen. »Du weißt ganz genau, dass ich dir sehr viel näher sein müsste, um meine Bazillen auf dich zu übertragen.«

Brenna verdreht die Augen und ist schon wieder unterwegs. Ihre Absätze klappern erneut in diesem vertrauten Rhythmus. Dieses feine Klickediklack ist für mich jedes Mal unwiderstehlich. Es ist wie ein hörbarer Hinweis darauf, dass sie ein wenig zusätzlichen Schwung in jeden Schritt legt. Ich werde nicht zugeben, wie oft ich ihr schon beim Laufen zugesehen habe, um das zu bemerken.

Als wir ihre Wohnung erreichen, tippt sie blitzschnell den Sicherheitscode ein. Dann reißt sie die Tür auf und marschiert hinein. Mir bleibt nichts anderes übrig, als hinter ihr herzueilen, denn wenn ich nicht schnell genug bin, wird sie mir die Tür vor der Nase zuschlagen.

Brennas Wohnung zu betreten, fühlt sich an, als würde sie einen komplett einhüllen. Hier drinnen riecht es immer nach frischen Rosen – nicht auf aufdringliche Weise, sondern einfach sauber und süß. Die Wohnung aus der Zeit vor dem Krieg verfügt über klassische Zierleisten und hohe Decken. Unterschiedliche Grautöne und Cremeweiß sind die dominierenden Farben, hier und da setzen Tupfer aus Rosa, Grün und Gold geschmackvolle Akzente. Alles strahlt sehr dezenten Luxus aus. Abgesehen von dem langen Sofa im Empire-Stil, das mit einem samtenen Leopardenprintmuster bezogen ist und mitten in ihrem Wohnzimmer steht. Es ist wie ein kleiner visueller Schock, der der ansonsten so sorgfältig aufeinander abgestimmten Einrichtung eine lange Nase macht und mit seinem skurrilen, glamourösen Stil alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ein bisschen so wie Brenna selbst.

Sie setzt sich mit ihrem kecken, kleinen Hintern auf die runde Armlehne des Sofas und verschränkt die schlanken Beine an den Knöcheln. Die Absätze ihrer umwerfenden Schuhe bohren sich dabei in den dichten Teppich. »Ich bin müde und habe eine Verabredung mit Paul Hollywood.«

Ich stoße ein ersticktes Lachen aus. »Paul Hollywood?«

»Ja. Er ist Juror bei The Great British Bake Off.«

»Oh, die Sendung kenne ich.«

Brenna zieht eine Augenbraue hoch. »Schaust du sie etwa?«

»Warum schockiert dich das so? Ich liebe Gebäck. Man muss diesen Körper füttern, um ihn in Topform zu halten.« Ich reibe über meine Bauchmuskeln.

Brenna ignoriert den Köder. Sie starrt mich einfach nur an und macht sich nicht die Mühe, ihre Ungeduld zu verbergen. Tatsache ist: Nun, da ich mit ihr allein bin, gerät mein Selbstvertrauen ins Wanken wie ein schlechter Hall. Mist. Die Stille verwandelt sich von unangenehm in erdrückend. Mein Herz hämmert in meinen Ohren, und meine Haut ist zu heiß, während ich darüber nachdenke, wie zum Teufel ich anfangen soll.

Brenna seufzt. »Ich wollte nicht …«

»Ich verstehe«, platzt es aus mir heraus.

Sie hält inne und starrt mich mit ihren großen bernsteinfarbenen Augen an. »Verzeihung, was?«

Setz alles auf eine Karte, Ryland. Setz alles auf eine Karte. »Ich verstehe, was du meinst.«

Brenna verschränkt die Arme vor der Brust, als würde sie sich schützen und mich abwehren wollen. »Ach wirklich, ist das so?«

»Nun, ja.« Ich mache einen Schritt auf sie zu. »Ich bin ein berühmter Kerl, der Sex liebt.«

»Sag bloß.«

»Hey, ich versuche nicht, es zu verbergen. Warum sollte ich – warum sollten wir – Sex nicht lieben? Sex ist toll.« Brennas ausdruckslose Miene verrät mir, dass ich auf verlorenem Posten kämpfe. Ich mache einen weiteren langsamen Schritt auf sie zu – die Sache zu überstürzen, würde nichts bringen, da ich sie dadurch nur noch mehr in die Defensive drängen würde. »Aber eine Frau zu finden, der ich vertrauen kann? Die bereit ist, mir zu verraten, was ihr wirklich gefällt …«

