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Im charmanten Weinhaus in Irrel wird der edle Traubensaft zum Teil eines mörderischen Plans. Eine unbekannte Person hat eine Giftspritze in den Wein von Steuerberater Knut Knauser gemischt. Plötzlich ist jeder verdächtig: Alexa, die seine ewigen Nörgeleien nicht länger erträgt; die Wirtsleute Moni und Wolli Burger, die unter seinen fragwürdigen Steuertricks leiden; Sängerin Chantal Cantarini, die beruflich wie privat von ihm unter Druck gesetzt wird; Musiker Peter Klang, der von Knausers Sabotagen genug hat; Schornsteinfeger Karl Kehrer, dessen Leben durch Knausers Prüfungen gezeichnet ist, sowie Förster Waldemar, Bauunternehmer Manfred Maurer und Putzfrau Rebecca Reinig. Alle haben ein Motiv – doch wer war es wirklich? Ein raffinierter, humorvoller Kurzkrimi, bei dem niemand sicher ist, wer den »letzten Schluck« erwischt.
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Seitenzahl: 80
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Karin Melchert
Südeifel-Minikrimi
Impressum
Texte und cover: © 2025 Karin Melchert
Verantwortlich für den Inhalt: Karin Melchert, karinmelchert.com
Druck: epubli – ein Service der Neopubli GmbH, Berlin
Die in der Geschichte enthaltenen Personen sind frei erfunden, und mir sind auch keine vergleichbaren Ereignisse aus einem Weinhaus bekannt.
Im charmanten Weinhaus in Irrel wird der edle Traubensaft zum Teil eines mörderischen Plans. Eine unbekannte Person hat eine Giftspritze in den Wein von Steuerberater Knut Knauser gemischt. Plötzlich ist jeder verdächtig: Alexa, die seine ewigen Nörgeleien nicht länger erträgt; die Wirtsleute Moni und Wolli Burger, die unter seinen fragwürdigen Steuertricks leiden; Sängerin Chantal Cantarini, die beruflich wie privat von ihm unter Druck gesetzt wird; Musiker Peter Klang, der von Knausers Sabotagen genug hat; Schornsteinfeger Karl Kehrer, dessen Leben durch Knausers Prüfungen gezeichnet ist, sowie Förster Waldemar, Bauunternehmer Manfred Maurer und Putzfrau Rebecca Reinig. Alle haben ein Motiv – doch wer war es wirklich?
Ein raffinierter, humorvoller Kurzkrimi, bei dem niemand sicher ist, wer den »letzten Schluck« erwischt.
»Du hast es nicht anders verdient«, murmelte die Stimme an einem sommerlichen Donnerstag, als sich die Spitze der Injektionsnadel durch den Korken des Weines bohrte, den nur ein einziger Kunde im Weinhaus trank.
Er tat es regelmäßig.
Jeden Freitagabend.
Sein Name: Knut Knauser.
Das Weinhaus war früher mal ein Fotostudio – so ein richtig schönes, mit alten, vergilbten Fotos an der Wand, die Geschichten erzählten, die längst keiner mehr kannte. Es lag im malerischen, felsenumsäumten Luftkurörtchen Irrel, das so idyllisch wirkte, dass selbst die Mücken in Urlaub fuhren. Doch nach der Flutkatastrophe 2021, bei der das kleine Fotostudio zusammen mit vielen anderen Häusern in der Region zerstört wurde, war nichts mehr wie zuvor.
Das Fotografenehepaar Moni und Wolli Burger, das zu dem Zeitpunkt kurz vor der Rente stand, beschloss, einen Traum wahr zu machen. Sie renovierten das Gebäude und verwandelten es in das, was es heute war: ein kleines, gemütliches Weinhaus. Im ersten und zweiten Obergeschoss befanden sich die privaten Gemächer. Das gesamte Erdgeschoss diente nun als Gewerbefläche, während die oberen Etagen den privaten Räumlichkeiten vorbehalten waren. Es war gewiss kein leichtes Unterfangen gewesen. Keine Frage. Aber die Mühe hatte sich gelohnt. Der Laden mit seinen überschaubaren fünf Esstischen, zwei Stehtischen und einem kleinen Bistrotisch florierte und die lebenslustigen Eheleute bekamen, was sie sich immer gewünscht hatten – ein Stück Lebensqualität, das jetzt in jedem Glas Wein mitschwang. Und das, obwohl niemand die Burgherren des Weinhauses aus Irrel je gefragt hatte, ob sie dafür bereit waren, so ein Unternehmen zu führen – sie machten es einfach.
