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Die gastrointestinale Onkologie hat sich durch moderne Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten zu einem großen und klinisch wichtigen Schwerpunkt innerhalb der Gastroenterologie entwickelt.
Viele der in der Gastroenterologie behandelten Tumoren haben nicht zuletzt aufgrund ihrer Häufigkeit eine hohe Bedeutung im klinischen Alltag. Die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten der vielgestaltigen Krankheitsbilder haben in den letzten Jahren teils große Fortschritte gemacht. Eine besondere Bedeutung für die optimale Patientenversorgung hat ein gut abgestimmtes interdisziplinäres Vorgehen bei Diagnostik und Therapie.
Mit diesem Werk können Sie sich auf den aktuellsten Stand bringen und Ihr Wissen in der gastrointestinalen Onkologie vertiefen. Die Kapitel sind übersichtlich strukturiert und von Experten aus den verschiedenen für die Diagnose und Behandlung relevanten Fachgebieten geschrieben. Profitieren Sie von aktuellen und umfassenden Informationen zum gesamten Themenbereich der gastrointestinalen Onkologie!
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Seitenzahl: 1125
Veröffentlichungsjahr: 2018
Gastrointestinale Onkologie
Helmut Messmann, Andrea Tannapfel, Jens Werner
Martin Kurt Angele, Felix Braun, Dirk-André Clevert, Severin Daum, Alanna Ebigbo, Matthias Eck, Irene Esposito, Thomas Jens Ettrich, Samer Ezziddin, Wolfgang Fischbach, Alois Fürst, Matthias Anthuber, Jochen Gaedcke, Bernd Geißler, Michael Geißler, Christoph-Thomas Germer, B. Michael Ghadimi, Stefan Karl Gölder, Daniela Golger, Daniela Golger, Irmtraud Hainsch-Müller, Franziska Hartmann, Werner Hartwig, Beate Appenrodt, Matthias Hautmann, Dirk Hellwig, Peter Hohenberger, Harun Ilhan, Martin Janz, Markus Juchems, Wolfgang Kämmerer, Alexander Kleger, Oliver Kölbl, Harald Kramer, Christoph Auernhammer, Wolfgang Kratzer, Thomas J. Kröncke, MBA, Frank Kullmann, Yakup Kulu, Frank Lammert, Hauke Lang, Gudrun Liebig-Hörl, Bruno Märkl, Gunhild Mechtersheimer, Sören Torge Mees, Thomas Becker, Alexander Meier, Alexander Meier, Alexander G. Meining, Jens Mittler, Markus Möhler, Susanne Platter, Fabian Pohl, Rainer Porschen, Christian Peter Pox, Johann Pratschke, Andreas Probst, Ambros Beer, Ivonne Regel, Peter Reichardt, Christoph Röcken, Ulrich Ronellenfitsch, Jörg Schirra, Moritz Schmelzle, Christine Schmid-Tannwald, Andreas G. Schreyer, Thomas Seufferlein, Britta Siegmund, Hendrik Bläker, Christine Spitzweg, Michael Stahl, Georg Stüben, Johannes Stückle, Alexis Ulrich, Christian Vollmer, Jürgen Weitz, Martin Werner, Armin Wiegering, Stefan Böck, Florian Bösch
407 Abbildungen
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
gastrointestinale Tumorerkrankungen werden in den nächsten Jahren zunehmen, auch wenn präventive Maßnahmen wie z. B. die Vorsorgekoloskopie dazu beigetragen haben, die Mortalität des Dickdarmkrebses zu senken. Mit diesem Buch wenden sich die Herausgeber nicht nur an Gastroenterologen, Viszeralchirurgen und Onkologen, sondern auch an Kollegen wie Pathologen, Radiologen, Nuklearmediziner und Strahlentherapeuten. Sie alle sind in die Entscheidungsprozesse der Diagnostik und Therapie von gastrointestinalen Tumorerkrankungen maßgeblich eingebunden.
Jede Tumorerkrankung wird in ihrer Gesamtheit von der Epidemiologie über Risikofaktoren, Diagnostik bis hin zur interdisziplinären Therapie, sei es chirurgisch, endoskopisch oder in Form einer medikamentösen Tumortherapie bzw. Strahlentherapie, vorgestellt. Hinweise zu Nachsorgekonzepten, aber auch ein Ausblick in die Zukunft, werden von Experten präsentiert.
Wir hoffen mit diesem Werk – durch Berücksichtigung aktueller Leitlinien der DGVS und DGAV – für Sie ein Standardwerk für Ihre tägliche Praxis im Umgang mit gastrointestinalen Tumorerkrankungen verfasst zu haben.
All dies wäre nicht möglich gewesen, ohne die kompetente Unterstützung zahlreicher Autoren, die durch ihre exzellenten Beiträge mitgewirkt haben, dieses Werk binnen kurzer Zeit zu vollenden. Wir hoffen, dass es vielen Kolleginnen und Kollegen, die sich in der Weiterbildung zum Gastroenterologen, Viszeralchirurgen, aber auch in anderen Facharztdisziplinen befinden, eine wichtige Hilfestellung sein wird. Es soll aber auch für all diejenigen eine wertvolle Hilfe in ihrer klinischen Praxis sein, die sich immer wieder mit gastroenterologischen und onkologischen Fragestellungen konfrontiert sehen.
Zu guter Letzt wollen wir dem Thieme-Verlag für die großartige Unterstützung und Umsetzung unserer Idee, dieses Buch herausgeben zu dürfen, danken.
Ihre
Helmut Messmann
Andrea Tannapfel
Jens Werner
Augsburg, Bochum und München im Frühjahr 2018
Neue Entwicklungen und therapeutische Ansätze haben dem Bereich der Gastrointestinalen Onkologie in den letzten Jahren ein anderes Gesicht gegeben. Diese Innovationen bieten erfreulicherweise dem Patienten bessere Prognose und neue Perspektiven. Andererseits ist der betreuende Arzt vielmehr herausgefordert, in Anbetracht des immensen Informationsflusses bei jeder einzelnen Krebsentität im Bereich der Gastrointestinalen Onkologie „up to date“ zu bleiben.
Um dieser Herausforderung möglichst gerecht zu werden, haben die Herausgeber dieses Buches renommierte Experten, die z.T. auch bei der Erstellung der Leitlinien der gastrointestinalen Tumoren beteiligt waren, ins Boot geholt.
Den Herausgebern des Buches „Gastrointestinale Onkologie“ Helmut Messmann, Andrea Tannapfel und Jens Werner ist es nicht nur gelungen, eine umfassende Bestandsaufnahme der Diagnostik und der Therapien der einzelnen Krebsentitäten im Bereich des gastrointestinalen Traktes zu erstellen, sondern auch die aktuellen Entwicklungen bei den allgemeinen, organübergreifenden Themen wie z.B. „Supportive Therapie“ oder „Onkologische Probleme und Notfälle“ darzustellen. Durch die ausführliche Beschreibung des in der Onkologie aktuell dominanten Themas der Tumorimmunologie wird die Halbwertszeit der Aktualität des Buches deutlich verlängert.
Der interdisziplinäre Gedanke wird durch die Beiträge aus den Gebieten der Chirurgie, Strahlentherapie und Nuklearmedizin unterstützt.
Der einheitliche Aufbau der Beschreibung der einzelnen Tumorentitäten ermöglicht dem Leser rasche Orientierung innerhalb der umfassenden Information in einem zunehmend komplexer werdenden Bereich.
In meinen Augen stellt das Buch einen Wegweiser durch die moderne „Gastrointestinale Onkologie“ dar, der wenige Fragen unbeantwortet lässt.
Das Buch richtet sich v. a. an Fachärzte, die Patienten mit gastrointestinalen Tumoren mitbetreuen, ist aber auch Medizinstudenten und Ärzten in den ersten Ausbildungsjahren sehr zu empfehlen.
Bochum im Frühjahr 2018
Wolff Schmiegel
5-FU
5-Fluorouracil
5-HIES
5-Hydroxyindolessigsäure
5-HT3-Rezeptor-Antagonist
5-Hydroxytryptamin-3-Rezeptor-Antagonist
A.
Arteria
AC
Adenokarzinom
ADH
antidiuretisches Hormon
ADR
Adenom-Detektionsrate
AEG
Adenokarzinom des ösophagogastralen Übergangs
AFIP
Armed Forces Institute of Pathology
AFL
atypische flache Läsion(en)
AFP
Alphafetoprotein
AIH
Autoimmunhepatitis
AIN
anale intraepitheliale Neoplasie
AIO
Arbeitsgemeinschaft internistische Onkologie
AJCC
American Joint Committee on Cancer
ANE
Anorexie, Nausea, Emesis
APC
Argon-Plasma-Koagulation
Ara-C
Cytarabin
ASA
American Society of Anesthesiologists
ASCO
American Society of Clinical Oncology
ASS
Acetylsalicylsäure
ASV
ambulante spezialfachärztliche Versorgung
AUC
Area under the Curve
AWMF
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
AZ
Allgemeinzustand
BÄK
Bundesärztekammer
BAL
bronchoalveoläre Lavage
BCLC
Barcelona Clinic Liver Cancer
BDA
biliodigestive Anastomose
BIA
Bioimpedanzanalyse
BMI
Body Mass Index
Bq
Becquerel
BRCA-Gen
Breast Cancer-Gen
BSC
Best Supportive Care
bzgl.
bezüglich
CA 19–9
Carbohydrat-Antigen 19–9
CA 72–4
Carbohydrat-Antigen 72–4
cagA
Cytotoxin-associated Antigen A
CAP
Capecitabin
CASH
Chemotherapie-assoziierte Steatohepatitis
CCA, dCCA
Cholangiokarzinom, distales Cholangiokarzinom
CCC
cholangiozelluläres Karzinom
CD
Cluster of Differentiation
CDKN2A
Cyclin-dependent Kinase Inhibitor 2A
CEA
karzinoembryonales Antigen
ceCT
Contrast enhanced Computer Tomography, kontrastmittelunterstützte Computertomografie
ceEUS
Contrast enhanced Harmonic Endoscopic Ultrasonography, kontrastmittelunterstützte Endosonografie
ceUS
Contrast enhanced Ultrasonography, kontrastmittelunterstützte Ultraschalluntersuchung
CgA
Chromogranin A
CI
Konfidenzintervall
CIMP
CpG-Insel-Methylierung-Phänotyp
CISH
C
hromogen-in-situ-Hybridisierung
CLIP
Cancer of the Liver Italian Program
CLL
chronisch-lymphatische Leukämie
cm
Zentimeter
C
max
maximale Serumkonzentration
CME
komplette mesokolische Resektion
CNI
Calcineurininhibitor
COPD
chronisch obstruktive Lungenerkrankung
COX
Cyclooxygenase
CPN
Plexus-coeliacus-Neurolyse
CR
Complete Response, komplette Remission
CRC
zytoreduktive Chirurgie
CRCSC
Colorectal Cancer Subtyping Consortium
CRM
Circumferential Resection Margin
CRP
C-reaktives Protein
CT
Computertomografie
c-TACE
konventionelle transarterielle Chemoembolisation
CTC-AE
Common Terminology Criteria for Adverse Events
CTLA-4
Cytotoxic T-lymphocyte-associated Protein 4
CTx
Chemotherapie
CUP
Cancer (Carcinoma) of unknown Primary
CUPI
Chinese University Prognostic Index
CVD
Cardiovascular Diseases, kardiovaskuläre Erkrankungen
CVID
Common variable Immunodeficiency Disease
CYP
Cytochrome P450
DAA
Direct acting Antivirals
DEB-TACE
Drug-eluting Bead transarterielle Chemoembolisation
DFS
Disease free Survival
DGEM
Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin
DGVS
Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
DHC
Ductus hepatocholedochus
DHFR
Dihydrofolate Reductase
dl
Deziliter
DLBCL
Diffuse large B-Cell Lymphoma, diffus großzelliges B-Zell-Lymphom
DPD
Dihydropyrimidin-Dehydrogenase
DSO
Deutsche Stiftung Organtransplantation
DWI
Diffusion weighted Imaging, diffusionsgewichtete Bildgebung
EASL
European Association for the Study of the Liver
EATL
Enteropathie-assoziiertes T-Zell-Lymphom
ECF
Epirubicin, Cisplatin, 5-Fluorouracil
ECGO
Eastern Cooperative Oncology Group
ECGO-PS
Performance Status nach dem Index der Eastern Cooperative Oncology Group
ECL
Enterochromaffine-like Cells
EFS
Event free Survival
EFTR
Endoscopic Full Thickness Resection, endoskopische Vollwandresektion
EGF
Epidermal Growth Factor
EGFR
Epidermal Growth Factor Receptor
EIN
intraepitheliale Neoplasie
EMA
European Medicines Agency
E
max
maximale Energie
EMR, EMR-C, EMR-L
endoskopische Mukosaresektion, endoskopische Mukosaresektion in Kappentechnik, endoskopische Mukosaresektion nach Anlegen einer Gummibandligatur
EMT
epitheliale mesenchymale Transition
ENETS
European Neuroendocrine Tumor Society
EORTC
European Organisation for Research and Treatment of Cancer
ER
endoskopische Resektion
ERC
endoskopische retrograde Cholangiografie
ERCP
endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie
ESA
Erythropoese-stimulierende Agenzien
ESD
endoskopische Submukosadissektion
ESMO
European Society for Medical Oncology
ET
Eurotransplant
EUS
endoskopischer Ultraschall
FAP
familiäre adenomatöse Polyposis
FDG
18
F-Fluordesoxyglukose
FFCD
Fédération Francophone de Cancérologie Digestive
FISH
Fluoreszenz-in-situ-
Hybridisierung
FIT
fäkaler immunochemischer Test
FL
follikuläres Lymphom
FLC
fibrolamelläres Karzinom
FLOT
Docetaxel, 5-Fluorouracil, Leucovorin, Oxaliplatin
FLT
18
F-Fluorodesoxythymidin
FN
febrile Neutropenie
FNA
Feinnadelaspiration, Feinnadelbiopsie
FNP
Feinnadelpunktion
FOBT
fäkale okkulte Bluttestung
FUO
Fieber unklarer Genese (Fever of unknown Origin)
g
Gramm
G
Grad
G-BA
Gemeinsamer Bundesausschuss
GBC
Gallenblasenkarzinom
G-CSF
Granulocyte Colony-stimulating Factor, Granulozyten-stimulierender Wachstumsfaktor
GE
Gastroenterostomie
GEP
gastroenteropankreatisch
gFOBT
Guajak-Test zur fäkalen okkulten Bluttestung
GFR
glomeruläre Filtrationsrate
ggf.