»Oh nein«, unterbricht sie mich mit einem erstickten Lachen und schüttelt den Kopf. »Nein, nein, nein. Das solltest du nicht mal denken.«

Ich kann mich nicht zurückhalten. »Du weißt doch gar nicht, was ich sagen will.«

»Sofern es sich nicht um eine Idee für Scotties Geburtstagsgeschenk dreht, will ich es nicht hören.«

»Das ist leicht. Taschentücher von Henry Poole.« Als mich Brenna mit offensichtlicher Überraschung anstarrt, zucke ich mit den Schultern. »Langweilig, ich weiß. Aber Scottie liebt diese Dinger. Und du hast recht, das war nicht das, was ich sagen wollte.«

»Rye, nein.« Sie hebt eine Hand. »Lass es einfach.«

»Du würdest dich lieber an einen Escortservice wenden?« Ich gebe mir große Mühe, angesichts der Vorstellung nicht panisch zu klingen. »All die Dinge riskieren, die bei so einer Aktion ernsthaft schiefgehen könnten? Deine Sicherheit aufs Spiel setzen?«

Das war definitiv das falsche Argument. Sie zieht die rotbraunen Augenbrauen nach unten. »War ja klar, dass es dir allein darum geht. Das geht dich alles nichts an.«

»Das haben wir schon geklärt. Aber ich bin dein Freund …«

»Wir streiten uns ständig.«

»Ja, wir streiten uns. Und ja, du bist nervtötend.« Sie schürzt in eindeutiger Verärgerung die Lippen, aber in ihren Augen blitzt auch Bestätigung auf, was dazu führt, dass ich gegen ein Lächeln ankämpfen muss. Wir mögen immer wieder aneinandergeraten, aber wir kennen einander gut. »Du bist mir wichtig, Bren. Wenn dir etwas zustoßen sollte, könnte ich das nicht ertragen.«

Die Stille, die darauf folgt, ist vollkommen. Das Hupen der Autos fünfzehn Stockwerke unter uns ertönt laut und deutlich. Brennas offensichtlicher Schock ist ein weiterer Schlag. Um Himmels willen, hat sie wirklich gedacht, dass sie mir nichts bedeutet? Sie ist Killians Cousine. Das allein würde schon ausreichen, um sie für mich zu einem wichtigen Menschen zu machen. Aber sie ist auch ein großer Teil meines Lebens. Seit wir eigensinnige Teenager waren, haben wir wohl oder übel ständig Zeit miteinander verbracht.

Trotz meiner besten Bemühungen, den Mund zu halten, knurre ich tief in meiner Kehle. Zu meinem Entsetzen klingt dieser Laut sehr danach, als wäre ich verletzt. Verdammt.

Brenna beißt sich seitlich auf die Unterlippe – etwas, das sie tut, wenn sie weiß, dass sie ins Fettnäpfchen getreten ist. Dann seufzt sie. »Natürlich würde es mir auch etwas ausmachen, wenn dir etwas Schlimmes zustoßen würde.«

»Deine Begeisterung ist überwältigend. Wirklich.«

Die Art, wie sie ihren langen Pferdeschwanz mit einer leichten Drehung ihres Kinns über ihre Schulter schleudern kann, ist beeindruckend. Ich habe diese kleine Bewegung schon zahllose Male gesehen, und sie amüsiert mich immer noch, obwohl ich weiß, dass sie bedeutet, dass mir eine ordentliche Standpauke bevorsteht.

»Ich empfinde in Bezug auf dich gerade keine so große Begeisterung«, sagt sie. »Allerdings kann ich dir deine Bedenken nehmen. Ich werde niemanden engagieren, der sich um meine Bedürfnisse kümmert. Okay?«

Ich sollte erleichtert sein. Stattdessen fühle ich mich seltsam ernüchtert. Nicht weil ich will, dass sie das tut, sondern weil es die Argumente abschwächt, die ich mir in meinem Kopf zurechtgelegt habe. »Oh.«

Ihre Lippen zucken. »Ich schätze, dass du den Teil nicht gehört hast, was?«

»Tja … ähm, nein.«

»Nein?« Sie gibt einen missbilligenden Laut von sich. »Deine Lauschfähigkeiten lassen doch sehr zu wünschen übrig, Ryland.«