Es war einer dieser lauen Sommertage, in denen die Wolken ihre Reise durch den verregneten Sommer unterbrochen hatten, als Moni Burger den Schlüsselbund von der Kommode im Flur schnappte und ihrem Mann zurief: »Falls ich nicht rechtzeitig da bin, denk bitte dran, die Junckers haben reserviert. Stell das Schild auf den Tisch beim Fenster, bevor du das Weinhaus aufmachst. Du weißt, die Josiane hat immer gerne alles im Blick, was draußen vorgeht.«
»Logo!«, rief er aus dem Bad – die Rasierklinge in der Hand. »Hast du dein Handy dabei?«, fragte er routinemäßig, denn immer wenn sie wegfuhr, fiel ihm irgendetwas ein oder er brauchte ihren Rat. Und wenn es nur die Frage war, wo sie denn den Soßenbinder nach der Zubereitung der Sahne-Pudding-Creme für die Erdbeertorte versteckt hielt.
»Ja, habe ich!«
»Und wo fährst du nochmal hin?«
»Zum Friseur nach Bitburg. Hab ich dir doch erklärt. Es war der einzige Termin, der noch frei war, bevor meine Friseurin zwei Wochen in Urlaub fährt. Danach gehe ich noch schnell einkaufen. Ich habe die Butter für den Mürbeteig vergessen, den ich morgen vorbereiten will. Tschü-hüß.«
Kurz darauf fiel die Tür zum Hinterhof ins Schloss, wo Monis Wagen parkte.
Als Wolli mit dem Rasieren fertig war, eine frische Schürze aus dem Kleiderschrank genommen und umgebunden hatte, gab er Miss Marple, der treuen Retrieverdame, die Moni in der Regel auf Schritt und Tritt folgte, nun aber zurückbleiben musste, ein Leckerli und verließ ebenfalls die Wohnung. Er lief die Treppe hinunter und marschierte schnurstracks in die Gaststube. Dort stieß er Türen und Fenster weit auf – eine Frischluftoffensive gegen die geballte Erinnerung an den Vorabend: eine Mischung aus Bratendunst, Kerzenwachs und der unvermeidlichen Wolke aus Alkohol. Kurz gesagt, das Weinhaus roch nach einem Abend, der eindeutig die Polizeistunde überschritten hatte.
Während er die kleine Schiefertafel mit der Aufschrift ›Reserviert – außer du bist der Koch‹ auf den Tisch beim Fenster stellte, ließ ihn das Geräusch einer Tür, die leise geschlossen wurde, zusammenzucken. Es kam aus dem Flur. Miss Marple konnte es nicht sein. Erstens war sie oben, und sie gehörte nicht zu den Hunden, die in der Lage waren, Türklinken zu betätigen, und zweitens hatte Wolli die Wohnungstür abgesperrt und dabei den Schlüssel zweimal umgedreht, um sicherzugehen, dass sich keiner der Gäste später mit diebischen Absichten oder im Rausch in den Wohnbereich verirren konnte. Mucksmäuschenstill verharrte er auf der Stelle, hielt den Atem an und lauschte. Diesmal herrschte absolute Stille! Hatte er sich getäuscht? Nein, da war schon wieder etwas. War jemand in der Küche? Hatte sich jemand im Gäste-WC versteckt? Oder machte sich jemand an der Tür zum Hinterhof zu schaffen? Ein Einbrecher? Wer oder was auch immer es war, er musste etwas unternehmen. Er spähte durch die Tür der Gaststube und trat vorsichtig in den Flur. Niemand. Nur der Wischmopp in der Ecke, und der kam ihm gerade recht. Todesmutig packte er ihn und stürmte bis ans Ende des Flurs, wo er die Tür zum Hinterhof aufriss. Aber auch dort war keine Menschenseele zu sehen. Zurück im Flur lauschte er noch einmal. Da – ein leises, zögerndes »Hallo?«. Es klang mindestens genauso unsicher, wie er sich fühlte.