gegebenenfalls
GH
Growth Hormone, Wachstumshormon
GI
gastrointestinal; genomischer Index
GIST
gastrointestinale Stromatumoren
GLUT1
Glukose-Transporter 1
GNAS
Guanine Nucleotide binding Protein (G Protein), Alpha stimulating Activity Polypeptide 1
GRF
Growth Hormone Releasing Factor
Gy
Gray
h
Stunde(n)
H. pylori
Helicobacter pylori
H1-/H2-Antagonist
Histamin-H1-/H2-Rezeptorantagonist
HAART
hochaktive antiretrovirale Therapie
HBc-Ag
Hepatitis-Core-Antigen
HBe-Ag
exkretorisches Hepatitis-B-Antigen
HBs-Ag
Hepatitis-B-Surface-Antigen
HCC
hepatozelluläres Karzinom
HE
Hämatoxylin & Eosin
HER
Human Epidermal Growth Factor Receptor
HGIEN
„High-Grade“ intraepitheliale Neoplasie
HIPEC
hypertherme intraperitoneale Chemotherapie
HNPCC
Hereditary non-polyposis colorectal Cancer, hereditäres nicht polypöses kolorektales Karzinom
HOPE
Symptomcheckliste der Hospiz- und Palliativ-Erfassung
HPF
High Power Fields
HPV
humanes Papilloma-Virus
HR
Hazard Ratio
HSIL
High Grade squamous intraepithelial Lesion
HU
Houndsfield Units
HVPG
Hepatic venous Pressure Gradient
HWZ
Halbwertszeit
i.d.R.
in der Regel
i.v.
intravenös
IASP
International Association for the Study of Pain
ICC
interstitielle Cajal-Zellen
iCCA
intrahepatisches Cholangiokarzinom
IFN
Interferon
iFOBT
immunologische Verfahren zur fäkalen okkulten Bluttestung
IGF
Insulin-like Growth Factor
IgG
Immunglobulin G
IGRT
Image guided Radiotherapy
IMRT
intensitätsmodulierte Radiotherapie
Ind.
Indikation(en)
inkl.
inklusive
INR
International normalized Ratio
IPCL
Intrapapillary capillary Loops
IPMN
intraduktale papilliär-muzinöse Neoplasie(n)
IPSID
Immunoproliferative Small Intestinal Disease
IRE
irreversible Elektroporation
IRS
Ischämie-/Reperfusionsschaden
ISH
In-situ-Hybridisierung
ITPN
intraduktale tubulo-papilläre Neoplasie(n)
ITT
Intention to treat
JIS
Japan Integrated Staging Score
JNET
Japan NBI Expert Team
KFRG
Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz
kg KG
Kilogramm Körpergewicht
kg
Kilogramm
KHK
koronare Herzkrankheit
KI
Kontraindikation(en)
KM
Kontrastmittel
KOF
Körperoberfläche
Komb.
Kombination
KRAS
v-Ki-ras2 Kirsten Rat Sarcoma Viral Oncogene Homolog
KRK
kolorektales Karzinom
l
Liter
LAPC
Locally advanced Pancreatic Cancer, lokal fortgeschrittenes Pankreaskarzinom
LDH
Laktatdehydrogenase
Lig.
Ligamentum
LIMAx
Maximum Liver Function Capacity
Li-RADS-System
Liver Imaging Reporting and Data System
LK
Lymphknoten
LNR
Lymphnode-Ratio
LOH
Loss of Heterozygosity
LST
Laterally spreading Tumor, LST-G: Granular Type, LST-NG: Non-granular Type
LTX
Lebertransplantation
M2-PK
M2-Pyruvatkinase
MAA
Microaggregated Albumin
mAbs
Monoclonal Antibodies, monoklonale Antikörper
MAK
monoklonale Antikörper
MALT
Mucosa associated Lymphoid Tissue
MANEC
Mixed adenoneuroendocrine Carcinoma, gemischtes adenoneuroendokrines Karzinom
MAP
MUYTH-assoziierte Polyposis
MAP(K)
Mitogen-activated Protein (Kinase)
max.
maximal
MCN
muzinös-zystische Neoplasie(n)
MD-CT
Multiple Detector Computed Tomography, Multidetektor- Reihen-Spiral-Computertomografie
MELD
Model of End Stage Liver Disease
MEN
multiple endokrine Neoplasie
MET
Hepatozyten-gerichteter Wachstumsfaktorrezeptor
Metast.
metastasiert
MeV
Megaelektronenvolt
mg
Milligramm
MGMT
O6-Methylguanine-DNA-Methyltransferase
mGPS
modifizierter Glasgow Prognose Score
MHC
Major Histocompatibility Complex
MIBG
Metaiodobenzylguanidin
min
Minute(n)
mind.
mindestens
MIO.
Million(en)
mm
Millimeter
MMR
Mismatch-Reparatur
mOS
medianes Gesamtüberleben (Overall Survival)
MPR
multiplanare Rekonstruktion
MRCP
Magnetresonanz-Cholangiopankreatikografie
MRSA
Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus
MRT
Magnetresonanztomografie
MSI
Mikrosatelliteninstabilität
mTOR
Mammalian Target of Rapamycin
MTX
Methotrexat
MUST
Malnutrition Universal Screening Tool
MV
Megavolt
MWA
Mikrowellenablation
MZBZL
Marginalzonen-B-Zell-Lymphom
N.
Nervus
NADEGE
Nationale Adenocarcinome intestin Grêle
NAFLD
nicht alkoholische Fettleber
NASH
nicht alkoholische Steatohepatitis
NBI
Narrow Band Imaging
NC
No Change
NCAM
Neural Cell Adhesion Molecule
NCCN
National Comprehensive Cancer Network
NC-HCC
Non-cirrhotic HCC, hepatozelluläres Karzinom in nicht zirrhotischer Leber
NCI
National Cancer Institute
NEC
neuroendokrine Karzinome
NEN
neuroendokrine Neoplasien
NEPA
Netupitant/Palonosetron-Fixkombination
NET
neuroendokrine Tumoren
NF-1
Neurofibromatose Typ 1
NGF
Nerve Growth Factor
NHL
Non-Hodgkin-Lymphom
NK1-Rezeptor-Antagonist
Neurokinin-1-Rezeptor-Antagonist
NMR
Nuclear magnetic Resonance, Kernspinresonanz
NRS
numerische Ratingsskala, Nutritional Risk Screening
NSAID
Non-steroidal anti-inflammatory Drugs
NSAR
nicht steroidale Antirheumatika
NSCLC
nicht kleinzelliges Bronchialkarzinom
NSE
neuronenspezifische Enolase
ÖGD
Ösophagogastroduodenoskopie
OLTX
orthotope Lebertransplantation
OPRT
Orotatphosphoribosyltransferase
OR
Odds Ratio
OS
Overall Survival, Gesamtüberleben
p.o.
peroral
PanIN
pankreatische intraepitheliale Neoplasie
PARP
Poly-(ADP-Ribose)-Polymerase
Pat.
Patienten
PBC
primär biliäre Zirrhose
PBM
pankreatikobiliäre Maljunction
pCCA
perihiläres Cholangiokarzinom
PcP
Pneumocystis-jerovecii-Pneumonie
pCR
pathologische komplette Remission
PCR
Polymerase Chain Reaction
PD
Progressive Disease
PD-1/PD-L1
Programmed Cell Death 1 Receptor/Ligand
PDAC
duktales Adenokarzinom des Pankreas
PDGFR
Platelet-derived Growth Factor Receptor
PDT
photodynamische Therapie
PE
Probeexzision
PEC
perkutane endoskopische Kolostomie
PEG-IFN
pegyliertes Interferon
PEG
perkutane endoskopische Gastrostomie
PEI
perkutane Ethanolinstillation
pEMR
Piecemeal-Resektion bei endoskopischer Mukosaresektion
PES
Postembolisationssysndrom
PET
Positronenemissionstomografie
PFS
progressionsfreies Überleben
P-gp
P-Glykoprotein
PlGF
Placental Growth Factor
PME
partielle mesorektale Exzision
pMRD
Probable Minimal Residual Disease
POS
Palliative Care Outcome Scale
PPI
Protonenpumpeninhibitor(en)
PPPD
Pyolorus preserving Pancreatoduodenectomy
PR
Partial Response
PRRT
Peptid-Rezeptor-Radionuklid-Therapie
PRSC
Prognosescore
PSC
primär sklerosierende Cholangitis
PTCD
perkutane transhepatische Choledochusdrainage
PTEN
Phosphatase and Tensin Homolog
PTH-rP
Parathormon related Protein
PTT
partielle Thromboplastinzeit
PVE
portalvenöse Embolisation
RANK
Receptor Activator of NF-κB-Ligand
RCC
Renal Cell Carcinoma, Nierenzellkarzinom
RE
Radioembolisation
RECIST, mRECIST
(modified) Response Evaluation Criteria in solide Tumors
RF
Raumforderung
RFA
Radiofrequenzablation
RFS
Recurrence-free Survival, rezidivfreies Überleben
RFTA
Radiofrequenzthermoablation
RILD
Radiation induced Liver Disease
RNF43
Ring Finger Protein 43
ROSE
Rapid-on-Site Evaluation
RR
relatives Risiko
rRD
Responding Residual Disease
RRPT
Radio-Rezeptor-Peptid-Therapie
RTK
Rezeptor-Tyrosinkinase
RTx
Radiotherapy, Strahlentherapie
s
Sekunde(n)
s.c.
subkutan
SAPV
spezialisierte ambulante Palliativversorgung
SCC
Squamous Cell Carcinoma
SCF
Stammzellfaktor
SCLC
Small Cell Lung Cancer, kleinzelliges Lungenkarzinom
SD
Stable Disease
SDH
Succinat-Dehydrogenase
SEMS
selbstexpandierender Metallstent
SIADH
Syndrom der inadäquaten Sekretion von antidiuretischem Hormon
SIR
standardisiertes Inzidenzverhältnis
SIRT
Selective internal Radiation Therapy, selektive interne Radionuklid-Therapie
SLiDe
„stage, liver damage and des-γ-carboxyprothrombin“
SMS
Somatostatin
SNRI
Serotonin Norepinephrine Reuptake Inhibitors
sog.
sogenannt
SOS
sinusoidales Obstruktionssyndrom
SPECT
Single Photon Emission Computed Tomography
SSA
Somatostatinanaloga
SSR
Somatostatinrezeptoren
SSRI
selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
STER
Submucosal tunneling endoscopic Resection
STIKO
Ständige Impfkommission
STZ
Streptozotocin
SUV
Standardized Uptake Value
Sv
Sievert
T
Tesla
TACE
transarterielle Chemoembolisation
TAE
transarterielle Embolisation
TARE
transarterielle Radioembolisation
TEM
Temozolomid
TGF
Transforming Growth Factor
TIL
tumorinfiltrierende Lymphozyten
TKI
Tyrosinkinase-Inhibitor
TME
totale mesorektale Exzision
TNCD
Thésaurus National de Cancérologie Digestive
Tox.
