Garruja 2.0 - Thomas R. Koallick - E-Book

Garruja 2.0 E-Book

Thomas R. Koallick

0,0
5,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Eine Schicksalsgemeinschaft aus drei Garrujanern und einem Menschen versucht, die Gründe für die erstaunlichen Ähnlichkeiten zwischen den beiden Planeten Erde und Garruja zu erforschen. Dabei gerät ein Teil von ihnen in eine lebensbedrohliche Situation. Nur Spezialisten vom Planeten Garruja haben die technischen Möglichkeiten, sie zu retten. Oder vielleicht doch die kriegerische Spezies eines anderen Planeten? Aber kommt die Rettung auch rechtzeitig? Über allem schwebt aber die Ungewissheit und Frage, inwieweit die Vaddder aktuelle und vergangene Ereignisse beeinflusst haben und immer wieder manipulieren. Und vor allem, warum und mit welcher Absicht? Können sich die Garrujaner noch auf die Vaddder verlassen? Oder müssen die Garrujaner diesbezüglich umdenken?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 286

Veröffentlichungsjahr: 2021

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kapitel 1 – Die Sabotage

Kapitel 2 – Die Zwillinge

Kapitel 3 – Das Unglück

Kapitel 4 – Der Rettungsversuch

Kapitel 5 – Die Vaddder

Vorwort

Der Autor Thomas R. Koallick verpackt auch im zweiten Teil der Trilogie wieder philosophische Gedanken über den Sinn und Unsinn verschiedener menschlicher Eigenschaften in einem spannenden Science-Fiction Roman. Dies geschieht aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern stets mit subtilem Humor und mit einer Geschichte, die den Leser bis zum Ende fesselt.

Auch wer kein eingefleischter Fan der Science-Fiction Literatur ist, wird vom hintergründigen Schreibstil und den phantasievollen Beschreibungen begeistert sein. Letztendlich überrascht der Autor auch diesmal mit einfallsreichen Erklärungen für bisher ungelöste Rätsel in der Astronomie und den Naturwissenschaften. Der Leser fragt sich immer wieder, ist nicht vielleicht doch ein Fünkchen Wahrheit dabei?

Kapitel 1 – Die Sabotage

„Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.“

(Buddha, irdischer Philosoph und Glaubensgründer vermutlich 4.Jh v.Chr. irdische Zeitrechnung)

Fahid wachte langsam auf. Überall auf seinem Körper spürte er einen sanften Druck. Er öffnete seine Augen. Alles um ihn herum lag im Dunkeln. Wo war er? Erst nach und nach kam die Erinnerung an den letzten Tag und die Ereignisse der vergangenen Tage zurück.

Fahid versuchte sich aufzurichten. In diesem Augenblick wurde es hell. Aber es ging kein Licht an, wie er es gewohnt war. Nein. Schlagartig war die eine Wandseite des Raumes verschwunden und gab den Blick nach draußen frei. Fahid blickte auf die sonnenbestrahlte Eiswüste der Antarktis.

Mit einem Mal wusste Fahid wieder, wo er war. Er schwebte im Kraftfeld der Schlafeinheit, die sich in der getarnten Garrujanischen Forschungsstation auf dem antarktischen Kontinent befand.

„Bleibe gesund und glücklich. Wünsche wohl geruht zu haben,“ erklang auch sofort die Stimme der Zentralintelligenz (ZI) der Station. „Kann ich etwas für Dich tun?“

„Danke der Nachfrage. Ich habe – vermutlich dank Deiner Fürsorge – hervorragend geschlafen. Eventuell lag es aber auch nur an meiner Erschöpfung aufgrund der vergangenen aufregenden Ereignisse.“

Damit wanderten Fahids Gedanken zurück zu den Erlebnissen mit der Garrujanerin Cculler. Wie er sie nahe Petra das erste Mal gesehen und kennengelernt hatte. Wie sie gemeinsam vor Polizei und Militär geflohen waren. Seine Schussverletzungen. Dann die dramatische Rettung durch Xyllopph, eines der Geschwister von Cculler, und seiner Begleitung Vvlanzetti. Und schließlich die Ankunft in der antarktischen Station mit seiner Operation und Behandlung der Verletzungen.

Aber vor allem traten neben den Gedanken an die letzten Tage auch wieder die noch diffusen und für ihn selber noch verwirrenden Gefühle für Cculler in den Vordergrund. Konnte ein Mensch ein völlig andersartiges Lebewesen aus einer fremden und weit entfernten Galaxie lieben? Wie war so etwas möglich? Durfte er seinen Gefühlen trauen?

Aber jetzt galt es erst einmal an das Naheliegende zu denken.

„Kannst Du bitte dafür sorgen, dass das Kraftfeld der Schlafeinheit abgestellt wird und ich mich wieder frei bewegen kann. Und bitte, wo kann ich mich waschen?“ wandte sich Fahid an die ZI.

„Ich könnte das Kraftfeld natürlich abstellen. Dann würdest Du aber auf den Boden fallen. Das wollen wir vermutlich beide nicht. Ich kann aber dafür sorgen, dass Du am Boden abgesetzt wirst.“ Mit diesen Worten der ZI wurde Fahid aufgerichtet und sanft auf dem Boden abgesetzt. Sofort verschwand der angenehme Druck auf seiner Haut.