Ein Lächeln zupft an meinen Lippen. »Deine Stimme ist ein paarmal leiser geworden. Das war irgendwie frustrierend. Vielleicht solltest du beim nächsten Mal einfach lauter reden.«

Sie schnaubt, wird dann aber wieder ganz geschäftsmäßig. »Nun, da wir das geklärt haben, kannst du jetzt gehen.«

Das sollte ich. Ich sollte einfach kehrtmachen und zur Tür hinausmarschieren. Aber ich würde es bis in alle Ewigkeit bereuen. »Hier ist noch gar nichts geklärt, bis du gefunden hast, was du brauchst.«

Ihre Wangen laufen rot an. »Verdammt noch mal, Rye …«

»Ich will derjenige sein«, verkünde ich ohne jegliche Raffinesse. Ich hole tief Luft und sage dann ruhiger: »Ich will derjenige sein, den du benutzt.«

Meine Worte schweben unruhig zwischen uns. Ausnahmsweise scheint es Brenna mal die Sprache verschlagen zu haben.

2. Kapitel

Brenna

Ich wusste, was kommen würde. Dass er mir irgendeine lächerliche »Lösung« für mein Problem anbieten würde. Ich wusste es. Aber es zu wissen und es zu erleben, sind zwei vollkommen unterschiedliche Schockmomente.

Auf subtile und manchmal auch auf nicht ganz so subtile Weise hat mich Rye nie vergessen lassen, dass ich mal in ihn verknallt war, als die Band damals zusammenfand. Normalerweise benutzt er dafür kleine Sticheleien, indem er erwähnt, wie unwiderstehlich ich ihn insgeheim finde. Oder er gibt Bemerkungen über mein Sexleben ab. Die Idee dahinter ist, dass er andeuten will, dass ich niemals etwas Besseres finden werde als das, was ich mit ihm hätte haben können, wenn er mich nur ebenfalls gewollt hätte.

Ich reagiere darauf so gut ich kann, indem ich immer absolut klarmache, dass mein Liebesleben immens befriedigend ist und ich mich nie wieder dazu herablassen würde, Rye zu wollen. Er reagiert entsprechend. Ist unser Umgang miteinander unreif? Natürlich. Er wurde schon in unserer Jugend geprägt, und wir haben das Muster nie durchbrechen können. Aber das hier ist zu viel. Er ist über bloße Neckereien hinausgegangen und hat aus meiner Schwäche einen Witz gemacht.

Die Tatsache, wie verletzt ich gerade bin, entsetzt mich. Das hätte ich nicht erwartet. Ich dachte, dass ich das alles hinter mir gelassen hätte und er mir nicht mehr wehtun könnte. Leider ist es mir noch nie leichtgefallen, Rye Peterson zu ignorieren.

Und ganz sicher nicht jetzt. Er steht vor mir, hat die muskulösen Arme vor der breiten Brust verschränkt und starrt mich mit hochgezogenen dichten Augenbrauen erwartungsvoll an. Millionen sehen ihn als Kill Johns liebenswerten Quatschmacher. Als einen großen Teddybären, der einfach nur die richtige Person braucht, die ihn so lange knuddelt, bis er sich ergibt. Ich hingegen muss mich ernsthaft zusammenreißen, um ihm keinen Schlag auf seine arrogante ungehobelte Nase zu verpassen. Ich werde es nicht tun. Schließlich verfüge ich immer noch über einen gewissen Anstand. Aber den Mund kann ich nicht halten. Ich kann es einfach nicht.

»Du Arschloch«, presse ich hervor. Ich stoße mich vom Sofa ab und stapfe auf ihn zu. »Ich weiß, dass wir unsere Momente hatten, aber ich hätte niemals gedacht, dass du so tief sinken würdest.«

»Hey«, protestiert er schockiert. »Jetzt warte doch …«

»Nein, du wartest jetzt mal.« Ich steche mit einem Finger in seine Brust. »Das ist nicht witzig.«

Sein Mund klappt auf. »Moment, du denkst, dass ich einen Witz mache?«

Die Empörung in seiner Stimme lässt mich innehalten. »Was soll ich denn sonst denken? Du bekommst zufällig mit, wie ich sage, dass ich …« Gott, ich werde mich nicht wiederholen. Dass er mich beim ersten Mal gehört hat, ist schon demütigend genug. Ich schlucke krampfhaft und stelle entsetzt fest, dass ich tatsächlich in Tränen ausbrechen könnte. »Und jetzt bietest du dich selbst für diese Aufgabe an? Und ich soll das ernst nehmen?«