Toxizität
TPZ
Transplantationszentrum
TRALI
transfusionsassoziierte Lungeninsuffizienz
TRG
Tumorregressionsgrad
TTE
Total Energy Expenditure
TTP
Time to Progression
TTS
transdermales therapeutisches System
u.U.
unter Umständen
u.a.
unter anderem
UDCA
Ursodesoxycholsäure
UICC
Union Internationale Contre le Cancer
ULN
oberer Normwert (Upper Limit of Normal)
USPSTF
U.S. Preventive Services Task-Force
V.a.
Verdacht auf
v.a.
vor allem
V.
Vena
VCSS
Vena-cava-superior-Syndrom
VEGF
Vascular endothelial Growth Factor
VHL
Von-Hippel-Lindau(-Syndrom)
VIP
vasoaktives intestinales Peptid
VMAT
Volumetric modulated Arc Therapy
VOD
venöse okklusive Leberkrankheit
VRAM
vertikaler myokutaner Rectus-abdominis-Muskellappen
VRS
verbale Rating-Skala
vs.
versus
WDHA
Watery Diarrhea Hypokaliemia Achlorhydria Syndrom
WHO
World Health Organisation
wUAW
wichtige unerwünschte Arzneimittelwirkungen
z.B.
zum Beispiel
z.T.
zum Teil
Vorwort
Geleitwort
Abkürzungen
1 Allgemeiner Teil
1.1 Nomenklatur und Klassifikation
1.1.1 Allgemeines zur Nomenklatur und Klassifikation gastrointestinaler Neoplasien
1.1.2 Besonderheiten der Nomenklatur und Klassifikation gastrointestinaler Neoplasien
1.1.3 Neuerungen der TNM-Klassifikation
1.2 Molekularbiologische und genetische Grundlagen
1.2.1 Molekulare Mechanismen der Krebsentstehung
1.2.2 Charakteristika von Krebszellen
1.2.3 Molekularbiologie einzelner gastrointestinaler Tumoren
1.3 Tumorimmunologie
1.3.1 Checkpoint-Inhibitoren
1.3.2 Tumorvakzine
1.3.3 Zukünftige Strategien
1.4 Tumorprävention
1.4.1 Screening und Surveillance
1.4.2 Chemoprophylaxe
1.5 Prinzipien der radiologischen Diagnostik und Therapie
1.5.1 Radiologische Diagnostik
1.5.2 Radiologische Therapie
1.6 Internistische Tumortherapie
1.6.1 Definition, Nomenklatur, Klassifikationen
1.6.2 Palliativmedizinische Aspekte und Best Supportive Care
1.6.3 Grundlagen der medikamentösen Therapie
1.6.4 Klinisch eingesetzte Substanzen
1.6.5 Tumortherapiemonitoring
1.7 Prinzipien der chirurgischen Tumortherapie
1.7.1 Präoperative Phase
1.7.2 Operative Phase
1.7.3 Histopathologische Aufarbeitung des Operationspräparats
1.7.4 Postoperative Phase
1.7.5 Ausblick
1.8 Prinzipien der nuklearmedizinischen Diagnostik und Therapie
1.8.1 Einleitung
1.8.2 Grundlagen der Nuklearmedizin
1.8.3 Strahlenwirkung und Strahlenschutz
1.8.4 Nuklearmedizinische Untersuchungsverfahren
1.8.5 Nuklearmedizinische Therapieverfahren
1.9 Prinzipien der Radioonkologie
1.9.1 Strahlenphysikalische Grundlagen
1.9.2 Strahlenbiologische Grundlagen
1.9.3 Bestrahlungsplanung
1.9.4 Durchführung der Bestrahlung
1.10 Supportive Therapie
1.10.1 Antiemetische Therapie
1.10.2 Schmerztherapie
1.10.3 Behandlung maligner Ergüsse
1.10.4 Psychoonkologie
1.10.5 Ernährung bei Tumorpatienten
1.11 Onkologische Probleme und Notfälle
1.11.1 Zytostatika-Paravasate
1.11.2 Zytostatikatoxizität und Therapieanpassung
1.11.3 Ileus und Peritonealkarzinose
1.11.4 Vena-cava-superior-Syndrom
1.11.5 Tumorinduzierte Hyperkalzämie
1.11.6 Seltene Probleme und Notfälle
1.12 Literatur
2 Ösophaguskarzinom
2.1 Epidemiologie
2.2 Risikofaktoren und Risikogruppen
2.3 Prävention, Screening und Surveillance
2.3.1 Prävention
2.3.2 Screening
2.3.3 Surveillance
2.4 Histopathologie und Tumorbiologie
2.4.1 Plattenepithelkarzinome
2.4.2 Adenokarzinome
2.4.3 Neuroendokrine Karzinome
2.5 Klinik
2.6 Primärdiagnostik und Staging
2.6.1 Sonografie
2.6.2 Endoskopie
2.6.3 Endosonografie
2.6.4 Radiologie (CT/MRT)
2.6.5 Nuklearmedizin
2.7 Therapie
2.7.1 Endoskopische Therapie des Frühkarzinoms
2.7.2 Chirurgische Therapie des Ösophaguskarzinoms
2.7.3 Radiochemotherapie in kurativer Intention
2.7.4 Adjuvante/neoadjuvante medikamentöse Tumortherapie
2.7.5 Palliative medikamentöse Tumortherapie
2.7.6 Palliative endoskopische Therapie
2.8 Nachsorge
2.9 Ausblick
2.10 Literatur
3 Magenkarzinom
3.1 Epidemiologie
3.2 Risikofaktoren und Risikogruppen
3.2.1 Risikofaktoren
3.2.2 Risikogruppen
3.3 Prävention, Screening und Surveillance
3.3.1 Helicobacter-pylori-Eradikation und -Screening
3.3.2 Chemoprophylaxe
3.3.3 Screening und Surveillance
3.4 Histopathologie und Tumorbiologie
3.4.1 Histologie
3.4.2 Ätiopathogenese
3.4.3 Vorläuferläsionen
3.4.4 Vom Phänotyp zum Genotyp
3.4.5 TNM-Klassifikation
3.4.6 Prognosemarker
3.4.7 Regressionsgrading des Magenkarzinoms
3.4.8 Prädiktive Diagnostik beim Magenkarzinom
3.4.9 Neue Therapien
3.5 Klinik
3.6 Primärdiagnostik und Staging
3.6.1 Einleitung
3.6.2 Sonografie
3.6.3 Endoskopie
3.6.4 Endosonografie
3.6.5 Radiologie (CT/MRT)
3.6.6 Nuklearmedizin
3.7 Therapie
3.7.1 Endoskopische Therapie des Frühkarzinoms
3.7.2 Chirurgische Therapie
3.7.3 Adjuvante/neoadjuvante medikamentöse Tumortherapie
3.7.4 Palliative medikamentöse Tumortherapie
3.7.5 Stellenwert der Radiochemotherapie
3.7.6 Palliative endoskopische Therapie
3.8 Nachsorge
3.9 Ausblick
3.9.1 Risikofaktoren, Screening und Prävention
3.9.2 Endoskopie
3.9.3 Staging und Operationstechniken
3.9.4 Perioperative Chemotherapie und neoadjuvante Radiochemotherapie
3.9.5 Palliative Chemotherapie
3.10 Literatur
4 Hepatozelluläres Karzinom
4.1 Epidemiologie
4.1.1 Inzidenz
4.1.2 Geschlecht
4.1.3 Alter
4.1.4 Trends
4.2 Risikofaktoren
4.2.1 Chemische Karzinogene
4.2.2 Leberzirrhose
4.2.3 Risikofaktoren bei fehlender Leberzirrhose
4.3 Prävention, Risikogruppen, Screening und Surveillance
4.3.1 Prävention
4.3.2 Risikogruppen und Screening
4.4 Histopathologie und Tumorbiologie
4.4.1 Histopathologie
4.4.2 Molekularpathologie
4.5 Klinik
4.5.1 Symptomatik
4.5.2 Untersuchungsbefunde
4.6 Primärdiagnostik und Staging
4.6.1 Einleitung
4.6.2 Sonografie
4.6.3 Radiologie
4.6.4 Nuklearmedizin
4.7 Therapie
4.7.1 Einleitung
4.7.2 Chirurgische Therapie
4.7.3 Lebertransplantation
4.7.4 Lokal ablative Verfahren
4.7.5 Transarterielle Chemoembolisation und Radioembolisation
4.7.6 Medikamentöse Therapie
4.8 Nachsorge
4.9 Ausblick
4.10 Literatur
5 Gallenblasen- und Gallengangskarzinome
5.1 Epidemiologie
5.2 Risikofaktoren und Risikogruppen
5.3 Prävention, Screening und Surveillance
5.3.1 Bildgebung
5.3.2 Biomarker
5.3.3 Biliäre Zytologie
5.4 Histopathologie und Tumorbiologie
5.4.1 Einleitung
5.4.2 Histopathologie
5.4.3 Tumorbiologie
5.5 Klinik
5.6 Primärdiagnostik und Staging
5.6.1 Sonografie
5.6.2 Endoskopie
5.6.3 Endoskopischer Ultraschall
5.6.4 Radiologie
5.6.5 Nuklearmedizin
5.7 Therapie
5.7.1 Chirurgische Therapie
5.7.2 Adjuvante medikamentöse Tumortherapie
5.7.3 Palliative medikamentöse Tumortherapie
5.7.4 Radiotherapie
5.7.5 Palliative endoskopische Therapie
5.8 Nachsorge
5.9 Ausblick
5.10 Literatur
6 Pankreaskarzinom
6.1 Epidemiologie
6.2 Risikofaktoren und Risikogruppen
6.3 Prävention, Screening, Surveillance
6.4 Histopathologie und Tumorbiologie
6.4.1 Histopathologie
6.4.2 Tumorbiologie
6.5 Klinik
6.6 Primärdiagnostik und Staging
6.6.1 Sonografie
6.6.2 Endoskopischer Ultraschall
6.6.3 Radiologie
6.6.4 Nuklearmedizin
6.7 Therapie
6.7.1 Chirurgische Therapie
6.7.2 Adjuvante medikamentöse Tumortherapie
6.7.3 Palliative medikamentöse Tumortherapie
6.7.4 Stellenwert der Radiochemotherapie
6.7.5 Palliative endoskopische Therapie
6.8 Nachsorge
6.9 Ausblick
6.10 Literatur
7 Kolorektales Karzinom
7.1 Epidemiologie
7.2 Risikofaktoren und Risikogruppen
7.3 Prävention, Screening und Surveillance
7.3.1 Prävention
7.3.2 Screening
7.4 Histopathologie und Tumorbiologie
7.4.1 Karzinogenesewege
7.4.2 MAP-Kinase-Signalweg
7.4.3 Mikrosatellitenstatus und Mismatch-Reparatur-System
7.4.4 Keimbahnmutationen und CIMP
7.4.5 Familiäre kolorektale Präneoplasien und Karzinome
7.4.6 Molekulare Klassifikation
7.4.7 Histopathologie
7.5 Klinik
7.6 Primärdiagnostik und Staging
7.6.1 Endoskopie
7.6.2 Sonografie
7.6.3 Endosonografie
7.6.4 Radiologie
7.6.5 Nuklearmedizin
7.7 Therapie
7.7.1 Endoskopische Therapie von Frühkarzinomen und Polypen
7.7.2 Chirurgische Therapie
7.7.3 Adjuvante medikamentöse Tumortherapie
7.7.4 Medikamentöse Tumortherapie des metastasierten kolorektalen Karzinoms
7.7.5 Stellenwert der Radiochemotherapie
7.7.6 Palliative endoskopische Therapie
7.8 Nachsorge
7.9 Ausblick
7.10 Literatur
8 Analkarzinom
8.1 Epidemiologie
8.2 Risikofaktoren und Risikogruppen
8.3 Prävention, Screening und Surveillance
8.4 Histopathologie und Tumorbiologie
8.4.1 Karzinogenese
8.4.2 Bedeutung von HPV für die Tumorentstehung
8.4.3 Histopathologie des Analkarzinoms
8.5 Klinik
8.6 Primärdiagnostik und Staging
8.6.1 Sonografie
8.6.2 Endosonografie
8.6.3 Radiologie
8.6.4 Nuklearmedizin
8.7 Therapie
8.7.1 Chirurgische Therapie
8.7.2 Adjuvante medikamentöse Tumortherapie
8.7.3 Palliative medikamentöse Chemotherapie
8.7.4 Stellenwert der Radiochemotherapie
8.7.5 Palliative endoskopische Therapie
8.8 Nachsorge
8.9 Ausblick
8.10 Literatur
9 Magenlymphom
9.1 Epidemiologie
9.2 Risikofaktoren und Risikogruppen
9.3 Prävention, Screening und Surveillance
9.4 Histopathologie und Tumorbiologie
9.4.1 Tumorbiologie: Genese und Helicobacter pylori
9.4.2 Pathologie
9.4.3 Immunphänotyp
9.4.4 Diagnostische Schwierigkeiten
9.4.5 Histologie nach Helicobacter-pylori-Eradikation
9.5 Klinik
9.6 Primärdiagnostik und Staging
9.7 Therapie
9.7.1 Gastrale MALT-Lymphome
9.7.2 Diffuse großzellige B-Zell-Lymphome
9.7.3 Andere Lymphome
9.8 Nachsorge
9.9 Ausblick
9.10 Literatur
10 Intestinale Non-Hodgkin-Lymphome
10.1 Einleitung
10.2 Definition und Klassifikation
10.3 Epidemiologie
10.4 Klinik
10.5 Diagnostik
10.5.1 Einleitung
10.5.2 Differenzialdiagnose
10.5.3 Primärdiagnostik und Staging
10.6 Primär intestinale B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome
10.6.1 Immunoproliferative Small Intestinal Disease
10.6.2 Non-Hodgkin-Lymphom vom Marginalzonen-Typ
10.6.3 Follikuläre B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome
10.6.4 Mantelzell-Lymphome
10.6.5 Diffus großzellige B-Non-Hodgkin-Lymphome
10.6.6 Burkitt-Lymphom
10.6.7 Immunsuppression-assoziierte Non-Hodgkin-Lymphome
10.7 Primär intestinale T-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome
10.7.1 Refraktäre Zöliakie
10.7.2 Ulzerative Jejunitis