„Wenn Du in den Raum rechts von Dir gehst, kannst Du Dich vom Reinigungssystem behandeln lassen. Du musst nur sagen, was Du willst. Reinigung sanft oder stark, Massagefunktion, Hautregeneration. Zieh jedoch bitte vorher Deinen Schlafoverall aus.“

Fahid hatte die ZI in den letzten Tagen bereits immer wieder mit deren offensichtlich nicht immer ganz ernst gemeinten Anmerkungen erlebt. Insofern überraschten ihn die deutlich ironischen Bemerkungen absolut nicht mehr. Er fragte sich nur, welche Technik dahintersteckte. Denn mit irdischen Computern war die ZI auf keinen Fall zu vergleichen. Er hatte oft das Gefühl, dass er es hier mit einem geistig hoch entwickelten Lebewesen zu tun hatte und weniger mit einer künstlich erschaffenen Intelligenz. Aber wo verbarg sich das Gehirn oder die dazugehörigen Schaltkreise? Denn die ZI war offensichtlich überall vorhanden, ohne dass man erkennen konnte, woher sie genau zu einem sprach. Zumindest war er ihr dankbar, dass sie sich (ebenso wie in der Regel Cculler) auf Arabisch mit ihm verständigte. Auch wenn er von Cculler schon einiges an Garrujanischen Worten und Begriffen gelernt hatte, eine vollständige Verständigung auf Garrujanisch war ihm bisher absolut noch nicht möglich.

Die Gedanken, die ZI betreffend, stellte er erst einmal vorläufig zurück. Der Drang nach Reinigung und Frühstück war größer.

Er ging in den beschriebenen Raum, zog seine Kleidung aus und sprach einfach in den Raum: „Ich hätte gerne das normale Kurzprogramm für eine Ganzkörperreinigung.“

„Was verstehst Du unter Kurzprogramm?“ fragte die ZI nach. „Mit Trocknung und Hautpflege? Oder eventuell auch noch ein Schleuderprogramm?“ Fahids überaus konsternierten Gesichtsausdruck schien die ZI wahrgenommen zu haben, denn sie fuhr ohne Zögern fort: „Ich wollte nur einmal Dein verdutztes Gesicht sehen. Die Schnellreinigung bzw. das Kurzprogramm beginnt sofort.“

Fahid schaute noch ein wenig verdutzter drein. Es dauerte aber nur einen kurzen Augenblick und das Verdutztsein ging in ein überraschtes Erstaunen und wohliges Empfinden über. Denn das Waschprogramm hatte begonnen. Fahid wurde von einem Kraftfeld ein wenig in die Höhe gehoben. Kleine fliegende Kugeln mit vielen beweglichen Aufsätzen sprühten seinen Körper mit einer milchigen warmen Flüssigkeit immer wieder ein. Durch den wechselnden Sprühdruck und die Verteilung auf seinem Körper entstand offensichtlich die Reinigungswirkung.

Danach wurde sein Körper mit einer klaren Flüssigkeit abgespült. Er spürte einen kurzen Druck und etwas Kälte auf seiner Haut und schon war seine Haut wieder trocken.

Erstaunlich war für Fahid die Tatsache, dass bei der ganzen Reinigungsprozedur kein einziger Tropfen Flüssigkeit auf den Boden tropfte. Irgendeine Vorrichtung oder ein Kraftfeld fing wohl die Nässe, für ihn unsichtbar, auf und leitete sie wieder zurück.

Nach der Reinigung wurde er wieder auf dem warmen Fußboden abgesetzt. Fahid musterte die glatte Oberfläche des Bodens. Er konnte sich weder erklären, aus welchem Material der Boden bestand, noch wohin die Flüssigkeit gelangt sein könnte. Plötzlich ging auf einer Wandseite in der zuvor ebenfalls fugenlosen Oberfläche eine Öffnung auf. Darin lagen ein frischer Overall und Fußüberzüge. Fahid zog die enganliegende, aber durchaus sehr bequeme Kleidung an und begab sich in den Gemeinschaftsraum. Diesen hatte ihm am Abend zuvor Cculler bereits gezeigt.

Am Nahrungsautomaten angekommen fragte er die ZI: „Was kann ich als Frühstück bekommen?“ „Was Du willst.“ „Heißt das, egal was ich bestelle, könnt Ihr oder kannst Du es herstellen?“ „Grundsätzlich ja, sofern es sich um auf der Erde gewöhnlich verzehrte Gerichte handelt. Ich kann Dir theoretisch auch gegrillten Elefantenrüssel präsentieren. Zumindest würde die Speise genauso aussehen und schmecken. Allerdings benutzen wir keine echten Tiere und Pflanzen als Lebensmittelgrundlage. Alle Wesen, die in irgendeiner Form, sei es auch noch so gering, Intelligenz oder Vernunft besitzen – also auch Pflanzen – können wir nicht töten oder als Nahrung benutzen. Wir stellen die Nahrung synthetisch und molekülidentisch her.“ „Könnte ich dann etwas Rührei mit Chili, Kreuzkümmel und Paprika bekommen? Dazu ein Fladenbrot und Hummus? Und vielleicht etwas Wasser oder Orangensaft?“ Fahid war sich sicher, dass seine Essenswünsche auf keinen Fall erfüllt werden konnten. Er wollte die ZI nur etwas herausfordern und provozieren. Allerdings hatte er nicht mit der Antwort der ZI gerechnet. „Sehr wohl der Herr, wird sofort geliefert“, erklang die leicht spöttisch klingende Stimme der ZI.

Im selben Augenblick öffnete sich eine Klappe vor Fahid und die gewünschten Speisen inclusive einer Art Löffel mit Schneide standen vor ihm. Fahid, völlig überrascht und sprachlos, nahm sich das Tablett und wollte sich schon an den einzigen großen Tisch (kein Tisch im irdischen Sinn mit vier Beinen, sondern eine einfach im Raum schwebende große Platte) setzen, als Cculler den Raum betrat.

Fahid war von Ccullers Erscheinung völlig eingenommen und blickte sie nur mit großen Augen an. Die große, aufrechte Gestalt, der enganliegende und transparente, die Körperformen betonende Overall und das glänzende Fell, das durch die Sonne beschienen wurde (auch in diesem Raum waren zwei Wände so gestaltet, als wären sie nach außen hin offen), zogen Fahid völlig in ihren Bann.

Cculler bemerkte Fahids Reaktion auf ihr Erscheinen mit großer Freude, versuchte aber ihre eigenen Emotionen soweit wie möglich zu verbergen. Sie begrüßte ihn wie üblich mit: „Bleibe gesund und glücklich. Ich hoffe, Du hast gut geschlafen und es geht Dir gut. Wie ich sehe, hast Du Dich schon sehr gut bei uns zurechtgefunden. Fang schon mit dem Essen an. Ich setze mich gleich zu Dir.“

Ohne den Blick von Cculler zu wenden, näherte sich Fahid dem Tisch bzw. der Tischplatte.