»Wer ist da?«, rief er Richtung Toilette, aus der es gekommen war.
»Hab´ ich dich erschreckt?«, fragte Chantal Cantarini und schloss die Tür des Gäste-WCs hinter sich. Sie war Sängerin und besaß einen Schlüssel zum Weinhaus, wo sie jederzeit proben durfte, solange keine Gäste da waren. Sie revanchierte sich dafür, indem sie ab und zu unentgeltlich im Weinhaus Konzerte gab.
»Allerdings«, erwiderte Wolli, dem man ansah, dass er nicht damit gerechnet hatte, sie hier und jetzt vorzufinden, da sie das Weinhaus freitags am liebsten mied (warum, war ihm nicht klar, aber er wollte nicht fragen, denn er befürchtete, er wollte den Grund nicht hören). Außerdem war Musikerkollege Peter Klang heute eingeteilt, um für Stimmung zu sorgen. Zwar besaß auch er einen Schlüssel (daneben gab es noch Ersatzschlüssel für Handwerker, die seit der Renovierung der Weinstube ein- und ausgingen, sowie einen Schlüssel für Alexa, die im Weinhaus aushalf, einen für die Putzfrau Rebecca Reinig und einen für die Getränkelieferanten), doch Peter benutzte ihn nur selten. Meistens kam er genau wie Chantal auf den letzten Drücker. Im Gegensatz zu ihm trudelte Chantal gerne mal unter Berücksichtigung der üblichen ›Luxemburger Viertelstunde‹ ein, wie es im Ländchen üblich ist. Mit anderen Worten, sie begann mit ihrer Präsentation eine Viertelstunde später als vorgesehen. Chantals Vorfahren hatten zu den Italienern gehört, die Anfang des 20. Jahrhunderts nach Luxemburg gekommen waren, um in der aufstrebenden Stahlindustrie in den Minen und Hüttenwerken im Süden des Landes zu arbeiten. Sie selbst lebte im Osten. In Echternach, um genau zu sein. Ein Katzensprung von Irrel, wenn auch einer mit Landesgrenze dazwischen. Daher kamen ihr die Möglichkeiten, die das Weinhaus ihr bot, gerade recht. Hier konnte sie, neben den Probearbeiten, auch ihre Bühnenpräsenz pflegen und neue Stücke vor einem teils dankbaren, aber auch teils kritischen Publikum ausprobieren, bevor sie diese auf großen Bühnen aufführte. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wie sie als Profi wusste.
Profi war sie seit mittlerweile zehn Jahren. Davor hatte sie brav in einem Immobilienbüro in Echternach gesessen und sich mit Kauf- und Mietverträgen statt mit Noten herumgeschlagen. Doch ihr Herz hatte von Anfang an nur für die Musik geschlagen. Schon als Kind hatte sie an der École de Musique de la Ville d’EchternachKlavier und Gesang gelernt. Später kamen noch Jazzharmonie und Improvisation dazu. Eine Ausbildung, die sich auszahlen sollte. Denn neben ihrem Job tingelte sie schon seit Jahren mit Jazz- und Unterhaltungsbands durch die Gegend, brachte das Publikum zum Singen und verdiente sich damit ein ordentliches Taschengeld. Während ihre Kollegen weiter mit Immobilien jonglierten, jonglierte sie immer häufiger Mikrofone und Songtexte. Irgendwann wurde aus dem Nebenverdienst eine echte Karriere.
»Was machst du denn heute hier?«, fragte Wolli, immer noch etwas überrascht.
»Ich habe ein paar neue Stücke einstudiert und die wollte ich ausprobieren, bevor ich heute Abend in Grevenmacher in einer Weinkellerei auftrete.«
Wolli musterte Chantal einen Moment lang, während er die Schürze fester zuband. »Neue Stücke, sagst du? Na, dann mal los«, sagte er mit einem Grinsen und trat zur Seite, um ihr Platz zu machen. Chantal zog ein iPad aus ihrer Tasche und legte es auf die Notenablage des Klaviers. Mit geübtem Griff öffnete sie die App mit den Texten und Akkorden und tippte ein paar Mal auf den Bildschirm.