10.7.3 Enteropathie-assoziiertes T-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom
10.8 Risikofaktoren und Risikogruppen
10.8.1 Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Immunsuppression
10.8.2 Zöliakie
10.8.3 Immundefizienz-Syndrome
10.9 Prävention
10.10 Fazit
10.11 Literatur
11 Gastrointestinale Stromatumoren
11.1 Epidemiologie
11.2 Risikofaktoren und Risikogruppen
11.3 Prävention, Screening und Surveillance
11.4 Pathologie und Tumorbiologie
11.4.1 Pathologie
11.4.2 Tumorbiologie
11.5 Klinik
11.6 Primärdiagnostik und Staging
11.6.1 Sonografie
11.6.2 Endoskopie
11.6.3 Endosonografie
11.6.4 Radiologie
11.6.5 Nuklearmedizin
11.7 Therapie
11.7.1 Chirurgische Therapie
11.7.2 Medikamentöse Tumortherapie
11.7.3 Endoskopische Therapie
11.8 Nachsorge
11.9 Ausblick
11.10 Literatur
12 Neuroendokrine Tumoren und neuroendokrine Karzinome
12.1 Epidemiologie
12.2 Risikofaktoren und Risikogruppen
12.3 Prävention, Screening und Surveillance
12.4 Histopathologie und Tumorbiologie
12.4.1 Histopathologie neuroendokriner Neoplasien
12.4.2 Histopathologie gemischter adenoneuroendokriner Karzinome
12.4.3 Grading
12.4.4 TNM-Klassifikation neuroendokriner Neoplasien
12.4.5 Lokalisationsabhängige Besonderheiten
12.5 Klinik
12.5.1 Karzinoidsyndrom
12.5.2 Insulinom
12.5.3 Zollinger-Ellison-Syndrom
12.5.4 Glukagonom
12.5.5 Werner-Morrison-Syndrom
12.6 Primärdiagnostik und Staging
12.6.1 Sonografie
12.6.2 Endoskopie
12.6.3 Radiologie
12.6.4 Nuklearmedizin
12.7 Therapie
12.7.1 Medikamentöse Tumortherapie
12.7.2 Chirurgische Therapie
12.7.3 Endoskopische Therapie
12.7.4 Radiotherapie
12.8 Nachsorge
12.8.1 NET des Magens, Duodenums und Rektums
12.8.2 NET der Appendix G1
12.8.3 NET G1/G2 des Pankreas und des Jejunums/Ileums
12.8.4 NEC G3
12.9 Ausblick
12.10 Literatur
13 Dünndarmkarzinome
13.1 Epidemiologie
13.2 Risikofaktoren und Risikogruppen
13.2.1 Umweltfaktoren
13.2.2 Karzinogenese
13.2.3 Genetische Prädisposition
13.3 Prävention, Screening und Surveillance
13.4 Histopathologie und Tumorbiologie
13.4.1 Histopathologie
13.4.2 Tumorbiologie
13.5 Klinik
13.6 Primärdiagnostik und Staging
13.7 Therapie
13.7.1 Chirurgische Therapie
13.7.2 Medikamentöse Tumortherapie und Strahlentherapie
13.8 Ausblick
13.9 Literatur
14 Papillenkarzinome
14.1 Epidemiologie
14.2 Risikofaktoren und Risikogruppen
14.3 Histopathologie
14.3.1 Histopathologie und Tumorbiologie
14.4 Klinik
14.5 Primärdiagnostik und Staging
14.6 Therapie
14.6.1 Chirurgische Therapie
14.6.2 Medikamentöse Tumortherapie und Radiotherapie
14.7 Ausblick
14.8 Literatur
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum
Andrea Tannapfel und Franziska Hartmann
Die Klassifikation (Typing) eines Organtumors erfolgt anhand des histomorphologischen Vergleichs mit dem Normalgewebe und ordnet ihn einer histologischen Tumorentität zu. Die World Health Organisation (WHO) hat für jedes Organ(system) eine dezidierte histologische Klassifikation mit klaren Definitionen der einzelnen Entitäten festgelegt, die periodisch unter Berücksichtigung neuer Erkenntnisse aktualisiert wird ▶ [13]. Um eine auch internationale Vergleichbarkeit und Reproduzierbarkeit der Diagnose zu gewährleisten, sollte jeder Organtumor entsprechend der hier festgelegten Kriterien klassifiziert werden. Diese berücksichtigen neben der klassischen Histomorphologie auch immunhistochemische Expressionsmuster sowie bei manchen Entitäten spezifische molekularpathologische Alterationen. Mögliche Diskrepanzen können sich, insbesondere bei der Diagnosestellung an kleinen Tumorproben bzw. -biopsien, aus der Tumorheterogenität ergeben, wenn ein Tumor in unterschiedlichen Abschnitten ein anderes histologisches Bild aufweist.
Gastrointestinale Neoplasien gliedern sich in epitheliale Neoplasien, mesenchymale Neoplasien, Neoplasien des hämatopoetischen Systems (Leukämien, Lymphome), neuroendokrine Neoplasien, melanozytäre Neoplasien (malignes Melanom) sowie seltene Tumorentitäten wie embryonale Neoplasien (Blastome) und Keimzellneoplasien (Dottersacktumoren, Teratome). Dabei machen maligne epitheliale Tumoren (Karzinome) den Großteil der malignen gastrointestinalen Neoplasien aus und werden anhand des Ausgangsepithels (Adeno-, Plattenepithelkarzinom etc.) bzw. anhand der Beschreibung des Wachstumsmusters (z.B. papilläres Adenokarzinom) weiter unterteilt. Analog erfolgt die Benennung maligner mesenchymaler Neoplasien (Lipo-, Angiosarkom etc.).
Die Graduierung (Grading) eines malignen Tumors dient der Charakterisierung seines biologischen Verhaltens und ist für die Einschätzung der Prognose eines Patienten und seine weitere Behandlung von großer Bedeutung. Die Kriterien, anhand derer das Grading erfolgt, unterscheiden sich je nach Tumorentität und Organ(system). Wie bereits für das Tumortyping wurden auch für das Grading organsystem- und entitätsspezifische Richtlinien durch die Union Internationale Contre le Cancer (UICC) bzw. die WHO festgelegt, anhand derer eine Einteilung in die Kategorien „gut differenziert“ (G1), „mäßig bzw. mittelgradig differenziert“ (G2), „schlecht differenziert“ (G3) sowie „undifferenziert“ (G4) erfolgt. So geht beispielsweise bei kolorektalen Adenokarzinomen das Ausmaß der Drüsenbildung in die Graduierung ein, bei anderen Tumorentitäten wie gastrointestinalen Stromatumoren oder neuroendokrinen Neoplasien auch die Anzahl der Mitosen pro Gesichtsfeld bzw. die immunhistochemisch bestimmte Proliferationsrate. Bei Karzinomen ist es zudem oft üblich, die Kategorien G1 und G2 als „Low-Grade“ (niedriger Malignitätsgrad) sowie G3 und G4 als „High-Grade“ (hoher Malignitätsgrad) zusammenzufassen. „High-Grade“-Tumoren weisen in der Regel ein aggressiveres biologisches Verhalten wie beispielsweise ein schnelleres Wachstum auf und sind bei Erstdiagnose oft weiter fortgeschritten als „Low-Grade“-Tumoren.
Nach neoadjuvanter Therapie eines Karzinoms werden am endgültigen Tumorresektat die therapieinduzierten Veränderungen mit Hilfe eines Regressionsgradings abgebildet. Ein „normales“ histologisches Grading wie bei therapienaiven Tumoren wird hier nicht angegeben. Das Regressionsgrading beurteilt die histologische Tumorregression als Korrelat des Ansprechens auf die Behandlung. In Abhängigkeit vom histologischen Tumortyp und der Tumorlokalisation gibt es verschiedene Regressionsgrading-Systeme, sodass das jeweils verwendete System im histologischen Befund bzw. der Tumorklassifikation angegeben werden sollte ▶ [110].
Die Stadieneinteilung (Staging) beschreibt das Ausmaß der lokoregionären und systemischen Ausbreitung eines malignen Tumors zum Zeitpunkt der Erstdiagnose und ist zusammen mit Typing und Grading Voraussetzung für eine histologie- und stadiengerechte Behandlung der individuellen Tumorerkrankung eines Patienten.
Auf Basis der von der UICC erarbeiteten TNM-Klassifikation wird die Ausbreitung einer Tumorerkrankung allgemein anhand folgender Kriterien beschrieben :
T (Tumor): Die Tumorausdehnung am Entstehungsort.
N (Nodes): Das Fehlen oder das Vorliegen regionärer Lymphknotenmetastasen.
M (Metastases): Das Fehlen oder das Vorliegen von (Fern-)Metastasen.
Bei malignen gastrointestinalen Tumoren wird die T-Kategorie über die Tumorgröße oder die Tumorausdehnung (z.B. bei Hohlorganen Tiefe der Infiltration der Wandschichten, Infiltration umgebender Strukturen, Serosaperforation) bzw. die Anzahl der Tumorherde definiert. Liegen in einem anatomischen Bezirk eine definierte Anzahl oder multiple Primärtumoren vor, kann dies in einer Klammer hinter der T-Kategorie als diskrete Maßzahl oder durch den Buchstaben m (multipel) angefügt werden, z.B. pT2(2) oder pT2(m). Die Einordnung der T-Kategorie hat dann anhand des lokal am weitesten fortgeschrittenen Tumors zu erfolgen. Die N-Kategorie erfasst Metastasen in den regionären Lymphknoten. Dies sind die dem Organ oder Organabschnitt nächstgelegenen Lymphknoten, die bei einer onkologischen Resektion regelhaft mit entfernt werden. Welche Lymphknotenstationen als regionäre Lymphknoten für das betroffene Organ gewertet werden, ist ebenfalls Bestandteil der TNM-Klassifikation. Als Fernmetastasen werden in der M-Kategorie nicht regionäre Lymphknotenmetastasen, hämatogene Metastasen und Metastasen in seröse Höhlen (Peritoneal- und Pleurametastasen) erfasst und über definierte, in Klammern an die M-Kategorie angefügte Abkürzungen spezifiziert, z.B. M1(PER): peritoneale Metastasen. ▶ Tab. 1.1 zeigt beispielhaft die TNM-Klassifikation von Tumoren des Kolons und Rektums.
Tab. 1.1
TNM-Klassifikation von Tumoren des Kolons und Rektums
▶ [119]
.
Klassifikation
Tumorausdehnung, Lymphknotenbefall und Metastasierung
T: Primärtumor
T1
Tumor mit Infiltration der Submukosa
T2
Tumor mit Infiltration der Muscularis propria
T3
Tumor mit Infiltration der Subserosa oder des nicht peritonealisierten perikolischen/-rektalen Gewebes
T4
Tumor mit direkter Infiltration in andere Organe/Strukturen und/oder mit Perforation des viszeralen Peritoneums
T4a
Tumor mit Perforation des viszeralen Peritoneums
T4b
Tumor mit direkter Infiltration in andere Organe/Strukturen
N: Regionäre Lymphknoten
N0
keine regionären Lymphknotenmetastasen
N1
Metastase(n) in 1–3 regionären Lymphknoten
N1a
Metastase in einem regionären Lymphknoten
N1b
Metastasen in 2–3 regionären Lymphknoten
N1c
Tumorknötchen bzw. -satellit(en) im Fett-/Bindegewebe der Subserosa oder im nicht peritonealisierten perikolischen/perirektalen Fettgewebe ohne regionäre Lymphknotenmetastasen
N2
Metastasen in 4 oder mehr regionären Lymphknoten
N2a
Metastasen in 4–6 regionären Lymphknoten
N2b
Metastasen in 7 oder mehr regionären Lymphknoten
M: Fernmetastasen
M0
keine Fernmetastasen
M1
Fernmetastasen
M1a
Metastase(n), auf ein Organ beschränkt (Leber, Lunge, Ovar, nichtregionäre Lymphknoten), ohne Peritonealmetastasen
M1b
Metastasen in mehr als einem Organ
M1c
Metastasen im Peritoneum
Die Einteilung von gastrointestinalen Stromatumoren, neuroendokrinen Neoplasien, Sarkomen, Lymphomen sowie des malignen Melanoms im Kolon und Rektum erfolgt anhand der für diese Entitäten geltenden, eigenen Klassifikationen.
