Ganz oben! - Dieter M. Hörner - E-Book

Ganz oben! E-Book

Dieter M. Hörner

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Beschreibung

"Ist es das wert? Muss ich wirklich da hoch? Das Wetter wird immer extremer, es entwickelt sich ein Schneesturm, jetzt abzubrechen bedeutet nicht zu versagen, sondern ist vernünftig. Komm, breche ab, das ist ok, die anderen haben das auch gemacht. Nein! Das ist zu schaffen, ich sehe schon die Gipfelfahnen..." Ein Erlebnisbericht über die Auffahrt auf über 5600 Meter. Die Geschichte erzählt über die Ängste, den Mut und die Hingabe zum Biken... 17 Biker fuhren los, die Kälte und Höhe forderte ihren Tribut. Zwei kamen oben an. Fast erfroren, aber motiviert und bereit ihr Motorrad auch wieder runter zu bringen. Nur wie?

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Seitenzahl: 41

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Impressum

Dies ist ein Auszug aus dem 2018 erschienenen Buch „Dreh den Schubkarren um!“

ISBN der kompletten gedruckten Ausgabe 978-3-00-059519-6

© 2019 des vorliegenden E-Books bei Dieter M. Hörner

Alle Rechte vorbehalten

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Autor freigegebenen Textes kommen.

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Autors wiedergegeben werden.

Alle Werke des Autors sind hier erhältlich

http://www.dietermhoerner.de

Den Autor und seine Seminaren persönlich kennenlernen

http://www.positiv-factory.de

Inhalt

Ganz oben – Teil 1

Aus und vorbei?

Ganz oben – Teil 2

Geht es noch weiter?

Ganz oben – Teil 3

Fucking crazy german guys

Ganz oben – Teil 4

Alles im Kasten?

Ganz oben – Teil 1

Aus und vorbei?

„Wir fahren heute durch eine Ebene, danach geht es über einen Fünftausender! Teilweise über Schotter, es wird einige Wasserdurchfahrten geben. Bitte achtet darauf, genügend Wasser zu trinken. Vier bis fünf Liter täglich sind das Minimum! Dann wird es nicht zur Höhenkrankheit kommen. Trinkt bitte keinen oder nur sehr wenig Alkohol. Heute Abend campen wir auf einer Höhe von ca. 4.000 Metern, morgen geht es weiter zum Kardung La. Das Wetter hält sich gut, doch es sind Stürme und Schnee angesagt. Bitte richtet euer Material heute Abend schon her, wir müssen morgen früh los. Ich kann nicht garantieren, dass der Pass offen ist. Alleine die Anfahrt wird anspruchsvoll, also achtet bitte darauf, dass es heute nicht zu spät wird. Und nochmals, nicht zu viel Alkohol, das verträgt sich nicht in dieser extremen Höhe!“

Unser sonst so lustiger, lockerer Guide ist bei dieser Ansprache klar und ernst.

Ich blicke zu meinem Freund Ralf. Dieser sitzt wie immer ruhig und tiefenentspannt, mit einem Gesichtsausdruck, der für andere immer gleich aussieht, auf seinem Moped. Es ist eine wunderschöne, extrem zuverlässige Royal Enfield. Ich kann seinen Gesichtsausdruck mittlerweile lesen. Es sind nur Nuancen, die sich mir über die vielen Jahre, in denen wir zusammen biken, erschlossen haben. Er spricht es nicht aus, denn er spricht sehr wenig, außer du beginnst ein Gespräch über Computer oder Software, dann spricht er sehr viel.

Sein Gesichtsausdruck sagt Folgendes: „Ok, morgen geht es also auf den höchsten befahrbaren Pass der Welt. Gut. Bin dabei. Wetter soll schlecht werden. Hmpfff. Was soll‘s. Nun sind wir schon über zwei Wochen unterwegs, da werden wir uns vom Wetter nicht aufhalten lassen. Los geht‘s!“

Genau Ralf, wir fahren da hoch. Sind ja nur ein bisschen über 5.600 Meter, ein Klacks, denke ich zurück.

Motorradfahren im Indischen Himalaja ist etwas Besonderes und Einmaliges. Enge, sehr enge Bergpfade, tiefe Schluchten, am Horizont die Siebentausender im Blickfeld. Eine enorme Weite, es riecht anders, das Essen ist speziell, die Menschen sind freundlich und die Luft sehr dünn.

Es ist der Tag vor dem absoluten Highlight dieser Tour. Die Auffahrt zum höchsten befahrbaren Pass der Welt. Das Wetter ist ideal, Sonnenschein und so warm, dass einige mit dem T-Shirt fahren. Nun, ich liebe meine Haut und meinen Körper, ich fahre auch bei großer Hitze mit der Jacke. Lieber ein bisschen schwitzen als sich vielleicht nach einem Sturz die Kieselsteine aus der Haut pulen zu müssen.

Wir fahren durch ein wunderschönes Tal. Gefühlt nehme ich auf dem gesamten Trip täglich ein Kilogramm Himalaja-Staub zu mir, denn wir fahren immer wieder Militärkolonnen hinterher. Überholen ist unmöglich und wenn, dann ist es lebensgefährlich. Das Militär findest du überall in dieser Gegend. Sobald wir uns einem größeren Militärstützpunkt nähern, werden die Straßen überraschend gut. Du kannst dir vorstellen, wie verblüfft ich war, als wir aus einem dieser Ziegenpfade auf einer Höhe von über 4.000 Metern um die Kurve biegen und plötzlich eine vierspurige, perfekt asphaltierte Straße vor uns liegt.

Wahnsinn, denke ich, wo kommt denn plötzlich diese Autobahn her? Liegt es am Luftmangel? Eine Sauerstoffmangel-Fata Morgana?

Da braust der Guide mit einem breiten Grinser an uns vorbei und ruft: „Vollgas, Jungs!“

Vollgas mit einer Royal Enfield, das ist ein Erlebnis! Mit atemberaubenden 90 km/h rasen wir über diese geniale Bahn. Das erste Mal in meinem Bikerleben darf ich wahrnehmen, wie der Motorradrahmen ganz harmonisch ins Schwingen kommt, sich bewegt. Ein irres Gefühl. Die Militärkolonne wird überholt, es geht nun hoch auf den nächsten Pass.

Kurz darauf ist es wieder vorbei mit dem schönen Asphalt, wieder ist eine Staubpiste angesagt. Und vor uns die nächsten Lastwagen. Toll, das nächste Kilogramm Dreck, ich brauche heute kein Mittagessen! Im Geiste höre ich Petras Stimme: „Das ist es doch, was du wolltest, oder?“

„Ja, ja, schon klar, ist ja auch geil!“, sage ich meiner Petra in Gedanken und muss daran denken, wie es ihr wohl im Moment ergeht. Tja, ich weiß genau, was sie gerade macht – auf den Malediven! Denn dort ist meine liebe Petra. Zusammen mit zwei unserer Kinder, Tashina und Marvin. Sonnen, tauchen, schnorcheln, an der Bar sitzen! Welch krasser Gegensatz zu dem, was hier gerade abgeht.