64,99 €
Ihr maßgeschneiderter Geburtsvorbereitungskurs Stellen Sie sich mit Hilfe von 6 ausgearbeiteten Kurskonzepten Ihren individuellen Geburtsvorbereitungskurs zusammen - maßgeschneidert auf die persönlichen Bedürfnisse und Begabungen zugeschnitten. Mit genauem Zeitplan, Lernzielen, allen Übungen, Erklärungsbeispielen, Kopiervorlagen, Tipps zum Medieneinsatz und zum Umgang mit "schwierigen" TeilnehmerInnen. - Frauenkurs Netzwerkaufbau - Paarkurs Kontaktaufnahme zum Kind - Wochenendpaarkurs Paarbeziehung - Frauen- und Paarkurs Stillförderung - Offener Kurs für Mehrgebärende - Wochenendkurs für Familien Entsprechen die sechs Kurskonzepte noch nicht 1 zu 1 den eigenen Vorstellungen, liefert eine Vielzahl von Übungen, Anleitungen und didaktischen Ideen zusätzliche Möglichkeiten für eine individuelle Ausgestaltung von Geburtsvorbereitungskursen. Übersichtstabellen mit Zeitangaben, Lernzielen und weiteren Hilfsmitteln erleichtern das Kombinieren.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 795
Veröffentlichungsjahr: 2019
Deutscher Hebammenverband
Geburtsvorbereitung
Kurskonzepte zum Kombinieren
3. unveränderte Auflage
unter Mitarbeit von
Heidi BernardAndrea BirkViresha J. BloemekeErika Goyert-JohannClaudia Knie Astrid KrahlKatja KraußSabine KraussAna SchneiderDagmar Stapper
85 Abbildungen70 Tabellen
Liebe Kolleginnen,wir wissen leider nicht genau, wie viele Frauen tatsächlich zur Vorbereitung auf die Geburt und Elternschaft einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen. Schätzungen darüber sind allerdings besonders bei Erstgebärenden sehr hoch. Das heißt, eine große Anzahl von schwangeren Frauen und deren Partner werden durch die unterschiedlichsten Kursangebote von Hebammen auf diesen wichtigen Lebensabschnitt „vorbereitet“.
Hebammen haben sich in dieser gesundheitsbezogenen Bildungslandschaft mittlerweile einen etablierten und gesellschaftlich anerkannten Platz erarbeitet. Deshalb tragen sie auch eine große Verantwortung, diese Versorgungsleistung mit hoher Qualität auszuüben. Aus Studien zur Wirksamkeit von Geburtsvorbereitung wissen wir, dass Geburtsvorbereitung übergeordnet der Gesundheitsförderung dient bzw. dienen kann. Eine Geburtsvorbereitung, die sich an erwachsenenpädagogischen Grundsätzen orientiert, vermittelt zudem die Fähigkeit zur Erkenntnis eigener Gesundheitsbedürfnisse bei den Frauen und deren Partnern. Dies kann ein Auslöser dafür sein, dass sich Frauen langfristig für eine gesündere Lebensweise entscheiden.
Die Planung, Durchführung und Auswertung eines Geburtsvorbereitungskurses erfordert ein komplexes Wissen und vielfältige Fähigkeiten von der Hebamme. Neben der didaktisch aufgearbeiteten Informationsvermittlung rund um Schwangerschaft, Geburt und Elternwerden benötigen wir die psychosoziale Kompetenz der Leitung von Gruppen sowie die Kompetenz in der Anleitung von komplexer Körperwahrnehmung. Das gute Gelingen eines Kurses ist von sehr unterschiedlichen Aspekten abhängig, die die Kursleiterin beurteilen können und im Blick behalten muss.
Bislang gibt es in der Fachliteratur vor allem Kurskonzepte einzelner Autorinnen. In diesem vom Bund Deutscher Hebammen herausgegebenen Geburtsvorbereitungsbuch stellen wir sechs aktuelle Kurskonzepte für unterschiedliche Gruppen und mit unterschiedlichen Schwerpunkten vor. Mit Hilfe der enthaltenen Zeitpläne, Lernziele und Übersichtstabellen können sie problemlos miteinander kombiniert werden. So kann jede Kursleiterin ihren individuellen Geburtsvorbereitungskurs zusammenstellen – maßgeschneidert auf die Bedürfnisse der betreuten Frauen und Paare und auf die eigenen Schwerpunkte und Begabungen.
Die Idee zu diesem Buch entstand nach der 1. BDH-Weiterbildung „Geburtsvorbereitung – Rückbildung“ (2003-2004). Die Erkenntnisse und Ergebnisse dieser 15-monatigen Fortbildung sind in das Buch eingeflossen. Darüber hinaus werden die vorgestellten Kurskonzepte aber auch durch die unterschiedlichen Denkansätze und praktischen Erfahrungen der Autorinnen geprägt. Sabine Krauss hat als damalige HGH-Vorsitzende an der Konzeption dieses Buches die wesentliche Vorarbeit geleistet. Vielen Dank dafür!
Ich wünsche allen Leserinnen eine spannende und bereichernde Lektüre.