Die klinische Klassifikation (cTNM) wird anhand der vor der Behandlung erhobenen klinischen Untersuchungsbefunde (bildgebende Verfahren, Endoskopie) gebildet. Die pathologische Klassifikation (pTNM) beruht auf den makroskopischen und histologischen Befunden am endgültigen Tumorresektat. Weitere Tumormerkmale, die in der pTNM-Klassifikation erfasst werden, sind das Fehlen oder das Vorliegen einer Lymphgefäß- (L), Blutgefäß- (V) und Perineuralscheideninvasion (Pn). Zusätzliche Symbole werden der pTNM-Klassifikation als Präfix vorangestellt, um einen Zustand nach neoadjuvanter Therapie („y“) zu kennzeichnen, ein Tumorrezidiv nach krankheitsfreiem Intervall anzuzeigen („r“) oder darauf hinzuweisen, dass die Befunde im Rahmen einer Autopsie erhoben wurden („a“). Der C-Faktor (Certainty) kann hinter der TNM-Klassifikation angefügt werden, um die verwendeten diagnostischen Methoden und damit die Zuverlässigkeit und Sicherheit der Diagnose abzubilden. C1 zeigt die Verwendung allgemeiner (Inspektion, Palpation, Untersuchung), C2 spezieller (z.B. CT, ERCP) diagnostischer Verfahren an. Erfolgt eine chirurgische Exploration mit Biopsie, wird der erhobene Befund mit C3 klassifiziert. Pathohistologische Untersuchungsbefunde am Tumorresektat nach onkologisch-chirurgischer Behandlung werden mit C4 gekennzeichnet. Erfolgt die histopathologische Aufarbeitung und Diagnostik im Rahmen einer Autopsie, wird C5 verwendet.
Nach Vorgaben der UICC können TNM-Kategorien mit ähnlicher Prognose zusammengefasst und somit Tumorstadien definiert werden, die hinsichtlich ihrer Prognose vergleichbar sind. Diese UICC-Stadien sind für die einzelnen Organe und Tumorentitäten unterschiedlich. Sie werden mit römischen Ziffern bezeichnet und teilweise mit den Zusatzbezeichnungen „A“, „B“ und „C“ weiter unterteilt. ▶ Tab. 1.2 zeigt beispielhaft die UICC-Klassifikation von Tumoren des Kolons und Rektums. Bei Sarkomen geht zusätzlich der Differenzierungsgrad in die Stadieneinteilung ein. Die Einteilung von Lymphomen erfolgt nach dem Ausmaß und der Lokalisation des Lymphknoten- und Organbefalls; das Vorhandensein bestimmter klinischer Symptome (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust) wird zusätzlich bewertet.
Tab. 1.2
UICC-Klassifikation von Tumoren des Kolons und Rektums
▶ [119]
.
Stadium
T-Kategorie
N-Kategorie
M-Kategorie
I
T1, T2
N0
M0
II
IIA
IIB
IIC
T3, T4
T3
T4a
T4b
N0
N0
N0
N0
M0
M0
M0
M0
III
IIIA
IIIB
IIIC
jedes T
T1, T2
T1
T1, T2
T2, T3
T3, T4a
T3, T4a
T4a
T4b
N1, N2
N1
N2a
N2b
N2a
N1
N2b
N2a
N1, N2
M0
M0
M0
M0
M0
M0
M0
M0
M0
IV
IVA
IVB
IVC
jedes T
jedes T
jedes T
jedes T
jedes N
jedes N
jedes N
jedes N
M1
M1a
M1b
M1c
Die Stadieneinteilung von gastrointestinalen Stromatumoren, neuroendokrinen Neoplasien, Sarkomen, Lymphomen und des malignen Melanoms im Kolon und Rektum erfolgt anhand der für diese Entitäten geltenden, eigenen Klassifikationen.
Neben der WHO- und UICC-Klassifikation gibt es noch weitere Klassifikationssysteme maligner gastrointestinaler Neoplasien, die die im Rahmen der klinischen präoperativen Diagnostik erhobenen Befunde abbilden können (z.B. Klassifikation von Adenokarzinomen des ösophagogastralen Übergangs nach Siewert, Einteilung fortgeschrittener Magenkarzinomen nach Borrmann). Auch anhand spezifischer histologischer Kriterien, beispielsweise Grading und histologischer Typ sind weitere Klassifizierungssysteme für einzelne Organe etabliert (z.B. Laurén-Klassifikation der Magenkarzinome). Die DUKES-Klassifikation ist ein mittlerweile weitgehend durch die UICC-Klassifikation abgelöstes Klassifikationssystem kolorektaler Karzinome, das eine Gruppierung anhand des Ausmaßes der Wandinfiltration bzw. des Fehlens oder Vorliegens von Lymphknoten- oder Fernmetastasen vornimmt. Bei gastrointestinalen Stromatumoren existieren weitere therapeutisch relevante Klassifikationssysteme zur Abschätzung des Krankheitsprogressionsrisikos, in die neben der Tumorgröße und Mitosenzahl Parameter wie beispielsweise die Tumorlokalisation eingehen.
Vorläuferläsionen maligner epithelialer Neoplasien des Gastrointestinaltrakts werden in Abhängigkeit von der Lokalisation der Läsion mit den Begriffen der „intraepithelialen Neoplasie“ und der „Dysplasie“ beschrieben; problematisch ist, dass diese Termini von Pathologen in Nordamerika und Europa einerseits und Japan andererseits uneinheitlich verwendet werden. Die WHO definiert in der aktuellen Auflage die beiden Begriffe wie folgt:
Unter „intraepithelialer Neoplasie“ werden zytologische und architektonische Veränderungen des Epithels als Ausdruck verschiedener molekularer Alterationen verstanden, die im Verlauf zur Entwicklung einer invasiven Neoplasie führen können.
Der Terminus der „Dysplasie“ wird zur Beschreibung eindeutig neoplastischen Epithels innerhalb eines Epithelverbands ohne Hinweis für ein invasives Wachstum benutzt.
Eine Einigung auf eine eindeutige und konsistente Terminologie konnte bislang nicht erzielt werden. In der aktuellen WHO-Klassifikation wird allerdings der Begriff der intraepithelialen Neoplasie favorisiert. In manchen Fällen, insbesondere bei präneoplastischen Veränderungen im Rahmen chronisch-inflammatorischer Erkrankungen des Ösophagus, Magens und Kolons, kann auch der Terminus der Dysplasie verwendet werden. Der Begriff des „Carcinoma in situ“ für eine zytologisch und architektonisch maligne Läsion gastrointestinaler Schleimhäute, die noch kein invasives Wachstum zeigt, sollte nicht mehr benutzt werden. Es wird stattdessen die Verwendung des Begriffs der „hochgradigen intraepithelialen Neoplasie“ angeraten. Als „intramukosales Karzinom“ werden in den USA und Europa Neoplasien des Ösophagus bzw. ösophagogastralen Übergangs und des Magens bezeichnet, die histologisch Merkmale der Invasion aufweisen, jedoch auf die Schleimhaut begrenzt sind und nicht in tiefere Wandschichten infiltrieren. Ein Teil dieser Tumoren kann durch lokal ablative Verfahren kurativ behandelt werden ▶ [13].
In der aktuellen WHO-Klassifikation wurden die Nomenklatur, Klassifikation und das Grading neuroendokriner Neoplasien des Gastrointestinaltrakts – in Analogie zu den Bestrebungen in anderen Organsystemen – vereinheitlicht. In Abhängigkeit von Mitosenanzahl und/oder immunhistochemisch bestimmter Proliferationsaktivität erfolgt die Unterteilung in neuroendokrine Tumoren (NET, G1 oder G2) und neuroendokrine Karzinome (NEC, G3, klein- oder großzelliger Subtyp) und ersetzt damit die zuvor verwendeten Termini des gut differenzierten endokrinen Tumors bzw. Karzinoms und schlecht differenzierten endokrinen Karzinoms/kleinzelligen Karzinoms. Als Sonderform der neuroendokrinen Neoplasien existiert die Gruppe der gemischten adenoneuroendokrinen Karzinome (MANEC), für deren Diagnose eine epitheliale und neuroendokrine Differenzierungskomponente von mindestens 30 % gefordert wird, die separat graduiert werden ▶ [13]. Die Stadieneinteilung neuroendokriner Neoplasien erfolgt in Abhängigkeit von Tumorlokalisation und Grading üblicherweise anhand der TNM-Klassifikation, zudem gibt es die bezüglich der T-Kategorie teilweise geringfügig abweichende Klassifikation der European Neuroendocrine Tumor Society (ENETS) ▶ [89], ▶ [90].
Seit Beginn 2017 ist die 8. Auflage der TNM-Klassifikation maligner Tumoren gültig ▶ [119], ▶ [111].
Die Veränderungen betreffen den allgemeinen und auch speziellen Teil des TNM-Systems.
Bereits ab der 7. Auflage sollten die Kategorien „MX“ und „pMX“ nicht mehr verwendet werden, die Kategorie „pM0“ kann nur nach Obduktion von Tumorpatienten zur Anwendung kommen. Neu ist die Infiltration von Perineuralscheiden (Pn). Ihre Anwendung ist optional, sie gilt als zusätzlicher prognostischer Faktor.
Für alle Organtumoren sind jetzt sogenannte „UICC-Prognosefaktorgitter“ beschrieben worden, die als wichtige Parameter für Therapieentscheidungen gelten können. Die Prognosefaktoren werden als essentiell, zusätzlich, sowie neu und vielversprechend eingeordnet. Diese drei Kategorien werden getrennt nach „Tumor-bezogen“, „Wirt-bezogen“ und „Umwelt-bezogen“ angegeben.
Die TNM-Klassifikation der Ösophagustumoren der 7. Auflage veranlasste die UICC, ein modifiziertes Staging System in der 8. Auflage zu präsentieren. In dieses Staging System sind große Studien eingegangen. Die Erfassung der Tumorlokalisation wurde geändert. Ein Tumor, dessen Zentrum in einem Abstand von 2 cm (nicht wie früher 5 cm) vom ösophagogastralen Übergang liegt und in den Ösophagus hineinreicht, wird nach dem Schema der Ösophaguskarzinome klassifiziert. Tumoren, die den ösophagogastralen Übergang einbeziehen und deren Zentrum innerhalb der proximalen 2 cm der Kardia liegt (Siewerttypen 1 und 2), werden jetzt nach dem Schema für Ösophaguskarzinome klassifiziert. Tumoren, deren Zentrum mehr als 2 cm vom ösophagogastralen Übergang entfernt sind, sich nach distal ausbreiten, werden nach dem Schema für Magenkarzinome klassifiziert, auch dann, wenn der ösophagogastrale Übergang einbezogen ist.
Der ösophagogastrale Übergang wird mit der Lokalisation 16.0 klassifiziert. Für Plattenepithelkarzinome und Adenokarzinome wurden separate prognostische Gitter eingegeben.
Die TNM-Kategorisierung für Magen ist unverändert, auch hier wurde eine Prognosefaktorgitter-Einteilung vorgeschlagen.
Kleinere Modifikationen für Adenokarzinome des Dünndarms betreffen die regionären Lymphknoten und eine leicht modifizierte T4-Kategorie mit Perforation des viszeralen Peritoneums (Serosa) oder direkter Infiltration in andere Organe oder Strukturen, die andere Dünndarmschlingen, das Mesenterium oder Retroperitoneum oder die Bauchwand auf dem Weg über die Serosa mit einschließen. Beim Dünndarmkarzinom mit Primärlokalisation Duodenum gilt die Infiltration des Pankreas als T4-Kategorie.
Appendixkarzinome erhalten eine eigene TNM-Klassifikation, neuroendokrine Tumoren werden hier in einem gesonderten Kapitel abgehandelt, Becherzellkarzinoide (Goblet-Zell-Karzinoid) werden wie Karzinome klassifiziert.
Eine Besonderheit ist, dass niedriggradige muzinöse Neoplasien der Appendix (LAMN) mit Beteiligung der Subserosa oder der peritonealen viszeralen Oberfläche als T3, bzw. T4a klassifiziert werden sollen.