Rye stemmt die Hände in die Hüften und legt den Kopf schief, als versuchte er, ein Rätsel zu lösen. »Bren, das hier ist kein Witz. Ich meine es vollkommen ernst.«

Mein Hintern sinkt wieder auf die runde Armlehne des Sofas. Sämtliches Blut aus meinem Kopf rauscht in meine Zehen. Das kann er nicht ernst meinen. Ja, zwischen uns bestand schon immer eine gewisse Anziehung. Aber wir wussten beide, dass sie unerwünscht war. Rye würde niemals auf diese Weise einknicken. Nicht nach all der Zeit.

Doch er scheint zu verstehen, was mir durch den Kopf geht, und nickt kurz bestätigend. »Ich versuche nicht, dich aufzuziehen oder runterzuputzen. Was ich dir anbiete, ist echt.«

Ich berühre meine Stirn und stelle fest, dass sie ganz klamm ist. Tatsächlich ist mir ein bisschen schwindelig. »Ich brauche etwas zu trinken.«

Ich drehe ihm den Rücken zu und marschiere in die Küche. Die Schritte, die ich in meinen Absatzschuhen mache, sind ein wenig unsicher. Meine Schritte sind nie unsicher. Ich streife die Schuhe ab, bevor ich mir ein Glas Wasser aus dem Kühlschrank einschenke und dann mehrere große Schlucke trinke.

Rye folgt mir und lehnt sich mit den Unterarmen an die Theke. Seine Miene ist vollkommen ruhig, aber sein Daumen verrät ihn, denn er tippt damit in einem aufgewühlten Rhythmus auf der Marmorplatte herum. Er hat sich eindeutig seit einer Weile nicht mehr rasiert. Seine Stoppeln sind auf dem besten Weg, sich in einen richtigen Bart zu verwandeln. Im Laufe der Jahre hat Rye nur einmal einen Bart getragen – das war in einem seltsamen Sommer, in dem die Jungs alle beschlossen hatten, den Holzfällerlook auszuprobieren. Dieses Experiment fand jedoch ein schnelles Ende, als die Leute anfingen, ihnen Bartöl und Spielzeugäxte zu schicken.

Rye sieht mit Bart allerdings nicht schlecht aus. Ganz im Gegenteil, irgendwie ist es heiß und anders. Der Bart verändert sein Gesicht so sehr, dass es sich anfühlt, als würde ich mit einer neuen Version von Rye reden. Und das bringt mich sogar noch mehr aus dem Konzept.

Er beißt sich von innen auf die Wange, wodurch ein kleines Grübchen entsteht. Dann holt er tief Luft und ergreift wieder das Wort. »Hör zu. Mir ist klar, dass diese ganze Situation verflucht unangenehm ist. Aber ich werde meine Karten auf den Tisch legen. Als ich das erste Mal zufällig hörte, wie du Sex erwähntest, fing ich an zu lauschen, ja, weil ich hin und wieder verflucht unreif sein kann.« Sein Lächeln ist schief, und er massiert seinen Nacken. »Aber dann hörte ich wirklich zu, was du sagtest und … Verdammt, Bren, ich will das auch. Ich weiß, dass du mir nicht glaubst, aber ich habe es satt, von Partnerin zu Partnerin zu ziehen. Ich habe es satt, mich …« Er errötet heftig. »Einsam zu fühlen.«

Ich bin so schockiert, dass mir ein kleines Quieken über die Lippen kommt. Ich warte darauf, dass er loslacht, dass er sagt, dass er nur scherzt. Doch Rye erwidert meinen Blick, ohne zu wanken. Oh, er ist immer noch rot angelaufen und sein Daumen zuckt – ein verräterischer nervöser Tick, der meiner Angewohnheit ähnelt, mit meinem Pferdeschwanz zu spielen –, aber er lacht nicht.

Ich brauche eine gute stille Minute lang, um vollständig zu verarbeiten, dass Rye gerade zugegeben hat, dass er einsam ist. Er hat mir gegenüber nie auch nur einen Anflug von persönlicher Schwäche gezeigt. Und ich habe das auch nicht getan. Wenn wir uns gegenseitig unsere verletzlichen Bäuche zeigen, machen wir uns damit nur angreifbar für Sticheleien. So gehen wir eben miteinander um. Aber jetzt hat Rye einfach so die Regeln geändert. Ich weiß nicht, was ich tun soll.