Antje Kehrbach, Projektleitung
Grundlagen
1 Aktueller Forschungsstand zur Bedeutung der Geburtsvorbereitung
Astrid Krahl
1.1 Geburtsvorbereitung als Strategie der Gesundheitsförderung
1.2 Evidenzbasierte Hebammenarbeit
1.3 Internationale Studien
2 Grundlagen der Erwachsenenbildung
Heidi Bernard, Andrea Birk, Dagmar Stapper
2.1 Leitbegriffe der modernen Didaktik
2.2 Lehrmethoden – Führungsstile
2.3 Was bedeutet eigentlich Professionalität?
2.4 Aufbereitung der Inhalte
2.5 Einsatz von Medien
2.6 Die Wirkung der Kursleiterin
2.7 Mitverantwortung jedes einzelnen Kursteilnehmers
2.8 Teilnehmeraktivierung
2.9 Visualisierung
2.10 Kursdramaturgie und Moderationsplan
3 Die Rolle der Kursleiterin
Sabine Krauss-Lembcke
3.1 Wünsche und Erwartungen der KursteilnehmerInnen
3.2 Vorbildfunktion und positive Autorität der Kursleiterin
3.3 Leitungskompetenz: Gruppen moderieren, Schutz geben, Erlaubnis geben
3.4 Reflexion der eigenen Rolle als Kursleiterin
3.5 Die Suche nach dem passenden Kurskonzept
3.6 Fragebogen zur Selbstkontrolle
4 „Schwierige“ Situationen und KursteilnehmerInnen
Heidi Bernard, Andrea Birk, Dagmar Stapper
4.1 Vorbeugende Maßnahmen
4.2 Was sind „schwierige“ Situationen?
4.3 Was heißt eigentlich Arbeitsfähigkeit?
4.4 Situationsanalyse
4.5 Krisenmanagement
4.6 Fallbeispiel für den Um gang mit einer schwie rigen Kurssituation
5 Kursorganisation, Werbung, Anmeldung und Abrechnung
Ana Schneider
5.1 Kursorganisation
5.2 Werbung
5.3 Anmeldung und Abrechnung
5.4 Abrechnung
6 Grundlagen der Körperarbeit
Viresha J. Bloemeke
6.1 Geschichte der Körperarbeit in der Geburtsvorbereitung
6.2 Sinn und Ziele der Körperarbeit
6.3 Mittel der körperlichen Selbstregulation bei Schmerz und Stress
6.4 Einsatz von Lagerungshilfen und anderen Hilfsmitteln
6.5 Praktische Tipps zur Anleitung von Übungen
6.6 Besondere Situationen
6.7 Besonderheiten bei Körperübungen mit Schwangeren
6.8 Analyse der Ziele einer Körperübung
6.9 Übungsübersicht
Kurskonzepte
7 Wochenend-Paarkurs mit Schwerpunkt Paarbeziehung
Heidi Bernard und Dagmar Stapper
7.1 Kurskonzept
7.2 Freitagabend: Ankommen und Kennenlernen
7.3 Freitagabend: Kurseinheit Grundlagen der Geburt
7.4 Samstag: Kurseinheit Atmung
7.5 Samstag: Kurseinheit Anatomie des Beckens und Physiologie des Gebärens
7.6 Samstag: Kurseinheit Gebärverhalten und weibliche Intuition
7.7 Samstag: Spezielle Kurseinheit für Frauen
7.8 Samstag: Spezielle Kurseinheit für Männer
7.9 Samstag: Gemeinsame Abschlusseinheit
7.10 Sonntag: Kurseinheit Leitfaden durch die Geburt und Bonding
7.11 Sonntag: Kurseinheit Wochenbett
7.12 Sonntag: Kurseinheit Stillen
7.13 Sonntag: Kurseinheit Elternsein
7.14 Sonntag: Ausklang
8 Paarkurs mit Schwerpunkt Beziehungsaufnahme zum Kind
Erika Goyert-Johann und Claudia Knie
8.1 Kurskonzept
8.2 Kurseinheit 1: Das Tragen des Kindes
8.3 Kurseinheit 2: Die „Durchlässigkeit“ der Wirbelsäule
8.4 Kurseinheit 3: Massage und Kontakt zum Kind
8.5 Kurseinheit 4: Schwangerschaft – Geburt
8.6 Kurseinheit 5: Atmung
8.7 Kurseinheit 6: Atmung und Bewegung
8.8 Kurseinheit 7: Geburtsphase
8.9 Kurseinheit 8: Wiederholung
8.10 Kurseinheit 9: Die Zeit nach der Geburt
9 Frauen- und Paarkurs mit Schwerpunkt Stillförderung
Andrea Birk
9.1 Kurskonzept
9.2 Kurseinheit 1: Kennenlernen und Einführung in das Thema
9.3 Kurseinheit 2: Letzte Zeit der Schwangerschaft und Geburtsbeginn
9.4 Kurseinheit 3: Beckenboden (Frauenabend)
9.5 Kurseinheit 4: Wellness und Zeitmanagement (Frauenabend)
9.6 Kurseinheit 5: Wehenatmung und Umgang mit Schmerz
9.7 Kreißsaalführung
9.8 Kurseinheit 6: Bonding und Stillen
9.9 Kurseinheit 7: Wochenbett und Eltern sein
10 Frauenkurs mit Schwerpunkt Selbstvertrauen fördern
Katja Krauß und Sabine Krauss-Lembcke
10.1 Kurskonzept
10.2 Kurseinheit 1: Kennenlernen und Einführung in die Körperarbeit
10.3 Kurseinheit 2: Beckenbewegung und Geburtsmechanik
10.4 Kurseinheit 3: Atemräume und Beckenboden erfahren
10.5 Kurseinheit 4: Gebärpositionen
10.6 Kurseinheit 5: Sinn des Geburtsschmerzes
10.7 Kurseinheit 6: Vertrauensbildung und Atemarbeit
10.8 Kurseinheit 7: Stillen und „Generalprobe Geburt“
11 Offene Kurse
Heidi Bernard
11.1 Die Bedeutung der Gruppengröße
11.2 Die Stärken offener Kurse
11.3 Die Nachteile offener Kurse
12 Offener Kurs für Mehrgebärende
Heidi Bernard
12.1 Kurskonzept
12.2 Kurseinheit 1: Freiwerden für die jetzige Schwangerschaft
12.3 Kurseinheit 2: Was ist anders bei diesem Kind?
12.4 Kurseinheit 3: Geschwisterkinder einbeziehen
12.5 Kurseinheit 4: Wohlfühlstunde
12.6 Kurseinheit 5: Geburt und Gebärhaltungen
12.7 Kurseinheit 6: Unterstützung bei der Geburt (1. Partnerabend)
12.8 Kurseinheit 7: Schieben versus Powerpressen
12.9 Kurseinheit 8: Beckenboden
12.10 Kurseinheit 9: Wohlfühlstunde
12.11 Kurseinheit 10: Wochenbett und Stillen
12.12 Kurseinheit 11: Familienleben – Familie leben (2. Partnerabend)
13 Wochenendkurs für Familien
Claudia Knie
13.1 Kurskonzept
13.2 Freitagabend: Kurseinheit 1: Rückbesinnung auf die vorangegangene(n) Geburt(en) (Paare)
13.3 Samstagvormittag: Kurseinheit 2: Die ganze Familie
13.4 Samstagnachmittag: Kurseinheit 3: Vorbereitung auf die kommende Geburt (Paare)
Sachverzeichnis
Die Autorinnen
Heidi BernardNiehler Str. 3550733 KölnAndrea BirkKonrad-Adenauer-Str. 667663 KaiserslauternViresha J. BloemekeWeckmannweg 820257 HamburgErika Goyert-JohannHolz 11b42857 RemscheidClaudia KnieMerzhauser Str. 2879100 FreiburgAstrid KrahlLindenstraße 948282 EmsdettenKatja KraußBelschner Str. 1871636 LudwigsburgSabine Krauss-LembckeAm Alten Hof 1527308 KirchlintelnAna SchneiderHeilig-Geist-Str. 883022 RosenheimDagmar StapperSiebachstr. 7650733 Köln
1 Aktueller Forschungsstand zur Bedeutung der Geburtsvorbereitung
2 Grundlagen der Erwachsenenbildung
3 Die Rolle der Kursleiterin
4 „Schwierige“ Situationen und KursteilnehmerInnen
5 Kursorganisation, Werbung, Anmeldung und Abrechnung
6 Grundlagen der Körperarbeit
Astrid Krahl
Wie in den anderen Bereichen der Hebammenarbeit liegt in der Geburtsvorbereitung ein Potenzial der Stärkung normaler Prozesse im Übergang zur Elternschaft (7, 19). Gesundheitsförderung hat zum Ziel, Menschen zu befähigen, im Rahmen ihres kulturellen, sozioökonomischen und biografischen Kontexts Entscheidungen für ihre Gesundheit selbst zu treffen.
In der Geburtsvorbereitung sollen Frauen und ihre Partner in der Fähigkeit unterstützt werden, ihre individuellen Gesundheitsbedürfnisse im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit zu erkennen und entsprechende Entscheidungen auf der Basis guter Informationen treffen zu können.
Hebammen befinden sich in der einzigartigen Position, Frauen und ihre Kinder, aber auch ihre Partner, mit einem breiten Spektrum an Angeboten über einen längeren Zeitraum zu erreichen und zu begleiten. Der Tätigkeitsbereich der Geburtsvorbereitung stellt dabei eine gezielte Bildungsleistung dar, die sich positiv auf die zukünftige Familiengesundheit auswirken kann (7).
Moderne Kurskonzepte beziehen neben gezielten Entspannungstechniken und Informationsgabe, um den Angst-Spannungs-Schmerz-Kreislauf zu durchbrechen, auch gesundheitsfördernde Auswirkungen auf der physischen und psychosozialen Ebene mit ein und versuchen, die aktive Geburt zu fördern. Dazu gehören nach Enkin et al. (8, 9):
ein verbessertes Gesundheitsbewusstsein
Stressmanagement und Angstreduzierung
die Förderung der Beziehungsfähigkeit innerhalb der Familie
mehr Selbstbestimmtheit, Selbstwertgefühl und Zufriedenheit
erfolgreiches Ernähren des Säuglings
leichtes Einfinden in die neuen Lebensumstände nach der Geburt
die Beratung zur weiteren Familienplanung
und die Vermittlung von Selbstvertrauen, sodass die Frauen zuversichtlich in die Geburt gehen.
Auch die Forderungen nach Qualitätssicherung im Gesundheitswesen und die Entwicklungen der evidenzbasierten Medizin haben in den letzten Jahren Einfluss auf die Hebammenarbeit genommen. Nach den Hebammenberufsordnungen verschiedener Bundesländer sind Hebammen verpflichtet, ihren Beruf entsprechend dem jeweiligen Stand der medizinischen, psychologischen, soziologischen und geburtshilflichen Erkenntnisse gewissenhaft auszuüben. Hebammen sind damit nicht nur aufgefordert, neueste Forschungsergebnisse zu kennen, sondern sie auch – im besten Sinne von evidenzbasierter Medizin – in einem umfassenden Sinn auf die Bedürfnisse der Frau abzustimmen.
Page (17) hat in dem Bemühen, Wissenschaft und Sensibilität in der Praxis miteinander zu vereinen, 5 Schritte einer evidenzbasierten Hebammenarbeit entwickelt:
Herausfinden, was für die Frau und ihre Familie wichtig ist,
Einbeziehen der Befunde aus der klinischen Untersuchung und der Anamnese,
Suchen und Auswerten der thematisch relevanten Evidenz,
Durchsprechen der gesamten Aspekte mit der Frau,
Reflektieren der gemeinsam getroffenen Entscheidung, der begleitenden Gefühle, der Resultate und Konsequenzen.
In diesem Prozess wird von dem Grundverständnis ausgegangen, dass es im Hebammenhandeln nicht ausschließlich um die physische Sicherheit geht, sondern auch darum, die Integrität von Mutter und Kind zu schützen.
Ausschlaggebend für eine gute Evidenz bestimmter Interventionen sind zugrunde liegende prospektive, randomisierte kontrollierte Studien, sogenannte RCTs. Prospektive Studien haben einen entscheidenden fehlervermeidenden Vorteil gegenüber retrospektiven Studien. Sie verhindern Ergebnisse so zu interpretieren, dass ein scheinbarer Zusammenhang zwischen zwei Parametern entsteht, ohne dass ein tatsächlicher Wirkungszusammenhang vorliegt. Beispiel: Der scheinbare Zusammenhang zwischen der Anzahl der Störche und der Geburtenrate, der sich retrospektiv – also in der Rückschau – ergibt, ist ein landläufig bekanntes Beispiel hierfür. Beide sind im gleichen Zeitraum zurückgegangen.
Ist jedoch eine Grundannahme – z. B. Informationen zum Stillen erhöhen die Stillrate – im Vorhinein festgelegt und wird diese Annahme in einer randomisierten kontrollierten Studie, also prospektiv, untersucht, so ist das Risiko wesentlich geringer, dass sich für diese Hypothese ein scheinbarer Zusammenhang ergibt.
In RCTs werden zudem die Auswirkungen einer Intervention (z. B. Informationsgabe zum Stillen) quantitativ gemessen. Die Forscherinnen bilden dazu mindestens zwei Gruppen, die Interventionsgruppe und die Kontrollgruppe. Für die teilnehmenden Probandinnen werden klare Ein- und Ausschlusskriterien festgelegt, um Einflussfaktoren auf das Ergebnis (Bias) herauszufiltern. Geburt vor der 37. SSW oder Erkrankungen während der Schwangerschaft können beispielsweise zum Ausschluss führen, während andererseits das Merkmal „Erstgebärende“ notwendig sein kann, um an der Studie teilzunehmen.
Die Probandinnen werden über die Studie genau aufgeklärt und müssen bereit sein, sich randomisieren zu lassen. Randomisieren bedeutet, die Probandinnen nach dem Zufallsprinzip einer der beiden Gruppen zuzuordnen. Des Weiteren muss eine bestimmte kalkulierte Menge an Probandinnen an der Studie teilnehmen, damit sie einen repräsentativen Wert hat und eine Verallgemeinerung der Ergebnisse zulässig wird. Diesem quantitativen Studiendesign wird die höchste Qualitätsstufe innerhalb der evidenzbasierten Medizin zugeordnet.
Nur wenige Studien zu Auswirkungen von Geburtsvorbereitungskursen fallen verständlicherweise in diese Kategorie, da schon aus ethischen Gründen es nicht vertretbar ist, Frauen einen Geburtsvorbereitungskurs vorzuenthalten. Aus diesem Grund sind viele Studien so angelegt, dass sie zusätzlich zum üblichen Geburtsvorbereitungskurs eine bestimmte Intervention anbieten und deren Auswirkungen messen.
Geburtsvorbereitungskurse sind inhaltlich und in ihrer Ausführung stark unterschiedlich und abhängig von persönlichen, programmatischen und auch institutionellen Einflussfaktoren, sodass sie nur schwer miteinander zu vergleichen sind. In der Bewertung der Untersuchungen zur Geburtsvorbereitung ohne gezielte Intervention muss also mit in Betracht gezogen werden, dass nur die Auswirkungen eines allgemeinen Bildungsangebots untersucht werden konnte.
Im Sinne einer evidenzbasierten Hebammenarbeit sind jedoch nicht nur „harte“ Evidenzen aus quantitativen Verfahren, sondern auch Ergebnisse aus qualitativen Studien zum Erleben und zu den Wünschen und Erwartungen von Frauen an die Geburtsvorbereitung interessant und können der Reflexion des eigenen Handelns dienen.
Die folgenden ausgewählten Studien entstammen Ländern, die zumindest annähernd ähnliche Voraussetzungen haben in den Bereichen Lebensstil (westlich) und Gesundheitsversorgung. Die Geburtsvorbereitungskurse sind gesellschaftlich gut etabliert und werden unentgeltlich angeboten. In Schweden werden Kurse in einem Umfang von 4–14 Kursabenden angeboten. Es gibt Frauen- sowie Partnerkurse. Inwieweit die Kurse ausschließlich von Hebammen durchgeführt werden, ist nicht immer feststellbar. In den meisten Ländern ist es üblich, dass auch Ärztinnen, Psychologinnen oder speziell ausgebildete Geburtsvorbereiterinnen diese Kurse leiten.