Die TNM-Klassifikation kolorektaler Karzinome ist gering relevant dahingehend geändert worden, als dass die Definition sogenannter Satellitenknötchen präzisiert wurde. Die M-Kategorie (Fernmetasen) hat sich geändert: M1a-Metastasen beschränken sich auf ein Organ (Leber oder Lunge oder Ovar, oder nicht regionäre Lymphknoten), ausgenommen Peritonealmetastasen. M1b-Metastasen befinden sich in mehr als einem Organ. M1c-Metastasen liegen dann vor, wenn das Peritoneum betroffen ist, unabhängig davon, ob Metastasen in anderen Organen vorliegen.
Analkanal und perianale Haut wurden definiert. Der Analkanal erstreckt sich vom Rektum bis zur perianalen Haut (Übergang zur Haare-tragenden Haut) und ist mit der Schleimhaut über dem Musculus sphincter internus einschließlich Übergangsepithel und Linea dentata ausgekleidet. Tumoren des Analrandes und der perianalen Haut innerhalb von 5 cm vom Analrand werden als Karzinome des Analkanals klassifiziert. Regionäre Lymphknotenmetastasen wurden definiert.
Für hepatozelluläre Karzinome (HCC) und intrahepatische Cholangiokarzinome (ICC) werden separate TNM-Klassifikationen empfohlen.
Eine Tumorklassifikation für Adenokarzinome der perihilären Gallengänge wird erstmalig eingeführt – hiervon ist die Klassifikation von Adenokarzionomen des distalen Gallengangs zu trennen. Auch unterscheidet sich die Klassifikation der regionären Lymphknoten.
Eine neue Klassifikation hinsichtlich der T-Kategorie wurde für Adenokarzinome der Ampulla vateri vorgeschlagen.
Die T-Kategorien für Pankreaskarzinome wurden geändert: Sie werden aktuell nach Tumorgröße und nicht mehr (nur) nach Invasionsausmaß definiert.
Gut differenzierte neuroendokrine Tumoren des Gastrointestinaltrakts, einschließlich Pankreas, wurden definiert und mit einer TNM-Klassifikation versehen, die lediglich für gut differenzierte (G1 und G2) neuroendokrine Tumoren gilt. Schlecht differenzierte neuroendokrine Karzinome werden analog der Kriterien für Adenokarzinome der jeweiligen Lokalisation klassifiziert.
Michael Geißler
Es existiert ein breiter wissenschaftlicher Konsensus darüber, dass Krebs eine genetische Erkrankung ist und die Akkumulation von molekularen Veränderungen im Genom somatischer Zellen die Grundlage für eine Tumorentstehung und -progression ist. Die Komplettierung des humanen Genomprojekts hat hier eine neue Ära in der biomedizinischen Wissenschaft, insbesondere auch in der Onkologie eingeleitet. Seit der Gründung des Human Genome Projects 1999 sind inzwischen weit über 200000 Mutationen im Cancer Gene Census hinterlegt. Neue Verfahren wie „Next-Generation Sequencing“ und „Whole-Genome-Analysis“ haben hier maßgeblich dazu beigetragen. So konnten exemplarisch beim Pankreaskarzinom über Gesamtgenomanalysen 12 zentrale Pathways identifiziert werden ▶ [54], in denen mindestens ein Mitglied in 70–100 % aller Tumoren mutiert war ( ▶ Tab. 1.3).
Tab. 1.3
Bei der Entstehung des Pankreaskarzinom beteiligte Signaltranduktionswege und regulatorische Prozesse
▶ [54]
.
betroffener Mechanismus
spezifischer Signalweg/Prozess
Signalwege
TGF-β-Signalweg
JNK-Signalweg
Integrin-vermittelte Signalwege
KRAS-Signalweg
Wnt/Notch-Signalweg
Hedgehog-Signalweg
Small-GTPase-abhängiger Signalweg
regulatorische Prozesse
homophile Zelladhäsion
Regulation der Invasion
DNA-Reparatur
Apoptose
Zellzyklus-Regulation des Übergangs von G1-Phase zu S-Phase
Ein weiteres Beispiel ist das kolorektale Karzinom (KRK). Durch die Genomanalysen des CRCSC-Konsortiums (Colorectal Cancer Subtyping Konsortium) ▶ [27] konnten in Verbindung mit klinischen Parametern 4 Gruppen mit unterschiedlicher Prognose charakterisiert werden, die auf molekularen Subgruppen (kanonischer Typ, Immuntyp, mesenchymaler und metabolischer Typ) basieren (CMS1–4, ▶ Tab. 1.4).
Tab. 1.4
Subtypen des kolorektalen Karzinoms (CRCSC-Konsortium).
Subtyp
Häufigkeit
klinische und molekulare Charakteristika
Gesamtüberleben
CMS1
14 %
Frauen, höheres Alter, rechtes Kolon, MSI, hypermutiert, BRAF mutiert, Immunaktivierung
schlechte Prognose
CMS2
37 %
linkes Kolon, epithelialer Typ, MSS, CIN high, TP53 mutiert, WNT/MYC-Aktivierung
bessere Prognose
CMS3
13 %
metabolischer Typ, CIN/MSI, RAS mutiert, MYC-Amplifikation, IGFBP2-Überexpression
intermediäre Prognose
CMS4
23 %
jüngeres Alter, Stadium III/IV, mesenchymaler Typ, CIN/MSI, TGF-β/VEGF-Aktivierung, NOTCH3-Überexpression
schlechte Prognose
unklassifiziert
13 %
heterogener Subtyp mit variabler epithelial-mesenchymaler Aktivierung?
intermediäre Prognose
CIN: chromosomale Instabilität, MSI: Mikrosatelliteninstabilität, MSS: Mikrosatellitenstabilität.
Die Karzinogenese kann einerseits angestoßen werden durch chromosomale DNA-Schädigung bedingt durch Chemikalien, Strahlung oder onkogene Viren; andererseits durch genetische Veränderungen in Genen des DNA-Reparatursystems verursacht durch Punktmutationen, Deletionen, Amplifikationen oder Aneuploidie. Weitere Mechanismen sind die Aktivierung von Onkogenen und die Inaktivierung von Tumorsuppressorgenen. Ein klassisches Beispiel ist die Adenom-Karzinom-Sequenz, erstmals von Bert Vogelstein beschrieben und seither weiterentwickelt. Hier konnte gezeigt werden, dass durch die sukzessive Akkumulierung genetischer Veränderungen über einen Zeitraum von 20–30 Jahren aus einer normalen kolorektalen Epithelzelle ein Karzinom entstehen kann. Eine deutlich beschleunigte Karzinogenese findet sich im Pankreaskarzinomgenesemodell über die Entwicklung und Akkumulation genetischer Veränderungen über die sogenannten PanIN-Läsionen. Hier zeigt sich ebenfalls eine klare Korrelation zwischen der Akkumulation genetischer Veränderungen und der Entwicklung von präinvasiven in invasive maligne Stadien.
Eigenschaften von malignen Zellen.
Abb. 1.1
Der EGFR-Signalweg.
Abb. 1.2 EGFR: Epidermal Growth Factor Receptor; P13K: Phosphoinositid-3-Kinasen; PTEN: Phosphatase and Tensin Homolog; AKT: Proteinkinase B; mTOR: mechanistic Target of Rapamycin; RAS: Rat Sarcoma Oncogene; BRAF: Serin/Threonin-Proteinkinase; MEK: Tyrosin-Threonin-Kinase; ERK: Extrazellulär signalregulierte Kinase.
Tumorzellen sind während ihres Wachstums durch eine inhomogene Blutperfusion und eine lokale Hypoxie gekennzeichnet, was zu einer verringerten Effektivität einer Chemotherapie führt. Auch die Angiogenese wird durch Rezeptor-Tyrosinkinasen und Signaltransduktionswege wie VEGF (Vascular endothelial Growth Factor) und PlGF (Placental Growth Factor) über die Rezeptoren VEGFR 1–3 reguliert. Durch autokrine und parakrine Sekretion dieser proangiogenen Wachstumsfaktoren kommt es zu einer Lymphgefäßneubildung, zu einer Proliferation von Fibroblasten und Endothelzellen, zum Anlocken von Stammzellen aus dem Knochenmark und letztlich zur Gefäßneubildung mit erhöhter Permeabilität. Dies erlaubt dann der Tumorzelle, weiter zu proliferieren und invasiv zu wachsen. Durch eine Blockierung von VEGF z.B. durch Bevacizumab und Aflibercept oder von VEGFR durch Ramucirumab wird die Blutperfusion des Tumors homogenisiert, die Hypoxie nimmt ab, dadurch kann die Effektivität der Chemotherapie gesteigert werden. Ein prädiktiver Biomarker existiert aber nicht.
Plattenepithelkarzinome des Ösophagus entstehen über dysplastische Veränderungen von plattenepithelialen Zellen bis hin zu Plattenepithelkarzinomen. Das Barrett-Adenokarzinom entsteht über die initiale intestinale Metaplasie über niedriggradige und hochgradige Dysplasien bis hin zum Adenokarzinom. Häufige molekulare genetische Veränderungen sind onkogene Veränderungen im EGFR und bei Zyklin D1, bei den Tumorsuppressorgenen P16INK4a, p53 und E-Cadherin sowie bei den Mismatch-Reparaturgenen (hMLH1, hMSH2).
Neben sporadischen Magenkarzinomen wurden auch hereditäre Ursachen von Magenkarzinomen identifiziert. Hereditäre diffuse Magenkarzinome im jungen Alter sind häufig verbunden mit Mutationen im E-Cadherin/CDH1-Lokus auf Chromosom 16q. Hier liegt eine Magenkarzinompenetranz von 67–83 % vor und Familien mit Nachweis einer Keimbahn-E-Cadherin-Mutation wird eine prophylaktische Gastrektomie empfohlen. Aber auch beim hereditären kolorektalen Karzinom (HNPCC), der Familiären adenomatösen Polyposis (FAP) und dem Peutz-Jeghers-Syndrom treten vermehrt Magenkarzinome auf ▶ [69].
Bei sporadischen Magenkarzinomen finden sich häufig Veränderungen im p53-Tumorsuppressorgen sowie CpG-island-Methylierungen in der Promotorregion von p16. Eine Mikrosatelliteninstabilität findet sich bei ca. 20 % von sporadischen Magenkarzinomen.
Über den Cancer Genome Atlas konnten 4 molekulare Subtypen von Magenkarzinomen definiert werden:
EBV-positive Tumoren,
MSI-high-Tumoren,
genomisch stabile Tumoren und
chromosomal instabile Tumoren.
Aufgrund des großen Einflusses von Geschlecht, Rasse und insbesondere der großen Heterogenität von Stroma und Tumorzellen lassen sich über die aktuellen Genexpressionsanalysen und Gensignaturen noch keinerlei klinische Konsequenzen ziehen.
In den letzten Jahren hat sich herauskristallisiert, dass das Pankreaskarzinom eine polygene Erkrankung ist mit Nachweis multipler somatischer (KRAS, BRAF, AKT2, p16, TP53, SMAD4) und keimbahnassoziierter Hoch- und Niedrigrisiko-Suszeptibilitäts-Allelen ▶ [65]. Die Anzahl somatischer Mutationen ist interessanterweise deutlich niedriger als beispielsweise bei Kolon- oder Mammakarzinomen. Wahrscheinlich ist dies darin begründet, dass die Karzinogenese initiierenden Zellen weniger Zellteilungen durchlaufen müssen als bei den beiden anderen Tumorentitäten. Darüber hinaus existieren seltene familiäre Pankreaskarzinomsyndrome mit einer hohen Mutationspenetranz.