Cculler sah dies aus den Augenwinkeln. “Schau nach vorne, stoß nicht an, lass nichts fallen,“ versuchte sie Fahid vor einem Missgeschick zu bewahren. Sie hätte sich allerdings mehr auf sich selbst konzentrieren sollen. Denn vor lauter Schauen zu Fahid hinüber, wäre sie beinahe gegen die Ausgabeöffnung des Nahrungsautomaten gestoßen. Nur der schnelle Aufbau eines Kraftfeldes durch die ZI bewahrte Cculler vor einem Aufprall. Kurz darauf saßen sich der Mensch Fahid mit seinem gewürzten Rührei, dem Hummus und dem Fladenbrot der Garrujanerin Cculler mit ihren Fruchteiweißkugeln gegenüber an dem Tisch. Wobei sitzen nicht die richtige Beschreibung gewesen wäre, da es keine Sitzgelegenheiten gab. Fahid hatte aber bereits gelernt, dass sich sofort ein stützendes Kraftfeld unter ihm aufbaute, sobald er Anstalten machte, sich hinzusetzen. Während somit beide in einer Art Sitzposition vor der Tischplatte schwebten und ihr jeweiliges Essen zu sich nahmen, blickten sie sich gegenseitig immer wieder lange in die Augen. Beide spürten eine tiefe innere Verbundenheit. Die ZI, als unablässiger und heimlicher Beobachter aller Vorgänge in der Station, war mit der Situation und dem Anblick zufrieden.

Zwischendurch schaute Fahid auch auf Ccullers Speisen. Sie sahen wie weiche farblose Kugeln aus.

„Was isst Du da?“ fragte er. „Willst Du einmal probieren?“ kam die Antwort. „Gerne, Du kannst aber auch von meinem Essen probieren.“

Jeder nahm vom anderen eine Kostprobe und versuchte herauszufinden, wonach es schmeckte. Fahid schmeckte kaum etwas. Vielleicht leicht süßlich. Ein wenig erinnerte ihn der Geschmack an eine Frucht, er wusste jedoch nicht an welche.

Auf der anderen Seite kam Fahids Essensprobe bei Cculler auch nicht so gut an. Allerdings mit deutlich gravierenderen Auswirkungen. Sie fing fürchterlich an zu husten und spuckte das Essen sofort wieder aus: „Was isst Du denn? Das ist doch viel zu scharf. So etwas kann doch gar nicht gesund sein.“

Fahid zeigte sich verwundert, aber auch besorgt über Ccullers Reaktion: „Bei dem Rührei handelt es sich um eine durchaus übliche arabische Speise. Leicht gewürzt mit Chili und Paprika.“ „Leicht gewürzt ist wohl etwas untertrieben. So scharfes Essen sind wir nicht gewohnt.“ „Tut mir leid, ich wollte Dich nicht vergiften. Aber woraus besteht denn Dein Essen? Die ZI hatte mir bereits gesagt, dass Ihr weder Pflanzen noch Tiere esst. Wovon ernährt Ihr Euch dann? Wir Menschen könnten ohne die Nährstoffe von Tieren und Pflanzen absolut nicht leben bzw. wären nicht leistungsfähig.“ „Der Mensch und der Garrujaner ähnelt sich überraschend in sehr vielen Bereichen, ebenso unsere jeweiligen Planeten. Warum dies so ist, versuchen unsere Wissenschaftler herauszufinden. Ein Ziel unserer Mission auf der Erde dient unter anderem auch dem Erforschen der Ursachen für diese Ähnlichkeit. Dies nur am Rande gesagt. Auch die Nährstoffe, die wir zu uns nehmen müssen, unterscheiden sich nicht unwesentlich von Eurigen.“

Fahid unterbrach: „Aber wenn unsere beiden Planeten ähnlich sind und Ihr ähnliche Nährstoffe zu Euch nehmen müsst, warum ähnelt sich dann nicht auch unsere Nahrung? Warum benötigt ihr keine tierischen Nahrungsbestandteile?“

„Weil wir das Glück gehabt haben, dass die Natur oder Evolution auf Garruja sich ein wenig anders entwickelt hat. Die Voraussetzungen auf der Erde und auf Garruja waren vermutlich zu Beginn der Entwicklung auf beiden Planeten recht ähnlich. Teilweise sind sie auf der Erde in kleinen Bereichen auch nach wie vor wie bei uns auf Garruja vorhanden.“

„Was habt Ihr anders als wir gemacht? Wie kam es zu der unterschiedlichen Entwicklung?“

„Genau wissen wir es nicht, noch nicht. Grundsätzlich scheint es aber die unterschiedliche Einstellung zum Leben zu sein. In weiten Teilen bei Euch auf der Erde existiert das Konkurrenzdenken. Nicht das Miteinander überwiegt, sondern das Gegeneinander.“

„Aber, dass der Stärkere sich durchsetzt und überlebt ist doch ein Naturprinzip. Dies ist doch überall in der Natur zu sehen.“