Die meisten Studien zur Geburtsvorbereitung betrachten den Forschungsgegenstand retrospektiv, indem sie Frauen nach ihrem subjektiven Gefühl und Erleben befragen und zusätzlich soziodemografische und weitere Daten wie die PDA-Rate oder die Stillrate mit den Daten von Nichtteilnehmerinnen oder den Gesamtdaten vergleichen. Häufig wird auch ein experimentelles Studiendesign angewendet, bei dem mindestens zwei Gruppen – die Interventions- und die Kontrollgruppe – miteinander verglichen werden.
Gut belegt sind das soziodemografische Profil und einige weitere Aspekte von Kursteilnehmerinnen und der Frauengruppe, die keine Kurse besuchen.
Viele Studien berichten von einem recht hohen Anteil an Teilnehmerinnen bei Erstgebärenden. In der australischen Studie von Lumley und Brown (14) waren dies knapp 84% und in einer Kohortenstudie aus Schweden 93% der befragten Frauen, die in einem bestimmten Zeitraum Kinder geboren hatten (10). Die italienische Untersuchung von Spinelli et al. (21) verzeichnet mit 23% der Studienteilnehmerinnen die geringste Rate, jedoch nicht differenziert nach erst- und mehrgebärenden Frauen.
Eine aktuelle Umfrage in den USA (4) berichtet davon, dass 56% aller erstgebärenden und 9% der mehrgebärenden Frauen (25% aller Frauen) an einer Geburtsvorbereitung teilgenommen hatten. Bei der Frage nach ihrer wichtigsten Quelle für Informationen bezüglich die Schwangerschaft und die Geburt rangiert die Geburtsvorbereitung an fünfter Stelle nach Büchern, Freunden, Internet und Arzt.
Für Deutschland kann zwar von einer hohen Akzeptanz ausgegangen werden, doch liegen leider keine Daten über die Teilnahmehäufigkeit vor.
Zahlreiche Studien der letzten zwei Jahrzehnte kommen einheitlich zu dem Schluss, dass insbesondere junge Frauen, Singles, Frauen mit geringerer Schulbildung und geringerem Familieneinkommen, Frauen mit Migrationshintergrund und Raucherinnen weniger häufig an Kursen teilnehmen (2, 10, 14, 21). Befragt nach den Gründen der Nichtteilnahme äußerten die Frauen u. a., sie würden nicht glauben, dass ein Kurs ihnen helfen würde, die Termine seien ungünstig oder der Weg zur Kursstätte zu weit (14).
Frauen, die an einem Kurs teilnehmen, kommen eher aus gut gefestigten sozioökonomischen Zusammenhängen, sind häufiger gut gebildet und verheiratet. Sie beziehen zudem ihre Informationen aus einem breiteren Spektrum an Angeboten. So lesen sie häufiger Bücher zum Thema und befragen außerdem ihren Arzt oder ihre Ärztin sowie die Hebamme.
Wichtige Aspekte für schwangere Frauen (2, 12, 20) sind vor allem
Informationen zur Schwangerschaft und GeburtInformationen zur Gesundheit und Entwicklung des Kindesdie Reduzierung der Angst vor der GeburtAustausch und Kontakt mit anderen Frauen/Paaren in derselben Lebensphase.In einer repräsentativen Umfrage in Deutschland, an der sich 5.900 Frauen der Wöchnerinnenstationen von 109 geburtshilflichen Abteilungen beteiligten, zeigte sich, dass weit über 90% der Frauen die Vorbereitung auf die Geburt als wichtiges Thema der Beratung in der Schwangerschaft ansahen. Ca. 65% der Frauen gaben an, gesundheitsbezogene Informationen unter anderem über Geburtsvorbereitungskurse bezogen zu haben. Zudem waren die Frauen mit der Beratung durch Geburtsvorbereitungskurse oder die Hebamme im persönlichen Gespräch hoch zufrieden (2).
Ein hoher Informationsgrad bei den Frauen scheint in einer Wechselbeziehung mit dem Wunsch nach Mitbestimmung während der Geburt zu stehen.
Zu diesem Ergebnis kommen Ahner et al. (1) anhand einer Studie mit 431 Frauen in Wien. Je besser die Frauen informiert waren, desto wichtiger waren für sie sowohl der maßvolle Umgang mit Medikamenten als auch der wohlüberlegte Einsatz von medizintechnischen Geräten. Frauen, denen zu typischen geburtshilflichen Begriffen wie Presswehen, Blasensprung oder sanfte bzw. natürliche Geburt nur „wenig“ bis „gar nichts“ einfiel, zeigten kein ausgeprägtes Interesse an Mitbestimmung oder größtmöglicher Bewegungsfreiheit während der Geburt. Die Forderung nach Aspekten einer frauenorientierten Geburtshilfe stieg proportional mit dem Vorwissen.
Untersuchungen von Cronin (3) und Fabian et al. (10) ergaben, dass sehr junge Schwangere, Raucherinnen, Alleinerziehende und Frauen mit niedrigerem Bildungsniveau oder mit Migrationshintergrund sich rückblickend nach einer Kursteilnahme nicht ausreichend oder gut auf die Geburt und die frühe Elternschaft vorbereitet gefühlt haben. Die Autorinnen weisen darauf hin, dass diese Klientel anscheinend eine spezifische, ihren Bedürfnissen angepasste Geburtsvorbereitung und andere Methoden der Vermittlung braucht.
Spinelli et al. (21) führten mit 9.004 Frauen aus unterschiedlichen Regionen Italiens Interviews in einem Zeitraum bis zu vier Monaten nach der Geburt durch, um die subjektiven Auswirkungen der Geburtsvorbereitung beschreiben zu können. Zudem wurden weitere Daten, z. B. über den Geburtsmodus, die Stillrate und den Umgang mit dem Baby, aufgenommen. Die Forschergruppe konnte eine niedrigere Kaiserschnittrate sowie eine höhere Stillrate bei Frauen nachweisen, die an einer Geburtsvorbereitung teilgenommen hatten. Insgesamt verfügten diese Frauen bezüglich der Themenbereiche Kontrazeption, Stillen und Babypflege über mehr Wissen und hatten ein ausgeprägteres Kompetenzgefühl.
Fabian et al. (10) können nur zwei statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen feststellen: die häufigere Zufriedenheit mit dem Geburtserlebnis und der häufigere Gebrauch der Periduralanästhesie bei den Teilnehmerinnen. (Ein Ergebnis ist statistisch signifikant, wenn nach einer bestimmten Vorgehensweise festgestellt werden kann, dass es mit mindestens 95 %iger Sicherheit nicht auf einen Zufall zurückzuführen ist.)
In der schwedischen Kohortenstudie (10) wurden insgesamt 1.197 erstgebärende Frauen zu drei aufeinander folgenden Zeitpunkten (frühe Schwangerschaft, zwei Monate und ein Jahr nach der Geburt) befragt. Der besuchte Kurs wurde von 74% der Frauen als hilfreich für die Vorbereitung auf die Geburt bewertet. Als hilfreich für die Vorbereitung auf die Elternschaft erwies er sich für nur mehr 40% der Frauen, doch stieg diese Bewertung mit steigender Anzahl an Kursstunden an. Die Anzahl der Kursstunden war zudem ausschlaggebend für die Häufigkeit eines weiteren Kontaktes unter den Kursteilnehmerinnen nach der Geburt.
Die Forscherinnen konnten beim Vergleich der Aussagen von Kursteilnehmerinnen und Nichtteilnehmerinnen keine Unterschiede in Bezug auf die Beurteilung des erlebten Schmerzes, der Stilldauer und der eigenen Einschätzung elterlicher Fähigkeiten feststellen. Bis auf eine höhere Rate an Not-Kaiserschnitten in der Gruppe der Nichtteilnehmerinnen ließ sich auch beim Geburtsmodus kein Unterschied feststellen. Mit ihrem Geburtserlebnis waren jedoch die Kursteilnehmerinnen signifikant häufiger zufrieden: 55% bewerteten es als positiv (NT: 45%).
Bei diesen Ergebnissen wurde leider nicht weiter nach den soziodemografischen Daten differenziert.
Bezüglich des Gebrauchs von Möglichkeiten zur Schmerzlinderung (Bad, Akupunktur, TENS) und von medikamentöser Schmerzbekämpfung fällt auf, dass Kursteilnehmerinnen die Angebote insgesamt etwas häufiger nutzten. Nach einer Adjustierung mit den soziodemografischen Daten blieb jedoch nur eine Schmerzintervention statistisch relevant. Kursteilnehmerinnen nutzten die Periduralanästhesie etwas häufiger als Nichtteilnehmerinnen (T: 50% vs. NT: 41%).
Lumley und Brown (14) haben ebenfalls keinen signifikanten Unterschied bezüglich des Schmerzerlebens und des Gebrauchs von Schmerzmitteln zwischen den beiden Frauengruppen feststellen können. Jeweils ein Drittel der Frauen haben die erlebten Schmerzen viel stärker als erwartet empfunden. Dennoch wurden die Kurse in hohem Maße als hilfreich für die Schwangerschaft und die Geburt eingeschätzt. In der australischen Studie wurden die Daten von knapp 300 erstgebärenden Frauen ausgewertet.
Angesichts fehlender messbarer Auswirkungen bezüglich der Vorbereitung auf die Geburt in ihren Studien gehen Lumley und Brown (14) in der Diskussion ihrer Ergebnisse ebenso wie Fabian et al. (10) der Frage nach, inwieweit die hohe Einschätzung des Nutzens der Kurse durch die Eltern mit dem von Porter und Mcintyre (18) beschriebenen Phänomen „What is, must be best“ zu tun habe. Porter und Mcintyre hatten herausgefunden, dass Frauen dazu tendierten, das selbst erlebte System der Schwangerschafts-, Geburts- und Wochenbettbetreuung positiver als andere mögliche, aber nicht erlebte Arrangements zu beurteilen. Dieses Phänomen konnten Teijlingen et al. (22) bestätigen. Es betraf beispielsweise die Beurteilung von Frauen, die während der Geburt durch eine aus der Schwangerschaft bekannte Hebamme betreut wurden oder durch eine nicht bekannte Hebamme. Frauen, die eine bekannte Hebamme bei der Geburt hatten, fanden diesen Betreuungsstil sehr wichtig, während Frauen, die keine bekannte Hebamme bei der Geburt hatten, dies als nicht so wichtig beurteilten.
Die Ergebnisse beider Studien weisen darauf hin, dass trotz hoher Zufriedenheit mit bestehenden Angeboten eine Veränderung des Konzepts weitere Verbesserung bringen kann. Es könne jedoch auch sein, so die Forscherinnen, dass Kursteilnehmerinnen und ihre Partner nach Aspekten suchten, die in ihren Untersuchungen nicht zum Betrachtungsgegenstand gehört hätten (10, 14).