Hereditäre Pankreaskarzinomsyndrome mit zugehörigen Mutationen:
Peutz-Jeghers-Syndrom: STK11-Gen auf 19p13.3
Familiäres atypisches multiples Muttermal- und Melanom-Syndrom (FAMMM): CDKN2A
Hereditäres nicht polypöses kolorektales Karzinom (HNPCC): MLH1 auf 3p22.2, MSH2 auf 2p21, MSH6 auf 2p16.3 und PMS2 auf 7p22.1
Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP): APC auf 5q22.2
Hereditäres Brust- und Eierstockkrebssyndrom (HBOC): BRCA2 auf 13q13.1, PALB2 auf 16p12.2 und ATM auf 11q22.3
Hereditäre Pankreatitis: PRSS1 auf 7q34
1998 wurden von Hirota et al. erstmals Mutationen in der c-kit-Tyrosin-Kinase bei gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) beschrieben. Durch Mutationen in der extrazellulären und intrazellulären juxtamembranösen Region kommt es zu einer konstitutiven Aktivierung des Rezeptors und der folgenden Signaltransduktionskaskade über RAS/RAF/MEK und ERK zum Zellkern hin. Die häufigste Mutation bei ca. 70 % findet sich im Exon 11, 5–10 % haben Mutationen in Exon 9 und jeweils 5 % im Exon 13 oder Exon 17. In seltenen Fällen kommt es auch zu Treibermutation im Exon 12 und 18 des Plättchen-assoziierten Wachstumsfaktorrezeptors (PDGFR-α). Bei ca. 15 % der Fälle findet man keine Mutationen in PDGFR-α oder C-Kit. Diese sogenannten Wildtyp-GIST sind eine heterogene Gruppe. Eine BRAF-V600E-Mutation findet sich in bis zu 13 % dieser Tumoren. Es konnte in einigen Wildtyp-GIST eine Defizienz im Succinat-Dehydrogenase-Komplex (SDH-Komplex) nachgewiesen werden ▶ [80]. Darüber hinaus sind Wildtyp-GIST mit folgenden Krankheitssyndromen assoziiert:
Carney-Syndrom (Paragangliome, pulmonale Chondrome, GIST) mit immunhistochemischem Nachweis eines Verlusts von Succinat-Dehydrogenase B (SDHB)
Carney-Stratakis-Syndrom (CSS) bei pädiatrischen GIST ebenfalls mit fehlendem Nachweis von SDHB
Von-Recklinghausen-Syndrom (autosomal-dominant vererbt)
Kolorektale Karzinome (KRK) werden in hereditäre, familiäre und sporadische Formen unterteilt. Es existieren mindestens 4 genetische Pathways zu einem KRK (CIN/MSS, MSI, CIMP). Alle 4 Pathways basieren auf der sogenannten Adenom-Karzinom-Sequenz, die über eine benigne adenomatöse Vorläuferläsion und sukzessive Akkumulationen von genetischen Veränderungen läuft. Darüber hinaus existieren verschiedene hereditäre KRK-Syndrome wie FAP oder HNPCC ▶ [107]. Multiple somatische Mutationen in Onkogenen und Tumorsuppressorgenen beim KRK wurden identifiziert. Bei den Onkogenen sind KRAS, PIK3CA, BRAF, CTNNB1, HER2/ERB-B2 und bei den Tumorsuppressorgenen p53, APC, SMAD4, SMAD2, DCC betroffen ▶ [107]. Wie oben dargestellt, hat das CRCSC einen neuen Konsensus molekularer Subtypen ▶ [39] von Kolonkarzinomen erarbeitet ( ▶ Tab. 1.4). Aus dieser Klassifikation ergeben sich neue molekulare und klinische Fragestellungen bei der Durchführung klinischer Studien.
Michael Geißler
Seit über 100 Jahren wird über die Rolle des Immunsystems bei der Kontrolle und Bekämpfung von Krebszellen diskutiert und geforscht. Paul Ehrlich postulierte das Konzept einer protektiven antitumoralen Immunantwort, Burnet und Thomas folgten mit dem Konzept der Immunüberwachung von Krebszellen und kürzlich beschrieben Schreiber et al. den Mechanismus des „Cancer Immunoediting“ als kontinuierlichen interaktiven Prozess zwischen Immun- und Krebszellen.
Die wichtigsten Player in diesem komplexen System sind neben Tumor- und Immunzellen auch die nicht transformierten Stroma- und Endothelzellen in der Tumorumgebung. Das Pankreaskarzinom ist hier als exemplarisch anzusehen.
Eine Besonderheit von Krebszellen ist deren Eigenschaft, sich einer antitumoralen Immunantwort zu entziehen. Es existieren Tumoren, die intrinsisch eine hohe Immunogenität besitzen, andere dagegen sind immunologisch ignorant.
Mechanismen von Tumoren, sich einer Immunantwort zu entziehen:
niedrige Anzahl von mutierten Neo-Antigenen
Antigenmodulation
Immuntoleranz gegen Selbstantigene
Fehlen von pro-inflammatorischen Chemo- und Zytokinen für das Homing von Effektorzellen
intrinsische T-Zellhemmung (Anergie, Erschöpfung aktivierter T-Zellen über CTLA-4, PD-1)
extrinsische tumorassoziierte T-Zell-Immunsuppression (Transforming Growth Factor-β, IL-10, Indoleamine-2,3-Dioxyenase) über die Rekrutierung tolerogoner dendritischer Zellen, regulatorischer T-Zellen (Treg) und myeloischer Suppressorzellen
Immunoselektion mit Selektion nicht immunogener Tumorklone
Verlust/Alteration von MHC-Klasse-I-Expression
Die Blockierung von immunsupprimierenden Mechanismen zur Wiederherstellung oder Verstärkung einer antitumoralen Immunantwort sind vielversprechende Konzepte auch bei gastrointestinalen Tumoren. Die Blockierung von T-Zell-Checkpoint-Molekülen wie CTLA-4 (Cytotoxic T-lymphocyte-associated Protein 4) und Programmed Cell Death 1 Receptor/Ligand (PD-1/PD-L1) durch monoklonale Antikörper (mAbs) wie Ipilimumab, Pembrolizumab und Nivolumab sowie anderer Substanzen ( ▶ Tab. 1.5) haben bei Tumoren wie dem Melanom, NSCLC, Hodgkin-Lymphom und Blasenkarzinom die Therapie schon teilweise revolutioniert ▶ [3], ▶ [63], ▶ [12].
Tab. 1.5
Monoklonale Antikörper (mAbs) gegen Checkpoint-Moleküle in klinischer Erprobung.
Name
Zielstruktur
Tumoren
Phase
Pembrolizumab
PD-1
Melanom, NSCLC
approval
Nivolumab
PD-1
Hodgkin, RCC, NSCLC, Melanom
approval
Pidilizumab
PD-1
multiple Tumoren, KRK
II
Avelumab
PD-L1
Merkelzellkarzinom
approved
solide Tumoren
II/III
BMS 936559
PD-1
multiple Tumoren
III
MK-3475
PD-1
solide Tumoren
I/II
AMP224
PD-1
solide Tumoren
I/II
MPDL3280A
PD-1
solide Tumoren
I/II
MEDI4736
PD-1
solide Tumoren
I/II
Atezolizumab
PD-L1
Urothel
approved
multiple Tumoren
II/III
Durvalumab
PD-L1
solide Tumoren
II/III
Tremelimumab
CTLA-4
solide Tumoren
II/III
Ipilimumab
CTLA-4
Melanom
approved
solide Tumoren
II/III
CTLA-4: Cytotoxic T-lymphocyte-associated Protein 4, PD-1/PD-L1: Programmed Cell Death 1 Receptor/Ligand, NSCLC: nicht kleinzelliges Bronchialkarzinom, RCC: Nierenzellkarzinom, KRK: kolorektales Karzinom.
Immunologische Checkpoint-Moleküle modulieren unter physiologischen Bedingungen die T-Zellantwort gegen Antigene durch Hochregulation kostimulatorischer Moleküle oder Herunterregulation koinhibitorischer Signalwege. PD-1 ist ein koinhibitorischer Rezeptor, der die T-Zellaktivität während Immunantworten in peripheren Geweben herunterreguliert, um autoimmunen Zellschaden zu minimieren bzw. zu verhindern, sozusagen eine immunologische Bremse ( ▶ Abb. 1.3). PD-1 wird durch die Liganden PD-L1 und PD-L2 aktiviert, beide werden während einer entzündlichen Immunantwort hochreguliert. Es konnte nachgewiesen werden, dass viele Tumoren PD-L1 hochregulieren, um die antitumorale T-Zellantwort zu unterdrücken. Bei gastrointestinalen Tumoren wird eine PD-L1-Hochregulation bei Pankreas-, kolorektalen, Magen- und Gallenwegskarzinomen beobachtet ▶ [117]. Während CTLA-4 die frühe Aktivierung naiver und Gedächtnis-T-Zellen reguliert, moduliert PD-1/PD-L1 die T-Zellaktivität in der Peripherie während einer inflammatorischen Immunantwort. Das Priming ist hier also schon erfolgt.
Interaktion von Checkpoint-Molekülen mit Priming und Erhaltung einer antitumoralen Immunantwort.
Abb. 1.3 Im Lymphknoten sind 2 immunologische Signale notwendig, um eine antitumorale T-Zellaktivierung gegen ein Tumorantigen induzieren zu können: Erstens die Interaktion des MHC-Klasse-I-Komplex und des prozessierten Tumorantigenpeptids (rot) mit dem T-Zellrezeptor (TCR), zweitens die Kostimulation durch B7- und CD28-Interaktion. Die Bindung von CTLA-4 an B7 dagegen führt zu einer Blockierung der T-Zellaktivierung. Dieses inhibierende Signal kann durch monoklonale Antikörper gegen CTLA-4 wie Ipilimumab blockiert werden, sodass eine T-Zellaktivierung erfolgen kann. In der Folge kommt es im Lymphknoten zu einer Expansion der tumorantigenspezifischen T-Zellklone. Sollte diese aktivierte Killer-T-Zelle ein entsprechendes Tumorantigen auf dem MHC-Klasse-I-Komplex einer Tumorzelle erkennen, kann diese zerstört werden. Üblicherweise findet im Tumormilieu eine langdauernde Antigenexposition statt, sodass die T-Zellen den inhibierenden Rezeptor PD-1 hochregulieren. Die Bindung von PD-1 an auf den Tumorzellen hochreguliertes PD-L1 inhibiert den Killing-Mechanismus trotz Bindung von TCR an MHC/Peptid-Komplex. Die Hemmung von PD-1 oder PD-L1 durch mAbs dereprimiert das TCR-Signalling mit der Folge einer T-Zellaktivierung. CD: Cluster of Differentiation, CTLA-4: Cytotoxic T-lymphocyte-associated Protein 4, mAbs: monoklonale Antikörper, MHC: Major Histocompatibility Complex, PD-1/PD-L1: Programmed Cell Death 1 Receptor/Ligand, TCR: T-Zellrezeptor.
Studien bei gastrointestinalen Tumoren (Pankreas, KRK, Magen) mit Ipilimumab und dem PD-L1 mAb BMS-936559 verliefen initial enttäuschend ▶ [100]. Die Ursache liegt bei den meisten GI-Tumoren darin, dass diese zur Gruppe der immunologisch ignoranten Tumoren gehören und daher keine relevante antitumorale Immunantwort existiert, die durch Checkpoint-Inhibitoren positiv beeinflusst werden könnte. Insbesondere beim Pankreaskarzinom ist das Tumorstroma eine effektive Barriere gegen eine Infiltration durch Effektor-T-Zellen. Die Immunogenität solcher immunologisch ignoranter Karzinome kann wahrscheinlich durch zusätzliche „danger“-Signale wie Nekrose und Apoptose induziert durch Bestrahlung, Hitze, z.B. durch Radiofrequenzablation (RFA oder Virusreplikation genetisch modifizierter Viren in Verbindung mit Checkpoint-Inhibitoren erhöht werden ▶ [100], ▶ [102]. Auch die Kombination von Ipilumumab mit GVAX, einer allogenen, GM-CSF-exprimierenden zellbasierenden Tumorvakzine, konnte bei Pankreaskarzinomen scheinbar die stromavermittelte adaptive Immunresistenz zumindest teilweise durchbrechen mit 1-Jahres-Überleben von 27 % gegenüber nur 7 % im Ipilimumab-mono-Arm. Daher werden nun weitere Studien von anti-PD-1-Substanzen wie Nivolumab zusammen mit passiven, lokal wirksamen Immuntherapieansätzen wie z.B. T-VEC (Talimogene laherparepvec) oder GVAX beim Pankreaskarzinom im neoadjuvanten, adjuvanten und palliativen Setting untersucht ▶ [121].
Im Jahr 2015 kam weiterer Enthusiasmus auf, als gezeigt werden konnte, dass die Blockierung von PD-1 bei gastrointestinalen Tumoren mit einer DNA-Mismatch-Reparatur-Defizienz (MMR-Defizienz) und damit assoziierten Mikrosatelliteninstabilität (MSI) oder mit einer PD-1-Überexpression zu klinisch relevanten Ergebnissen bei Endpunkten wie Tumoransprechen und Überleben führten ▶ [66]. Es war schon länger bekannt, dass kolorektale, Dünndarm- und Magenkarzinome mit einer MSI-high oder mit einem CpG-island-Methylierungsphänotyp mit einer extensiven Lymphozyteninfiltration charakterisiert sind und in der Regel eine bessere Prognose als mikrosatellitenstabile Tumoren ohne Lymphozyteninfiltration besitzen. Da bei MSI-Tumoren eine sehr hohe Anzahl von mutierten Neoantigenen nachgewiesen werden konnte, ist die starke Lymphzyteninfiltration ein Zeichen verstärkter Immunogenität dieser Tumoren. MSI-high-Tumoren findet man bei ca. 15 % sporadischer KRK und bei ca 20 % der Magenkarzinome ( ▶ Tab. 1.6).
Tab. 1.6
Nachweis einer MSI-high-Situation bei gastrointestinalen Tumoren.