„Dies ist so nicht ganz richtig. Das Prinzip des Stärkeren ist, wie Du richtig sagst, ein Versuch der Natur bzw. der Evolution von vielen Versuchen. Auch auf der Erde gibt es Unmengen von anderen Formen des Zusammenlebens. Denke an die vielen Bereiche, in denen sich Pflanzen oder Tiere gegenseitig unterstützen und damit zum beiderseitigen Nutzen und Überleben beitragen. Ihr Menschen nennt solches Zusammenarbeiten Symbiose, wie zum Beispiel bei Pilzen. Denke auch an Früchte, die Nahrung für andere Tiere sind. Die Tiere transportieren dann im Verdauungstrakt die Samen der Früchte zu anderen Orten, an denen sich die Pflanzen wieder ansiedeln können. Denke an Bienen, die Honig herstellen. Sie bestäuben die Pflanzen und erhalten dafür Nahrung. Genauso nutzt es beiden Seiten, wenn sich Menschen und Bienen gegenseitig helfen. Der eine Teil, der Mensch, hat genügend Früchte, der andere Teil, das Volk der Bienen, hat eine gesicherte Unterkunft und Verpflegung. Oder denke an Bakterien, die Euer Essen erst genießbar machen. Ich kann nicht alle Formen des Zusammenlebens aufzählen, die auch auf der Erde nicht auf dem Prinzip des Stärkeren und des Gegeneinanders beruhen. Aber als letztes Beispiel will ich nur die Photosynthese der Pflanzen nennen, die dafür sorgt, dass genügend Sauerstoff für Mensch und Tier vorhanden ist. Ohne die Pflanzen wäre ein Leben weder auf der Erde noch auf Garruja möglich, zumindest nicht in der Form, wie wir es kennen. Und auch die Pflanzen profitieren auf der Gegenseite vom Kohlendioxid aus der Atemluft der Lebewesen.“

„Du hast recht, so habe ich uns und unsere Umwelt noch nie betrachtet.“

„Um aber wieder auf Deine ursprünglichen Fragen zurückzukommen. Wie gesagt, wir hatten Glück. Auf Garruja existiert größtenteils das Prinzip des Miteinander und Ergänzen in unserem Zusammenleben. Pflanzen leben in Symbiose zusammen. Tiere liefern mit ihren Ausscheidungen Nährstoffe für die Pflanzen. Diese locken die Tiere wiederum mit ihren Früchten an. Daneben sorgen Mikroorganismen auch wieder für ein vielfältiges Nahrungsangebot. Wir Garrujaner leben hauptsächlich von Früchten oder von Nahrung, die Bakterien aus vorher ungenießbaren Grundstoffen in für uns verwertbare Nahrung umgewandelt haben. Übrigens haben wir es gelernt, auch Mikroorganismen bei entsprechender Versorgung mit Nährstoffen zur Produktion von Baustoffen und chemischen Elementen anzuregen. Auch auf der Erde gäbe es entsprechende Möglichkeiten. Denke nur an Eure Korallen oder Termitenbauten. Wie Du siehst, ist das Zusammenleben auf Basis des Miteinanders auf Dauer wohl der bessere Weg als das dauernde Gegeneinander oder Bekriegen. Dadurch wird einfach immer wieder zu viel zerstört. Zu viele Ressourcen werden vernichtet und wichtige Entwicklungen verzögert oder verhindert.“

Fahid bekam bei Ccullers Ausführungen immer mehr ein schlechtes Gewissen. Immerhin fühlte er sich hier als Repräsentant der Menschheit. Und damit für ihr aller unbedachtes Verhalten mit verantwortlich.

Cculler spürte dies sofort: „Fühl Dich nicht für etwas schuldig, wofür Du nichts kannst. Ihr Menschen seid so, wie die Natur Euch geschaffen hat. Wichtig ist nur, bei Erkennen von Fehlern sein Verhalten zu ändern. Gelingt dies nicht und lebt man nur auf Kosten von anderen und der Umwelt, wird sich dies irgendwann rächen. Wir müssen uns stets vor Augen halten, die Natur oder Evolution hat uns erschaffen und nicht umgekehrt. Kehrt sich die Natur gegen uns, haben wir auf Dauer keine Chance zu überleben. Und übrigens, um Dich ein wenig wieder positiv aufzubauen: auch wir haben früher für unsere Wohnbauten und Straßen Natur und Pflanzen vernichtet. Inzwischen pflegen und bewahren wir jedoch unsere Mitbewohner auf unserem Planeten wo wir nur können.“

Fahid wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, da betraten Vvlanzetti und Xyllopph Hand in Hand den Raum. Beide strahlten eine tiefe innere Zufriedenheit aus. Mit der gemeinsamen und herzlichen Begrüßung: „Bleibt gesund und glücklich. Geht es Euch gut?“ unterbrachen sie seinen Versuch einer das menschliche Verhalten relativierenden Erwiderung.

Fast gleichzeitig erwiderten Cculler und Fahid die Begrüßung. Bevor die Vier sich jedoch noch weiter über ihr gegenseitiges Wohlergehen austauschen konnten, übernahm die ZI zum wiederholten Mal zum richtigen Zeitpunkt die Gesprächsführung: „Bleibt alle gesund und glücklich. Es ist schön, dass wir nun endlich komplett sind und mit der Arbeit beginnen können. Ich möchte Euch daran erinnern, dass Ihr nicht zum Spaß bzw. zur Erholung auf der Erde seid. Eure Aufgabe ist es, die Erdbewohner daran zu hindern, sich in der Galaxis auszubreiten und mit ihrem gewalttätigen und kriegerischen Verhalten den galaktischen Frieden zu gefährden. Zusätzlich gehört es zu Euren Pflichten, die Erde zu erforschen.“

Xyllopph versuchte, sein und Vvlanzettis spätes Auftauchen und nötiges Ausschlafen zu rechtfertigen: „Immerhin haben wir in den letzten Tagen doch durch unseren fast pausenlosen Einsatz gezeigt, dass wir unsere Pflichten durchaus ernstnehmen. Insofern halte ich Deine Vorwürfe für nicht gerechtfertigt. Außerdem sehe ich zurzeit keine konkrete Gefahr, die ein rasches Handeln erforderlich machen würde.“

„Dann solltest Du einmal die automatischen Beobachtungssysteme der Station auswerten. Sofort würdest Du erkennen, dass vielleicht doch ein wenig Gefahr in Verzug ist. Durch Ccullers ungeplanten Ausflug, verbunden mit der folgenden Rettungsaktion, haben wir viel an Zeit verloren.“ „Was ist passiert und was müssen wir tun?“ „Es muss heißen, was wird passieren! Morgen will nämlich die Europäische Raumfahrtagentur von ihrem Raumfahrtzentrum Kourou in Französisch Guayana einen Satelliten ins All schicken.“