Die folgenden Studien thematisieren die Auswirkungen spezifischer Bildungsprogramme oder Interventionen, zum Teil innerhalb üblicher Geburtsvorbereitungskurse.
In einer australischen Pilotstudie haben sich praktische Lehreinheiten zu Stillpositionen positiv auf das Stillen und die Stilldauer ausgewirkt (6). Innerhalb des Geburtsvorbereitungskurses wurden den Frauen der Interventionsgruppe in praktischen Übungen verschiedene Stillpositionen durch eine geschulte Fachkraft vermittelt und erprobt sowie Informationen zum Stillen gegeben. Eine Kontrollgruppe erhielt die übliche Geburtsvorbereitung. Den Frauen der Interventionsgruppe fiel es während der ersten vier Tage nach der Geburt leichter als den Frauen der Kontrollgruppe, ihr Baby an die Brust anzulegen. Sie hatten zudem signifikant weniger häufig schmerzhafte Brustwarzen und weniger traumatisierte, rissige Haut. Nach sechs Wochen stillten von den 35 Frauen noch 31, bei der Kontrollgruppe waren es nur mehr 10 von 35 Frauen.
Fraser (11) beschäftigte sich mit den Auswirkungen von Bildungsprogrammen und untersuchte eine Intervention zur Steigerung der Rate von Vaginalgeburten nach vorangegangenem Kaiserschnitt in Kanada und den USA. Die 641 Frauen der Interventionsgruppe erhielten zweimal eine Stunde lang ein individualisiertes Unterstützungsprogramm, in dem alle für- und widersprechenden Faktoren in Bezug auf den Versuch einer Vaginalgeburt nach Kaiserschnitt mit einer spezifisch geschulten Fachkraft besprochen wurden. Die Frauen der Kontrollgruppe erhielten ein Informationsheftchen zum Lesen. In den beiden Gruppen lagen angestrebte und beendete Vaginalgeburten gleich hoch.
Ein anderes Bildungsprogramm befasste sich mit der Reduzierung der postpartalen Depression (13). Eine prospektive randomisierte Studie mit 206 Teilnehmerinnen untersuchte die Auswirkungen eines spezifischen Bildungsangebots zum Thema Wochenbettdepression, das in der Interventionsgruppe zusätzlich zur Geburtsvorbereitung durchgeführt wurde. Die Untersuchung konnte keinen Unterschied in der Häufigkeit von Depressionen nach der Geburt feststellen. Ein interessantes Nebenprodukt ist die Feststellung, dass die Teilnehmerinnen beider Gruppen in der Schwangerschaft stärkere Ausprägungen von depressiven Symptomen aufwiesen als nach der Geburt.
Die Verhinderung von postpartalem Stress oder Depressionen durch eine zusätzlich zur üblichen Geburtsvorbereitung abgehaltene Lektion zu postpartalen psychosozialen Aspekten wurde von Matthey et al. (15) untersucht. Die Intervention bestand aus zehn Komponenten; u. a. wurden eine Partnerdiskussion und eine Diskussion in Kleingruppen zum Lösen von „schwere Tage“-Szenarien durchgeführt. Die Forscherinnen berichten von guten Erfolgen bei Frauen mit niedrigerem Selbstbewusstsein für den Befragungszeitraum von sechs Wochen nach der Geburt. Die positiven Auswirkungen der Intervention führen Matthey et al. auf ein stärkeres Bewusstsein der Männer gegenüber den Aspekten und Herausforderungen, die ihre Frauen in der ersten Zeit nach der Geburt erleben würden zurück.
Auch wenn es bislang noch zu wenige Untersuchungen zu den Auswirkungen von Geburtsvorbereitungskursen gibt, können positive Effekte auf die Geburt und die Zeit danach festgehalten werden.
Geburtsvorbereitungskurse fördern:
das Gefühl, gut auf die Geburt vorbereitet zu sein,
den Kontaktaufbau zu anderen Eltern,
die Zufriedenheit mit der Geburt,
den Wunsch nach Mitbestimmung während der Geburt.
Praktische und gezielte Unterrichtseinheiten vor der Geburt können sich positiv auswirken auf:
die Stillrate und Stilldauer,
das Verständnis von Männern für die Situation ihrer Frauen nach der Geburt.
Die Zielsetzungen, die in der Geburtsvorbereitung vermittelt werden, sollten jedoch nicht isoliert bleiben, sondern eine Fortführung und Unterstützung in der Schwangerenvorsorge, während der Geburt und im Wochenbett finden.
Das Ziel der Geburtsvorbereitung, werdende Eltern zu unterstützen, sich aktiv an Entscheidungen zu beteiligen, muss von allen begleitenden und betreuenden Hebammen, dem Pflegepersonal, den Ärztinnen und Ärzten im Krankenhaus weiter aufgenommen, gewünscht und unterstützt werden (19).
1. Ahner R., Stokreiter C., Bikas D., Husslein P. (1996). Ansprüche an die Geburtshilfe in der Großstadt: Präpartale Erhebung. In: Geburtshilfe und Frauenheilkunde, 56: 50–54.
2. Bergmann R. L., Kamtsiutcis P., Bergmann K. E., Huber M., Dudenhausen J. W. (2000). Kompetente Eltern. In: Deutsche Hebammenzeitschrift, 10: 577–581.
3. Cronin C. (2003). First-time mothers – identifying their needs, perceptions and experiences. In: Journal of Clinical Nursing, 12: 260–267.
4. Declercq E.R., Sakala C., Corry M.P., Applebaum S. (2006). Listening to Mothers II: Report of the Second National U.S. Survey of Women’s Childbearing Experiences, Childbirth Connection, New York.
5. Department of Health (DoH) (1995). Changing childbirth, Part 2: Survey of good communications practice in maternity services, London: HMSO.
6. Duffy E.P., Percival P., Kershaw E. (1997). Positive effects of an antenatal group teaching session on postnatal nipple pain, nipple trauma and breast feeding rates. In: Midwifery 13, 189–196.
7. Dunkley J. (2003): Gesundheitsförderung und Hebammenpraxis. Bern: Verlag Hans Huber.
8. Enkin M.W., Keirse M.J.N.C., Renfrew M.J., Neilson J.P. (Hrsg.). Dt. Ausgabe: Gross M., Dudenhausen J.W. (Hrsg.) (1998). Effektive Betreuung während Schwangerschaft und Geburt. Wiesbaden: Ullstein Medical.
9. Enkin M., Keirse M. J.N.C., Neilson J., Crowther C., Duley L., Hodnett E., Hofmeyr J. (2000). A Guide to Effective Care in Pregnancy and Childbirth, 3rd ed. Oxford, UK: Oxford University Press.
10. Fabian H.M., Rådestad I.J., Waldenstrøm U. (2005). Childbirth and parenthood education classes in Sweden. Women’s opinion and possible outcomes. In: Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica, 84: 436–443.
11. Fraser W., Maunsell E., Hodnett E., Moutquin J.M. (1997). Childbirth Alternatives Post-Cesarean Study Group. Randomised controlled trial of a prenatal vaginal birth after cesarean section education and support program. In: American Journal of Obstetrics and Gynecology, 176 (2): 419–425.
12. Gagnon A. J. (2006). Individual or Group Education for Childbirth/Parenthood. (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 3.
13. Hayes B. A., Muller R., Bradley B. B. (2001). Perinatal depression: a randomised controlled trial of an antenatal education intervention for primiparas. In: Birth, Vol: 28 (1) March, 28–35.
14. Lumley J., Brown S. (1993). Attenders and Nonattenders at Childbirth Education Classes in Australia: How Do They and Their Birth Differ? In: Birth 20: 3 September, 123–130.
15. Matthey S., Kavanagh D.J., Howie P., Barnett B., Charles M. (2003). Prevention of postnatal stress or depression: an evaluation of an intervebtion at preparing for parenthood classes. In: Journal of Affective Disorders 79: 113–126.
16. Nolan M. L. (1997). Antenatal education – where next? In: Journal of Advanced Nursing, 25 (6): 1198–1204.
17. Page L.A. (2000). The New Midwifery. Science and Sensitivity in Practice. Edingburgh: Churchill Livingstone.
18. Porter M., Mcintyre S. (1984). What is must be best: A research note on conservative or deferential responses to antenatal care provision. In: Social Science and Medicine, 1197–2000.
19. Sayn-Wittgenstein F. zu (Hrsg.). (2007). Geburtshilfe neu denken. Bericht zur Situation und Zukunft des Hebammenwesens in Deutschland. Bern: Verlag Hans Huber.
20. Shearer M.H. (1993). Birth Commentary: Effects of Prenatal Classes Cannot Be Measured by Obstetric Management. In: Birth 20:3 September, 130–131.
21. Spinelli A., Baglio G., Donati S., Grandolfo M. E., Osborn J. (2003). Do antenatal classes benefit the mother and her baby? In: Journal of Maternal-Fetal and Neonatal Medicine Volume 13, Number 2/February 01: 94–101
22. Teijlingen E.R van, Hundley V., Rennie A.-M., Graham W., Fitzmaurice A. (2003). Maternity Satisfaction Studies and Their Limitations: „What Is, Must Still Be Best“. In: Birth 30 (2), 75–81.
Heidi Bernard, Andrea Birk, Dagmar Stapper
„Erkläre mir und ich werde vergessen. Zeige mir und ich werde mich erinnern. Beteilige mich und ich werde verstehen.“
(Sprichwort)
In unserer Arbeit in Geburtsvorbereitungskursen lassen wir uns auf ein interessantes und vielschichtiges Arbeitsfeld im Bereich der Erwachsenenbildung ein. Diese Arbeit fordert uns in besonderem Maße, denn Erwachsene sind heute beim Lernen anspruchsvoller als je zuvor.
Erwachsene möchten effektiv das Erlernen, was sie später wirklich anwenden können.
Beim Erwerb von Wissen haben sie im Laufe der Jahre einen
individuellen Lernstil
ausgebildet.
Sie möchten, vor allem in Kursen, die in der Freizeit stattfinden, ohne Langeweile und mit Spaß neues Wissen miteinander und voneinander erwerben.
Und sie möchten sich natürlich als erwachsene Menschen mit ihren Erfahrungen angenommen und gleichberechtigt fühlen.
Daraus ergeben sich die folgenden Leitbegriffe der modernen Didaktik (s. ▸ Abb. 2-1).