Nachdem ich einen weiteren beruhigenden Schluck Wasser getrunken habe, stelle ich das Glas ab und versuche nachzudenken. »Okay, du willst mich also nicht auf den Arm nehmen und du verstehst, wie ich mich fühle. Aber, Rye, das Problem lösen zu wollen, indem du vorschlägst, dass wir beide …« Ich kann den Satz nicht mal beenden, ohne dass mir gleichzeitig zu heiß und zu kalt wird. »Das ist Wahnsinn. Eine totale Katastrophe, die nur darauf wartet, über uns hereinzubrechen.«

»Eine Katastrophe«, murmelt Rye vor sich hin.

»Komm schon«, beharre ich ein wenig panisch. »Wir sind wie … wie Orangensaft und Zahnpasta. Wenn man uns vermischt wird für uns beide nichts anderes als ein schlechter Geschmack im Mund zurückbleiben.«

Er senkt den Kopf und ballt die Hände auf der Theke zu Fäusten, was dazu führt, dass sich die Muskeln in seinen Armen anspannen. All diese wundervollen Muskeln, die sich unter dieser glatten tätowierten Haut bewegen. Mittlerweile bin ich Hunderten von Männern begegnet, und keiner von ihnen hatte Arme, die so perfekt geformt waren wie Ryes. Warum er? Warum zieht sein Körper meine Blicke auf sich und fesselt sie wie kein anderer?

Er bemerkt gar nicht, dass ich ihn angaffe. Als er den Kopf hebt, schaut er mich mit einem Blick an, in dem reine männliche Sturheit liegt. »Ja, okay, es könnte durchaus in einer Katastrophe enden.«

»Ich sagte, dass es das würde. Nicht dass es das könnte.« Denn das würde es definitiv. Warum reden wir überhaupt noch darüber? Je mehr wir reden, desto schwerer wird es, gewisse Bilder auf Abstand zu halten. Bilder, die ich nun schon seit einem Jahrzehnt in die dunkelsten Ecken meines Verstands verbannt habe. Ein Bild von Ryes nacktem Rücken, dessen glatte Haut und straffe Muskeln sich koordiniert bewegen, während er meinen Körper bearbeitet, blitzt in meinem Kopf auf, und ich atme keuchend aus. Nein.

Rye schürzt die Lippen. Für eine Sekunde frage ich mich, ob er mit dem Gedanken spielt, kehrtzumachen und zu gehen. Aber so viel Glück habe ich nicht. Stattdessen macht er einen Schritt um die Kücheninsel herum und streicht dabei mit seiner großen Hand über die Marmorplatte.

Mein Rücken verspannt sich, während ich mich dazu zwinge, reglos zu verharren. Ich weiß nicht, was seine blauen Augen sehen, aber er nähert sich mir vorsichtiger als üblich.

»Denkst du wirklich, dass ich dir wehtun würde, Beerchen?«

Beerchen. Ich erinnere mich noch an den Abend, an dem er mir diesen Spitznamen verpasste.

Ich wollte nie für Rye Peterson schwärmen. Wirklich nicht. Als mir Killian vor all diesen Jahren zum ersten Mal erlaubte, Zeit mit seinen neuen Bandkollegen zu verbringen, fand ich sie heiß. Wenn ich bei ihren Jamsessions dabei war, ging es mir weniger um die Musik – denn am Anfang waren sie nicht wirklich gut –, sondern eher darum, drei umwerfenden Typen (und meinem Cousin, von dem ich wusste, dass er heiß war, doch ich weigerte mich, so von ihm zu denken) zuzuschauen, die auf einer Bühne herumtanzten. Zu meiner jugendlichen Freude zogen sie dabei auch regelmäßig ihre Oberteile aus.

Auch wenn Whip und John, den die Welt schon bald nur noch als Jax kennen sollte, ein ziemlicher Augenschmaus waren, sorgte nur Rye – der große, ahnungslose Tölpel – dafür, dass sich in mir alles drehte und meine Haut brannte. Er war rein körperlich gesehen nicht der Schönste von ihnen. Diesen Titel gewann Scottie mit seinem schwarzen Haar, seinen perfekten Zügen und den eisblauen Augen. Was das Aussehen anging, belegte Whip den zweiten Platz. Allerdings war er in Bezug auf Persönlichkeit der klare Sieger, denn er war einfach nur süß.