Cculler erschrak: „Natürlich, das hätte ich doch fast vergessen. Die Europäer wollen erstmalig einen Photonenstrahlantrieb im All testen. Damit könnte man theoretisch annähernd Lichtgeschwindigkeit erreichen. Bei Gelingen und den Erkenntnissen aus dieser Mission wäre dies für die Menschen der Einstieg zur Erforschung von innergalaktischen Reisen. Die ZI hat absolut recht. Dies müssen wir auf jeden Fall verhindern.“

„Schön, dass wenigstens einer mich ernst nimmt,“ kam die schon gewohnt ironische Antwort der ZI. „Was wollt ihr unternehmen?“

Xyllopph: „Ganz einfach. Wir zerstören vor dem Start in dem Satelliten einige wesentlichen Bauteile. Dann kann der Satellit nicht erfolgreich sein.“

Diesmal widersprach überraschend nicht die ZI, sondern Vvlanzetti: „Lieber Xyllopph, Du hast recht. Das wäre am einfachsten, aber auf keinen Fall am nachhaltigsten, um unser Ziel einer dauerhaften Verhinderung dieser Technologie zu erreichen. Wir sollten diesen wissenschaftlichen Ansatz so sabotieren, dass die Menschen auf Dauer die Lust an dieser Technik verlieren.“

„Vvlanzetti hat vollkommen recht,“ übernahm Cculler die Gesprächsführung. „Ich hatte mir im Vorfeld auch bereits Gedanken dazu gemacht. Die Sabotage wird nicht so einfach zu bewerkstelligen sein. Wir müssen berücksichtigen, dass dieser Test des für die Menschheit neuartigen Antriebs sehr umfassend überwacht wird. Es werden viele optische Teleskope, sowohl von der irdischen Raumstation, als auch von der Erde aus, den für die Menschen wichtigen Versuch überwachen.“ Xyllopph versuchte es noch einmal, wieder vergeblich, mit einem Vorschlag etwas beizutragen: „Unsere Flugsphären verfügen doch über Tarnvorrichtungen, die eine Entdeckung im Bereich der kompletten elektromagnetischen Strahlung ausschließen.“

„Das ist richtig, löst aber nicht das Problem,“ erwiderte erneut Vvlanzetti. Dabei blickte sie Xyllopph mit ihren großen Augen liebevoll lächelnd an. „Die Wissenschaftler wollen sicherlich den gebündelten Lichtstrahl des für sie neuen Photonenstrahlantriebs beobachten und analysieren. Zumindest würden wir uns so verhalten. Ein technisches Problem in einem der schon vorher gebräuchlichen Bauteile, verursacht durch unsere Sabotage, würde nicht die Sinnhaftigkeit und den technischen Fortschritt des Photonenstrahlantriebs in Frage stellen. Außerdem könnte die Ursache des Fehlers sehr schnell durch entsprechend eingebaute Messsensoren gefunden und der Fehler bei zukünftigen Missionen vermieden werden. Nein, so geht es nicht. Meiner Meinung nach muss das Triebwerk völlig korrekt laufen. Die erhoffte Wirkung muss einfach nur ausbleiben. Wenn kein Fehler gefunden werden kann, die erhoffte und berechnete Wirkung aber nicht eintritt, wird dies zu heftigen Diskussionen unter den Wissenschaftlern führen. Da es auch Zweifler am Nutzen dieser Technologie gibt und die Kosten und der Aufwand für einen solchen Antrieb immens ist, müssen wir nur noch nach dem Scheitern des Tests die Gegenseite und deren Argumente dagegen stärken.“

Cculler bekräftigte: „Genau, dies waren auch meine Überlegungen. Ich bin vor meinem verunglückten Ausflug zu der gleichen Erkenntnis gekommen. Vvlanzetti trifft – wie die Menschen sagen würden - den Nagel präzise auf den Kopf. Für den Photonenantrieb wird Antimaterie benötigt. In der Forschungseinrichtung CERN, in der Schweiz, wird und wurde im Teilchenbeschleuniger die Antimaterie produziert. Dies verursacht und verursachte natürlich enorme Kosten. Zusätzlich blockierte die Herstellung der Antimaterie andere Forschungsgebiete. Die Wissenschaftler aus anderen Forschungsgebieten haben schon im Vorfeld dagegen protestiert. Kommt es bei dem Test also zu einem wissenschaftlich nicht erklärbaren Desaster, wäre durch den bereits vorhandenen und sich dann verstärkenden Gegendruck gegen diesen Antrieb dieser auf Dauer verhindert. Um diese Gegenreaktionen zu intensivieren, habe ich mit Hilfe der ZI bereits im irdischen Internet eine nicht nachverfolgbare Struktur eines künstlichen Trollsystems aufgebaut. Dieses wird dann nach dem Fehlschlag des Photonenstrahlantriebs unsere Ziele mit Hilfe von Desinformation massiv unterstützen. Da die meisten Menschen kaum über wissenschaftliche oder logische Denkstrukturen verfügen und hauptsächlich emotional beeinflussbar sind, sollte dieser Plan relativ einfach aufgehen.“

Vvlanzetti bekräftigte: „Hervorragend. Bleibt dann nur noch, den Test in unserem Sinne zu stören. Wie sehen Deine Überlegungen dazu aus?“ „Grundsätzlich muss der Test also völlig ohne Fehler und problemlos ablaufen. Dazu hat die ZI bereits mit Unterstützung einer getarnten Sonde die Technik des Satelliten komplett gecheckt und kleinere Fehler bereits behoben. Der Satellit wird also korrekt funktionieren. Das Triebwerk sollte fehlerlos zünden und der gebündelte Photonenstrahl für Schub sorgen. Und hier müssen wir eingreifen. Der Satellit darf sich trotz Vorwärtsschub nicht oder nur gering bewegen. Für die Menschen sollte dies auf jeden Fall völlig unerklärlich sein. Sie würden dann ihre Berechnungen in Frage stellen müssen.“