Nach Kurt Lewin (6) gibt es drei unterschiedliche Kategorien von Führungsstilen:
Der autoritäre Führungsstil bestimmt und lenkt die Aktivitäten einer Gruppe. Die Gruppenmitglieder werden nicht einbezogen, sondern die Leiterin referiert ihre Themen und lässt wenig oder gar keine Gruppengespräche zu. Die Gruppe wird zunehmend passiv, stellt keine Fragen, lässt sich „berieseln“. Wenn die Kursleiterin eine sehr erfahrene Frau ist, die durch Berufsjahre und Lebenserfahrung eine große Autorität darstellt, kann es auch sein, dass die KursteilnehmerInnen „ihre Hebamme“ sehr bewundern, kritiklos alles hinnehmen, was sie sagt und selbst dabei eher passiv bleiben und die eigenen Bedürfnisse nicht erkennen.
Die Informationsweitergabe geht eher in Richtung Manipulation als in Richtung bewusste persönliche Entscheidungsfindung. Die Gruppe ist eher teilnahmslos, die Kursleiterin ist oft ausgelaugt und erschöpft.
Der kooperative oder demokratische Führungsstil fördert die Aktivitäten in der Gruppe. Diskussionen sind erwünscht und werden gezielt angeleitet. Die Kompetenzen und Erfahrungen der TeilnehmerInnen können sich entfalten. Kontroverse Diskussionen werden zu gelassen. Ein aktiver Meinungsprozess wird gefördert.
Abb. 2-1 Leitbegriffe der modernen Didaktik
Dieser Führungsstil setzt voraus, dass genügend Zeit für Gespräche eingeräumt wird und dass die Gruppen nicht zu groß sind (die Hebammengebührenordnung sieht maximal 10 TeilnehmerInnen vor). Es werden Gruppenregeln verabredet, die den Schutz des Einzelnen zusichern. Dieser Führungsstil erfordert konzeptionelles und methodisches Wissen zur Arbeit mit Erwachsenen. Unterschiedliche Lernmethoden, Übungen und gruppendynamische Anleitungen bilden das Konzept für diesen Führungsstil.
Aus heutiger Sicht ist diese Art, Gruppen zu leiten, mit den größten Lernerfolgen verbunden und entspricht den Anforderungen einer modernen, zeitgemäßen Erwachsenenbildung.
Der Laissez-faire oder passive Führungsstil ist eher eine Art des Nichtleitens. Gesprächsthemen werden dem „Zufall“ überlassen und nicht gesteuert, Gruppenprozesse werden nicht gelenkt. Die Kursleiterin setzt keine Strukturen und Rahmenbedingungen. Sie wirkt wie eine Gruppenteilnehmerin. Mit dieser Art des „Nichtleitens“ entsteht in der Regel wenig bis gar kein Zusammenhalt in der Gruppe, der Gruppenprozess hat eher den Charakter einer Selbsthilfegruppe. Die Lernerfahrungen sind eher gering.
Wenn wir wollen, dass die Frauen die Geburt selbst mitbestimmen, sollten wir auch die Geburtsvorbereitungskurse dementsprechend gestalten.
Tab. 2-1 Lehrmethoden im Vergleich
Ein flexibles Kurskonzept, das Veränderungen zulässt, gibt den TeilnehmerInnen, aber auch der Kursleiterin, den Raum für eine persönliche Weitentwicklung. Dadurch werden und bleiben die Kurse zeitgemäß und lebendig.
Die Selbstständigkeit der KursteilnehmerInnen wird gefördert und dies ist im Hinblick auf den späteren Einstieg in die Elternschaft und die damit verbundene Übernahme von mehr Verantwortung auch sinnvoll. Durch das gemeinsame Erarbeiten und Erreichen von Lernzielen wird das „Wir-Gefühl“ in der Gruppe gefördert.
Obwohl es für die Kursleiterin zunächst mehr Arbeit und großes Umdenken erfordert, sollten die Wünsche und Bedürfnisse der TeilnehmerInnen über die eigenen Ansichten der Kursleiterin gestellt werden. Den hohen Ansprüchen der KursteilnehmerInnen können wir nur mit entsprechender Professionalität begegnen. Wenn wir möchten, dass Eltern selbstbestimmt und aktiv in die Geburt gehen, sollten wir ihnen bereits in den Kursen Mut zum Ausprobieren und verantwortungsvollen Entscheiden machen.
PRAXISTIPPS
Auch den TeilnehmerInnen selbst ist diese Art des Lernens zunächst manchmal ungewohnt und neu, bricht sie doch mit alten, während der Schulzeit gemachten Erfahrungen. Sich nicht von der Kursleiterin „berieseln“ zu lassen, kann natürlich auch mal anstrengend sein!
Mit der folgenden Übung könnten Sie TeilnehmerInnen auf diese Art der gemeinsamen Arbeit einstimmen:
Bitten Sie alle TeilnehmerInnen in der Kursbestätigung oder beim Vorgespräch zum ersten Abend einen Stein mitzubringen.In der ersten Stunde füllen die Eltern ihre Steine in ein Gefäß, Sie als Kursleiterin füllen nun die Zwischenräume mit feinem Sand.Erklären Sie, dass die Steine das bereits vorhandene Wissen der TeilnehmerInnen symbolisieren und ihre Aufgabe als Kursleiterin darin besteht, dieses Wissen zu verknüpfen, zu sortieren und eventuelle Lücken zu füllen.Ist das Gefäß am Ende sehr schwer geworden, können Sie die TeilnehmerInnen noch fragen, ob sie glauben, dass sie so viel Wissen mitschleppen müssen oder ob es auch Aufgabe des Kurses sein kann, Überflüssiges auszusortieren?Professionalität bedeutet nicht nur das ständige Erweitern des Fachwissens, sondern auch die Bereitschaft zur persönlichen Weiterentwicklung in den Bereichen Fachkompetenz, Eigenkompetenz, soziale Kompetenz und Methodenkompetenz.
Es kommt also nicht nur darauf an, was wir vermitteln, sondern auch wie wir das Wissen vermitteln, damit es effektiv von den KursteilnehmerInnen aufgenommen wird.
Fachkompetenz:
Wissensstand aktualisieren (Fachliteratur, Fortbildungen)
Austausch mit Kolleginnen
Fachzirkel
Eigenkompetenz:
Freude an der persönlichen Weiterentwicklung
Eigenreflektion (z. B. Umgang mit eigenen Vorurteilen und Vorbehalten)
Eigenes Rollenverständnis als Kursleiterin (fülle ich meine Rolle eher lehrend oder beratend aus?)
Eigene Visionen entwickeln
Gute Selbstorganisation (gutes Zeitmanagement, Wirtschaftlichkeit)
Authentizität (passt dieses Kurskonzept zu mir und meinen Vorstellungen?)
Projektion eigener Erfahrungen aus dem Bereich Sexualität/Geburtshilfe (z. B. „vaginale Untersuchung tut doch nicht weh!“)
Soziale Kompetenz:
Empathie/Toleranz
Gute Atmosphäre schaffen
Gute Zusammenarbeit mit Kolleginnen
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Umgang mit Konflikten
Methodenkompetenz:
Durch entsprechende Präsentation
Durch Moderation als Kommunikationsform
Didaktischen Aufbau einzelner Kursstunden und eines ganzen Kurses („roter Faden“)
Eine gelungene Präsentation von Inhalten ruht auf drei Säulen
Aufbereitung der InhalteEinsatz von MedienWirkung der eigenen PersonBei der Gestaltung einer Kurseinheit müssen folgende Punkte bedacht werden:
Rahmenbedingungen klären
Aufbau der Lerneinheit mit Einstieg, Inhalt und Ausstieg
Didaktische Reduktion
Lernebenen berücksichtigen
Lehrmethoden
Um die Lerninhalte für die TeilnehmerInnen angemessen zu präsentieren bzw. moderieren, müssen wir den zu vermittelnden Stoff entsprechend aufbereiten. Bei der Vorbereitung eines Themas ist es sinnvoll, sich einige Gegebenheiten und Bedingungen bewusst zu machen.
Teilnehmer:
Kennen sich die TeilnehmerInnen schon gut, können sie also schon „eng“ zusammenarbeiten und sich auch mit sehr persönlichen Themen beschäftigen? Oder sollten eher Methoden mit mehr Distanz gewählt werden?
Gibt es bei dem Thema große Informationsunterschiede innerhalb der Gruppe? Müssen alle erst auf einen Informationsstand gebracht werden? Oder kann eine Methode gewählt werden, bei der die Teilnehmer voneinander lernen?
Die Methodenwahl hängt auch von der Teilnehmerzahl ab. Sollte die Gruppe evtl. in kleinere Gruppen aufgeteilt werden?
Inhalte:
Soll die Kurseinheit eher informativ, erlebnisorientiert oder sozialintegrativ/kommunikativ sein?
Wo liegen die inhaltlichen Problemzonen, die schwer zu vermitteln sind, sehr (vielleicht sogar zu) persönlich werden?
Kann die Kursleiterin die TeilnehmerInnen auffangen, wenn es zu Gefühlsausbrüchen kommt? Wie kann das evtl. vermieden werden?
Wie können die Erfahrungen der TeilnehmerInnen mit eingebracht werden?
Die KursteilnehmerInnen müssen keine Experten auf dem Gebiet werden. Deshalb sollten die Informationsvermittlung und der zeitliche Rahmen der Kurseinheit angemessen sein (didaktische Reduktion).
Lernziele:
Was soll das Lernziel sein?
Wie kann der Bezug zur Lebenspraxis hergestellt werden?
Wie können die TeilnehmerInnen die Lernziele mitbestimmen?
Wo können die Kursteilnehmer bestätigt werden und wo können sie angeregt werden, ihre bisherige Meinung zu überdenken?
Methode(n):
Wie kann der Methodenwechsel gesichert werden?
Wie mache ich die Schwangeren/Paare auf das Thema neugierig?
Wie können die TeilnehmerInnen zur aktiven Mitarbeit motiviert werden? Wie können sie auf mehreren Ebenen/mit mehreren Sinnen angesprochen werden?
Wie können sie gut aufbereitete Informationen erhalten und dabei untereinander guten Kontakt herstellen?
Welche Methode passt in den zeitlichen Rahmen?
Welche methodischen Vorlieben haben die KursteilnehmerInnen? Welche Methoden kommen erfahrungsgemäß gut an?
Organisation:
Was lassen die räumlichen Gegebenheiten zu?
Wie lässt sich der Raum gestalten?
Kursleiterin:
Wie vertraut ist mir das Thema? Muss ich mich selbst erst auf den aktuellen Wissensstand bringen?
Suche ich mir eine Fachperson, die das Thema mitgestaltet (z. B. frischgebackene Eltern, Stillberaterin)?
Wie stehe ich als Kursleiterin zu dem Thema?
In welcher Rolle sehe ich mich als Kursleiterin bei diesem Thema? Eher vortragend, aktivierend oder integrierend?
Welche Methoden sind mir als Kurleiterin vertraut, welche bevorzuge ich?
Habe ich Lust, das Thema mal anders anzugehen, Neues auszuprobieren?