Tumor
Anteil MSI-high
KRK sporadisch
15 %, im Stadium IV < 5 %
Magenkarzinome
20 %
Ampullenkarzinom
0–22 %
Pankreaskarzinom
1–3 %
Dünndarmkarzinom
5–45 %
Diese vielversprechenden Ergebnisse einer Therapie von MSI-high-Tumoren des Gastrointestinaltrakts mit Pembrolizumab ▶ [66] sind dadurch zu erklären, dass Tumoren mit DNA-MMR-Mangel Tausende von Mutationen aufweisen. Diese DNA-MMR-defizienten Tumoren produzieren offensichtlich durch fehlerhaft abgelesenen DNA-Leserahmen viele immunologisch „auffällige“ Proteine, die als „nicht-selbst“ erkennbare Antigene das Immunsystem restimulieren und gegen den Tumor triggern. Damit bieten die Checkpoint-Inhibitoren neue Therapiemöglichkeiten für die MMR-defizienten Untergruppen von GI-Tumoren. Bei austherapierten Patienten mit GI-Tumoren macht es daher aktuell Sinn, immunhistochemisch und mittels PCR (Polymerase Chain Reaction) nach einer MSI und bei Gallenwegstumoren sowie Magenkarzinomen zusätzlich nach einer PD-L1-Überexpression zu suchen. Im Falle einer MSI-high oder einer PD-L1-Überexpression ist aktuell bis zur europäischen Zulassung nach Rücksprache mit den Krankenkassen eine Therapie mit einem Checkpoint-Inhibitor wie Pembrolizumab als sinnvoll anzusehen.
Aufgrund der unkontrollierten Immunaktivierung kann es zu schweren Autoimmunreaktionen gegen gesunde Gewebe mit Entstehung einer Kolitis, Nephritis, Hypophysitis, Pleuritis oder Hepatitis kommen. Die Autoimmunreaktionen sind mit PD-1-Hemmern weniger stark ausgeprägt und seltener als mit CTLA-4-Hemmern, Todesfälle sind aber auch hier beschrieben.
Bei gastrointestinalen Tumoren ist nachgewiesen worden, dass verschiedene Antigene wie CEA, mutiertes KRAS, BRAF, PI3K, MUC1+5 (epitheliales Zellmuzin) oder Telomerase überexprimiert sein können. In verschiedenen Studien wurden mAbs und Vakzine basierend auf dendritischen Zellen oder viralen Vektoren gegen diese Antigene entwickelt und untersucht. Keine dieser Studien hat bislang aber klinisch relevante Ergebnisse zeigen können.
Vakzinierungsstrategien basierend auf Tumorzellen zeigen dagegen vielversprechendere Ergebnisse. Die Kombination von GVAX mit CRS-207, einem listerienbasierten Lebendimpfstoff, der Mesothelin exprimiert, zeigte in einer randomisierten Phase-II-Studie mit fortgeschrittenen metastasierten Pankreaskarzinompatienten einen signifikanten Überlebensvorteil gegenüber GVAX alleine ▶ [121].
Bei gastrointestinalen Tumoren mit MMR-Defizienz werden zukünftig ähnlich wie beim Melanom Kombinationsstrategien mit dualer Hemmung von CTLA-4 und PD-1 untersucht werden. Aufgrund der hohen Toxizität dieses Ansatzes sind aber andere Strategien von Bedeutung. Eine Checkpoint-Blockade ist sicher vielversprechend bei MSI-high-KRK oder Magenkarzinomen auch im Stadium II und III als adjuvante/neoadjuvante Therapie. Im metastasierten Stadium werden in Verbindung mit einer zytotoxischen Chemotherapie Erhaltungstherapieansätze mit PD-1-Hemmern untersucht. Besonders interessant ist die Fragestellung, ob nicht immunogene MSI-low-Tumoren durch destruierende Therapieverfahren wie Radiatio oder RFA auch in Kombination mit einer COX-2- oder MEK-Hemmung so immunogen gemacht werden können, dass Checkpoint-Inhibitoren hier eine Wirkung entfalten können.
Alexander Meier und Helmut Messmann
Krebsfrüherkennung ( ▶ Tab. 1.7)
Stoffwechselscreening bei Neugeborenen als Element der U-Untersuchungen
Glaukomscreening
Tab. 1.7
Krebsfrüherkennungsuntersuchungen, die aktuell in Deutschland angeboten werden
▶ [37]
.
Anspruchalter
Intervall
Erläuterung
bei Frauen
Gebärmutterhalskrebs
ab 20 Jahren
jährlich
Zervixkarzinom-Screening: Abstrich, Untersuchung inneres und äußeres Genitale
Brustkrebs
ab 30 Jahren
jährlich
Tastuntersuchungen Brust und Achselhöhle
50–69 Jahre
alle 2 Jahre
Mammografie-Screening
Hautkrebs
ab 35 Jahren
alle 2 Jahre
Ganzkörperinspektion
Darmkrebs
50–54 Jahre
jährlich
Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl
ab 55 Jahre Wahlmöglichkeit
jährlich (Empfehlung S3-Leitlinie)
Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl
Koloskopie im Abstand von 10 Jahren
Krebsvorstufen können entfernt werden
bei Männern
Hautkrebs
ab 35 Jahren
alle 2 Jahre
Ganzkörperinspektion
Prostata und Genitale
ab 45 Jahren
jährlich
Tastuntersuchung Genitale + Lymphknoten in der Leiste
Darmkrebs
50–54 Jahre
jährlich (Empfehlung S3-Leitlinie)
Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl
ab 55 Jahre Wahlmöglichkeit
jährlich
Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl
Koloskopie im Abstand von 10 Jahren
Krebsvorstufen können entfernt werden
Die Effektivität und der Erfolg der Krebsfrüherkennung können nicht individuell, sondern nur für Gruppen mit ausreichend langer Beobachtungsphase evaluiert werden. Die Kriterien sind zumeist die Verringerung der krankheitsbedingten und allgemeinen Mortalität sowie die Senkung der Inzidenz. Screening-Maßnahmen und -Programme sind anfällig für Störfaktoren, sodass diesbezüglich auch Kritik an den gesetzlichen Screening-Programmen geäußert wird. So werden z.B. Patienten mit langen präklinischen Phasen (langsame Progredienz der Krebserkrankung) durch Screening-Maßnahmen überrepräsentativ häufig erkannt („Length-time bias“; ▶ Abb. 1.4) und es entsteht der Eindruck einer verlängerten Überlebenszeit nach Diagnose mittels Früherkennungsprogramm im Vergleich zu Angaben in der Literatur („Lead-time bias“; ▶ Abb. 1.5). Der eindeutige Nutzen einer Früherkennungsmaßnahme kann nur in einer randomisierten Vergleichsstudie belegt werden, da hier die Lebenserwartung ab Randomisierung verglichen und somit ein „Lead-time bias“ vermieden wird.
Length-time bias.
Abb. 1.4 Selektion von langsamer und schneller Progression. Im Modell besteht das gleiche Verhältnis von schnell und langsam wachsenden Karzinomen (das Pfeilende markiert den Beginn der klinischen Phase). Die Screening-Maßnahme erfasst präklinische schnell zu langsam wachsende Karzinome jedoch im Verhältnis 2:5 (Schnittpunkt zwischen Zeitpunkt des Screenings – senkrechter Strich – und den einzelnen Karzinomen – waagrechte Pfeile) ▶ [1].
Lead-time bias.
Abb. 1.5 Darstellung eines Scheinerfolgs bezüglich verlängerter Überlebenszeit.
477.300 Krebsneuerkrankungen wurden im Jahr 2010 in Deutschland registriert. Die häufigsten Tumorlokalisationen waren bei Männern die Prostata und bei Frauen die Brust, sowie Lunge und Darm bei beiden Geschlechtern. Krebsfrüherkennungsmaßnahmen werden seit 40 Jahren von den gesetzlichen Krankenkassen zur Entdeckung von Brust-, Gebärmutter, Darm-, Haut-, und Prostatakrebs kostenfrei angeboten. In Deutschland zählt derzeit unter den gesetzlich angebotenen Krebsfrüherkennungsprogrammen nur das Mammografie-Screening zu den „organisierten“ Screening-Programmen. Dieses beinhaltet ein Informationssystem, mit dem alle berechtigten Frauen einzeln eingeladen werden, am Programm teilzunehmen, sowie Vorgaben bezüglich der Abklärung von auffälligen Befunden, des Monitorings und der Qualitätskontrollen. Laut dem Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz (KFRG) von 2013 sollen in Deutschland die Screening-Untersuchungen zur Frühdiagnose von Zervix- und Darmkrebserkrankungen nach den gültigen EU-Leitlinien ebenfalls in organisierte, bevölkerungsbezogene und qualitätsgesicherte Screening-Programme überführt werden, um eine konsequente Qualitätssicherung und Erfolgskontrolle der Krebsfrüherkennungsprogramme sicherzustellen. Die weitere Umsetzung des Regelungsteils betrifft derzeit vorrangig den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), dessen Beratungen diesbezüglich zum Zeitpunkt noch andauern.
Zur Effektivität der fäkalen okkulten Bluttestung (FOBT) als Früherkennungsmethode für kolorektale Karzinome (KRK) liegen die Ergebnisse von 4 großen randomisierten Studien vor. Die aktuellste Meta-Analyse konnte eine Senkung der KRK-bedingten Mortalität um 25 % für diejenigen nachweisen, die sich mindestens einmal einem FOBT unterzogen hatten. Hierbei war die jährliche FOBT in Bezug auf Reduktion der Mortalität der Testung alle 2 Jahre überlegen ▶ [85]. Anders als für den FOBT und die Sigmoidoskopie existieren für den Einsatz der kompletten Koloskopie keine Ergebnisse aus randomisierten Studien. Die zu erwartenden Ergebnisse sind ausstehend, dennoch wird der Einsatz durch indirekte Evidenz gestützt. Eine Arbeit aus den USA konnte bei 715 Personen nach Vorsorgekoloskopie eine signifikante Senkung der KRK-bedingten Mortalität und Inzidenz im Vergleich zum Vergleichskollektiv nachweisen ▶ [52]. Arbeiten aus Deutschland zeigen eine hohe Detektionsrate von Karzinomen im frühen Stadium sowie von Adenomen im gesamten Kolon, wobei sich etwa ein Drittel der im Rahmen von Vorsorgeuntersuchung detektierten Karzinome proximal des Colon descendens befanden ▶ [122]. Diese Neoplasien sind mittels Sigmoidoskopie nicht zu diagnostizieren. Seit dem 01.10.2002 wurde die „Vorsorge-Koloskopie“ vom 56. Lebensjahr an von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung als Früherkennungsleistung in das Programm mit aufgenommen. Brenner et al. konnten anhand Analyse der 10-Jahres-Daten des nationalen Vorsorge-Koloskopie-Registers beeindruckende Daten liefern. Die Auswertung von 4,4 Millionen Vorsorge-Koloskopien zeigte, dass schätzungsweise 180000 KRK verhindert werden konnten. 40000 KRK wurden in einem frühen und klinisch nicht manifesten Stadium diagnostiziert. Dabei kam es zu 4500 Überdiagnosen, definiert als Diagnosen von Krebserkrankungen, die ohne die Vorsorgeuntersuchung zu Lebzeiten nicht klinisch manifest geworden wären. 28 % der Überdiagnosen nach Vorsorge-Koloskopie waren jedoch bei Individuen älter als 75 Jahren zu erkennen ▶ [16]. Die Auswertung belegte zudem eine Steigerung der Adenom-Detektionsrate (ADR), hauptsächlich für nicht fortgeschrittene Adenome (< 0,5 cm) ▶ [15].
Die Screening-Verfahren der einzelnen Tumorentitäten werden in den jeweiligen Abschnitten noch ausführlich behandelt.
Mit der weltweiten Zunahme der krebsbezogenen Mortalität rückt die Krebsprävention zunehmend in den Fokus. 1976 wurde durch Sporn erstmals der Begriff „ Chemoprävention“ eingeführt, der sich auf die Verwendung von Substanzen zur Verzögerung, Stabilisierung oder Umkehr eines karzinogenen Prozesses bezog ▶ [104]. In den letzten Jahren wurde eine Vielzahl von Arbeiten zur Chemoprävention mit Acetylsalicylsäure (ASS) bzw. nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) bei gastrointestinalen Tumoren publiziert. Diese belegten zum Teil eindrucksvoll einen karzinoprotektiven Effekt, welcher auch nach einer Latenzzeit von 5 Jahren noch nachgewiesen werden konnte. Als Rationale zum Einsatz von ASS und NSAR diente der Induktionsnachweis von Cyclooxygenase-2 (COX-2) in Gewebeproben. Für das Magenkarzinom konnte in Studien mit über 650000 Patienten bei langjähriger und vor allem regelmäßiger Einnahme von ASS (nicht für andere NSAR) eine deutliche Risikoreduktion bezüglich der Entstehung von Magenkarzinomen nachgewiesen und in weiteren Arbeiten bestätigt werden ▶ [30]