Xyllopph warf ein: „Dann ist es ja doch sehr einfach. Wir setzen uns mit unserer getarnten Flugsphäre vor den Satelliten und verhindern mit unserem Gegenschub die Bewegung.“

Cculler ergänzte: „Da die Beschleunigung durch einen Photonenantrieb im Gegensatz zu einem chemisch-physikalischen Feststoff- oder Flüssigkeitsantrieb eher gering ist und mehr auf einen lang angelegten und gleichmäßigen Schub und eine daraus resultierende langanhaltende Beschleunigungsphase ausgelegt ist, wäre Deine Überlegung durchaus zielführend. Vom Grundsatz sollten wir so vorgehen. Es ergibt sich nur ein großes Problem. Zwei Satelliten der USA und von Russland überwachen sehr genau den Test. Und beide besitzen Massedetektoren. Diese sollen Messungen durchführen, um Berechnungen in der Theorie des Wissenschaftlers Einstein zu überprüfen. Es soll gezeigt werden, dass die Gravitation der Erdmasse bzw. deren Raumkrümmung den gebündelten Photonenstrahl der Theorie entsprechend ablenkt. Die Detektoren der Satelliten wären deshalb vermutlich auch in der Lage, unsere Flugsphäre, auch trotz unserer Tarnung, aufgrund ihrer vorhandenen Masse unter Umständen erkennen zu können. Um eine Entdeckung absolut auszuschließen, darf sich die Flugsphäre somit nicht in unmittelbarer Nähe des Photonenstrahlsatelliten befinden.“

Endlich glaubte Xyllopph mit einem klugen Vorschlag etwas beitragen zu können: „Gut, dass Cculler und ich nach den aufregenden Abenteuern der vergangenen Tage gelernt haben, wie wir geistig Materie bewegen und beeinflussen können. Damit haben wir doch nun ganz andere Möglichkeiten. Die ZI müsste nur prüfen, ob der Körper eines Garrujaners von den Massedetektoren der Beobachtungssatelliten bemerkt werden kann.“

Die ZI bemerkte süffisant: „Schön, dass Ihr Jungchen endlich zu der Lösung gekommen seid, die ich bereits seit einigen Zeiteinheiten berechnet hatte. Der Körper bzw. die Masse eines Garrujaners liegt zwar auch nicht unterhalb des Schwellenwertes, bei dem die Satelliten Massen nachweisen können. Sofern sich ein Garrujaner aber weit außerhalb des Beobachtungswinkels der Satelliten befindet, kann er nach meinen Berechnungen nicht entdeckt werden. Insofern müsste entweder Cculler oder Xyllopph aus der Sphäre aussteigen, sich in die Nähe des Satelliten begeben – die genauen Koordinaten werde ich dann vor Ort Eurem Flugsystem übermitteln - und dafür sorgen, dass sich der Satellit trotz laufendem Triebwerk und deutlich erkennbar austretendem gebündelten elektromagnetischen Strahl nicht bewegt. Die Flugsphäre müsste sich unterdessen in sicherem Abstand aufhalten, um nicht entdeckt zu werden.“

Vvlanzetti entgegnete: „Es scheint Dir wohl große Freude zu bereiten, uns so zappeln zu lassen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Du nicht dazu da bist, uns zu helfen oder zu unterstützen, sondern uns zu ärgern. Warte nur ab, irgendwann kappe ich Deine Energieverbindungen.“ „Gut, dass Du nicht weißt, woher ich meine Energie beziehe.“

Vvlanzetti musste innerlich zugeben, sie hatte wirklich keinerlei Ahnung, woher die ZI ihre Energie bezog und wie sie genau funktionierte. Konnte das sein? Wieso wusste sie trotz ihrer umfassenden Ausbildung kaum etwas von der ZI? Ging dies nur ihr so? Jederzeit war die ZI präsent und ansprechbar, aber was ist die ZI genau? Und wieso hatte sie mit einem Mal das Gefühl, als wäre alles Wissen in Verbindung mit der ZI in ihrem Gehirn blockiert. Plötzlich fühlte sie sich mehr als unwohl.

Ihre Überlegungen wurden aber sofort von Cculler unterbrochen, Vvlanzettis Gedanken gleich wieder abgelenkt: „Gut, dann ist ja alles geklärt. So machen wir es. Ich hätte aber noch einen weiteren Vorschlag. Da wir uns zur Absicherung des Starts bereits im Norden des südamerikanischen Kontinents befinden, könnten wir doch nach Beendigung unserer hoffentlich erfolgreichen Sabotagemission ein wenig den übrigen Kontinent anschauen. Vielleicht können wir etwas Licht in das Dunkel bringen, wieso es zwischen uns und einer Lebensform auf der Erde, den Alpakas, diese Ähnlichkeiten gibt.“

Alle waren sich einig, so vorzugehen. Die Vorbereitungen wurden sofort in Angriff genommen. Während der ganzen Zeit saß Fahid etwas hilflos und sich fehl am Platz fühlend dabei. Cculler hatte ihm zwar schon einige Worte und Begriffe der Garrujanischen Sprache beigebracht. Aber er verstand nicht alles. Zumindest glaubte er aber, den Sinn doch irgendwie verstanden zu haben. Es ging wohl um Sabotage an einem irdischen Satelliten. Fahid fühlte sich absolut nicht wohl in seiner Haut. Auf der einen Seite verstand er die Beweggründe der Garrujaner. Auf der anderen Seite war er aber in erster Linie ein Mensch. Konnte und durfte er es zulassen, dass die Garrujaner den Menschen Schaden zufügten? Sollte er versuchen, dies zu verhindern? Aber wie? Fahid war innerlich hin- und hergerissen.