Wie viel Zeit habe ich, um das Thema vorzubereiten? Welche finanziellen Mittel stehen mir dafür zur Verfügung?
Medien:
Welche Medien habe ich zur Verfügung?
Gibt es gute Info-Broschüren oder Anschauungsmaterialien zu dem Thema? Wo kann ich sie beziehen? Lohnt sich die Investition?
Wie kann ich die Medien gut von den TeilnehmernInnen nutzen lassen?
Evaluation:
Welchen Eindruck hatte ich als Kursleiterin von der Kurseinheit? Ist die Kurseinheit gut angekommen?
Welche Rückmeldungen kamen von den KursteilnehmerInnen?
Wurde das Lernziel erreicht?
Sind methodische Veränderungen in Zukunft bei diesem Thema nötig?
Nachdem die Kursleiterin die Rahmenbedingungen geklärt hat, gilt es die zu vermittelnden Inhalte ansprechend zu präsentieren. Es sollen die wichtigsten Informationen effektiv und überzeugend an die Teilnehmer gebracht werden.
Eine Präsentation kann wie ein Menü zusammengestellt werden:
Einstieg (= Vorspeise)Inhalt (= Hauptgang)Ausstieg (= Nachspeise)Zu Beginn einer Kurseinheit ist es wichtig, alle KursteilnehmerInnen (auch die Kursleiterin) auf das kommende Thema einzustimmen („Appetit machen“). Die Teilnehmer sollen die eigene Stimmung zu dem Thema entdecken, evtl. in irgendeiner Form darstellen (Bild, Assoziationen) oder äußern, und es sollte Raum/Zeit gegeben werden, um sich über bisherige Erfahrungen untereinander auszutauschen. Erst wenn die Schwangeren/Paare sich ihrer individuellen Stellung zum Thema bewusst sind, ist ein lebhafter, offener und produktiver Austausch mit den anderen Kursteilnehmern bzw. der Kursleiterin möglich. Dies ist wünschenswert, um eine positive Weiterentwicklung entsprechend der neuen Lebenssituation zu ermöglichen.
Dazu gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten:
Bilder/Fotos zeigen
Assoziationen suchen lassen
einen Text vorlesen
ein Hörspiel vorspielen
einen kurzen Film zum Thema zeigen
Statistiken/Daten und Zahlen
Metaphern, Märchen, Gedicht, Zitat, Fabeln oder Parabeln zum Thema suchen
mit einer aktuellen Nachricht beginnen
eine eigene Anekdote erzählen
eine wahre Geschichte erzählen
ein Symbol zum Thema vorstellen und den Bezug erklären
eine Kurzdiaserie zum Thema zusammenstellen
ein Bild, Comic, Cartoon zum Thema zeichnen lassen
In diesem „Hauptgang“ des Menüs werden die eigentlichen Informationen vermittelt. Dabei gibt es viele Parallelen zur Nahrungsaufnahme.
Schwer verdauliche und somit tote Informationen wären:
Plakate mit zu viel und zu klein gedrucktem Text sowie zu vielen verschiedenen Schriftarten und -größen (= unübersichtlich, aus der Ferne nicht erkennbar) –
„Kein Augenschmaus!“
veraltete Informationen (= Kursleiterin wirkt nicht kompetent) –
„Keine frischen Zutaten“
Informationen, die den TeilnehmerInnen ein Gefühl der Ohnmacht vermitteln (= schürt Ängste) – „
Wer soll das alles essen?“
Informationen, die den Leser offen kritisieren (= Lebenserfahrung wird nicht respektiert)
Informationen, die nicht für die Zielgruppe (Schwangere und ihre Partner) bestimmt sind (= Desinteresse steigt, kein Bezug zur aktuellen Lebenssituation) –
„Ich wollte doch etwas Italienisches essen!“
zu viele Informationen (= TeilnehmerInnen sollen keine Geburtshelfer werden, siehe didaktische Reduktion) –
Völlegefühl, Verdauungsprobleme
zu viele Wiederholungen (= langweilig) – „
Nicht schon wieder Spaghetti!“
Der Effekt wäre, dass das Wissen nicht vermittelt wird und die Teilnehmer sich desinteressiert vom Thema abwenden. Stattdessen empfehlen sich folgende Maßnahmen:
Schmackhaft informieren:
eine Brücke zum Einstieg schlagen –
„Appetit wurde bereits angeregt“
an die Erfahrungen der Teilnehmer anknüpfen (= Spannung/Interesse bleibt erhalten)
eine passende, attraktive Methode wählen –
„Das Auge isst mit“
bzw.
„Essen mit allen Sinnen“
von eigenen Vorlieben und Neigungen bei der Medien- und Methodenwahl ausgehen – „
Kochen mit Leib und Seele“
das Interesse der Teilnehmer nicht mit Informationspapieren erschlagen
Kontakt zur Gruppe herstellen –
„gemeinsame Mahlzeiten haben hohen Kommunikationsfaktor“
Leicht Verdauliches servieren:
kleine Informationsportionen, sonst kommt es zu
Verdauungsproblemen
den Teilnehmern genügend Zeit zum Verarbeiten, Besprechen und Mitgestalten geben, so bleiben Sie mit dem Thema und anderen TeilnehmerInnen in Kontakt –
„Verdauung braucht Zeit“
einen Bezug zu bisherigen Erfahrungen oder der aktuellen Lebenssituation herstellen –
Lieblingsessen
Außerdem:
verschiedene Lernebenen berücksichtigen
verschiedene Medien einsetzen
einen klaren Anfang und ein definitives Ende gestalten
ein roter Faden sollte sich durch die Kurseinheit ziehen, d. h. nachvollziehbare Gliederung –
Vor-, Haupt- und Nachspeise sollten zueinander passen
Dramaturgie/Spannung aufbauen und erhalten
Siehe auch „Wirkung der eigenen Person“,
▸
S. 21
Um die Lerneinheit abzuschließen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, z. B.
eine kurze Zusammenfassung/Wiederholung, dabei sollte man sich auf das Wesentliche beschränken
einen Slogan/Appell formulieren, der sich im Laufe der Kurseinheit herauskristallisiert hat
eine Überleitung zu einer abschließenden Diskussion
ein Zitat, Märchen oder Gedicht vortragen.
Um die wesentlichen Informationen teilnehmergerichtet zu vermitteln, ist eine Reduktion sehr sinnvoll, schließlich sollen die Kursteilnehmer nicht zu Geburtshelfern ausgebildet werden.
Die folgende Checkliste hilft, um den Stoffumfang in angepasstem Umfang zusammenzustellen:
Inhalte sammeln
Ausgewählte Inhalte
auf das Wesentliche reduzieren
, dabei ist zu beachten:
Sind aktuelle Informationen enthalten?
Wie ist der Wissenstand der TeilnehmerInnen bei diesem Thema?
Entsprechen die Informationen der Zielsetzung?
Sprechen Inhalte, Vokabular und Formulierungen die Gruppenteilnehmer an?
Was kann noch gekürzt werden?
Sind die Infos gut zu visualisieren?
Weniger ist mehr!
Um die passende Lehrmethode zu finden, ist es wichtig, die verschiedenen Lernebenen bei Menschen zu berücksichtigen. Wir nehmen Informationen mit unseren Sinnen auf und verarbeiten sie sehr individuell.
Das Prinzip der drei Lernebenen Kopf-Herz-Hand hat schon Aristoteles formuliert.
Kopf
(Gehirn): kognitiv; der logische Intellekt wird angesprochen.
Herz
: affektiv; gefühlsbetont, emotional; kann einen sehr hohen Erinnerungseffekt haben.
Hand
: psychomotorisch; körperorientiert, handlungsorientiert.
Wird bei einem Lernprozess nur eine Lernebene angesprochen, ist die Aufnahmefähigkeit sehr beschränkt (der Kanal ist schnell zu) und die Effektivität der Lerneinheit ist gering.
Nur die Ansprache mehrerer Ebenen und somit der vielfältigen menschlichen Sinne (Hör-, Seh-, Geschmacks-, Geruchs-, Tast-, Bewegungs-, Gleichgewichts-, Sprachsinn) beziehen den lebenserfahrenen Lernenden als Ganzes in den Prozess mit ein.
So wurde z. B. die hohe Effektivität von Exkursionen, Rollenspielen und visualisierten Vorträgen nachgewiesen. Im Gegensatz dazu ist der Lernerfolg bei reinen Vorlesungen/Vorträgen (der Klassiker in der Erwachsenenbildung, siehe Vorlesungen in Universitäten), bei denen nur der Hörsinn angesprochen wird, sehr gering. Beim multisensorischen Lernen werden die individuellen Lernvorlieben der Teilnehmer durch die Ansprache unterschiedlicher Sinne insofern berücksichtigt, als dass jeder Teilnehmer seinen bevorzugten (Sinnes-)Zugang zum Thema findet.
Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie ein Thema ansprechend präsentiert werden kann. ▸ Abb. 2-2 zeigt einen Überblick über die wichtigsten Methoden:
Abb. 2-2 Mind-Map-Lehrmethoden
Welche Methode, als Vehikel für die Informationsvermittlung, dabei die geeignete ist, hängt von verschiedenen Faktoren (z. B. Thema, Gruppengefüge, Rahmenbedingungen, Vorlieben) ab. In den verschiedenen Kurskonzepten, die in diesem Buch vorgestellt werden, finden Sie eine Vielzahl von ausgearbeiteten Kurseinheiten, die eins zu eins von der Kursleiterin übernommen oder je nach Vorlieben, Methodenkompetenz etc. modifiziert werden können.
Nach der Präsentation sollte den Teilnehmern Raum und Zeit gegeben werden, die Informationen durch eigenes aktives Mitgestalten annehmbarer zu machen, z. B. durch
individuelle Ideen und Anmerkungen
gemeinsames Vergleichen, Austauschen und Ergänzen
gemeinsames Gestalten und Darstellen der erfahrenen Inhalte
Dies erhöht gleichzeitig die Interaktion und Kommunikation innerhalb der Gruppe.
Bei der Präsentation der Lehrinhalte kommt neben der Aufbereitung der Inhalte auch dem Einsatz von Medien eine große Bedeutung zu. Eine der Grundregeln der Moderation lautet:
Erlernte Inhalte sollten konsequent visualisiert werden.
Um dies umzusetzen, brauchen wir Medien. Hier stehen uns die Pinnwand und das Flipchart zur Verfügung.
Sie bietet eine große Fläche für vorbereitete Plakate.
Innerhalb einer Kursstunde lässt sich das Pinnwandpapier beschriften und gestalten.
Texte, Bilder oder Karten können angebracht und jederzeit verschoben, neu gestaltet oder anders sortiert werden.
Die TeilnehmerInnen können ihre Beiträge auf Moderationskarten notieren, die dann auf der Pinnwand für die ganze Gruppe sichtbar sind.