Rye verfügte nicht über den offensichtlichsten Sex-Appeal. Das war Johns Rolle – und vermutlich auch Killians, aber darauf werde ich mich gar nicht erst einlassen. Doch Rye hatte etwas Urwüchsiges an sich. Während die anderen Jungs gertenschlank waren, war Rye wie ein Berg aus durchtrainierten, bulligen Muskeln. Die Art, wie er mit heißen, rhythmischen Schlägen seine Bassgitarre bearbeitete, war für mich reiner Sex. Nicht dass ich damals viel Erfahrung gehabt hätte, aber er ließ mich Dinge empfinden – heiße, verschwitzte, aufregende Dinge.

Abseits der Bühne sorgten Ryes niveauloser Humor und sein ungezwungenes Lächeln dafür, dass ich mich ganz entspannt verhalten konnte, was mir in der Gegenwart anderer Jungs bis dahin nie gelungen war. Er war und ist immer noch ein perfekter Charmeur. Für einen ungelenken, schüchternen Rotschopf mit vorstehenden Zähnen und Akne war es ein Traum, einen älteren Jungen zu kennen, der mich anlächelte, als stünde ich im Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit. Ich wusste, dass er das für jedes Mädchen tat. Aber bemerkt zu werden, fühlte sich gut an.

Nach jedem Auftritt kam Rye zu mir. Und er stellte mir immer die gleiche Frage: »Hat dich das umgehauen, Kleine?«

Kleine. Ich hasste diesen Spitznamen. Er gab mir das Gefühl, gerade mal zwölf Jahre alt zu sein.

Ich erwidere immer: »Ja, Mr Patschehand, es hat mich verdammt noch mal umgehauen.«

Rye schnaubte angesichts des Spitznamens, den ich ihm verpasst hatte. Aber er machte ihm nichts aus. Im Laufe der Jahre entwickelte er eine geniale Fingerfertigkeit, aber ganz am Anfang bestand seine Art, den Bass zu spielen, hauptsächlich darin, mit der Hand auf das Instrument zu patschen, und er wusste es. Außerdem zogen wir uns ständig gegenseitig auf. Das war eben unsere Art, miteinander umzugehen.

An meinem achtzehnten Geburtstag veranstalteten die Jungs eine Party für mich und spielten die ganze Nacht lang. Verschwitzt packte Rye seinen Bass weg und machte sich dann auf die Suche nach mir. Gott, ich tat mein Bestes, um nicht auf seine nackte Brust zu starren, aber es war ein Kampf. Wann immer er sich bewegte, spannten sich diese prachtvollen Muskeln an.

»Hat dich das umgehauen, Beerchen?«

Ich hätte das Wort beinahe gar nicht bemerkt, weil ich diese kleinen braunen, steifen Brustwarzen direkt vor meiner Nase hatte. Waren sie so empfindlich wie meine?

»Beerchen?« Endlich schaute ich auf und stellte fest, dass er schmunzelte.

»Du wirst rosarot wie eine Himbeere, wenn du errötest.«

Mein Glücksrausch verpuffte. »Auf die Makel einer Frau hinzuweisen, ist unhöflich.«

Um Ryes tief liegende Augen herum bildeten sich kleine Fältchen, und er zog die Augenbrauen auf diese für ihn typische Weise hoch, die ihn auf jungenhafte Art erfreut wirken ließ. »Zu erröten ist kein Makel. Es ist süß. Sexy.« Und dann errötete er. Ein zarter roter Hauch legte sich auf seine Wangen und auf die Wölbungen seiner Ohrmuscheln.

Und das war der Augenblick, in dem ich mich ernsthaft in Rye Peterson – den heißen, muskulösen, jungenhaften Mann, der ebenso leicht errötete wie ich – verliebte. Nicht dass er geblieben wäre, um mir die Gelegenheit zu geben, meine amateurhaften Flirtfähigkeiten noch ein wenig mehr zu trainieren. Nachdem er diese Bemerkung von sich gegeben hatte, verschwand Rye hastig und fing an, mir aus dem Weg zu gehen. Nein, es war sogar noch schlimmer: Schon bald machte er mir auf schmerzhafte Weise klar, dass er keinerlei Interesse an mir als Frau hatte und mich lediglich als Killians kleine Cousine betrachtete, die wie eine Klette an der Band hing.