Während sich die Garrujaner und der Mensch sehr unterschiedliche Gedanken über ihre weitere Vorgehensweise machten und sich bereits teilweise sehr intensiv mit ausgeklügelten Plänen beschäftigten, konnten sie alle nicht ahnen, dass ihre Vorbereitungen und Pläne größtenteils völlig umsonst sein sollten. Wie hätten sie auch damit rechnen können, dass kleine Ereignisse an weit entfernten Orten einen gewaltigen Einfluss auf ihre zukünftigen Unternehmungen würden nehmen können.

Auf der Erde gab es für diese Entwicklungen Bezeichnungen, je nachdem, von wem sie gebraucht wurden. Religiöse Menschen umschrieben sie mit „der Mensch denkt, Gott lenkt“, Wissenschaftler kannten sie unter dem Begriff Chaostheorie und Garrujanische Wissenschaftler nannten solche Ereignisse unkalkulierbare Katastrophenentstehung. Letztendlich läuft alles auf das Gleiche hinaus: Irgendetwas geht immer schief.

Auf jeden Fall konnte niemand der kleinen Gruppe im mindesten voraussehen, wie Ereignisse einer verbotenerweise gerauchten Zigarette auf einer Ölplattform im Meer vor der Venezuelanischen Küste oder die Zerstörung eines Spionagesatelliten im All die zukünftigen Ereignisse so massiv beeinflussen würden. Allerdings war das Wort niemand vielleicht doch nicht so angebracht. Besonders im Hinblick darauf, dass zumindest bei der Zerstörung des Satelliten auch die Garrujaner maßgeblich beteiligt gewesen waren. Aber von alledem wussten sie in der derzeitigen Phase ihrer Überlegungen nichts.

Die Garrujaner waren somit in Unkenntnis der Ereignisse, die auf sie zukommen sollten, sehr zufrieden mit ihrer guten Planung und den dazugehörigen Vorbereitungen. Nur Fahid grübelte nach wie vor darüber nach, wie er sich zukünftig verhalten sollte.

Die ZI unterstützte, wie stets, mit ihrem gesamten Wissen ihre Jungchen, wobei nicht immer eindeutig klar war, ob sie nun Unterstützer, Antreiber, Beobachter im Hintergrund oder vielleicht doch auch etwas völlig anderes war.

So oder so, die Vorbereitungen wurden zügig abgeschlossen. Dann setzte man sich zusammen und ging die Vorgehensweise noch einmal Punkt für Punkt durch. Sie wollten von ihrer Station in der Antarktis den Südamerikanischen Kontinent nordwärts Richtung Kourou überqueren, wobei sie dem Gebirgszug der Anden größtenteils folgen wollten. Auf Garruja gab es kaum größere Berge. Deshalb war diese für sie unbekannte geologische Erscheinung sehenswert. Bei Kourou wollten sie dann in Position gehen, um den Start der Rakete mit dem Satelliten möglichst gut verfolgen und im Notfall eingreifen zu können.

Während sich die ZI um den Abschluss der technischen Vorbereitungen kümmerte, blickten die Vier noch einmal fasziniert ihre antarktische Umgebung an. Statt eines bei Eis und Schnee zu erwartenden einheitlichen Weiß tauchte das durch Nebelschwaden verursachte diffuse Licht die Landschaft in die unterschiedlichsten Grau-, Blau-, Weiß- und Brauntöne. Die Augen konnten sich an der Szenerie von wechselnden Farben, ungewöhnlichen Schattierungen und Beleuchtungen nicht sattsehen. Aber letztendlich mussten sie sich von diesem beeindruckenden Anblick losreißen. Immerhin galt es einmal wieder, die Galaxis zu retten. Zumindest glaubten die Garrujaner fest daran.

So gingen sie gemeinsam zur Halle mit den Flugsphären. Aus Sicherheitsgründen hatte man sich entschieden, die Mission mit zwei Sphären durchzuführen. Dies sollte sich noch im Nachhinein als richtige und vor allem existenzrettende Maßnahme herausstellen. Vvlanzetti und Xyllopph bestiegen die erste Sphäre, Cculler und Fahid die zweite.

Im Schutz der Tarnvorrichtung flogen sie zügig, aber jederzeit die Umgebung auf mögliche Gefahren absuchend, erst Richtung der Südspitze Südamerikas. Sie überquerten ohne Probleme die Drakestraße, dann den Beaglekanal und Feuerland. Danach hielten sie sich an der Westküste des Kontinents. Bald schon tauchten die Ausläufer des südlichen Teils der Kordilleren, die Anden, auf. Durch die transparente Kuppel ihrer Flugsphäre hatten sie alle einen überwältigenden Ausblick. Fahid hatte außer Jordanien und seiner Wohngegend um Petra herum noch nicht sehr viel auf der Welt mit eigenen Augen gesehen. Deshalb war er wie die drei Garrujaner von diesem gewaltigen Gebirgszug mit seinen schneebedeckten Berggipfeln und tiefen Tälern unbeschreiblich beeindruckt. Die noch tiefstehende Sonne, verbunden mit der damit einhergehenden Schattenbildung, verstärkte die Kontraste zwischen dunklen Tälern und den hell glitzernden Schneeflächen. Ohne voneinander zu wissen, teilten der Mensch und die Garrujaner beim Anblick dieser Naturschönheit die gleichen Gefühle. Wie schön war doch dieser Planet in weiten Teilen. Wie gewaltig jedoch auch die Kräfte des Planeten, die durch das Zusammenschieben der Kontinentalplatten solche Naturmonumente geschaffen hatten. Jedoch löste dieser Anblick auch bei allen Vier, unabhängig von ihrer Herkunft, Gefühle des Zorns und der Enttäuschung aus. Darüber, wie sehr der Mensch diese Welt bereits zerstört hatte, teilweise für immer zerstört.