Pinnwände bieten TeilnehmerInnen genügend Platz, um selbst gestaltete Ergebnisse von Gruppenarbeiten zu präsentieren.
Man kann auch mehrere Pinnwände zusammenstellen und so eine Ausstellung von Bildern zu einem bestimmten Thema vorbereiten.
Flipchart nennt man einen auf einem Gestell befestigten großen Papierblock.
Auf Flipchartbögen können Sie während der Stunde schreiben, aber natürlich auch fertige Grafiken und Texte präsentieren.
Das Flipchart ist gut geeignet für Zuruf-Fragen, die innerhalb des Kurses visualisiert werden müssen.
Wenn nur ein kurzer Text visualisiert werden soll, z. B. bei einem Willkommensgruß, ist der Platz auf dem Flipchart ausreichend.
Das Flipchart hat den Nachteil, dass einmal geschriebene Sachen fest dastehen und nicht mehr, wie bei den Karten der Pinnwand, bewegt werden können.
Natürlich können Sie Pinnwand und Flipchart auch miteinander kombinieren. Suchen Sie sich immer einen Standplatz seitlich davon aus, damit alle Gruppenmitglieder gut sehen können. Pinnwand und Flipchart ermöglichen mit relativ wenig Aufwand eine lebendige Gestaltung der Kursstunden, bei der die Teilnehmer jederzeit einbezogen werden können und eigene Ideen am besten umsetzbar sind.
Nur bedingt sinnvoll für die Geburtsvorbereitung sind folgende technische Gerätschaften:
Mit Laptop und Powerpoint können Sie eine Präsentation in perfekter Technik vorbereiten.
Auch kleine Filmsequenzen sind möglich.
Unterlegung mit Musik und Text, viele Gestaltungsmöglichkeiten.
Bei entsprechendem Know-how perfekt animiert.
Powerpoint-Präsentationen wirken dadurch jedoch schnell „überpowert“!
Die TeilnehmerInnen haben keine Möglichkeit, sich direkt einzubringen.
Gut geeignet für Vorträge vor großen Gruppen.
Weckt bei vielen TeilnehmerInnen Erinnerungen an die eigene Schulzeit.
Präsentationen lassen sich gut vorbereiten.
Folien sind gut zu transportieren.
Die Visualisierung ist nur für die Dauer der Projektion sichtbar.
Die Beteiligung der TeilnehmerInnen ist eher umständlich.
Frontalvortrag mit veranschaulichenden Bildern.
Mögliche Themen: Bilder zum Stillen, über den Geburtsverlauf oder Gebärpositionen.
Bewegte Bilder sind kurzweilig.
Geburtsfilm, Stillen.
Der Konsumhaltung der Teilnehmer wird dadurch jedoch Vorschub geleistet.
Innerhalb eines Kurses präsentieren Sie neben den Inhalten auch immer sich selbst. Und auch wenn natürlich das Thema wichtiger ist als die Ausstrahlung der Kursleiterin, haben Sie doch einige Möglichkeiten, die Wirkung Ihrer Person positiv zu beeinflussen.
Achten Sie auf eine klare und deutliche Aussprache. Regionale Sprachfärbungen stören im Kurs jedoch nicht und wirken auf die in der Regel aus der gleichen Region stammenden TeilnehmerInnen eher sympathisch.
Sprechen Sie nicht zu schnell und achten Sie auf ausreichende Pausen. um der Gruppe Zeit zu lassen, Aussagen aufzunehmen und zu verstehen.
Versuchen Sie, wenn möglich auf Nebenlaute wie „Äh“ und „Hm“ zu verzichten, sie wirken auf die TeilnehmerInnen wie akustische Denkanzeigen der Kursleiterin.
Achten Sie vor allem bei etwas längeren Vorträgen auf die Modulation Ihrer Stimme, variieren Sie in Melodie, Lautstärke und Tempo, denn Monotonie ist langweilig und wirkt einschläfernd.
Sie können schon mit Ihrer Wortwahl die Gruppe aktivieren, indem Sie die TeilnehmerInnen direkt ansprechen und das indirekte
„man …“
vermeiden.
Beispiele:
indirekt: „Man könnte der Frau mit Massagen helfen“
direkter: „Sie können Ihrer Frau bei der Geburt mit Massagen helfen.“
indirekt: „Möchte noch jemand etwas sagen?“
direkter: „Wer möchte noch etwas sagen?“
Wie Inhalte von TeilnehmerInnen auf- und angenommen werden, hängt auch von der Beziehung und inneren Einstellung ab, die zwischen der Gruppe und der Kursleiterin, aber auch dem eigenen Verhältnis zum Thema bestehen. Dieses Verhältnis wird hörbar im Tonfall und sichtbar in der Körpersprache. Der Psychologe Paul Watzlawick sagt es sehr treffend: „Man kann sich nicht nicht verhalten!“
Diese nonverbalen Signale werden natürlich von ihrem Gegenüber auch wahrgenommen und entsprechend interpretiert. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sich durch stete Eigenreflektion der eigenen Einstellung zu bestimmten Themen oder auch TeilnehmerInnen bewusst zu werden (s. ▸ Kap. 5).
Suchen Sie einen guten Stand, das gibt Ihnen Sicherheit und vermittelt dies auch den Gesprächspartnern.
Bewegen Sie sich nicht allzu ausholend, denn so vermitteln Sie Unruhe und wirken schnell hektisch.
Wechseln Sie die Gestik, stereotype Bewegungen wirken langweilig und ermüdend.
Mimik
Versuchen Sie, alle TeilnehmerInnen im Blick zu halten, indem Sie Ihren Blick schweifen lassen. So fühlt sich jedes Gruppenmitglied gleichermaßen wahrgenommen.
„Das Lächeln, das Sie aussenden, kehrt zu Ihnen zurück!“ (Sprichwort).
PRAXISTIPPS
Bereiten Sie sich gut auf Ihren Kurs vor. Planen Sie genügend Zeit ein, damit Sie nicht abgehetzt zum Kurs kommen und selber einen Moment abschalten können, bevor Sie starten. Auch die Vorbereitungszeit ist Arbeitszeit!Falls Sie befürchten, den roten Faden zu verlieren, halten Sie zur eigenen Sicherheit ruhig ein kleines Stichwortmanuskript bereit. Auch hierfür sind die Moderationskarten gut geeignet.Achten Sie darauf, dass alle TeilnehmerInnen Sie gut sehen können und wechseln Sie zwischendurch Ihren Standort.Starten Sie nicht zwei Aktionen gleichzeitig, das schafft nur Verwirrung.Machen Sie sich nichts draus, wenn nicht alles so klappt, wie Sie es geplant hatten: „Leben ist, wenn was dazwischen kommt!“Moderation ist eine Kommunikationsform, die das Ziel hat, Betroffene zu Beteiligten zu machen.
Die Grundprinzipien der Moderation sind:
Mitverantwortung
Teilnehmeraktivierung
Visualisierung
Ein effektives und zielgerichtetes Arbeiten in einer Gruppe gelingt besonders gut, wenn wir es schaffen, zunächst einmal eine gute Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Wichtig ist es hierbei, den TeilnehmerInnen zu verdeutlichen, dass der Kurs durch ihre Vorstellungen und Wünsche mit beeinflusst und gestaltet werden kann. Diese Wünsche und Fragestellungen sollten wir bereits zu Beginn des Kurses erfragen, um sie dann in unserem Konzept auch wirklich berücksichtigen zu können.
Im Falle der Geburtsvorbereitung heißt das auch, dass die TeilnehmerInnen ermutigt werden, ihre eigenen Erfahrungen mit in die Kursarbeit einfließen zu lassen.
Innerhalb einer Gruppe ist oft ein großer Pool von Wissen vorhanden, denn kaum eine Schwangere kommt in den Kurs, ohne sich zuvor an anderen Stellen über Schwangerschaft und Geburt informiert zu haben. Lassen wir dieses Wissen in die Kursarbeit einfließen, erleben wir dies oft als große Bereicherung für die Gruppe aber auch für uns als Kursleiterin.
Die TeilnehmerInnen machen in der Diskussion mit anderen Betroffenen die Erfahrung, dass es viele unterschiedliche Meinungen und Problemlösungen gibt, die oft auch nebeneinander stehen können, gemäß dem Sprichwort: Viele Wege führen nach Rom.
Ein weiterer positiver Effekt ist, dass die TeilnehmerInnen sich als selbständige und mündige Personen wahrgenommen und mit ihren Bedürfnissen ernst genommen fühlen.
Wenn wir so bereits frühzeitig alle TeilnehmerInnen in das Kursgeschehen einbinden und ausreichend am Lernprozess beteiligen, fühlt sich jede einzelne Teilnehmerin auch für das Ergebnis dieses Kurses verantwortlich.
Dies stellt eine enorme Entlastung für uns Kursleiterinnen dar. Natürlich trägt die Kursleiterin weiterhin die Verantwortung für die Auswahl der passenden Methoden und auch die Aufbereitung der Inhalte, aber es ist schön, einen Teil der Verantwortung für das Ergebnis an die Gruppe abzugeben.
Ist sich jede Teilnehmerin ihrer Verantwortung bewusst geworden, identifiziert sie sich mehr mit dem Kursgeschehen und wird sich eher bemühen, durch positive Mitarbeit die Gruppe weiterzubringen, anstatt durch das Einnehmen einer negativen Rolle, wie der des Störenfriedes, Verweigerers oder Kursclowns, die Gruppe an der Arbeit zu hindern. Ein mögliches Konfliktpotenzial wird also reduziert, und auch das ist für uns als Kursleiterin entlastend und wohltuend.
Wir können mit den TeilnehmerInnen gemeinsam zu Beginn des Kurses Spielregeln aufstellen, die dann während des Kurses für alle verbindlich sein sollten. Hier können sowohl die TeilnehmerInnen als auch die Kursleiterin ihre eigenen Wünsche für eine gute Arbeitsatmosphäre anbringen.
Beispiele:
„Ich möchte die Stunde gerne pünktlich beginnen.“
„Ich kann besser arbeiten, wenn die Handys leise oder ausgestellt werden.“
„Wir wünschen uns regelmäßige Pausen.“
„Fragen sind jederzeit willkommen.“
Regelmäßiges Feedback gibt Ihnen als Kursleiterin die Möglichkeit, zu überprüfen, ob noch alle TeilnehmerInnen „an Bord“ sind, d. h. ob die TeilnehmerInnen mit dem Ablauf des Kurses zufrieden sind und sich in der Gruppe wohl fühlen. Dies kann z. B. als Feedbackrunde, Blitzlicht, Fragebogen oder auch bei Zeitmangel durch das Anbringen von Klebepunkten auf einem Lernbarometer (Wie sinnvoll fanden Sie die heutige Kursstunde?) stattfinden.