Aber letztendlich war das nur gut so. Eine Schwärmerei war nicht so wichtig wie der Job – ein Job, in dem ich der Welt immer und immer wieder beweisen musste, dass ich am besten dafür geeignet war. Das tat ich, indem ich die glatte Fassade der absoluten Professionalität aufrechterhielt. Aber jetzt? Jetzt, da Rye mit diesem Ausdruck in den Augen vor mir steht? So als könnte er sich jeden Moment vorlehnen und eine kleine Kostprobe von mir nehmen? Sagen wir so: Meine sorgfältig errichtete Fassade droht, Risse zu bekommen.

Ich schlucke schwer. Er ist mir zu nah. Ich kann die Seife riechen, die er bevorzugt – Oud Wood von Tom Ford. Der Duft ist würzig und rauchig und verflucht köstlich. Scottie hat ihm die Seife irgendwann mal zu Weihnachten geschenkt, und seitdem ist er süchtig danach. Ich weiß zu viel über ihn. Ich weiß, dass er sich normalerweise alle zwei Tage rasiert, und zwar nicht, weil er es nicht öfter nötig hätte, sondern weil er faul ist und ihn die dichten Stoppeln, die seine Kieferpartie wie brauner Zucker bedecken, nicht stören. Ich weiß, dass er Garnelen hasst, aber Krebse und Hummer liebt. Er trinkt eiskalte Cola, aber nur vor fünfzehn Uhr, und Bier, wann immer es ihm jemand anbietet. Und ich weiß, dass ich mich von ihm fernhalten sollte.

»Ich glaube nicht, dass du mir absichtlich wehtun würdest«, sage ich und merke, wie ich schwach werde. Verdammt, seine Nähe bringt mich ganz durcheinander.

Er ist jetzt nur noch einen Schritt von mir entfernt. Nah genug, dass die Wärme seines Körpers gegen meine schlägt. Die schiere Körperlichkeit seiner großen, starken Gestalt sorgt dafür, dass mir ein wenig schwindelig wird. Und doch ragt er nicht bedrohlich über mir auf. Er ist einfach nur da, beobachtet mich und schätzt die Situation ein. »Die Möglichkeit, dass dir jemand unabsichtlich wehtut, besteht immer. Das ist kein ausreichender Grund, um sich zurückzuziehen. Ich hätte dich niemals für einen Feigling gehalten, Bren.«

Sofort nimmt mein Körper Haltung an. »Oh, auf gar keinen Fall, Rye. Diese Karte darfst du nicht ausspielen.« Er will etwas erwidern, aber ich walze seine Worte mit meinen platt. »Hast du in deinem Dickschädel auch nur irgendeine Ahnung, wie oft du schon über mein Sexleben hergezogen hast?«

Er zieht die Augenbrauen fast bis zum Haaransatz hoch. »Darüber hergezogen?«

»Ganz genau.« Ich fuchtele mit einem Finger in der Luft zwischen uns herum, um meinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen. »Immer wieder hast du abfällige Bemerkungen darüber gemacht, dass ich Sex habe, und darauf hingewiesen, wie oft ich ihn habe, wenn ich ihn habe.«

»Ich …« Sein Mund bewegt sich, aber es kommen keine Worte heraus, und ihm weicht sämtliche Farbe aus dem Gesicht.

»Du hast Sex wie eine Waffe gegen mich eingesetzt, und plötzlich bin ich der Feigling, weil ich keinen Sex mit dir haben will?« Ich lache humorlos. »Das schießt wirklich den Vogel ab. Wirklich.«

Ryes Haut hat mittlerweile die Farbe von verdorbener Milch angenommen. Er schluckt schwer. »Mist, Bren. Mir war nicht klar …«

»Wag es ja nicht zu sagen, dass du nicht wusstest, dass du diese Dinge gesagt hast.«

»Das werde ich nicht …« Er fährt sich hektisch mit der Hand durchs Haar. »Ich habe das nur nicht so gesehen. Ich habe dich auf den Arm genommen, genau wie ich es mit all den Jungs mache.«

Mein Schnauben ist lang und vielsagend.

»Das ist mein Ernst, Bren.« Ryes Miene ist offen und aufrichtig. »Wir nehmen uns doch alle ständig gegenseitig auf den Arm und werfen uns Dinge an den Kopf, von denen wir wissen, dass wir damit einen direkten Treffer landen. Genau wie du andeutest, dass ich dumm bin, weil du weißt, dass das für mich ein wunder Punkt ist.«