Während jeder noch traurig seinen Gedanken nachhing, näherten sich die Flugsphären bereits dem nördlichen Ende des südamerikanischen Kontinents. Die ZI änderte nun die Richtung nach Osten. Die Berge wurden jetzt von einer dichten bewaldeten Vegetation abgelöst. Der tropische Regenwald breitete sich unter ihnen aus. Plötzlich meinten die Garrujaner, sie flögen über ihren Heimatplaneten. Sehr stark erinnerten sie diese Wälder doch an die Bäume und Pflanzen auf Garruja. Ein Gefühl mit der Erde verbunden zu sein überkam die Garrujaner, ein Gefühl, zuhause zu sein. Für einen kurzen Augenblick vergaßen sie ihre Aufgabe und wo sie waren.

Doch wie so oft gelang es der ZI, im richtigen bzw. falschen Augenblick die Gedankengänge zu unterbrechen. Manchmal konnte man die Vermutung haben, dass dahinter Absicht und Methode lag: „Wir nähern uns Kourou, dem Weltraumzentrum der Europäer. Die Umgebung rings um das Startgelände wird umfassend überwacht. Wir sollten also alle sehr aufpassen, nicht auf uns aufmerksam zu machen.“

Der Urwald unter ihnen hörte abrupt auf. Sie flogen nun über eine riesige gerodete Fläche. Große Gebäude wechselten sich mit technischen Bauten wie Antennen und Starteinrichtungen für Raketen ab.

„Ich schlage vor, wir überprüfen noch einmal die korrekte Funktionsfähigkeit des Satelliten und der Rakete. Zwei unserer Sonden werden dies übernehmen. Danach könnt Ihr Euch zur Küste begeben und die Nacht am Strand verbringen. Sicherheitshalber sollten wir uns aber nicht zu weit von hier entfernen, um bei eventuell auftretenden Schwierigkeiten sofort eingreifen zu können.“ Wie weise diese Entscheidung sein würde, sollte sich bald herausstellen.

Erst einmal waren alle einverstanden und so gingen die Sonden im Schutze ihrer Tarnvorrichtungen an die Arbeit. Schnell stellte sich heraus, dass alles in Ordnung war. So begaben sich die Garrujaner und Fahid an einen zwar in der Nähe gelegenen, aber doch etwas abgelegenen, unbewachten und nicht einsehbaren Strandabschnitt. Die Sonden übernahmen die weitere Überwachung der Rakete inclusive des Satelliten.

Im Gegensatz zu Garruja hatte das Meer an dieser Küste deutlich höhere Wellen und eine bemerkenswert starke Brandung. Vvlanzetti forderte deshalb Xyllopph auf: „Wollen wir nicht einmal das hiesige Meerwasser ausprobieren? Was hältst Du davon, wenn wir gemeinsam ins Wasser gehen?“ Dabei schaute sie Xyllopph mit einem derart aufreizenden Lächeln an, dass sein ganzer Körper kribbelte und sich ihm das Fell am Nacken aufstellte. „Gerne.“ Mehr fiel Xyllopph, ein wenig überrumpelt, nicht auf Vvlanzettis Vorschlag ein. Letztendlich war es ihm jedoch auch sehr recht, diese ungewohnte Erfahrung mit dem Element Wasser – und natürlich auch in Begleitung von Vvlanzetti - intensiv genießen zu können

Fahid wunderte sich, dass sie ihre Overalls nicht ablegten. Später erfuhr er, dass die Kleidung zwar die am Körper entstehende Feuchtigkeit durchließ und nach außen beförderte, sich also ähnlich wie eine semipermeable Membran verhielt, selbst aber absolut keine Feuchtigkeit aufnahm und immer trocken blieb. Der Zusatznutzen dieses besonderen Stoffs bestand darin, dass der Körper nach dem Verlassen des Wassers auch sofort wieder trocken war. Ein zusätzliches Abtrocknen war somit nicht mehr nötig. Eingearbeitete Mikroorganismen und weitere Spezialmaterialien regelten den optimalen Wärmeaustausch und Feuchtigkeitshaushalt der Haut.

Während sich also Xyllopph und Vvlanzetti im Wasser des irdischen Atlantiks vergnügten und wie kleine Garrujaner in den Wellen herumtollten, saßen Fahid und Cculler nebeneinander im Sand und genossen gemeinsam die Ruhe. Ab und zu konnten sie beobachten, wie Xyllopph, der nur seine Augen auf Vvlanzetti richtete, immer wieder von hohen Wellen überrascht und von den schäumenden Wassermassen überrollt wurde. Manchmal dauerte es schon eine sehr beunruhigend lange Zeit, bevor Xyllopph wieder, meist nach Luft schnappend, aus dem Wasser auftauchte.

Cculler betrachtete fasziniert und verwundert das Geschehen. Vvlanzetti und Xyllopph verhielten sich äußerst merkwürdig. Das gewöhnliche Zusammenleben von Garrujanern war geprägt von Disziplin. Garrujaner kannten zwar auch Gefühle, diese waren aber stets der Vernunft und dem Pflichtgefühl untergeordnet. Soziale dauerhafte Bindungen, die nur auf Emotionen beruhten, kannten Garrujaner nicht. Die jeweilige zugeordnete Aufgabe bestimmte das Leben untereinander. War die Aufgabe bzw. Arbeit abgeschlossen, trennten sich dann auch wieder die Wege der Beteiligten.

Doch bei Vvlanzetti und Xyllopph sah Cculler eine andere Entwicklung. Hier wurden offensichtlich sichtbar starke Gefühle füreinander immer stärker. Auch bei sich selbst hatte sie diese Veränderung bereits festgestellt. Ihre Gefühle, die sie für Fahid empfand, gingen in eine ähnliche Richtung. Diese Gefühle und Gedanken waren für Cculler absolut neu. Sie wollte für immer mit Fahid zusammen sein.

War dies eine erste Weiterentwicklung im Rahmen der Evolution? Oder nur ein begrenztes Auftreten innerhalb ihrer Familie? Dagegen sprach jedoch, dass auch Vvlanzetti betroffen war. War es vielleicht auch der Einfluss der Erde und ihrer Bewohner? Fragen über Fragen. Cculler nahm sich vor, ihre Beobachtungen bei nächster Gelegenheit, mit dem Obersten Rat auf Garruja zu besprechen.