Das Einrichten einer „Klagemauer“ gibt KursteilnehmerInnen auch dann die Möglichkeit, Unmut zu äußern, wenn keine Feedbackrunde vorgesehen ist oder sie sich nicht trauen, ihr Anliegen vor der Gruppe zu äußern. So erfahren Sie als Kursleiterin frühzeitig, wenn etwas nicht in Ordnung ist und haben nicht das Gefühl, dass sich hinter Ihrem Rücken eventuell etwas zusammenbrauen könnte.
PRAXISTIPPS
Sie können dafür z. B. eine Pinnwand einrichten mit der Überschrift:
Ich könnte besser arbeiten, wenn …
an der die TeilnehmerInnen ihre Karten anbringen können.
Keinesfalls muss die Kursleiterin Ihre TeilnehmerInnen wie eine Übermutter rundum versorgen und verwöhnen. Selbständigkeit ist auch hier gefragt. Mitarbeit durch die TeilnehmerInnen ist also bei den praktischen Aufgaben im Kurs erwünscht und sinnvoll.
Die Matten wegbringen, den Tisch abräumen, eine Teilnehmerliste erstellen und andere Aufgaben werden verteilt, alle sind verantwortlich. Oft freuen sich gerade teilnehmende Männer, ganz praktisch etwas beitragen zu können. Die Kursleitung profitiert auch hier durch die Entlastung.
In der Bildungsarbeit mit Erwachsenen sollten wir uns immer wieder bewusst machen, dass unsere TeilnehmerInnen über Lebenserfahrung und oft großes Vorwissen verfügen. Das heißt, jeder kann von jedem lernen und auch wir Kursleiterinnen gewinnen immer wieder neue spannende Ansichten und Aspekte hinzu.
Der klassische Frontalunterricht, in dem die Kursleiterin erklärt und die anderen zuhören, birgt die Gefahr, dass sich die TeilnehmerInnen nach einer gewissen Zeit (meist sind das etwa 20 Minuten!) zu langweilen beginnen und die Aufmerksamkeit und damit auch Aufnahmefähigkeit sinkt. Spätestens dann wird es Zeit, die Gruppe aktiv am Unterricht zu beteiligen, andere Sinne anzusprechen und damit das Erlernte erfahrbar zu machen und zu verfestigen.
Für viele TeilnehmerInnen ist ein teilnehmerzentrierter Unterrichtsstil zunächst ungewohnt und neu. Abseits von der gewohnten Konsumhaltung werden hier die werdenden Eltern gefordert. Damit dies unseren TeilnehmerInnen gut gelingt und sie zwar fordert, aber nicht überfordert, sollten wir zunächst für ein gutes Ankommen in der neuen Situation sorgen.
Die Teilnehmer sollten mit dem Kursort vertraut sein und sich
räumlich
orientieren können. Beispiel: Wo geht es zur Toilette?
Ein erstes
Kennenlernen der andern Kursteilnehmer
baut eventuell vorhandene Scheu und Hemmungen ab. Beispiel: Vorstellungsrunden und Kennenlern-Spiele.
Der
Austausch von Wünschen und Erwartungen
an den Kurs zeigt bereits zu Beginn des Kurses, dass hier die Meinung jedes Teilnehmers zählt.
Der Ablauf und die Organisation des Kurses sollte für alle klar und bekannt sein. Beispiel: Wann beginnt und endet der Kurs? Wann sind Pausen geplant?
Klare Regeln
erleichtern den Einstieg in die Kursarbeit und geben Orientierung.
Beispiel: Innerhalb des Kurses wollen wir uns Siezen oder Duzen.
Durch eine
angenehme Atmosphäre im Kursraum
können wir Kursleiterinnen viel zum Wohlbefinden unserer KursteilnehmerInnen beitragen.
Beispiel: Ansprechende Räume, Versorgung mit Getränken
Ist die neue Situation in der Gruppe ein bisschen vertrauter geworden, trauen sich die TeilnehmerInnen schon eher, sich zu öffnen und aktiv zu beteiligen.
„Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt“
(chinesisches Sprichwort)
Bewegungsübungen zum Beginn eines Kurses und als Einstieg in die Stunde geben den TeilnehmerInnen die Möglichkeit, Unsicherheit und Spannungen abzubauen. Zwischen den Übungseinheiten sorgt Bewegung für einen klaren Kopf und erhöht dadurch die Aufmerksamkeit. Das praktische Umsetzen theoretischer Inhalte vertieft und verfestigt das Erlernte und macht Wissen erfahrbar.
Beispiel: Die Vorteile der vertikalen Gebärpositionen zunächst erarbeiten und dann gemeinsam verschiedene Positionen ausprobieren. Was fühlt sich gut an?
Um die Aufmerksamkeit und Betroffenheit für ein Thema zu erhöhen, können wir einzelne Themen in freier Arbeit oder unter Anleitung der Kursleiterin von den TeilnehmerInnen erarbeiten lassen. Dies kann in der ganzen Gruppe, aber auch als Kleingruppen, Paar- oder Einzelarbeit stattfinden.
Durch den Wechsel in der Methodik bringen wir Bewegung nicht nur im körperlichen Sinn ins Lernen. Ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln mit unterschiedlichen Methoden bearbeiten zu lassen, bringt jeden Teilnehmer in den Genuss, in seiner bevorzugten Kommunikationsart lernen zu können. Vieles lässt sich gerade in der Geburtsvorbereitung nicht in Worten ausdrücken und wird erst durch die Ergänzung durch Bilder, Spiele oder Körperübungen erfahrbar und damit auch nachvollziehbar.
Nur wenn die Gruppe aktiv miteinander in Kontakt ist, auch nonverbal, bringen die TeilnehmerInnen sich in die Gruppe ein.
Dies kann in Diskussionen in der ganzen oder in kleinen Gruppen stattfinden. Auch kontrovers geführte Diskussionen stellen eine Bereicherung dar. Die Teilnehmer erfahren, dass es zu vielem eben auch unterschiedliche Ansätze gibt und dass es gilt, einen eigenen Standpunkt zu finden.
Hat die Kursleiterin den Eindruck, dass die Gruppe bei einem sehr kopflastigen, komplexen Thema nicht mehr bei der Sache ist, kann sie durch Wahrnehmungsübungen oder kinesiologische Übungen die Arbeitsfähigkeit verbessern und für Konzentration sorgen.
Sind die Teilnehmer entspannt und nicht zu sehr mit ihren Alltagsgedanken beschäftigt, wird die Bereitschaft größer, sich den Themen der Geburtsvorbereitung zuzuwenden. Hierzu stehen uns Entspannungsübungen und Fantasiereisen zur Verfügung.
Und natürlich sind auch regelmäßige Pausen wichtig, in denen sich die TeilnehmerInnen bewegen und miteinander kommunizieren können, um Neues zu verarbeiten und sich zu erholen.
Zur Aktivierung, als Konzentrationsübung, aber auch zum Energieaufbau können Bewegungsund Kreativspiele eingesetzt werden. Hier können TeilnehmerInnen ganz spielerisch Inhalte vertiefen, in Bewegung umsetzen oder neu Erlerntes in anderen Situationen ausprobieren.
Idealerweise beinhaltet eine Unterrichtseinheit mehrere Teilnehmer-aktivierende Methoden und spricht die Frauen/Paare so auf mehreren Ebenen an.
Eine gute Gruppendynamik entsteht durch eine ausgewogene Kombination der Methoden und Angebote aus jedem der folgenden Bereiche:
Gespräche
: Gruppenarbeit, Diskussion
Spiele
: z. B. einem Quiz zum Thema Stillen
Arbeiten
: z. B. Gruppenarbeit, Körperarbeit
Feiern
: z. B. bei einem gemeinsamen Essen
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.
Informationen nur über das gesprochene Wort weiterzugeben bedeutet, nur einen „Eingangskanal“ zu nutzen. Erfassen wir Informationen auch über den visuellen Weg, werden die Informationen besser behalten.
All das, was mit dem Auge erfasst werden kann: Dies können Bilder sein, Fotos, Skizzen, Cartoons, Piktogramme, aber auch Tabellen oder Diagramme. Die Arbeit mit Symbolen oder Gegenständen, die Assoziationen entstehen lassen, ist ebenfalls eine Form der Visualisierung.
Es ist möglich, den Lernprozess durch Visualisierung zu begleiten und damit für die TeilnehmerInnen nachvollziehbarer zu machen. Zu diesem Zweck können z. B. vorbereitete Tafeln, die im Vortrag von der Kursleitung oder der Gruppe mit Stichworten ergänzt werden, eingesetzt werden. Schwerpunkte, Stimmungen und Tiefe können so über die Gestaltung von Tafeln und Papierbögen zum Ausdruck gebracht werden.
Innerhalb der Kursstunden erhalten TeilnehmerInnen eine Orientierungshilfe über bereits erarbeitete Zusammenhänge und Inhalte. So kann das Wesentliche verdeutlicht und damit leichter erfasst werden.
Die Visualisierung bringt zusätzliche Möglichkeiten für die Gestaltung einer Kurseinheit, macht die Einheit interessanter und erhöht dadurch die Aufmerksamkeit unserer KlientInnen.
Für die schwangeren Frauen und ihre Partner ist es leichter, sich an das Erlernte zu erinnern, wenn sie etwas nicht nur gehört, sondern auch gesehen haben. Gerade die Arbeit mit Symbolen ist sehr einprägsam.
Werden die Lerninhalte dann noch zusätzlich erfahrbar gemacht und ausprobiert, sind sie wirklich gut verankert und für die TeilnehmerInnen auch in der Praxis abrufbar.
Aber auch für uns
Kursleiterinnen
bietet die Visualisierung Vorteile. Eine Strukturierung der Kurseinheit fällt uns leichter, wenn wir uns innerhalb der Stunde an unseren vorbereiteten Bögen und Tafeln orientieren können, wir können uns sicher sein, dass wir nichts Wichtiges vergessen.
Auch Wiederholungen und Redeschleifen werden damit vermieden.
Aufbau und Struktur sind für die ganze Gruppe nachvollziehbar und sorgen damit für Transparenz.
Beiträge und Stellungnahmen der KursteilnehmerInnen werden ebenfalls möglichst zeitnah festgehalten. So werden die Eltern in die Stunde einbezogen, eigene Ergebnisse entstehen, die dann wiederum die Identifikation mit dem Geschehen im Kurs erhöhen.
Unerlässlich ist eine detaillierte Ausarbeitung als Vorbereitung auf die Kursstunde, was im Vorfeld zwar etwas Mühe macht, dann aber auch gerade am Anfang zu mehr Sicherheit verhilft. So stellen sich eingangs die Fragen:
„Was möchte ich visualisieren und mit welchem Ziel?“
